Kap. 2: Reiche und Völker, Sprachen und Schriften im Alten Orient. Übersichten.

INHALT

    1. Vorbemerkung.

    2. Zu Reichs- und Völkerbildungen.

    3. Zu Sprachen und Schriften des Alten Orients.

    4. Literatur, Medien Quellen.

1. Vorbemerkung.

Da in diesem Skript Aspekte der Religionsgeschichte des biblischen Raums und der weiteren Antike im Mittelpunkt stehen, kann und soll auf verschiedene andere wichtige Bereiche der Altertumsgeschichte nicht näher eingegangen werden. Weil bei diesem Thema aber trotzdem ein weitergehender Informationsbedarf anzunehmen ist, was insbesondere die Geschichte von Völkern und Staaten, Sprachen und Schriften betrifft, von denen man angemessene Kenntnis haben muß, wenn man religionsgeschichtliche Quellen und Fragestellungen richtig einordnen will, so werden in diesem Kapitel einige Übersichten dazu zusammengefaßt. Dabei kann es sich nur um eine kurze Orientierung handeln. Es können in den beiden folgenden Abschnitten daher lediglich Karten- und Daten-Übersichten oder kleinere Illustrationen geboten werden, die darüberhinaus zumeist aus anderen wissenschaftlichen Werken entlehnt sind und somit auch auf diese verweisen.

Generell ist auf die im besonderen Literaturverzeichnis dieses Kapitels (s. unter P. 3) und im Allgemeinen Literaturverzeichnis angegebene Literatur zur eigehenderen Einführung und Übersicht und ihre zumeist auch im Detail weiterführenden, ggf. auch aktuellen Literaturverzeichnisse und Quellenregister hinzuweisen.

 1. Zu Reichs- und Völkerbildungen.

Der Alte Orient gilt als die älteste Hochkulturzone der Welt. Zur Hochkulturbildung gehören nach der im historischen Begriffsgebrauch allgemeinüblichen Bedeutung dieses Begriffs (Abgrenzungsprobleme werden im folgenden durch Apostrophe deutlich gemacht) die Bildung 'städtischer 'Bevölkerungsakkumulationen, ein technologisch-zivilisatorischer Fortschritt - einschließlich des allseitigen praktischen Schriftgebrauchs - gegenüber dem Kulurniveau 'barbarisch-landwirtschaftlicher' oder 'barbarisch-nomadischer' Kulturen, soziale Ausdifferenzierung des gesellschaftlichen Aufbaus nach 'Einkommen', 'Status' und Arbeitsfunktionen und nicht zuletzt die Entstehung 'politischer' - d. h. überverwandtschaftlicher und territitorialer - Volks- und Herrschaftsorganisation und im Zusammenhang damit auch disziplinierter, 'öffentlich' regulierter militärischer Strukturen und den 'politischen Zwecken' angepaßter administrativer und sakral-priesterlicher Organisationsformen. Die Geschichte des 'Alten Orient' ist die Geschichte seiner Hochkulturen und ihrer hier definierten Wesenszüge.

In dieser Geschichte wirkt sich eine Völkervielfalt und ständige Völkerdynamik seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. in einem - in längerer historischer Perspektive gesehehen - ständigen Wechsel von Herrschafts- und Reichsbildungen und ihrer Vökerzuordnung aus. Betrachtet man das Sprachmoment in der Völkerwelt des Alten Orients, so sind semitische, indoiranische und verschiedene andere (wie z. B. 'sumerische' oder 'kaukasische') Sprachgruppen zu unterscheiden.

Im Rahmen der Geschichte des Alten Orients ist die Geschichte des Volkes Israel in Palästina relativ jung. Sie beginnt dort, wenn man von frühen ägyptischen Schriftzeugnissen ausgeht, etwa im 13. Jht. v. Chr. Sie reicht dann aber durch verschiedene Epochen - einer stammesbundlichen Existenz, eines bzw. zweier Königreiche vor der assyrischen und der babylonischen Gefangenschaft, einer nachbabylonischen Existenz unter achämenidischer, später hellenistsicher Herrschaft - bis in die Zeit des Imperium Romanum, in dem während der Kaiserzeit eine besondere staatliche Existenz einem Provinzialstatus weicht und - nach verschiedenen Konflikten mit der römischen Führungsmacht - schließlich auch in ihren Resten - wie dem Jerusalemer Tempelkult - aufgelöst wird. Wegen der Beleuchtung all dieser Epochen durch die in der Bibel - des israelitisch-jüdisch 'Alten' und des christlichen 'Neuen Testaments' - sind dessen verschiedene Bücher und Textschichten oft nicht nur eine religionsgeschichtliche, sondern auch eine allgemeingeschichtliche Quelle ersten Ranges für den Alten Orient. Sie steht allerdings angesichts des heutigen Forschungsfortschritts als ein Elelement neben vielen anderen heute neu erschlossenen Zeugnissen anderer nahöstlicher Völker und Kulturen des Altertums, mit denen sie in ein Verhältnis gegenseitiger Erklärung und Deutung gesetzt werden kann und muß.

 a) Kartenbilder für das 3. und 2. Jahrtausend v. Chr.

Entnommen aus: Putzger, Historischer Weltatlas, hg. von W. Leisering unter Mirarbeit vieler Wissenschaftler, Cornelsen-Verlag, Berlin 1991 101 , S.4. - Zur Vergrößerung in das Bild klicken. 


b) Geschichte des Alten Orients im kurzen Daten-Überblick:

 Allgemeine Datenübersicht: AlteHK.GIF

Entnommen aus: Der Große Plötz. Auszug aus der Geschichte. Hg. vom Plötz-Verlag unter Mitarbeit von 69 Fachwissenschaftlern, Freiburg, Würzburg 1988 30 , S. 62 f. 


c) Detailliertere Zeittafeln.

Einzeln:

Tafel 1: AltOrDat1.GIF Tafel 2 : AltOrDat2.GIF Tafel 3: AltOrDat3.GIF Tafel 4: AltOrDat4.GIF

Zusammengefaßt : Tafel 1 - 4 zusammen: AltOrDat.htm

(Entnommen aus: Leonard Wolley, Mesopotamien und Vorderasien. Die Kunst des Mittleren Ostens, Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundalgen', Baden-Baden, 1979 3, S. 228 - 235).

3. Zu Sprachen und Schriften des Alten Orients.

Zur Übersicht über die altorientalischen Sprachen und ihren Schriftsystemen: Martin Noth, Die Welt des Alten Testaments. Eine Einführung, Freiburg u. a. O.1991; B. Meißner, K. Oberhuber, Die Keilschrift, Berlin 1967, 3 ,;Adolf Erman, Die Hieroglyphen, Berlin, Leipzig 1917; Carol Andrews, Der Stein von Rosette, dt. Übers. von W. Froriep, Veröffentlichung des British Museum, London 1985; W. Dittenberger, Orientis Graeci Inscriptiones Selectae, Bd. 1, Hildesheim 1960, Nr. 90 ('Stein von Rosette'), S. 140 ff. Harald Haarmann, Universalgeschichte der Schrift, Frankfurt, New York 1990; aus diesem besonders empfehlenswerten Einführungs- und Übersichtswerk entstammen die meisten der im folgenden verwendeten Graphiken.

 a) Zur Übersicht über die Sprach- und Schriftsysteme im Alten Orient.

 aa) Die Keilschrift-Formen.

Wie bei der Hieroglyphenschrift, waren es auch bei der Keilscchrift Herrschernamen (wie 'Darius' - 'da.a.ra.ya.va.u.sha' oder 'Xerxes' - 'ha.sha.ya.a.ra.sha.a') in Keilschhrifttexten, in denen sie sicher angenommen werden konnten, welche die Entzifferung des gesamten Zeichensystems einleiteten. Doch bereiteten nicht nur das Zeichensystem selbst, sondern auch seine erheblichenVeränderungen von der sumerischen bis zur römischen Zeit und seine Verbindung mit ganz unterschiedlichen Sprachen (wie dem Sumerischen, dem Akkadischen, dem Assyrischen und Babylonischen, dem Elamischen, dem Persischen u. a.) seiner Entzifferung Schwierigkeiten. Anbei zwei Beipielstexte, die Georg Friedrich Grotefend i. J. 1802 zur Identifikation der perisch-keilschriftlichen Schreibweise der o. g. Herrschernamen (in den Beispielstexten jeweils die Zeichengruppe hinter der Ziff. 1, am Textanfang) verwendete:
 PersKS1.GIF
 PersKS2.GIF

Ein Text-Beispiel in Keilschrift und Uebersetzung:
 KS3.GIF
 KS4.GIF

Zum System der Keilschrift: Zeichenbeschreibung:
  KSSyst.GIF.

 bb) Die Hieroglyphen und ihre Formen.

Zur Entzifferung der Hieroglyphen. Die Besonderheit ägyptischer Herrscherinschriften, den Namen des Herrschers oder der Angehörigen seiner Dynastie in sog. 'Coartochen' einzufassen, ermöglichte bei einer in mehreren Schriften - dem bekannten Griechischen, den altägyptischen Hieroglyphen und der 'demotischen' Schrift - eine Identifikation der in Cartouchen eingeschlossenen Hieroglyphenzeichen mit bekannten Lautwerten. Dies leitete eine allmähliche Entzifferung des gesamten, recht umfangreichen Zeichenschatzes der Hieroglypehnschrift ein, nachdem - auf Vorarbeiten anderer Gelehrter aufbauend - Francois Champollion i. J. 1822 seine grundlegende Entzifferung der Namen im Stein von Rosette vorgenommen hatte. Der Stein von Rosette und die Ptolemäus- 'Cartouche':
 Rosett1.GIF
 Rosett2.GIF

Ein Text-Beispiel: Sarginschrift aus dem Grab Tut-anch-Amons mit Übersezung:
  Hg3.GIF
.

Zum System der Hieroglyphenschrift: Zeichenliste 1 und 2:
 HgSyst1.GIF
 HgSyst2.GIF

cc) Syllabische Bildschriften im Alten Orient außerhalb der Keilschrift.

Byblosschrift, Beispiel:
 ByblSS.GIF

Kretische Linearschrift, Beispiel:
 KretSS.GIF

Hethitische Hieroglyphen, Beispiel:
 HethSS.GIF
.

 dd) Zur Entwicklung der Alphabetschrift.

Zum vereinfachten Hieroglyphengebrauch der 'Sinai-Schrift', Beispiel und Zeichenliste:
 SinABC.GIF
  SinSyst.GIF

Das frühe phönikische Alphabet als Ausgangssystem für die Aphabetschriften des nahöstlichen und mediterranen Raums der Antike, Beispiele und Zeichenliste:
 PhoeABC.GIF
 PhoeSyst.GIF

 

 b) Zur Entwicklung der hebräischen Schrift und zur wissenschaftlichen Edition des Bibeltextes.

 Eine Scherbeninschrift aus Lachis d. J. 588 v. Chr., das 'Ostrakon' (aus: Marin Noth, Die Welt des alten Testaments. Eine Einführung, Berlin 1991, S. 199):
  OstrLach.GIF

Eine beschriebene Rolle aus den Funden am Roten Meer: die 'Habakuk-Rolle' (aus: Harald Haarmann, Universalgeschichte der Schrift, Frankfurt, New York 1990, S. 311):
  Habakuk.GIF

 Zur Schreibweise des hebräischen Alphabets seit der mittelalterlichen masoretischen Schreibreform: Zeichenliste 1 (Buchstaben) und 2 (einige diakritische Zeichen); aus: W. Baumgartner (Hg.), Hollenberg-Budde, Hebräisches Schulbuch, 197126 , S. 1 und 4:
 HebrABC1.GIF
 HebrABC2.GIF

Eine Seite aus der wissenschaftlichen Edition eines althebräischen Bibeltexttextes (2. Mos. 2. 5 -23) mit Anmerkungen aus: Biblia Hebraica, ed. R. Kittel, Stuttgart 1912, S. 3 :
 Gen1.GIF
.

Zur lautlichen Umschrift des hebräischen Textes ins Deutsche (aus R. Meyer, Hebräisches Textbuch zu G. Beer, R. Meyer, Hebräische Grammatik, Berlin 1960, S. 16 f.:
 Gen2.GIF
.

Die Legenden (1 und 2) für den wissenschaftlichen Apparat einer Textedition der hebräischen Bibel:
  Legende1.GIF
 Legende2.GIF

 

4. Literatur, Medien, Quellen.

 Zu allen Abschnitten dieses Kapitels weitere Angaben im Allgemeinen Verzeichnis: LitQVerz.htm .

Literatur:

(Zu allen Aspekten)

Martin Noth, 'Die Welt des Alten Testaments. Eine Einführung, Freiburg u. a. O. 1991.

Eduard Meyer, Geschichte des Altertums, 5 Bde., Stuttgart 1884 und 1902 (1. Auflage); mehrfache Neuauflagen mit teilweise erheblichen Umarbeitungen, so z. B. des 1. Bandes; letzte (4.) Aufl. hg. von E. Stier 1939 - 1958).

(Zu Ägypten)

Erik Hornung, Einführung in die Ägyptologie. Stand, Methoden, Aufgaben, Darmstadt 1993 4 (mit ausführlicher aktueller Bibliographie).

Eberhard Otto, Ägypten - der Weg des Pharaonenreichs, Stuttgart 1966 (Einführung).

Wolfgang Helck, Geschichte des Alten Ägypten, Handbuch der Orientalistik 1. Bd. (Ägyptologie), 3. Abschnitt, Leiden, Köln 1968.

Hartwig Altenmüller u. a., [Altägyptische] Literatur, Handbuch der Orientalistik 1. Bd. (Ägyptologie), 2. Abschnitt, Leiden, Köln 1970 2 (Religiöse Literatur, S. 82 - 168).

(Zum Alten Orient, schwerpunktmäßig außer Ägypten und Israel)

Wolfram von Soden, Einführung in die Altorientalistik, Darmstadt 1985 (mit ausführlicher aktueller Bibliographie).

Sabatino Moscati, Die Altsemitischen Kulturen, Stuttgart 1961 Einführung).

H. Schmökel, H. Otten, V. Maag, T. Beran, Kulturgeschichte des Alten Orients: Mesopotamien, Herthiterreich, Syrien-Palästine, Urartu, Stuttgart 1961.

Leonard Wolley, Mesopotamien und Vorderasien. Die Kunst des Mittleren Ostens, Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen', Baden-Baden, 1979 3 .

(Zum israelitsic-jüdischen Bereich)

J. Maier, Das Judentum. Von der biblischen Zeit bis zur Moderne, Bindlach 1988.

Manfred Clauss, Geschichte Israels. Von der Frühzeit bis zur Zerstörung Jerusalems (587 v. Chr.), München 1986.

Yohanan Aharoni, Das Land der Bibel. Eine historische Geographie, übersetzt von Almut Loew, (1962), Neukirchen-Vluyn 1984.

(Zur Sprach- und Schriftgeschichte)

Harald Haarmann, Universalgeschichte der Schrift, Frankfurt, New York 1990.

Hermann Kees (Hg.) , Hierogyphen. Schrift und Sprache, Handbuch der Orientalistik 1. Bd. (Ägyptologie), 1. Abschnitt, Leiden, Köln 1959.

Adolf Erman, Die Hieroglyphen. Berlin, Leipzig 1917.

Carol Andrews, Der Stein von Rosette, dt. Übers. von W. Froriep, Veröffentlichung des British Museum, London 1985

B. Meißner, K. Oberhuber, Die Keilschrift, Berlin 1967 3 . 

Medien:

Der Große Plötz. Auszug aus der Geschichte. Hg. vom Plötz-Verlag unter Mitarbeit von 69 Fachwissenschaftlern, Freibutg, Würzburg 1988 30 , S. 62 f.

Putzger, Historischer Weltatlas, hg. von W. Leisering unter Mirarbeit vieler Wissenschaftler, Cornelsen-Verlag, Berlin 1991 101 , S.4.

W. Baumgartner (Hg.), Hollenberg-Budde, Hebräisches Schulbuch, 1971 26 .

R. Meyer, Hebräisches Textbuch zu G. Beer, R. Meyer, Hebräische Grammatik, Berlin 1960. 

Qellen:

Biblia Hebraica, ed. R. Kittel, Stuttgart 1912 in wissenschaftlicher Übersetzung und Kommentierung, z. B. bei: E. Kautzsch, A. Bertholet u. v. a., Die Heilige Schrift des Alten Testaments [wissenschaftliche, kommentierte Übersetzung mit kritischem Apparat], 2 Bde., Tübingen 1922 4 .

O. Kaiser (Hg.) , Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Gütersloh 1982 - 1985, Bd. I und II.

E. Schmalzriedt (Hg.), Hauptwerke der antiken Literaturen. Einzeldarstellungen zur griechischen, lateinischen und biblisch-patristischen Literatur, München 1976.


 

Vl/Ue Gizewski WS 1998/99

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)

 

 

Christian Gizewski

LV Gizewski WS 1998/99