Übersicht über die Bibel.

 I. ALTES TESTAMENT.

Notwendig sehr knappe Hinweise auf Inhalte, Entstehungzeit und Textschichten sowie die üblichsten Einordnungen und Abkürzungen der einzelnen Bücher. Die sachlichen Angaben und Einschätzungen stützen sich - wegen fehlender eigener spezieller Forschugszuständigkeit des Autors - im wesentlichen auf Erwägungen des Kommentars zum Alten Testament von E. Kautzsch, 'Die Heilige Schrift des Alten Testaments', im Zusammenwirken mit einer Anzahl Fachgelehrter der biblischen Philologie und Geschichte herausgegeben von A. Bertholet, Tübingen 1923 4 , auf die Darstellung der Überlieferungsgeschichte der Bibeltexte von Martin Noth, 'Die Welt des Alten Testaments', Berlin 1992 und die von mehreren Fachwissenschaftlern stammenden zusammenfassenden Charakteristiken in E. Schmalzriedt, Hauptwerke der antiken Literaturen., München 1976, S. 491 ff. (Die biblisch-patristische Literatur bis zum Ende des Altertums). Auf diese und weitere einschlägige Literatur wird hier deshalb ausdrücklich hingewiesen. 

1. 'Geschichtsbücher'; nach jüd. Trad.: 'Gesetz' ('Thora') und 'Vordere Propheten'.

1. Buch Mose = Genesis (1. Mos.; Gn) Eine 'jahvistische' Textschicht (J, mit Unterteilungen) wird schwerpunktmäßig datiert zwischen ca. 850 und 750 v. Chr., teilweise auch früher, eine 'elohistische' Textschicht (E, mit Unterteilungen) schwerpunktmäßig im 8. Jht. v. Chr., teilweise früher (bis ca. 825), teilweise später (bis etwa 650 c. Chr., dem Zeitpunkt einer redaktionellen Zusammenfügung von J und E ). Dazu kommt im 1. Buch Mose noch eine 'Priesterkodex'-Schicht (P, mit verschiedenen Unterteilungen), die in die Jahrzehnte der 'babylonischen Gefangenschaft' seit 587 v. Chr. und in das nachfolgende Jahrhundert (Neh. 8, 9) datiert wird. Die redaktionelle Zusammenfassung der verschiedenen Textschichten als 'Weltanfangsgeschichte', als 'Ur- und Gründungsgeschichte des sraeltisch-jüdischen Volkes' und als 'Thora' wird für die Zeit bis etwa um 400 v. Chr. angenommen; in 4. Jht. ist der gesamte 'Pentateuch' nachweisbar.
2. Buch Mose = Exodus (2. Mos.; Ex)  Wie 1. Buch Mose.
3. Buch Mose = Leviticus (3. Mos.; Lv)  Wie 1. Buch Mose.
4. Buch Mose = Numeri (4. Mos.; Nm)  Wie 1. Buch Mose.
5. Buch Mose = Deuteronomium (5. Mos; Dt) Außer aus den Textschichten der anderen Mose-Bücher besteht das 5. Buch Mose vor allem aus der 'deuteromomistischen' Textschicht (D, mit Unterteilungen), die im allg. mit dem in 2. Kg. 22, 3 ff. erwähnten Kultgesetz d. J. 623 v. Chr. gleichgesetzt wird.
Josua = Josue (Jos) Das Buch Josua speist sich aus denselben Quellen wie die Mosebücher, ist jedoch möglicherweise von Anfang an nicht mit diesen zusammen, sondern etwas später besonders redigiert worden. Es bezieht sich auf die nach den Mose-Büchern älteren Phasen der israelitisch-jädischen Geschichte, bereits in Palästina.
Richter = Iudices (Ri; Iud) Einzelne Elemente des Richter-Buchs, die sog. 'Heldengeschichten' (H, mit Unterteilungen), z. B. Kap. 8 (4 ff.), 9, 17, 18, sind älter als die Textschichten J und E der Mose-Bücher. In einem 'deuteronomistischen' Textzusammenhang (Dt) könnten sie mit anderen - später gefaßten - Textquellen ('Kleine Richer') über die Vor-Königs-Geschichte verbunden und dann nochmals in 'nachexilischer' Zeit - bis etwa um 400 v. Chr. - mit weiteren Textquellen abschließend redigiert worden sein (R).
Ruth (Rt) Eine unter Aufnahme von Motiven aus der Richterzeit wohl in nachexilischer Zeit entstandene lehrhafte Erzählung von der Frömmigkeit und Treue einer ausländischen Frau.
1. Buch Samuel (1. Sm) Die beiden Samuel-Bücher, die zunächst vereint waren, stellen mit den beiden Königs-Büchern eine Einheit dar; darauf deutet auch ihre Bezeichnung als 1. und 2. Königsbuch - vor dem dann 3. und 4. Königsbuch - in der (griech.) 'Septuaginta' und in der (lat.) 'Vulgata' hin. In einer 'deuteronomistischen' redaktionellen Zusammenfassung (Dt) der Königszeit-Geschichte werden mehrere 'Geschichten des Königtums' aus salomonischer und aus etwas späterer Zeit (K, mit Unterteilungen) u. a. mit chronologischen Listen, Annalen und Herrscher-Anekdoten (Li, A, mit Unterteilungen) verbunden; diese wird in nachexilischer Zeit - bis etwa um 400 v. Chr. - unter Einbeziehung weiterer Quellen endredigiert (R).
2. Buch Samuel (2. Sm) Wie 1. Buch Samuel.
1. / 3. Buch [der] Könige = 1. / 3. Buch Reges (1. /3. Kg; 1. /3. Reg) In die Königsgeschichte seit Salomo, die das 1. (3.) und 2. (4.) Königsbuch zusammenfassen, gehen u. a. eine im 9. Jht. entstandene Chronik Salomos (Sa), ferner verschiedene später entstandene und immer fortgeführte Chroniken der Könige Israels und Judas (Ch) und verschiedene Geschichten über die Propheten Elia (El), Elisa (Els) und Jesaja (Jes) ein; sie werden zunächst in einem deutoronomistischen Zusammenhang (Dt) verbunden und in nachexilischer Zeit - bis etwa um 400 v. Chr. - endredigiert (R); im übrigen wie 1. Buch Samuel.
2. / 4. Buch [der] Könige = 2. / 4. Buch Reges (1. /3. Kg; 1. /3. Reg) Wie 1. (3.) Buch der Könige.
1. Buch [der] Chronik = 1. Paralipomena (1. Chr.) Eine etwa im 4. vorchristlichen Jahrhundert in streng levitischem Geist entstandene Gesamtdarstellung akzentuiert der jüdischen (also nicht der gesamt- israelitischen) Geschichte unter Nutzung der älteren biblischen Geschichtsquellen bzw. der sie späterhin begletenden lehrhaften Kommentierung, die ursprünglich mit dem 2. Buch der Chronik und dem Nehemia- und Esra-Buch eine Einheit gebildet haben dürfte. Das1. Buch Chronik beschreibt die Geschichte, in Stammbäumen zusammengefaßt, bis zum Beginn der Zeit Davids (Kap. 1 - 9) und Davids Regierung (Kap. 10 - 30).
2. Buch [der] Chronik = 2. Paralipomena (2. Chr.) Wie 1. Buch der Chronik. Das 2. Buch enthält die Geschichte Salomos (Kap. 1 - 9), die Geschichte des judäischen Südstaats bis zur babylonischen Gefangenschaft (Kap. 10 - 36, 21 ) und einige Passagen der nachbabylonischen Geschichte (Kap. 36, 32 f.) , die sich weithin im 1. Esra-Buch (Kap. 1 und 2 ) wiederfinden.
1. Buch Esra = 1. Buch Esdras (1. Esr / 1. Esd) Die Bücher Esra und Nehemia werden bis etwa um 200 v. Chr. zu einer Texteinheit, in die eine eine Esra-Erzählung aus dem 2. Chronik-Buch, der Bericht eines persischen Statthalters Nehemia in Juda über seine dortige Tätigkeit, eine aramäische Sammlung brieflicher Anordnungen verschiedener persischer Großkönige - von Kyros bis Artaxerxes II. - in judäischen Angelegenheiten und weitere Elemente kompositorisch - und in der historischen Sache oft widersprüchlich und fiktiv - verbunden werden. Im 2. Jht. wird diese Einheit in makkabäischem Geiste noch weiterbearbeitet und schließlich zu einem 'kanonischen ' Buch der jüdischen Bidel-Tradition. In christlicher Umgebung - etwa im 3. Jht. - wird die Aufteilung des Stoffes in drei Bücher (1. und 2. Esra-Buch und Buch Nehemina) üblich; doch ändert das nichts an der im 2. Jht. gefundenen redaktionellen Endform nichts ändert.
2. Buch Esra = 2. Buch Esdras (2. Esr / 2. Esd) Wie 1. Esr.
Nehemia (Neh) Wie 1. Esr.
Tobit = Tobias (Tb) Eine 'deuterokanonische', um 200 v. Chr. im seleukidischen Umfeld entstandene moralische lehrhafte Erzählung über gerechtfertigtes Vertrauen und in Gottes Hilfe gegen das Unheil, das von - als wirksam vorausgesetzten - Dämonen ('Asmodi'; Gestalt der mesopotamischen Religionswelt) ausgeht. Ihre Motive sind unhistorischin die Zeit des neuassyrischen Reiches ('Ninive') zurückverlegt.
Judith (Jdt) Eine 'deuterokanonische', wohl in oder kurz nach der Makkabäerzeit entstandene, fiktiv in die Zeit des babylonischen Reiches zurückverlegte Geschichte, die die Notwendigkeit eines bedingungslosen Kampfes gegen fremde und unfromme Mächte in der nicht historischen Gestalt der als vorbildlich dargestellten patriotischen und frommen Jüdin Judith demonstriert; diese bringt unter kalkuliertem Einsatz ihrer weiblichen Reize den Befehlshaber eines nach Judaea eingedrungenen babylonischen Heeres ('Holofernes') um.
Esther (Est) Eine wohl in der Makkabäerzeit entstandene, fiktiv in die Zeit der achämenidischen Herrschaft zurüclverlegte Erzählung von dem vorbildlichen Einsatz der frommen und patriotischen Jüdin Esther, die durch eine Fügung zur Gemahlin des pertischen Großkönigs (Xerxes = 'Ahasveros') wird, für ihre durch Verfolgung bedrohten Volksgenossen, und die vollkommene Abwendung der Gefahr einer Ausrottung durch entschlossene Gegenwehr. Gründunglegende für das jüdische 'Purim'-Fest. An einen ursprünglichen eher patriotrisch-selbstbewußen lehrhaften Kern der Geschichte werden später verschiedene 'deutero-kanonische' Erweiterungen aus frommem Geiste redaktionell angegliedert.
1. Buch [der] Makkabäer (1. Mak) Eine um 100 v. Chr. verfaßte - und als historische Quelle ernstzunehmende - Geschichte der Juden seit der Herrschaft Alexanders, unter ptolmäischer und seleukidischer Herrschaft, in deren Mittelpunkt der jüdische Widerstand und Krieg unter den verschiedenen Führungspersönlichkeiten der Makkabäerfamilie gegen die religiöse Politik des Seleukidenherrschers Antiochos IV. und seiner Nachfolger steht, bis zum Jahre 135 v. Chr.
2. Buch [der] Makkabäer (2. Mak) Ein um Chr. Geb. entstandene kurze Zusamengassung verschiedener historischer Berichte über die Zeit der Makkabäerkriege für die Jahre 175 - 161 v. Chr.

 

2. 'Prophetenbücher'; nach jüd. Trad.: 'hintere Propheten', zusammengesetzt aus den 'drei großen Propheten' und den 'zwölf kleinen Propheten'.

Jesaja = Isaias (Jes; Is) In seiner kanonisch gewordenen Form besteht das Jesaja-Buch aus vier verschiedenen Elementen, was mit seiner relativ späten Endredaktion zusammenhängt: a) den Spruchüberlieferungen des im 8. Jht. vermutlich in Jerusalem wirkenden Propheten Jesaja, für die eine jahrhundertelange vielfältige redaktionelle Bearbeitung und Modifikation angenommen wird (Kap. 1 - 35), b) einer bereits in 2. Kön. 18 und 19 enthaltenen 'Jesaja-Legende' (Kap. 36 - 39), c) den einem vor und während der babylonischen Gefangenschaft wirkenden Propheten (sog. 'Deutero-Jesaja') des 6. Jhts. zuzuordnenenden Sprüche der Kap. 40 - 55, und d) einigen Annexen aus späterer Zeit (sog. 'Trito-Jesaja'; Kap. 56 - 66).
Jeremia = Jeremias (Jer) Die Sprüche des etwa von 627 bis 587 v. Chr. im Südreich wirkenden Propheten Jeremia von Anatot wurden wahrscheinlich erst in nachexilischer Zeit redaktionell zusammengefaßt und nach Zeitbedürfnissen interpretiert, wobei hauptsächlich zwei Versionen entstanden, eine palästinensische (hebr.) und eine ägyptische, welchletztere in die 'Septuaginta' (griech.) einging.
Klagelieder = Lamentationes (KL; Lam) Eine Sammlung von Lieddichtungen in charakteritischer Form ('Kina-Metrum' und '22-Strophen-Alphabet-Gliederung') aus dem Anfang des 6. Jhts. - der Zeit der bevorstehende bzw. beginnenden babylonischen Gefangenschaft -, die einem einzigen Autor zugeschrieben werden. Inhalt der 5 Kapietl sind Klagen über das Schicksal des Volkes und der Toten durch die babylonische Invasion, Sündenbekenntnisse, Gebete und Lobpreisungen der Gerechtigkeit und Güte Gottes, auf die das jüdische Volk in längerer Perspektive dennoch hoffen dürfe.
Baruch (Ba) Eine 'deuteroknanonische', wohl im 2. Jht. v. Chr. zusammengestellte, fiktiv in die Zeit der babylonischen Gefangenschaft verlegte Erzählung über den Gehilfen des Jeremia, Baruch, welcher in Babylon in vorbildlicher Weise ein frommes Buch über den Untergang des judäischen Reiches verfaßt und es der dortigen jüdischen Gemeinde vorliest, um dann eine Spende für den Jerusalemer Tempel zu sammeln und auf den Weg zu bringen. Die dem Buch angegliederten Klagelieder, Gebete und Zukunftsvisionen stammen aus unterschiedlichen Quellen.
Hesekiel = Ezechiel (Hes; Ez) Die den Untergang des Reiches Juda und zugleich eine Wiederherstellung des jüdischen Gottesvolkes voraussagenden Sprüche des schon seit d. J. 593 v. Chr. als Prophet in einer Exilgemeinde um den abgesetzten jüdischen König Jojachin in Babylon wirkenden Hesekiel sind - möglicherweise auch von ihm selbst - schon in der Zeit der babylonischen Gefangenschaft gesammelt und später in einem strikt jüdisch-gesetzestreuen Geiste redaktionell mit Weissagungen aus anderern Quellen zusammengefaßt worden.
Daniel (Dn) Eine im 2. Jht. v. Chr. - in der Makkabäerzeit - vorgenommene redaktionelle Zusammenfügung einer Danielgeschichte (Kap. 1 - 6) und einer 'Apokalypse`(Kap. 7 - 12). Die Geschichte Daniels ist fiktiv an den Hof Nebukdanezars von Babylon zurückverlegt, an dem Daniel als Traumdeuter in Gottes Auftrag das Ende Reiches voraussagt und deswegen in die 'Löwengrube' geworfen, aus dieser aber mit Gottes Hilfe wieder befreit wird. Die Daniel-Apokalypse stellt eine erstmalige, iranisch mitgeprägte Erscheinungsform kosmologisch-eschatologischer Geschichtsdeutung im biblischen Zusammenhang dar.
Hosea = Osee (Hos; Os) Das Buch enthält eine Erzählung über den zwischen d. J. 750 und 720 v. Chr. im Nordreich (im Stammengebiet Benjamin und Ephraim) wirkenden und gegen eine auch offiziell - etwa durch Könige - mitgetragene - Verehrung Gottes unter Verwendung kanaanäischrn Traditionen ('Bilderverehrung', 'Baal'-Kult) auftretenden Propheten Hose. Dazu kommt eine Sammlung seiner Sprüche. Beides ist offenbar früh zusammengefaßt, später aber - mit vielen Zusätzen und deutenden Einfügungen späterer Zeiten - redaktionell erweitert worden; die lückenhafte Textüberlieferung ergibt für manche Textpassagen kein klares Bild über alte und spätere Elemente.
Joel (Jl) Entgegen einer Einordnung in die Zeit des Königs Joas von Juda, d. h. in das 9. Jht. v. Chr., wird das Buch Joel heute als poetische Gestaltung eines alten Legendenmotivs (Heuschreckenplage, Bußtag des ganzen Volkes, Gottes Zusage der Wiedergutmachung) aufgefaßt, die der Zeit der Wiederherstellung der jüdischen Gemeinde nach der babylonischen Gefangenschaft in Jerusalem zuzurechnen ist. Ein Anhang mit eschatologischen Verheißungen Gottes (Kap. 2, 18 ff.) wird der noch späteren Zeit (der Makkabäer) zugeschrieben.
Amos (Am) Das Wirken des im Nord- und im Südreich auftretenden Propheten Amos aus Tekoa (nahe Jerusalem), der dem bäuerlichen Lebenskreis nahesteht (Vieh- und Maulbeerfeigenzucht - Am 1,1; 7, 14), fällt in die Zeit zwischen 780 und 745, eine Zeit relativer äußerer Sicherheit und eines sich entfaltenden inneren Wohlstandes im Nord- und im Südreich. Gegen die mit Wohlstand und Machtentfaltung der begünstigten Bevölkerungsschicht einhergehenden Veränderungen ihrer Sittlichkeit (Luxus reicher Geschäftsleute, ihre Rücksichtslosigkeit bei der Schuldeintreibung gegenüber den Kreditbedüftigen oder Verarmten (Schuldknechtschaft), ihre Unredlichkeit im Geschäftsverkehr und rechtliche Willkür) erhebt Amos in scharfer, 'sozialkritisch' anmutender Form seine Stimme und kündigt dafür Gottes Strafe an, die in Krieg und Abführung in die Gefangenschaft liegen werden (wie bei dem zu dieser Zeit von Assyrien unterworfenen aramäischen Nachbarreich von Damaskus). Die Schelt- und Drohreden des Buches gelten als schon zu Amos Zeit zusammengefaßt. Ihre abschliessende redaktionelle Gestaltung wird für das 3. Jht. v. Chr. angenommen (im Zusammenhang mit der Redakzion anderer 'kleiner Propheten').
Obadja = Abdias (Obd, Abd) Der nicht näher bekannte Prophet droht in einer kurzen Rede dem Nachbarreich der Edomiter seinen Untergang an, weil es schadenfroh und teilnahmslos dem Untergang Jerusalems durch das kriegerische Babylon zugesehen habe. Dieser Teil der Obadja-Rede wird auf die Zeit kurz nach der Eroberung Jerusalems i. J. 586 v. Chr. datiert. Ein zweiter, wohl sehr viel später eingefühter Teil der Rede, der generell von einem Völkergericht Jahves ausgeht und von dessen Ausgang die Wiederherstellung Israels erwartet, wird dem eschatologischen Denken der Makkabäerzeit (2. Jht. v. Chr.) zugeordnet.
Jona = Jonas (Jn) Die Erzählung über einen Propheten Jona ben Amitthai, dem von Gott aufgegeben wird, der Hauptstadt Niniveh des Assyrerreichs Buße zu predigen, der sich aber diesem von ihm für sinnlos erachteten Auftrag entziehen will, woran ihn Gott hindert, ist eine lehrhafte Legende, deren Entstehung in die Zeit der byblonischen Gefangenschaft datiert wird und deren Endgestalt im 2. Jht. festgelegt worden sein dürfte (Sir. 49, 10; Tob. 14, 4 und 8).
Micha = Michas (Mi) Der in Juda wirkende Prophet Micha gehört wie (der erste) Jesaja der Zeit der assyrischen Unterwerfung des Nordreiches Israel und anderer dem assyrischen Vormachtanspruch gegenüber unbotmäßig gewordenener benachbarter Gebiete (einschließlich des damals aufständischen Babylon) an. Eine drohende Unterwerfung auch des Südreiches Juda sieht er als gerechte Strafe an für gewohnheitsmäßig gewordene allgemeine Unfrömmigkeit - offensichtlich werdend in der Habgier und Wucher der Reichen, in Rechtsprechungswillkür und Priesterbestechlichkeit. Die entsprechenden Schelt- und Drohreden, in denen ein Gericht Gottes angekünmdigt wird, sind im Kern wohl auf das 8. Jht. zurückzuführen, jedoch wohl später mit einem in der Zeit des babylonischen Exils oder danach - hinzugefügten - eschatologischen Heilsversprechen 7. 7 - 20) redaktionell verbunden worden.
Nahum (Na) Auf das Ende des 7. Jhts. v. Chr. datierte Prophteneschrift, die den Untergang des assyrischen Reiches(i. J. 612; ex eventu) und den und den von Gottes Güte vorgesehenen Wiederaufstieg Israels voraussagt.
Habakuk (Hk) Ein auf das Ende des 7. Jhts. v. Chr. datiertes, dem Propheten Habakuk zugeschriebenes Werk, das die Zerstörung des assyrischen Reiches durch die 'Chaldäer' voraussagt und als Folge unermeßlichen und gottlosen Unrechts darstellt, das über die Welt verbreitet worden sei.
Zephania = Sophanias (Ze; So) Prophetische Ankündigung eines Weltgerichts, das allen Völkern der Welt - dem Reich Juda und allen seinen Nachbarn - unmittelbar bevostehe, die dem judäischen Prpheten Zephania zugeschrieben und an das Ende des 6. vorochr. Jhts. datiert wird.
Haggai = Aggäus (Hag; Ag) Die dem nachexilischen Propheten Haggai zugeschriebene und auf die Zeit um 520. v. Chr. datierte Prophezeiung sieht aufgrund der damaligen Thronwirren (zu Beginn der Regierungt des Darius) im Perserreich einen Umbruch der Zeiten bevorstehen und erwartet einen Neuaufstieg der bereits nach Judaea heimgekehrten jüdischen Gemeinde unter ihrem Führer Serubabel nach einem noch zu beginnenden Neubau des Jerusalemer Tempels.
Sacharia = Zacharias (Sach; Zch) Eine dem Propheten Sacharja zugeschriebene Sammlung von Bußaufforderungen, apokalyptischen Visionen und Heilserwartungen für das jüdische Volk, die derselben Zeit zuzu ordnen ist wie das Buch Haggai und auch eine ähnliche Gesamttendenz hat, ist Inhal5t der Kap. 1 - 8 des Buches. Eine Erweiterung der Kap. 9 - 14 ('Deuterosacharja) ist zum größten Teil spätereren Epochen zuzuschreiben.
Maleachi = Malachias (Mal) Eine auf den Beginn der nachexilischen Zeit datierte Reflexion über das ausbleibende Heil in Form einer Wechselrede zwischen Jahve und dem jüdischen Volk. Der Grund wird in fehlender Gesetzestreue, vor allem aber in fehlender innerer Frömmigkeit gegenüber Gott gesehen.
 

3. 'Lehr- und Weisheitsbücher' (nach jüd. Tradition: 'ketubim').

Hiob = Job (Hi; Jb) Eine aus verschiedenen Ursprungselementen, u. a. auch des babylonischen Bereichs, wohl schon im 5. Jht. zusammengefügte Dichtung, die der Frage nachgeht, wieso der nach moralischen Maßstäben vollkommen Gerechte nach Gottes Willen trotz der Heilszusage Gottes - für den Fall menschlicher Gottergebenheit - u. U. dennoch grausam leiden muß, ohne sieangesichts der Unerforschlichkeit Gottes definitv beantworten zu können.
Psalm, Psalter (Ps) Eine im 3. Jht. v. Chr. aus mehreren Vorgängersammlungen end-redigierte Sammlung von 150 Liedern und Gebeten, von denend einzelne möglicherweise noch auf die Zeit vor den Königen zurückgehen, ein Teil u. a. von König David stammt (jedoch nicht alle David in Überschriften fiktiv zugeschriebene), der größte Teil aber in nachexilischer Zeit entstanden sein dürfte. Einteilung in 5 Abschnitte mit unklarer Funktion. Bedeutung der Lieder und Gebete im offiziellen Kultus und in der persönlichen Frömmigkeit. Vortrag mit Leierbegleitung im Kultus (bei 57 Psalmen ('mizmor'-Lieder) ausdrücklich erwähnt. Die Psalmensammlung enthält nicht alle in der Bibel vorhandenen Lieder und Gebete (2. Mos. 15; Ri. 5).
Sprüche = Proverbia (Spr; Prv) Die dem König Salomo fiktiv zugeschriebenen 'Sprüche Salomos' sind aus einer Anzahl von älterer (oft der Hiskia -Zeit um 700 v. Chr.) und jüngerer Weisheits-Lehrsammlungen unterschiedlicher, überwiegend israelitischer, aber auch babylonischer und ägyptischer Herkunft (22, 17 - 24, 22) zusammengewachsen und wohl am Ende des 4. Jhts. v. Chr. end-redigiert worden. Die Lehren, finden sich in Form von Ermahnungen eines Vaters an seinen Sohn, aber auch in Form von Sprichworten und Allgemeinplätzen für alle die Alltagspraxis aller Lebensbereiche.
Prediger = Ecclesiastes (Prd; Eccl)  Eine wohl im 3. Jht. v. Chr. end-redigierte, fiktiv dem König Salomo zugeschriebene Reflexion über die Undurchschaubarkeit, Gleichförmigkeit und Sinnlosigkeit des Weltgeschens, der menschlichen Einzelschicksale und insbesondere der menschlichen Strebungen und Arbeitsanstrengungen, die dennoch eine heitere Hinnahme des von Gott Gegebenen nicht ausschließe, sondern geradezu erfordere.
Hoheslied = Canticus canticorum Salomonis (HL, CC) Eine aus zahlreichen (ca. 25) Liebesliedern verschiedener Herkunft dichterisch einheitlich zusammengefaßte Folge von Liebesbekenntnissen zweier Liebender, die fiktiv dem wegen seines Harems als besonders liebeserfahren geltenden König Salomo zugeschrieben und vermutlich im 3. Jht. v. Chr. end-redigiert wurde. In jüdischer und christlicher Tradition wurde das Lied als Ausdruck einer die Welt übergreifenden Macht der Liebe verstanden, wie sie im Verhältnis zwischen Gott und seinem Volke vor allem anderen wirksam werde. Aus diesem Grunde war das Buch stets und überall kanonisch.
Sirach (Sir) Eine um 180 v. Chr. entstandene und um 130 v. Chr. in Ägypten veröffentlichte Sammlung von Weisheitslehrenund Frömmigkeitsratschlägen sehr verschiedener Art des Jesus Sirach, die in christlicher Tradition auch als eine Art kirchlicher Sittenlehre wertgeschätzt wurde ('liber ecclesiasticus'; nicht zu verwechseln mit dem 'Prediger'-Buch, lat. 'Ecclesiastes'; s. o.).
Weisheit = Sapientia (Ws; Sap) Eine im 1. Jht. v. Chr. von einem außerhalb Palästinas lebenden Juden in hellenistischem Milieu akzentuiert vorgetragene Erinnerung an die moralischen Traditionen und die Frömmigkeit des jüdischen Volkes in einer Weisheitslehre, die späterhin - entgegen ihrer eigenen Aussage - fiktiv, wie manches andere Buch der Bibel, dem wegen seiner Weisheit berühmten König Salomo zugeschrieben wurde.

 II. NEUES TESTAMENT.

Die Herausbildung der christlichen Schriften, die später als 'Neues Testament' kanonische Geltung in der Christenheit erlangen, ist im Zusammenhang zu sehen mit einer Vielzahl literarischer Quellen des Christentums, die zu ihrem geistigen Umfeld gehören. Enstprechend der zentraken Aussage der christlichen Botschaft, daß Jesus Christus 'der Mensch gewordene Sohn Gottes' sei und daß mit seinem Erscheinen Gott mit der ganzen Menscheit einen 'neuen Bund' geschlossen habe, welcher eine neue Weltära vorbereite, kommen zu den aus der jüdischen Tradition bekannten neue religiöse Textarten aus eher anderen Religionstraditionen hinzu, nämlich a) die 'Evangelien' als Berichte von der Menschwerdung Gottes und den Wundertaten des Christus auf Erden, b) die 'Missions- unbd Gemeindegeschichte', wie sie etwa in der Apostelgeschichte vorliegt und c) die Briefliteratur, die der Mission, der Gemeindeordnung und dem überörtlichen Zusammenhang der Kirche dient. Neben den kanonisch gewordenen relativ wenigen Schiften gibt es eine Vielzahl von Evangelien, Apostelgeschichten, Briefsammlungen und Apokalypsen, die nicht kanonische Geltung erlangten und verschiedenartigen Strömungen innerhalb der sich entwickelnden christlichen Religionentsprechen.

Weil im Mittelpunkt des Lehrveranstaltungsthemas und dieses WWW-Skripts die Geschichte des vor-christlichen 'Alten Orients' steht, wird an dieser Stelle nur eine Abkürzungs- und Datierungsübersicht gegeben.

1. Evangelien.

Matthäus-Evangelium (Mt; Matth) Um 80 n. Chr. aufgezeichnet.
Markus-Evangelium (M; Mark; Marc) Um 70 n. Chr. aufgezeichnet.
Lukas-Evangelium (L; Luk; Luc) Zwischen 70 und 90 n. Chr. aufgezeichnet.
Johannes-Evangelium (J; Joh-Evgl)  In den 90er Jahren des 1. Jhts. n. Chr. aufgezeichnet.

2. Apostelgeschichte = Acta / Actus Apostolorum (Apg; Act).

Zwischen 70 und 90 n. Chr. verfaßt. 

3. Paulus-Briefe.

Brief an die Römer (R; Röm; Rom) Um 56 n. Chr. verfaßt.
1. Brief an die Korinther (1 K; 1. Kor; 1. Cor) Vorlagen der beiden Briefe i. d. J. 53 und 54 n. Chr. verfaßt.
2. Brief an die Korinther (2 K; 2. Kor; 2. Cor) Wie 1. Kor.
Brief an die Galater (G; Gal) Zwischen 51 und 55 n. Chr. verfaßt.
Brief an die Epheser (E; Eph) Wohl nicht von Paulus stammender ('deutero-paulinischer') theologischer Traktat in Form eines Rundbriefs, dessen Entstehung in die Zeit zwischen 80 und 100 n. Chr. datiert wird.
Brief an die Philipper (Ph; Philipp) Vorlagen der Zusammenfssung zwischen 53 und 55 n. Chr. verfaßt.
Brief an die Kolosser (Kol; Col) Wohl nicht von Paulus stammender Brief ('deutero-paulinisch'), in zeitlicher Nähe zu Paulus Wirken entstanden.
1. Brief an die Thessalonicher (1 Th; 1. Thess)  Um 49/50 n. Chr. verfaßt.
2. Brief an die Thessalonicher (2 Th; 2. Thess)  Wie 1. Thess.
Brief an Timotheus (Tm; Tim) Wohl nicht von Paulus stammender Brief ('deutero-paulinisch'), in zeitlicher Nähe zu Paulus Wirken entstanden.
Brief an Titus (Tt; Tit) Wohl nicht von Paulus stammender Brief ('deutero-paulinisch'), in zeitlicher Nähe zu Paulus Wirken entstanden.
Brief an Philemon (Phil; Philem)  Um 55 n. Chr. verfaßt.
Hebräerbrief (E; Ebr; Hebr)  Wohl nicht von Paulus stammender Brief ('deutero-paulinisch'), in zeitlicher Nähe zu Paulus Wirken entstanden.

3. Katholische Briefe.

Brief des Jakobus (Jc; Jak; Jac) Erst im 3. Jht. n. Chr. sicher bezeugt; deshalb wohl erst im Laufe des 2. Jhts. verfaßt.
1. Brief des Petrus (1 P; 1. Petr) Wohl nicht dem Petrus selbst zuzurechnende, sondern auf die Jahre zwischen 90 und 95 zu datierender Brief.
2. Brief des Petrus 2 P; 2. Petr) Wohl um 150 n. Chr. verfaßter, fiktiv dem Petrus zugerechneter Brief.
1. Brief des Johannes (1 J; 1. Joh) Auf den Anfang des 2. Jhts. zu datierender Brief.
2. Brief des Johannes (2 J; 2. Joh) Wie 1. Joh.
3. Brief des Johannes (3 J; 3. Joh) Wie 1. Joh.
Brief des Judas (Jd) Wohl am Anfang des 2. Jhts. n. Chr. verfaßt.

4. Offenbarung des Johannes = Apokalypse (Off; Apk; Apc)

Zwischen 90 und 95 n. Chr. verfaßt.


Zusammenstellung: Christian Gizewski

 

Vl/Ue Gizewski WS 1998/99