Kap. 3: Die Fortwirkung der Antike in Byzanz.

INHALT

    1. Vorbemerkung

    2. Die nachantike Anpassung des byzantinischen Bereichs an die sich verändernden Herrschaftsverhältnisse im mittelmeerisch-vorderorientalischen Raum.

    3. Die Kaiseridee in Byzanz.

    4. Die Entwicklung des orthoxen Christentums in Byzanz.

    5. Allgemeine Kulturkontinuität und kulturelle Neuerungen in Byzanz.

    6. Literatur, Medien, Quellen..

Zu den stichwortartigen Hinweisen siehe das Vorwort zu diesem Skript. 

1. Vorbemerkung.

Die Fortwirkung der Antike im mittelalterlichen Byzanz ist einem der in Kap. 1 zu P. 5 aufgelisteten Fortwirkungstypen zuzuordnen, nämlich dem der umfassenden kontinuierlichen Fortentwicklung traditionell antiker Orientierungen in nachantiker Zeit. Dieser Typ ist dort wie folgt beschrieben: "In den Regionen des vormaligen römischen Reiches der Antike, in denen die Bevölkerung nach Sprache und ethnischer Zusammensetzung unter fortbestehenden Institutionen auch im Mittelalter prinzipiell dieselbe bleibt, ändern sich die politischen, religiösen und zivilisatorischen Lebensordnungen nur allmählich und im wesentlichen aufgrund von Anstößen, die durch neue auwärtige Machtverhältnisse, also etwa durch Kriege und Grenzänderungen entstehen." Die byzantinische Entwicklung ist einerseits durch ein großes Maß an Tradition und Traditionalismus, etwa auf dem Gebiet der Reichsideologie, des Rechts, der Religion und der Bildung gekennzeichnet, andrerseits durch erhebliche Momente der Anpassung an die nachantiken Machtverhältnisse im mediterranen Raum, die seit dem 7. Jht. nur noch ein knappes Viertel des spätantiken römischen Reichsgebiets - in West und Ost - unter einer Herrschaft belassen, die sich weiterhin als 'römisch'-imperial versteht. Das führt zu erheblichen Veränderungen im militärischen und administrativen Aufbau, hat aber auch Auswirkungen auf die kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse, für die der immer noch sehr große, aber nicht mehr 'ökumenische' Raum eine Konzentration und Vereinfachung der Kräfte und Möglichkeiten, neue Frontstellungen nach vielen Richtungen, eine sprachlich-kulturelle Entlatinisierung und Gräzisierung und nicht zuletzt auch eine zunehmende Prägung durch Organisations- und Zivilisationsformen der politischen und religiösen Nachbarschaft bedeutet.

In den folgenden Abschnitten werden lediglich thesen- oder stichwortartig einige Gedanken zu folgenden thematischen Aspekten formuliert und durch einige anschauliche Quellen und Bildbeispiele illustriert. Mit weitergehenden Ausführungen wäre der Orientierungscharakter dieses Skripts verlassen. Auf die Lektüre der zu P. 6 angegebenen Literatur und weiterführenden Quellen ist daher nachdrücklich zu verweisen. Es geht um folgende, in der Vorlesung angesprochene, in der wissenschaftlichen Literatur vielfältig untersuchten Themenkomplexe:

Diese Aspekte haben auch für die byzantinisch vermittelte Wirkungsgeschichte der Antike in anderen Bereichen des westlichen Eurasien Bedeutung: sie führen zu einer spezifisch byzantinischen Antikenvermittlung: so etwa zu der byzantinischen Form des orthodoxen Christentums, zu der polilisch-religiösen Staatsideologie des byzantinischen Reiches, zu der byzantinischen Fortentwicklung des justinianischen Rechts, zu der byzantinischen Fortentwicklung antiker Verwaltungs- und Militärordnung und zu der byzantinisch-küntlerischen und -literarischen Fortentwicklung antiker Gattungen und Erfindungen, und liegen einer byzantinisch vermittelten Rezeption der griechisch-römischen Antike vor allem im balkanisch-slawischen und russischen, aber auch im arabischen und im türkischen Bereich zugrunde.

Übung 3

    AUFGABEN

    Stellen Sie anhand des unten zu P. 2. wiedergegebenen Quellentextes aufgrund ihres jetzigen Wissens fest,

      a) in welche Epoche der byzantischen Geschichte sie jeweils gehören könnten,

      b) was in ihnen einerseits als 'traditionell' oder gar 'traditionalistisch', andrerseits als historisch neuartig oder gar 'revolutionär'angesehen werden könnte.


Lösung zu Übung 3.

2. Die nachantike Anpassung des byzantinischen Bereichs an die sich verändernden Herrschaftsverhältnisse im mittelmeerisch-vorderorientalischen Raum.

Quellenbeispiel: Reichsidee und reale Machtverhältnisse am Beispiel der

Rede des Niketas Choniates vor dem Kaiser Theodoros Laskaris

( um 1207 n. Chr.).

Die optimale Restauration der byzantinischen Grenzen (Stand d. J. 1025 unter Basileios II.) nach der Anpassungsphase des 7. - 9. Jhts.

Abb. entnommen aus: Georg Ostrogosrki, Geschichte des byzantinischen Staates, Sonderausgabe des im Handbuch der Altertumswissenschaft (12, 1, 3; 3. Ausg. 1963) erschienenen Werks, München 1963, S.

Hier sind folgende thematischen Aspekte wichtig:
Hier geht es um folgende Teilthemen:
Dabei sind zu erörtern:
Thematische Hauptaspekte sind:

3. Die Kaiser- und Reichsidee in Byzanz.

Quellenbeispiel: Herrschaftspraxis und Herrschaftsethos am Beispiel der Ratschläge des Kekaumenos, gerichtet an einen der byzantinischen Kaiser des 11. Jhts.

Übersetzung entnommen aus: Hans-Georg Beck, Das byzantinische Jahrtausend, München 1978; S. 316 - 319.

Dabei geht es um:
Die Darstellung des ersten christlichen Kaisers Konstantin und seiner Gemahlin mit Hofstaat in einer byzantinischen Miniatur (um 885).

Abb. entnommen aus: André Grabar, Byzanz. Die byzamtmische Kunst des Mittelalters (vom 8. bis zum 15. Jhts.), Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen, (1964) ND Baden-Baden 1976, S. 29.

Stadtplan des mittelalterlichen Byzanz.

Entnommen aus: H. E. Stier u. a. (Hg.), Großer Atlas zur Weltgeschichte, Westermann-Schulbuch-Verlag Braunschweig (Sonderausgabe des Orbis-Verlags; eine Neuauflage ist 1998 erschienen), 1990, S. 45 .

4. Die Entwicklung des orthoxen Christentums in Byzanz.

Quellenbeispiel: Kaiserliche Religionspolitik und kirchliche Orthodoxie. Ein Beispiel aus dem Geschichtswerk des Niketas Choniates, betreffend eine religionspolitisch motivierte Neufassung des Katechismus auf Initiative des Kaisers Manuel I. (1143 - 1180).
Der Text des nicaeno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses d. J. 381n. Chr. als Ergebnis und Quelle christlich-dogmatischer Kontroversen in Antike und Mittealter.

Text entnommen aus: Conciliorum Oecumenicorum Decreta, Ed. Centro de Documentazione. Istituto per le Scienze Religiose - Bologna, curantibus J. Alberigo, P. P. Joannou, C. Leonardi, P. Prodi, consultante H. Jedin, Basel u. a. O. 1972

5. Allgemeine Kulturkontinuität und kulturelle Neuerungen in Byzanz.

Kirchenmalerei in Kubinovo/Makedonien, die 'Hagia Sophia' in Konstantinopel, die Johannesbasilika in Ephesos und die Theodoros-Kirche in Athen als Beispiele für die Verdichtung und Fortentwicklung antiker Bautraditionen im byzantinischen Bereich.

Abb. entnommen aus: Werner Müller, Gunter Vogel, dtv-Atlas zur Baukunst Tafeln und Texte, Bd. 1 (Allgemeiner Teil. Baugeschichte von Mesopotamien bis Byzanz), München 1983 5 , S. 270 f.; André Grabar, Byzanz. Die byzantinische Kunst des Mittelalters (vom 8. bis zum 15. Jht.), Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen', (1964) ND Baden-Baden 1976, Bildanhang Nr. 3.

6. Literatur, Medien, Quellen.

LITERATUR

MEDIEN

QUELLEN

In griechischer Sprache mit Kommentar und/oder Übersetzung

Nur in deutschen Übersetzungen:


 

LV Gizewski WS 1999/2000 und SS 2000

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)