Kap. 4: Die Fortwirkung der Antike in den byzantinisch geprägten oder mitgeprägten Regionen des Balkan und Ostmitteleuropas.

INHALT

    1. Vorbemerkung zur Wirkungsgeschichte der Antike auf dem Balkan.

    2. Die Imitationen byzantinischer Reichsbildung auf dem Balkan (mit Übung 4 a).

    3. Die Verbreitung des christlich-orthoxen undd römisch-katholischen Glaubens unter Slawen, Awaren und Bulgaren. Die Entwicklung der Kirchenorganisation.

    4. Allgemeinkulturelle byzantinische Traditionnen auf dem Balkan (mit Übung 4 b).

    5. Literatur, Medien und Quellen.

Zu den stichwortartigen Hinweisen siehe das Vorwort zu diesem Skript. 

1. Vorbemerkung zur Wirkungsgeschichte der Antike auf dem Balkan. Strukurkontinuität und geistige Anbindung an die antike Tradition trotz neuer ethnischer Dominanz und neuer Herrschaftsbildung.

In den folgenden Abschnitten wrd der Inhalt der Vorlesung lediglich stichwortartig angesprochen und durch einige anschauliche Quellen und Bildbeispiele illustriert. Mit weitergehenden Ausführungen wäre der Orientierungscharakter dieses Skripts verlassen. Auf die Lektüre der zu P. 5 angegebenen Literatur und weiterführenden Quellen ist daher nachdrücklich zu verweisen. Es geht um folgende, in der Vorlesung angesprochene, in der wissenschaftlichen Literatur über die Geschichte der Balkanherrschaften und -reiche vielfältig untersuchten Themenkomplexe:

Zu den für die in nachantiker Zeit slawisch, awarisch, bulgarisch, ungarisch o. a. bediedelten oder herrschaftlich in Besitz genommenen Balkangebiete in Frage kommenden Typen der Wirkungsgeschichte: siehe Kap. 1, zu P. 5.

Zur Entwicklung dieser Völker-, Reichs- und Herrschaftsbildungen siehe auch die nachfolgenden Kartenbilder.

Völker und Reiche auf dem Balkan im Mittelalter (10. und 14. Jht.). Kartenbilder.

Karten entnommen aus: Edagr Hösch, Geschichte der Balkanländer. Von der Frühzeit bis zur Gegenwart, München 1999, S. 380 f.

2. Die Imitationen byzantinischer Reichsbildung auf dem Balkan.

a) Das Streben nach von Unabhängigkeit Byzanz und anderen größeren Mächten in immer neuen Herrschaftsbildungen auf dem Balkan.
Die - relativ späten - Unabhängigkeitsbestrebungen der Walachen seit dem 14. Jht. Die Schlacht bei Posada d. J. 1330. Miniatur aus der 'Wiener Bidelrchronik'.

Abb. entnommen aus: Constantin C. und Dinu C. Giurescu, Die Geschichte der Rumänen. Aus dem Rumänischen übersetzt von Adolf Armbruster, Bukarest 1980, im Bildteil nach S. 112.

b) Größere Reichsbildungen unter Aufnahme byzantinischer Muster.

Übung 4 a.

In dem im folgenden wiedergegebenen Auszug aus der Vita des serbischen Königs Stefan Dusan finder ein serbisches Königs- und Reichsbewußtsein deutlichen Ausdruck.

1. Welche konkreten historischen Bezüge lassen sich in dem Text ausmachen, und welcher Zeit ist sein Gegenstand, aber auch seine Abfassung zuzuordnen?

2. Welche stilistischen und religiös- bzw. politisch- ideellen Züge charakterisieren den Text? Zu welcher literarischen Gattung gehört er?

3. Wo liegen Gemeinsamkeiten mit und Unterschiede zu der byzantinischen Kaiser- und Reichsideologie?


Zur Lösung.

c) Konkurrenz größerer Reichsbldungen mit Byzanz um die Vorrangstellung in der Staatenwelt.

Geschichtsdarstellungen in den Miniaturen derum 1345 entstandenen bulgarischen Manasses-Chronik . Bild I: Feldzug des Kaisers Nikephoros gegen die Bulgaren i. J. 811, Bild II: die Taufe der Bulgaren etwa im Jahre 864, ein Festmahl des Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos und des Patriarchen mit dem Bulgarenfürsten Simeon i. J. 913 und Angriff der Bulgaren unter ihrem Fürsten Simeon auf die Byzantiner unter Kaiser Konstantin.

Abb. entnommen aus: Hans-Dieter Döpmann, Das alte Bulgarien. Ein kulturgeschichtklicher Abriß bis zum Ende der Türkenherrschaft, Leipzig 1973, Abb. 34 - 36 im Bildteil nach S. 78.

3. Die Verbreitung des christlich-orthoxen Glaubens unter Slawen, Awaren und Bulgaren.

a) Außerchristliche und außerbyzantinische Traditionen.

Eine von der Herrscherikonographie des sassanidisch-persischen Bereichs beeinflußte Darstellund des Bulgaren-Khans Krum (Anfang 9. Jht).

Abb. entnommen aus: Assen Tschiligirov, Bulgarien vom Altertum bis 1878, Leipzig 1986 2, S. 124.

b) Die Verchristlichung der Herrschaften und der Völker.

Die Betonung des christlichen Moments in der Herrscherdarstellung am Beispiel des Asen-Dynastie. Zar Iwan Alexander und Zarin Theodora-Sara mit ihren Kindern Iwan Schischman und Iwan Assen. Iwan-Alexander-Evangeliar, um 1355, Standort: London, Britrish Museum.

Abb. entnommen aus: Assen Tschiligirov, Bulgarien vom Altertum bis 1878, Leipzig 1986 2, S.207.

c) Folgen der Mission: Neue religiös-politische Ideenwelt, kirchliche und weltliche Schriftsprache, Bildungsrezeption und neues ethnisches Selbstbewußtsein.

Ein in glagolitischer Schrift geschriebener slawischsprachiger Codex des 10. Jhts.

Abb. entnommen aus: Assen Tschiligirov, Bulgarien vom Altertum bis 1878, Leipzig 1986 2, S. 149.

d) Die Bildung der Kirchenorganisationen und religiöser Bewegungen mit und entgegen dem Einfluß der byzantinisch-orthoxen und der römisch-katholischen Kirche.

4. Zivilisatorische und geisteskulturelle byzantinische Traditionen auf dem Balkan.

a) Der ganze Umfang des kulturellen Erbes der Antike im Spiegel der balkanslawischen Sprachen.

Übung 4 b.

    In dem nachfolgend wiedergegebenen Auszug aus einem etymologischen Lexikon des Serbo-Kroatischen (Max Vasmer, Die griechischen Lehnwörter im Serbokroatischen, Berlin 1944, S. 54 f.) finden sich einige Lehnworte zusammengestellt, die aus der griechischen Sprache stammen.

    Untersuchen Sie und stellen Sie ohne Vorwissen kurz zusammen, welchen Lebensbereichen die Worte zuzordnen sind und was man daraus evtl. über das Ausmaß und die Dichte kultureller Assimilation slawischer Völker an die byzantinische Kulturtradtion ableiten könnte?


Zur Lösung.

b) Die Entwicklung der altkirchenslawischen Schrift und Schriftsprache.

Die glagolitische und die kyrillische Schrift.

Abb. entnommen aus: Assen Tschiligirov, Bulgarien vom Altertum bis 1878, Leipzig 1986 2, S. 139.

c) Die Baukunst, die Malerei und die handwerklichen Künste.

Die Orientierung des Kirchenbaus auf dem christianisierten Balkan an der byzanztinischen Architekturentwicklung. Johannes-Kirche (9./10. Jht.) und Pantokrator-Kirche (13./14. Jht.) in Nessebar (dem antiken Mesembria).

Abb. entnommen aus: a) Assen Tschiligirov, Bulgarien vom Altertum bis 1878, Leipzig 1986 2, S. 132. b) Hans-Dieter Döpmann, Das alte Bulgarien. Ein kulturgeschichtlicher Abriß bis zum Ende der Türkenherrschaft, Leipzig 1973, Abb. 28 im Bildteil nach S. 78.

d) Herrscherliche Rechtsordnungen nach byzantinischem Vorbild.

e) Wissenschaft und Philosophie.

Die Verbindung geistlicher und weltlicher Bildung in Bulgarien nach byzantinischem Vorbild. Das Bild des Philosophen Diogenes in einem bulgarischen Kloster (Refektorium des Batschkowo-Klosters, um 1643)

Abb. entnommen aus: Assen Tschiligirov, Bulgarien vom Altertum bis 1878, Leipzig 1986 2, Umschlagbild Vorderseite.

f) Städtisches und ländliches Leben.

Die Metropole Tarnovo als Sitz des Asen-Dynastie des 'Zweiten bulgarischen Reiches'

Stadtplan des vortürkischen Tarnovo.

Heutege Ansicht der Ruinenstadt Tarnovo.

Rekonstruktion des Zarenpalastes in Tarnovo.

Der Sitz des bulgarischen Pariarchen in Tarnovo.

Abb. entnommen aus: Manfred Oppermann, Tarnovo - Zarenstadt des Balkan, Leipzig 1981, S. 67; Assen Tschilingirov, Bulgarien vom Altertum bis 1878, S.182, 190, 207.

5. Literatur, Medien und Quellen.

LITERATUR:

QUELLEN:

Stanislaus Hafner, Serbisches Mittelalter. Altserbische Herrscherbiographien, Bd. 2, Einleitung, Übersetzung und Kommentierung, Reihe 'Slavische Geschichtsschreiber' Bd. IX, hg. von G. Stökl, Graz, Wien, Köln 1976, S. 13 - 44 (Einleitung), 259 - 271 (Textauszug) und 319 - 322 (Anmerkungen).


 

LV Gizewski WS 1999/2000 und SS 2000

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)