Kap. 7: Adaptation verschiedenartiger Altertumstraditionen bei zentralasiatischen Nomadenvölkern (vor allem bei Turk- und Mongolen-Völkern) vor Beginn ihrer Islamisierung.

INHALT

1. Übersicht über die Prägung durch verschiedenartige Kulturtraditionen des Altertums (Chinas, Indiens, des Iran, Soghdiens und des griechisch-römischen Westens) bei nomadischen Völkern (Chazaren, Bulgaren, Türken, Petschenegen, Kumanen, Mongolen) aus dem innerasiatischen Bereich vor Beginn einer Seßhaftigkeit im Westen Asiens.

2. Frühe Kulturübernahme bei Türken und Mongolen.

    a) Die Prägung der türkischen Stämme (Tuküe) Zentralasiens durch die chinesische Kultur seit der Zeit der 'barbarisch-chinesischen' Reiche im Norden Chinas (5. und 6. Jht. n. Chr.).

    b) Die Prägung der türkischen Stämme Zentralasiens durch den Buddhismus seit dem 6. Jht. n. Chr.

    c) Die Prägung der Mongolen durch indigene, chinesische und westliche Traditionen.

3. Literatur, Medien, Quellen.

Zu den stichwortartigen Hinweisen siehe das Vorwort zu diesem Skript. 

1. Übersicht über die Prägung durch verschiedenartige Kulturtraditionen des Altertums (Chinas, Indiens, des Iran, Soghdiens und des griechisch-römischen Westens) bei nomadischen Völkern (Chazaren, Bulgaren, Türken, Petschenegen, Kumanen, Mongolen) aus dem innerasiatischen Bereich vor Beginn einer Seßhaftigkeit im Westen Asiens.

In den folgenden Abschnitten werden nur thesen- oder stichwortartig einige Gedanken zu verschiedenen thematischen Aspekten formuliert und durch einige anschauliche Quellen und Bildbeispiele illustriert. Mit weitergehenden Ausführungen wäre der Orientierungscharakter dieses Skripts verlassen. Auf die Lektüre der zu P. 7 angegebenen Literatur und weiterführenden Quellen ist daher nachdrücklich zu verweisen. Es geht allgemein um eine Übersicht über die Prägung durch verschiedenartige Kulturtraditionen des Altertums (Chinas, Indiens, des Iran, Soghdiens und des griechisch-römischen Westens) bei nomadischen Völkern (Chazaren, Bulgaren, Türken, Petschenegen, Kumanen, Mongolen) aus dem innerasiatischen Bereich vor Beginn einer Seßhaftigkeit im Westen Asiens, speziell vor allem die frühe, im zentralasiatischen Raum erfolgende Kulturübernahme bei Türken und Mongolen.

An dieser Stelle wird die Kurzdarstellung die Geschichte der altaischen Völker im 2. Kap., dort zu I B, sowohl was ihre zentralasiatische als auch was ihre westlich-eurasiatische Entwicklung, in Erinnerung gerufen.

a) Kök-türkische, großsseldschukische, rumseldschukische und osmanische Reichsbildungen.

Die erste historisch belegbare Reichsbildung von Turkvöllern ist die 'kök-türkische' Verbindung nomadischer Stämme im Inneren Asiens (Mitte des 6. bis Mitte des 8. Jhts), die zwei Reichsteile zerfällt, einen westlichen (nördlich des Tarim-Beckens) und einen östlichen (nördlich des tang-zeitlichen China). In beiden Teilen verbreiten sich vor dem Islam von Tibet und China aus buddhistische, von Westen her manichäische und nestorianisch-christliche Formen der Religion. Politisch sind beide reichsteile einige Jahrzehnte lan von China abhängig, haben dann jedoch haben dann jedoch ein unterschiedliches Schicksal. Während der östliche Teil im Uigurenreich des 8. und 9. Jhts. aufgeht, wird der westliche bis zur Mitte des 9. Jhts. von Tibet abhängig und besteht nun als Reich der Karluken fort. Die Nachbarschaft des wetslich-köktürkischen bzw. des Karlukenreichs zu Transoxanien und dem Iran führt bereits z. Zt. des Sassanidenreiches zu gelegentlichen Konfontationen, die sich auch nach der Ausbreitung des Islam im Oran und in Transoxanien fortsetzen. Seit dem Ende des islamischen Samanidenreichs (um 1000) dehnt sich der Einfluß der Karluken nach Tranoxanien aus. Die erste turkprachige Dynastie in Transoxanien, die Karachaniden, spaltet sich zu Beginn des 11. Jhts. vom östlichen Teil des Karlukenreichs ab, und sie beginnt in Transoxanien neben der iranischen Kultur auch die islamische Religion in der sunnitischen Konfession anzunehmen.

Aus der Stabilisierung und Expansion des westlich-karlukischen Herrschaftsverbandes bildet sich seit dem 2. V. des 11. Jhts. unter den Sultanen Togrylbeg (1039 - 1063) und Alp Arslan (1039 - 1092) in Konforntation mit dem abassidischen Kalifenreich das islamisch-großseldschukische Reich, das zur Zeit seiner größten Ausdehnung außer Transoxanien den größten Teil des Iran und Kleinasiens, des Irak und Syrien-Palästinas umfaßt. Nach großen Expansionserfolgen (Sieg über das byzantinische Jeer bei Mantzikert i. J. 1071; Eroberung des Zentrums des abassidischen Kalifenreichs, Baghdad sowie Damaskus und Jerusalems (1055, 1071, 1076) zerfällt die großseldschukische Herrschaft in regionale, sich gelegentlich auch bekriegende Herrschaftsbereiche (der Irak-Seldschuken, Kerman-Seldschuken, Choresm-Seldschuken, Ghasnaviden, Karachaniden, syrischen Seldschulken und anatolischen Seldschuken). Infolge der i. J. 1098 einsetzenden Kreuzzüge wird ferner der Einfluß der syrischen und der anatolischen Seldschuken begrenzt.

Zugleich konsolidiert sich aber im 12. Jht. der Herrschaftsbereich der anatolischen Seldschuken in der rum-seldschukischen Reichsbildung um das Zentrum Ikonion (=Rum) gegenüber dem byzantinischen Reich und trägt zu seiner Schwächung bei. Die Oberschicht der islamischen Rum-Seldschuken ist kulturell stark persisch geprägt; Persisch ist im Rum-Seldschuken-Reich Amtssprache. Ferner assimiliert sich die rum-seldschukische Herrschaft sie an die bäuerlichen und städtischen Lebensweise ihres Herrschaftsgebietes. Mit Beginn Beginn der Mongolenherrschaft im 13. Jht. beginnt das - formell fortbestehende - rum-seldschukische Reich in Territorialherrschaften zu zerfallen. Der in dieser Zeit zugleich stattfindende Zuzug turkmenischer Völkerschaften nach Anatolien führt in dessen nicht-bäuerlichen Gebirgsregionen und im Westen Anatoliens, an der damaligen Grenze zum byzantinischen Reich, zur Entstehung halb-unabhängiger Emirate für die zuziehende nomadische Bevölkerung. Diese steht in ursprünglicheren nomadischen und kriegerischen Traditionen, aus denen sich in Verbindung mit islamischer Religiosität ein Grenzkriegertum des 'Heiligen Krieges' entwickelt.

In diesem Umfeld entwickelt sich seit dem Ende des 13. Jhts. aus einem von dem Emir und späteren Sultan Osman (ca. 1280 - 1326) beherrschten kleinen westlichen Grenzbezirk des rum-seldschukischen Reiches ein relativ gut organisierter, militärisch potenter Herrschaftsbereich, der bereits unter dem Nachfolger Orhan (1326 - 1360) die Städte Nikomedia und Nikaia mit dem größten restlichen Teil des byzamtinischen Kleinasien in Besitz nimmt und sich in die inneren Angelegenheiten des geschwächten nach-lateinischen byzantinischen Reiches einmischt oder hineingezogen wird. Seit 1353 greift die osmanische Herrschaft auch auf das europäische Festland über und unterwirft bis zum Ende des 14. Jhts. den größen Teil der bis dahin noch byzantinischen Gebiete des Balkan und Bulgarien; sie zwingt fernerSerbien (Schlacht auf dem Amselfeld i. J. 1389) und die Walachei zur Anerkennung der osmanischen Oberhoheit. Nach Kämpfen mit den Mongolen unter Timur Lenk (um 1410) und inneren dynastischen Konflikten setzt um die Mitte des 15. Jhts. unter dem Sultan Mohammed II.(1451 - 1481) eine erneute osmanische Expansion ein, durch die das zum Stadtstaat gewordene Byzanz (1453), der größte Teil der Peloponnes !460), alle Ägäis-Inseln, Epiros (1468), Albanien (1479), Serbien (1459), Bosnien (1463) und Herzegowina (1483), aber auch die zuvor noch nicht osmanischen Emirate Anatoliens dem Osmanenreich eingegliedert werden. Im 16.Jht. erfolgen weitere Expansionen, die den Irak, den nördlichen Schwarzumeerbereich (Chanat der Krim) , Ungarn, das spätere Rumänien, Armenien, Georgien, den westlichen Iran (Luristan), den Irak, große Teile Arabiens, Ägypten, Zypern und die norafrikanisch-islamischen Herrschaften bis Algerien osmanischer Oberhoheit, teilweise auch direkter Herrschaft (Ungarn 1526 - 1552) unterstellen. Damit ist das osmanische Reich territorial weitgehend an die Stelle des byzantinischen getreten. Ihm stehen die westlich-europäischen Reiche und das russische Kaiserreich als andere Erben der antiken und byzantinischen Traditionen gegenüber.

b) Die mongolischen Herrschaftsbildungen im eurasiatischen Raum.

Aus einer zwischen 1204 und 1206 entsehenden Föderation mongolischer Stämme im Gebiet zwischen dem oberen Jenissei, dem Baikalsees, dem dem Orchon- und dem Kerulen-Fluß unter Führung des Fürsten Telmudschin (Dschingis Chan) entwickelt sich in kurzer Zeit ein militärisch und rechtlich stabil organisierter Reichsverband, dem es bis 1227 gelingt, konkurrierende nomadische Reichsbildungen der Dschurtschen in Nordchina, der Uiguren im westlichen Innerasien, der Kara-Chitai in Ostturkestan und das Tangutenreich westlich des Hoangho-Bogens zu unterwerfen oder zum Anschluß zu bewegen. I. J. 1220 werden mit Transoxanien und dem Reich des Choresm-Schah islamische Gebiete unterworfen; damit beginnt die Islamisierung der dortigen mongolischen Erobererschicht. Unter den Nachfolgern Dschingis-Chans erfolgen seit d. J. 1240 (unter Ögedei) nach Westen hin Expeditionen bis nach Schlesien und Ungarn und die dauerhafte Unterwerfung des Bulgarenreiches an der Wolga und des größten Teiles des Kiewer Rus-Reiches, wo bis zum Beginn des 16. Jhts. die 'Goldene Horde' herrscht. Seit d. J. 1251 (unter Möngke) erfolgen Expeditionen nach Iran und Vorderasien, die u. a. zum Ende des Abassiden-Kalifats in Bagdad (1258) und zur Etablierung einer längeren mongolischen Herrschaft der Ilchane im Iran und Mesopotamien (einheitlich bis 1336, danach in Teilherrschaften bis 1469, in Afghanistan und Indien länger) führen I. J. 1259 (unter Kublai Chan) beginnt die Eroberung des noch nicht in mongolischem Besitz befindlichen südlichen Teils Chinas; nach deren Vollendung herrscht in China auf längere Zeit eine mongolische Kaiserdynastie (Yüeh-Dynastie, 1280 - 1368). Im 14. Jht. versucht der Mongolenherrscher Timur Lenk (1360 - 1405), das Mongolebreich zu einer neuen Einheit zusammenzufassen und weiter auszudehnen. Seine zahlreichen militärischen Expeditionen richten sich von seiner Hauptsatdt Samarkand aus gegen den mongolischen Kernbereich Innerasiens, das Gebiet der Goldenen Horde, gegen Nordindien (1395 -1398) und das Osmanenreich (1402). Die überlegene Machtstellung der mongolischen Herrscher in den von ihnen jeweils unterworfenen oder kontrollierten Gebieten schließt eine gewisse Anpassung an deren kulturelle Traditionen nicht aus. So werden die innerasiatischen Mongolen-Herrschaften im Laufe der Zeit zumindest buddhistisch geprägt, die Ilchan-Herrschaften des Iran persisch, die der Großmoguln indisch und die der Yüeh-Momgolen chinesisch. Die Mongolen der 'goldenen Horde' passen sich allerdings nicht an die byzantinisch-christlichen Traditionen des von ihnen unterworfenen Kiewer Reiches an, sondern werden islamisiert. Die verschiedenen kulturellen Prägungen führen bereits im 14. Jht. zu einer Lockerung des politischen und kulturell-sprachlichen Zusammenhangs zwischen den östlichen und den westlichen Mongolenherrschaften. Diese gehen schließlich in ihren jeweiligen kulturellen und sprachlichen Umfeldern auf und werden dort - beginnend im China des 14. Jhts. - allmählich durch andere Herrschaften abgelöst. Der Kernereich des mittelalterlichen Mongolenreiches, die Mongolei, wird i. J. 1696 zum Bestandteil des mandschu-chinesischen Reiches.

c) Die Herrschaften anderer altaischer Völkerschaften im eurasiatischen Raum.

Aus dem innerasiatischen Bereich kommen seit der Spätantike neben den schon erwähnten Awaren und Bulgaren, Turkvölkern des Nahen Ostens und Mongolen weitere altaisch-sprachiger Völkerschaften, die im Bereich zwischen Transoxanien und dem Balkan, also im Vorfeld der vorderorientalisch-mediterranen Antike Reiche bilden. Zu diesen gehören

Diese Reichsbildungen sind zu ihrer Zeit politische und militärische Faktoren in der Geschichte der weiter oben erwähnten Reiche und dürften wenigstens in gewissem Umfang Objekte kultureller Prägung durch die mediterranen und nahöstlichen Traditionen der Antike gewesen sein, auch wenn sich dies wegen einer oft spärlichen historischen Überlieferung nicht überall mit ausreichender Sicherheit nachweisen läßt. Charakteristisch für solche Prägung ist etwa die jüdische und christliche Missionierung des Chasarenreiches vor der Expansion des Islam.

Beipiele hochkultureller Prägung der Völker Zentralsaiens Steppenvölkern durch verschiedenartige Altertumstraditionen.

PDF-Datei (2,8 MB; Übertragung dauert einige Minuten; zum Empfang siehe ggf. Erläuterungen in Versuche.htm unter T 3)

mit folgenden, der Reihe nach benannten Abbildungen:

Nr. 1 (Hellenistische Prägung): Verschiedene archäologische Relikte der hellenistischen Zeit in Zentralasien: Nr. 6: Elfenbein-Rhyton aus Nisa (nahe Aschabad/Turkmenistan), 2. Jht. v. Chr. , Nr. 7: Vergoldeter Silberteller, baktrisch, 2. Jht. v. Chr.; Nr. 8 A - C: Tetradrachmen des Demetrios und des Eukratides von Baktrien aus dem sog. Kunduz-Schatz, 2. Jh. v. Chr.; Nr. 9: Statue einer Flußgöttin, aus Pendzikent (östlich Samarkand), 7. - 8. Jh. n. (!) Chr.: Nr. 10: Kapitell aus Chamqala (Kundus-Tal in Afghanistan), 1. Jht. v. Chr. oder später, Abb. und ihe Erklärung entommen aus: B. Rowland, Zentralsaien, Reihe Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen (1970), Baden-Baden 1978, S. 224 und 226.

Nr. 2 (Chinesische Prägung):Vereinfachte Wiedergabe einer schlichten Malerei aus der chinesischen Nekropole von Astana nahe Gaochang [Kocho] nahe Turfan, benutzt zwischen 265 und 850 n. Chr., Abb. aus: Hans-Joachim Klimkeit, Die Seidenstraße. Handelsweg und Kulturbrücke zwischen Morgen- und Abendland, Köln 1990 2, S. 198.

Nr. 3 (Buddhistische Prägung): Sitzender Buddha aus Holz, aus Tumshuq (nordöstlich Kashgar an der nördlichen Seidenstraße, 5. Jht. n. Chr, Abb. aus: Hans-Joachim Klimkeit, Die Seidenstraße. Handelsweg und Kulturbrücke zwischen Morgen- und Abendland, Köln 1990 2, Nr.10 des Bildteils zwischen S. 112 und 137.

Nr. 4 (Sakische und indische Prägung): In indischer Brahmi-Schrift geschriebenes Dokument (Blätter aus der sog. 'Goldglanz'-Sutra) aus der der sakischen Kolonie in Khotan (südliche Seidenstraße), wohl später als 4. Jht. n. Chr. Abb. und Erklärung entnommen aus: Hans-Joachim Klimkeit, Die Seidenstraße. Handelsweg und Kulturbrücke zwischen Morgen- und Abendland, Köln 1990 2, S. 52.

Nr. 5 (Iranische /sassanidische Prägung): Vereinfachte Wiedergabe der Zeichnung eines in Nara (Japan) im 8. Jh. n. Chr. entststandenen Seidenstoffes mit Motiven, die einer persisch-sassandischen Kunsttradition entsprechen. Abb. entnommen aus: Hans-Joachim Klimkeit, Die Seidenstraße. Handelsweg und Kulturbrücke zwischen Morgen- und Abendland, Köln 1990 2, S. 144.

Nr. 6 (Manichäische Prägung): Manichische Miniatur, eingeklebt in eine sogdische Schriftrole aus dem 8./9. Jht. n. Chr., Abb. entnommen aus: Hans-Joachim Klimkeit, Die Seidenstraße. Handelsweg und Kulturbrücke zwischen Morgen- und Abendland, Köln 1990 2, S. 136.

Nr. 7 (Nestorianische Prägung): Sogdische Inschrift neben nestorianischen Kreuzen in Tankse (Westtibet), vermutlich Mitte des 9. Jhts. Abb. entnommen aus: Hans-Joachim Klimkeit, Die Seidenstraße. Handelsweg und Kulturbrücke zwischen Morgen- und Abendland, Köln 1990 2, S. 57.

Nr. 8 (Prägung durch Turk-Völker): a) Türkische Runeninschrift auf einem Gedenkstein für 'Melchi Chulu' mit Hinweise auf das Ötükan-Gebirge als Regierungsmittelpunkt der Welt, in alttürkischer Sprache verfaßt, aus dem Zentrum des östlichen Türken-Reichs in Zentralasien nahe dem Ötükan-Gebirge ( Mongolei) , 6. Jht. n. Chr. oder später; b) Vereinfachte Darstellung des Bildes einer türkischen Schutzgottheit (devata), die dem Buddha mit einer Blumenschale ihre Auwartung macht, Kocho (südöstlich Turfan an der nördlichen Seidenstraße), 10. Jh. Beide Abb. entnommen aus: Hans-Joachim Klimkeit, Die Seidenstraße. Handelsweg und Kulturbrücke zwischen Morgen- und Abendland, Köln 1990 2.

Nr. 9 (Prägung durchTibet und Mongolen): a) Tibetisch-buddhistischer Text in Kursivschrift aus Chara-choto, evtl. 14. Jht., b) Mongolische Darstellung des Dschingis Khan, vermutlich zeitgenössisch, Abb. entnommen aus: Hans-Joachim Klimkeit, Die Seidenstraße. Handelsweg und Kulturbrücke zwischen Morgen- und Abendland, Köln 1990 2, S. 64 f.

Übung 7.

    Die unten folgenden zeitlich weit auseinanderliegenden Quellentexte

    'Barbarische Eigenart und partielle kulturelle Assimilation der T'u-küe an das alte China' und 'Indigen-nomadische, chinesische und transoxanisch-urbane Traditionen in der mongolischen Reichsbildung unter Dschingis Khan'

    sollen in die frühe Geschichte der Turk-Völker und der Mongolen in Zentralasien einführen, d. h. in ihre Geschichte vor der Islamisierung größerer Teile dieser Völker im Westen Eurasiens.

    1. Lesen Sie die Texte zunächst sorgfältig daraufhin durch, was sie über über indigen-nomadische Traditionen der Religion, Kultur und Herrschaftsausübung bei den beschriebenen Völkern aussagen.

    2. Stellen Sie dann fest, wo Ihres Erachtens bei den T'u-küe und bei den Mongolen Prägungen durch die chinesische Kultur oder durch andere urban-hochkulturelle Traditionen anzunehmen sind.

    3. Stellen Sie anhand der beiden unten folgenden Kartenbilder Mutmaßungen darüber an,

      a) aus welchen Gründen sich hochkulturelle Traditionen sehr verschiedener Art durch Zentralasien hin von Westen nach Osten und von Osten nach Westen (weniger von Süden nach Norden) verbreitet haben könnten und um welche Traditionen es sich seit dem Altertum dabei gehandelt haben mag,

      b) wie sich die Entstehung und die geographische Ausformung eines so großen Herrschaftsbereichs wie des mongolischen unter Dschingis Khan erklären läßt.


      Der Verlauf der Seidenstraße in Zentralasien. Abb. entnommen aus: Hans-Joachim Klimkeit, Die Seidenstraße. Handelsweg und Kulturbrücke zwischen Morgen- und Abendland, Köln 1990 2, S. 9. - Zur Vergrößerung in das Bild klicken .

      Die mongolische Reichsteilung in der zweiten Hälfte des 13. Jhts. Abb. entnommen aus: Gavin Hambly (Hg.), Zentralasien, Fischer-Weltgeschichte Bd. 16, Frankfurt M. 1966. S. 114. - Zur Vergrößerung in das Bild klicken.


    Lösung.

2. Frühe Kulturübernahme bei Türken und Mongolen.

a) Die Prägung der türkischen Stämme (Tuküe) Zentralasiens durch die chinesische Kultur seit der Zeit der 'barbarisch-chinesischen' Reiche im Norden Chinas (5. und 6. Jht. n. Chr.).

Barbarische Eigenart und partielle kulturelle Assimilation der T'u-küe an das alte China.

Aus dem Bericht über die Nord- (Ost-) T'u-küe im Geschichtswerk 'Sui-schu' ('Dynastiegeschichte der Sui', 84, 1a - 6b). Der Wiedergabe an dieser Stelle liegen zwei Passagen einer deutschen Quellenübersetzung zugrunde, die entnommen wurden aus: Liu Mau-Tsai, Die chinesischen Nachrichten zur Geschichte der Ost-Türken (T'u-Küe) , Texte und Anmerkungen, Göttinger Asiatische Forschungen, hg. von W. Heissig u. a., Bd. 10, Wiesbader 1958, S. 40 - 42 und 61 - 64 ; Kommentar: S. 517 ff.

Türken als diplomatische Nachbarn und militärische Konfliktgegner Chinas.

Kaiserliche Schreiben der Jahre 734 und 735 a) an Li Kuei-kuo, den Tu-tu (Militärgouverneur) der Hi und kaiserlichen Prinzen Li-Kuei-kuo, b) an den den Armeekommissar Wu-Tschi, c) an den Tu-tu (Militärgouverneur) von Sung-mo, d) an Pi-kia, Khagan der T'u-küe, e) nochmals an Pi-kia, Khagan der T'u-küe. Übersetzung und Kommentierung entnommen aus: Liu Mau-Tsai, Die chinesischen Nachrichten zur Geschichte der Ost-Türken (T'u-Küe) , Texte und Anmerkungen, Göttinger Asiatische Forschungen, hg. von W. Heissig u. a., Bd. 10, Wiesbaden 1958, S. 372 - 375 und 729 f.

Türken als Nachbarn und Konfliktgegner des Sassanidenreichs.

'Notizen über Persien', aus dem chinesischen Geschichtswerk 'T'ang chou', Lap. CCXXI, b, p. 6 vo ff. Französische Übersezung und Kommentierung aus: Edouard Chavannes , Documents sur Les Tou-Kiue (Turcs) occidentaux, recueiliis et commentés, suivi de naots additionnelles, Paris 1990, S. 170 - 774.

b) Die Prägung der türkischen Stämme Zentralasiens durch den Buddhismus seit dem 6. Jht. n. Chr.

Quellen ueber den Beginn der Verbreitung des Buddhismus bei den zentralasiatischen Türken.

Auszug aus einem Geschichtswerk der chinesischen T'ang-Zeit des Verfassers Tao Süan ('Ta-tsang-king', 55, 276 Sp. b: Ta-Tang nei-tien-lu, Kap. 5). Dt. Übersetzung und Kommentierung entnommen aus: Liu Mau-Tsai, Die chinesischen Nachrichten zur Geschichte der Ost-Türken (T'u-Küe) , Texte und Anmerkungen, Göttinger Asiatische Forschungeb, hg. von W. Heissig u. a., Bd. 10, Wiesbader 1958, S. 36 f. und 516.

c) Die Prägung der Mongolen durch indigene, chinesische und westliche Traditionen.

Indigen-nomadische, chinesische und transoxanisch-urbane Traditionen in der mongolischen Reichsbildung unter Dschingis Khan.

Auszüge aus der 'Geheimgeschichte der Mongolen'. Mit weiteren - epischen - Quellen zur Mongolengeschichte nach der Übersetzung von Erich Haenisch hg. von Walter Heissig, Düsseldorf, Köln 1981, S. 45 - 49 (Kap. 3), 111 - 114 (Kap. 8) und S. 159 - 164 (Kap. 11 und 12).

3. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

Quellen:


 

LV Gizewski WS 1999/2000 und SS 2000

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)