Kap. 9: Die Fortwirkung der Antike unter islamischen Herrschaften nicht-arabischer Dynastien (II: speziell unter türkischen Herrschaften)

INHALT

    1. Übersicht über die Geschichte der nachnomadischen türkischen und mongolischen Reichs- und Herrschaftsbildungen vor allem im westlichen Eurasien und die Wirkungsgeschichte der verschiedenen Altertumstraditionen darin.

    2.Die Islamisierung der Turkvölker und die Entwicklung türkischer Herrschaftsbereiche in vormaligen Gebieten des byzantinischen und des sassanidischen Reiches.

    3. Die Übernahme byzantinischer, altarabischer und altiranischer Kultur-, Religions- und Politiktraditionen im osmanischen Reich.

    4. Literatur, Medien, Quellen.

Zu den stichwortartigen Hinweisen siehe das Vorwort zu diesem Skript. 

1. Übersicht über die Geschichte der nachnomadischen türkischen und mongolischen Reichs- und Herrschaftsbildungen vor allem im westlichen Eurasien und die Wirkungsgeschichte der verchiedenen Altertumstraditionen darin.

In den folgenden Abschnitten werden lediglich thesen- oder stichwortartig einige Gedanken zu den in den Überschriften angesprochenen thematischen Aspekten formuliert und durch einige anschauliche Quellen und Bildbeispiele illustriert. Mit weitergehenden Ausführungen wäre der Orientierungscharakter dieses Skripts verlassen. Auf die Lektüre der zu P. 4 angegebenen Literatur und weiterführenden Quellen ist daher nachdrücklich zu verweisen. Es geht um eine Übersicht über die Geschichte der nachnomadischen türkischen und mongolischen Reichs- und Herrschaftsbildungen vor allem im westlichen Eurasien und die Wirkungsgeschichte der verschiedenen Altertumstraditionen darin, die Islamisierung der Turkvölker und die Entwicklung türkischer Herrschaft in vormaligen Gebieten des byzantinischen und des sassanidischen Reiches und die Übernahme byzantinischer, altarabischer und altiranischer Kultur-, Religions- und Politiktraditionen im osmanischen Reich.

Auf die Kurzdarstellung der Geschichte der Turkvölker in Eurasien in Kap. 2, dort zu I B, unter g), darf verwiesen werden.

SCHEMATISCHE ÜBERSICHT ÜBER TURKSTÄMMIGE DYNASTIEN UND IHRE RELIGIÖSE ORIENTIERUNG.

a) Die transoxanische sunnitische Karluken-Herrschaft (999 n. Chr. - Mitte des 11. Jhts.).
b) Das einheitliche sunnitische großseldschukische Reich in Iran, Irak und Kleinasien (1039 - 1092).
c) Die aus dem großseldschukischen Reich hervorgehenden Regionalherrschaften:
    aa) Das Reich der sunnitischen Rum-Seldschuken (1097 - 1307).
    bb) Das irakisch-westiranische Teilreich der sunnitischen Großseldschuken (1092 - 1265).
    cc) Das Reich der sunnitischen - gelegentlich zu Kompromissen gegenüber den Schiiten bereiten - Ghasnaviden in Transoxanien und im östlichen Iran (1092 - 1220/1265).
e) Das sunnitische Mamlukenreich in Ägypten und angrenzenden Gebieten (1250 - 1517/1535).
f) Das sunnitische Mamlukensultanat in Indien (1206 - 1525).
g) Die schiitische Mongolenherrschaft in Iran, Kleinasien und Irak (der Ilchane von 1265 - 1353 und der Timuriden von 1360 - 1507) und die mongolische sunnitische Gromogulherrschaft in Indien (von 1525 - 19. Jht.)]
h) Die nachmongolischen türkischen Herrschaften in Irak (der schiitischen 'Scharzen Hammel und später der sunnitischen 'Weißen Hammel', 1410 - 1515) , Iran, Aserbeidschan und Turkmenistan.
i) Das sunnitische osmanische Reich (1299 - 1918).

2. Die Islamisierung der Turkvölker und die Entwicklung türkischer Herrschaftsbereiche in vormaligen Gebieten des byzantinischen und des sassanidischen Reiches.

Übung 9 a.

    Untersuchen Sie an dem im folgenden wiedergebenen übersetzten Quellentext folgende Fragen:

      a) Was sind die angegebenen Gründe für den Islamisierungs-Wunsch des Königs des Wolgabulgaren-Reichs? In welcher Lage befindet sich der Bulgaren-König gegenüber seinen Nachbarn und gegenüber dem Kalifenreich.

      b) Wo lassen sich bei den verschiedenen beschriebenen Völkerschaften nach Ihrer Einschätzung aus westlichen Altertumstraditionen stammende hochkulturelle Elemente innerhalb ihrer nomadischen Traditionen ausmachen. Benennen sie diese im einzelnen.

      c) Wie äußert sich die beginnnende Islamisierung im Zeremoniell und in der sonstigen Behandlung der arabischen Gesandtschaft am Hofe des Bulgarenkönigs?

Türkische Völkerschaften im Übergang zum Islam.

Aus dem Reisebericht des Ahmad Ibn Fadlan. Gekürzte und etwas modifizierte Wiedergabe einiger Textstellen aus der deutschen kommentierten Übersetzung des arabischen Textes in: A. Zeki Validi Togan, Ibn Fadlans Reisebericht, Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, Bdd. XXIV, 3, Leipzig 1939, ND Nendeln/Liechtenstein 1966; die Auszüge sind den S. 1 - 46 entnommen.


Lösung.

3. Die Übernahme byzantinischer, altarabischer und altiranischer Kultur-, Religions- und Politiktraditionen im osmanischen Reich.

a) POLITISCH-RELIGIÖSE UNG GESELLSCHAFTLICHE ORDNUNG.

aa) Die machtpolitische, religiöse und politisch-ideelle Bedeutung des Falls Konstantinopels für das Osmanische Reich.

Übung 9 b.

    Untersuchen Sie an dem Bericht der weiter unten folgend wiedergegeben Quelle aus dem Geschichtswerk des Kritobulos von Imbros und anhand des dort ebenfalls folgenden Organisationsschemas der osmanischen zentralen Reichs- und Hofverwaltung im 16. Jht. folgende Fragen:

      a) Wie wird vom Autor des Textes die politisch-historische und kulturelle Bedeutung der Stadt Byzanz und des byzantinischen Reiches generell charakterisiert?

      b) Wo trägt der türkische Sultan byzantinischen Traditionen Rechnung und wo nicht? Wie verändert sich seine Herrschaftsstellung durch die Eroberung Konstantinopels?

      c) Welche römisch-byzantinischen Traditionen könnten Ihres Erachtens in der türkisch-osmanischen Reichsverwaltung des 16. Jhts., wie das Organisationsschema sie aufzeigt, eine gewisse Fortsetzung gefunden haben ? Welche dürften andrerseits eher einer persischen oder einer arabisch-islamischen Tradition zuzurechnen sein?


Lösung.

Das Ende des byzantinischen Reichs und die Herrschaftsnachfolge des türkischen Sultans. Aus dem Geschichtswerk des Kritobulos von Imbros.

Übersetzung entnommen aus: Mehmet II. erobert Konstantinopel. Die ersten Regierungsjahre des Sultans Mehmet Fatih, des Erobereres von Konstantinopel 1453. Das Geschichtswerk des Kritobulos von Imbros, Reihe 'Byzantinische Geschichtsschreiber', Bd. XVII, hg. von J. Koder, übersetzt, eingeleitet und erklärt von Dieter Roderich Reinsch, Graz, Wien, Köln 198 , Kap. 69 - 75, S. 130 - 138.

bb) Die Bedeutung des Falles Konstantinopels im Selbstbewußtsein des römisch-katholisch und des byzantinisch-orthodox geprägten Christentums.

Die Belagerung Konstantinopels i. J. 1453 in der Abbildung einer Miniatur aus einer Handschrift der 'Voyage d'outremer' von Bertrandon de la Broquière (15/16. Jht.).

Abb. entnommen aus: Francesco Gabrieli, Mohammed in Europa. 1300 Jahre Geschichte, Kunst, Kultur, übersetzt von J. Strauß, Augsburg 1997; S. 16/17.

'Akathistischer Hymnus', in russischer Sprache: 'Vzrannoi voievodie'. (auch Eingangsmelodie 1 der Eingangsseite dieses Skripts).

Audiodateien für Mac und PC

Zur Erläuterung: siehe Kap. 5, zu 4 d).

Entnommen aus der CD 'Byzance. Les grandes liturgies orthodoxes, CD 1: Chants de la liturgie slavonne. Gesungen vom Choeur des moines bénédictins de l'Union (Chevetogne) unter Leitung von Dom Gregoire Bainbridge. Hersteller: harmonia mundi s. a., Mas de Vert, 13200 Arles, 1992, Nr. TF1 990611.12. Das Stück wurde für Internetzwecke konvertiert und im Volumen reduziert. Die Plazierung an dieser Stelle erfolgt auschließlich zum Zwecke der wissenschaftlichen Erläuterung eines Traditionszusammenhangs. D. Hg.

cc) Das Fortwirken byzantinischer Kirchen-, Staats- und Gesellschaftstraditionen im Osmanischen Reich.

Die vollkommene Auflösung des byzantinischen Reiches mit dem Fall Konstantinopels bedeutet - wie schon bei den zuvor unter fremde Herrschaft gelangten Teilgebieten des vormaligen Römischen bzw. Byzantinischen Reiches - nicht, daß die in dem unter fremde Herrschaft geratenen Gebiet jahrhundertelang wirksamen religiösen, politischen und gesellschaftlichen Traditionen beendet würden. Gewiß wird nun das Staatsleben durch eine türkischsprachige und islamische Herrschaftsmacht und Oberschicht bestimmt und dauerhaft umgeprägt. Das griechische und das christliche Element gerät im nunmehrigen osmanisch-türkischen Reiche in eine politisch, religiös und auch kulturell nachgeordnete Stellung gegenüber jenen nun bestimmenden Traditionen, in denen sich neben einem türkisch-ethnischen auch ein persisches und ein arabisches Erbe verbunden haben.

Allerdings spielt in dieser Verbindung kultureller Traditionen seit der Zeit der Expansion des Islam im 7. und 8. Jht. auch das griechisch-römische Erbe eine zentrale Rolle. Mit der Einnahme Konstantinopels verstärkt sich dessen Einfluß auf die Gesamtkultur unter türkisch-islamischer Herrschaft notwendigerweise. Auch die türkische Herrschaft selbst greift auf vortürkische Herrschaftstraditionen des byzantinischen Reiches zurück.

Es können in dieser Hinsicht nur einige Aspekte kurz angesprochen werden.

Die Stellung der christlich-byzantinischen Kirche bleibt im Rahmen des türkisch-osmanischen 'Millet'-Systems, das eine weitgehende Selbstverwaltung der Religionsgemeinschaften vorsieht, nicht nur erhalten, sondern wird gegenüber früheren Zuständen sogar verstärkt. Der Patriarch von Konstantinopel wird für alle Christen im türkisch-osmanischen Reich - also auch für die bulgarischen, serbischen, palästinenischen oder ägyptischen mit ihren traditionsreichen kirchlichen Eigenständigkeitsansprüchen - religiös-administrativ maßgebliche Instanz. Im Rahmen der von der türkischen Herrschaft an den Patriarchen politisch übertragenen Aufgaben der Steuererhebung und Rechtsprechung für die von ihm im 'Millet-System' repräsentierten Christen wachsen ihm in gewissem, erherblichem Umfang sogar staatsähnliche Befugnisse zu.

Christen können im türkisch-osmanischen Reich (bis zur Mitte des 19. Jhts.) grundsätzlich keine höheren Militär-, Zivil- oder Hofverwaltungsämter ausüben. Dennoch stützt sich die Rekrutierung der Armee - sogar der Janitscharen-Truppe, hier allerdings in einem gegen die Traditionen rücksichtslosen Verfahren der 'Knabenlese' - weitgehend auch auf die christlichen Untertanen des Sultans. Auch auf das finanzielle, händlerische und handwerkliche Geschick der christlichen Bevölkerung weiß sich das Osmanische Reich angewiesen.

Im Aufbau des Regierungs- und Verwaltungssystems lassen sich manche chrakteristische Formen finden, die eine Ableitung aus byzantinischer - oder älterer römisch-imperialer - Tradition zumindest nahelegen. Dazu gehört die Zweiteilung des 'Hofes' in einen 'persönlichen Bereich' des Herrschers (Harem) und in eine 'Reichszentralverwaltung' (Divane) mit einer zugehörigen differenzierten hierarchiuschen Struktur der Hofämter. Im 'persönlichen Bereich' des Sultans gibt es - wie im spätantiken und byzantinischen 'Cubiculum' des Kaisers - als wichtige Elemente eine persönliche Finanzkasse des Herrschers, eine Leibgarde und ein Bedienstetensystem, in dem die Eunuchen eine hervorragende Rolle spielen. In der osmanisch-türkischen Reichsverwaltung - einschließlich der ' Zentralverwaltung' am Hofe - erinnern Aufbau und Aufgaben der Finanzverwaltungen (Domänenverwaltung, Staatslandverpachtung, Katatstrierung des steuerpflichtigen Landes, Gehälter- und Pfründensystem für Militärs und Zivilbeamte) ebenso wie der Provinzialverwaltung (Prinzip der Militärverwaltung auf den oberen Entscheidungsebenen) an bestimmte spätantike bzw. byzantinische Muster. Was die Rechtsordnung betrifft, so ist zwar das religiöse Recht des Islam notwendigerweise als Hauptquelle des Rechts anerkannt. Jedoch gibt es auch eine staatliche Gesetzgebung, die 'Kanun'-Gesetzgebung ('kanun' abgeleitet vom griech. Wort 'kanon'), für die vom religiösen Recht nicht geregelten, vor allem administrativen Rechtsmaterien.

Wie in den christlich-slawischen Großreichsbildungen des Mittelalters auf vormals byzantinischem Gebiet (Bulgarenreich, Serbenreich) ist damit auch im osmanisch-türkisch-islamischen Nachfolgereich auf vormals byzantinischem Teriitorium die antike, griechisch-römische Tradition nicht nur in den genannten Punkten, sonder auch darüberhinaus vielfältig weiterhin wirksam.

Die Zentralorgane des Osmanischen Reichs im 16. Jahrhundert.

Schematische Übersicht entnommen aus: Josef Matuz, Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte, Darmstadt 1994 3, S. 316.

Der Aufbau der osmanischen Gesellschaft im 16./17. Jht.

Schema entnommenaus: Der große Ploetz, Auszug aus der Geschichte, hg. vom Verlag Ploetz, bearbeitet von 69 Fachwissenschaftlern, Freiburg, Würzburg 1988 30 (und neuere Aufl.), S. 1076.

b) ALTERTUMSTRADITIONEN IN DER OSMANISCH-TÜRKISCHEN ALLTAGSKULTUR UND SPRACHE (BEISPIELE).

aa) Altertumsbedingte Muster in der türkischen Architektur.

Der besondere Einfluß der byzantinischen Bautraditionen auf die osmanisch-türkische Bauweise läßt sich exemplarisch an der der Süleiman-Moschee in Istambul, vormals Konstantininopel, zeigen Diese Moschee wurde zwischen 1550 und 1557 unter Leitung des berühmten türkischen Baumeisters Sinan (1490 - 1588), der eine Anzahl weiterer solcher Moscheen in Istambul und an anderen Orten des osmanischen Reiches entworfen hat, erbaut. Einserseits ahmt sie - vergleichbar vielen prominenten Kirchenbauten des von Byzanz aus regierten oder christianisierten mittelalterlichen Südost- und Osteuropa - die Bauformen der von Kaiser Justinian im 6. Jht. n. Chr. in Auftrag gegebenen, christlich-religiös und politisch-ideell zentralen Kirche Konstantinopels, der 'Hagia Sophia' nach. Andrerseits aber führt sie deren bauliches Konzept im Sinne einer islamischen Glaubensaussage - etwa durch Minarette und viele andere Neuerungen der Innen- und Außengestaltung - fort und steigert sie sogar. Siehe auch Lösung zu Übung 6 c.

Die Hagia Sophia und die Süleiman-Moschee in Istambul (heutige Ansichten).

Photos entnommenaus: Friedrich Gerke, Spätantike und frühes Christentum, Reihe Kunst der WWelt. Ihregeschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen, Baden-Baden 1967, S. 193, und aus: Francis Robinson, Der Islam. Geschichte, Kunst, Lebensformen, 'Weltatlas der Kulturen',übersetzt von D. Ahrens-Thiele, G. Wilhelm und M. Würmli, München 1990 4, S. 78 f. (Aufnahme von Norden mit Blick über die Wasserfläche des 'Goldenen Horns').


Siehe auch die den türkischen Bereich betreffenden Illustrationen der zu Kap. 6 gehörenden Zusammenfassungen:

.Bautypen aus vorislamischer Zeit und ihre Prägewirkung auf den islamischen Moscheenbau.

und

Weitere Beispiele verschiedenartiger vorislamischer Altertumstraditionen in islamischer Baugestaltung.

bb) Traditionelle türkische Musik.

Musikalische Altertumstraditionen im türkisch und islamisch geprägten Bereich Südwesteuropas und des Nahen Ostens. Zusammenfassung einiger Aspekt mit Beispielen.

cc) Fremd- und Lehnworte im Türkischen.

Die Turk-Sprachen, einschließlich des heutigen Türkei-Türkischen gehören zu den sog. altaischen Sprachen, die sprachentwicklungsgeschichtlich weder mit der indogermanischen noch mit der semitisch-hamitischen noch mit irgendeiner anderen ursprünglich im westlicehn Eurasien beheimateten Sprachgruppe zusammenhängen, sondern ethnischen Substraten im mittleren und östlichen Zentralasien (in engerer oder weiterer Umgebung des Altai-Gebriges; daher der Name) zuzuordnen sind. Siehe dazu auch Kap. 2 , P. 1 A. Bei der Ausbreitung türkischer Völkerschaften nach Transoxanien und weiterhin in den Iran, zeitweilig in den Irak, in den Kaukasusbereich und nach Kleinasien nahmen sie zunächst in starkem Maße - wie das Arabische - sprachliche Elemente der soghdischen und der ähnlichen persischen Hochkultursprache. Im Rahmen ihrer Islamisierung öffneten sich die Turk-Sprachen auch weit für das Arabische. Uns schließlich wurden in der jahrhundertelangen Nachbarschaft zum byzantinischen Reich in Kleinsien naturgemäß auch viele Elemente der griechisch-römischen Sprachkultur aufgenommen. Das führte zumindest in dem sozial gehobenen Sprachmilieu des früheren (osmanischen) Türkischen zu einer Bildungs- und Oberklassensprache, welche in ihrem Wortschatz in starkem Maße durch andere Sprachen geprägt war, ohne allerdings ihre ursprühngliche lautliche und syntaktische Sturktur wesentlich zu ändern. Auch die Schreibweise des Türkeitürkischen bediente sich - wie heute noch das Persische - jahrhundertelang der für den türkischen Lautbestand an sich nicht geigneten arabischen Schrift. Die unter Kemal Atattürke ingeleitete, sich an westlicher-europäischen Mustern orientierende nationale, säkulare und auf wissenschaftlich-technische Modernisierung bedachte Gesellschaftsreform brachte seit dem Jahre 1928 auch eine Schrift- und Sprachreform mit sich, im Rahmen derer der arabische und persischeLehnwortbestand der bis dahinin der Öffentlichkeit maßgeblichen gehobenen Sprache durch beu normierte volkssprachliche Muster drastisch verkleinert werden sollte und in der der nun folgenden öffentlichen Sprachpraxis wohl auch wurde.

Zum Verhältnis des heutigen Türkischen zum älteren, sog. osmanischen Türkisch finden sich bei dem Sprachforscher Heinz F. Wendt, Sprachen, Fischer-Lexikon, Frankfurt M 1961, S. 324 f folgende Bemerkungen:

4. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

Josef Matuz, Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte, Darmstadt 1994 3.

Tilman Nagel, Die islamische Welt bis 1500, München 1998.

Claude Cahen, Der Islam (I). Vom Ursprung bis zu den Anfängen des Osmanenreichs, Fischer-Weltgeschichte Bd. 14, Frankfurt M. 1968.

G. E. von Grunebaum, Der Islam (II). Die islamischen Reiche nach dem Fall von Konstantinopel, Fischer-Weltgeschichte Bd. 15, Frankfurt M. 1971.

Steven Runciman, Der Patriarchat von Konstantinopel vom Vorabend der türkischen Eroberung bis zum griechischenn Unabhängigkeitskrieg, übersetzt von Peter de Mendelssohn, München 1970.

St. J. Shaw, History of the Ottoman Empire and Modern Turkey, 2 Bde., Cambridge 1976/77.

Katharina Otto-Dorn, Kunst des Islam, Teilband der Rehne 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen, Baden-Baden, 1970.

Medien:

Francesco Gabrieli, Mohammed in Europa. 1300 Jahre Geschichte, Kunst, Kultur, übersetzt von J. Strauß, Augsburg 1997.

Ploetz, Große illustrierte Weltgeschichte in 8 Bden., Bd. 6: Die außereuropäische Welt bis 1945, Freiburg, Würzburg 1984.

Francis Robinson, Der Islam. Geschichte, Kunst, Lebensformen, 'Weltatlas der Kulturen',übersetzt von D. Ahrens-Thiele, G. Wilhelm und M. Würmli, München 1990 4.

Quellen:

Ibn Fadlans Reisebericht, hg. und bearbeitet von A. Zeki Validi Togan, Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, Bdd. XXIV, 3, Leipzig 1939, ND Nendeln/Liechtenstein 1966.

Mehmet II. erobert Konstantinopel. Die ersten Regierungsjahre des Sultans Mehmet Fatih, des Erobereres von Konstantinopel 1453. Das Geschichtswerk des Kritobulos von Imbros, Reihe 'Byzantinische Geschichtsschreiber', Bd. XVII, hg. von J. Koder, übersetzt, eingeleitet und erklärt von Dieter Roderich Reinsch, Graz, Wien, Köln 1986.

Leben und Taten der türkischen Kaiser. Die anonyme vulgärgriechische Chronik Codex Barberinianus Graecus 111 (Anonymus Zoras), Reihe 'Osmanische Geschichtsschreiber', Bd. 6, hg. von R. F. Kreutel, Bd. VI, übersetzt, eingeleitet und erläutert von R. F.Kreutel, Wien, Graz, Köln 1971.


 

LV Gizewski WS 1999/2000 und SS 2000

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)