Der Einbruch des 'westlichen Fortschritts' im Nahen Osten.

Lesetexte aus: Maria Haarmann (Hg.), Der Islam. Ein Lesebuch, München 1994 2., S. 280 - 283, 284 f., 287 f. - Die in den Texten ursprünglich vorhandene phonetische Transkription arabischer oder türkischer Worte und Namen mußte für den Internetgebrauch vereinfacht werden. D. Hg.


1. Rifa al-Tahtawi, Die Überlegenheit der Franken ( Auszug aus dem Reisebericht ' Ein Muslim entdeckt Europa. Die Reise eines Ägypters im 19. Jht. [1826] nach Paris'; Haarmann, S. 284 f.).

So läßt sich denn, je weiter man in der Zeit zurückgeht, ein Rückstand der Menschen in menschlichen Fertigkeiten und zivilisatorischem Wissensstand konstatieren, und je weiter man die Zeit nach vorne verfolgt, zumeist ein Aufstieg und Fortschritt der Menschen in diesen Dingen. Und an Hand dieses Aufstieges, und durch Messung seiner Stufen, und unter Anrechnung der Ferne vom oder der Nähe zum Urzustand läßt sich die gesamte Menschheit in mehrere Kategorien einteilen: Die erste Kategorie ist die der schweifen-den Wilden, die zweite die der rauhen Barbaren, die dritte die der Gebildeten, der Verfeinerten, der Kultivierten, der Zivilisierten und Urbanisierten verschiedener Art und Richtung. [... ]

Zur dritten Kategorie gehören Ägypten, Syrien, der Jemen, das Osmanische Reich, Persien, die Länder der Franken, Nordwest-Afrika, Sennar, der größte Teil Amerikas und viele der Inseln im (Pazifischen) Ozean. Alle diese Völker führen ein zivilisiertes Leben und verfügen über politische Systeme, Wissenschaften und Industrien, Rechts- und Handeiswesen; sie sind kundig in der Handhabung von Maschinen und wissen, wie man schwere Lasten auf leichteste Weise transportiert, und sie sind mit Seefahrt und dergleichen vertraut.

In dieser dritten Kategorie gibt es freilich Unterschiede hinsichtlich des Standes ihrer Wissenschaften und Künste, des Niveaus ihres Wohlstandes, der Befolgung eines bestimmten Rechtssystems, des Fortschrittsgrades ihres Gewerbefleißes. Die Länder der Franken, zum Beispiel, haben die höchste Stufe der Meisterschaft in den mathematischen, physischen und metaphysischen Disziplinen - in der Theorie wie in der Anwendung - erreicht....

Zur Zeit der Kalifen waren wir das vollkommenste alle Länder. Der Grund dafür ist darin zu suchen, daß die Kali fen Gelehrte, Künstler und andere Personen zu förden pflegten, wobei einige von ihnen sich sogar selbst mit Wissenschaften und Künsten beschäftigten. Siehe etwa al-Mamun, Harun al-Raschids Sohn: Er unterstützte nicht nu die Kalendermacher während seiner Regierungszeit, sondem beschäftigte sich darüber hinaus selbst mit der Astronomie; war es doch er, der unter anderem die Inklinatior des Tierkreises zum Äquator bestimmte und die experimenteIle Feststellung machte, daß sie 23 Grad 35 Minuten beträgt. Desgleichen der Abbaside Jafar al-Mutawakkil, welcher Istifan zur Übersetzung griechischer Werke anregte, wie etwa Dioscondes Buch über die Arzneimittel. Auch ersuchte der Herrscher von Andalusien, Abd al-Rahman al-Nasir, den Herrscher von Konstantinopel namens Armanius, ihm einen Griechisch und Latein sprechenden Mann zu senden, auf daß er ihm Sklaven als Übersetzer ausbilde, worauf ihm der römische Kaiser einen Mönch namens Nikolas schickte. Und dergleichen mehr.

Aus all dem ersieht man, daß sich die Wissenschaften in einem Zeitalter nur dann entfalten, wenn der Herrscher seinen Untertanen Förderung angedeihen läßt. Heißt es doch in den Weisheitssprüchen: Die Menschen folgen dem Brauche ihrer Fürsten. Die Macht der Kalifen zerbröckelte, und ihre Herrschaft brach zusammen - siehe Andalusien, das nunmehr seit etwa dreihundertfünfzig Jahren im Besitz der spanischen Christen ist -, während die Macht der Franken in diesem Zeitraum dank ihres Geschicks, ihrer Gabe der Organisation, ja dank ihrer Gerechtigkeit, ihrer Kenntnis der Kriegskunst und ihrer Vielseitigkeit und Erfindungsgabe erstarkt ist. Und wären die Muslime nicht von Gottes Allmacht unterstützt, sie wären ein Nichts im Verhältnis zur Macht, dem Besitz, dem Reichtum, dem brillanten Können usw. der Europäer.


2. Friedemann Büttner, Inge KIostermeier, Agyptens erste Schuldenkrise (Zitat aus: Ägypten, 1991, S. 51 ff.; Haarmann, S. 286 - 288.

Ausländer waren Mohammed Ali immer willkommen gewesen, solange sie nur dem Land nützlich sein konnten: französische Offiziere, italienische Ingenieure, griechische Kaufleute. Mit Konzessionen und Privilegien ausgestattet, oft auch mit Grundbesitz entlohnt, waren Europäer und Levantiner schon zu einer Wirtschaftselite geworden, ehe die Briten nach 1840 die Öffnung des ägyptischen Marktes erzwangen.

Unter Mohammed Alis Nachfolgern kontrollierten Ausländer in den kommenden Jahrzehnten in wachsendem Maße Transport, Verarbeitung und Vermarktung der Baumwolle und den übrigen innerägyptischen Handel. Gestützt auf die sog.'Kapitulationen', in denen das Osmanische Reich Bürgern europäischer Staaten immer weitergehende Vorrechte hatte einraumen müssen, konnten Ausländer in der Wirtschaft praktisch tun und lassen, was ihnen beliebte. Von Zoll- und Steuerpräferenzen abgesehen, genossen sie im Schutz ihrer Konsulate sogar Exterritorialität und eine eigene Gerichtsbarkeit. Viele Ausländer nutzten ihre privilegierte wirtschaftliche und rechtliche Position, um das Land auszuplündern. Mißtrauen gegenüber Ausländern, wie es Mohammed Alis Nachfolger Abbas I. nachgesagt wurde, war darum nicht unberechtigt. Der eigentliche 'Ausverkauf' Ägyptens begann jedoch erst unter Abbas Nachfolger Mohammed Said, dessen Einfältigkeit der französische Konsul Ferdinand de Lesseps zum größten Geschäft ausnützte, das je zum Nachteil Agyptens abgeschlossen wurde:

Als derjenige, der de Lesseps bzw. dessen Suezkanal-Gesellschaft die Konzession für den Bau des Suezkanals erteilte, durfte Said auch Hauptaktionär werden und sich heftig verschulden. Damit das Projekt wirklich zustande kam, mußte Said sich zudem verpflichten, alle Aktien aufzukaufen, die sich in Frankreich nicht verkaufen ließen den teuren ausländischen Kredit dazu besorgte ihm de Lesseps. Und während die europäischen Aktionäre zunächst vor allem ihre Gewinnerwartungen in das Geschäft einbrachten, mußte Said als seinen Beitrag den Kanal erst einmal graben lassen. Da die Suezkanal-Gesellschaft für den späteren Betrieb und nicht für den Bau zuständig war, stellte sie für die ägyptischen Arbeiter nicht einmal Werkzeug bereit, geschweige denn Verpflegung, Unterkunft oder medizinische Versorgung. Unter unsäglichen Mühen, zum Teil mit bloßen Händen, haben vor allem Bauern, die ohne Rücksicht auf ihre Feldarbeiten 'dienstverpflichtet' worden waren, den Kanal zwischen Rotem Meer und Mittelmeer gegrabein. Etwa 100000 Ägypter sollen dabei ums Leben gekommen sein. Und von den Gewinnen, die mit ihrem Werk erzielt wurden, konnte Agypten dann nicht einmal profitieren; denn nicht lange, nachdem 1869 der Kanal als großes intel nationales Ereignis mit viel Pomp eröffnet worden war, mußte Saids Nachfolger Ismail den ägyptischen Anteil an den Kanal-Aktien an England verkaufen, um Schulden at zahlen zu können.... .

Vom Wunsch beseelt, Agypten zu einem Teil Europas zu machen, ließ sich Ismail zudem von geschäftstüchtigen Beratern zu einer Vielzahl von Projekten anstiften, die ihn diesem Ziel näherzubringen schienen: In Kairo und Alexandria entstanden Stadtviertel nach europäischen Vorbildern, in Kairo sogar eine Oper. Die meisten dieser Projekte warr teuer, aber kaum kurzfristig profitabel, und auch die Infrastrukturinvestionen zahlten sich nur sehr langsam, vielfach erst nach seiner Regierungszeit aus. Nach dem Preiseinbruch auf den Baumwollmärkten am Ende des amerikanischen Bürgerkriegs blieb Ismail darum wenig anderes übri als die Landwirtschaft in Oberägypten auf Zuckerrohr un zustellen, vor allem aber seine Projekte mehr noch als schon zuvor über Kredite zu finanzieren.

Die Kreditkonditionen, die die europäischen Geldgeber Said und Ismail einräumten, sind typisch dafür, wie europäische Banken und Handeishäuser im 19. Jh. durch ungleiche Verträge politisch geschwächte Staaten bzw. deren Potentaten immer tiefer in die wirtschaftliche Abhängigkeit trieben. Zwar lagen die nominalen Zinsen bei durchaus branchenüblichen Sätzen, hinzu kamen jedoch so hohe Gebühren, Provisionen und Abschläge, daß am Ende in der Regel nicht einmal 70 % der Kreditsumme ausgezahlt wurden.

Neben Krediten, mit denen die Investitionen, aber auch nachgeschobene Forderungen der Suezkanal-Gesellschaft oder die luxuriöse Hofhaltung Ismails bezahlt wurden, mußten in immer kürzeren Abständen Kredite zur Finanzierung der Schulden aufgenommen werden. Bereits unter Said war ein Großteil der Staatseinnahmen auf Jahre hinaus verpfändet. Als die phantastisch angewachsenen Schulden Ismail schließlich über den Kopf zu wachsen drohten, wandte er sich hilfesuchend an die Hauptgläubigerländer, die ihm eine Schuldenverwaltung unter britisch-französischer 'Doppel-Kontrolle' aufnötigten. Als sich Ismail gegen deren drastische Maßnahmen zur Finanzierung des Schuldendienstes sträubte, wurde er zur Abdankung gezwungen. Sein Nachfolger Mohammed Taufik mußte dann 1880 einem Gesetz zustimmen, das auf Dauer die Hälfte der ägyptischen Staatseinnahmen für den Schuldendienst reservierte.

Nicht zuletzt Folgen dieses Gesetzes erhöhten die Unzufriedenheit in der Armee, in der Bürokratie und unter den ländlichen Notabeln und verstärkten die Agitation in der konstitutionellen Bewegung, die nach stärkerer politischer Beteiligung strebte. Als dies in einer Armeerevolte mit breiter öffentlicher Resonanz, dem sog. 'Orabi-Aufstand', gipfelte, lieferte ein Hilferuf Taufiks Großbritannien 1882 den willkommenen Vorwand, zum Schutz der Gläubigerinteressen 'vorübergehend' Ägypten zu besetzen - und es für über 70 Jahre nicht mehr zu verlassen.


3. Alexander Schölch, In der Euphorie des Fortschntts, Zitat aus: Geschichte der arabischen Welt, hg. von U. Harman, 1991, S. 387 ff.; Haarmann; S. 280 - 283).

Die sozio-ökonomische Transformation Ägyptens unter Muhammad Ali und die osmanischen Reformen während der ersten tanzimat-Penode, dann aber vor allem die forcierte europäische Penetration und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaften des Vorderen Orients seit der Jahrhundertmitte, forderten auch zur intellektuellen Auseinandersetzung mit diesen Wandlungsprozessen heraus. Natürlich gab es viele Intellektuelle und Ulama (wahrscheinlich war es sogar die überwiegende Mehrheit der religiösen Gelehrten), die sich dem Einbruch Europas und den institutionellen Veränderungen im Verwaltungs-, Rechts- und Erziehungssystem kategorisch widersetzten bzw. die sich den neuen Vorstellungen in passivem Widerstand verschlossen. Doch sie konnten den Wandel nicht aufhalten. Die Entwicklung ging über sie hinweg. Ins Rampenlicht traten vor allem jene Ulama und anderen Intellektuellen, welche Antworten auf die akuten Probleme ihrer Zeit suchten, nicht jene, die dem Wunschbild einer intakten, unveränderlichen islamischen Ordnung nachhingen.

Das Hauptproblem derer, die sich der Realität des neunzehnten Jahrhunderts stellten, war das der Selbstbehauptung gegenüber dem expandierenden Europa. In diesem Kontext stellte sich einerseits die Frage, welche technischen Errungenschaften und wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche Ideen und welche Institutionen von Europa unter dem Aspekt der Selbstbehauptung übernommen werden konnten, ja mußten, andererseits das Problem, in welcher Form der Rückhalt im Eigenen möglich war, wie die islamischen Normen auch zur Basis der politisch-gesellschaftlichen Erneuerung und Stärkung gemacht werden konnten. Die Ulama hatten die konkrete Frage zu beantworten, wieweit die Reformen und die Orientierung an europäischei Vorbildern gehen durften, ohne daß die Scharia als Grundlage des Gemeinwesens in Frage gestellt wurde.

Hourani stellt als Repräsentanten der 'ersten Generation' der Analytiker und intellektuellen Protagonisten des Wandels den tunesischen Staatsmann Hayr ad-din (1810-1889), den ägyptischen alim Rifa'a at-Tahtawi (1801-1873 und den libanesischen Christen Butrus al-Bustani (1819-1883) vor. Tahtawi, der von 1826 bis 1831 Imam der erstei großen ägyptischen Studienmission in Paris gewesen war, schrieb sein Hauptwerk über den Weg, den Agypten seiner Meinung nach einschlagen mußte, als er im Dienste des Vizekönigs Ismail (1863-1879) stand. Vor dem konkretei Hintergrund der ägyptischen Entwicklung führte er Grundgedanken in die sozio-politische Reflexion ein, die für Jahrzehnte bestimmend bleiben sollten bzw. die von anderen weiterentwickelt wurden: die Vorstellung vom Wandel als einem Grundprinzip des sozialen Lebens und vom Herrscher als dem Initiator des Wandels; die Notwendigkeit der Beratung des Herrschers, und zwar nicht durch die Ulama, sondern auch durch die Repräsentanten der neuen Wissenschaften (Ingenieure, Ärzte, Agrarexperten etc.); die Notwendigkeit und Möglichkeit, die Scharia im Lichte der Erfordernisse der Zeit neu zu interpretieren; das politische Ziel des Allgemeinwohls, das durch wirtschaftlichen Fortschritt erreicht werden konnte, vor allem im Bereich der Landwirtschaft; das Erfordernis einer guten Erziehung und Ausbildung; die Bedeutung der Liebe zum Vaterland (watan), womit bei Tahtawi der spezifisch ägyptische Patriotismus gemeint war. Zur Förderung ihres materiellen Wohlstands müßten sich die Ägypter die modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse aneignen; die Europäer, die sie vermittelten, seien daher im Lande willkommen. Die religiösen Grundlagen des Gemeinwesens würden dadurch nicht tangiert. In vielen Bereichen hätten die Europäer einst wissenschaftliche Erkenntnisse von den Arabern übernommen; bis zu einem gewissen Grade holten diese jetzt ihr eigenes Erbe zurück.

Bei seiner Verarbeitung und auch Legitimierung des Transformationsprozesses, den Ägypten durchlief, brauchte Tahtawi als alim von keinen Skrupeln geplagt zu sein, weil Muhammad Ali und Ismail es vermieden, auch da, wo sie rabiate Neuerer waren, die Prinzipien der Scharia expressis verbis anzutasten. Sie ergriffen praktische Maßnahmen, ohne die Veränderungen in feierlichen Proklamationen zu begründen und zu rechtfertigen, wie dies die tanzimat-Politiker in Konstantinopel taten. Vor allem die osmanischen Reformedikte von 1839 und 1856 entstanden eben auch unter europäischem Druck bzw. richteten sich an die europäischen Regierungen. ...

Die intellektuelle Verarbeitung des Fortschritts im Vorderen Orient mußte schon bald auf zwei Entwicklungen reagieren: Auf der einen Seite gebärdete sich dieses Europa, von dem man zu lernen bereit war, seit der Mitte der siebziger Jahre zunehmend aggressiver, ja es wurde zu einer akuten militärischen Bedrohung. Zum anderen brachte die Politik des Fortschritts und der Europäisierung dualistische Strukturen hervor. Ein Teil der Gesellschaften des Vorderen Orients wurde ganz oder partiell von ihr erfaßt, ein Teil blieb von ihr weitgehend unberührt. In den 'modernen' Bereichen von Verwaltung und Wirtschaft, Rechtswesen und Erziehung schien die Scharia keine Bedeutung mehr zu haben. Islamische Normen schienen untauglich oder überflüssig zu sein für diejenigen, die vom Wert der universellen Errungenschaften des neunzehnten Jahrhunderts überzeugt waren. Die wirkungsmächtigsten Denker, welche diese Probleme erkannten und eine Antwort darauf suchten, waren Afgani und Abduh.

Hier ist nicht der Platz, das bewegte Leben und die rastlosen politischen Aktivitäten von Gamal ad-din al-Afgani (der Afghane) (1839-1897) zu schildern, der in Wahrheit persisch-schiitischer Herkunft war. Es soll lediglich die Bedeutung der Phase herausgestrichen werden, während derer er in Agypten wirkte (1871-1879), weil er in Kairo einen Kreis von Schülern um sich. sammelte, deren einflußreichster wiederum Mulaammad Abduh wurde. Angesichts der Gefahren der europäischen Expansion propagierte Gamal ad-din die Notwendigkeit der Einheit der Muslime, eine revolutionären Panislamismus. Die notwendige Stärke würde dem Orient aus der Praktizierung eines richtig verstandenen Islam erwachsen. Der richtig verstandene Islam, und dies war Afganis zweite wichtige Lehre, sei durchaus mit der Übernahme europäischer Errungenschaften in Übereit stimmung zu bringen; als Verstandesreligion par excellence sei der Islam voll vereinbar mit den wissenschaftlichen E. kenntnissen der Zeit.

Diesen Gedanken der Rationalität des Islam führte der ägyptische alim Muhammad Abduh (1849-19a5) weiter. Er baute den gebildeten Muslimen die intellektuelle Brück welche die scheinbare Kluft zwischen dem technisch-wissenschaftlichen Fortschritt und der traditionellen religiös-kulturellen Welt des Islam überwand. Abduh fragte nicht mehr, wie Hourani treffend formuliert, ob der fromme Muslim mit den Institutionen und Ideen der modernen Welt leben könne; sie waren da, sie waren unwiderruflich Tatsachen geworden. Vielmehr fragte Abduh, ob jemand, der in dieser Welt lebte, noch ein frommer Muslim sein könne. Seine Antwort war ein emphatisches Ja. Da der Islam eine rationale Religion sei, könne er auch die moralische Basis einer fortschrittlichen Gesellschaft bilden.


Auswahl und Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski


 

LV Gizewski WS 1999/2000 und SS 2000