Vergleich zwischen den Grundstrukturen römisch-byzantinischer und arabisch-islamischer Hoforganisation.

Das theokratische und das militärische Moment, welche die islamische Herrschaftsform des Kalifats von ihren arabischen Anfängen an und in späteren Fortentwicklungen zu einem Sultanat prägen, begründen in ihrer spezifischen - islamischen und arabisch-nomadischen - Tradition zwar Unterschiede zum römisch-byzantinischen System der Kaiserherrschaft; diese sind aber nicht so groß, daß es nicht doch eine Anzahl beachtlicher struktueller Ähnlichkeiten im Herrschaftsaufbau gäbe. Das zeigt sich etwa an der Organisation des Hofes: einerseits als Lebensmittelpunkt einer Herrscherpersönlichkeit, seiner Verwandtschaft und Klientel und andrerseits als Zentrum einer Reichsverwaltung.

In beiden Bereichen verändert sich die Hoforganisation immer wieder sehr schnell entsprechend den politischen Machtverhältnissen und den herrscherlichen Bedürfnissen; dennoch lassen sich Grundstrukturen feststellen, welche nicht nur als sachlich nötig, sondern auch als traditionsbestimmt gelten müssen.

1. Dazu gehört zunächst die - aus einer absoluten, uneingeschränkten Souveränitästposition hervorgehende - alleinmaßgebende Stellung des Herrschers, dessen persönlichem Willen jedes Detail der Hofrgansiation prinzipiell unterworfen ist: das gilt sowohl für die Ordnung der Lebensführung, der unmittelbaren Umgebung und des persönlichen Verkehrs des Herrschers als auch für die Organisation der Regierunsgeschäfte, die Vergabe von Ämtern, Kommandos und Titeln sowie nicht zuletzt für das Hofteremoniell.

2. In beiden Bereichen ist dabei ein persönlicher und familiär-verwandtschaftlicher Sektor des Hofes zumindest grundsätzlich von einem amtlichen Sektor getrennt ('domus' - 'harim'). Der persönliche Sekor ist in beiden Bereichen durch eine besondere Leibgarde gesichert und mit eigenen finanziellen Mitteln sowie einem eigenen persönlichen Verwaltungsstab des Herrschers ausgestattet; er hat eine differenzierte Dienerschaft, innerhalb derer auch Eunuchen eine wichtige Rolle zumommt, sowohl für die persönlichen Bedürfnisse des Herrschers als auch für sein persönliches zeremonielles Auftreten.

3. In beiden Bereichen ist ferner der amtliche Sektor des Hofes ('officia' - 'Divane') in einer charakteristischen, ähnlichen Form organisiert.


 

LV Gizewski WS 1999/2000 und SS 2000

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)