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Türken als diplomatische Nachbarn und militärische Konfliktgegner Chinas.

Kaiserliche Schreiben der Jahre 734 und 735 a) an Li Kuei-kuo, den Tu-tu (Militärgouverneur) der Hi und kaiserlichen Prinzen Li-Kuei-kuo, b) an den den Armeekommissar Wu-Tschi, c) an den Tu-tu (Militärgouverneur) von Sung-mo, d) an Pi-kia, Khagan der T'u-küe, e) nochmals an Pi-kia, Khagan der T'u-küe. Übersetzung und Kommentierung entnommen aus: Liu Mau-Tsai, Die chinesischen Nachrichten zur Geschichte der Ost-Türken (T'u-Küe) , Texte und Anmerkungen, Göttinger Asiatische Forschungen, hg. von W. Heissig u. a., Bd. 10, Wiesbaden 1958, S. 372 - 375 und 729 f.

a) An Li Kuei-kuo, den Tu-tu der Hi.

An den Tu-tu [Militärgouverneur] der Hi, Ta-tsiang-kün [Großgeneral] der rechten Kin-Wu-Garde, Kuei-tsch'eng (den der Aufrichtigheit Ergebenen) Prinzen Li Kuei-kuo

Vor kurzem habe ich erfahren, daß die T'u-küe Euch zwei Stämme [üHi und K'i-tan) vernichten wollen. So habe ich dem [Tschang] Schou-kuei befohlen, die Verteidigung zu verstärken. Nun höre ich, Niei-li, der die Boshaften [T'u-küe] geschlagen hat, fürchte immer noch, daß die T'u-küe ihre Ubriggebliebenen Leute sammeln und ihn erneut überraschend angreifen könnten. Du sollst daher wit Nie-li zwei Fronten bilden. Da die T'u-küe noch nicht völlig vernichtet worden sind, werden sie später großes Unheil verursachen. Du sollst ihren Rückmarsch und ihre Entmutigung abwarten und ausnützen, mit Deinen Generälen beraten und [die Feinde] an strategischen Stellen verfolgen. Du hast keine Zeit mehr zu verlieren und sollst [die Angelegenheit] noch selbst überlegen.

Der Herbst ist bereits fortgeschritten und es ist sehr kalt. Ich wünsche dir und deinen Offizieren usw. allen alles Gute. Hiermit sende ich das Schreiben und will nicht auf Weiteres eingehen.

b) An Wu Tschi-i, den Kommissar der P'ing-lu [-Armee].

An Wu Tschi-i.

Die beiden Barbaren-Völker [Hi und K'itan] haben sich uns bereits unterworfen. Die T'u-küe aber wagen nach wie vor, das Grenzgebiet zu überfallen, weil sie nocht gehorsam sind; sie sollen wirklich vernichtet werden! Soeben erfuhr ich, daß die K'i-tan und die Hi mit vereinten Kräften und gemeinsamem Plan die Boshaften [T'u-küe] geschlagen haben und daß Sie hinterher marschiert sind und den Erfolg miterzielt haben. Dieser Sieg wird[die T'u-küe] entmutigen, aber bei einemTierwettkampf soll man auf das bereits angeschlagene Tier achhaben, und bei der Taktik soll man vor einer erschöpften [feindlichen] Armee auf der Hut sein. Gerade dies ist für die Strategen schwer. Darum soll man stets vorsichtig handeln! Sie sind ein erfahrener Mann und müssen sich selbst darüber in klaren sein! Wenn Sie etwas fdr gut halten, führen Sie es durch! Will man jedoch die Feinde ausrotten, so muß man bei jedem Unternehmen Eile vermeiden bei jedem Wort auf Vollkommenheit zielen, und man darf nicht leichtfertig handeln. Ich habe bereits [Tschang] Schou-kuei befohlen, mit Ihnen zu beratschlagen. Sie können die Schwächen [der Feinde] beobachten und dementsprechend Beschlüsse fassen.

Es ist Herbst und kühl. Ich [wünsche] Ihnen, Ihren Offizieren usw. allen alles Gute. Hiermit sende ich das Schreiben und will nicht auf Weiteres eingehen

c) An Nie-li, den Tu-tu von Sung-mo.

An den Tu-tu [Militärgouverneur] von Sung-mo, Ta-tsiang-kün [Großgeneral] der rechten Kin-wu-Garde, Nie-li.

Ich erhielt die Eingabe von Tschang Schou-kuei uni erfuhr, das du u.a. die Banditen [=T'u-küe) geschlagen hast. Übrigens, als die T'u-küe diesmal kamen, hegten sie heimtückische Absichten und schätzten ihre Feinde sehr gering. Bedeutet das nicht, daß sie durch ihr menschliches Handeln den göttlichen Weg (schen-tao) verletzt haben? Du bist treu und außerdem pfiichtbewußt und tapfer. Greift man mit Ergebenen die Unbotmäßigen an, so siegt man natürlich mit Bestimmtheit! Die von mir eingeführten Lehnstitel und Bematenränge sind nur zur Belohnung der Verdienstvollen bestimmt, um wieviel mehr [verdienst] du [eine Belohnung], der du so treu bist und zudem militärische Erfolge erzielt hast. Die zügellosen Banditen [T'u-küe] kamen aus der Ferne und gerieten in den Rachen des Todes. Nach dieser Niederlage werden sie bestimmt weiteren Plänen nachsinnen. Darum mußt di dich gegen sie schützen. [Dein Gebiet] ist strategische wichtig und darf nicht verloren gehen! Wu Tschi-i hält sich bei dir auf. Du sollst gegebenenfalls mit ihm planen. Berate mit ihm auch draüber, wie du [den Feinden] auflauern kannst.

Es ist Herbst und wird allmählich kälter. Ich [wünsche ] dir, deinen Würdenträgerb, Häuptlingenn und Bürgern usw. allen alles Gute. Ich sende das Schreiben und will nicht auf weitere seingehen.

d) An Pi-kia [ = Bilgä], Khagan der T'u-küe.

An Pi-kin, Khagan der T'u-küe.

Bis vor kurzem erhielt ich oft Briefe von dir und nahm zur Kenntnios, daß es dir gut geht; das freut mich sehr. Seitdem wir Vater und Soh geworden sind, ist meine Zuneigung zu dir mit den Jahren immer tiefer gewiorden. Mittlerweile verkehren wir miteinander und stehen in in einem vertraulichen und einträchtigen Verhältnis. Wenn du auch in fremdem Lande lebst, so sind wir doch nichts anderes als eine Familie. Die Bevölkerung an der Grenze hat keine Sorgen mehr, und das ist sehr erfreulich! Daskommt daher, daß du, mein Sohn und Khagan, fähig und gehorsam bist und denjenigen, zu denen ich freundlich und wohlwollend bin, entgegenkommst. Keine menschliche Güte kann diese [deine Güte] übertreffen! Wenn du für immer diese Gesinnung bewahrst, wirst du bis zu deinem Ende Glück und Wohlstand genießen, und das gilt nicht nur für jetzt, sondern auch für deine Nachkommen in zehntausend Generationen.

Jetzt ist es Herbst geworden unnd wird allmählich kälter. Ich wünsche dir und deinen Ministern [p'ing-tschang-schi] allen alles Gute. Ich sende diese Schreiben und will nicht auf weiteres eingehen.

e) An den Khagan der T'u-küe.

An meinen Sohn Teng-li, Khagan der T'u-küe.

Der Himmel belohnte das Gute nicht und brachte ihm am Ende Unglück: Vor kurzem verstarb Pi-kia, Khagn deines Reiches. Als ich dies erfuhr, war ich traurig. Seit 20 Jahren sind wir verbunden als Vater und Sohn. Wie könnten mein Schmerz und meine Trauer bei diesem [Tode] anders sein als beim [Tode] meines eigenen Kindes! Außerdem erfuhr ich, daß Du, mein Khagan, sein Nachfolger geworden bist, und daß die Horden der Barbaren Ruhe und Frieden haben. Das tröstet mich bei meiner Trauer sehr. Übrigens weiß ich, daß Du keine bösen Absieriten haben vjirst.

Zwischen mir und deinem verstorbenen Vater herrschte eine Zuneigung, die ebenso stark wie zwischen Blutsverwandten war. Wenn er schon mein Sohn war, so müßtest Du, mein Klingin, mein Enkel sein. Aber ein Enkel scheint mir doch ein wenig entfernter zu sein als ein Sohn. Jetzt pflegst du das Werk Deines verstorbenen Vaters und setzt [unsere] bisherige Freundschft fort; diese [deine] Gesinnung wiegt umso schwerer. Darum kann ich nur das Nähere wählen [und Dich als Sohn behandeln]. Wenn ich Dich zun Enkel mache, wird unsere Beziehung allmählich lockerer werden, darum will ich, daß du, mein Khagan, nun mein Sohn wirst! [Wie Im siehst], ist unsere Verbindung schon tief verwurzelt, und Du mögest über diese meine Absicht reiflich nachdenken.

Natirlich weiß ich auch, daß mein Wohlwollen [dem Verstorbenen gegenüber] von Anfang bis zum Ende [gleich bleiben muß]. Darum will ich sofort alles, was Du für sein Begräbais brauchst, Deinem Gesuche gemäß dem Kondolenzbotschafter mitgeben und ihm befehlen, daß alles bestimnt zur rechten Zeit [ankommt].

Meine Worte und Gedanken weilen in der Vergangenheit und meine Brust ist voll Trauer. Es ist schon der Frühlingsanfang, aber noch kalt. Ich [wünsch] dir, mein Khagan, Deinen Ministern (p'in.tzchang-schi), Häuptlingen und Horden allen Wohlergehen. Ici sende das Scheiben und will nicht auf weiteres eingehen.