Quellen ueber den Beginn der Verbreitung des Buddhismus bei den Türken (T'u-küe).

Auszug aus einem Geschichtswerk der chinesischen T'ang-Zeit des Verfassers Tao Süan ('Ta-tsang-king', 55, 276 Sp. b: Ta-Tang nei-tien-lu, Kap. 5). Dt. Übersetzung und Kommentierung entnommen aus: Liu Mau-Tsai, Die chinesischen Nachrichten zur Geschichte der Ost-Türken (T'u-Küe) , Texte und Anmerkungen, Göttinger Asiatische Forschungeb, hg. von W. Heissig u. a., Bd. 10, Wiesbader 1958, S. 36 f. und 516.


Der aus den Kien-ta- (Gandhara) Reich von Nordindien stammende Mönch Schê-na-küe-to (Jinngupta) kam Anfang der Jahre Wu-tsch'eng (559) des Kaisers Ming-ti der Nord-Tschou zusammen mit seinen Kameraden ... als Begleiter ihres Lehrers ... mit Sutren nach China. ...>Als er im 3. Jahr Kien-tê (574) des Kaisers Wu-ti der Nord-Tschou die beiden Religionen [d.h. Buddhismus und Taoismus] verboten wurden ... gerieten auch sie in Gefahr. ... Schliedlich beten sie, heimkehren zu dürfen, und das chinesische Reich gab der Bitte statt und ließ sie mit Geschenken gehen. ... Sie nahmen ihren Weg durch das Gebiet der T'u-küe. ... T'a-po Khagan bat sie sehr höflich, zu bleiben, und betonte immer wieder: "Bei den (Nord-) Tschou gibt es bald Erfolge, bald Niederlagen, darum müssen Sie, Meister, bald hierhin, bald dorthin gehen. Bei uns gibt es weder Untergang noch Erhebung. Hier können Sie in Ruhe leben. Ich werde dafür sorgen, daß Unterstützung und Verpflegung ganz nach Ihrem Herzen geschehen." Daraufhin blieben sie schließlich dort mehr als zehn Jahre. Der Lehrer und die Kameraden starben. Nur Jinagupta blieb am Leben. Gerade zu jener Zeit weilte der Mönch Pao-sien aus Siang-tschou [der Nord-Ts'i] und andere, insgesamt 11 Mönche, die im 6. Jahr Wu-p'ing (575) des [damaligen] Kaisers ... der Nord-Ts'i gemeinsam nach dem Westen gereist waren, nachdem sie sieben Jahre lang unterwegs gewesen und 260 Sutren in Sanskrit erworben hatten, auf dem Rückwege bei den T'u-küe. Dort erfuhren sie nun, daß die Nord-Tschou die Nord-Ts'i vernichtet und den Buddhismus verboten hätten. Sie konnten jetzt weder weiter- noch zutückwandern. So hielten sie sich denn unschlüssig bei den T'u auf. Da trafen sie schließlich Jinagupta, wie wenn sie beim Durst auf ein Getränk und im Dunkel auf ein Licht gestoßen wären. So lasen sie gemeinsam [mit Jinagupta] die erworbenen neuen Sutren durch. Sie baten ihn, die Titel zu übersetzen und das alte Verzeichnis zu revidieren. Ihnen war dies sehr gelegen, und sie waren sehr glucklich darüber. ... Schließlich gelobten sie bei Weihrauch, die Sutren gemeinsam zu übersetzen. Als dann die Großen Sui die Herrschaft übernahmen und der Budihiswus sofort wieder aublühte, kehrten sie mit den Sutren ins ins Reicli zurück. ... Jina traf in 4. Jahr K'ai-huang (584) wieder in China ein. ...


Auswahl und Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski


 

LV Gizewski WS 1999/2000 und SS 2000