Indigen-nomadische, chinesische und transoxanisch-urbane Traditionen in der mongolischen Reichsbildung unter Dschingis Khan.

Auszüge aus der 'Geheimgeschichte der Mongolen'. Mit weiteren - epischen - Quellen zur Mongolengeschichte nach der Übersetzung von Erich Haenisch hg. von Walter Heissig, Düsseldorf, Köln 1981, S. 45 - 49 (Kap. 3), 111 - 114 (Kap. 8) und S. 159 - 164 (Kap. 11 und 12). - Die phonetische Umschrift der Übersetzung wurde nach Möglichkeit für diese Internetwiedergabe beibehalten. D. Hg.


[Temujin wird zum Khan der Mongolen mit dem Namen Dschingis Khan gewählt. Vor 1205 n. Chr.].

[Der Adlige] Horci sagte ...:

Temujin sprach:

Hunan kam auch mit den Seinen, ein ganzes Lager 'Geniges'-Leute, und Daritai otcigin kam mit einem Lager. Von den Jadaran kam Mulhalhu, und weiter kam Unji in mit einem Lager von Sahait-Leuten.

Als er nach seiner Trennung von Jamuha bei Ail harahana am Bach Kimurha lagerte, hatten sich auch die beiden Söhne des Sorhatu jurki von den Jurkin, Saca beki und Taicu, weiter Nekun taizes Sohn Hucar beki und dann der Sohn des Hutula, Altan otcigin, mit je einem Lager, von Jamuha getrennt. Diese waren benfalls von Jamuha fortgezogen und zu Temujin gestoßen und hatten auch Lager bezogen, wo er bei Ail harahana am Kimurha-Bach lagerte. Nach dem Aufbruch von dort lagerte man nun am Blauen See, bei Hara jirugen am Bach Sanggur, in der Bucht des Berges Gurelgu.

Altan, Hucar und Saca beki hielten eine gemeinsame Beratung ab und sprachen darauf zu Temujin [scil.: in dichterischer Sprache formuliert]:

Mit solchen Gelübden und solchen Eiden erhoben sie Temujin zum Khan mit dem Titel Dschingis Khan [scil.: Dies ist eine Fürstenwahl für die damals noch relativ kleine Gruppe der Mongolen. Khan bedeutet so viel wie 'König' oder 'Herzog'. Die Bedeutung von Dschingis ist nicht klar. Nach einer wissenschaftlichen Hypothese ist es möglicherweise der Name eines Lichtgeistes, der im damaligen Schamanismus der Mongolen Bedeutung hatte]. Nachdem Dschingis nun Khan geworden, hängte Bo'orcus jüngerer Bruder Ogolai cerbi den Köcher um, Haci'un tohura un hängte den Köcher um, und die beiden Bruder Jetai und Doholhu cerbi hängten den Köcher um. [scil.: Hier handelt es sich - wie im folgenden um eine symbolische Verteilung von 'Hofämtern'. Der Köcher (mit Pfeil und Bogen) ist ein Würdenzeichen, dessen Träger persönlicher Vertrauter des Herrschers ist].

Und die drei Bruder Onggur, Süiketu cebi und Hada'an daidurhan traten als Köche an, indem sie sagten:

Degai sagte:

"Zweijährige Hammel als Suppe zu kochen, - Will ich am Morgen nicht versäumen und Werde es zur Nacht nicht verspäten.- Scheckige Schafe werde ich hüten - Und den Karrenkorb füllen.- Braune Schafe werde ich hüten- Und die Schafhürde füllen.- Vielfraß, ein übler, bin ich gewesen. - Nur mehr Kaldaunen will ich noch essen, - Nun ich die Schafe hüten werde!"

Damit übernahm Degai die Hütung der Schafe.

Sein jüngerer Bruder Gucugur sagte:

Dodai cerbi sagte:

Die drei, Hubilai, Cilgutai und Harhai tohura'un, hieß er, der Khan, zusammen mit Hasar als Schwertträger dienen, mit der Weisung:

Die beiden, Belgutai und Haraldai tohura'un, hieß er als Remontenwärter dienen und die Wallache fangen.

Die drei von den Taici'ut, Hutu, Morici und Mulhalhu, beauftragte er mit der Hütung der Pferdeherden.

Und die vier, Arhai hasar, Ta-hai, Sukegai und Ca'urhan, so sagte er, sollten für die Ferne seine Ho'ocah-Pfeile und für die Nähe seine Odora-Pfeile, also seine Boten für den Fern- und Nahverkehr, sein.

Sube'etai ba'adur sagte:

"Wie eine Ratte will ich dir - Das Deine zusammenhalten. - Wie eine schwarze Krähe will ich dir - Das, was noch draußen ist, zusammentragen. - Wie eine Filzdecke will ich versuchen, - Dich zu bedecken. - Wie ein Windschutzfilz will ich versuchen, - Deine Jurte vor dem Wind zu schützen!«

So sagte er. Da sprach Dschingis Khan als er nun Herrscher geworden war, zu den beiden, Bo'orcu und Jelme:

Weiter sagte Dschingis Khan:

Nachdem man ihn nun zum Herrscher gemacht hatte, sandte Dschingis Khan die beiden, Dahai und Sugegai, als Boten mit Kunde davon an To'oril Khan von den Kereit. To'oril Khan ließ zurücksagen:

"Das ist sehr richtig, daß ihr meinen Sohn Temujin zum Herrscher macht! Wie wollt ihr Manghol ohne Herrscher sein? Diesen euren Beschluß verletzt nicht wieder, euren Beschluß und Abmachung löst nicht wieder, euren Rockkragen zerreißet nicht wieder!"

[Dschingis Khan wird zum Kaiser der von ihm beherrschten nomadischen Völker Innerasiens gewählt. Um 1206 n. Chr.]

Nachdem er sich so die Völker mit den Filzzelten botmäßig gemacht hatte , sammelten sie sich im Tigerjahr (1206) an der Quelle des Onon und pflanzten die neunzipfelige weiße Fahne auf [scil.: die Zahl neun und die Farbe weiß stehen für Heiligkeit und Majestät]. Danach gaben sie dort dem Dschingis Khan den Titel Khan [scil.: im Sinne von 'Khan über alle Nomadenvölker', d. h. nicht nur über die Mongolengruppe i. e. S., wie oben zu 1.; dieser Titel entspricht nach damaliger Vorstellung in etwa dem chinesischen Kaisertitel, der vielfach von mächtigeren Barbarenherrschern in der Nachbarschaft Chinas angenommen wurde]. Er gab dort dann dem Mulaah den Titel Go-ong, Kaiserlicher Prinz. Den Jebe schickte er dann auf einen Feldzug zur Verfolgung des Königs Guculuk von den Naiman.

Das Mangholjin-Volk wurde nun organisiert, und als das erledigt war, erließ Dschingis Khan folgenden Befehl:

Folgende ernannte er zu Tausendschaftsführern: Vater Munglik, Bo'orcu, Muhali go-ong, Horci, Trugai, Jurcedai, Hunan, Hubilai, lelme, Tuge, Degai, Tolon, Onggur, Culgetai, Borohul, Sigihutuhu, Gucu, Kokocu, Horhosun, Hüsun, Huyildar, Siluhai, Jetai, Tahai, Caha'an ho'a, Alah, Sorhan sira, Buluhan, Haracar, Kokocos, Suiketu, Naiya'a, Jungsoi, Gucugur, Bala, Oronartai, Dair, Muge, Bujir, Munggu'ur, Dolo'adai, Bogen, Hudus, Maral, Jebke, Yuruhan, Koko, Jebe, Udutai, Bala cerbi, Kete, Sube'etai, Mungko, Halja, Hurcahus, Geogi, Badai, Kisib, Ketai, Ca'urhai, Unggiran, Tohon temur, Megetu, Hada'an, Moroha, Dori buha, Iduhadai, Sirahul, Dao'un, Tamaci, Ha'uran, Alci, Tosaha, Tunghuidai, Tobuha, Ajinai, Tuideger, Secao'ur, Jeder, Olar guregen, Jigiyadai, Buha guregen, Huril, Asih guregen, Hadai guregen und Cigu guregen.

Abgesehen von Alci guregen mit dreitausend Unggirat, Butu guregen mit zweitausend Ikires und Alahu sidigitbun guregen von den Onggut mit fünftausend Onggut und Waldleuten waren es fünfundneunzig Tausendschaftsführer des Manghol-Volkes, die von Dschingis Khan ernannt wurden. "Mit den Schwiegersöhnen (guregen) zusammen", sagte Dschingis Khan in einem weiteren Befehl, "habe ich die ernannten fünfundneunzig Tausendschaftsführer mit Tausendschaften betraut. Jetzt will ich den Verdienten unter ihnen", so hieß es in dem Erlaß, "besondere Gnadenbeweise geben."

.... [Unter anderem] beauftragte er den Sigihurtu [einen jüngeren Bruder] mit den Proßeßsachen aller Höheren [d. h. der Nicht-Unterworfenen im Reiche].

Weiter gab er folgende Verfügung:

[Letzte Taten und Nachfolgeanordnungen Dschingis Khans]

Nachdem Dschingis Khan die Eroberung des Mohammedanerlandes abgeschlossen hatte, ernannte er durch einen Erlaß Militärgouverneure für die einzelnen Städte [scil.: Statthalter mit Befehlsgewalt über jeweils ausreichende Heereskontingente wurden sowohl in den eroberten als auch in den Heimatgebieten des Mongolenreichs eingesetzt]. Da kamen aus der Stadt Urunggeci zwei Mohammedaner aus der Sippe der Hurumsi, Vater und Sohn, namens Yalacawi und Mahsut. Die erklärten Dschingis Khan den Sinn und die Bedeutung der Städte. Nachdem er so unterrichtet war, daß er über die Bedeutung etwas Bescheid wußte, beauftragte er Yalacawis Sohn Mahsut hurumsi, mit unseren Militärgouverneuren zusammen die Städte Buhar, Semisgen, Urunggeci, Udan, Kishar, Uriyang, Gusendaril und andere zu verwalten. Seinen Vater holte er zu sich und gab ihm die Verwaltung der Stadt Jung-du der Kitat. Weil unter den Sartah-Leuten, den Mohammedanern, die beiden, Yalawaci und Mashus, die Stadtsachen am besten verstanden, beauftragte er sie im Verein mit den zuständigen Militärgouverneuren mit der Verwaltung des Kitat-Volkes. Sieben Jahre hatte er mit dem Mohammedanervolk zu tun.

...

Darauf kehrte Dschingis Khan heim, ... um im Hühnerjahr [1225] an der Tula im Palast sein Quartier zu beziehen.

...

Nachdem er [um 1227] das Tang'ut-Volk zu Sklaven, den [Tang'ut-Fürsten] Iluhu Burhan zum 'Sidhuru'gemacht [scil.: der unterworfene feindliche Fürst erhält von Dschingis Khan den entehrenden Namen 'mein Bursche' auferlegt] und ihn dann getötet hatte, ließ er ... das ganze Volk bis in die letzten Glieder ausrotten und gab dazu den Befehl:

Weil das Tang'ut Volk sein Wort gab und sich dann nicht daran hielt, deshalb hat Dschingis Khan bei seinem zweiten Kriegszug gegen das Tang'ut-Volk diesem ein Ende gemacht.

Im Schweinejahr [1227] stieg Dschingis Khan zum Himmel auf. Nach seinem Aufsteigen gab man von dem, was vom Tang-ut-Volk übrig war, das meiste an die Frau [Dschingis Khans] Yesui.

Im Rattenjahr [1228] kamen die Prinzen der rechten Hand [Westen] mit Ca'adai und Batu an der Spitze und die Prinzen der linken Hand [Osten] mit Otcigin noyan, Yegu und Yesungge an der Spitze, die Prinzen des Zentrums mit Tolui an der Spitze, die Prinzessinnnen, die verschwägerten Verwandten, die Zehntausendschaftsführer und die Tausendschaftsführer alle mitaienander bei Kode'u aral am Kelren zu einem allgemeinen Treffen [einer Art Reichtstag] zusammenund erhoben nach dem Befehl, den Dschingis Khan ihnen früher [für diesen Fall] gegeben hatte, Ogodai Khan zum Kaiser.


Auswahl und Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski


 

LV Gizewski WS 1999/2000 und SS 2000