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'Nationale' Gegenwarts- und Geschichtsbezüge im 'Shah-nama'-Epos des Firdausi (10./11. Jht.).

Zitate auszugsweise entnommen und vom Hg.deutsch gefaßt nach der Übersetzung ins Englische: The Epic of the Kings. Shah-Nama the national epic of Persia by Ferdowsi. Tranlated by Reuben Levys. Persian Heritage Series, Unesco Collection of Representative Works, Chicago, London, Toronto 1967, S. 1 - 4, 173 - 180, 278 - 282: Einleitung des Dichters, Kap.XI und Kap. XXIV, Abschnitt 5.

1. Aus der Einleitung des Dichters: zur Entstehung des Shah-nama.

[Vorhergehen eine Anrufung Allahs, ein Lob der Weisheit, einige kurze Bemerkungen über die Schaffung der Welt, des Menschen, der Sonne und des Mondes sowie ein Lobpreis des Propheten Mohammed und seiner Gefährten, der vier aufrechten Kalifen, von denen Ali der verehrungswürdigste gewesen sein]

...Seit frühen Zeiten gab es ein Werk, in dem ein Fülle von Legenden enthalten war, und es war stets unter einer Anzahl von Magier-Priestern verbreitet, von denen jeder einzelne einen bestimmten Teil betreute. Irgendwann geschah es, daß eine Persönlichkeit von hohem Rang aus dem Stande der angesehenen Großgrundbesitzer (Dehqan), ein Mann von edlem Charakter, weitem Horizont und hoher Intelligenz, anfing, sich für die früheren Zeiten zu interessieren und nach Geschichten aus vergangenen Epochen zu forschen. Folglich sammelte dieser Mann aus ihren verschiedenen Provinzen die betatgten Priester um sich, welche das besagte Werk mit innerer Anteilnahme auswendig gehört hatten, und er stellte ihnen Fragen im Hinblick auf die Könige, die einst die Welt beherrscht hatten, und über andere berühnte und hervorragende Männer.

Stück für Stück enthüllten die verehrungswürdigen Männer ihm die Geschichte der Könige und erzählten, wie die großen Mängel und Laster der Welt sich allmählich entwickelten. Und als dieser große Mann aus dem Adel all das, was sie ihm sagen konnten, vernommen hatte, schuf er die Grundlagen für ein edles Buch, das in der ganzen Welt berühmt wurde und allgemeine Hochschätzung von jedermann erfuhr, ob hoch oder niedrig im Volke.

Sie antworteten:

Und nun wird jener Untersucher der Legenden des Altertums die Geschichte der Helden erzählen.

2. Die Frömmigkeit eines großen iranischen Königs [Chosrau].

[Nach der erbarmungslosen, aber nötigen eigenhändigen Hinrichtung des mit ihm verwandten, aber skrupellosen und allgemeinschädlichen Turaner-Schahs Afrasiab und dessen anschliessendem pietätvollen und aufwendigem Begräbnis in einer großen Zeremonie] ... kam die Zeit , daß der edle Geist des Königs in Nachdenken versank über die Vergänglichkeit der Welt in der Zeit und über dasWesen der absoluten Herrschemacht, die er in Händen hielt.

Er wusch sein Hein Haupt und seinen Körper, um Gott zu verehren und suchte suchte [fortan] mit der Lampe der Weisheit den Weg Gottes.

[Chosrau zieht - nach in der weiteren der Erzählung des Sah-name - von der Regierungsgeschäften zurück, nachdem ihm ein Engel in einer Traumvision dazu geraten hat, übergibt die Herrschaft vor einer dazu einberufenen Versammlung der Adligen des Reiches seinem Nachfolger Lohhrasp, sucht ein weiteres Leben als Eremit in der Wüste und entschwindet dort plötzlich den Blicken der Welt]

3. Die politische Klugheit eines großen iranischen Herrschers [Ardaschir].

Hört nun die Worte der Weisheit Ardashirs und nehmt sie Euch zu Herzen. Er strebte danach, eine verläßliche Ordnung für die Regierung zu sichern, welche über alle [Reichsangehörigen] gleichermaßen Gerechtigkeit und Wohlwollen verbreiten sollte.

Seinen Wunsch, die Armee in seiner Haupstadt zu vergrößern, setzte er etwa folgendermaßen um: er schickte einen seiner Ratsherren in alle Gegenden des Reiches und ließ die Einwohner, welche Söhne hatten, auffordern, diese nicht ohne eine Erziehung [zum Gebrauch der Waffen] zu lassen: alle sollten das Reiten und die Kampfmethoden mit der Streitaxt und den [verschiedenartigen] Kampfbögen erlernen. Wenn ein junger Mann durch dauernde Übung Stärke und Geschicklichkeit erworben hatte, begab er sich von seinem Wohnort zur Hauptstadt [Dort wurde er gemustert und einquartiert . Im Kriegsfalle stand so stets ein Heer aus jungen waffengeübten Einheimischen - nicht ein Söldnerheer - zur Verfügung. Während des Wfeendienstes in Krieg und Frieden wurden die jungen Wehrdienstleistenden sorgfältig beobachtet und ggf. in ihrem militärischen Fortkommen gefördert. Auf diese Weise wurden durch Auslese auch die militäroischen Kommandeure gewonnen].

... Zu seinen Berartern machte er ausschließlich Experten; niemals vergab er eine Aufgabe aan jemaden ohne angemessene Kenntnisse und EWrfahrungen. Je erfolgreicher ein Berater war, um so höher stieg er in der Gunst [in den belohnenden Gunstbeweisen] des Schah. Beamte ohne größere Fähigkeiten im Schreiben oder ohne größere Bildung gelangten nicht an den Hof des Schah Ardashir . Sie wurden dem Gefolge seiner Vertreter [in den Provinzen] zugewiesen. Der Schah war immer voll des Lobes, wenn er einen wirklich belesenen Mann an seinem Hofe sah:

Immer wenn ein Gouverneur einen Regierungsbet´zirk übernahm, sagte der Schah zu ihm:

Wenn irgendjemand mit einer Petition oder einer Rechtssache an den Hof kam, so suchten zuverlässige Ermittlungsbeamte des Königs ihn auf und befragten ihn über den Gouverneur seiner Provinz, etwa ob es dort Gerechtigkeit von Amts wegen gebe oder ob der Gouverneur korrupt und geldgierig sei. Ferner fragten sie nach der Existenz kenntnisreicher Menschen in der Provinz und ob diese sich etwa wegen Armut in Schwierigkeiten befänden. Außerdem wollten sie wissen, was für Leute sich am Hofe des Gouverneurs befänden und ob es sich bei diesen um langerfahrene, fromme und vertrauenswürdige Männer handele.

... Wenn ein Gesandter aus irgendeinem Lande kam, sei es aus dem Türkenland oderaus dem Land der Rhomäer [Rumi], oder wenn ein hoher persischer Adliger kam, so wandten der dafür zuständige hohe Beamte und die [Kommandeure der] Grenzbezirke dem die erforderliche große Aufmerksamkeit zu. Quartiere wurden entlang der Poststraße bereitgestellt, eine Aufgabe, die dem [jeweiligen] Gouverneur oblag. Auch Kleidung und Verpflegung wurden zur Verfügung gestellt, und es war kein Mangel an Komfortbei der Unterkunft [Teppiche und Betten]. Erlangte ein Gouverneur Kenntnis von der Ankunft eines Gesandten und über dessen Absichten, wurde ein schnell laufendes Kamel zu Schah Ardashir in Gang gesetzt, um eine Eskorte für den Ankömmlingherbeizuholen. [Der Gesante wurde in der Haupstatdt regelmäßig fürstlich untegebracht, zeremoniell empfangen und in die Begleitung des Schah, unter anderem auch bei den Jagden, aufgenommen].

Bearbeitet für das Internet: Christian Gizewski

LV Gizewski WS 1999/2000 und SS 2000