Kapitel 2: Traditionen natürlich-allgemeinmenschlicher, religiöser, ethischer, sprachlicher, rechtlicher und politischer Verständigung..

(IM AUFBAU)

I. GESELLSCHAFTLICHE GRUNDLAGEN.

A. Der menschheitsgeschichtliche Zusammenhang der Weltbevölkerung und ihrer Kulturen.

1. Zu Theorien über die kulturelle Expansion der Menschheit.

2. Zu Theorien über die kulturelle Separation der Menschheit.

B. Die Möglichkeit der Verständigung.

1. Die Vielzahl der Sprachen auf der Welt

2. Die Verwandtschaftsbeziehungen der vielen Sprachen auf der Welt,

3. Das hermeneutische Prinzip als die grundsätzliche Möglichkeit der Verständigung mit allem Fremdartigen und Unverständlichen.

"Wir wachsen auf, wir lernen die Welt kennen, wir lernen die Menschen kennen und am Ende uns selbst, indem wir sprechen lernen." (Resumierendes Zitat aus Hans-Georg Gadamer, Wahrheit und Methode, Tübingen 1993, S. 140)

Zu den Arten des Verstehens und ihrer Zusammenfassung im Begriff der 'Hermeneutik': Zitat aus Wolfgang Stegmüller, Hauptströmungn der Gegenwarts-Philosophie, 3 Bänden, Kröner-Verlag Stuttgart 1996, Bd, 2, S. 138 f.

C, Die Möglichkeit des geordneten Verkehrs unterschiedlicher Interessen.

D. Die Möglichkeit des Friedens als Vermeidung und Beendigung kriegerischer Zerstörung.

>> Transskription des Textes.

II. GEISTIGE GRUNDAGEN UND DIE ERKENNTNIS DER SITTLICHEN ANLAGEN UND TRADITIONEN ALLER MENSCHEN IN 'ETHIK', 'ANTHROPOLOGIE' ODER 'METAPHYSIK DER SITTEN'.

Im folgenden werden einige Grundsätze veranschaulicht.

A. Das Verständnis des Tragischen.

Sage mir, Muse, die Taten des viel sich wendenden Mannes,
Welcher so viel geirrt, nach der heiligen Troia Zerstörung,
Vieler Menschen Städte gesehn, und Sitte gelernt hat,
Und auf dem Meere so viel' unnennbare Leiden erduldet,
Seine Seele zu retten, und seiner Freunde Zurückkunft.
Aber die Freunde rettet' er nicht, wie eifrig er strebte,
Denn sie bereiteten selbst durch Missetat ihr Verderben:
Toren! welche die Rinder des hohen Sonnenbeherrschers
Schlachteten; siehe, der Gott nahm ihnen den Tag der Zurückkunft.

B. Vergebung.

9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung,sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.] 14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

C. Einfühlung.

Aber sie sagte darauf. Oh, laßt mich dieser Erinnrung
Einen Augenblick weihen! Denn wohl verdient sie der Gute,
Der mir ihn scheidend gab und nicht zur Heimat zurückkam.
Alles sah er voraus, als rasch die Liebe der Freiheit,
Als ihn die Lust, im neuen veränderten Wesen zu wirken,
Trieb nach Paris zu gehn, dahin, wo er Kerker und Tod fand.
Lebe glücklich, sagt' er. Ich gehe; denn alles bewegt sich
Jetzt auf Erden einmal, es scheint sich alles zu trennen.
Grundgesetze lösen sich auf der festesten Staaten,
Und es löst der Besitz sich los vom alten Besitzer,
Freund sich los von Freund: so löst sich Liebe von Liebe.
Ich verlasse dich hier; und wo ich jemals dich wieder
Finde – wer weiß es? Vielleicht sind diese Gespräche die letzten.
Nur ein Fremdling, sagt man mit Recht, ist der Mensch hier auf Erden;
Mehr ein Fremdling als jemals ist nun ein jeder geworden.
Uns gehört der Boden nicht mehr; es wandern die Schätze;
Gold und Silber schmilzt aus den alten heiligen Formen;
Alles regt sich, als wollte die Welt, die gestaltete, rückwärts
Lösen in Chaos und Nacht sich auf, und neu sich gestalten.
Du bewahrst mir dein Herz; und finden dereinst wir uns wieder
Über den Trümmern der Welt, so sind wir erneute Geschöpfe,
Umgebildet und frei und unabhängig vom Schicksal.
Denn was fesselte den, der solche Tage durchlebt hat!

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Was du nicht willstm das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu (Sprichwort)

D. Nachstenliebe.

25 Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe? 26 Er aber sprach zu ihm: Wie steht im Gesetz geschrieben? Wie lieset du? 27 Er antwortete und sprach: "Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte und deinen Nächsten als dich selbst." 28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue das, so wirst du leben. 29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: "Wer ist denn mein Nächster?" 30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. 31 Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging er vorüber. 32 Desgleichen auch ein Levit; da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber. 33 Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein, 34 ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß darein Öl und Wein und hob ihn auf sein Tier und führte ihn in die Herberge und pflegte sein. 35 Des anderen Tages reiste er und zog heraus zwei Groschen und gab sie dem Wirte und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was mehr wirst dartun, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Welcher dünkt dich, der unter diesen Dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? 37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihn tat. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und tue desgleichen!

E. Feindesliebe.

43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? 47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 48 Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

F. Gleichheit, Brüderlichkeit, Freiheit, Volksherrschaft und Widerstandssrecht als natürliches, weltweit geltendes Menschenrecht.

We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed, That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of the People to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying its foundation on such principles and organizing its powers in such form, as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness. Prudence, indeed, will dictate that Governments long established should not be changed for light and transient causes; and accordingly all experience hath shewn that mankind are more disposed to suffer, while evils are sufferable than to right themselves by abolishing the forms to which they are accustomed. But when a long train of abuses and usurpations, pursuing invariably the same Object evinces a design to reduce them under absolute Despotism, it is their right, it is their duty, to throw off such Government, and to provide new Guards for their future security.”

G. Mitleid.

Molissima corda humano generi dare se natura fatetur, quae lacrimas dedit -
Mildeste Herzen, bekennt die Natur, den Menschen gegeben zu haben;
wenn sie ihrem Geschlecht die Tränen gab und das Mitleid. (Juvenal, Sat. 5, 15, 131 - 133),

III. DIE AUSSERKRAFTSETZUNG ETHISCHEN ERKENNENS UND HANDELNS.

Alle im folgenden nur erwähnten Friktionen stellen Anlage und Geltung universeller ethischer Prinzipien nicht grundsätzlich in Frage. Im folgenden kann dies nur thesenartig zur Diskussion gestellt werden.

A. Widersprüche ethischer Grundsätze miteinander.

Ethische Grundsätze können zu widersprüchlichen Konsequenzen führen, so etwa wenn das Prinzip uneingeschränkt allgemeiner Menschenliebe durch besondere Formen allgemeiner Menschenliebe gewaltsam infragestellt wird oder umgekehrt diese gewaltsam in Frage stellt. Eine Lösung kann dann nur in einem ethisch argumentativen Kompromiß gefunden werden, Gibt es keine Lösung dieser Art, kann ein solcher Konflikt nur nach ggf. langwierig andauernder Gewalt enden, Die symbolischen Unterwerfungsformen ethischer Systeme widersprechen dann ebenfalls dem allgemeinen Menschlichkeitsgrundsatz.

Die Verteidigung eigener oder fremder Menschenrechte, wenn sie mit Gewalt erfolgt, führt ebenfalls zu einem Selbstwiderspruch ethischen Handelns. Sie kann nur durch Mäßigung im Vollzug abgemildert werden, soweit der Abwehrzweck dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt wird

B. Die Durchsetzung normativer Fehlsteuerung, insbesondere durch ethisch unrichtiges Recht.

Die Realität der Unterschiedlichkeit ethischer oder religiös-moralischer Systeme kann innergesellschaftlich nur dadurch friedlich gehalten werden, daß die Rechtsordnung eine ideellen Frieden regelt. Ist die Rechtsordnung allerdings in ihren Regelungen nicht in ausgewogen-tolerant, so kann dies ebenfalls zu Dauerkonflikten führen.

C. Die ideologische Durchsetzung ethikindifferenter Interessen politischer, militärischer, wirtschaftlicher und ethnozentrischer Art.

In einem sehr großen Teil organisierter politischer, militärischer, wirtschaftlicher, ethnozentrischer und anderer Interessen-Schwerpunktbildung treten ethisch-systematische Begründungen zwar nicht ganz außer Lraft, aber immer wieder deutlich in den Hintergrund. Um sich durchzusetzen, bedienen sie sich 'ideologischer' Begründungen, d. h. bewußt unwahrer oder unkritisch verwendeter Fiktionen, In all diesen Fällen ist es Gebot ethischer Prinzipien, eine Korrektur gesellschaftlichen Verhaltens zu fordern und durchzusetzen. Ein solches Verhalten begegnet seinerseits in der öffentlichen Diskussion Angriffen (etwa im polemischen Begriff eines 'Gutmenschentums'); doch pflegt es sich als allgemenmenschlich Naheliegendes immer wieder auch durchzusetzen und begründet alle Reform-oder Revolutions-Bewegungen.



Bearbeitungsstand: 1. April 2016.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de

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