Kapitel 3: Die Begründung äußerer Herrschaftsverhältnisse und ihre Kritik.

(IM AUFBAU)

I. Politische Verkehrsräume, Interessenbildungen in ihnen, ihre Herrschafisideen, deren Infragestellung und Beendigung.

II. Der Typus 'göttlicher Auftrag zur Eroberung' am Beispel des frühen antiken Reiches Israel.

Der göttliche Auftrag zur Eroberung des Landes Kanaan im Alten Testament in der Darstellung des 4. Buches Mose (Numeri), Kap. 34, 1 - 12.

Deutsche Übersetzung:

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Gebiete den Israeliten und sprich zu ihnen: Wenn ihr ins Land Kanaan kommt, so soll das Land, das euch als Erbteil zufällt, das Land Kanaan sein nach diesen Grenzen: Eure Grenze im Süden soll ausgehen vom Ende des Salzmeers, das im Osten liegt.und sich von Azmon ziehen an den Bach Ägyptens, und ihr Ende sei an dem Meer.Aber die Grenze nach Westen zu soll sein das große Meer und seine Küste. Die Grenze nach Norden zu soll diese sein: Ihr sollt sie ziehen von dem großen Meer bis an den Berg Hor.... und ihr Ende sei bei Hazar-Enan. Das sei eure Grenze nach Norden. Und ihr sollt die Grenze nach Osten ziehen von Hazar-Enan nach Schefam, und die Grenze gehe herab von Schefam nach Ribla östlich von Ajin. Danach gehe sie herab und ziehe sich hin längs der Höhen östlich vom See Kinneret und komme herab an den Jordan, daß ihr Ende sei das Salzmeer. Das sei euer Land mit seiner Grenze ringsumher.

Hebräischer Text mit deutscher Übersetzung.

III. Der Typus 'Recht des Stärkeren' am Beispiel des republikanischen und vorchristlichen Römischen Reiches

A. Der 'Römische Frieden' in der Weissagung des Stammvaters Anchises in der dichterisch-höfischen Darstellung der 'Aeneis' des Vergil.

"excudent alii spirantia mollius aera
- cedo equidem - vivos ducent de marmore voltus
orabunt causas melius, caelique meatus
describent radio et surgentia sidera dicent:
tu regere imperio populos Romane, memento
- haec tibi erunt artes - pacique inponere morem,
parcere subiectis et debellare superbos."
Sic pater Anchises

"Andre mögen Gebilde aus Erz wohl weicher gestalten,
dünkt mich, und lebensvoller dem Marmor die Züge entringen,
besser das Recht verfechten und mit dem Zirkel des Himmels
Bahnen berechnen und richtig den Aufgang der Sterne verkünden:
Du aber, Römer, gedenke die Völker der Welt zu beherrschen.
Darin liegt deine Kunst, und schaffe Gesittung und Frieden.
Schone die Unterworfnen und ringe die Trotzigen nieder."
So sprach Vater Anchises ..

B. Bemerkungen des Suebenfürsten Ariovist über den 'Römischen Frieden' in einer Unterredung mit Caesar im Jahre 54 v. Chr.(Bellum Gallicum, 1, 44, 1 - 13.)

Ariovistus ad postulata Caesaris pauca respondit, de suis virtutibus multa praedicavit: (2) transisse Rhenum sese non sua sponte, sed rogatum et accersitum a Gallis; non sine magna spe magnisque praemiis domum propinquosque reliquisse; sedes habere in Gallia ab ipsis concessas, obsides ipsorum voluntate datos; stipendium capere iure belli, quod victores victis imponere consuerint. (3) non sese Gallis, sed Gallos sibi bellum intulisse; omnes Galliae civitates ad se oppugnandum venisse ac contra se castra habuisse; eas omnes copias uno a se proelio pulsas ac superatas esse. (4) si iterum experiri velint, se iterum paratum esse decertare; si pace uti velint, iniquum esse de stipendio recusare, quod sua voluntate ad id tempus pependerint. (5) amicitiam populi Romani sibi ornamento et praesidio, non detrimento esse oportere, idque se hac spe petisse. si per populum Romanum stipendium remittatur et dediticii subtrahantur, non minus se libenter recusaturum populi Romani amicitiam quam adpetierit. (6) quod multitudinem Germanorum in Galliam traducat, id se sui muniendi, non Galliae inpugnandae causa facere. eius rei testimonium esse, quod nisi rogatus non venerit et quod bellum non intulerit, sed defenderit. (7) se prius in Galliam venisse quam populum Romanum; numquam ante hoc tempus exercitum populi Romani Galliae provinciae finibus egressum. (8) quid sibi vellet? cur in suas possessiones veniret? provinciam suam hanc esse Galliam, sicut illam nostram. ut ipsi concedi non oporteret, si in nostros fines impetum faceret, sic item nos esse iniquos, quod in suo iure se interpellaremus. (8) quod a se Haeduos amicos appellatos diceret, non se tam barbarum neque tam imperitum esse rerum, ut non sciret neque bello Allobrogum proximo Haeduos Romanis auxilium tulisse, neque ipsos in his contentionibus, quas Haedui secum et cum Sequanis habuissent, auxilio populi Romani usos esse. (10) debere se suspicari simulata Caesarem amicitia, quod exercitum in Gallia habeat, sui opprimendi causa habere. (11) qui nisi decedat atque exercitum deducat ex his regionibus, sese illum non pro amico, sed pro hoste habiturum. (12) quodsi eum interfecerit, multis se nobilibus principibusque populi Romani gratum esse facturum - id se ab ipsis per eorum nuntios compertum habere - , quorum omnium gratiam atque amicitiam eius morte redimere posset. (13) quodsi decessisset et liberam possessionem Galliae sibi tradidisset, magno se illum praemio remuneraturum et quaecumque bella geri vellet, sine ullo eius labore et periculo confectur (44,1) Auf Cäsars Forderungen antwortete Ariovist nur wenig, rühmte aber überschwenglich seine Vorzüge: (2) Er sei nicht aus eigenem Antrieb über den Rhein gezogen, sondern von den Galliern gebeten und gerufen Nur in der festen Erwartung großer Belohnungen habe er seine Heimat und Verwandten verlassen; seinen Wohnsitz in Gallien hätten ihm die Gallier selbst abgetreten und ihm freiwillig Geiseln gestellt; den Tribut nehme er nach dem Kriegsrecht, da die Sieger gewohnt seien, ihn den Besiegten aufzuerlegen; (3) nicht er habe die Gallier, sondern diese hätten ihn bekriegt. Alle Völkerschaften Galliens seien gegen ihn ausgezogen und hätten gegen ihn im Feld gestanden. Er habe alle ihre Truppen in einem einzigen Treffen geschlagen und besiegt. (4) Wenn sie es zum zweiten Mal versuchen wollten, so sei auch er zu einem zweiten Treffen bereit; wollten sie lieber Frieden haben, so sei es unbillig, den Tribut zu verweigern, den sie bisher ohne Weigerung gezahlt hätten. (5) Die Freundschaft des römischen Volkes müsse ihm zur Kräftigung und zum Schutz, nicht zum Nachteil gereichen; in dieser Hoffnung habe er sich um sie beworben. Wenn ihm durch das römische Volk der Tribut vorenthalten und die Unterworfenen entzogen würden, so werde er auf die Freundschaft mit dem römischen Volk ebenso gern verzichten, wie er sich um sie beworben habe. (6) Dass er Scharen von Germanen nach Gallien herüberführe, geschehe zu seiner eigenen Sicherung, nicht in feindseliger Absicht gegen Gallien. Beweis dafür sei, dass er nur auf Aufforderung gekommen sei und dass er die Feindseligkeiten nicht angefangen sondern abgewendet habe. (7) Er sei übrigens früher in Gallien erschienen als das römische Volk; niemals habe bis in die jüngste Zeit das römische Heer die Grenzen der gallischen Provinz überschritten. (8) Was Cäsar denn suche? Warum er seine Besitzungen betrete? Dieser Teil Galliens sei seine Provinz, wie jene den Römern. Wie man es ihm nicht gestatten dürfe, wenn er in das römische Gebiet einen Einfall mache, so seien die Römer ungerecht, weil sie ihn in seinem Recht störten. (8) Wenn Cäsar bemerke, der römische Senat habe den Häduern den Namen "Freunde des Römervolkes" gegeben, so sei er nicht so ganz Barbar und mit der Lage der Dinge so unbekannt, um nicht zu wissen, dass weder die Römer bei dem jüngsten Aufstand der Allobroger bei den Häduern Hilfe fanden, noch auch auch die Häduer in ihrem Kampf mit ihm und den Sequanern die Unterstützung der Römer gehabt hätten. (10) Er müsse vermuten, die Freundschaft mit den Häduern diene Cäsar nur als Vorwand, und er sei mit seinem Heer in Gallien bloß erschienen, um ihn niederzuringen. (11) Ziehe er sich daher nicht mit seinem Heer aus diesen Gegenden zurück, werde er ihn nicht als Freund, sondern als Feind ansehen; (12) er würde sich auch viele Edle und Häupter des römischen Volkes zu Dank verpflichten, wenn er Cäsar umbringe. Dies hätten sie ihn durch Botschaften ausdrücklich wissen lassen; dieser aller Gunst und Freundschaft könne er durch Cäsarrs Tod gewinnen. (13) Wenn sich Cäsar aber zurückziehe und ihm den ruhigen Besitz von Gallien gestatte, so werde er ihn mit einem großen Preis belohnen: er werde ihm alle Kriege, die er zu führen wünsche, ohne seine geringste

C. Der 'Römische Frieden' in heutiger satirischee Kritik (einerAsterix-Obelix-Geschichte von Uderzo und Goscinny).

IV. Zu den Motiven und Schwachstellen der Expansion des Römischen Reiches.

IV. Zu den Motiven und Schwachstellen 'moderner' Expansionspolitik im pazifischen Raum am Beispiel der europäischen Kolonialmächte, der USA und Japans im 19. und 20. Jht.

V. Thesenartige Schlußfolgerungen für die Beseitigung von Okkupationsherrschaft.

1. Okkupationsherrschaft läßt sich nur durch überzeugende Infragestellung der Okkuoationsidee und gewaltsamen Widerstand beseitigen.

2. Ohne Zustimmung der okkupationsbetroffenen Bevölkerung ist ein Friedensschluß nicht möglich.

3. Durch Untersdrüchung und Überwachung kann eine Okkupation faktisch auf Dauer gestellt werrden.

4. Okkupationssysteme können durch innere Konflikte und Gegenokkupationen zerfallen.



Bearbeitungsstand: 25. Mai 2016.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de

An allen, auch an den in der Abteilung AUDTORIUM der WWW-Seite 'AGiW' präsentierten Skripten und sonstigen wissenschaftlichen Werken behalten sich deren Autoren oder Herausgeber grundsätzlich die ihnen gesetzlich zustenden Urheberrechte vor. Dazu bitte ich, die Erläuterungen "ZUM ZWECK DES PROJEKTS" zu beachten. C.G.