Kap. 5: Sprachgrenzen und ihre hermeneutisch-systematische Überwindung.

(IM AUFBAU)


I. Anknüpfung an das Einleitungs-Kapitel 2.

Ein großer Teil der deutschen Alltagssprache ist von Lehn- und Fremdworten geprägt, die aus der Antike stammen. Das Lateinische und Griechische haben dabei eine besondere Bedeutung in der Bildungs und Frömmigkeits-Sprache. Ein kleinerer Teil der deutschen Sprache ist auch von hebräischem Spracherbe und - trotz aller zeitgeschichtlichen Judenverfolgung - nach wie vor von einigen jiddischen Spracheinflüssen geprägt.. Dies hat die deutsche Sprache mit den anderen europäischen Sprachen gemein.

II. Sprachgrenzüberschreitung im Wege der Sprach- und Sittenangleichung durch nachbarschaftliche Verkehrsverhältnisse in Europa.

Es kann hier nicht eingehend erörtert werden,

a) daß und inwiefern im europäischen Sprachraum jeweils ein wechselseitiger Spracheinfluß zwischen Nachbarvölkern hervortritt und

b) weltweit benutzte Verkehrssprachen - wie das Englische - auf vielen Lebensgebieten wie Handel, Politik, Technik und Alltagskultur an die einzelnen Sprachen adaptiert werden

Beispiele: computer, page, layout, news, talkshow, team, trainer, connection, bye

III. Sprachgrenzüberschreitung über die griechischen und lateinischen Lehn- und Fremdwort-Traditionen in den Amtssprachen, Religions- und TWKK (TechnikWissenschaft Kunst und Kultur)-Sprachen Europas.

Am Beispiel einiger Worte und Begriffe.

>Amtssprache >Religionssprache > TWKK-Sprache
Polis
Politik
Aristokratie
Demokratie
Despotie
Monarchie
Oligarchie
Tyrannis
Hegemonie
Strategie
Taktik
Nomos
Phoros
Theogonie
Mythos
Heros
Kosmos
Theologie
Synagoge
Bibel
Kirche
Priester
Diakon
Bischof
Evangelium
Apokalypse
Philosophie
Logik
Basilika
Architektur
Theater
Chor
Musik
Strophe
Lyrik
Enzyklopädie
Mechanik
Pergament
Papier
Republik
Diktatur
Senat
Konsul
Zensur
Legion
Jurisdiktion
Plebiszit
Kaiser
Krone
Kanzler
Minister
Konsultation
Konstitution
Audienz
Sekretär
legal, legitim
Mandat
Staat
Konvent
Partei
Majorität
Minorität
Nation
Parlament
Präsident
Regierung
Chef
Dekret
Datum
Plan
Votum
Veto
Tempel
Altar
Orakel
Konfession
Sakrament
Papst
Kardinal
Bischof
Vatikan
Universum
Schule
Fakultät
Material
Maschine
Fabrik
Armatur
Zement
Glas
Kalk
Mineral
Literatur
Pagus/Pagina

IV. Sprachgrenzüberschreitung durch Übernahme parallelsprachlicher hebräischer und jiddischer Elemente in der deutschen Sprache: Liste einiger 'undeutbarer Lehn-Wörter'.

V. Zu Zweck, Inhalt und Adressatenkreis päpstlicher Enzykliken am Beispiel der Enzyklika 'Si Domine' (2016).

Zeitgenössische Verkehrssprachen und Dolmetsch -Systeme ('dolmetschen' von türk. 'dilmatsch') am Beispiel der vielsprachigen [ARAB - DE - EN - ES - FR - IT - PL - PT] PÄPSTLICHEN ENZYKLIKA 'LAUDATO SI’ (2015) VON PAPST FRANZISKUS 'ÜBER DIE SORGE FÜR DAS GEMEINSAME HAUS'.

Vorab-Zitat aus der Enzyklika zur Verdeutlichung ihrer ökumenischen Ziele.

49. Ich möchte darauf hinweisen, dass man gewöhnlich keine klare Vorstellung von den Problemen hat, die besonders die Ausgeschlossenen heimsuchen. Sie sind der größte Teil des Planeten, Milliarden von Menschen. Heute kommen sie in den internationalen politischen und wirtschaftlichen Debatten vor, doch oft scheint es, dass ihre Probleme gleichsam als ein Anhängsel angegangen werden, wie eine Frage, die man fast pflichtgemäß oder ganz am Rande anfügt, wenn man sie nicht als bloßen Kollateralschaden betrachtet. Tatsächlich bleiben sie im Moment der konkreten Verwirklichung oft auf dem letzten Platz. Das ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass viele Akademiker, Meinungsmacher, Medien- und Machtzentren weit von ihnen entfernt angesiedelt sind, in abgeschlossenen Stadtbereichen, ohne in direkten Kontakt mit ihren Problemen zu kommen. Sie leben und denken von der Annehmlichkeit einer Entwicklungsstufe und einer Lebensqualität aus, die für die Mehrheit der Weltbevölkerung unerreichbar sind. Dieser Mangel an physischem Kontakt und an Begegnung, der manchmal durch die Desintegration unserer Städte begünstigt wird, trägt dazu bei, das Gewissen zu „kauterisieren“ ['medizinisch auszubrennen'] und einen Teil der Realität in tendenziösen Analysen zu ignorieren. Das geht zuweilen Hand in Hand mit „grünen“ Reden. Wir kommen jedoch heute nicht umhin anzuerkennen, dass ein wirklich ökologischer Ansatz sich immer in einen sozialen Ansatz verwandelt, der die Gerechtigkeit in die Umweltdiskussionen aufnehmen muss, um die Klage der Armen ebenso zu hören wie die Klage der Erde.

56. Indessen fahren die Wirtschaftsmächte fort, das aktuelle weltweite System zu rechtfertigen, in dem eine Spekulation und ein Streben nach finanziellem Ertrag vorherrschen, die dazu neigen, den gesamten Kontext wie auch die Wirkungen auf die Menschenwürde und die Umwelt zu ignorieren. So wird deutlich, dass die Verschlechterung der Umweltbedingungen und die Verschlechterung im menschlichen und ethischen Bereich eng miteinander verbunden sind. Viele werden sagen, dass sie sich nicht bewusst sind, unmoralisch zu handeln, denn die ständige Ablenkung nimmt uns den Mut, der Wirklichkeit einer begrenzten und vergänglichen Welt ins Auge zu schauen. Daher bleibt heute „alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Marktes, die zur absoluten Regel werden“.[33]

57. Es ist vorhersehbar, dass angesichts der Erschöpfung einiger Ressourcen eine Situation entsteht, die neue Kriege begünstigt, die als eine Geltendmachung edler Ansprüche getarnt werden. Der Krieg verursacht immer schwere Schäden für die Umwelt wie für den kulturellen Reichtum der Bevölkerungen, und die Risiken wachsen ins Ungeheure, wenn man an die nuklearen und die biologischen Waffen denkt. Denn „obwohl internationale Vereinbarungen den chemischen, bakteriologischen und biologischen Krieg verbieten, ist es eine Tatsache, dass in den Laboratorien die Forschung für die Entwicklung neuer Angriffswaffen fortgesetzt wird, die imstande sind, die natürlichen Gleichgewichte zu verändern“.[34] Von Seiten der Politik ist eine größere Aufmerksamkeit nötig, um den Situationen, die neue Konflikte verursachen können, zuvorzukommen und sie zu lösen. Doch die mit dem Finanzwesen verbundene Macht ist das, was sich am meisten gegen solche Bemühungen sträubt, und die politischen Pläne sind gewöhnlich nicht weitblickend. Warum möchte man heute eine Macht bewahren, die in die Erinnerung eingehen wird wegen ihrer Unfähigkeit einzugreifen, als es dringend und notwendig war?


Bearbeitungsstand: 30. Junii 2016.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de .