Kap. 6: Religiöse Orthodoxie, religiöse Toleranz und rationale Religions-Kritik.

(IM AUFBAU)


I. 'Ich bin, der ich bin'. Die zirkuläre Struktur' von Aussagen über die Existenz und Wesen eines Gottes oder mehrerer Götter.

II. Der öffentliche Zweifel des Sokrates an der Existenz der Polis-Götter und seine Bestrafung durch das Volk von Athen.

Sokrates in der 'Apologie' des Platon III; deutsche Übersetzumg und griechischer Text.:

3. Rufen wir uns also zurück von Anfang her, was für eine Anschuldigung es doch ist, aus welcher mein übler Ruf entstanden ist, worauf auch Meletos bauend diese Klage gegen mich eingegeben hat. Wohl! Mit was für Reden also verleumdeten mich meine Verleumder? Als wären sie ordentliche Kläger, so muss ich ihre beschworene Klage ablesen: „Sokrates frevelt und treibt Torheit, indem er unterirdische und himmlische Dinge untersucht und Unrecht zu Recht macht und dies auch andere lehrt.“ Solcherlei ist sie etwa; denn solcherlei habt ihr selbst gesehen in des Aristophanes Komödie, wo ein Sokrates vorgestellt wird, der sich rühmt, in der Luft zu gehen, und viel andere Albernheiten vorbringt, wovon ich weder viel noch wenig verstehe. Und nicht sage ich dies, um eine solche Wissenschaft zu schmähen, sofern jemand in diesen Dingen weise ist, - möchte ich mich doch nicht solcher Anklagen von Meletos zu erwehren haben! - sondern nur, ihr Athener, weil ich eben an diesen Dingen keinen Teil habe. Und zu Zeugen rufe ich einen großen Teil von euch selbst und fordere euch auf, einander zu berichten und zu erzählen, so viele eurer jemals mich reden gehört haben. Deren aber gibt es viele unter euch. So erzählt euch nun, ob jemals einer unter euch mich viel oder wenig über dergleichen Dinge hat reden gehört! Und hieraus könnt ihr ersehen, dass es ebenso auch mit allem übrigen steht, was die Leute von mir sagen.

III. Die Verurteilung des Christus genannten Jesus von Nazareth zum Kreuzestode wegen 'Gotteslästerung'

Mk 14,53-65: Jesus vor dem Hohen Rat.

53 Und sie führten Jesus zu dem Hohenpriester; und es versammelten sich alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten. 54 Petrus aber folgte ihm nach von ferne, bis hinein in den Palast des Hohenpriesters, und saß da bei den Knechten und wärmte sich am Feuer.

55 Aber die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn zu Tode brächten, und fanden nichts. 56 Denn viele gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein. 57 Und einige standen auf und gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn und sprachen: 58 Wir haben gehört, dass er gesagt hat: Ich will diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in drei Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. 59 Aber ihr Zeugnis stimmte auch so nicht überein. 60 Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen? 61 Er aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? 62 Jesus aber sprach: Ich bin's; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.

63 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir weiterer Zeugen? 64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist euer Urteil? Sie aber verurteilten ihn alle, dass er des Todes schuldig sei. 65 Da fingen einige an, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.

Mk 15,1-20a. Jesus vor Pilatus.

15.1 Und alsbald am Morgen hielten die Hohenpriester Rat mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat, und sie banden Jesus, führten ihn ab und überantworteten ihn Pilatus. 2 Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Du sagst es. 3Und die Hohenpriester beschuldigten ihn hart. 4 Pilatus aber fragte ihn abermals: Antwortest du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen! 5 Jesus aber antwortete nichts mehr, sodass sich Pilatus verwunderte.

6 Er pflegte ihnen aber zum Fest einen Gefangenen loszugeben, welchen sie erbaten. 7 Es war aber einer, genannt Barabbas, gefangen mit den Aufrührern, die beim Aufruhr einen Mord begangen hatten. 8 Und das Volk ging hinauf und bat, dass er tue, wie er zu tun pflegte. 9 Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe? 10 Denn er erkannte, dass ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten.

11 Aber die Hohenpriester reizten das Volk auf, dass er ihnen viel lieber den Barabbas losgebe. 12 Pilatus aber fing wiederum an und sprach zu ihnen: Was wollt ihr denn, dass ich tue mit dem, den ihr den König der Juden nennt? 13 Sie schrien abermals: Kreuzige ihn! 14 Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Aber sie schrien noch viel mehr: Kreuzige ihn! 15 Pilatus aber wollte dem Volk zu Willen sein und gab ihnen Barabbas los und ließ Jesus geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt werde.

16 Die Soldaten aber führten ihn hinein in den Palast, das ist ins Prätorium, und riefen die ganze Abteilung zusammen 17 und zogen ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf 18 und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßet seist du, der Juden König! 19 Und sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt und spien ihn an und fielen auf die Knie und huldigten ihm. 20 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an. Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten.

IV. Die Christenverfolgungen wegen der Infragestellung 'der göttlichen' Autorität römischer Kaiser.

Zitate aus: Laktanz Von den Todesarten der Verfolger (De mortibus persecutorum).

Kap. 1. Widmung an Donatus.

Erhört hat der Herr deine Gebete, teuerster Donatus, die du täglich zu allen Stunden vor seinem Angesichte ergossest, sowie die Gebete unserer übrigen Brüder, die sich durch glorreiches Bekenntnis die immerwährende Krone für die Verdienste des Glaubens erworben haben. Siehe, nun sind alle Widersacher hinweggenommen, nun ist die Ruhe auf Erden wieder hergestellt; die unlängst zu Boden geschleuderte Kirche erhebt sich wieder, und in größerer Herrlichkeit wird der Tempel Gottes, den die Gottlosen umgestürzt hatten, durch die Barmherzigkeit des Herrn wieder aufgebaut. Denn Gott hat Herrscher auferweckt, welche die ruchlosen und blutigen Willkürbefehle der Gewaltherrscher abgeschafft und des menschlichen Geschlechtes sich angenommen haben, so daß nunmehr, gleich als hätte das Gewölk einer düsteren Zeit sich zerstreut, lieblicher und sonniger Friede alle Herzen erfreut. Nach den gewaltsamen Stürmen eines furchtbaren Ungewitters erstrahlt nun wieder sanfter Himmel und erwünschtes Licht. Durch ihre Bitten besänftigt, hat Gott seine Diener aus tiefer Drangsal durch himmlische Hilfe wieder aufgerichtet, hat die Verschwörung der Gottlosen zunichte gemacht und die Tränen der Trauernden abgewischt. Die wider Gott anstürmten, liegen darnieder; die den heiligen Tempel umgestürzt hatten, sind selbst in größerem Sturz zusammengesunken; die, welche die Gerechten zu Tode gequält, haben unter Schlägen von Gottes Hand in verdienten Qualen die schuldige Seele ausgehaucht. Zwar spät, aber schwer traf sie die Strafe und angemessen der Schuld. Denn Gott hatte ihre Züchtigung aufgeschoben, um an ihnen der Welt große und erstaunliche Beispiele zu zeigen, aus denen die späteren Geschlechter lernen sollten, daß es einen einzigen Gott gibt, der zugleich Richter ist und der gebührende Strafe über die gottlosen Verfolger verhängt. Von diesem Ausgang der Verfolger will ich nun Zeugnis ablegen, damit alle, die dem Schauplatz der Ereignisse ferne standen, oder die später zur Welt kommen werden, erfahren, auf welche Art der höchste Gott seine Macht und Majestät in der Ausrottung und Vernichtung der Feinde seines Namens gezeigt hat. Doch wird es zweckdienlich sein, wenn ich von der ersten Gründung der Kirche an die Verfolger aufführe, die sich wider die Kirche erhoben haben und der Strafen gedenke, mit denen die Strenge des himmlischen Richters sie heimgesucht hat.

Kap. 3. Domitian [81 - 96 n. Chr.] .

Einige Jahre waren vergangen, da erhob sich ein anderer, nicht minder großer Tyrann, namens Domitian. Obwohl dieser eine verhaßte Herrschaft führte, so konnte er dennoch die längste Zeit den Untertanen auf dem Nacken sitzen und gefahrlos herrschen, bis er die ruchlose Hand wider den Herrn erhob. Nachdem er sich aber zur Verfolgung des gerechten Volkes auf Antrieb der Dämonen hatte verleiten lassen, da geriet er in die Hände seiner Feinde und verfiel der gerechten Strafe. Und es war der Rache noch nicht genug, daß er in seinem eigenen Palaste ermordert wurde; auch das Andenken seines Namens wurde ausgetilgt. Denn obschon er viele wunderbare Bauwerke geschaffen, das Kapitol und andere berühmte Denkmäler errichtet hatte, so verfolgte doch der Senat in dem Grade seinen Namen, daß er von seinen Bildnissen und Inschriften keine Spur mehr übrig ließ und durch eigene Beschlüsse ihn auch nach dem Tode noch brandmarkte zu immerwährender Schmach, Die Verordnungen des Tyrannen wurden aufgehoben und die Kirche nicht bloß im früheren Zustande wieder hergestellt, sondern sie blühte weit lebensvoller und herrlicher wieder auf; und in den folgenden Zeiten, in denen viele treffliche Herrscher das Steuerruder des römischen Reiches führten, streckte die Kirche, durch keinen feindlichen Anfall gestört, nach dem Osten und Westen ihre Arme aus, so daß bald kein Winkel der Erde mehr so entlegen war, wohin nicht die Religion Gottes gedrungen wäre; daß bald kein Volk mehr in so wilden Sitten lebte, daß es sich nicht durch die Annahme der wahren Gottesverehrung zu den Werken der Gerechtigkeit gesänftigt hätte. Hernach wurde freilich der lange Friede unterbrochen.

Kap. 4. Decius [249 - 251 n. Chr.].
Nach Verlauf vieler Jahre trat ein verabscheuungswürdiges Ungeheuer auf, namens Decius, um die Kirche Gottes zu bedrängen4. Denn wer sollte auch die Gerechtigkeit verfolgen außer ein Bösewicht? Und gerade als wäre er zu diesem Behufe zur kaiserlichen Würde erhoben worden, begann er alsbald wider Gott zu wüten, um alsbald gestürzt zu werden. Auf einem Heereszuge gegen die Karpen5, die in Dazien und Mösien6 eingefallen waren, wurde er sogleich von den Barbaren umzingelt und mit einem großen Teile seines Heeres niedergemacht. Und nicht einmal die Ehre des Begräbnisses ward ihm zuteil, sondern beraubt und entblößt blieb er, wie es sich für einen Feind Gottes geziemte, den Raubtieren und Vögeln zum Fraße liegen.

V. Spätantike Toleranz-Politik gegenüber der christlichen Religion.

Toleranzedikt von Nikomedia des Galienus [311 n. Chr.]

[Edikttext lateinisch]

Inter cetera quae pro rei publicae semper commodis atque utilitate disponimus, nos quidem volueramus antehac iuxta leges veteres et publicam disciplinam Romanorum cuncta corrigere atque id providere, ut etiam Christiani, qui parentum suorum reliquerant sectam, ad bonas mentes redirent, siquidem quadam ratione tanta eosdem Christianos voluntas invasisset et tanta stulti tia occupasset, ut non illa veterum instituta sequerentur, quae forsitan primum parentas eorundem constituerant, sed pro arbitrio suo atque ut isdem erat libitum, ita sibimet leges facerent quas observarent, et per diversa varios populos congregarent. Denique cum eiusmodi nostra iussio extitisset, ut ad veterum se instituta conferrent, multi periculo subiugati, multi etiam deturbati sunt. Atque cum plurimi in proposito perseverarent ac videremus nec diis eosdem cultum ac religionem debitam exhibere nec Christianorum deum observare, contemplatione mitissimae nostrae clementiae intuentes et consuetudinem sempiternam, qua solemus cunctis hominibus veniam indulgere, promptissimam in his quoque indulgentiam nostram credidimus porrigendam. Ut denuo sint Chrsitiani et conventicula sua componant, ita ut ne quid contra disciplinam agant. Per aliam autem epistolam iudicibus significaturi sumus quid debeant observare. Unde iuxta hanc indulgentiam nostram debebunt deum suum orare pro salute nostra et rei publicae ac sua, ut undique versum res publica praestetur incolumis et securi vivere in sedibus suis possint.

Hoc edictum proponitur Nicomediae pridie Kalendas Maias ipso octies et Maximino iterum consulibus.

[Edikttext deutsch]

Unter allen Überlegungen, welche wir zum Wohle und Erfolg der Republik zu tätigen gewohnt sind, hatten wir vormals auch entschieden, alle Dinge in Übereinstimmung mit den überlieferten Gesetzen und der Ordnung Roms zu regeln und bestimmt, dass sogar die Christen, welche den Glauben ihrer Väter verlassen haben, zur Vernunft gebracht werden sollten; da in der Tat die Christen selbst, aus irgendeinem Grund, einer Laune folgten und der Torheit verfielen, nicht die altgedienten Sitten zu befolgen, welche womöglich noch von ihren Vätern herrührten; aber nach ihrem Willen und Gutdünken wollen sie Gesetze für sich selbst schaffen, welche sie befolgen sollen und wollen, verschiedenstes Völk an verschiedenen Orten in Gemeinden sammeln. Schlussendlich als unser Gesetz mit dem Zweck verkündet wurde, sie sollen den altgedienten Sitten folgen, unterwarfen sich viele aus Angst vor der Gefahr, viele erduldeten jedoch den Tod. Und dennoch verharrten die meisten in ihrer Entscheidung, als wir nun sahen, dass sie den Göttern weder die Verehrung und schuldige Ehrfurcht noch Anbetung des Gottes der Christen zollten, gedachten wir, angesichts unserer höchsten gnädigen Milde und der regelmäßigen Angewohnheit, bei welcher wir gewohnt sind, allen Nachsicht zu gewähren, dass wir auch diesen unverzüglich Nachsicht gewähren, auf dass sie wieder Christen sein können und ihre Versammlungen abhalten mögen, vorausgesetzt, dass sie nicht entgegen der Zucht handeln. Aber wir erklären den Richtern in einem anderen Schreiben was sie tun sollen. Aufgrund unserer Nachsicht sollen sie zu ihrem Gott für unsere Sicherheit, für die der Republik und für ihre eigene beten, auf das die Republik weiterhin unbeschadet bleibt und sie sicher in ihren Häusern leben können.

Dieses Edikt wird vorgelegt in Nikomedia am Tage vor den Kalenden des Mai in unserem achten Jahr und im zweiten Jahr des MaximusIch, der Kaiser Konstantin, und ich, der Kaiser Licinius, haben alles, was der Wohlfahrt und Sicherheit des Staates dient, erwogen und beschlossen, den Christen ebenso wie allen anderen freie Wahl zu lassen, der Gottesverehrung zu folgen, die ein jeder wünscht, damit, was an Göttlichem auf himmlischen Sitze thront, uns und allen, die unter unserer Herrschaft leben, gewogen und gnädig sein möge. Dies geschieht im Interesse der Ruhe unserer Zeiten.

Außerdem verfügen wir betreffs der Christen, dass man ihnen die Stätten, an denen sie sich früher zu versammeln pflegten, unentgeltlich ohne jeden Verzug zurückgebe. Wenn die, welche diese Orte gekauft haben, etwas von unserer Güte wünschen, so mögen sie sich an den zuständigen Statthalter wenden, damit auch für sie durch unsere Güte gesorgt werde.

VI. Die christlichen Glaubensbekenntnisse in spätantiker und frühmittelalterlicher Zeit.

VI. Zur Ausbreitung und zum Glaubensbekenntnis des Koran. 

Zur 82. Sure 'Die Zerkleinerung' [i. S. von 'das Endgericht'; 'transkribiertes Arabisch und deutsche Übersetzung; nach zunächst mündlicher Überlieferung niedergeschrieben um 650 n- Chr.]
ibi-smi 'llâhi 'r-rahmâni 'r-rahîmani

idhâ 'sh-shamâ'u 'nfatarat (1)   
wa-idhâ 'l-kawâkibu 'ntatharat (2)   
wa-idhâ 'l-bitaru fujjirat (3)   
wa-idhâ 'l-qubûru bu°thirat (4)   
°alimat nafshum   
              mâ qaddamat wa-ahharat (5)   
yâ aiyuhâ 'l-inshânu mâ gharraka   
              bi-rabbika 'l-karîmi (6)   
'l-ladhî chalaqaka fa sauwadâka   
             fa °adalaka (7)   
fî aiyi sûratim mâshâ arakkabaka (8)   
kallâ bal tukaddhi bûna bi-'d-dîni (9)   
wa-inna °alaikum lahâfizîna (10)   
kirâmân kâtibîna (11)   
ya°lamûna mâ taf°alûna (12)   
inna 'l-abrârala fî na°îmin (13)   
wa-inna 'l-fujjârala fî jachîmin (14)   
yaslaunahâ yauma 'd-dîni (15)   
wa-mâ hum °anhâ bi-fâ ibîna (16)   
wa-mâ adrâka mâ yaumu 'd-dîni (17)   
thumma mâ adrâka mâ yaumu 'd-dîni (18)   
yauma lâ tamliku dhafshul li-nafshin shai'ân   
           wa-'l-amru yauma idhil li-llâhi (19) 

Im Namen Gottes des allbarmherzigen Erbarmers 

1. Wann die Himmel zerkloben sind,  
 2. Und die Sterne zerstoben sind,  
 3. Wann die Meere sind verschäumt,  
 4. Und die Gräber sind geräumt;  
 5. Wird eine Seele wissen, was  
     Sie hat gethan und was versäumt.  
 6. O Mensch, wie bist du deinem Herrn,  
             dem gütigen, entronnen!  
 7. Der dich gebildet und geschlichtet  
             und eingerichtet,  
 8. In welche Form er wollte, dich gedichtet.  
 9. Doch leugnet ihr den Tag, an dem er richtet.  
10. Doch über euch sind Hüter bleibende,  
11. Hochedle Schreibende,  
12. Die wissen was ihr habt verrichtet und begonnen. 
13. Fürwahr die Frommen sind in Wonnen,  
14. Die Sünder sind in Flammenbronnen,  
15. Da brennen sie, wann das Gericht begonnen,  
16. Und sind ihm nicht entronnen.  
17. Weißt du, wann das Gericht begonnen?  
18. Ja weißt du, wann das Gericht begonnen?  
19. Wann keine Seel' hilft keiner Seel'  
             und Gottes ist die Macht. 

Die Warnung vor dem End-Gericht, wie sie zum Beispiel diese Sure an die Ungläubigen richtet, wird in der Gegenwart dann zu einer Zwangsmaßnahme, wenn sie von politisch und kriegerusch auftretenden Instanzen und Gruppen zu Zwecken einer 'Zwangsmissionierung' oder oder einschüchternden Propaganda gegenüber Anders- oder Nichtgläubigen verbreitet wurd, Es handelt sich dann um 'religiöse Ideologie'. Zu Wesen und Funktion der 'Ideologie' als rational unbegründeter Gewaltanwendung generell : Kap. 9..

VII . Zur Verzweigung und Varariabilität christlich-rechtgläubig basierter Dogmatik seit Beginn der christlichen Orthodoxie.

Thesen:

1. Die byzantinisch-orthodoxen Glaubenstraditionen hängen eng mit der Struktur des byzantinschen Reiches bis zu seinem Ende im Jahre 1453 zusammen. Kaiser und Kirche bilden eine auch theologisch-ideell begründete politische Einheit: Nach 1453 bleibt es in den osteuropäischen Ländern, in denen sich das Christentum von Byzanz aus ausgebreitet hat. so (wie z. B. in Rußland).

2. Römisch-katholische Traditionen entstehen in den Jahrhunderten der allmählichen Auflösung des Weströmischen Reiches infolge der westeuropäisch-mediterranen Völkerwanderung. Der Bestand des stadtrömischen Papats bleibt zumeist respektiert, doch muß sich dieser mit unterschiedlichen Herrschaftseinflüssen, vor allem des mittelalterlichen Deutschen Reiches, zurechtfinden.

3. Protestantische Traditionen in einem weiteren Sinne entstehen in Mittel- und Westeuropa dort, wo in den weit auseinander liegenden Kirchenprovinzen die christliche Lehre mit ihren vielfältigen und widersprüchlichen Bekenntniselementen nicht ohne weiteres zentral gesteuert werden kann und deshalb zu Separationen führt.

VIII Zur Abzweigung der islamischen Traditionen aus aus einem alttestamentarisch-biblischen Fundament.

Thesen:

1. Der betonte Monotheismus und die Vorrangstellung 'des Propheten' markieren die Distanz zum christlich-rechtgläubigen Trinitäts-Dogma.

2. Der allmächtige Gott als 'Allerbarmer' ist in menschgewordener Gestalt, also als Verbesserer seines Schöpfungswerks, nicht vorstellbarbar.

3. Die Frömmigkeit läßt deshalb auch die strenge eschatologische Orientierung des Glaubens hervortreten.

4. Die Schrifttradition und ihre unorganisierte gelehrte Bearbeitung ist ein Ansatz für Glaubens-Differenzierungen innerhalb des Islam.

IX. Zur Vorbehaltsstruktur und der Mitteilbarkeit gelehrter theologischer Dogmatik.

Thesen:

1. Im aristotelisch-systematischen Begreifen Gottes als 'einfacher Substanz' macht Thomas von Aquin (13. Jht.) eine Vorbehaltsstruktur theologischer Dogmatik gegenüber zentralen apriorischen christlichen und jüdischen Glaubenstraditionen deutlich.

2. Darin liegt auch die Möglichkeit einer universellen glaubensübergreifenden Verständigung.

IX. Skepsis und Atheismus im Humanismus und in der neuzeitlichen 'Aufklärungs'-Philosophie.

Thesen:

1. Erkenntniskritische (skeptische ) Motive begründen die prinzipielle Abkehr von 'göttlicher Offenbarung als 'Erkenntnisquelle.

2. Die Verbindung religiöser Glaubensinhalte mit unakzeptablen moralischen, sozialen und politischen Ordnungen ist Ursache einer sich im 'Humanismus' und der 'Aufklätung' entfaltenden sozialen und politischen Ideologiekritik an christlich-ideell basierten Gesellschaftssystemen.


Bearbeitungsstand: 20. Juli 2016.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de .