Kap. 9: Systeme öffentlicher Meinungslenkung durch ideelle Gewalt ('Ideologie') und der rational begründete kritische Angriff auf sie.

(IM AUFBAU)


I. Die 'Ideologie' als irrationales ideelles System zur Organisation und Beeinflussung einer 'Öffentlichkeit', ihre Gewalt und ihre medialen Instrumente.

In der Organisation politischer Herrschaft ist unter der Voraussetzung, daß alle Menschen gleiche Rechte und Möglichkeiten ihrer in gegenseitiger Respektierung abgestimmten Bedürfniserfüllung haben, die gedanklich nächstliegende. Alle andersartigen Organisationsformen müssen mit Argumenten, die die Unterschiedlichkeit menschlichen Wesens und menschlicher Rechte, des sozialen Ranges, des Besitzes, der Einkünfte und der Erwerbsmöglichkeiten begründen. Großenteils sind solche Argumente kritisch widerlegbar. Allerdings kann eine rationale Kritik nicht wirksam werden, wenn es ihr an den Mitteln fehlt, sich der Öffentlichkeit mitzuteilen, weil die dafür nötigen Foren und Publikationsmittel von 'irrational' agierenden Machthabern mit Mitteln der Täuschung, Gedankenkontrolle oder physischen Gewaltanwendung beherrscht werden.

II. Historische Typen zeitgeschichtlicher Ideologien.

Ideologien bilden sich unter zufällig erscheinenden, unterschiedlichen historisch-gesellschaftlichen Bedingungen, die sich allerdings abstrakt in 'Typen' zusammenfassen und vergleichen lassen. Die nachfolgende Zusammenstellung läßt sich aus diesem Grunde auch anders vornehmen und erweitern.

A. Ideologien autoritärer politischer Systeme.

1. 'Moderne' Diktatur ständisch-elitär fundierter Militärregime.

2. Durch Revolution oder/und Krieg herbeigeführte Herrschaft kommunistisch-'proletarischer' Willensbildung..

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3. Persönlichkeitskultisch begründete zeitgeschichtliche 'Volksführerschaft'.

Zur Veranschaulichung: religiös-diktatorischen Selbstverständnisses an einem besonders aktuellen Beispiel unter vielen anderen:

CASDORFFS AGENDA / tagesspiegel-casdorff -vom 25. Juli 2016:.

... "Die Anhänger des Erdogan-Regimes bedrohen in Deutschland lebende Türken und Turkodeutsche. 'Ausrotten' wollen sie die, die nicht ihrer Meinung sind, 'verbrennen'. Diese Sprache ist verräterisch. Sie zeigt den Verrat an allen demokratischen Werten. Willkür herrscht, seitdem Recep Tayyip Erdogan in seinem Land Tausende verfolgt, entrechtet, inhaftiert. Seine Partei, die AKP, macht sich die Türkei zur Beute - und wiegelt alle ihre Sympathisanten außerhalb des Staates auf. Da ist es umso bemerkenswerter, dass erst Cem Özdemir kommen muss, um Klartext zu reden. Der Grünen-Chef sagt, wenn Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte weiterhin außer Kraft gesetzt werden, 'müssen wir auf EU-Ebene auch über Sanktionen für das direkte Umfeld der Machthaber nachdenken, beispielsweise indem man Konten und Vermögen einfriert'. In der Tat: Das ist die Achillesferse des Regimes, die Wirtschaft. Und die Selbstsucht obendrein. Dort muss man sie treffen. Verrat am Rechtsstaat gehört von dessen Anhängern bestraft. Natürlich rechtsstaatlich. ..."

4. Bündnisführerschaft politischer Mächte in internationalen Konflikten (wie etwa im 'Ost-West-Konflikt').

B. Nationalistische oder ethnozentrische Ideologien.

1. Weltkriegs-Nationalismus des 20. Jhts. in Europa und Asien.

2. Nationalsozialismus innerhalb des NS-deutschen Herrschaftsbereichs.

3. Nationalistische oder ethnozentrische Territorial-Okkupationen im Nahen Osten..

4. Nationalistische oder ethnozentrische Konfliktparteien bei der Auflösung von kommunistischen Vielvölkerstaaten.

5. Mißtrauen gegenüber mächtigen Nachbarmächten kann ideologische Form annehmen.

6. Ethnozentrische Motive wirken sich ideologiebildend auch bei der öffentlichen Meinungsbildung über die Berechtigung der Zuwanderung von Flüchtlingen aus kriegs- oder armutsbelasteten Weltregionen in den nicht- oder weniger belasteten aus.

C. Wirtschafts-Ideologien.

1. 'Freier', bürgerlicher Marktwirtschafts-Kapitalismus ('Liberalismus').

2. Auf Ein-Parteien-Diktatur basierde nationale ode völkerüberhreifende Wirtschaftsfassung.

Demgegenüber rational begründbar ist eine demokratisch legitimierte ind mitbestimmte Planwirtschafts-Verfassung für Staaten und Staaten-Verbindungen.

3. Nachkommunistischer Treuhand-Kapitalismus'

Am Beisiel des Wirtschafts-Managers Detlev Rohwedder Er [Wikipedia-Zitat Beginn]:studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Mainz (Mitglied der Leipziger Universitäts-Sängerschaft zu St. Pauli in Mainz) und Hamburg, wurde 1961 zum Dr. jur. promoviert und absolvierte 1962 sein Assessorexamen. Anschließend wurde er Mitinhaber in einer Treuhand- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Düsseldorf. Von 1969 bis 1978 war Detlev Karsten Rohwedder Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium in Bonn. Im Jahr 1979 wurde er an die Spitze des Dortmunder Stahlkonzerns Hoesch berufen. Dort betrieb er erfolgreich die Sanierung und Neuausrichtung des Unternehmens. Zu der Sanierung gehörte eine Auflösung des Estel-Konzerns, eines seit 1973 bestehenden Zusammenschlusses des niederländischen Stahlproduzenten Hoogovens mit Hoesch. Er brachte ein zukunftsweisendes Konzept für den Fortbestand des Hoesch-Konzerns auf den Weg und wurde dafür 1983 zum Manager des Jahres gewählt. Im Jahr 1985 verlieh der Presseverein Ruhr Rohwedder die Auszeichnung „Eiserner Reinoldus“ (benannt nach dem Schutzpatron der Stadt Dortmund). 1991 erwarb der Krupp-Konzern die Anteilsmehrheit an Hoesch. Rohwedder wurde am 3. Juli 1990, vom Ministerrat der DDR zum Vorsitzenden der Treuhandanstalt bestimmt; zum 1. Januar 1991 übernahm er das Amt des Präsidenten der Treuhandanstalt, das er bereits seit August 1990 kommissarisch wahrgenommen hatte. Seine Aufgabe war die Sicherung, Neuordnung und Privatisierung des Vermögens der Volkseigenen Betriebe der DDR. Im November 1990 wurde er erneut als Manager des Jahres ausgezeichnet. Rohwedder war Träger des Bundesverdienstkreuzes und gehörte seit 1971 der SPD an. [Wikipedia-Zitat Ende]

Die von der Bundesregierung der alten Bundesrepublik nach der Wiedervereinigung betriebene gesamtdeutsche Politik verstand es nicht, die positiven Ansätze des Wirtschafts und Sozialsystems der DDR in einer neuen gesamtdeutschen Verfassung zu bewahren. Ihre Wirtschaftspolitik war insoweit phantasielos kapitalistisch und zerstörte dadurch prinzipiell leistungs- und entwicklungsfähige Strukturen des DDR-Systems mit entsprechenden sozialen Folgen für die Bevölkerung des neuen bundesöstlichen Deutschland.

4. Den volkswirtschaftlichen Rahmen überschreitender 'Unions-' oder 'Freihandels'-Kapitalismus.

5. Gegenwärtiger 'Arbeitsmarkt'-Kapitalismus in Deutschland.

6. Gegenwärtiger 'Mietenmarkt'-Kapitalismus in Deutschland.

D. Ideologische Glaubenskriege der Zeitgeschichte.

1. Katholischer Nationalismus in Nordirland (Ulster).

2. Maoistische Kulturrevolution(en) (1958 - 1976)

Mao-Worte aus der 'Roten Bibel'

"Alle Kriege, die dem Fortschritt dienen, sind gerecht, und alle Kriege, die den Fortschritt behindern, sind ungerecht. Wir Kommunisten sind gegen alle den Fortschritt behindernden, ungerechten Kriege, jedoch nicht gegen fortschrittliche, gerechte Kriege-".

"Politik ist unblutiger Krieg, und Krieg ist blutige Politik."

"Man kann den Krieg nur durch den Krieg abschaffen; wer das Gewehr nicht will, der muß zum Gewehr greifen."

3. 'Heiliger' islamischer Krieg

Sure 9, 5: "Sind aber die Schutzmonate abgelaufen, so erschlagt die Frevler, wo ihr sie findet, und packt sie und belagert sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf! Wenn sie jedoch bereuen und das Gebet verrichten und die Pflichtabgabe zahlen, so lasst sie ihres Weges ziehen! Siehe, Gott ist verzeihend und barmherzig."

Photo bewaffneter Dschihadisten aus Wikipedia- Quelle. Die Flaggen dürften auf díe Sure 9,5 Bezug nehmen.

III. 'Gerechtigkeit', 'Fortschritt', 'Utopie, 'Politisch-rationale Aufklärung' und der Widerstand gegen die ideologische Gewalt.

Die Frage, mit welchen ethischen Maßstäben sich der ideologische Charakter ideeller Zwangssysteme erweisen läßt, ist - mit einer gewissen Meinungsvielfalt - abzulesen an dem Maße der Abwehr

in menschlichem Bewußtsein.

Wo ideologische Systeme der Gegenwart in Menschen- und Grundrechte auf Informations- und Meinungsfreiheit eingreifen, ist der naturrechtliche Widerstand - etwa nach dem Muster des Art. 20. Abs. 4 GG - legitim.

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Bearbeitungsstand: 1. Juni 2016.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de