Transskription des Druckblatts zum Westfälischen Frieden 1648.

(IM AUFBAU)

Die Transskription gibt die im 17. Jahrhundert gewohnheitsmäßig und variabel verwendete Schreibung der Buchstabenfolge in Worten, Groß-, Kleinschreibung und Satzzeichen-Verwendung (Punkt, Doppelpunkt, Komma) in enzsprechenden heutigen Buchstaben und Satzzeichen, nicht aber in heutiger Orthographie wieder. Textstellen, die noch nicht gedeutet werden konnten, werden in eckoge Klammern gefaßt. Die vier Abschitte des Druckbildes sind mit Ziffern markiert und durch Querlinien voneinander abgesetzt. Vorläufige Unklarheiten in der Deutung werden durch eckige Klammern markiert. Einige Worte der Barockzeit sind heute nicht mehr üblich, haben aber zumeist Fortentwicklungen im Deutschen erfahren (z. B, 'Batz' zu 'Batzen').


1 Ich komm von Münster her gleich sporenstreich geritten
und habe nun das meist des Weges überschritten.
Ich bringe gute Post und neue Friedenszeit,
der Frieden ist gemacht, gewendet ist das Leid.
Man pläßt ihn aus mit hellen Festtrompeten,
mit Kesselpauken Hall, mit klaren Feld-Clareten.
Mercur hängt in der Lufft, und auch der Friede, Jo,
ganß Münster, Osnabrugg und alle Welt ist froh,
die Glocken thönen starck, die Orgeln lieblich klingen.
Herr Gott wir loben dich, die frohen Leute singen.
Die Schilde donneren und sausen in der Lufft,
die Fahnen fliegen schön, und alles jauchzend rufft:
der Höchste sey gelobt, der Friede ist getroffen,
fortan hat männigliglich ein besser Jahr zu hoffen,
der Priester und das Buch, der Ratsherr und das Schwerdt,
der Bauer und der Pflug, der Ochse und das Pferd.
Die Kirchen werden fort in voller Blüte stehen,
Man wird zum Haus des Herrn in vollen Sprügen gehen,
und hören Gottes Wort, Kunst wird seyn hochgeacht,
die Jugend wird studiern bey Tag und auch bey Nacht,
Man wird des Herren Ruhm auf Psalter und Seiten,
Im Osten und im Westen, in Süd und Nord ausbreiten:
die Seine und Paris, die Donau.und ihrWien,
der Balth und sein Stockhom sind friedlich, frisch und grün.
Der Friede kömmt Gottlob mit schnellem Flug geflogen,
mit ihm kommt alles Glück und Segen hergezogen,
Er brinet Friedenspost und güldene Friedenszeit,
der Krieg ist nun gestillt, geendet alles Leid.
Spieß, Bogen, Schild und Schwerdt, und Lantzen sind zersclissen,
Gerechtigkeit und Fried sich miteinander küssen,
Wo Mars der Landsknechts Gott, die Oberherrschaft hat
da herrschet Lasterschwarm, und Tugend hat nicht stadt.
Drum freuet, freuet Euch Ihr hohen Potentaten,
und alle, die Ihr müsst den grossen Städten raten,

2 Fortan wird Land und S(t)and und Dörfer nehmen zu,
und Herr und Knecht wird sein in angenehmer Ruh.
Es werden Fürsten nicht in Taxerheben schwitzen,
der Raht nicht in die Nacht mit schweren Sorgen sitzen,
und dencken, wo doch Raht wohl herzunehmen sey,
damit betrübet werd des Krieges Tyranney.
Man wird stets seyn bedacht, wie rechte Sach mög bleiben,
Wie man, was unrecht ist, recht möge hintertreiben,
Man wird nicht so versehn was böses wird bericht,
wie sonst zu Kriegeszeit doch ohne Last geschicht.
Es werden Obrigkeit und Unterschaften wohnen
in Einigkeit und Fried, das gute wird man lohnen,
das böse straffen ab, kurz, es wird friede seyn
im Ratshauß, in der Stadt, wo man geht aus und ein.
Ihr Obern dancket Gott, der Frieden isz gesichert,
Ihr Untern lobet Ihn, das widrig ist geschlichtet.
Es lebt in Fried und Freud der Ratsherr und die Stadt,
Biß das was in der Welt und Sie ein Ende hat.
Auch Ich der Kaufleut Gott Merkur kom hergedrungen
und hab mich mit dem Brieff durch Lufft und Tufft geschwungen,
Ihr Kaifleut seid wohlauf und habt ein guten Muth,
Ihr Handwercksleute auch, es wird alls werden gut.
Fort wird man sicherlich zu Wasser können handeln,
und ohne noht zu Land auf Messen ruhig wandeln,
die Wahren werden wol zu wissen abgehn,
die Läden und Gewölb voll lauter Fässer stehn,
Man wid ja Tag für Tag den Stundengang ausmessen,
und zu Mittag für Müh nicht einen Bissen essen,
Gewürz und Spezerey verkauffen wol mit Macht,
bei lauter Zentnern wegwägen Tag und Nacht.
Der Schuster wird sein Geld vor Schuh nicht können zehlen,
Der Schneider wird das Volk umb neue Kleider quelen,
Der Breuer stirbt nicht ab, der Bekker, der wird reich,
Der Kürschner füttert stäts imd setzet seinen Streich.
Es bleiben bei dem Feur der Schmid, die Amboßschläger,
Es tauren mich allein die armen Degenfeger,

3. Die haben nichts zu tun: Laßt Degen Degen seyn,
macht einen Pflug darfüt, und eine Pflugschar drein.
Iht Bauren spannet an die starcken AckerPferde
klatscht mut derPeitschen scharff, die Pfluschar in die Erde.
Säet Hirsche, Heidel, Korn, Hanf, Weitzen, Gersten ausz,
Kraut, Rüben, Zwiebeln, Kohl, füllt Keller, Boden, Hausz.
Ihr Gärtner werdet dann zu Marckte können fahren,
und lösen manchen Batz aus euren grünen Wahren,
dann kehret ihr mit Lust fein in ein Küchlein ein,
und esst ein stücklein Wurst und löscht den Durst mit Wein:
Juch Juch, Ihr seit befreit von tausen tausend Nöthen,
und schlafet bis es tagt mit eures Bauren Greten.
Ihr Wirte freut eusch auch, der Friede trägt euch ein,
Es wird die Stub und Stall voll Gäst und Pferde seyn,
Heraus die ihr wol legt beim weiß und roten Hauen,
Beim Baum, Bärn, Engel, [S.....], Wolf, [L....], Thürmen, Schauen,
Beim Bienerbold, beim Creutz, [G...sz]...ß, , [Rundfuß], Rädlein, Tisch,
.beim [müden] Mann,.Kron, Mond, beim güldnen Ochsen, Fisch
Beim Ochsenfelder auch: Ihr krieget gute sachen,
Ihr wollt denn selbsten nicht, die Zech Wirklich machen,
noch glaub ichs gänzlich nicht:: Doch es hat keine Noth.
Ein jeder gebe mir ein gutes Boterbrodt
Doch dieses alles recht mit beten und mit dancken,
daß keiner überschreitet der Ehrbarkeiten Schrancken,
4. Es dancke alles Gott, es danck ihm frü und spat,
was kreucht, fleugt, lebt ud schwebt, und was nur Odem hat.

Gedruckt im Jahr der Geburt unseres Herrn Jesu Christi 1648.

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Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de