Zu aktuellen Fragen einer Wissenschaftstheorie für historisches Arbeiten. Aus: Kurt Hübner, Grundlagen einer Theorie der Geschichtswissenschaften.

Entnommen aus: Kurt Hübner, Grundlagen einer Theorie der Geschichtswissenschaften, in: Roland Simon-Schaefer, Walter Ch. Zimmerli (Hg.), Wissenschaftstheorie der Geisteswissenschaften. Konzeptionen, Vorschläge, Entwürfe, Hamburg 1975, S. 101 - - 133; Textauszug S. 101 - 116.


Einleitung.

Noch heute ist die Meinung weit verbreitet, die Geschichtswissenschaften richteten sich auf das Besondere und Individuelle - z. B. auf eine bestimmte Persönlichkeit, einen bestimmten Staat, eine bestimmte Kunstepoche usf.; die Naturwissenschaften aber wendeten sich dem Allgemeinen zu - den überall geltenden Gesetzen und den immer gleichen Erscheinungen. Entsprechend seien die Methoden hier und die Methoden dort voneinander verschieden: Der Geschichtsschreiber »verstehe«, versetze sich nämlich einfühlend in die Einzelheiten ihm vertrauter menschlicher Zusammenhänge, während der Naturforscher »erkläre«, also Erscheinungen auf allgemeine Gesetze zurückführe. Diese oder eine ähnliche Meinung haben bekanntlich besonders deutsche Philosophen und Historiker vertreten, zu denen Herder, v. Humboldt, Dilthey, Ranke, Droysen, Windelband und viele andere gehören.

Ihnen wurde schon oft, gerade aber in jüngster Zeit wieder in den angelsächsischen Ländern widersprochen. Auch in den Geschichtswissenschaften, so behaupteten z. B. Hempel, Oppenheim, Gardiner, White und Danto,1 um nur einige zu nennen, wird erklärt und von allgemeinen Gesetzen Gebrauch gemacht. In dieser Hinsicht seien überhaupt alle Erfahrungswissenschaften gleich.

Auf der einen Seite stehen also die Philosophen des Verstehens, auf der anderen die Philosophen des Erklärens. Ich werde damit beginnen, ihren Standpunkt in Kürze zu diskutieren, und wende mich zuerst den Philosophen des Verstehens zu.

1. Die Philosophen des Verstehens.

Ihre einleitend skizzierte Meinung bedarf einer wichtigen Ergänzung. Sie behaupten nämlich keineswegs, wie ihnen oft oberflächlicherweise unterstellt wird, daß sich die Geschichtswissenschaften nur mit dem Besonderen und Individuellen beschäftigen. Denn das von ihnen so hervorgehobene Besondere ist selbst in gewisser Hinsicht ein Allgemeines. Es unterscheidet sich allerdings von demjenigen eines Naturgesetzes dadurch, daß seine Geltung von Menschen geändert werden kann und daß es daher historisch begrenzt ist. (Wenn die Geltung von Naturgesetzen auch so eingeschränkt sein sollte - und dies ist durchaus möglich -, so wird darüber jedenfalls nicht von Menschen entschieden werden.) So sind zwar in der Tat, wie die Philosophen des Verstehens hervorheben, ein bestimmter Staat, eine bestimmte Verfassung, ein Wirtschaftssystem, eine religiöse Lehre, ein Kunststil usf. etwas Individuelles und Geschichtliches; aber andererseits ist dies doch auch wieder etwas Allgemeines, nämlich deswegen, well darin mannigfache Erscheinungen des staatlichen, wirtschaftlichen, religiösen Lebens usf. in umfassendere Zusammenhänge eingeordnet werden können. Wenn ich nicht irre, gibt es unter den Philosophen des Verstehens kaum einen, der solche allgemeinen Ordnungsformen leugnet und sich damit einem radikalen Nominalismus verschrieben hätte. Wenn sie das Besondere in den Geschichtswissenschaften so stark betonen, wollen sie doch dadurch nur auf das geschichtlich Einmalige dieser Formen hinweisen und damit die Abgrenzung gegenüber den Naturwissenschaften hervorheben.

Indessen - und damit komme ich zur Kritik -, was hier näher unter dem Allgemeinen zu verstehen sei, darüber sind sich die Philosophen des Verstehens nicht nur nicht einig, sondern sie haben davon auch nur mehr oder weniger verschwommene, zumindest aber nicht genauer bestimmte Vorstellungen. Manche sprechen ein wenig unklar von vieles umfassenden »Ganzheiten« organischer, pflanzenhafter Art, andere sehen darin Bedeutungs- oder Wirkungszusammenhänge des Lebens usf. 2 Um solche Dunkelheiten beschreiben, umschreiben, durchdringen zu können, müssen dann auch besondere Fähigkeiten der Einfühlung, des Verstehens, des Ahnens, ja der Divination beschworen werden. 3

2. Die Philosophen des Erklärens.

Dagegen wenden sich die Philosophen des Erklärens. Man kann an einem sehr einfachen Musterbeispiel ihre Ansicht verdeutlichen. Angenommen, jemand hat einen Ofen angemacht. Dies könnte in einer Geschichte so erzählt werden: »Jemand fror, hatte aber einen Ofen. Und da nun Menschen, die frieren, sich Wärme zu verschaffen suchen, so zündete er folglich seinen Ofen an.« In dieser Geschichte wird offenbar ein Satz über ein einzelnes Ereignis, daß nämlich jemand den Ofen anmachte, aus Prämissen abgeleitet, die ein allgemeines Gesetz enthalten, demgemäß alle frierenden Menschen versuchen, sich Wärme zu verschaffen. In einer solchen Ableitung besteht nun aber nach Ansicht der Philosophen des Erklärens jede Erklärung. Immer handelt es sich dabei um eine Folgerung aus Prämissen, in denen, wie das Beispiel zeigt, allgemeine Gesetze vorkommen. Sie meinen also, daß es auf solches Erklären in den Geschichten der Historiker ankommt und daß dieses Erklären sich von demjenigen der Naturwissenschaftler grundsätzlich nicht unterscheidet. Ich stimme dem aus Gründen, die ich noch anführen werde, durchaus zu, glaube aber, daß die Philosophen des Erklärens über diese sie sehr beschäftigende Einsicht das den Historiker eigentlich interessierende und für ihn wesentliche Allgemeine beinahe übersehen haben. So kam es, daß sie sich fast nur mit den allgemeinen Gesetzen beschäftigten. Zweifellos kommen diese auch in den geschichtswissenschaftlichen Erklärungen vor, sind in Wahrheit aber eher Gesetze der Psychologie, der Biologie und anderer Wissenschaften. Im Gegensatz dazu haben meiner Meinung nach die Philosophen des Verstehens zwar richtig gesehen, daß es hier auf etwas anderes, nämlich auf etwas wirklich Geschichtliches ankommt, aber ihr Blick war wieder allzusehr durch Metaphysik getrübt.

3. Das für die Geschichtswissenschaften spezifische Allgemeine.

Es geht hier also zunächst um eine Klärung des für die Geschichtswissenschaften thematischen Allgemeinen. Beginnen wir mit einem Beispiel:

Angenommen, es habe sich ein Staatsmann geweigert, einen Gegner beseitigen zu lassen, obgleich dies politisch für ihn vorteilhaft gewesen wäre. Eine Erklärung hierfür könnte folgendermaßen lauten: Er war Anhänger bestimmter politischer Grundsätze. Aus ihnen glaubte er schließen zu müssen, daß er ein bestimmtes Ziel zu verfolgen habe. Dies zu erreichen, hielt er die Beseitigung seines Gegners in einem geeigneten Augenblick für das beste Mittel. Er war aber zugleich Anhänger moralischer Grundsätze, denen er sogar den Vorzug vor den politischen gab. Da er nun glaubte, daß die Beseitigung des Gegners seinen moralischen Grundsätzen widerspreche, so weigerte er sich folglich, diese Tat zu vollbringen.

Hier kommt scheinbar kein einziges Gesetz der Art vor: »Wenn Menschen frieren, suchen sie Wärme«, sondern jeder Satz der Prämissen bezieht sich auf ein singuläres Ereignis wie: »Er war Anhänger von«, »Er meinte, glaubte« usf. Freilich ist das ein Täuschung. Denn das Gesetz, durch welches der Schluß dieser Erklärung überhaupt erst logisch zustande kommt, ist hier nur ausgelassen worden. Es liegt nämlich in der Behauptung, daß Menschen, die in der beschriebenen Weise etwas glauben, meinen, wünschen und sich in einer bestimmten Situation befinden, wie dieser Staatsmann, auch so handeln wie er. Dennoch wird niemand, es sei denn ein strenger Logiker, die Auslassung des Gesetzes in der vorliegenden Erklärung vermißt haben. Sie ist in ihrer vorliegenden verkürzten Form vollkommen einleuchtend. Das liegt daran, daß dieses Gesetz hier gar nicht interessiert, daß es dem Historiker vollkommen gleichgültig ist, weil es ihm auf etwas ganz anderes ankommt, dem er seine ganze Aufmerksamkeit zuwendet.

Dies wird allerdings nicht immer so sein. Es mag wohl vorkommen, daß jemand, der an eine Regel glaubt (z. B. an Grundsätze wie der erwähnte Staatsmann), an die er sich in bestimmten Situationen halten soll, dennoch dieser entgegenhandelt, weil er aus psychologischen, biologischen, physiologischen und anderen Gründen ähnlicher Art daran gehindert wird. In solchen Fällen wird sich der Historiker ausdrücklich auf allgemeine Gesetze, wie sie die Philosophen des Erklärens im Auge haben, beziehen. Meistens allerdings wird er sich klar vom Naturwissenschaftler in seiner Art, Dinge zu erklären, unterscheiden, wie der folgende Vergleich zeigen mag:

Mögliche Formen der Erklärung.

Geschichtswissenschaften.

1. Jemand war in einer bestimmten Lage.

2. Zu diesem Zeitpunkt glaubte er an die Geltung einer bestimmten Regel, nach der man immer in solchen Lagen handeln müsse.

3. Jemand, der die Prämissen 1 und 2 erfüllt, wird/wird nicht nach der genannten Regel auf Grund von psychologischen, biologischen, physikalischen Gesetzen usf. handeln.

4. Folglich handelte er/handelte er nicht nach dieser Regel.

Naturwissenschaften.

1. Etwas war in einer bestimmten Lage.

2. Immer, wenn etwas in einer solchen Lage ist, verändert es sich nach bestimmten Gesetzen.

3. Folglich änderte es sich nach diesen Gesetzen.

Man sieht: Das eigentlich Wesentliche für die historische Erklärung liegt in der zweiten Prämisse auf der linken Seite. Die dritte, das Gesetz, wird meist ausgelassen, wenn dies auch logisch nicht korrekt ist. Im Gegensatz dazu kann der Naturwissenschaftler das Gesetz in der zweiten Prämisse auf der rechten Seite nicht übergehen, da ihn gerade dies interessiert.

Obgleich ich später bei der Erörterung geschichtswissenschaftlicher Axiome näher darauf eingehen werde, sei hier schon ein wenig mehr erläutert, was mit allgemeinen Regeln gemeint ist. Es war zunächst die Rede von sittlichen und politischen Grundsätzen. Dazu gehören z. B. die zehn Gebote der Bibel, der kategorische Imperativ sowie politische Leitlinien als allgemeine Bestimmungen des politischen Willens (die Charta der Vereinten Nationen, die Sozialisierung von Industrien usf.). Allgemeine Regeln liegen aber auch Wirtschafts- und Sozialordnungen zugrunde, selbst wenn diese Regeln nicht immer ausdrücklich schriftlich niedergelegt, kodifiziert sind. Dasselbe gilt für Rechtsgrundsätze und aus ihnen ableitbare Gesetze. Wir finden ferner in der Kunst und im religiösen Bereich allgemeine Regeln, z. B. als Gesetze der Harmonielehre, als Grundlagen von Tonsystemen, als Stilelemente, als Formen kultischer Handlungen usf. Die Fülle der möglichen Beispiele, die hier aufgeführt werden könnten, ist fast so groß wie die Fülle der verschiedenen Lebensbereiche. Allenthalben vollzieht sich unser Leben nach Regeln, die sehr oft, was ihre Strenge und Genauigkeit betrifft, den Naturgesetzen nicht nachstehen. Man denke an die Regeln des alltäglichen Umgangs unter Menschen, Regeln der Höflichkeit, der Gastlichkeit, des Benehmens, Regeln des Straßenverkehrs, des Geschäfts-, Geld- und Warenverkehrs, Regeln des Verhaltens in Beruf und Betrieb und vor allem an die Regeln der Sprache. Ja, selbst da, wo wir spielen, unterwerfen wir uns genauen Regeln, eben den Spiel-Regeln. Bisweilen wird der Historiker den idealen Fall antreffen, daß solche Regeln nicht nur kodifiziert, sondern sogar in eine streng logische und systenatische Ordnung gebracht worden sind. So könnte sein Gegenstand z. B. eine physikalische Theorie wie diejenige Newtons sein, wenn er ein Wissenschaftshistoriker wäre; oder ein Gesetzbuch, wenn er ein Rechtshistoriker wäre. Oft wird man aber auf Regeln stoßen, die nicht einmal kodifiziert sind. Dann wird der Historiker versuchen, sie überhaupt erst zu rekonstruieren. Beispiele sind die Regeln des Güteraustauschs in der Antike, die Grundsätze, auf denen das alte Sparta beruhte, oder der verlorengegangene Operationsplan für eine Schlacht, die offenbar nach einem solchen ablief. All dies mag selten genug einem formalen Exaktheitsideal genügen; aber meist wird hier so viel Exaktheit gefunden werden, als nötig ist, um die fraglichen Regeln in bestimmten Lagen praktisch anwenden zu können.

Ich komme also zu dem folgenden Ergebnis:

Erstens: Bei dem für die Geschichtswissenschaften im Vordergrund stehenden Allgemeinen handelt es sich um Regeln. Hier, wie die Philosophen des Verstehens, organische und unbestimmte Ganzheiten, Bedeutungszusammenhänge und ähnliches zu wittern, halte ich für eine Mystifikation.

Zweitens: Diese Regeln sind aber solche der Vergangenheit und mit historisch beschränkter Wirkung. In diesem Fall wende ich mich nun wieder gegen die Philosophen des Erklärens, die ihren Blick von Gesetzen mit geschichtlich unbegrenzter Wirkung nicht hinreichend lösen, wodurch sie meines Erachtens das eigentümlich Historische verfehlen. Freilich verwendet auch der Historiker allgemeine Gesetze, wie ich schon bemerkte; aber in dem Ausmaß, als er dies tut, ist er eben Psychologe, Biologe, Physiker usf., wohingegen er Historiker nur insoweit ist, als er sich auf jenes Allgemeine bezieht, wovon ich soeben gesprochen habe.

Wie weit die Philosophen des Erklärens in die Irre gegangen sind, sei noch an zwei Punkten hervorgehoben, welche die hier vorgetragene Kritik an ihnen vervollständigen soll.

Soweit ich sehe, sind für sie Erklärungen, die in der beschriebenen Art der Angabe von Gesetzen ermangeln, nur »Erklärungsskizzen« oder »QuasiErklärungen«. Aber Ausdrücke solcher Art sind, wie mir scheint, irreführend, da sie den Eindruck erwecken, als hätten die Geschichtswissenschaften eine Art Makel, als wären sie insbesondere vage und unterschieden sich hauptsächlich dadurch von den Naturwissenschaften. Wenn z. B. jemand Sagt, er habe eine Pille genommen, weil er von Kopfschmerzen geplagt sei, SOrneifle ich, daß dies normalerweise niemand ernstlich eine »Erklärungsskizze« nennen wird. Ob ein solcher Ausdruck angebracht ist, hängt von bestimmten Umständen ab. Und wie Erklärungen des Alltags von solcher Art, so sind auch die meisten historischen Erklärungen restlos klar und O hu Zweideutigkeit verstehbar. Zu viel Vollkommenheit könnte hier eher schaden, die Dinge unnötig kompiizieren und schließlich erst recht Unklarheiten hervorrufen. Und dies gilt übrigens auch in den Naturwissenschaften.

Aber diejenigen Philosophen, die nur auf die in historischen Erklärungen vorkommenden Gesetze gestarrt haben, wurden auch dadurch irregeleitet, daß sie diese Gesetze mit Regeln verwechselten, für die sie, ihrer Zielrichtung entsprechend, geradezu blind sind. So sprechen sie beispielsweise von ökonomischen Gesetzen, obgleich diese sich, wie die Regeln der Freien Marktwirtschaft, des Goldwährungssystems usf., bei näherem Zusehen als institutionelle Normen erweisen. Oder nehmen wir W. L. Langers Versuch, gewisse mittelalterliche Ereignisse mit Hilfe psychoanalytischer Gesetze zu deuten; ein Versuch, der von einigen Philosophen des Erklärens aufgegriffen worden ist. Langer führt den Ursprung einiger Motive in der spätmittelalterlichen Kunst - den Totentanz, Höllendarstellungen, das Jüngste Gericht - psychoanalytisch auf ein allgemeines Trauma zurück, das durch die ganz Europa verheerende Pest hervorgerufen worden sei. 4 Indessen wird hier vollständig übersehen, daß dieses Ereignis die beobachtete Wirkung haben konnte, weil die Menschen damals in der geistigen Welt des spätmittelalterlichen Christentums und seiner Kunst lebten. Niemals hätten Höllendarstellungen und Bilder des Jüngsten Gerichts durch die Pest hervorgerufen werden können, die während des Peloponnesischen Krieges in Athen tobte. Grundsätze und Grundformen des spätmittelalterlichen Christentums und seiner Kunst sind aber keine psychoanalytischen Gesetze, ja sie sind überhaupt keine Gesetze, sondern Regeln eines historischen Zeitraums.

Die geistigen, politischen, sozialen, religiösen Verhältnisse usf., in denen historische Personen gelebt haben, sind also meistens viel wichtiger als psychologische Gesetze und sogenannte Dispositionseigenschaften, von denen heute in der Philosophie der Geschichtsschreibung so viel Aufhebens gemacht wird. Im Gegensatz dazu haben die Philosophen des Verstehens ganz richtig gesehen, wie ich glaube, daß eine andere Art des Allgemeinen als in den Naturwissenschaften der springende Punkt ist; nur haben sie nicht erkannt, daß dieses Allgemeine, was allein seine logische Form anbelangt, von Naturgesetzen nicht verschieden ist; denn wie diese besteht es aus Regeln.

4. Der innere Zusammenhang von Erklären, Verstehen und Erzählen.

Mit diesen Regeln wird erklärt. Es handelt sich hierbei, wie die Philosophen des Erklärens gesagt haben, um eine Weise des Schließens. Das Verstehen, was auch immer man damit meint, mag das Erklären begleiten und erleichtern, es ist hierfür aber nicht notwendig. Der Historiker erklärt jedenfalls; ob er dabei auch versteht, ist eine zweite Frage. So wird oft etwas aus den Verhaltensweisen vergangener Kulturen erklärt, zu denen uns der innere Zugang verschlossen ist. Es ist aber hier auch zu fragen, ob Verstehen überhaupt etwas anderes sein kann als Erklären mit Hilfe eines Regel- oder Gesetzeszusammenhanges, der einfach besonders vertraut ist, der entweder ein Stück eigener Wirklichkeit enthält oder einer solchen, in die man sich durch steten Umgang, Übung usw. »hineingelebt« hat (wie es ja der Historiker tut, der sich in vergangene Zeiten so sehr versenkt, daß er wie ein antiker, ein mittelalterlicher Mensch usf. zu fühlen und zu denken vermag). Das Fremde, ja Unverständliche ferner Kulturen und Rassen liegt wohl darin begründet, daß wir ihr Verhalten nur teilweise kennen oder daß es in den uns vertrauten Regelhorizont nicht ohne Schwierigkeiten einzuordnen ist. Wobei auch noch zu bemerken wäre, daß Verstehen nicht mit Zustimmen oder Sympathisieren gleichgesetzt werden darf. Kennt man die Zusammenhänge genügend, so kann einem auch ein Verbrechen verstehbar werden; billigen muß man es deswegen noch lange nicht.

Betrachtet man die Dinge so, dann wird die Behauptung, die Natur - als das Fremde - könne man nur erklären, aber nicht verstehen, sinnlos. In Wahrheit ist uns ein Großteil des natürlichen Geschehens so vertraut wie das Menschenleben, und wir kennen die Natur, in deren Zusammenhang wir uns ganz mühelos und selbstverständlich bewegen, nicht schlechter als jenes. Menschen und Kulturen, die sich den Blick fürs nächste noch nicht so verstellt haben wie wir, geben dies hinreichend in Kultus, Mythos, Kunst und Dichtung zu erkennen. Das Fremde der Natur tritt uns erst dort entgegen, wo sich ihre Gleichgültigkeit gegenüber menschlichen Zwekken erweist; insbesondere aber dort, wo sie, wie in den Naturwissenschaften, zum Gegenstand einer Betrachtung wird, die bewußt unseren alltäglichen Umgang mit ihr ausklammert. Die Unmöglichkeit, in gewissen Verhältnissen Natur- und Menschenwelt zu trennen, zeigt aber aufs deutlichste, meine ich, daß Verstehen nicht nur auf Menschen bezogen werden kann und daß es im Grunde auf nichts anderem beruht als auf einem völligen Vertrautsein mit einem umfassenden Zusammenhang von Regeln.

Manche meinen nun, das Eigentümliche der Geschichtswissenschaften werde schon dann verfehlt, wenn man überhaupt den Begriff des Erklärens so sehr in den Mittelpunkt stelle. Denn der Historiker, sagen sie, erkläre weniger, sondern er erzähle vor allem. Ich meine aber, daß in den Geschichtswissenschaften jede Erklärung auch eine Erzählung ist und dort kaum eine Trennung zwischen Erzählung und Erklärung möglich ist. Die Erklärung der Handlungen des Staatsmannes im vorigen Beispiel mag als Hinweis hierfür dienen; denn ganz offenbar ist sie zugleich eine Erzählung. Auf die enge Verflechtung von Erklärung und Erzählung hat besonders Danto in seinem schon zitierten Buch hingewiesen (Kapitel XI, Historical Explanation: The R6le of Narratives). Jede Erzählung, bemerkt er dort, schildert einen Wandel, einen Wandel von den an ihrem Anfang zu den an ihrem Ende liegenden Ereignissen. Sie kann daher nach Danto folgende Grundform besitzen:

i. x ist F zur Zeit t1,

2. x widerfährt H zur Zeit t2,

3. x ist G zur Zeit t3.

Der Mittelteil der Erzählung (2.) also, erklärt, wie es zu dem Wandel von 1. zu 3. kam. In dieser Erklärung fehlt zwar das allgemeine Gesetz, aber sie zeigt es an; man könnte es von ihr sozusagen abheben. Ein F, dem H widerfährt, wandelt sich zu G: Daß dies nicht, mit Hegel zu reden, auf eine »elende Tautologie« hinausläuft, zeigt das vorhin aufgeführte Schema möglicher Formen der Erklärung. Denn erstens ist das dort in der dritten Prämisse aufgeführte Gesetz keineswegs immer trivial, wie ich schon erwähnte (nämlich besonders nicht in verwickelten psychologischen oder biologischen Lagen), und zweitens ist es auch dann nicht leer an Inhalt, wenn es für den Historiker trivial ist; denn psychologisch betrachtet besteht ein ziemlich verwickelter Zusammenhang zwischen Wollen, Glauben und Handeln, auf den hier aber nicht näher einzugehen ist. 5 Nach Danto sind also eine streng deduktive Erklärung und eine Erzählung nur zwei verschiedene Formen der Erklärung, und die eine kann in die andere überführt werden. Hierbei ist allerdings zu beachten, daß Erzählungen oft den Wandel über sehr große Zeiträume hinweg schildern, so daß der Mittelteil meist aus lauter einzelnen Schritten der soeben angeführten Form besteht (die Danto deswegen diejenige einer Atom-Erzählung nennt). Zusammenfassend stellt Danto folgende Wesensmerkmale für eine zusammenhängende Erzählung auf (und eine solche kann ja vom Historiker erwartet werden): i. Sie handelt von einem Wandel, in dem etwas das kontinuierliche Subjekt dieses Wandels ist. 2. Sie erklärt den Wandel dieses Subjekts. Und 3. sie enthält nur so viel an Information, als für 2. benötigt wird. Auch hierin tritt die Analogie zur deduktiven Erklärung deutlich hervor.

5. Der Begriff »Theorie« in den Geschichtswissenschaften.

Nach diesem Versuch einer Klärung des den Geschichtswissenschaften eigentümlichen Allgemeinen versuche ich nun einen zweiten Schritt, der zum Begriff der geschichtswissenschaftlichen Theorie führt. Daß es in den Naturwissenschaften Theorien gibt, weiß jeder. Man spricht von den Theorien des Lichtes, der Gravitation, der Elementarteilchen usf. Merkwürdigerweise benützt man diesen Begriff dagegen in den Geschichtswissenschaften kaum oder nur gelegentlich, auf keinen Fall aber, soweit ich sehe, systematisch und in vollem Bewußtsein dessen, was damit gemeint sein soll. Ich möchte nun zeigen, daß es tatsächlich in ihnen ebenfalls Theorien gibt und worin sie bestehen, auch wenn man sich dessen weithin nicht ausdrücklich bewußt ist.

Theorien in den Naturwissenschaften haben unter anderem bekanntlich den Zweck, eine bestimmte Klasse von Naturereignissen zu erklären, sie in einen möglichst umfassenden Zusammenhang von Naturgesetzen einzuordnen und darauf zurückzuführen. Nichts steht nach den vorangegangenen Betrachtungen jetzt mehr im Wege, in ganz analogem Sinne in den Geschichtswissenschaften von Theorien zu sprechen. An die Stelle der Naturgesetze treten Regeln für einen bestimmten Bereich (z. B. des römischen Rechtswesens), die so gewählt sind, daß möglichst alle für diesen Bereich zutreffenden Regeln aus ihnen ableitbar sind; auch diese Theorien dienen dazu, eine bestimmte Klasse von Ereignissen, wenn auch historische, zu erklären, sie in einen möglichst umfassenden Zusammenhang von Regeln einzuordnen und darauf zurückzuführen.

Ich sehe hier eine enge Beziehung zu Max Webers »Idealtypus«, auch wenn Weber offenbar nicht bewußt wurde, daß dieser die Form einer Theorie haben muß. Ein etwas ausführlicheres Zitat aus seinem Essay über Die »Objektivität« sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis zeigt dies, glaube ich, recht klar und kann zugleich auch als Beispiel für eine geschichtswissenschaftliche Theorie dienen. Weber spricht zunächst davon, daß man sich von den Vorgängen auf dem Gütermarkt, bei tauschwirtschaftlichen Gesellschaftsorganisationen, freier Konkurrenz usf. ein Bild macht, und fährt dann fort: »Dieses Gedankenbild vereinigt bestimmte Beziehungen und Vorgänge des historischen Lebens zu einem ... Kosmos gedachter Zusammenhänge ... Ihr Verhältnis zu den empirisch gegebenen Tatsachen des Lebens besteht lediglich darin, daß da, wo ... vom >Markt< abhängige Vorgänge, in der Wirklichkeit ... festgestellt und vermutet werden, wir uns die Eigenart dieses Zusammenhanges an einem Idealtypus. .. verständlich machen können. « 6

Auf diese Weise, meint Weber, konstruiere man z. B. so etwas wie die Idee der Stadtwirtschaft des Mittelalters und damit einen »Idealtypus«, durch den Einzelerscheinungen zu einem einheitlichen Gedankengebilde zusammengeschlossen werden können. - Dies ist, wie ich meine, treffend von ihm gesehen, auch wenn die Pointe fehlt, daß nämlich dieser Zusammenschluß nichts anderes ist als eine Theorie von Regeln. Denn nur darin kann die Idee der Stadtwirtschaft des Mittelalters bestehen. 7

Dieses Beispiel macht auch deutlich, was eine geschichtswissenschaftliche Theorie beschreibt. Sie beschreibt ein System in der Geschichte, so wie eine naturwissenschaftliche ein System in der Natur. Das bedeutet, sie unterstellt die vergangene Wirksamkeit eines Systems von Regeln in einer Gruppe von geschichtlichen Erscheinungen, während eine naturwissenschaftliche Theorie die Wirksamkeit eines Systems von Gesetzen in einer Gruppe von natürlichen Erscheinungen voraussetzt. So betrachtet z. B. eine Theorie der mittelalterlichen Marktwirtschaft die Marktvorgänge dieser Zeit als bestimmt durch ein von ihr beschriebenes System von Regeln, eine Theorie der Optik aber die Lichterscheinungen als bestimmt durch ein von ihr beschriebenes immerwährendes System von Naturgesetzen.

Gegen diese Verwendung der Begriffe »Theorie« und »System« in den Geschichtswissenschaften werden nun manche gewiß einwenden, daß mit ihnen der Geschichte eine Rationalität und Logik unterstellt wird, die sie nicht besitzt. Sie lasse sich nicht in Systeme pressen. Allzu unbestimmt sei, was in ihr geschieht, auch beherrschten weitgehend Leidenschaften, Irrtum, Wahn und Widersprüche das Geschehen. »Der Stoff der Geschichte«, schreibt Schopenhauer, »... sind die vorübergehenden Verflechtungen einer wie Wolken im Winde beweglichen Menschenwelt, welche oft durch den geringfügigsten Zufall ganz umgestaltet werden.« 8 »Was die Geschichte erzählt, ist in der Tat nur der lange, schwere und verworrene Traum der -----Menschheit.« 9 Wäre das wahr, und zwar in diesem Ausmaß, so wäre Geschichtsschreibung nicht möglich, ja, es gäbe nicht einmal eine Geschichte. Dennoch will ich nicht bestreiten, daß nicht nur geschichtliche Systeme oft logisch mangelhaft oder nicht hinreichend klar sind, sondern daß dies auch für die Auslegung und Folgerungen aus ihnen durch die geschichtlich handelnden Personen gilt. Sind aber die Systeme mangelhaft, so wird es die Theorie von ihnen widerspiegeln müssen; und sind es ihre Auslegungen, so wird dies unter Umständen mit Mitteln erklärt werden müssen, die nicht eigentümlich geschichtswissenschaftlich sind, sondern z. B. psychologischer Art. Denn, wie ich schon sagte, es wirken ja in der Geschichte nicht nur geschichtliche Systeme, sondern auch solche der Natur. Oft wird man daher zur Idealisierung greifen, wie es Max Weber mit seiner Bezeichnung »Idealtypus« zum Ausdruck bringen wollte, oft wird man mit dem Versuch, irgendeine Ordnung in die Dinge zu bringen, scheitern. Aber dies alles setzt doch schon voraus, daß solche Versuche von Historikern nicht nur nicht unterlassen werden können, sondern daß sie für ihn ein unverzichtbares heuristisches Mittel seiner Wissenschaft sind, gleichsam der Ausdruck einer regulativen Idee, wie man mit Kant sagen könnte. Wer darauf von vornherein verzichtet, verzichtet darauf, Geschichte Zu schreiben. Es wäre, um noch einmal Kant zu zitieren, faule Vernunft.

Im übrigen möchte ich aber noch einmal davor warnen, die Logik geschichtlicher Prozesse zu unterschätzen. Ich wies schon darauf hin, daß unser ganzes Leben bis in die Einzelheiten des Alltags hinein durch eine Fülle verschiedenartiger Regeln bestimmt ist. Wo diese unterbrochen werden, setzen sich meist nur andere an ihre Stelle; und selbst noch der Wahnsinn hat bekanntlich seine Methode.

6. Zur Frage der Rechtfertigung theoretischer Grundsätze in geschichtswissenschaftlichen Theorien.

Ich halte also daran fest und sage: Es gibt nicht nur naturwissenschaftliche, sondern auch geschichtswissenschaftliche Theorien, und beide haben die gleiche logische Form. Dann aber werden wir im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Meinung in beiden Arten von Theorien insofern auch dieselben erkenntnistheoretischen Probleme antreffen, als diese sich genau aus jener Form ergeben.

Jede solche Theorie geht nämlich notwendig von bestimmten Grundsätzen aus, und daher ist die Frage ihrer Rechtfertigung zu beantworten. Zu ihnen gehören zunächst solche der Erkenntnis überhaupt, wie etwa das Prinzip der Retrodiktion, das wir in allen empirischen Wissenschaften wie im täglichen Leben immer dann anwenden, wenn wir aus gegenwärtigen Ereignissen auf vergangene zurück-schließen. Aber auch spezifisch naturwissenschaftliche Grundsätze sind für die Geschichtswissenschaften von Bedeutung, da sie sich auf Physik, Astronomie, Biologie usf. als Hilfswissenschaften stützen müssen. Dies geschieht bei der Altersbestimmung von Funden, der Erforschung der Echtheit von Urkunden, der Anwendung von Genealogien und ähnlichem. Schließlich gibt es zwar spezinsui geschichtswissenschaftliche Grundsätze, aber sie lassen sich denselben allgemeinen Kategorien unterordnen wie diejenigen der Naturwissenschaften. Es gibt nämlich hier wie dort solche, die man axiomatisch, judical und normativ nennen könnte.10 Diese will ich nun näher erläutern und dabei zugleich auf ihre erkenntnistheoretische Problematik hinweisen. Sie ist von ihrem jeweiligen Inhalt - sei er naturwissenschaftlich oder geschichtswissenschaftlich - nicht abhängig.

7. Axiomatische Grundsätze a priori in geschichtswissenschaftlichen Theorien.

Unter axiomatischen Grundsätzen sind solche zu verstehen, welche den Kern einer Theorie ausmachen. In den Naturwissenschaften handelt es sich dabei um Annahmen über die fundamentalen Gesetze eines Natursystems (z. B. die Schrödinger-Gleichungen), in den Geschichtswissenschaften aber um Annahmen über fundamentale Grundregeln eines geschichtlichen Systems. Worin die letzteren bestehen, die hier allein interessieren, war schon vorhin im Zusammenhang einer eher allgemeinen Erläuterung, was Regeln für den erklärenden Historiker sind, angedeutet worden. Es sei nun genauer darauf eingegangen, und zwar unter Anführung von einigen, der Geschichte der Geschichtsschreibung über das alte Rom entnommenen Beispielen.

Diese Geschichtsschreibung läßt sich als Geschichte von Theorien über den römischen Staat und seine Kultur auffassen. Das bedeutet, daß Fundamentalstrukturen erarbeitet werden, mit deren Hilfe man versucht, die einzelnen Ereignisse zu erklären und die mannigfaltigsten Phänomene unter einheitlichen Gesichtspunkten - Regeln und Begriffen als Regeln zusammenzufassen. Schon Gibbon deutet in seiner History of the Decline and Fall of the Roman Empire 11 das historische Drama aus allgemein geistigen Strukturen der Spätzeit und des Christentums. Noch besser läßt sich dies bei Niebuhr beobachten, dessen Ausgangspunkt für seine Römische Geschichte 12 die sozialen Grundlagen Roms und die Verfassung seines Agrarwesens waren. Auch hier wird eine ungeheure Fülle historischen Einzelmaterials der Ordnung einer allgemeinen Systematik unterworfen und mit Hilfe ihrer Prinzipien verarbeitet. Nicht anders sehen wir Mommsen vorgehen, wenn er auch Niebuhr durch seine Vertrautheit mit juristischen Fragen weit übertrifft und daher seine Darstellung vertiefter, verbesserter auf systematische Grundsätze zurückzuführen vermag. 13 Neue Aspekte finden sich ferner bei Rostovtzeff, 14 der die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Römischen Reiches unter Verwendung einiger weniger Grundbegriffe entwickelt. In jüngster Zeit hat Heuss den Versuch gemacht, die römische Innenpolitik teilweise mit der Verfassungsgeschichte geradezu zu identifizieren und als aus ihr ablesbar darzustellen.

»Anstatt der Veranschaulichung vieler Ereignisse«, schreibt er, »sollte eine durchsichtige, die Erkenntnis fördernde Gliederung der Tatsachenmasse vermittelt und damit ein orientierender Leitfaden gegeben werden ... Das sachliche Prinzip hierfür war der Begriff der Revolution, woraus sich die Aufgabe ergab, den Stoff nach den Phasen des revolutionären Prozesses zu gliedern und diesen in seiner jeweiligen Struktur möglichst klar herauszutreten zu lassen.«15

Theorien finden sich aber auch in allen Einzelfragen der römischen Geschichte. So wird z. B. die römische Expansion von den einen mit einem ihr zugrundeliegenden machiavellistischen Prinzip des bloßen Willens zur Macht erklärt, von den anderen aber, insbesondere von Mommsen, mit dem Prinzip der immer weiter vordringenden Bestandssicherung. Auch die Gewohnheit der römischen Außenpolitik, Kriegserklärungen juristisch zu verteidigen und dies in einem festen Ritual geschehen zu lassen, wird aus der konservativen Verfassung Roms abgeleitet; denn immer handle es sich dabei darum, den Gegner als Verletzer bestehenden und althergebrachten Rechtes hinzustellen. Von grundlegender Bedeutung sind ferner die verschiedenen Theorien zu den Grundsätzen der Optimaten einerseits und der Popularen andererseits. So sehen die einen darin einen Klassengegensatz, die anderen aber nur einen Verfassungsgegensatz (Regierung durch den Senat allein oder unter Beifügung eines Initiativrechts durch die Comitien). Schließlich sei noch Meyers Versuch erwähnt, die Bürger-, Reichs- und Außenpolitik, überhaupt den ganzen Umkreis der Wirksamkeit des Augustus aus einem konstitutionellen Prinzip abzuleiten. 16

Solche axiomatischen Grundsätze geschichtswissenschaftlicher Theorien sind nun, wie befremdlich dies auch auf den ersten Blick scheinen mag, genauso wie diejenigen naturwissenschaftlicher Theorien, Grundsätze a priori. Das liegt daran, daß sie auf der einen Seite die Erkenntnis von Tatsachen überhaupt erst ermöglichen, auf der anderen Seite aber niemals unmittelbar durch Tatsachen verifiziert oder falsifiziert werden können.17

Um dies zu zeigen, gehe ich von dem Fall aus, daß ein Historiker eine Urkunde nur mit Kenntnis der juristischen, ökonomischen oder sozialen Verhältnisse zu verstehen vermag, die damals geherrscht haben. Woher aber kann er von ihnen wissen? Die Antwort lautet: Wieder aus Quellen, also zum Beispiel aus anderen Urkunden. Mit ihnen wird er versuchen, das Mannigfaltige in Zusammenhänge einzuordnen und aus Grundsätzen herzuleiten. Er wird also mit anderen Worten zu den Quellen eine geschichtswissenschaftliche Theorie konstruieren derart, daß diese ihn in die Lage versetzt, die fragliche Urkunde zu deuten und mit Hilfe der so gedeuteten Urkunde Tatsachen überhaupt erst zu ermitteln und zu erklären. Der Historiker geht in der Tat nicht anders vor als der Naturwissenschaftler. Hier wie dort handelt es sich darum, daß die einzelne Tatsache nur im Lichte einer Theorie gesehen wird. Sie ist, wie man sagt, »theorienabhängig«. Und insofern ist also eine Theorie in der Tat »Bedingung der Möglichkeit der Erfahrung«.

Auf der anderen Seite wird sie nun allerdings wieder der Prüfung durch die Erfahrung unterworfen. Die Auffassung, die man sich von den Grundsätzen des römischen Rechtes für die Erklärung eines historischen Ereignisses oder die Deutung einer Urkunde gemacht hat, findet man u. a. in Urkunden bestätigt oder widerlegt; die Konstruktionsbeziehungen, die man für den geometrischen Stil der griechischen Antike entworfen hat,, kann man anhand von Tonkrügen dieser Zeit korrigieren; man kann prüfen, ob die einzelnen Handlungen Napoleons mit den ihm unterstellten Zielen übereinstimmen usf. Es heißt, daß man mit einer Interpretation »durchkommt« oder »nicht durchkommt«. Diese Ausdrucksweise habe ich nur in die hier eingeführten Begriffe übertragen. Und doch läßt sich so niemals eine Theorie auf eindeutige und absolute Weise empirisch verifizieren oder falsifizieren. Denn die Quellen und Tatsachen, deren man sich dabei als Prüfsteine bedient, setzen ja, wie sich vorhin gezeigt hat, ihrerseits bereits geschichtswissenschaftliche Theorien voraus und sind von ihnen abhängig. Jede Verifikation, jede Falsifikation ist daher immer etwas Hypothetisches. Auch besteht das logische Schema einer Bestätigung darin, daß die aus angenommenen Theorien unter gewissen Bedingungen abgeleiteten Sätze mit den interpretierten Tatsachen übereinstimmen; aber die Bestätigung des Abgeleiteten besagt logisch nichts über die Bestätigung von dessen Prämissen - in unserem Fall der axiomatischen Grundsätze. Sie sind also keiner unmittelbaren empirischen Begründung fähig, sondern müssen a priori konstruiert werden.

8. Judicale Grundsätze.

Betrachten wir als nächstes die judicalen Grundsätze. Darunter sind vor allem solche zu verstehen, nach denen wir Theorien auf der Grundlage von interpretierten Tatsachen verwerfen oder annehmen. Gerade weil dies ja nicht auf empirisch zwingende Weise geschehen kann, wie soeben gezeigt wurde, müssen bestimmte Regeln dafür vorliegen, wie dies zu erfolgen hat. So wird man z. B. entscheiden müssen, ob der Theorie widersprechende Tatsachenaussagen oder genauer, ob die theoretischen Voraussetzungen dieser Aussagen selbst anzuerkennen sind. Ist dies der Fall, so wird weiter zu entscheiden sein, ob damit die Theorie als falsifiziert betrachtet werden soll oder ob alles nur irgendwelchen besonderen atypischen Umständen zuzuschreiben ist; man könnte ferner der Meinung sein, daß eine Theorie abgelehnt werden muß, wenn sie nur mit Hilfe von adhoc-Hypothesen zu verteidigen ist, oder man könnte umgekehrt solche Hypothesen unter bestimmten Umständen zulassen; man könnte - aus welchen Gründen auch immer - entschlossen sein, an gewissen Axiomen in jedem Fall festzuhalten oder eine Theorie nur dann anzuerkennen, wenn sie gegenüber anderen einen größeren und umfassenderen Gehalt hat, noch Unerklärtes erklärt, noch Unbekanntes entdecken hilft usf. usf. Man braucht sich nur die wissenschaftstheoretische Diskussion der letzten Jahrzehnte anzusehen, um zu erkennen, welche Möglichkeiten es da gibt und daß sie alle in jeder empirischen Wissenschaft zu finden sind. Es ist aber ebenso deutlich, daß keine dieser Falsifikations- und Verifikationsregeln, wie immer man zu jeder einzelnen stehen mag, auf Erfahrung zu gründen ist, da die Erfahrung sie voraussetzt. Entscheiden doch z. B. sie erst, ob eine Tatsache als Prüfstein für eine Theorie anzuerkennen ist und im Falle der Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung als Bestätigung oder Widerlegung angesehen werden kann. Hat man sich für irgendwelche Regeln dieser Art a priori entschieden, so zeigt in der Tat die geschichtliche (oder natürliche) Wirklichkeit, ob sie unter diesen Bedingungen ZU unseren Konstruktionen Ja oder Nein sagt. (Ich komme darauf noch einmal etwas ausführlicher zurück.)

9. Normative Grundsätze.

Was schließlich die normativen Grundsätze betrifft, so drückt schon der Name ihre Apriorität aus. Sie sagen uns, was überhaupt zu einer wissenschaftlichen Theorie gehört. Ist sie geschichtlich - und nur hiervon soll ja die Rede sein -, so wird man erwarten, daß sie z. B. die historische Geographie, Chronologie und Genealogie, daß sie die Paläographie, Heraldik, Sphragistik und Numismatik verwendet, sich also auf eine Reihe von Hilfsmitteln stützt, die ihrerseits wieder gewissen normativen Ansprüchen genügen und deswegen auch Hilfswissenschaften für die Geschichtsschreibung genannt werden. In sie sind auch Naturwissenschaften wie die Geographie, die Astronomie und die Biologie verwoben. Von besonderer Bedeutung ist natürlich die Verwendung von Quellen, für die eigens als wissenschaftlich angesehene Methoden der kritischen Auswahl und Beurteilung entwickelt werden. Auch wird z. B. die Berufung auf übersinnliche Gewalten, das Eingreifen etwa der göttlichen Vorsehung usf., nicht Zugelassen werden.

10. Die Beziehung zwischen Apriorischem und Aposteriorischem.

Ein einfaches Modell möge nun dazu dienen, die Beziehung zwischen dem Apriorischen und dem Aposteriorischen besonders durchsichtig zu machen.

1. a ist F (Fa) --------------------------- (T1
S1
2. Immer wenn F, dann G -------------(T) T3, T4

––––––––––––––––––––

a ist G (Ga) (T 2)

Dieses Schema drückt einen Schluß aus, in dem Fa und Ga singuläre Sätze sind und die zweite Prämisse Axiom einer Theorie ist. T1 und T7 bezeichnen Theorien, mit deren Hilfe Fa und Ga gegeben sind. Mit T3 sind normative Theorien gemeint, denen zufolge T, T1 und T2 hinsichtlich ihrer Form zulässig sind, mit T4 dagegen judicale Theorien, die dazu dienen, Ga als Bestätigung von T anzusehen oder nicht. Schließlich sei S1 die Menge aller soeben angeführten Theorien T bis T4. Was ist nun empirisch in diesem Modell? Empirisch ist, daß wir ein Resultat R1, nämlich Fa, Ga und damit etwa die Bestätigung von T erhalten, wenn wir Si voraussetzen; denn niemand könnte das a priori wissen. Ersetzen wir andererseits Si durch S2, so werden wir möglicherweise ein anderes Resultat R2 C1 halten. Und auch dies wäre eine empirische Tatsache, denn es könnte sich ja das Umgekehrte ergeben: S könnte zu R2 und S2 zu R1 führen. Es ist also kein einziger Teil dieses Modells für sich etwas Empirisches; weder die verschiedenen S-Mengen, noch die singulären Sätze; empirisch sind allein die hypothetischen Metasätze: Wenn wir S voraussetzen, dann ist das Resultat R1, und wenn wir S2 voraussetzen, dann erhalten wir R 2.

Wenn man also sagt, Theorien können empirisch bestätigt oder widerlegt werden, so ist dies nur eine elliptische Redeweise. Sie sind vielmehr mit ihren Grundsätzen insofern etwas Konstruiertes und Apriorisches, als sie einerseits Erfahrungen erst ermöglichen und andererseits durch Erfahrung nicht unmittelbar prüfbar sind. Eine solche Prüfung ist daher nur unter Bedingungen möglich, wie sie eine S-Menge bereitstellt, und von dieser hängt somit auch das unvorhersehbare Ergebnis der Prüfung ab.

Nun sind zwar, wie soeben bemerkt, auch die singulären Sätze des Modells für sich nichts Empirisches, well sie so wenig unmittelbar durch die Erfahrung gegeben werden wie die Grundsätze. Aber das gilt doch nur insofern, als sie, als Aussagen über interpretierte Erfahrungsgegenstände, einen über den Erfahrungsgehalt hinausgehenden theoretischen Gehalt haben. Dieser ist indessen selbst Teil der S-Menge. Ein singulärer Satz des Modells drückt also Erfahrungen unter Bedingungen aus; die S-Menge aber nur die Bedingungen - und ausschließlich diese nenne ich a priori.

Das Apriorische läßt sich demnach nicht eliminieren. Als solches aber bedarf es stets einer besonderen Rechtfertigung. Die Frage nach ihr, die berühmte quaestio iuris, wie sie Kant nannte, stellt sich unvermeidlich, ja man kann sie die wissenschaftstheoretische Kernfrage nennen. Freilich bedeuten die Grundsätze hier etwas anderes als bei Kant - darauf werde ich später zurückkommen. Bevor ich mich nun der quaestio iuris zuwende, möchte ich meine Ausführungen aber noch in einigen wichtigen Punkten ergänzen.

11. Der sogenannte »hermeneutische Zirkel«.

Das verwendete Modell zeigt, daß der sogenannte »hermeneutische Zirkel«, von dem heute so viel Aufhebens gemacht wird, nicht existiert. Zunächst ist festzustellen, daß, was fälschlicherweise so genannt wird, nicht nur in den Geschichts- und Geisteswissenschaften, sondern in jeder empirischen Wissenschaft vorkommt, da die Beziehung zwischen apriorischen Annahmen und mit ihrer Hilfe gedeuteten Tatsachen grundsätzlich immer die gleiche ist. Es kann also keine Rede davon sein, daß es sich hier um etwas den Geschichts- und Geisteswissenschaften Eigentümliches handelt.18 Betrachten wir noch einmal das vorige Schema, das ja auf alle möglichen empirischen Wissenschaften zutrifft. Nehmen wir an, um die Sache deutlicher zu machen, es sei T = T1 = T2 (so daß »immer wenn F, dann G« flur eines unter mehreren Axiomen von T ist). Nehmen wir ferner an, daß Wir in der Tat Fa, Ga unter der Voraussetzung von T erhalten und umgekehrt schließlich T mit ihnen bestätigt wird. Darin liegt aber kein Zirkel, da ja, wie schon vorhin gezeigt, nur die Erfahrung entscheiden kann, ob wir zu einem solchen Resultat gelangen, ob sich also unter den gegebenen Voraussetzungen einer S-Menge Fa, Ga und die gesuchte Bestätigung ergeben. Der Theorie allein läßt sich dies nicht entnehmen. Es ist mithin nur bedingt wahr, wenn gesagt wird, man hole aus den Dingen nur heraus, was man in sie hineingelegt habe; vielmehr tritt dazwischen die Erfahrung, auch wenn sie schon durch eine Theorie in gewissem Sinne »vorgeformt« ist, wie es sich durch S im angegebenen Modell zeigt.19

Ist Ga eine dem Historiker noch nicht bekannte Tatsache, so wird er sie aufgrund der Prämisse 2 genauso vorhersagen können, wie dies der Naturwissenschaftler beim Experiment zu tun pflegt, und entsprechend wird er sich dann auch durch eventuelle spätere Funde und Entdeckungen in Archiven, bei Ausgrabungen usf. bestätigt oder widerlegt sehen. Ist Ga aber eine dem Historiker bereits bekannte Tatsache, so kann es doch sein, daß sie mit Hilfe seiner Theorie in einer Weise gedeutet oder mit anderen Tatsachen verbunden werden kann, z. B. mit Fa, die als Bestätigung oder Falsifikation dieser seiner Theorie anzusehen ist. ...

[Es folgen die Abschnitte

12. Die Erklärungen von Explikationen und Mutationen hostorischer Systeme

13. Die Rechtfertigung theoretischer Grundsätze in einer 'geschichtlichen Situation'.

14. Die Vergangenheit als Funktion der Gegenwart.

15. Drei Formen der Rechtfertigung theoretischer Grundsätze.

Anmerkungen Nr 1 - 19.

1 C. G. Hempel: Aspects of Scientific Explanation. New York 1965; P. Gardiner: The Nature of Historical Explanation. Oxford 1961; M. White: Foundations of Historical Knowledge. New York 1969; A. C. Danto: Analytical Philosophy of History. Cambridge 1968.

2 So betrachtet zum Beispiel Herder in seinen geschichtsphilosophischen Betrachtungen die Nationen als Organismen, v. Humboldt vergleicht historische Prozesse mit Metamorphosen von Pflanzen, Ranke nennt Völker »Ganzheiten«, ähnlich drückt sich Dilthey aus: In seinen späteren Werken spricht er von Bedeutungs-, Wirkungs- und Strukturzusammenhängen.

3 »Einfühlen« nennt es zum Beispiel Herder, von »Verstehen« spricht Dilthey, »Ahnen« nennt es Troeltsch, »Divination« Ranke.

4 W. L. Langer: The Next Assignement. In: American Historical Review 69 (1963).

5 Vgl. W. Stegmüller: Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie. Bd. I: Wissenschaftliche Erklärung und Begründung. Berlin/Heidelberg/New York 1969.

6 M. Weber: Die >Objektivität< sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis. In: Soziologie, Weltgeschichte, Analysen, Politik. Stuttgart 1964, 234.

7 An dieser Stelle sei auf die interessante Arbeit E. v. Savignys verwiesen mit dem Titel: Zur Rolle der deduktiv-axiomatischen Methode in der Rechtswissenschaft. In: Rechtstheorie. Frankfurt 1971.

8 A. Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. 2. Bd. Sämtliche Werke. Hg. v. Hübscher. Leipzig 1938, 505.

9 Ebd. 5o6.

10 Vgl. K. Hübner: Duhems historische Wissenschaftstheorie und ihre gegenwärtige Weiterentwicklung. In: 9. Deutscher Kongreß für Philosophie. Düsseldorf 1969. Hg. von L. Landgrebe. Meisenheim 1972; und in: Philosophia Natural's XIII (1971)

11 E. Gibbon: History of the Decline and Fall of the Roman Empire. Hg. v. J. E. Bury. 7 Bde. London 1869-1900.

12 B. G. Niebuhr: Römische Geschichte. Bde. Berlin 1811-32.

13 Th. Mommsen: Das Römische Staatsrecht. Berlin 1887; ders.: Römische Geschichte. Berlin 1854-56.

14 M. Rostovtzeff: Social and Economic History of the Roman Empire (1926). dt.: Leipzig 1931.

15 Heuss: Römische Geschichte. Braunschweig 1971, 575.

16 E. Meyer: Kaiser Augustus. Halle 1924.

17 Für die Naturwissenschaften habe ich dies u. a. zu zeigen versucht in meinen Abhandlungen: Duhems historistische Wissenschaftstheorie und ihre gegenwärtige Weiterentwicklung (s. Fußnote xo); Theorie und Empirie. In: Philosophia Naturalls X (1968); Über die Philosophie der Wirklichkeit in der Quantenmechanik. In: Philosophia Naturalls XIV (1973).

18 Vergleiche auch W. Stegmüller: Der sogenannte »Zirkel« des Verstehens. In: Natur und Geschichte. io. Deutscher Kongreß für Philosophie, Kiel 1972. Hg. von K. Hübner und A. Menne. Hamburg 1974.

19 Ich möchte hier betonen, daß ich trotz der soeben vorgetragenen Kritik in manchen Punkten mit den Hermeneutikern übereinzustimmen glaube. Mir scheint aber, daß vieles von dem, was sie sagen wollen, überhaupt erst zur Klarheit kommt oder gar erst zurechtgerückt werden kann, wenn man sich von ihrem dunklen Stil befreit und die analytische Methode auf die Geschichtswissenschaften überträgt, welche die Wissenschaftstheoretiker bislang vornehmlich nur auf die Naturwissenschaften anwandten. Daß dies möglich ist und gerade deswegen, well beide Zweige der Erkenntnis im Grunde dieselben logischen Formen haben - wie sehr das auch zunächst verdeckt blieb - hoffe ich mit der vorliegenden Untersuchung deutlich zeigen zu können. Zur Kritik an der Hermeneutik siehe auch G. Patzig: Erklären und Verstehen. In: Neue Rundschau 3 (1973).


LV Gizewski SS 2004.

Bearbeitet für das Internet: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .