Anthropologie als umfassende, natur- und geisteswissenschaftliche Wissenschaft vom Menschen. Aus: Frank Robert Vivelo, Kulturanthropologie.

Text und Schema, Inhaltsangaben und Einführung des Herausgebers entnommen aus: Frank Robert Vivelo, Kulturanthropologie. Eine grundlegende Einführung. Mit einer Einkeitung hg. von Justin Stagl. Übersetzt von Erika Stagl, (1978) Stuttgart 1988, Inhaltsverzeichnis und S. 37 - 49.


Kapitel 1 Was ist Anthropologie?

Anthropologie (wörtlich: ,,Menschenstudium") ist die Erforschung der Menschheit. Eine der besten Definitionen in einem Satz, die in den letzten Jahren erschienen sind, ist die von Gerald Weiss, welcher die Anthropologie umschreibt als "die Erforschung der Gesamtheit aller menschlichen Phänomene, überall auf der Oberfläche dieses Planeten und darüber hinaus und durch alle Zeit..." (1973, S. 1381).

Die Anthropologie ist bezeichnet worden als (1) eine Naturwissenschaft bzw. biologische Wissenschaft, insofern sie die körperliche Entwicklung und biologische Natur der Menschen erforscht; (2) eine Sozialwissenschaft, insofern sie das Verhalten der Menschen als Mitglieder sozialer Gruppen erforscht; (3) eine historische Disziplin, insofern sie nach einer Rekonstruktion der Abfolge kultureller Entwicklungen strebt und (4) eine der Geisteswissenschaften, insofern sie sich mit Kunst, Folklore, mündlicher Uberlieferung usw. befaßt (Mead 1966, S.3).

Aus diesem Grunde ist die Anthropologie die vielleicht anspruchsvollste unter den Wissenschaften, denn sie ist die einzige Disziplin, die es unternimmt, die ganze Menschheit, sowohl biologisch wie kulturell, zu erfassen. Andere Disziplinen konzentrieren sich auf eine oder einige der biologischen oder kulturellen Dimensionen der Menschen; aber keine stellt, wie die Anthropologie es tut, den Anspruch, alles zu erforschen, was menschlich oder mit dem Menschsein verwandt ist, durch alle Zeit und überall im Raum, wo auch immer menschliche Wesen vorgefunden werden. 1

1 Hier könnte der Dozent den Wunsch haben, die Kulturanthropologie anderen Sozialoder Verhaltenswissenschaften gegenüberzustellen. Der Versuch dazu ist öfter gemacht worden (beinahe jedes einführende Lehrbuch bietet einige Information zu diesem Punkt); vgl. z. B. die von Kottak (1974: 10-14) in seinem unlängst erschienenen Lehrbuch gegebenen Erläuterungen. Beattie (1964: 16-33) gibt die britische Perspektive; ein soziologischer Standpunkt wird von McGee (1975: 4-8), ein sozialpsychologischer von Lindesmith, Strauss und Denzin (1975: 15-18) vertreten. Siehe auch die nützlichen Hinweise in Mandelbaum, Lasker und Albert (1967).

Kennzeichen der Anthropologie.

Die beiden Hauptkennzeichen der Anthropologie sind ihr vergleichendes und ihr holistisches Vorgehen.

Vergleichende Methode.

Zuallererst vertritt die Anthropologie nachdrücklich eine vergleichende Methode der Erforschung der Menschheit. Sie unternimmt den Versuch, die Menschen in einer breiten Sicht, also nicht nur in voneinander isolierten Gesellschaften oder innerhalb der Tradition einer einzigen Gesellschaft, zu betrachten. Sie vergleicht Gesellschaft mit Gesellschaft, Tradition mit Tradition, über Zeit und Raum. Sie versucht Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten zu identifizieren, um dadurch zu allgemeinen Aussagen zu gelangen. Sie strebt danach, Variationen in den sozialen Formen auf wissenschaftlich gültige Weise zu erklären sowie Ursprung und Entwicklung der Menschen und ihrer Bräuche zu dokumentieren. Beschreibungen einer Gesellschaft von Jägern im südlichen Afrika, von in Stämmen organisierten niederen Bodenbauern in Neuguinea oder von niederen Bodenbauern mit komplexer politischer Organisation in Mittelamerika, Hirten in Asien, höheren Bodenbauern in Europa und von hochindustrialisierten Nationalstaaten sind alle notwendig für dieses Bestreben der Anthropologie. Ein ernstzunehmender Anthropologe käme nicht auf den Gedanken, allgemeine Aussagen über den Menschen und die Gesellschaft zu formulieren, die bloß auf einer Beschäftigung mit den westlichen Gesellschaften beruhen, wie intensiv und vollständig diese Beschäftigung auch immer gewesen sein möge. Anthropologen bestehen darauf, daß alle die Menschheit betreffenden Allgemeinaussagen (ob sie sich nun auf Biologie, Psychologie, soziale Verhaltensmuster oder Glaubenssysteme beziehen) einer quer durch die Kulturen gehenden Überprüfung standhalten müssen. Wenn solche Allgemeinaussagen als wahr für die Menschen oder die menschliche Gesellschaft hingestellt werden, dann müssen sie sich als wahr für die Menschen oder die Gesellschaft überall auf der Welt erweisen. Für einen Anthropologen stellen die westlichen Gesellschaften nur eine Gruppe von Fällen, eine Teilmenge eines umfassenderen Phänomens dar. Natürlich würden die Anthropologen genauso gegen allgemeine Aussagen, z. B. über die Organisation der menschlichen Familie, auftreten, die nur auf einer Erforschung der Eskimo-Familie begründet wären. Was sie in Erfahrung bringen wollen, ist die Entwicklungsgeschichte der Familie Seit dem Ursprung der Gattung Mensch. Wie ist "die Familie" entstanden? Wie und warum hat sie sich im Laufe der Zeit verändert? Inwieweit unterscheidet sie sich, und inwieweit ähnelt sie sich von Ort zu Ort? Und wie hängt sie mit der Wirtschaft, politischen Organisation, dem Aufziehen der Kinder, der Sozialisation, der Religion, dem Freizeitverhalten usw. zusammen? Wenn Anthropologen daher ein spezielles Problem der Familienorganisation in einer bestimmten Gesellschaft in Angriff nehmen (z. B.: Wie wird die größere Teilnahme der Frau am Wirtschaftsleben der Nation die amerikanische Familie beeinflussen?), dann bringen sie diesem Problem ein breites Verständnis entgegen, das von der Erforschung "der Familie" in ihrem größeren Zusammenhang herrührt.

Unerläßlich für diese Vorgehensweise ist es natürlich, die Behauptung zu akzeptieren, daß menschliche Gesellschaften über Zeit und Raum hin miteinander vergleichbar sind. Keine Gesellschaft, wenigstens in ihren groben Kennzeichen, ist einzigartig. Die Geschichte jeder gegebenen Gesellschaft ist dieser Gesellschaft eigentümlich, ganz genau wie die Lebensgeschichte eines bestimmten Einzelmenschen. Doch haben sowohl menschliche Gesellschaften als auch menschliche Einzelwesen als Mitglieder einer Gattung, d. h. einer taxonomischen Kategorie, einige allgemeine Attribute miteinander gemein. Menschengesellschaften weisen, wie Löwengesellschaften, Ameisengesellschaften oder Paviangeseilschaften, Ähnlichkeiten auf -"Dinge, die sie gemeinsam haben". Man muß den Versuch unternehmen, die allgemeinen Charakteristika der betreffenden Klasse von Phänomenen klar auszudrücken und zu verstehen, bevor man hoffen kann, irgendeinen ihrer Repräsentanten zu "verstehen". Verschiedenheiten zwischen menschlichen Gesellschaften sind Verschiedenheiten innerhalb einer solchen Klasse, und bevor wir solche Verschiedenheiten richtig einschätzen und zu erklären versuchen können, müssen wir einige Ahnung von den ihnen allen gemeinsamen Ähnlichkeiten haben.

Wogegen ich hier polemisiere, ist die von manchen Historikern (und anderen Gelehrten) gehegte Auffassung, daß jede Gesellschaft als etwas Besonderes, Einzigartiges behandelt werden müsse, das nicht wirklich vergleichbar sei mit dem, was andere menschliche Gesellschaften zu anderen Zeiten und an anderen Orten getan oder geglaubt haben. Als Anthropologe und als Sozialwissenschaftler muß ich einen derartigen Standpunkt zurückweisen. Die Vergleichbarkeit zu verneinen und die Einzigartigkeit hervorzuheben bedeutet die Leugnung der Möglichkeit gültiger Allgemeinaussagen und daher des wissenschaftlichen Verständnisses menschlicher Wesen und ihres Verhaltens.

Die vergleichende Perspektive bringt auch eine Berücksichtigung der zeitlichen Dimension mit sich. Das heißt, sie besteht darauf, daß wir, um die industrialisierten, staatlich organisierten Gesellschaften der Gegenwart zu verstehen, mit dem vertraut sein müssen, was ihnen vorhergegangen ist; wir müssen also die staatsiosen, nichtindustrialisierten Gesellschaften kennen, aus denen sich die modernen Gesellschaften entwickelt haben. Uns steht eine einigermaßen vollständige Dokumentation der Gattung Mensch zur Verfügung, die zeitlich fast fünf Millionen Jahre zurückreicht. Die ersten Bodenbau treibenden Gesellschaften traten erst vor ungefähr 10 000 Jahren auf; die ersten staatlich organisierten Gesellschaften erschienen erst vor etwa 6000 Jahren; und die Industriegesellschaft hat erst vor etwa 200 Jahren begonnen, sich im großen Maßstabe durchzusetzen. Sicherlich können wir nicht hoffen, uns selbst zu verstehen, wenn wir die Berichte über die früheren Lebensformen ignorieren. Um es noch einmal zu wiederholen: Moderne Gesellschaften bilden nur eine Teilmenge von Fällen eines umfassenderen Phänomens, das wir zu erforschen, zu beschreiben und zu verstehen streben. Man kann z. B. die Ausübung von Herrschaft in modernen politischen Institutionen nicht völlig verstehen ohne einige Vertrautheit mit Gesellschaften, in denen es keine politische Herrschaft gibt und formale Institutionen der Rechtspflege fehlen. Um noch ein anderes Beispiel aufzugreifen: Man kann die sozialen Auswirkungen einer komplexen Technologie nicht verstehen ohne eine gewisse Bekanntschaft mit den sozialen Konsequenzen einereinfachen Technologie. Für ein derartiges Verständnis arbeitet man sich stufenweise hinauf, indem man vom Einfachsten zum Komplexesten fortschreitet. Wie sollen wir die gegenwärtigen Wandlungen in "der Familie" verstehen, wenn wir über die Entwicklung und die soziokulturelle Variationsbreite der Organisation der menschlichen Familie nichts wissen?

Holismus.

Das andere Hauptkennzeichen der anthropologischen Vorgehensweise der Analyse ucd des Verstehens menschlichen Glaubens und Handelns ist das Beharren darauf, daß menschliche Gesellschaften als Ganzheiten, als funktionale Einheiten oder - in den Begriffen der Kybernetik - als Systeme behandelt werden sollen. Es gibt verschiedene Abarten dieses Holismus, für die eine Anzahl von Namen gebräuchlich ist. Der bekannteste unter diesen Namen ist "Funktionalismus", obgleich diese Bezeichnung heute in manchen Kreisen als Schimpfwort gilt. Am einfachsten ausgedrückt, bedeutet Holismus, daß die Anthropologie den Versuch macht, das gesamte Spektrum dessen abzudecken, was menschlich ist, um zu Allgemeinaussagen zu gelangen; sie versucht also, einen totalen oder allumfassenden Überblick zu geben. Spezieller gesehen hat der anthropologische Holismus zwei Hauptaspekte.

Erstens versuchen die Anthropologen, die menschliche Kultur als ein einziges, in sich zusammenhängendes Gewebe zu betrachten, als eine geordnete Wesenheit, ein funktionales Ganzes, in welchem alle Teile miteinander als Komponenten eines Systems verbunden sind. Obgleich wir Elemente des Gesamtsystems zum Zwecke der Analyse, Darstellung oder Diskussion isolieren oder voneinander trennen können, werden wir bestenfalls nur zu einem oberflächlichen Verständnis dieser Teile gelangen, wenn wir sie nicht, in dem Bemühen zu erkennen, wie sie miteinander verbunden sind, zueinander in Beziehung setzen. Religion, wirtschaftliche Organisation, das politische System, Siedlungsform, Verwandtschaft, Erziehung, Heirat usw. - alle diese sind miteinander zusammenhängende und untereinander verwobene Teile eines soziokulturellen Systems. Ein Anthropologe erforscht sie alle - obgleich er (oder sie) sich auf nur eine oder zwei von ihnen spezialisieren und konzentrieren kann - und ist darin ausgebildet, ihren gegenseitigen Zusammenhang zu beobachten. So wird z. B. ein Anthropologe, der sich auf die politischen Organisationsformen spezialisiert hat, trotzdem mit dem Verwandtschaftssystem ebensogut vertraut sein, wenn er diese Aspekte des soziokulturellen Systems vielleicht auch nicht besonders hervorheben wird. In anderen Worten, wir haben im Fach Vertreter der Ökologischen Anthropologie, Psychologischen Anthropologie, Politischen Anthropologie und Ökonomischen Anthropologie sowie Spezialisten für das Studium des Rechts, der Religion, der Denksysteme, der Kunst und Musik; aber alle diese Spezialisten sind zuallererst Anthropologen im weitesten Sinne. 2

2 A.L.Kroeber (1953, S.XIV) gab den folgenden treffenden Kommentar: "Es ist augenscheinlich, daß die Anthropologie -wie spezialisiert sie auch bei der Behandlung bestimmter Daten sein möge - darauf abzielt, letztlich eine Koordinierungs-Wissenschaft zu sein, ähnlich etwa wie eine Holding-Gesellschaft ihre Firmen koordiniert. Wir Anthropologen werden niemals China so eingehend kennen wie ein Sinologe, oder Preise, Kredit und Bankwesen so gut wie ein Wirtschaftswissenschaftler, oder die Vererbung so genau wie ein Genetiker. Aber wir nehmen das in Angriff, was diese spezialisierteren Gelehrten nur streifen oder überhaupt nicht berühren: Wir versuchen gewissermaßen zu verstehen, wie die chinesische Kultur, die Wirtschaft und die menschliche Vererbung und einige Dutzend anderer hochentwickelter Wissensgebiete tatsächlich miteinander zusammenhängen, da sie ja alle Teile "des Menschen" repräsentieren - aus ihm hervorgehen, auf ihn hin orientiert bzw. seine Produkte sind."

Zweitens ist die Anthropologie holistisch in dem Sinne, daß sie den Versuch macht, die Menschen nicht nur als kulturelle Wesen, sondern auch als Tiere zu verstehen. Sie befaßt sich mit den physischen oder biologischen Charakteristika der Gattung ebensogut wie mit den sozialen und kulturellen. Die physische Evolution der Gattung Homo und die kulturelle Evolution der Menschheit werden nicht als zusammenhanglos nebeneinanderlaufend betrachtet. Beide sind nötig für ein richtiges Verständnis davon, was für eine Art von Geschöpf wir sind.

Forschungsschwerpunkt.

Ein anderes Attribut der Anthropologie, das oft als ein Hauptcharakteristikum angesehen worden ist, ist das traditionelle Interesse der Anthropologen an der Erforschung von vorwiegend schriftlosen (oder vorschriftlichen oder "primitiven") Völkern. 3

3 Um Vorurteile zu vermeiden, haben sich die Anthropologen schreckliche Mühe gegeben, einen Begriff zur Bezeichnung der nichtwestlichen, nichtstaatlichen, nichtindustriellen Gesellschaften zu finden, in denen sie den Großteil ihrer Forschungen durchgeführt haben. Kein völlig befriedigender Terminus hat sich durchsetzen könne. Ich werde in diesem Handbuch die Ausdrücke "primitiv" und "schriftlos" verwenden. Der Leser sei daran erinnert, daß mit diesen Ausdrücken nichts Abwertendes oder Herabsetzendes gemeint ist.

Zeitgenössische Anthropologen beschränken sich jedoch nicht mehr auf solche Gesellschaften. In wachsendem Maße wenden sie sich der eigenen Gesellschaft zu, um hier Feldforschung zu betreiben. Verschiedene Faktoren sind für diese Entwicklung verantwortlich. Die wichtigsten von ihnen scheinen zu sein: die mangelnde finanzielle Unterstützung für Forschungsexpeditionen nach entfernten Enden der Welt; das allmähliche Verschwinden isolierter, primitiver Gesellschaften (die traditionelle Lebensweise der Stammesgeselischaften schwindet rasch dahin, da sowohl kulturelle wie geographische Distanzen im Überschall-Zeitalter verkürzt worden sind, außerdem wollen viele von diesen Völkern nicht mehr von Anthropologen "erforscht" werden); sowie der Druck unmittelbarer Probleme in unserer eigenen Gesellschaft, die die Aufmerksamkeit der Sozialwissenschaftler verlangen. Die Anthropologen bringen für die Aufgabe, die dringendsten Probleme an der Heimatfront zu vermindern, eine spezielle Fachkenntnis mit. Ihre Vertrautheit mit verschiedenen Lebensformen und mit der Evolution der menschlichen Gesellschaft hilft ihnen dabei, die besonderen Probleme, denen wir uns hier und jetzt gegenübersehen, mit einer breiten Reihe von überprüfbaren Alternativen der Bewältigung von unvorhergesehenen Ereignissen anzugehen. Daß die Anthropologen in gewisser Hinsicht gezwungen werden, Untersuchungen in ihren eigenen Gesellschaften anzustellen, ist insofern keine ganz unglückliche Situation.

Teilgebiete der Anthropologie.

Jede Wissenschaft, die beansprucht, alles von irgendeinem Gegenstand (und in diesem Falle außerdem alles über das Menschliche) zu behandeln, behauptet viel von sich. Ein so ehrgeiziges Unternehmen übersteigt offenkundig die Fähigkeiten jedes einzelnen Individuums, denn es ist unmöglich, daß ein einzelner über die zum Studium der Menschen in ihrer Gesamtheit notwendigen Kenntnisse verfügen kann. Aus diesem Grunde gibt es, wie wir oben festgestellt haben, innerhalb der Anthropologie Teilgebiete oder "Spezialisierungen", und jeder Anthropologe wählt sich eines oder einige von diesen aus, um sich auf sie zu konzentrieren. Doch erhalten die meisten Anthropologen eine

allgemeine Ausbildung in der gesamten Disziplin, und amerikanische Studienprogramme für Graduierte verlangen meist von den Doktoranden der Anthropologie, daß sie zumindest in drei breiten Forschungsgebieten einen Mindestgrad von Sachkenntnis nachweisen: Physische Anthropologie, Archäologie und Kulturanthropologie.

In Abbildung [oben] habe ich den Versuch gemacht, die wichtigsten Teilgebiete der Anthropologie aufzuzeigen. Die wichtigste Unterteilung ist die zwischen Physischer Anthropologie und Kulturanthropologie. Einige Anthropologen ziehen eine Gliederung in drei Teilgebiete vor, mit Archäologie (inklusive der Vor- und Frühgeschichte) als einem Drittel des Ganzen. Der Grund dafür ist, daß die Archäologie eine Art Brücke zwischen der Physischen und der Kulturanthropologie darstellt. Ein Archäologe bzw. Urgeschichtler braucht andererseits eine gute Arbeitskenntnis der menschlichen wie der nichtmenschlichen Paläontologie sowie der Geologie, um Fossilien erkennen und ihre Bedeutsamkeit bewerten zu können. Andererseits bilden Archäologen oft Theorien über die soziale Organisation eines prähistorischen Volkes, die auf den von ihnen ausgegrabenen Überresten beruhen; und aus diesem Grunde müssen sie allgemeine Kenntnisse der Kulturanthropologie besitzen. Obwohl ich persönlich eine einfache Zweiteilung der Anthropologie bevorzuge, habe ich versucht, die zentrale Bedeutung der Archäologie durch deren Ort im Diagramm und durch die Verbindungslinien von der Physischen und der Kulturanthropologie aufzuzeigen. (Daß die Verbindungslinie zur Physischen Anthropologie gestrichelt und die zur Kulturanthropologie voll ist, spiege nur meine Meinung wider, daß die Archäologie enger mit der Kulturanthropologie als mit der Physischen Anthropologie verwandt ist.) Ich werde in diesem Handbuch die Physische Anthropologie und die Archäologie nicht behandeln, sondern werde mich auf die Kulturanthropologie konzentrieren - aber auch nicht auf deren gesamten Bereich, da ich auf die Linguistik als Spezialgebiet nicht eingehen werde. (Die Linguistik ist in der Tat eine so spezialisierte Betätigung, daß manche Anthropologen sie mit der Physischen und der Kulturanthropologie auf eine Ebene stellen, statt sie als Teilgebiet der letzteren zu betrachten.)

Der Begriff Kulturanthropologie wird in drei Bedeutungen verwendet. Er kann, wie in Abbildung 1.1, eines der wesentlichen Teilgebiete der Anthropologie bezeichnen. Er kann auch in einem engeren Sinne verwendet werden, wobei er bloß für das steht, was im großen Kästchen ganz rechts in Abbildung 1.1 enthalten ist, dem Kästchen mit der Überschrift Ethnographie und Ethnologie. Und schließlich kann er, im Gegensatz zur ,,Sozialanthropologie" (social anthropology), eine spezielle theoretische Betrachtungsweise meinen (diese Unterscheidung beruht auf einer besonderen Auffassung des "Kulturellen" und des "Sozialen", die im nächsten Kapitel besprochen wird).

Das Sammeln anthropologischer Daten: die Feldforschung.

Die Feldforschung in der Kulturanthropologie kann als die direkte Erforschung einer Gemeinschaft verstanden werden. Sie bildet die grundlegende Erfahrung von nahezu allen Kulturanthropologen. Charakteristischerweise führen die Kulturanthropologen ihre Forschungstätigkeit in der natürlichen Umgebung durch, unter einer Gruppe von Menschen, die in gewohnter Weise und unter den gewohnten Bedingungen (mit Ausnahme der Anwesenheit des Anthropologen) ihren täglichen Beschäftigungen nachgehen. Diese Methode der anthropologischen Feldforschung ist in allgemeinen Begriffen als teilnehmende Beobachtung bezeichnet worden. Diese besteht darin, unter einer Gruppe von Leuten zu leben, dasselbe zu tun wie sie, soweit sie dies gestatten, und das, was vorfällt, so getreu wie möglich zu berichten; d. h. sie besteht aus Teilnahme und Beobachtung. Darüber hinaus führen Anthropologen natürlich auch formale und informelle Befragungen von Mitgliedern der von ihnen untersuchten Gesellschaften durch. Diese einheimischen Personen werden als Gewährsleute (Informanten) bezeichnet.

Die sich daraus ergebende, von einem Anthropologen gelieferte Beschreibung nennt man eine Ethnographie. Die Ethnographie steht der Ethnologie gegenüber, welche als theoretisierende Verallgemeinerung bezeichnet werden kann, deren Grundlage die vergleichende Ethnographie darstellt, d.h. Beschreibungen einer Mehrzahl von Gesellschaften.

Eine der Hauptaufgaben des Ethnographen, entweder bevor er sich tatsächlich in die Feldsituation begibt oder während der Feldforschung, besteht darin, die einheimische Sprache zu lernen. Das Erlernen der Sprache eines Volkes bringt es mit sich, daß man zu einem gewissen Grade auf die Weise des untersuchten Volkes zu denken lernt (oder es ist zumindest ein wichtiger Schritt in diese Richtung). Es ist eine unschätzbare Hilfe für das Verständnis und die Auslegung des Verhaltens. Ohne eine gründliche Kenntnis der einheimischen Sprache besteht die große Gefahr, daß das Verständnis des Anthropologen von einer exotischen Lebensform durch den Versuch verzerrt wird, sie in vertrautere Begriffe zu "übersetzen". (Dieses Problem wird ausführlich in Kapitel 2 behandelt werden.)

Der Gebrauch anthropologischer Daten: Kulturrelativismus versus Ethnozentrismus.

Worin besteht der Nutzen der Informationen, die Anthropologen sammeln? Zunächst in der Hoffnung, daß wir durch das Erlernen der Lebensweisen anderer uns selbst besser verstehen können. Alle Gesellschaften werden mit gewissen Problemen konfrontiert (wie sie ihre Mitglieder ernähren sollen, wie sie die Ordnung aufrechterhalten sollen usw.). Durch die Untersuchung alternativer Lösungen und der Bedingungen, unter denen sie ausprobiert worden sind - indem wir etwas über die Reaktionen der anderen lernen -, können wir Nutzen daraus ziehen und auf ihnen aufbauen.

Wir können aber auch als Gruppe weniger selbstbezogen werden. Ethnozentrismus ist der Terminus, der für Gruppenbezogenheit verwendet wird; er bezeichnet die Tendenz, die eigene Kultur als den Mittelpunkt von allem zu sehen, als das Maß, mit dem alle anderen Lebensstile gemessen werden. Es ist dies die Tendenz, die eigene Kultur als den anderen überlegen oder als "besser" als die anderen anzusehen. Diese Einstellung (die Einstellung, die uns dazu bringt, die "Wilden" zu "zivilisieren" oder den "Heiden" das Christentum zu bringen) ist nicht auf die westlichen Gesellschaften beschränkt, sondern scheint in allen Gesellschaften vorhanden zu sein. Es haben z. B. viele schriftlose Gesellschaften keinen anderen Namen für sich selbst als "Die Leute", was natürlich impliziert, daß niemand außerhalb ihrer Gruppe ein wirklicher Mensch ist.

Der Gegensatz des Ethnozentrismus ist der Kulturrelativismus: die Praxis, andere Kulturen nicht nach den Standards der eigenen Kultur zu beurteilen. Voraussetzung dafür ist die Bemühung, sich in seinen Beobachtungen von Vorurteilen freizuhalten. In anderen Worten: Der Kulturrelativismus bekennt sich dazu, daß andere Kulturen voneinander verschieden, aber nicht besser oder schlechter als andere sind, da es keinen absoluten Vergleichsmaßstab gibt. Der Kulturrelativismus wird vielleicht am besten in Hinblick auf sein Verhältnis zur Moral betrachtet. Kultureller (oder, in diesem spezifischen Falle, ethischer) Relativismus - im Gegensatz zum Ethnozentrismus vertritt nicht die Ansicht, daß eine Kultur "im Recht" ist, während eine andere "im Unrecht" ist; Kulturen sind einfach verschieden. So z. B. wäre das Töten ihres Kindes (Infantizid) für eine Frau in Europa "unrecht". Bei vielen Eskimo-Gruppen ist es unter bestimmten Bedingungen nicht unrecht. Das Töten des Großvaters, weil er zu alt ist, um für sich selbst zu sorgen, wäre in Europa "unrecht"; bei manchen amerikanischen Indianern war es dies nicht. Mehr als eine Ehefrau zu haben wäre in Europa "unrecht"; für die Mehrzahl der Gesellschaften der Welt ist Polygamie die bevorzugte Eheform. Bei Amerikanern und Europäern findet man Beifall, wenn man seine Zuneigung zu seiner Schwiegermutter öffentlich zeigt. Bei den australischen Eingeborenen wird dies als geschmacklos angesehen. In westlichen Gesellschaften wird ein enges Verhältnis zwischen Bruder und Schwester hochgeschätzt. Bei den Trobriandern wird dies als der Gipfel der Sünde betrachtet. Der Kulturrelativismus sieht diese Bräuche nicht als moralische Probleme, sondern als Antworten auf Probleme, mit denen Menschen konfrontiert werden (Was soll man mit den wirtschaftlich unproduktiven Gruppenmitgliedern in einer harten Umwelt machen? Wie kann man die Konkurrenz um Ehefrauen möglichst gering halten? usw.) sowie als Anpassung an bestimmte Arten von Bedingungen; und er vertritt die Meinung, daß sie, wenn überhaupt, nur nach ihrer Wirksamkeit bei der Bewältigung dieser Probleme bewertet werden sollten.

Daraus folgt nicht, wie Spradley und McCurdy (1974, S. 7) meinen, daß der Kulturrelativismus "seine Anhänger von der Verpflichtung freispricht, einen Weg zur Lösung der Konflikte zwischen den verschiedenen Wertsystemen der Welt zu finden".

Noch bietet Kulturrelativismus die Möglichkeit, wie sie gleichfalls behaupten (S. 6), "sich zurückzuhalten und keine Werturteile zu fällen". Er bedeutet ganz einfach, daß die Anthropologen sich der menschlichen Vorliebe für wertende Urteile bewußt sind und den Versuch machen, diese in ihren eigenen Werken auf das Mindestmaß zu reduzieren. (Wie Hortense Powdermaker in ihrem Buch Stranger and Friend sagt: "Bewußtes Engagement stellt für den Sozialwissenschaftler keinen Nachteil dar. Unbewußtes ist dagegen stets gefährlich.") Er bedeutet, daß zum Zwecke der Untersuchung Urteile über "recht" und "unrecht" suspendiert werden, damit wir Lebensweisen, die von unserer eigenen verschieden sind, verstehen können. Bei der Ausübung ihres Berufes sind die Anthropologen gehalten herauszufinden, wie Bräuche, die dem Laien bizarr erscheinen, einen Sinn ergeben, wenn sie als Teil eines menschlichen Lebenszusammenhanges unter fremden ökologischen Bedingungen behandelt werden. Aus diesem Grund sprechen die Anthropologen nicht (mehr) von den ,,abstoßenden Gebräuchen unvernünftiger Wilder", denn solche wertenden Aussagen ergeben sich daraus, daß man den Bewertungsmaßstab einer Kultur dazu verwendet, Urteile über Handlungen abzugeben, die auf den Werten einer anderen Kultur beruhen. Ein solches Vorgehen behindert offensichtlich das Verständnis exotischer Lebensweisen (und auch unserer eigenen). Aber das Verständnis fremder Handlungen impliziert keineswegs deren Billigung. In der Tat ist Zustimmung dem Standpunkt des Kulturrelativismus ebenso fremd wie Ablehnung. Der Kulturrelativismus bedeutet bloß, daß der Anthropologe sich der Neigung, Werturteile abzugeben, bewußt ist und aktiv versucht, sich ihrer zum Zwecke seiner Untersuchung zu enthalten. Er bedeutet nicht, daß Menschen (ob sie nun Anthropologen sind oder nicht) als Mitglieder einer Gesellschaft und als verantwortungsbewußte Bürger der Welt überhaupt keine Werturteile abgeben, daß sie keine Vorlieben und keine Begriffe von Gut und Schlecht haben und daß sie ihre eigenen Standards nicht anwenden, um auf fremde Handlungen zu reagieren, die sie persönlich oder ihre Kultur bedrohen - oder Handlungen, die dies nicht tun. Es wäre absurd, eine solche Haltung einzunehmen.

Einer der ersten ernstzunehmenden Praktiker der -anthropologischen Feldforschung, Bronislaw Malinowski, kann als Beispiel dafür dienen. Malinowski arbeitete unter den Bewohnern der Trobriand-Inseln im Pazifik und hinterließ uns einen Schatz von erstrangigen ethnographischen Beschreibungen der Trobriander. Aus den Monographien Malinowskis kann man nicht schließen, daß er persönlich weit davon entfernt war, die Trobriander, ihre Bräuche und ihre Werte gutzuheißen oder zu bewundern. Wir haben dies erst seit der Veröffentlichung seiner Tagebücher fünfzig Jahre nach seiner Feldforschung erfahren. Malinowski erlaubte seiner Abneigung und seinem Widerwillen nicht, störend auf seine Arbeit einzuwirken, welche darin bestand, das Leben der Trobriander als "sinnvoll" anzusehen, es aus seinen eigenen Bedingungen heraus zu begreifen und ein einigermaßen faires und unvoreingenommenes Bild davon zu geben. Das ist Kulturrelativismus.

Auf der Ebene der Persönlichkeit kann die Anthropologie dazu beitragen, die Weltsicht zu erweitern, indem sie aufzeigt, wie andere Menschen leben und die Welt beurteilen. Das Kennenlernen der menschlichen Gattung durch die Zeit - insofern es über die Kenntnis der westlichen Kultur hinausgeht beeinflußt höchstwahrscheinlich die Werte und die Weltanschauung eines Menschen. Ein engstirniger Anthropologe sollte ein Widerspruch in sich selbst sein - natürlich kommt er trotzdem vor. Indem sie durch die Aufnahme von Gesellschaften an allen Orten und zu allen Zeiten die Weltsicht erweitert, trägt die Anthropologie dazu bei, irrtümliche Allgemeinaussagen über das menschliche Verhalten aufzudecken, wenn solche Allgemeinaussagen auf einer bloßen Vertrautheit mit der westlichen Gesellschaft beruhen.

Kurz gesagt, das Leben in einer exotischen Gesellschaft und die ehrliche Bemühung, eine andere Kultur zu verstehen, ohne sie zu beurteilen, zwingen dazu, von der eigenen Kultur abhängige Glaubenssätze zeitweilig zu suspendieren. Sie haben die Wirkung, manche der Annahmen ins Bewußtsein zu heben, die man als Mitglied einer bestimmten Gruppe mit bestimmten Normen, Glaubenshaltungen und Einstellungen macht. Über die Vorstellungen zu lernen, die von Menschen in anderen Gesellschaften gemacht werden, und sich von den eigenen vielleicht grundsätzlich unterscheiden, trägt dazu bei, manche der eigenen Annahmen zu beleuchten, und hilft daher, deutlich zu machen, was bisher stillschweigend angenommen worden war. Wenn dies einmal geschehen ist, ist der Weg zu einem volleren Verständnis des eigenen soziokulturellen Systems offen. 4

4 In der poetischen Sprache von Rudyard Kipling (The Collected Works of Rudyard Kipling, vol. 27, pp. 375-376, Doubleday, Doran & Company, 1941):

All good people agree,

And all good people say,

That all nice people like Us are We,

And everyone else is They:

But if you cross over the sea, Instead of over the way,

You may end by (think of it!) looking on We As only a sort of They!

Dieses Handbuch wurde in der Hoffnung geschrieben, Ihre Vertrautheit mit der Anthropologie zu fördern und Ihnen dabei zu helfen, die ersten Schritte zum Erlangen der anthropologischen Perspektive zu tun: Es ist dazu bestimmt, Ihre Einführung in eine Wissenschaft zu erleichtern, deren Ziel es ist, das faszinierendste von allen Geschöpfen zu verstehen - das faszinierendste wenigstens für die Menschen selbst. 5

5 Anthropologie lernt man dadurch, daß man ihre Grundgedanken mit persönlichen Beobachtungen in Beziehung setzt, daß sie also nicht einfach ein System von abstrakten Ideen ist. Das bloße Memorieren der Inhalte dieses Handbuches wird unproduktiv bleiben, wenn der Leser nicht lernt, dieses Material mit seinen (oder ihren) eigenen Erfahrungen in Beziehung zu setzen. Dieses Ziel ist jedoch nicht an sich selbst ein Hauptzweck des vorliegenden Handbuches; es wird besser durch ergänzende Lektüre erreicht. Dementsprechend habe ich es nützlich gefunden, den Studenten an dieser Stelle die Lektüre von "One Hundred Per Cent American" (Linton 1937) und ,,Body Ritual among the Nacirema" (Miner 1956) nahezulegen, entweder indem ich ihnen diese Artikel zur Lektüre aufgab oder indem ich sie in der Lehrveranstaltung laut vorlas. Letzteres ist wirkungsvoller und bewirkt gewöhnlich eine intensive Diskussion, deren Stimmung während der ganzen Veranstaltung aufrechterhalten werden kann.

Inhaltsverzeichnis.

Teil I Einführung.

Kapitel 1: Was ist Anthropologie? Kennzeichen der Anthropologie. Vergleichende Methode. Holismus. Forschungsschwerpunkt. Teilgebiete der Anthropologie. Das Sammeln anthropologischer Daten: die Feldforschung. Der Gebrauch anthropologischer Daten: Kulturrelativismus versus Ethnozentrismus

Kapitel 2: Kultur und Gesellschaft. Zwei Hauptbetrachtungsweisen von Kultur. Die totalistische Betrachtungsweise. Die mentalistische Betrachtungsweise. Gesellschaft. Das Kulturelle und das Soziale: Einfluß der Linguistik.

Kapitel 3 Einleitung: Evolutionäre und institutionelle Übersichten. Der evolutionäre Ansatz. Der institutionelle Ansatz.

Teil II Evolutionäre Übersicht.

Kapitel 4 Wildbeutertum. Kennzeichen der Wildbeuter-(Jäger und Sammler-) Gesellschaften. Ethnographisches Beispiel: Eine Subgruppe der Nacirema Italo-Amerikaner im West End von Boston

Teil III Institutionelle Übersicht.

Kapitel 9 Einleitung: Die Ordnung sozialer Beziehungen. Rolle und Status. Kategorie und Gruppe. Formale und informelle Gruppen. Primär- und Sekundärgruppen. Korporierte Gruppen. Lebenszyklus. Geburt. Pränatale Tabus/Der Geburtsvorgang/Postnatale Praktiken. Kindheit. Sozialisation. Sozialisierungsagenten. Aufseher/Gleichaltrige/Lächerlichmachen/Tratsch/Ausschließung/ übernatürliche Sanktionen/Hexerei/Blutrache/Das Selbst. Pubertät. Erwachsenenalter. Tod. Altersstufen und Altersklassen. Zyklische und Progressive Altersklassensysteme. Ethnographischcs Beispiel. Benachbarte und alternierende Generationen. Primogenitur und Ultimogenitur. Assoziationen auf nichtverwandtschaftlicher Grundlage. Freiwillige und unfreiwillige Assoziationen. Typologie der Assoziationen. Ungleichheit oder soziale Schichtung. Kastensysteme und Klassensysteme. Sozial Verachtete und Sklaven.

Kapitel 10 Wirtschaftliche Organisationen. Produktion 185 Verteilung. Distribution innerhalb einer Gesellschaft 186 Reziprozität/Redistribution/ Marktaustausch Austausch zwischen Gesellschaften 189 Reziprozität zwischen Gesellschaften: einfacher Handel/ "Redistribution" zwischen Gesellschaften/Marktaustausch Verbrauch.

Kapitel 11 Politische Organisation. Horden. Stämme. Segmentäre Gesellschaften. Politische Führer in segmentären Gesellschaften. Häuptlingstümer. Staaten. Macht. Autorität. Recht und Krieg. Recht. Krieg. Kriege/Fehden/Raubzüge Kriegerisches Verhalten im Kulturvergleich. Die Hordenebene / Die Stammesebene / Die Staatsebene

Kapitel 12 Verwandtschaft, Deszendenz und Residenz. Verwandtschaft. Symbole und Grundbegriffe. Typen von Verwandtschaftsterminologien. Hawaii- oder Generationen-System/Eskimo- oder Linien-System. Irokesen-System/Crow- und Omaha-System/Sudan-System. Wirkliche und klassifikatorische Verwandte. Bluts- und Affinalverwandte. Deszendenz. Unilineale Deszendenz / Kognatische oder bilaterale Deszendenz. Agnatische und uterine Verwandte. Soziozentrische Einheiten. Deszendenzkategorien und Deszendenzgruppen / Lokal- oder residentielle Gruppen/Lineage und Klan/Phratrie und Moiety. Egozentrische Einheiten. Residenz. Residenzregeln und -muster. Residenztypen

Kapitel 13 Ehe und Familie. Bemerkung über den Inzest. Ehe. Kennzeichen der Ehe. Begriffsdefinitionen. Typen von Heiratssystemen. Elementare Heiratssysteme/ Bint'amm / Komplexe Systeme. Praktiken im Zusammenhang mit der Ehe. Heiratszahlungen/Sekundäre Heiraten (Levirat; Sororat; Frauenerbschaft). Familie und Haushalt. Familiengruppen. Typen von Familiengruppen. Einfache Familiengruppen/Komplexe oder zusammengesetzte Familiengruppen.

Kapitel 14 Religion. Das Problem der Definition. Funktionen der Religion. Erklärungsfunktionen. Unterstützungsfunktionen. Psychologische Verstärkungsfunktionen. Grundbegriffe. Personal. Handlungen. Supernatur. Religion und Magie. Betrachtungsweisen der Religion. Die soziologische Betrachtungsweise. Hordengesellschaften (Polytheismus)/Stammesgesellschaften, Staatsgesellschaften (Monotheismus) /Revitalisierungsbewegungen. Die kulturwissenschaftliche Betrachtungsweise.


LV Gizewski SS 2004.

Bearbeitet für das Internet: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .