Die Archäologie als ursprünglich antikenkundliche Nachbarwissenschaft der Alten Geschichte: David Whitehouse, Ursprung und Entwicklung der Archäologie. *

Text entnommen aus: Andrew Sheratt (Hg.), Die Cambridge-Enzyklopädie der Archäologie. Aus dem Englischen übertragen von C. Bruder u. v. a., München 1980, S. 16 - 24 und 453.


Spekulationen über die Vergangenheit des Menschen, bisweilen verbunden mit der Vorwegnahme sehr moderner Anschauungen, gehen bis in die klassische Antike zurück, aber eine ernsthafte Beschäftigung mit den Denkmälern und Erzeugnissen der Antike setzte erst in der Renaissance ein, und die methodische Analyse größerer Materialkomplexe entwickelte sich sogar erst im 18. und 19. Jahrhundert. Dabei waren es vor allem drei Anstöße, die die Archäologie zu einer systematischen Wissenschaft werden ließen: einmal das Studium der antiken Überlieferung, wie sie uns aus dem Klassischen Altertum und dem Alten Orient erhalten blieb, zum anderen auch die Entdeckung der Vergangenheit Europas durch Denkmäler und Funde und schließlich ein im Gefolge geologischer und biologischer Forschung einsetzendes Studium der Ursprünge des Menschen.

Altertumsforscher in der Renaissance.

Die Beschäftigung mit der klassischen Antike begann im 15. Jahrhundert in Italien. Zunächst galt das Interesse nur der Literatur, aber bald wollte man auch die Orte und Schauplätze kennenlernen, von denen die Texte berichteten. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts legten Herzog Cosimo I. de Medici und Papst Sixtus IV. in Florenz und Rom Sammlungen an, die Münzen und Gemmen, aber auch rundplastische Bildwerke enthielten. Im 16. Jahrhundert begannen dann Architekten die Ruinen römischer Bauten zu untersuchen und antike Motive zu verarbeiten. Darüber hinaus aber trugen sie zum Schmuck der Paläste ihrer Gönner antike Skulpturen zusammen. So untersuchte z. B. Andrea Palladio die Ruinen von Palestrina und Rom', und Piero Ligorio unternahm Ausgrabungen an der Hadrians-Villa in Tivoli. Die vielfältigen Bemühungen der Altertumsforscher gipfelten schließlich in den Ausgrabungen von Pompeji seit 1748 und von Herculaneum seit 1709, wozu eine Grabungslizenz der Bourbonenkönige von Neapel notwendig war. Inzwischen hatte allerdings die klassische Antike das Interesse der Wissenschaftler und Sammler in ganz Europa erregt. So ging im Anschluß an das Studium der klassischen Kunst in Griechenland auch Johann Joachim Winckelmann (1711-1768) nach Rom und brachte dort zwischen 1764 und 1767 seine berühmten Beschreibungen der Monumenti antichi inediti (2 Bde., 1767) zu Papier, ein Meilenstein in der Geschichte der Kunstbetrachtung. Ihm folgten andere Wissenschaftler, die Denkmäler und antike Objekte bestimmter Gebiete beschrieben2, während zur gleichen Zeit Sammler wie Sir William Hamilton kistenweise Vasen und andere Antiquitäten abtransportierten.

In England erwachte das Interesse am Altertum im 16. Jahrhundert als Folge der verschiedenen topographischen Vermessungen, die damals durchgeführt wurden. 1533 wurde John Leland zum Königlichen Altertumsforscher ernannt und bereiste danach England und Wales speziell unter dem Gesichtspunkt der Aufnahme von Altertümern. William Camden besichtigte Stonehenge und den Hadrianswall und nahm Beschreibungen dieser Sehenswürdigkeiten in sein 1586 erschienenes Werk Britannia au Andere Autoren wie Robert Plot, der naturgeschichtliche Bücher üb Oxfordshire und Staffordshire verfaßte, fügten auch Bemerkungen üb Fundobjekte aus der Vergangenheit und die Fundstätten ein. So entstai den damals auch die diversen Sammlungen von Kuriosita und Raritätei wie etwa die von John Tradescant, dessen »Kuriositätenkabinett« zi Kernzelle des Ashmolean-Museums in Oxford wurde. Im 18. Jahrhunde kam es zu einer Blüte praktischer archäologischer und altertumskundlich( Forschungen, wie als Beispiel u. a. die Arbeiten von William Stukeley3 un William Borlase4 belegen.

Auf dem Kontinent galt das besondere Interesse den frühen Bewohner Europas. 1643 veröffentlichte der Däne Ole Worm einen Bericht übc frühe Denkmäler Dänemarks - vor allem Steine mit Runeninschriften un megalithische »Altäre« hatten es ihm angetan -, und Gustav Adolf I (1611-1632) richtete damals bereits eine Antikenverwaltung ein. T Frankreich war es die Entdeckung des Grabes des Frankenkönigs Childe rich aus dem 5. Jahrhundert, das 1653 die Phantasie der Archäologen be flügelte. Aber auch hier erregten Megalithe Aufmerksamkeit, und schoi bald grub de Robien (1698-1750) an mehreren Plätzen bei Karnak. Zwi sehen 1719 und 1724 verhalf dann vor allem das Werk L'Antiquité Expli quée et Rep résentée en Figures von Bernard de Montfaucon dem systemati sehen Studium antiker Objekte zu wesentlichen Fortschritten.

Die Entstehung von Ordnungsprinzipien.

Der ständige Erwerb von Altertümern, ob nun durch zufällige Entdeckungen oder Grabungen, warf das Problem der Klassifizierung auf. Offensichtlich stammten nicht alle Objekte aus der gleichen Zeit, aber wie sollte man Gegenstände aus der einen von solchen aus einer anderen Epoche unterscheiden? Das Problem stellte sich vor allem in Nordwesteuropa, wohin die Römer nicht vorgedrungen waren und wo man von früheren, vormittelalterlichen Bewohnern kaum etwas wußte.

Der erste Ansatz, um Ordnung in das Chaos zu bringen, ging von Christian Jurgensen Thomsen (1788-1865) aus. 1806 hatte die dänische Regierung eine Kommission ernannt, die sich mit Fragen der Geologie und Naturgeschichte Dänemarks befassen sollte. Thomsen war der Sekretär dieser Kommission, und als 1816 ein Nationalmuseum gegründet wurde, wurde er hier der erste Direktor. In beiden Positionen sah er sich einer Masse von Altertümern gegenüber, die er nun zunächst einmal ordnete, und zwar nach dem Material, aus dem sie bestanden, also Stein, Bronze und Eisen. Es bedurfte jetzt nur mehr eines kleinen Schritts, um diese drei Gruppen von Artefakten als stellvertretend für drei chronologische Perioden zu erkennen, eine Konzeption, die sich bereits bei dem lateinischen Dichter Lucretius findet und die Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland bereits allgemein üblich war. Thomsens »Drei Zeitalter« fanden bald überall Anwendung, und so übernahm auch Sven Nilsson (1787-1883) das System für seine 1834 erschienene Arbeit über die Ursprünge der Jagd und in einem späteren Buch-l. Thomsen selbst veröffentlichte eine volle Darlegung seiner Ideen allerdings erst 1836 6.

Thomsens Assistent am Nationalmuseum war J. J. A. Worsaae (1821-1885), der später selbst zum Nachfolger Thomsens aufstieg und einen wichtigen Platz in der Geschichte der Archäologie einnimmt, weil er, ermutigt durch ethnographische Parallelen, ebenfalls das Dreiperiodensystem übernahm; zum anderen aber - und darin liegt sein Hauptverdienst wegen seiner sorgfältigen Ausgrabungen. Anstatt wie bislang in den Muschelhaufen und Grabhügeln nur nach den bedeutendsten Objekten zu wühlen, beobachtete er ihre Lage im Verhältnis zu darüberliegenden Ablagerungen und auch sonstige Zusammenhänge so sorgfältig, daß geschlossene Funde festgestellt werden und bestimmte Funde auch bestimmten Stufen in der Geschichte eines Fundplatzes zugewiesen werden konnten. Bei seinen Torfmoorgrabungen war er der erste, der das Vorkommen unterschiedlicher Vegetationsarten als zusammenhängende Abfolge (Sequenz) erkannte und in dieser Hinsicht spätere palöobotanische Arbeiten voraussah 7.

Auch in den Alpenländern machte die archäologische Forschung Fortschritte. Der außerdem niedrige Wasserstand des Zürcher Sees 1853/54 hatte zur Folge, daß die ersten prähistorischen Seeufersiedlungen (»Pfahlbauten«) zum Vorschein kamen. In den darauf folgenden 20 Jahren untersuchte dann Ferdinand Keller (1800-188 1) diese und andere Fundstätten, und bereits 1875 waren mehr als 200 einstige Seeufersiedlungen bekannt. Früher, nämlich schon 1846, war der eisenzeitliche Friedhof von Hallstatt in Österreich entdeckt worden, der in den anschließenden 18 Jahren von Eduard von Sacken ausgegraben wurde 8.

Im Jahre 1865 veröffentlichte John Lubbock (1834-1914) mit seiner Arbeit Prehistoric Times eine der besten archäologischen Übersichtswerke, die im 19. Jahrhundert in England entstanden. Er unterteilte darin die Steinzeit in eine frühe Phase mit zugeschlagenen (flaked) Steinwerkzeugen, das Paläolithikum, und eine spätere Periode der polierten Steinäxte, das Neolithikum. Die von Thomsen ins Leben gerufene typologische Analyse war so zu einem der Ecksteine archäologischer Forschungsmethoden geworden, zu deren jüngeren Exponenten auch Sir John Evans (1823-1908) gehörte, der vor allem über vorrömische Münzen sowie über Stein- und Bronzegeräte gearbeitet hat. In Schweden trat Oscar Montelius (1843 -192 1) mit einem differenzierteren typologischen System an die Öffentlichkeit 9, und dessen Schüler E. Salm publizierte dann die erste systematische Analyse frühmittelalterlicher Metallarbeiten 10. Die Anwendung des Prinzips der Typologie in Verbindung mit dem Studium vergesellschafteter Funde, wie etwa Bronzehorten, ermöglichten es schließlich Paul Reinecke (1872-1958), eine detaillierte Abfolge für die Bronze- und Eisenzeit in Mitteleuropa aufzustellen.

Das Dreiperiodensystem erregte nun auch das Interesse der gebildeten Öffentlichkeit und vor allem das der Ethnologen. General Augustus Henry Pitt Rivers (geb. Lane-Fox, 1827-1900), der übrigens während seiner Militärlaufbahn entscheidend zur Entwicklung des Gewehrs beigetragen hat, wandte als erster die Vorstellung von einer evolutionären Entwicklung sowohl auf die antiken als auch auf die ethnologischen Artefakte an 11.

Die verschiedenen Kulturstufen wurden nun genauer unterteilt: aus dem rein technologischen Schema entwickelte sich die postulierte Abfolge der Lebensformen. Sven Nilsson benutzte in der gleichen Arbeit, in der er auch das Dreiperiodensystem verwendete 12, völkerkundliches Material, um eine Abfolge von vier sozioökonomischen Entwicklungsstufen vorzuschlagen: Wildheit, Wanderhirtentum, seßhaftes Bauerntum und Zivilisation, letztere definiert durch die Kenntnis von Lesen und Schreiben, Verwendung von Geld und Arbeitsteilung. Nilssons vergleichende Methode wurde von dem Oxforder Völkerkundler Sir Edward Tylor (1832 - 1917) übernommen, der seinerseits eine Dreiteilung vorschlug: Wildheit, Barbarei und Zivilisation 13. Tylors Hypothese wurde von dem amerikanischen Anthropologen Lewis H. Morgan in seinem Buch 'Die Urgesellschaft' (1877) so ausgebaut, daß eine siebenfache Unterteilung entstand: diese setzt sich zunächst aus drei Stadien der Wildheit zusammen, und zwar bis zur Entdeckung des Feuers, bis zum Gebrauch des Bogens und bis zur Erfindung der Keramik; anschließend folgen bei ihm drei Stadien der Barbarei, nämlich bis zur Domestizierung von Tieren, bis zur Verwendung von Eisen und bis zur Einführrung der Schrift. Die des Lesens und Schreibens kundige Zivilisation wurde dann von ihm nicht mehr unterteilt.

Diese Gedanken, die großen Einfluß auf Karl Marx (1818 - 1883), aber stärker noch auf Friedrich Engels (1820 - 1895) hatten 14, legten gemeinsam mit den Thesen zur biologischen Evolution, die in den Forschungen von Charles Darwin gepfelten ..., den Grundstein für eine neue Sicht der Vergangenheit des Menschen.

Das Alter der Menschheit.

Als Führer durch die Vergangenheit des Menschen diente bis in das 19. Jahrhundert hinein der Bericht der Bibel. DasAlte Testament verzeichnet in chronologischer Reihenfolge die Ereignisse von der Schöpfung bis zur Entstehung der einzelnen Hochkulturen, wie sie in der klassischen Literatur aufgezeichnet waren, so das Alte Ägypten, Babylonien und Persien. In wörtlicher Auslegung der Bibel kam der Erzbischof James Usher (1581 - 1656) im Jahre 1650 zu der Berechnung, daß dei Schöpfung sich im Jahre 4004 v. Chr. Geburt zugetragen haben müsse. Damit also schien die Bibel zu belegen, daß die Geschichte der Erde insgesamt nicht einmal ganze 6000 Jahre betragen habe, wovon etwa die Hälfte auf die alten Kulturen entfalle.

Die Antwort auf die Frage nach den Fossilien glaubte man in der Genesis zu finden, in der beschrieben wird, wie zu Zeiten Noahs die Sintflut die Erde verschlungen und alles vernichtet habe, was sich nicht auf seine Arche hatte flüchten können. Daraus resultierte die »Diluvialtheorie«, die besagte, daß alle fossilen Reste eine Folge der biblischen Sintflut seien.

Größeren Weitblick bewies dann allerdings John Frere aus Norfolk. So schrieb er 1797 an die Society ofAntiquaries in London über einige Feuersteingeräte, die gerade in einer Ziegelgrube in Hoxne entdeckt worden waren, sie seien »von Menschen hergestellt und benutzt worden, die noch kein Metall verwendet haben... Die Lage, in der diese Waffen gefunden worden sind, läßt uns vermuten, daß sie in weit zurückliegender Zeit entstanden sein dürften, noch früher als unsere bestehende Welt«. In den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts bedeuteten Freres Vermutungen, die ja ganz offenbar den einmaligen Schöpfungsakt in Zweifel zogen, ein außerordentliches Wagnis. Dennoch stand er damit keineswegs allein. So vertrat z.B. in Frankreich Baron Georges Cuvier (1769-1832) die Auffassung, daß es mehrere Katastrophen wie die Sintflut vor der Erschaffung des Menschen und der heutigen Fauna gegeben haben müsse. Aber während noch Cuvier und andere Anhänger der »Katastrophentheorie« versuchten, den großen Reichtum an unterschiedlichsten Fossilien mit der Bibel in Einklang zu bringen, behauptete James Hutton (1726-1797) aus Edinburgh bereits, daß die verschiedenen geologischen Ablagerungen auf gar keinen Fall das Ergebnis von Katastrophen sein könnten, sondern durch die gleichen natürlichen Prozesse entstanden seien, wie man sie auch heute noch beobachten könne'5. Huttons »Einheitstheorie« wurde dann systematisch von Sir Charles Lyell (1797-1875), dem Vater der modernen Geologie'6, weiter ausgearbeitet, wobei er davon ausging, daß wesentlich mehr als 6000 Jahre seit der Entstehung der Welt verstrichen sein mußten.

Während Geologen wie Lyell bereits davon überzeugt waren, daß die Erde eher von Entwicklungsprozessen der Natur als durch göttliches Eingreifen geformt worden war, äußerten nun auch die Biologen Zweifel am biblischen Schöpfungsbericht. So ist, obwohl die Evolutionstheorie zu Recht mit dem Namen Charles Darwin (1809 -1882) verbunden wird, dieser nicht der erste gewesen, der die These aufgestellt hat, daß sich durch Umwandlung eine Spezies aus der anderen entwickelt habe. Schon sein Großvater Erasmus Darwin (1731-1802) hatte geschrieben, daß die gegenwärtig lebenden Arten mit denen der Vergangenheit durch eine »unaufhörliche Transformation« verbunden seien. Und in Frankreich vertrat Jean-Baptiste dc Lamarck (1744-1829) zu gleicher Zeit die Auffassung, daß sich die Arten als Folge von Veränderungen in ihrer Umgebung verändert hätten. Auch Herbert Spencer (1820-1903) hatte schon vor Darwin über die Evolution geschrieben und gelehrt. Darwin selbst meinte dann während einer Reise auf der »Beagle« 1831-1836 einen Transformationsmechanismus entdeckt zu haben. Anlaß dafür war, daß er auf den entlegenen calapagos4nseln im Pazifik festgestellt hatte, daß jede der Inseln eine eigene Finkenart aufwies und, obwohl diese Varianten alle miteinander verwandt waren, doch jede bestimmte Eigenheiten besaß, die den jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepaßt waren. Nach der Lektüre von Thomas Malthus' (1766-1834) Das Bevölkerungsgesetz im Jahre 1838 schloß er, daß solche Anpassungen aus einem ständigen »Kampf ums Überleben« resultierten, durch den bestimmte Individuen gleichsam selektiv überlebten. 1859 veröffentlichte Darwin seine Theorie mit einer vollständigen Dokumentation unter dem Titel 'Die Entstehung der Arten' durch natürliche Zuchtwahl, ein Werk, dessen Bedeutung für die Frage des Ursprungs des Menschen große Folgen hatte, und dies vor allem auch für die Theologen. Bis 1871 wartete Darwin dann allerdings, ehe er nun in 'Die Abstammung des Menschen' eindeutig erklärte, daß die Evolutionstheorie wie auf die Tiere so auch auf den Menschen zutreffe. Zu dieser Zeit aber waren die Geologen bereits überzeugt, daß von Menschen hergestellte Erzeugnisse in Schichten weit vor der Zeit von 4004 v. Chr. vorkommen und sich anhand der archäologischen Beweise auch die Vorstellung vom hohen Alter der Menschheit belegen lasse.

Etwa seit 1820 kamen dann Wissenschaftler in verschiedenen Teilen Europas unabhängig voneinander zu dem Schluß, daß der Mensch bereits mit einigen Tierarten zusammengelebt habe, die heute ausgestorben sind: so entdeckte Tournal im Jahre 1828 in der Höhle von Bize in Frankreich menschliche Überreste zusammen mit den Knochen ausgestorbener Tiere, und auch Schmerling fand damals in einer Höhle bei Engis in Belgien zusammen mit Feuersteingeräten und Menschenknochen auch Knochen von Mammut und Rhinozeros, Funde, die er 1833/34 veröffentlichte. Schließlich stieß auch in England der Pater J. MacEnery in einer Höhle (Kent's Cavern) bei Torquay auf Feuersteingeräte, die, vermischt mit den Knochen ausgestorbener Tierarten, von einer Stalagmitenschicht bedeckt waren.

Doch auch diese Entdeckungen konnten die Anhänger der Katastrophentheorie nicht überzeugen, und so wurde das hohe Alter der Menschheit erst im Jahre 1859, als Die Entstehung derArten erschien, wirklich unbestreitbar bewiesen. William Pengelly, der MacEnery als Grabungsleiter Kent's Cavern ablöste, begann mit eigenen Ausgrabungen in einer neuentdeckten Höhle beim nahegelegenen Brixham. Diese in den Jahren 1858/59 durchgeführte Grabung wurde zum Testfall im Streit um den Ursprung des Menschen; denn sie erbrachte schließlich genau das, was fortschrittliche Denker erwartet hatten, nämlich Feuersteingeräte neben den Knochen ausgestorbener Tierarten, und alles war von Stalagmitenablagerungen überdeckt. Inzwischen hatte auch Jacques Boucher de Perthes, ein Zollbeamter in Abbeville an der Somme, eine große Menge an heute dem Alt-Paläolithikum zuzurechnenden Feuersteingeräten in örtlichen Kiesgruben gesammelt, die wie die Brisham-Höhle auch Knochen ausgestorbener Tiere enthielten. Nachdem dann 1858 auch der britische Paläontologe Hugh Falconer gemeinsam mit dem Geologen Joseph Prestwich und dem Altertumsforscher John Evans durch einen Besuch in Abbeville vom hohen Alter der Feuersteingeräte von Abbeville überzeugt wurden und sich schließlich auch Lyell für diese Ansicht stark machte, zweifelte von da an kaum noch ein Wissenschaftler mehr am hohen Alter des Menschen.

Diese Ansicht wurde durch die bereits allgemein akzeptierte Erkenntnis gestützt, daß es noch in relativ junger erdgeschichtlicher Vergangenheit Veränderungen in der Umwelt gegeben haben müsse, und zwar in Gestalt einer Eiszeit. Schon in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts war die Meinung geäußert worden, daß die Alpengletscher einst eine größere Ausdehnung gehabt haben mußten, und bis 1875 hatte man ähnliches auch für andere Gegenden Europas erkannt. Sorgfältige Studien der Gletscherablagerungen in den Alpen führten zu der Erkenntnis, daß das Eis Phasen des Vorrückens ebenso wie solche des Rückzugs gehabt haben mußte, Phasen, die in dem 1909 erschienenen grundlegenden Werk Die Alpen im Eiszeitalter von A. Penck und E. Brückner nach verschiedenen Alpenflüssen benannt wurden.

Im Jahre 1860 begann der französische Rechtsanwalt Edouard Lartet (1807-1871) in Aurignac (Haute Garonne) Überreste aus dem Altertum zu studieren, und mit der Unterstützung des englischen Bankiers Henry. Christy untersuchte er dann ab 1863 auch die Höhlen und Felsüberhänge der Dordogne, was dazu führte, daß die heute als Jung-Paläolithikum bezeichnete Epoche als solche erkannt wurde. Zu den untersuchten Fundstätten gehörten auch berühmte Orte wie Gorge d'Enfer, Laugerie Haute, La Madelaine und Le Moustier. Christy und Lartet legten schließlich zwischen 1865 und 1875 ihre als klassisch zu bezeichnenden Monographien Reliquiae Aquitanicae vor. Lartet unterteilte die Fundstätten anhand der Überreste der Fauna in aufeinanderfolgende Perioden, wobei als Indizien das Vorkommen des Höhlenbären, des Mammuts, des Rentiers und des Bisons galten, Christy dagegen unterschied anhand von Feuersteingeräten, wie sie z. B. in den Funden aus Flußkiesen an der Somme belegt waren, eine frühe Phase, eine mittlere anhand von Höhlen- und eine späte Phase anhand von Oberflächenfunden.

Doch beide Systeme sollten schon bald wieder überholt sein. So behauptete 1869 Lartets Schüler Gabriel de Mortillet (1828-1898), daß sich die auf den Tierarten aufbauende Klassifizierung nicht bewähre, und vertrat demgegenüber ein auf den menschlichen Artefakten basierendes System. So benannte er die einzelnen Fundkomplexe nach den verschiedenen Fundorten und stellte damit die Abfolge Moustérien (nach dem Ort Le Moustier), Solutréen (Solutré), Aurignacien (Aurignac) und Magdalénien (La Madelaine) auf (siehe Kap. 12 u. 13). Obwohl auch dieses System inzwischen noch weiter modifiziert worden ist, war es doch ein Meilenstein auf dem Weg der Erforschung des Paläolithikums.

Spektakulärer allerdings als die Funde von Feuersteingeräten und für viele auch weit schwieriger zu akzeptieren war die Entdeckung der paläolithischen Kunst. Einer ihrer frühesten Entdecker war der spanische Marquis dc Sautuola, der 1875 auf die berühmten Malereien in der Höhle von Altamira bei Santander gestoßen war und von Anfang an die Auffassung vertreten hatte, daß die Malereien das gleiche Alter wie die paläolithischen Schichten auf dem Boden der Höhle aufweisen müßten.

Sobald man den Gedanken der Evolution auch auf den Menschen anwandte, hatte sich die Frage nach seiner Abstammung gestellt und besonders, in welcher Beziehung er zu den ihm äußerlich am ähnlichsten Lebewesen, den Menschenaffen, stehe. Knochenfunde des Frühmenschen, die noch vor den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts gemacht worden waren, hatte man zunächst entweder ignoriert oder falsch interpretiert. So war auch das berühmte Schädelfragment aus Neandertal bei Düsseldorf, das 1856 gefunden wurde, als neuzeitliche pathologische Abnormität erklärt worden, obwohl Thomas Henry Huxley schon 1864 feststellte, es könne eigentlich nur von einem Menschen der Frühzeit stammen. Doch seither wurden menschliche Fossilien bereitwilliger in ihrer wahren Bedeutung akzeptiert und so auch die Grabstätten aus dem Jung-Paläolithikum in Cro-Magnon (1868), Grimaldi (1872) und der Grotte des Enfants (1874/75) bereits bei ihrem Auffinden als Überreste prähistorischer Menschen erkannt, obwohl diese Skelette eine fast vollständige Übereinstimmung mit dem Knochengerüst des heutigen Menschen aufwiesen und über die Entwicklung des Menschen nichts aussagten. Zu den ersten Funden, die als einem möglichen echten Vorfahren des Menschen zugehörig erkannt wurden, zählen jene Schädeldeckenreste und ein Oberschenkelknochen, die Eugene Dubois 1891 bei Trinil auf Java bergen konnte. Die Knochen mit unzweifelhaften Merkmalen von Primitivität wurden seinerzeit als Beweis für das Vorhandensein der Spezies Pithecanthropus erect genommen (Pithecanthropus = Menschaffe; erectus = aufrecht, d.h. nach dem Hüftknochen zu schließen: aufrecht gehend). Ähnliche Funde gelangen dann zwischen 1926 und 1941 auch in Choukoutien bei Peking: Anthropologen rechnen heute die Funde von Java und Peking gemeinsam einer frühen Spezies, dem Homo erectus.

Heute wird der Neandertaler als eine frühe Variante des Homo sapiens betrachtet, dessen einstiges Aussehen Marcellin Boule, ein berühmter französischer Anthropologe, der das Skelett von La Chapelle untersuchte, rekonstruierte: eine nach vorn gebeugte Kreatur mit niedriger schweren Brauenbögen und fliehendem Kinn - die Karikatur des » Steinzeitmenschen«. Boule hat sich jedoch insofern geirrt, als das Skelett Anzeichen einer chronischen Arthritis aufweist; heute besteht kein Zweifel mehr darüber, daß der gesunde Neandertaler tatsächlich bereits auechtf gegangen ist; aber das alte Image blieb ihm.

1924 wurden zunächst in Taung in Südafrika sowie zwischen 1930 und 1950 im Bereich von Sterkfontein und Swartkrans weitere Fossilfunde gemacht, die einer anderen menschlichen Spezies zuzurechnen waren. Raymond Dart, der eigentliche Entdecker des Fundes von Taung, nannte diese Spezies, die ein primitiveres Lebewesen als der Homo erectus darstellt, Australopithecus africanus (südafrikanischer Menschenaffe). Damit erreichte die Geschichte der Herausbildung des Menschen noch weiter in den Bereich Darwinscher Evolution zurück.

Archäologie in Ägypten.

Bereits in der klassischen Antike und im Mittelalter hatte Ägypten das Interesse der Altertumsforscher erregt, und nicht zuletzt galt diesem die Aufmerksamkeit wegen seiner engen Verknüpfung mit dem Alten Testament. Die wissenschaftliche Erforschung Ägyptens begann jedoch erst 1798 mit dem Einmarsch Napoleons. In Begleitung seines Expeditionsheeres, das drei Jahre in Ägypten verbrachte, befand sich eine Gruppe von Wissenschaftlern, die eine vollständige wissenschaftliche Aufnahme nahmen. Ihre Ergebnisse wurden zwischen 1809 und 1828 vorgeleglegt. Als bedeutendste Entdeckung erwies sich zunächst der 1799 gefundene » Stein von Rosette« mit einer zweisprachigen Inschrift - Ägyptisch (in Hieroglyphen und in der Kursivschrift, Demotisch) und Griechisch. Der Engländer Thomas Young, der die koptische Sprache (aus dem alten Ägyptisch abgeleitet) kannte, begann als erster die Arbeit der Entzifferung, aber die vollständige Übersetzung gelang 1824 dem französischen Gelehrten Jean-François Champollion 17. Die Ägyptologie wurde in dieser Epoche bald außerordentlich populär, und ägyptische Altertümer wurden in zunehmendem Maße nach Europa gebracht. Zu diesen frühen »Sammlern« gehörte auch Giovanni Belzoni, der selbst nach Ägypten reiste und dort skrupellos abräumte.

In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts gründete Auguste Ferdinand Mariette (1821-1881) angesichts wachsender Proteste gegen Antikenraub die staatliche Altertümerverwaltung in Ägypten. Er hatte an sich für den Louvre Papyri erwerben sollen, doch angesichts der rücksichtslosen Plünderung antiker Stätten drang er bei den Behörden auf die Einrichtung einer Bodendenkmalpflege, und 1857 wurde er zum Direkto Ägyptischen Altertümerverwaltung ernannt. Mit den archäologisschen Forschungen Gaston Masperos (1846-1910), der Mariette als Direktor des Service des Antiquités nachgefolgt war, und Sir Flinders Petrie (1853-1942) machte die Agyptologie in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts große Fortschritte.

Auf Petrie vor allem ist es zurückzuführen, wenn von nun an nicht nur die kunstgeschichtlich bedeutsamen Funde, sondern sämtliche Artefakte einer Fundstelle eingehendem Studium unterzogen wurden. Petrie war ein überaus erfolgreicher Ausgräber, und vor allem publizierte er seine Ergebnisse prompt. Anhand des vorgeschichtlichen Friedhofs von Negade erarbeitete er das System des sequence dating, mittels derer aus einer Abfolge von geschlossenen Grabfunden und den darin auftretenden Fundvergesellschaftungen eine relative Chronologie aufgestellt wird. Petries Grabungsaktivität u. a. in Naukratis, Tell el-Amarna, verschiedenen Stätten im Faijüm und in Abydos trug wesentlich zu einem neuen Verständnis des Alten Ägypten bei, und seine Grabungstechniken hatten starke Auswirkungen auf die Archäologie insgesamt.

Mesopotamien und der Vordere Orient.

In Mesopotamien wurden die ersten Archäologen vornehmlich in zwei Bereichen tätig: einmal identifizierten sie aus der Literatur bekannte Orte mit vorhandenen Fundplätzen und führten dort Ausgrabungen durch, und zum anderen arbeiteten sie an der Lesung von Texten. Die ersten Schritte zur Entzifferung der antiken Aufzeichnungen wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Gefolge einer Reise Karsten Niebuhrs im Jahre 1765 nach Persepolis unternommen, wo er mehrere Inschriften kopiert hatte. Inschriften der Achämeniden, d. h. des Alten Persiens, wie die in Persepolis, Naqsch-i-Rustam und vor allem Bisitun, sind nicht selten dreisprachig, d. h. sie sind Altpersisch, Babylonisch und Elamisch in Keilschrift abgefaßt. Den Schlüssel zur Entzifferung lieferte das Altpersische; denn in den zoroastrischen heiligen Texten, dem Awesta, ist eine frühe Form des Persischen enthalten. Sobald man nun aufgrund der Analogien mit dem Awesta die altpersischen Wörter übersetzen konnte, erschlossen sich auch die babylonischen und elamischen Versionen.

Einen ersten Teilerfolg bei der Aufschlüsselung des Altpersischen hatte Georg Friedrich Grotefend zu verzeichnen, der sich auf Niebuhrs Persepolis-Abschriften stützte18. 1802 legte Grotefend der Göttinger Akademie seine Ergebnisse vor, doch sie wurden nie publiziert. Darum gilt im allgemeinen Sir Henry Creswick Rawlinson (1810-1895), der die kaum zugänglichen Felsinschriften bei Bisitun im Westiran zwischen 1835 und 1845 kopiert hatte, als der Entzifferer. Rawlinson übersetzte die altpersischen Texte und machte sich dann an die schwierigere Aufgabe der Übertragung der babylonischen Silbenschrift-Version. Sein Anspruch, die Keilschriftinschriften übersetzt zu haben, wurde 1857 bestätigt, als die drei Gelehrten William Henry Fox Talbot (1800-1877), E. Hincks und Jules Oppert (1825-1905) der Royal Asiatic Society die gleichen übersetzten Texte vorlegten, unabhängig von Rawlinson, aber von seiner Methode ausgehend. Die Übersetzungen stimmten praktisch überein.

Aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts liegen auch die ersten eigentlichen archäologischen Forschungen in diesem Bereich des Vorderen Orients vor19. Claudius James Rich (1787-1820) war 1808 britischer Resident - was etwa dem Konsul entspricht - in Bagdad geworden und suchte zahlreiche archaische Stätten im Irak auf. 1811 führte er eine topographische Aufnahme Babylons durch, und seine weiteren Untersuchungen dort, die er 1818 publizierte, »erschöpften alle Untersuchungsmöglichkeiten, die ohne Ausgrabungen gegeben sind«20. Richs Altertümersammlung ging 1825 in den Besitz des British Museum über.

Tatsächliche Ausgrabungen begannen im Jahre 1842 durch Paul-Emile Botta in Ninive. Von dort begab er sich im darauffolgenden Jahr nach Chorsabad, wo durch einen Zufall Skulpturen ans Licht gekommen waren. Sehr bald entdeckte Botta den Palast Sargons II. (721-705 v. Chr.) mit seinen herrlichen Reliefs. Von dem bedeutenden Fund benachrichtigt, sandte die französische Regierung den Zeichner M. E. Flandrin, der sich der Grabungsmannschaft Bottas anschloß. 1846 bereits hatte man viele der Reliefs entfernt und in den Louvre gebracht. Bottas Werk 'Monuments de Ninivé' erschien 1849/50. Inzwischen hatte eine engliche Expedition unter Leistung von Sir Austen Henry Layard (1847 - 1894) in Nimrud die Arbeit aufgenommen, wo von 1845-1847 gegraben wurde. Die wichtigsten Funde gelangten ins British Museum, das die Grabungen finanziert hatte.

Die Grabungstätigkeit französischer und britischer Teams im Irak wurde 1855 durch den Ausbruch des Krimkrieges unterbrochen und erst in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts erhielt die Archäologie in Mesopotamien wieder starken Auftrieb. George Smith vom British Museum hatte eine zerbrochene Keilschrifttafel aus Ninive mit dem Text eines Epos gefunden, dessen Inhalt die Beschreibung einer der biblischen Sintflut ähnelnden Überschwemmungskatastrophe bildet. Eine Grabungsexpedition sollte nun den verlorenen Teil der Schrifttafel suchen - und hatte bereits nach fünf Tagen Feldarbeit Erfolg. 1877 starb Smith in Aleppo, und seine Stelle als Leiter des Grabungsteams des British Museum nahm Hormuzd Rassam ein, der bereits mit Layard zusammengearbeitet und 1852 den Palast Assurbanipals in Nimrud gefunden hatte. Rassam grub nun an mehreren Stellen in Syrien, der östlichen Türkei und im Zweistromland, u. a. in Tell Balawat (1878) und Tell Habbah (1880), dem alten Sippar.

Unter Leitung ihres Konsuls in Basra, Ernest de Sarzec, gruben die Franzosen im südlichen Irak, zunächst in Tello. Die 1877 begonnene Arbeit legte zum ersten Mal eine sumerische Stadt frei: Lagasch. Zu den spektakulärsten Funden gehörten mehrere rundplastische Skulpturen, darunter das berühmte Bildnis des Stadtfürsten Gudea von Lagasch, das sich heute im Louvre befindet.

Das beginnende 20. Jahrhundert wurde dann Zeuge einer Reihe von großangelegten, zum Teil deutschen Grabungsprojekten: Robert Koldewey (1855-1929) ging nach Babylon und Walter Andrae (1875-1956) nach Assur. Um die Jahrhundertwende begannen auch die umfangreichen Kampagnen der Franzosen in Susa unter der Leitung von Jacques de Morgan (1875-1924). Dabei wurden nun zum ersten Mal Techniken der archäologischen und philologischen Analyse methodisch angewandt. Von den zahlreichen weiteren Grabungsunternehmen sollen in diesem Zusammenhang nur noch einige wenige hervorgehoben werden, so die Arbeit von Sir Leonard Woolley (1880-1960) in al-Ubaid und Ur, die den Reichtum der frühen mesopotamischen Kulturen zutage förderte, während die langandauernden deutschen Grabungen in Uruk (dem heutigen Warka und dem biblischen Erech) Aufschlüsse über den Beginn urbaner Lebensformen erbrachten. Französische Ausgräber in Man legten einen bedeutenden königlichen Palast (siehe Kap. 17) frei. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs boten die vielen Grabungsberichte nunmehr die Voraussetzung für die Erforschung der gesellschaftlichen Verhältnisse in der Frühzeit Mesopotamiens.

Ähnlich verlief die Geschichte der archäologischen Erforschung Palästinas. Nach einer Reihe von topographischen Aufnahmen, in deren Verlauf die aus dem Fels gehauene Nabatäerstadt Petra 1809 entdeckt wurde, begann man in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit Grabungen. Der Palestine Exploration Fund, eine Institution, die sich wie ihr auf Ägypten bezogenes Gegenstück vor allem mit biblischer Archäologie befaßte, wurde 1865 in London gegründet und begann 1867 mit Ausgrabungen in Jerusalem. An weiteren frühen Grabungen seien ferner die von Petne in Tell el-Hesi (1891/92) und die von R. A. S. Macalister in Tell Jezer, dem alten Gezer, genannt. Von 1901-1905 arbeitete die Deutsche Orientgesellschaft in Megiddo, wo später noch einmal das Oriental Institute of Chicago tätig wurde. Evans' Assistent in Knossos, Duncan Mackenzie, arbeitete 1911/12 in Am Schems, dem alten Beit Schemesch. Damit begann sich auch die Vorgeschichte Palästinas abzuzeichnen.

Archäologie in der Ägäis.

Als Begründer der Vorgeschichtsforschung in der Ägäis ist zu Recht stets Heinrich Schliemann (1822-1887) gefeiert worden. Nachdem er als Kaufmann ein Vermögen zusammengebracht hatte, zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und widmete sich, von der Lektüre Homers angeregt, ganz der Archäologie. Durch seine Überzeugung, die Beschreibung Homers von Troja sei wörtlich zu nehmen, d. h. sie beziehe sich auf einen bestimmten Ort, konnte er die Lage der alten Stadt auf dem Hügel von Hissarlik bestimmen, wo er von 1871 an grub. Von 1874-1876 arbeitete er in Mykene, 1880 in Orchomenos und 1884/85 in Tiryns. Von seiner Meinung, daß die Epen Homers direkte historische Ereignisse festhielten, ging er nicht ab, und darum erhielten auch zwei Gräber in Mykene die reiner Phantasie entspringende Zuweisung an Agamemnon und Klytemnästra. Dennoch bereiteten seine Pioniertaten den Weg für eine Reihe von Untersuchungen von Stätten vorklassischer Zeit. Die British School in Athen grub in Phylakopi (1894/95) aus, Sir John Myers auf Zypern und der griechische Archäologe Tsountas in Vapheio, Mykenä und Athen. Am sensationellsten aber gestalteten sich die Ausgrabungen von Sir Arthur Evans in Knossos. Die schnell fortschreitende Freilegung brachte eine vor-mykenische Kultur ans Licht, die Evans »minoisch« nannte. Knossos erwies sich als Palastanlage mit freskenverzierten Wänden 21; die chronologische Einordnung kam durch Funde ägyptischer Importe, die durch Petries Arbeiten datiert werden konnten, zustande.

Darüber hinaus erfuhren auch das klassische Griechenland und Rom, deren Erforschung schon früher eingesetzt hatte, zunehmend die Aufmerksamkeit der Archäologen, und so wurden nicht nur die Stätten mit noch stehenden Denkmälern eingehenderen Studien unterzogen, sondern es traten auch ganz neue Aspekte hinzu, wie etwa der Friedhof am Dipylon (d. h. »Doppeltor«) in Athen. Als archäologisches Großprojekt wären vor allem die Grabungen in Pergamon in Kleinasien sowie die Freilegung etruskischer Gräber und die Ausgrabung der Stadt Tarquinia zu nennen.

Archäologie in Amerika.

Auch auf dem amerikanischen Kontinent folgte im 19. Jahrhundert - wie zuvor schon in der Alten Welt - die archäologische Feldarbeit mit der Klassifizierung und Beschreibung archäologischen Materials. Einer der frühen und aktivsten Archäologen dort war Thomas Jefferson (1743 -1826), später der dritte Präsident der Vereinigten Staaten, der 1784 zahlreiche Grabhügel öffnete, um so ihr Alter festzustellen. Auch die prähistorischen Kultanlagen in Ohio, Mississippi und anderswo erregten beträchtliche Aufmerksamkeit und wurden besonders von Ephraim G. Squier und E. H. Davis22 sorgfältigst registriert. Mit gleicher Intensität ging man auch der Frage nach dem Alter der Menschen in Amerika nach. In diesem Zusammenhang verdient vor allem Frederick Ward Putnam, ein bedeutender Forscher, genannt zu werden, unter dessen Leitung das Peabody-Museum seinen großen Ruf begründete.

Inzwischen hatte man aber auch die vorkolumbischen Kulturen in Zentral- und Südamerika aufgesucht und die dort gewonnenen Ergebnisse bereits publiziert. In Zentralamerika waren es die Pioniere J. L. Stephens und sein Zeichner Frederick Catherwood, die in den Jahren zwischen 1839 und 1842 die Zentren Uxmal, Copan, Palenque und Chichén Itzá der untergegangenen Mayakultur entdeckten. Catherwoods minutiöse Zeichnungen sind nicht umsonst weltberühmt geworden und gehören ohne Zweifel zu den besten Aufnahmen archäologischer Denkmäler vor der Erfindung der Fotografie. Schließlich begannen in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts auch die so wichtigen archäologischen Untersuchungen durch Max Uhle (1856-1944) in Peru.

Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert wurden dann in immer größerem Umfang stratigraphische Grabungen durchgeführt, und man bemühte sich nun auch um zusammenfassende Auswertungen. Die Forschungsarbeit auf dem Sektor Vorgeschichte wurde mehr und mehr mit ethnographischen Untersuchungen an noch existierenden Indianerstämmen verknüpft, um Vergleichsmaterial für die früheren Kulturen zu gewinnen. Insbesondere galt das Interesse den Pueblo-Indianern im Südwesten der USA, die im Hinblick auf die Frage nach frühen Ackerbaukulturen in diesem Gebiet ebenso ins wissenschaftliche Blickfeld rückten wie die Muschelhügel von Kalifornien, die die Grundlage für Verhaltensanalysen der Jäger und Sammler wurden. Viele Kult- und Grabhügel wurden im Südosten der USA ausgegraben, wobei die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Gefolge der Wirtschaftskrise in den dreißiger Jahren besondere Gelegenheit boten, erheblich mehr Arbeitskräfte für die Archäologie einzusetzen. Detaillierte typologische Arbeiten schlossen quantitative und statistische Untersuchungen ebenso ein wie die Seriation (sequence dating). Hinzu kamen vergleichende Studien, um gleichzeitig auch eine Synthese der regionalen Entwicklung zu erreichen. Alfred Kidder war es vor allem, der die im Südwesten erzielten Ergebnisse zusammenfaßte23, während dies für Mittelamerika von Herbert Spinden24 geleistet wurde.

Der Ferne Osten und Afrika.

Die Erforschung der Länder in Übersee schloß natürlicherweise auch die Aufnahme der verschiedenen dort vorhandenen Denkmäler ein. Am systematischsten geschah das in Indien, wo 1863 der »Archaeological Survey of India« eingerichtet wurde. Diese Institution führte nicht nur eine detaillierte Erfassung auf dem Subkontinent durch, sondern zeichnete auch verantwortlich für die Entdeckung einer der ältesten unabhängigen Hochkulturen der Menschheit, der Induskultur: 1921 und 1922 wurden hier die größten Städte, Harappa und Mohenjo-Daro, ausgegraben, jenes Mohenjo-Daro, das dann später von Sir Mortimer Wheeler (1890-1976) erneut untersucht wurde.

Die lange Vorgeschichte, die vor der Entstehung der chinesischen Hochkultur liegt, wurde vor allem durch Schweden bekannt gemacht, von denen besonders J.G. Andersson (1874-1960) zu nennen ist, dem die Entdeckung des neolithischen Dorfes Yang Shao zu danken ist. Die hohe Bedeutung dieser Kultur der Frühzeit ist erst kürzlich wieder durch chinesische Grabungen, die man in den Jahren 1953-1955 in Pan-p'o-ts'un vornahm, bestätigt worden. Die Höhle von Choukoutien mit ihren Überresten des Homo erectus, die für das Paläolithikum von so entscheidender Bedeutung ist, hatten bereits zwischen 1927 und 1937 Davidson Black und Wen Chung Pei ausgegraben.

Zentralasien wurde um die Jahrhundertwende vor allem von Sir Aurel Stein erforscht, der den ganzen archäologischen Reichtum dieser Region deutlich machte und das in wachsendem Maße von russischen Archäologen zusammengestellte Material wesentlich vervollständigte.

In Australien und Ozeanien entwickelten sich archäologische Forschungsarbeiten als Nebeneffekt völkerkundlicher Studien. In Australien wurde dabei nicht nur das chronologische Gerüst für die Untersuchung von Felsmalereien geschaffen, sondern auch das hohe Alter der Ureinwohner nachgewiesen, deren Vorgeschichte sich weit zurück bis ins Pleistozän verfolgen läßt. Demgegenüber waren die polynesischen Inseln verhältnismäßig spät besiedelt worden, wie die Forscher herausfanden.

In Afrika bot eine Vielfalt von Kulturen, angefangen mit der der Buschmänner bis hin zu den differenzierten Gesellschaftsformen Westafrikas, ein besonders reiches Feld für die Ethnologen. Das Studium paläolithischen Materials und der damit vergesellschafteten Funde von Frühzeitmenschen sicherte in jedem Fall internationales Interesse. Auch die Felsmalereien der Buschmänner wurden bald zu einem bevorzugten Ziel, während die Kunst späterer Kulturen, wie etwa die der Benin, bereits vor jeder ernsthaften archäologischen Forschung von Sammlern entdeckt worden war. Schließlich wurden auch die Ruinen von Zimbabwe untersucht und ihre Herkunft aus lokalem Bantu-Kontext ermittelt, so daß die früher geäußerten Ansichten über ihre exotischen Ursprünge mit Sicherheit widerlegt werden konnten.

Europäische Archäologie im 20. Jahrhundert.

Das typologische Studium von Einzelfunden, das die archäologische Arbeit des 19. Jahrhunderts beherrscht hatte, machte allmählich einer genaueren Untersuchung einzelner Stätten Platz, hatte sich doch die Ausgrabungstechnik von der Schatzsuche abgewandt und mehr und mehr einem systematischen Vorgehen verschrieben, das der Bergung von Material aus bekanntem Zusammenhang galt. Die Technik modernen Grabens hatte in England vor allem General Pitt Rivers vorangetrieben, der in Dorset ein Gut geerbt hatte und sich dort nach seiner Pensionierung fast ausschließlich seinen archäologischen Interessen widmen konnte. So legte er nicht nur eine Sammlung vorgeschichtlicher Funde an, sondern begann auch eine Reihe sorgfältigster Grabungen, die ihn bekannt machten und in deren Verlauf er die Methode der Grabungsdokumentation entwickelte.

Während sein Maßstab längst nicht überall archäologischen Arbeiten zugrunde gelegt wurde und sich erst verhältnismäßig spät in unserer Zeit auch allgemein durchsetzen konnte, erbrachten die neuen Methoden nicht nur mehr Informationen über die schichtenmäßige Abfolge von Gegenstandstypen, sondern auch über Haus- und Siedlungsformen.

Ausgrabungen von Tells auf dem Balkan, wie z. B. in Vinéa in Jugoslawien und Sesklo in Thessalien, erbrachten speziell dank dieser Beobachtungen eine große Informationsdichte: das Skelett der reinen Typenabfolge von Metallgegenständen und Keramik wurde so gleichsam mit dem dazugehörigen Fleisch ausgestattet.

Je mehr sich allerdings das Bild vom Geschehen in der Vorgeschichte abrundete und vervollständigte, um so drängender stellte sich nun auch die Frage nach dem Ursprung der europäischen Kulturen. Nationalisten, die wie Gustav Kossinna (1858-193 1) mit eingehenden Kenntnissen zur Vorgeschichte Nordeuropas ausgestattet waren, beharrten auf dem lokalen Ursprung der verschiedenen einander ablösenden Völkerschaften; andere aber, die wie Carl Schuchhart (1859-1943) vor allem Osteuropa und den Vorderen Orient kannten, sahen über weite Entfernungen hinweg verblüffende Ähnlichkeiten und vertraten deshalb die Ansicht, alle neuen Formen materieller Kultur stammten aus dem Vorderen Orient. So war schon vom Prinzip her der Boden für einen lange andauernden Streit zwischen den Anhängern einer heimischen lokalen Evolution der europäischen Gesellschaften und denen bereitet, die den Vorgang einer Ausbreitung von den Zentren einer höheren Kulturstufe zu erkennen glaubten.

Eingehende Detailarbeit in vielen Gegenden Europas schuf die Basis für zusammenfassende Übersichtswerke zur europäischen Vorgeschichte. So veröffentlichte Schuchhart 1919 sein Buch Alteuropa, in dem er systematisch Material aus verschiedenen Gebieten zu Kulturen ordnet: Charakteristische und wiederkehrende Vergesellschaftung von Funden, die - in Analogie zu Stämmen der Völkerwanderungszeit - als Zeugnisse unterschiedlicher Völkerschaften verstanden wurden, deren Wanderungen aus der Verbreitung ihrer materiellen Hinterlassenschaft rekonstruiert werden können. Den englischsprachigen Wissenschaftlern wurden seine Ansichten dann vor allem durch V. Gordon Childe (1892-1957) weitervermittelt.

Childe, der selbst in Australien geboren war, hatte wegen seines Studiums der Philologie und Archäologie der Ägäis, und hier besonders der Werke Evans, Oxford als Wohnsitz gewählt und unternahm auch ausgedehnte Reisen nach Osteuropa. Seine Forschungsergebnisse faßte er später in zwei Büchern zusammen, die zu Klassikern der Literatur zur Vorund Frühgeschichte werden: The Dawn of European Civilization (1925) und The Danube in Prehistory (1929); das erstgenannte wurde bis zu seinem Tode mehrfach wieder aufgelegt. Eine ähnliche Zusammenfassung legte er auch für den Vorderen Orient in dem Werk The Most Ancient East (1928) vor, das ebenfalls mehrere Neuauflagen erlebte. Vom Standpunkt des gemäßigten »Diffusionisten« aus, jah Childe die Vorgeschichte Europas als Prozeß an, der sich unter fortgesetzter Beeinflussung aus dem Vorderen Orient abspielte. Und diese Konzeption blieb bis in die sechziger Jahre unseres Jahrhunderts eine Grundvorstellung archäologischen Denkens.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zeitigte für die Wissenschaft sowohl in Europa wie anderswo einen beträchtlichen Zuwachs archäologischer Daten, deren Bergen und Sammeln aber von Konzeptionen bestimmt wurde, die noch im Jahrhundert zuvor zustande gekommen waren. Die systematische Aufbereitung archäologischer Daten, also der wirklich entscheidende Fortschritt, der hinsichtlich Klassifizierung der materiellen Kultur und der Rekonstruktion chronologischer Abfolgen erzielt werden konnte, bietet auch für künftige Weiterentwicklungen von Interpretationen und Techniken eine feste Grundlage.

ANMERKUNGEN

* Der hier wiedergegebene Aufsatz von David Whitehouse ist einer von mehreren Beiträgen zum Thema 'Die Entwicklung der modernen Archäologie' in der von Andrew Sheratt unter Beteiligung vieler Fachgelehrter herausgegebenen 'Cambridge-Enzyklopädie der Archäologie' (weiter Beiträge: A. Sheratt, Die wissenschfatliche Revolution in der Archäologie, S. Shennan, Archäologische Feldforschung; I. Hodder, Analyse und Interpretation; R. Dennell, Wirtschaftsarchäologie; D. Nash, Historische Anthropologie; C. Renfrew, Jüngste Fortschritte und Tendenzen). In den anderen Beiträgen werden eingehender die Neuerungen, ja 'Revolutionen' in den Forschungsmethoden, der Feldarchäologie und den theoretischen Entwicklungen der Archäologie in den letzten Jahrzehnten dargestellt. Ergänzend zu dem hier wiedergegebenen Beitrag von D. Whitehouse sei deshalb ein Zitat aus dem Aufsatz von C. Renfrew angefügt:

"Archäologie alten Stils beschränkte sich meist auf die Bergung der materiellen Hinterlassenschaft vergangener Zeit. Man führte Grabungen durch und fügte die Funde, die man dabei machte, zu einer Art Mosaik aneinander - mit anderen Worten: Der Archäologe setzte, um Vere Gordon Childe zu zitieren, »die Vergangenheit stückchenweise zusammen«. Heute kann man hoffen, daß die Archäologie im Begriff ist, mehr als das zu werden, nämlich eine Quelle neuer Erkenntnisse über die Natur des Menschen, über seine Ursprünge und die Entwicklung seiner Kultur, daß sie uns die gewaltigen Veränderungen begreifen läßt, die wir jetzt als die entscheidenden Schritte in der menschlichen Kulturentwicklung erkennen: vom Jagen und Sammeln zur produzierenden Nahrungswirtschaft, von einfachen, kleinen Sozialgemeinschaften zu komplexen Staatsgebilden.

Bis vor etwa zwei Jahrzehnten war archäologische Arbeit überwiegend materialorientiert und beschäftigte sich vor allem mit der rationellen Gewinnung von Daten. Heutige Archäologie ist problemorientiert (oder sollte es zumindest sein): ihr geht es um Ideen, Hypothesen, Theorien und selbstverständlich auch um deren Zusammenhang mit dem vorliegenden Belegmaterial. So gesehen, sind die wichtigsten neueren Fortschritte und die interessantesten Forschungstrends diejenigen, die im Bereich der Formulierung neuer Theorien und der Verknüpfung von Theorie und empirischer Beobachtung zu verzeichnen sind. Tatsächlich ist das Endziel eine allgemeine Theorie, die auf alle bedeutenden Umgestaltungsprozesse anwendbar ist und vom allgemeinen Modell her eine befriedigende Deutung der wesentlichen Züge jedes Einzel- und Sonderfalles erlaubt. Notwendige Voraussetzung hierfür ist besonderes Begreifen des Zustandekommens archäologischer Schichten und Funde. In der Tat kennzeichnet eine eingehende Beschäftigung mit Fundstättenentwicklung und der Variationsbreite von Fundobjekten einige der interessantesten neueren Arbeiten. Nun gilt es, zwischen abstrakten Modellen und der Arbeit »vor Ort« in der archäologischen Feldpraxis ein logisches Bindeglied zu schaffen, das Lewis Binford als "Middle Range Theory" bezeichnet - eine Theorie, die es ermöglicht, zwischen dem vorhandenen (und insofern zeitgenössischen) archäologischen Datenmaterial auf der einen Seite sowie den verfügbaren Theorien und Modellen, in denen sich unsere Auffassung von den Entwicklungstendenzen einstiger Kultursysteme niederschlägt, eine Brücke zu spannen . In vielen Bereichen fehlt diese Brücke noch immer."

1 Andrea Palladio, Le Antichitá di Roma (Roma, 1554).

2 Zum Beispiel, J. Stuart and N. Revett, Antiquities of Athens (London, 1762-1830) and Antiquities of lonia (London, 1797-1811).

3 William Stukely, Itinerarium Curiosum (London, 1724).

4 William Borlase, Historical and monumental antiquities of the county of Cornwall. (London, s. a.)

5 Sven Nilsson, Skandinaviska Nordens Ur-in vânare (Lund, 1838-43).

6 Christian Jurgensen Thomsen, Ledetraad til Nordisk Oldkyndighed (Kjöben havn, 1836).

7 J.J.A. Worsaae, Danmarks Oldtid (Kjöbenhavn, 1842).

8 Eduard von Sacken, Das Grabfeld von Hallstatt in Oberösterreich und dessen Alterthümer (Wien, 1868).

9 Oscar Montelius, La civilisation primitive en Italic depuis l'introduction des metaux (Stockholm, Berlin, 1895-19 19), Die Chronologie der ältesten Bronzezeit in Norddeutschland und Skandinavien (Braunschweig, 1900).

10 E. Salm, Die Altgermanische Tierornamentik (1904).

11 Colonel A. Lane-Fox, 'On the Principles of Classification Adopted in the Arrangement of His Anthropological Collection', Journal of the Anthropological Institute, 4 (1874), ein Bericht über ein Arbeitspapier von 1874.

12 Sven Niisson, Skandinaviska Nordens Ur-in vönare (Lund, 1838-43).

13 Sir Edward Tylor,Anthropology: An Introduction to the Study of Man and Civilization (London, 1881).

14 Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates (Hottingen, Zürich, 1884).

15 James Hutton, The Theory of the Earth (London, Edinburgh, 1795-1899).

16 Sir Charles Lyell, Principles of Geology (London, 1830-33).

17 Jean-Francois Champollion, Précis d' an système hiCroglyphique des anciens égyptiens (Paris, 1824).

18 M. Pope, The Study of Decipherment (London, 1975).

19 S. Lloyd, Foundations in the Dust (London, 1947).

20 Lloyd, Foundations in the Dust.

21 Sir Arthur Evans, The Palace of Minos at Knossos (London, 1921-35).

22 E. G. Squier and E. H. Davis, Ancient Monuments of the Mississippi Valley (Washington, D.C., 1848).

23 A. Kidder, Introduction to the Study of South-Western Archaeology (New York, 1924).

24 Herbert Joseph Spinden, Ancient Civilizations of Mexico and Central America (New York, 1928).


LV Gizewski SS 2004.

Bearbeitet für das Internet: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de