Zum Variantenreichteum antiker und nachantiker Zeitrechnung. Aus: Hans Lietzmann, Kurt Aland, Zeitrechnung der römischen Kaiserzeit, des Mittelalters und der Neuzeit.

Text - mit in eckigen Klammern markierten Modifikationen für den Internetgebrauch - auszugsweise entnommen aus: Hans Lietzmann, Kurt Aland, Zeitrechnung der römischen Kaiserzeit, des Mittelalters und der Neuzeit für die Jahre 1 - 2000 nach Christus, Berlin 1956 3, S. 4 - 11.


Vorbemerkung.

[Diese mit tabellarischen Übersichten versehene Einführung in die die Chronologie der römischen Kaiserzeit und der nachfolgenden Epochen europäischer Geschichte] enthält das wichtigste Material zur bequemen Feststellung oder nötigenfalls Berechnung aller Kalenderangaben für die Jahre 1000 - 2000 n. Chr. innerhalb unseres Kulturkreises. Es ermöglicht

1. die Umsetzung jeder Jahresangabe einer fremden Ära in die christliche Zeitrechnung,

2. die Feststellung des christlichen Fest- und Wochentagskalenders für jedes Jahr,

3. die Umwandlung fremder Monatsdaten in unsere Zählung,

4. die Bestimmung der Datierurigen nach katholischen Fest- und Heiligentagen,

5. die annähernde Berechnung der Mondphasen für jedes Jahr.

Das Leben der Gegenwart, der Ausblick in die Zukunft, das Studium der \'ergangenheit nötigen jeden Menschen zu Fragen an den Kalender: dies Büchlein will dem Gelehrten wie dem Laien zu ihrer schnellen Beantwortung verhelfen.

Für eingehendere Studien sei auf die großen Werke gelehrter Forschung verwiesen: H. Grotefend, Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, 2 Bde. Hannover 1891 -1898. Derselbe, Taschenbuch der Zeitrechnung, 8. Aufl. 1941. F. K. Ginzel, Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie, 3 Bde., Leipzig 1906 -1914. Robert Schram, Kalendariographische und Chronologische Tafeln, Leipzig 1908. Wertvoll noch immer das alte Nachschlagewerk 'L'art de vérifier les dates' von den Benediktinern d'Antin, Ciemencet und Durand, Paris 1750, neue Ausgaben 1770, 1783-1787, stark erweitert von St. Allais 1818-1844. Darin findet man vor allem historisches Material über Regenten aller Länder und Ländchen von den Kaisern und Kalifen bis zu den Grafen und Herren kleiner Bezirke. Nützlich und bequem Oscar Fleischhauer, Kalendercompendium, Gotha 1884. Für die Datierungen nach römischen Konsuln und Kaiserjahren ist das Material übersichtlich zusarngestellt bei W. Li ebenam Fasti consulares imperii Romani von 30 v. Chr. bis 565 n. Chr. (Lietzmann's Kleine Texte Nr. 41-43. Gut orientierend J. Bauermann u. Rühle, ,,Chronologie" in 'Die Religion in Geschichte u. Gegenwart', 2. Aufl. I (1927), 1664 ff.

Die Jahre und ihre Kennzeichen.

1. Die ' christliche Ära' [Jahreszählung vor und nach Christi Geburt] ist die in der modernen Kulturwelt allgemein gültige. Sie ist von dem römischen Mönch Diortysius Exiguus erfunden und in seiner Ostertafel vom Jahre 532 zuerst angewendet worden. Seinem Beispiel folgen anfangs nur Gelehrte in chronograpiiisehen Werken, aber im 8. Jahrhundert finden wir Datierungen nach Christi Geburt schon vereinzelt auf Urkunden, privaten und königlichen; im 9. Jh. begegnen sie öfter, und seit dem 10. Jh. erscheint diese Datieruugsweise auch auf päpstlichen Urkunden. Schließlich wird sie im hohen Mittelalter allgemein üblich.

Schaltjahr ist im [innerhalb der 'christlichen Ära' üblich gebliebenen]"julianischen" [weil von Julius Cäsar eingeführten] Kalender jedes durch 4 teilbare Jahr ... 6 Die Jahre 1111(1 ihre Kennzeichen.


Will man ein Datum neuen Stils in alten Stil verwandeln,

so muß man subtrahieren.

Die Kalenderreform des Papstes Gregor XIII. ordnete an, daß bei den Jahrhundertzahlen 1700, 1800, 1900 die Schaltung wegfallen solle; bei 1600 und der Jahrtausendzahl 2000 wird geschaltet. Dieser "gregorianische" Kalender [auch "Kalender neuen Stils" genannt] wurde 1582 in Kraft gesetzt, und zwar so, daß mit einem Ruck der Fehler des alten Stils beseitigt und das Datum um 10 Tage vorgeschoben wurde: der 5. Oktober alten Stils wurde der 15. Oktober neuen Stils. Damit ergibt sich die Regel für Verwandlung von Daten alten Stils in neuen Stil. ...Der gregorianische Kalender wurde1582 in den katholischen Ländern des Südens und Westens ,1583 - 1584 und später im katholischen Deutschland und der katholischen Schweiz , 1610 im Herzogtum Preußen , 1617 in Kurland [dort 1796, bei einer Angleichung an die kalendarische Ordnung des Russischen Zarenreiches, wieder julianisch], ferner im protestantischen Deutschland und in der Schweiz [dort zum Teil auch später],1700 in Dänemark, 1752 in Großbritannien und 1753 in Schweden [das seit 1700 eigene Wege versucht und 1712 einen Februar von 30 Tagen gehabt hatte] eingeführt. ... I. J. 1872 sind Japan ,1916 Bulgarien , 1916 und [nochmals]1927 die Türkei ,1917 Rumänien und Rußland, 1918 [mit verbessertem Schaltverfahren und, wie schon die deutschen Protestanten 1700 -1776, seit 1923 mit astronomischer Ansetzung des Ostervollmonds] gefolgt. ...

2. Die [christlicher Tradition entstammende] 'Weltära der Griechen' oder 'Ära von Konstantinopel' wurde in Byzanz, zuerst im 7. Jh. n. Chr., gebraucht und hat sich schnell in der Literatur und den Urkunden der Byzantiner durchgesetzt. Diese Ära war in Rußland bis 1700 in Gebrauch. Sie zählt die Jahre nach einem aus alttestamentlichen Angaben künstlich errechneten Anfang der Welt: dieses Ereignis wird ins Jahr 5509 vor Christus, und zwar auf den 1. September, angesetzt, so daß also Jahr 1 nach Christus 5509 der Griechenära ist; am 1. September 1 n. Chr. beginnt das 5510. Jahr. ... Wenn wir z. B. lesen: 717 n. Chr.., so heißt das: das 'griechische' Jahr 6225 begann am 1. September 716 und endete am 31. August 717 n. Chr. ...

3. Die 'Seleukidenära', oft auch 'Ära Alexanders' genannt, rechnet nach einem nicht ganz sicher zu bestimmenden Ereignis aus der Periode der Diadochenkriege, d. h. der Kämpfe, welche die Marschälle Alexanders des Großen nach seinem Tode urn die Herrschaft führten. Jedenfalls beginnt sie im Herbst 312 v. Chr. und datiert also auf diesen Zeitpunkt die Begründung des Seleukidenreiches [in Syrien, Mesopotamien und einem Teil von Kleinasien]. Diese Ära ist in dem großen Gebiet dieses Reiches in Gebrauch gewesen und hat sich auch nach seinem Zerfall erhalten. Sie wurdevon den Orientalen übernommen und wird bei den syrischen Christen im Libanon heute noch verwendet. Ihr Jahresanfang ist der 1. Oktober, so daß also [zum Beispiel]... das Seleueidenjahr 1028 vom 1. Oktober 716 - 30. Septeniber 717 n. Chr. reicht .

4. Die [römisch-kaiserzeitlicher Tradition entstammende] 'Indiktion' gibt die Stelle des Jahres in einem 15 jährigen Zyklus an [der, besonders gekennzeichnet, in einer Folge von Zyklen steht]. Für diese [Jahreszählart, die traditionell auch 'Römerzinszahl" genannt wird] hat man einen Zusammenhang mit Steuerreformnen in Ägypten unter Diokletian i. J. 297 n. Chr. vermutet. Jedenfalls findet sie sich bald danach dauernd in griechischen Urkunden und in der Literatur. Auch das Abendland hat diese Datierung früh übernommen und dauernd beibehalten, [derart daß die 'Indiktion' noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufig in Kalendern für jedes Jahr angemerkt wurde]. Das 'griechische' [d. h. im spätantiken und mittelalterlichen Byzanz übliche] Indiktionsjahr, das im Westen besonders in Italien, zumal Unteritalien, Bedeutung hatte, beginnt mit dem byzantinischen Neujahr am 1. September. ... Die Indiktion 15 reichte [nach der in der in Byzanz herrschenden Tradition] vom 1. September 716 - 31. August 717, d. h. sie deckte sich genau mit dem Jahr 6225 der 'griechischen Ära'.. Auf den Papyri finden wir gelegentlich einen Anfang der Indiktion in der Mitte des Jahres: der war in Ägypten gebräuchlich, kommt aber sonst nicht vor [es gab noch weitere derartige, zweitweilig übliche Anfänge] ... Man erhält die Indiktion, indem man zu unserer christlichen Jahreszahl 3 addiert und dann durch 15 dividiert; der Rest (bzw., wenn kein Rest bleibt, 15) ist die Indiktion.

5. Der Sonntagsbuehstabe gibt an, welches Datum der erste Sonntag im Jahre hat: die Buchstaben A-G bezeichnen die ersten 7 Tage des Januar. Also Sonntagsbuchstabe C bedeutet, daß am 3. Januar Sonntag ist, wonach sich der ganze Wochentagskalender des Jahres bestimmt. Da aber im Schaltjahr die gewohnte Reihe der Tage durch dcii 29. Februar um 1 vermehrt wird, so fallen alle folgenden Soiintage 1 Tag früher, d. h. der Wochentagskalender verschiebt sich auf die Daten des vorangehenden Sonntagsbiichstaberis. Beispiel: bei D ist der 4. Januar Sonntag, also auch der 1., 8. , 15.. 22. Februar, der 1., 8. 15., 22., 29. März usw. Im Schaltjahr ist bei D ebenfalls der 1., 8., 15., 22. Februar Sonntag; dann folgt aber der 29. Februar als Sonntag, der 1. März wird Montag, und die nächsten Sonnlage sind 7. 14. 21. 28. März, wie es mi Gemeinjahr bei dem Sonntagsbuchstabeii C der Fall ist. Man gibt deshalb diesem Schaltjahr zwei Sonntagsbuchstaben DC und verfährt ebenso bei jedem andern Schaltjahr: der erste Sonntagsbuchstabe gilt für die Monate Januar und Februar, der zweite für März bis Dezember. ...

6. Das Osterdatum gibt den Tag des Ostersonntags an, der für die früheste Zeit natürlich nur schematisch berechnet ist. Genaue Angaben über die Daten der wirklich gefeierten Osterfeste haben wir erst seit dem 4. Jh. ... [Von 1583 an sind für das Osterfest verschiedene Datierungen zu beachten; neben dem 'julianischen' das 'gregorianische' Datum des "neuen Stils" und bei letzterem variierende Ansätze bei den deutschen Protestanten und anderwärts] .

7. Die mohammedanische Zeitrechnung beginnt mit deni Jahre der Flucht ['Hedschra', übersetzt "Auswanderung"] des Propheten von Mekka nach Medina, [nach 'christlicher Ära' i. J. 622 n. Chr.]. Sie fängt die Zählung an mit dem Neumond des 1. Moharrem, der astronomisch auf Donnerstag den 15. Juli fiel; da das Volk aber als Monatsbeginn das Erscheinen der ersten schmalen Mondsichel ansieht, gilt volkstümlich erst der nächste Tag, also Freitag der 16. Juli, als Epoche: danach rechnen die meisten Werke .... Gelegentlich wird aber auch nach Vorschrift der arabischen Astronomen der 15. Juli als Epoche angesetzt: das rückt alle Daten um einen Tag früher. Ist man bei einem arabischen Datum in Zweifel, nach welcher Weise gerechnet ist, so kann man die Entscheidung finden, sobald der Wochentag genannt ist. Im übrigen darf nicht vergessen werden, daß die Araber den Tag von Sonnenuntergang des vorhergehenden Tages an zählen. Das arabische Jahr besteht aus 12 Mondmonaten, die abwechselnd 30 und 29 Tage haben, hat also im ganzen 354 Tage. Schaltjahre von 355 Tagen sind jedes 2., 5., 7., 10., 13., 16., 18., 21., 24., 26., 29. Jahr eines Zyklus von 30 Jahren.... In Schaltjahren hat der letzte Monat Dsuhiddsche 30 Tage. Diese Kürze des Jahres bringt es mit sich, daß von uns aus gesehen das arabische Neujahr in jedem Jahr 10 oder 11 Tage früher fällt als im vorangegangenen und somit unsern ganzen Kalender rückwärts durchwandert. ... Der Neujahrstag im Jahr 350 der Hedschra war nach volksmäßiger Rechnung etwa der 20. Februar 961, genau gesagt der 19. Februar 961 bei Sonnenuntergang. Bei der Kürze des mohammedanischen Jahres kann es vorkommen, daß zwei Neujahrstage in eins unserer Jahre fallen: am 7. Januar 963 begann Jahr 354 der Hedschra, am 28. Dezember desselben Jahres 965 begann 355 der Hedschra.

Die arabischen Namen der Monate sind: 'Moharrem', 'Safar', 'Rebi el awwel' [d. h.: 'der erste Rebi'], 'Rebi el akhir' [d. h.: 'der zweite Rebi'], Dschumada el ula [d. h.: 'der erste Dschummada'], 'Dschumada el akhira' [d. h.: ('der zweite Dschummada'), 'Redscheb', 'Schaban', 'Ramadan', 'Schawwal', 'Dsul-Kade', 'Dsul-hiddsche'. In der Aussprache gibt es allerlei Varianten [einschließlich der altarabischen Formen] ... .

Andere Ären.

Die 'alexandrinisclie Weltära' des Mönchies Panodoros um 400 n. Chr. setzt die Erschaffung der Welt auf den 29. August 5493 v. Chr. Diese Rechnung findet sich vielfach bei ägyptischen Chronographien.

Die 'jüdische Weltära' ist allgemeiner seit dem 11. Jh. [nach Ch.] in Gebrauch, und zwar statt der Zählung nach ... der 'Seleukidenära'. Sie beginnt mit dem 7. Okt. 3761 v. Chr. Der Tag beginnt mit dem Sonnenuntergang des Vortages. Im Jahr 1900 n. Chr. haben wir z. B.das jüdische Weltjahr 5661, das dem Jahr 7409 der 'byzantinischen Weltära' entspricht.

Die 'diokletianisehe Ära', von den Christen oft 'Ära der Märtyrer' genannt, beginnt im Jahre des Regierungsantritts des Kaisers Diokletian am 29. August 284 n. Chr. Sie ist in Ägypten vielgebraucht und begegnet oft auf Papyrusurkunden. Zu der Jahreszahl dieser Ara addiere man 283, um das Jahr 'n. Chr.' zu erhalten, in dessen Herbst das 'diokletianische Jahr' beginnt. Ein Beispiel: Das Jahr 100 in der 'diokletianischen Ära' entspricht dem Zeitraum Herbst 383 Herbst 384 nach 'christlicher Ära'.

Die 'Olympiadenrechnung' beginnt im Jahre 776 v. Cur., und zwar im Sommer. Alle 4 Jahre ist eine olympische Festfeier, und diese werden gezählt; die dazwischen liegenden Jahre bezeichnet man mit [römisch] II. III. IV. In der Zeit nach Christus hat jedes auf ein Schaltjahr folgende Jahr eine Olympiade. Diese Zählung ist euch 'nach Christus' noch vielfach in chronologischen Werkeii gebraucht worden. Die Umrechnung in Jahre der christhchen Ara findet so statt: Man niultiplizieit das Olympiadenjahr mitt 4 und zieht davon 776 ab: dann erhält man das vierte Jahr der betreffenden Periode. ...

Die 'Ära der Provinz Arabia' oder 'Ära der Stadt Bostra' beginin am 22. März des Jahres106 n. Chr., in welchem Kaiser Trajan die Provinz Arabia errichtete; doch finden sich auch Daten, welche von 105 an rechnen. Die Umrechnung in 'christliche' Jahre erfolgt durch Addition von 105 (bzw. 104) zu der 'arabischen' Ärenzahl. Beispiel: das 'arabische' Jahr 383 entspricht einem Jahreszeitraum in den Jahren 383 + 104 bzw. 383 + 105, d. h. 488 bzw. 489 n. Chr., genau dem Jahr vom vom 22. März 488 bis 21. März 489.

Die 'spanische Ära' [spanisch kurzweg 'Era' genannt] geht, aus unbekanntem Grunde, vom 1. Jan. 38 v. Chr. aus. Belegt erst seit dem 5. Jh. n. Chr., hielt sie sich bis ins 14. und beginnende 15. Jh. [zuletzt wurde sie 1422 in Portugal abgeschafft]. Um 'christliche' Jahre zu erhalten, ziehe man 38 von der 'spanischen' Ärenzahl ab. Beispiel das Jahr der 'spanischen Ära' 438 enstpricht dem Jahre 400 n. Chr.

Die 'Ära der Stadt Rom' nach der Berechnung Varros beginnt am 21. April 753 v. Chr.; doch wird in der chroriologischen Praxis der Jahresanfang auf den 1. Januar angesetzt. Die Umsetzung von Jahren "nach der Gründung Roms" [lat. 'ab urbe condita'] findet für unsere Zeitrechnung so statt, daß man 753 von der Zahl 'ab urbe condita' abzieht. Dann erhält man das entsprechende Jahr nach Christus. Beispiel: das Jahr 953 'a. u. c.' ist das Jahr 953 - 753 = 200 n. Chr. Ist die Zahl a. u. c. kleiner als 754 (= 1 n. Chr.), so liegt das Datum vor Christus, und die Zahl muß von 754 abgezogen werden, um das 'vorchristliche' Jahr zu erhalten. Beispiel: 554 a. u. c. = 754 - 554 200 v. Chr.

Neben diesem varronischen Ansatz finden sich zuweilen andere. So beginnen z. B. die Fasti Capitolini - das unter Augustus aufgestellte Verzeichnis der Konsln, nach denen bis ins 6. Jh. n. Chr. im römischen Bereich amtlich datiert wurde - ein Jahr später. Es ist also 953 a.u.c.nach Varro = 952 a.u.c. nach Fasti Capitolini = 200 n. Chr., während 953 a. u. c. nach Fasti Capitolini = 954 a. u. c. Varro = 201 n. Chr. ist.

Die 'Ära der Stadt Antiochia' beginnt am 1. September [in variierender Form auch am 1. Oktober] 49 v. Chr. und bezeichnet das Jahr, in dem die Stadt durch Cäsar ihre Freiheit wiederbekam. Wenn man also von einer Jahreszahl dieser Ara 49 abzieht, so erhalt man das Jahr n. Chr., an dessen 1. September das genannte 'antiochienische' Jahr beginnt. Beispiel: das Jahr 528 der antiochischen Ära entspricht den Jahren 528 bzw. 529 - 49 = 479 bzw. 480 n. Chr., und zwar vom 1. September 479 bis 31. August 480. Doch gibt es einige Fälle, in denen als Epoche der Herbst 48 v. Chr. angenommen ist, wo wir also 48 abziehen müssen, um das 'christliche' Jahr zu bekommen.

Für die zahlreichen anderen [antiken] Städten, welche eine eigene 'Freiheitsära' von lokal beschränkter Bedeutung benutzten, sei noch die des phönizische Tyros [mit seinem Mondkalender] genannt .... Deren Beginn ist der19. Oktober 126 v. Chr. Man rechnet in christliche Zeitrechnung um, indem man kleinere Zahlen von 127 abzieht oder von größeren 126 abzieht: dann erhält man irm ersten Fall das Jahr vor Chr., im zweiten das Jahr nach Chr., an dessen 19. Oktober das betreffende 'tyrisclie' Jahr beginnt. ...


LV Gizewski SS 2004.

Bearbeitet für das Internet: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de