Das Arbeitsgebiet der Antiken Numismatik: Aus Karl Christ, Antike Numismatik.

Text auszugsweise - unter Weglassung der meisten bibliographischen Angaben - entnommen aus. Karl Christ, Antike Numismatik. Einführung und Bibliographie, Darmstadt 1991 3, S. 9 - 100.


I. ALLGEMEINE EINFÜHRUNG.

1. Gegenstand und Methoden der antiken Numismatik.

Im Gegensatz zur Münzkunde, die ihr Ziel in der Beschreibung, Bestimmung und systematischen Ordnung des Münzmaterials erblickte, hat die moderne wissenschaftliche Disziplin ,,Numismatik« ihren Aufgabenbereich erheblich weiter gefaßt. Sie sieht in der Münze ein »Denkmal mit Aussagen staatlicher, politischer, rechtlicher, religiöser, mythologischer, ästhetischer, paläographischer - überhaupt kultureller Art« (H. Gebhart), damit eine staatsrechtliche, speziell kunst-, wirtschafts- und religionsgeschichtliche, aber auch allgemein historische Quelle.

Die Disziplin sucht die Herstellungstechniken, die Organisation und die Tätigkeit der Prägestätten ebenso zu erforschen wie die Entwicklung der Münzkunst. Sie analysiert Münzmetalle und Gewichte, rekonstruiert die Geldsysteme und deren Verbreitung, die innere Geschichte der Währungen wie die äußere. Veränderungen in Münzgewicht und Metallzusammensetzung dienen ihr dabei als Pegel der Währungsgeschichte, als Symptome insbesondere der 'Wirtschaftskrisen und Inflationen. Aus Prägerecht und Prägehoheit schließt sie auf politische Machtverhältnisse und gesellschaftliche Strukturen, aus der Interpretation von Münzbildern und Münzlegenden gewinnt sie neue Erkenntnisse mannigfaltigster Art für die weiten Bereiche der politischen, Verfassungs-, Religions- und Geistesgeschichte. Aus Münzfunden endlich erforscht sie die Entwiddung des 'Währungsumlaufs, die Chronologie von Zerstörungshorizonten, die Okkupationsdauer in Siedlungen und Befestigungen, die Zeichen innerer Wirren, Usurpationen oder Kriege. In diesem modernen Verständnis ist die Numismatik deshalb einerseits Vorstufe der Geldgeschichte, anderseits eine Grundwissenschaft für zahlreiche, umfassendere Nachbardisziplinen, die sich heute in zunehmendem Maße bemühen, die Ergebnisse der numismatischen Forschung in ihre Synthesen einzubeziehen.

Das Arbeitsfeld der antiken Numismatik umspannt nicht allein die Räume des griechischen und römischen Münzwesens, die freilich imme noch im Mittelpunkt liegen, sondern darüber hinaus auch die Prägungen der orientalischen Reiche, der Lyder, Perser, Parther, Sassaniden, der hellenistischen Monarchien wie deren griechisch-baktrischer und griechisch-indischer Sonderformen. Die west- und ostkeltischen Münzserien gehören ebenso in ihren Bereich wie die Nachprägungen der Germanen und anderer Nachbarn des griechisch-römischen Kulturgebiets; die jüdische Numismatik, die Münzreihen Karthagos und die iberische Prägelandschaft stellen weitere Sonderbezirke dar. Hinzu kommt die Erforschung spezieller Kategorien, wie diejenige der Medaillons und Kontorniaten, sowie jener Serien, welche schließlich in das Aufgabengebiet der mittelalterlithei Numismatik hinüberleiten, der Prägungen der Völkerwanderungsreiche und der byzantinischen Münzen.

Nach einer summarischen Angabe von E. Babelon haben in der griechisch-hellenistischen Welt mehr als 1400 Städte oder Stämme und rund 500 Könige oder Dynasten ihr eigenes Geld geprägt. E. Bosch berechnet allein für Kleinasien die freilich problematische Zahl von 442 Prägestätten, selbst auf Sizilien hatten in vorrömischer Zeit immerhin rund 50 Städte und Plätze eigene Prägungen aufzuweisen. Angesichts dieser Vielfalt und der Zersplitterung des Münzguts stand in der Numismatik bis ins 19. Jahrhundert zunächst die systematische wissenschaftliche Erfassung aller antiken Münztypen in Gestalt umfassender Corpora im Vordergrund. Die klassischen Werke von J. Eckhel, Doctrina numorum veterum. 8 Bände. 1792-1798. 9. 1826. und T. M ion n e t, Description des médailles antiques grecques et romaines avec leur degré dc rareté et leur aestimation. 16 Bände. 1806-1837. stellen die Höhepunkte dieser Bestrebungen dar. Ein Torso blieb der gleichfalls universal angelegte, immer noch nützliche Traité des monnaies grecques et romaines von E. B ab e ion. (I. Theorie et doctrines. 1901. II. Description historique. 4 Bände und 4 Tafelbände, in denen die griechischen Prägungen bis ins 4. Jh. v. Chr. behandelt sind. 1907-1932.

In den letzten Jahrzehnten wurden solche enzyklopädischen Versuche nicht mehr gewagt. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Aktivität stand vielmehr die intensivere Bearbeitung von Teilbereichen, zudem setzte seit dem 19. Jahrhundert eine erstaunliche Differenzierung der Methoden ein. Während man sich lange Zeit damit begnügt hatte, aus den Münzen Kaiserreihen oder Galerien der Illustrium imagines zusammenzustellen oder die Münzbilder als Illustrationsmittel für die Angaben der antiken Autoren zu verwenden (Vgl. E. Spanhem De praestantia et usu numismatum antiquorum. 1717. J. Addison, Dialogues upon the usefulness of Ancient Medals, especially in relation to the Latin and Greek poets. 1746. = Misc. Works 3, 1830, 59ff.), begann nun, insbesondere im Bereich der römischen Numismatik, eine sehr viel schärfere Bild- und Legendeninterpretation, deren Ergebnisse unten bei den einzelnen Teilgebieten genannt sind. Die Impulse der Forschungen von A. Böckh, Fr. Hultsch und C. F. L ehm ann - H a U Pt führten zu genaueren Untersuchungen der Münzund Gewichtssysteme, wobei in der Gegenwart vor allem neue technische Methoden und Hilfsmittel (Metallanalyse, Spektrographische Untersuchungen u. a.) vordem verschlossene Wege öffneten.

Auch als Werke der Kleinkunst werden speziell die griechischen Münzen seit geraumer Zeit eingehender erforscht. Begünstigt durch die Möglichkeiten der modernen Photographie sind nun Vielfalt und Eigengesetzlichkeit der Münzkunst in wichtigen Monographien erläutert worden (K. Regung, Die antike Münze als Kunstwerk. 1924. C. H. V. Sutherland, Art in Coinage. 1955. P. R. Franke M. Hirmer, Die griechische Münze. 1964.), desgleichen in einer großen Zahl von speziellen Untersuchungen (siehe S. 30ff.). Vielleicht am augenfälligsten ist die Verfeinerung der wissenschaftlichen Methoden indessen im Sektor der Münzfundauswertung zu beobachten. Während Münzfunde schon seit Jahrhunderten mit einzelnen historischen Ereignissen verknüpft wurden - schon 1582 verband H. Hamelmann die Münzfunde des Wintfeldes mit der Varusschlacht -, wählte die Forschung jetzt neue Formen der Bereitstellung und Untersuchung. Es begann die systematische Publikation der Funde und die Anwendung kartographischer und statistischer Methoden. Die Chronologie strittiger Gepräge, der Verlauf von Handelswegen, die Datierung des Limesfalls in Obergermanien oder das Ende der römischen Besetzung Britaniens sind auf solche Weise erschlossen worden.

Gegenstand und Methodologie der antiken Numismatik behandelten zuletzt ausführlicher L. B r e g 1 i a, Numismatica antica. Storia e metodologia. 1964. F. Panvini Rosati, Introduzione alla Numismatica antica. 1963 (Corsi Universitari). H. Gebhart, Numismatik und Geldgeschichte. 1949. - Wertvolle Skizzen der Forschungsgeschichte bieten E. Babelon, Traité I. 1901, Sp. 5ff. und C. H. V. Sutherland, Ancient Numismatics: A brief Introduction. 1958.

Für die Beziehung zwischen Numismatik und Geschichtswissenschaft gibt die Kontroverse zwischen A. H. M. Jones, Numismatics and History, Ess. Matt. 1956, 13 ff. und C. H. V. Sutherland, The intelligibility of Roman imperial coin types, JRS. 49, 1959, 46ff. wertvolle Aufschlüsse. Die grundsätzlichen Probleme erörtert auch Ph. G r i e r son, La numismatique et l'histoire, Revue de 1' Université de Bruxelles 3, 1950, 1 if. Das Verhältnis zu den übrigen Nachbardisziplinen behandelten K. Re gli n g, Die Münze als Hilfsmittel der archäologischen Forschung, in: Handbuch der Archäologie. I. 1939, 135ff. und G. Le Rider, La numismatique grecque comme source d'histoire économique, in: Etudes archéologiques, 1963, 175 if. - Zur Auswertung der Münzfunde vgl. S. 91 ff.

2. Organisation der wissenschaftlichen Arbeit Hilfsmittel - Zeitschriften.

Während in Großbritannien die Münzkabinette der Un i v e r s i t ä t e n (besonders Oxford, Cambridge, Glasgow) schon seit langem eine systematische Ausbildung in antiker Numismatik ermöglichen, wird diese Disziplin an den deutschen Hochschulen erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit gepflegt (so in München, Frankfurt am Main, Marburg, Münster). Schon für den Anfänger kommt es jedoch darauf an, nicht nur die numismatische Spezialliteratur zu kennen, sondern auch stets die Anschauung der Münzen selbst zu suchen, die ihm heute in der Regel nur die großen staatlichen M ü n z s a mml u n g e n in der erforderlichen Mannigfaltigkeit bieten können. Sinnvolle wissenschaftliche Arbeit im Felde der antiken Numismatik ist daher im allgemeinen nur noch an den großen Kabinetten möglich. Die führenden europäischen Sammlungen, wie das Department of Coins and Medals des Britischen Museums, London, das Cabinet des Médailles der Bibliothèque Nationale, Paris, die Sammlung des Museo Nazionale Romano, Rom, die Bundessammlung von Münzen, Medaillen und Geldzeichen, 'Wien, die Staatliche Münzsammlung, München, sind deshalb gleichzeitig die wichtigsten Forschungsstellen.

Hervorragende wissenschaftliche Gremien bilden daneben die traditionsreichen Numismatischen G e s e 11 s c h a ft e n. Die Royal Numismatic Society, London, die Socité Française de Numismatique, Paris, die American Numismatic Society, New York, die Bayerische Numismatische Gesellschaft, München und andere mehr sind zugleich Träger der angesehensten numismatischen Fachzeitschriften. - Ober die Tätigkeit der deutschen Münzvereine, die nicht nur den Sammlern Tauschmöglichkeiten bieten, sondern in der Regel auch anspruchsvolle wissenschaftliche Vorträge vermitteln, unterrichtet allmonatlich das Numismatische Nachrichtenblatt, Münster.

Ein besonderes Merkmal der numismatischen Arbeit ist der Zwang, auch die Publikationen des Mü n z handels zu berücksichtigen. Denn auf der einen Seite bilden die Kataloge großer Auktionen mit die Grundlage für die Erstellung umfassender numismatischer Arbeiten, zum Beispiel von Monographien der Prägungen einzelner griechischer Städte, auf der andern Seite dienen die oft mit wissenschaftlicher Akribie erstellten Kataloge von Spezialsammlungen manchmal jahrzehntelang als Nachschlagewerke. Die wichtigsten Handels- und Auktionskataloge stammen von den Firmen Bourgey-Paris, Cahn (Münzen und Medaillen AG.)-Basel, Hess-einst Frankfurt/M., jetzt Luzern, Hirsch-München, Leu & Co.-Zürich, Naville-Genf, Santamaria-Rom, Schulman-Amsterdam, Ratto-Mailand. Ein fortlaufendes Verzeichnis der jeweils neu anfallenden Kataloge enthält die Zeitschrift Numismatic Literature, New York (siehe unten).

Von den allgemeinen Hilfsmitteln ist hervorzuheben das von F. v o n S c hr ö t t e r herausgegebene Wörterbuch der Münzkunde. 1930, das gediegene, wenn auch heute zum Teil etwas veraltete Fachartikel über alle wichtigen Geldsorten, Nominale und numismatischen Begriffe enthält.

Als bibliographische Hilfsmittel haben sich bewährt der auch für eine erste Orientierung empfehlenswerte Sammelartikel Moneta e Medaglia der Enciclopedia Universale dell'Arte. IX, Sp. 569-616 (1961) von Fr. Panvini Rosati, J. Babelon, H. E. van Gelder und L. V a j d a sowie die großen Forschungsberichte der letzten Internationalen Kongresse für Numismatik: Conlnt. Rom I. 1961., Conlnt. Paris I. 1953. - Die ältere Literatur gibt J. Friedländer, Repertorium zur antiken Numismatik. 1885.

Für Fragen der Archäologie und Kunstgeschichte ist nützlich die von C. C. V e r m e u 1 e erstellte Bibliography of applied Numismatics in the fields of Greek and Roman Archaeology and the Fine Arts. 1956. Unvollständig blieb der Forschungsbericht von S. L. C e s a n o, Numismatica antica, Doxa 2, 1949, 221-258.

Die laufende bibliographische Orientierung erleichtert die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift Numismatic Literature. (Seit 1947) New York, die Abstracts aller neu erschienenen Bücher und Studien aus dem Gesamtbereich der Numismatik vermittelt. Die Hefte haben damit die Aufgabe übernommen, welche in den Jahren zwischen 1880 und 1939 das von M. v o n B a hr f e l d t herausgegebene Numismatische Literaturblatt erfüllte.

In freilich nicht immer vollständiger Weise werden die Spezialstudien zur antiken Numismatik daneben auch in den numismatischen Sektionen der großen bibliographischen Organe der Altertumswissenschaft erfaßt, so in der Bibliographie zum Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts (1923ff.), in den Fasti Archeologici (1946ff.), im Gnomon (1925 ff.) und im L'Anne philologique von J. Marouzeau (1928 if.).

Wichtige regionale Bibliographien numismatischer Literatur bieten I. G. Spass k ij - V. L. Jan in, Sovetskaja Numizmatika. Bibliograßeskij ukazatel. 1917-1958 gg., Numizmatika i Epigrafika 2, 1960, 155 if.; G. P r o bs z t, Numismatisthe Literatur Osteuropas und des Balkans. 1.1960. 2.1961; F. Mateu y Liopis, Bibliografla de la Historia Monetaria de Espafla con suplementos referentes a los paises con ella ma's relacionados. 1958.

Die wichtigsten numismatischen Zeitschriften, die alle auch Beiträge und Studien zur antiken Numismatik enthalten, sind: The Numismatic Chronicle, London (seit 1838), Revue Numismatique, Paris (seit 1836), Revue Belge de Numismatique, Bruxelles (seit 1842), Zeitschrift für Numismatik, Berlin (1874-1935), Blätter für Münzfreunde, Leipzig, Halle (1865-1942), Deutsches Jahrbuch für Numismatik, München (1938-1941), Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, München (seit 1949), Hamburger Beiträge zur Numismatik (seit 1947), Mitteilungen der Bayerischen Numismatisdien Gesellschaft (1882-1937), Numismatische Zeitschrift, Wien (1870-1937, seit 1949), Annali, Rom (seit 1954), Itaiia Numismatjca (seit 1949), Numismatica, Rom (seit 1935), Rivista Italiana di Numismatica, Mailand (1888-1929, seit 1941), Numizmatikai Közlöny, Budapest (seit 1902), Journal International d'arcélologie numismatique, Athen (1898-1927), Schweizerische Numismatische Rundschau (1891-1923, seit 1925), Schweizer Münzblätter, Basel (seit 1949).

Innerhalb dieser Zeitschriften verdienen die dichten Besprechungen des Numismatic Chronicle und die Rezensionen oft auch an entlegener Stelle erschienener Veröffentlichungen in den HBN. und Schweiz. Mzbll. besondere Aufmerksamkeit.

II. GRIECHISCHE NUMISMATIK.

3. Vorgeldformen Entstehung und Ausbreitung der Münzprägung.

K. Regung definiert die Münze als »ein handliches Metallstück, das als Zahlungs- und Umlaufsmittel dient und für dessen Gewicht und Feingehalt der Staat durch Bild oder Aufschrift bürgt". In solcher Gestalt und Funktion hat sich die Münze innerhalb der einzelnen Kulturkreise in sehr verschiedenen Epochen durchgesetzt. Im Zuge einer langwierigen Entwicklung vom Tauschhandel zur Geldwirtschaft stellen ihre Erfindung und Verbreitung erst die Schlußphase des Prozesses dar. Ihr voraus gingen sogenannte prämonetäre Geldformen, Gerätegeld wie Beile, Spieße, Becken und anderes Gerät, das auch aus Homer bekannt ist, bei dem im übrigen immer noch die Rinder den Wertmaßstab bilden (z. B. Od. a 430 f.).

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Die wichtigste allgemeine Reflexion über die Entstehung des Geldes formulierte Aristoteles in der Politik (I p. 1257 a 31), Zeit und Ort der Erfindung der Münze sind in der antiken Überlieferung jedoch nicht eindeutig fixiert. Nach Xenophanes von Kolophon und Herodot (I, 94) haben die Lyder zuerst Gold und Silber geprägt. Strabon und andere Quellen lokalisieren die Erfindung der Münze in Aigina und verbinden sie mit der Gestalt des Königs Pheidon von Argos.

Die ältesten Münzen des lydischen Bereichs im Westen Kleinasiens sind kleine, zunächst bildlose Elektronklümpchen in ovaler Form. Das Blaßgold selbst wurde in natürlicher Verbindung mit Silber (ca. 40-70 Ob) gefunden, später künstlich hergestellt. Einfache Riefelung der Vorderseiten und vertiefte Quadrate auf den Rückseiten leiteten zu siegelbildähnlichen Gestaltungen über; es ist jedoch ungewöhnlich, wenn auf einem frühen Gepräge der Name des lydischen Königs Alyattes begegnet. Die wappenartigen Bilder der lydischen Könige und der griechischen Städte, wie Milet, Samos, Ephesos und anderer, differenzierten die einzelnen Serien. Hinter diesen Erscheinungen steht die Übernahme von Prägehoheit und Garantie durch Königtum und Polis, die Münzprägung wurde zum staatlichen Monopol.

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Von ihren lydischen Wurzeln aus entfaltete sich die Münzprägung Kleinasiens dann in zwei verschiedenen Strängen: Im lydischen Königreich schuf Kroisos ein Gold- und Silbermünzen umfassendes Währungssystem, eine frühe »Reichsprägung", an die sich später diejenige des persischen Reiches mit ihren starren Bildern anschlpß. Die griechischen Städte Kleinasiens setzten diesen Einheiten dagegen die Mannigfaltigkeit ihrer Serien entgegen.

Im griechischen Mutterland sind die ältesten Silbermünzen in A i gin a hergestellt worden, wie immer es um die Verbindung mit Pheidon von Argos bestellt ist. Die aiginetischen Prägungen beginnen frühestens am Ende des 7. Jh. v. Chr., zeigen auf der Vorderseite eine Schildkröte mit hohem Relief, auf der Rückseite ein vertieftes, mehrfach unterteiltes Quadrat, das sogenannte quadratum incusum. Mit einer Einheit im Gewicht von über 12 g stellten sie zunächst denjenigen griechischen Silbertypus dar, welcher die weiteste Verbreitung fand, insbesondere auf den Inseln und auf der Peloponnes. Noch im 6. Jh. nahmen aber auch Korinth und Athen eigene Münzprägungen auf, weitere Städte des Mutterlandes folgten, nach der Jahrhundertmitte bereits die Kolonien in Sizilien und Großgriechenland.

Während zuerst nur ,,Großgeld" (Statere) ausgeprägt wurden, beginnt im 6. Jh. die Produktion kleinerer Nominale, das heißt jene differenzierte Stückelung der großen Einheiten, welche der alltägliche Bedarf an Münzen forderte. Der Geldumlauf selbst war lange Zeit noch überwiegend lokal begrenzt. Die Auswirkungen von Münzprägung und Geldwirtschaft sind weder in wirtschaftlicher noch in gesellschaftlicher oder politischer Hinsicht zu überschätzen. Sie führten zu einer Mobilisierung des Kapitals, zur Intensivierung des Verkehrs, zur Umwandlung der noch in sich geschlossenen ,,Oikoswirtschaft" in die "Poliswirschaft", zur Umgruppierung wirtschaftlicher Macht und, wie insbesondere Theognis bezeugt, zur Auflösung der aristokratischen Führungsschicht des archaischen Griechenlands.

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4. Herstellungstechnik, Stempeluntersuchung, Münzfüße.

Beim Prägen der Münze wurde von Griechen wie Römern im allgemeinen folgende Technik angewandt: In zwei meist konische, ca. 20 cm lange Metallstempel grub der Stempelschneider mit Hilfe von Grabsticheln und Punzen (geschnittene Teilformen) das negative Münzbild ein. Der konkave Unter-(= Vorderseiten)-stempel wurde so in einem Amboß eingespannt, daß die eingeschnittene Fläche nach oben blickte. Der Schrötling, das runde, für die Prägung vorbereitete Metallstück, kam darauf, über ihn der konvexe Ober-(= Rückseiten)stempel. Mit einem starken Hammerschlag wurden dann die Stempel eingeprägt. Die Stempelabnutzung war demnach durchaus ungleichmäßig, was zum Beispiel daraus hervorgeht, daß bei der Münzstätte Amphipolis in einem Zeitraum von 18 Jahren 700 Vorderseitenstempel 1300 Rückseitenstempeln gegenüberstehen. In der Prägetechnik wurden im Altertum nur geringfügige Verbesserungen erzielt, eine durchgreifende Wende bahnte sich erst mit den Erfindungen Bramantes im 16. Jh. an.

Im Gegensatz zu den römischen Münzen weisen die griechischen nur selten Anhaltspunkte für die absolute Chronologie auf. Die Rekonstruktion der chronologischen Abfolge der einzelnen Prägungen stellt daher noch immer eine Hauptaufgabe der griechischen Münzforschung dar, wobei die früher oft unbedenkliche Anwendung rein stilistischer Kriterien heute großer Zurückhaltung begegnet. In der von Imhoof-Blumer (NZ. 1878, 2ff.) entwickelten Methode der Stempeluntersuchung ist nun ein Weg gefunden worden, um aus dem Münzmaterial selbst eine gesicherte relative Chronologie zu ermitteln. Dabei wird von der schon erwähnten Tatsache ausgegangen, daß die Stempel beim Prägevorgang verschieden stark beansprucht wurden, so daß jeweils verschiedene Ober- und Unterstempel miteinander gekoppelt waren. Die genaue Untersuchung der Stempel, besonders ihrer Abnutzung und ihrer Verletzungen, ihrer Risse, Sprünge, Ausbrüche und ihrer Koppelungen an Hand der erhaltenen Gepräge, läßt nun mäanderartige Reihen aufstellen und aus der Stempelabfolge die relative Chronologie entwickeln. Stilistische, epigraphische und historische Indizien treten hinzu und erlauben an Fixpunkten die Verankerung der relativen in der absoluten Chronologie. In vorbildlicher Weise ist diese Methode zum Beispiel von E. Boehringer für die Münzen von Syrakus (1929) angewandt worden.

Die Einheiten der griechischen Münzsysteme stehen in der Regel in folgendem Verhältnis: 1 Talent = 60 Minen, I Mine = 50 Statere, 1 Stater = 2 Drachmen, 1 Drachme = 6 Obolen. Die Münzfüße orientieren sich an den schon vorhandenen Gewichtssystemen. Am weitesten waren der aiginetische und der attische Münzfuß verbreitet mit folgenden annähernden Durchschnittsgewichten:

Einheit
attisch
aiginetisch
Obol
0,73 g
1,04 g
Drachme
4,37 g
6,24 g
Mine
436,6 g
623,7 g
Talent
26,196 kg
37,142 kg

Von den Römern wurde später die Drachme einem römischen Denar gleichgesetzt. - Zwei Obolen verschafften im 5. Jh. v. Chr. den Lebensunterhalt für einen Tag.

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5. Münzpublikationen. Handbücher und Hilfsmittel der griechischen Numismatik.

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6. Griechische Münzbilder und Münzkunst. Geschichte im griechischen Münzbild.

Der die Griechen auszeichnende Reichtum an künstlerischer Empfindung und individueller Gestaltungskraft kam auf ihren Münzen von Anfang an zur Entfaltung. Die wappenartigen B i 1 dc r von Tieren, Pflanzen und Geräten, die zunächst ausgewählt wurden, spielen oft auf den Namen der Bewohner oder ihre Tätigkeit, am häufigsten jedoch auf die speziellen Lokalgottheiten an. Traube, Weinstock (,der Mischkrug bekannter Weinstädte sind gleichzeitig Attribute des Dionysos, die Bezüge der Bilder zur Landesnatur meist identisch mit jenen zu den Göttern. Während die Darstellung menschlicher Körper und Köpfe anfangs nur selten gewagt wurde, begegnen schon seit der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. Köpfe oder Gesamtbildnisse der griechischen Gottheiten. Das milde und heitere Porträt der archaischen Athena auf den Geprägen Athens, ihre oft zierlichen Köpfe mit scharfgeschnittenem Profil auf den späteren Silbermünzen Korinths, die hoheitsvollen Bilder der Quellnymphe Arethusa auf den Münzen von Syrakus wurden so jedem Griechen vertraut. Für die Vielfalt der griechischen Poliswelt aber gibt es keinen anschaulicheren Beleg als die Tatsache, daß nun jede griechische Stadtgemeinde ihr Geld mit ihren eigenen Bildern kennzeichnen ließ.

Die weitere Entwicklung ist dann durch zwei gegensätzliche Tendenzen bestimmt worden: Auf der einen Seite empfahl es sich, einmal bekannt gewordene und weithin verbreitete Münzgestaltungen bis in die Einzelheiten festzuhalten. Die verhältnismäßig häufigen Wiederholungen des beliebten archaischen Athenakopfes auf den frühen Silbermünzen Athens dürften nicht nur auf aesthetische, sondern auch auf handelspolitische Erwägungen zurückzuführen sein. Doch war die stereotype Kontinuität der Münzbilder die Ausnahme. Städte wie Kyzikos wechselten selbst das Motiv ihrer Münzbilder relativ häufig; in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle wurden die einmal gewählten Bilder dagegen fortlaufend neu gestaltet. In Syrakus etwa sind die Bilder des Viergespanns und der Arethusa rund zwei Jahrhunderte lang ständig neu geformt worden, so daß die Münzen die Entwicklung des künstlerischen Stils und der aesthetischen Kriterien bis in alle Nuancen in einheitlichem Format und in eng geschlossenen Reihen erkennen lassen. Wechseln in der Zeichnung des Arethusakopfes die Perspektiven der Darstellung zwischen Profil und en-facePorträt, Haartracht, Schmuck und nicht zuletzt die Gesichtszüge in einer Mannigfaltigkeit, wie sie in der Neuzeit nur die Maricnbildnisse der verschiedensten Kulturkreise aufzeigen, so löst sich das Viergespann immer freier aus der strengen, statischen Starre des Anfangs, bis es am Ende des 5. Jahrhunderts den Rahmen des Bildes fast zu sprengen droht. Die unruhige Auflösung der Komposition, das Streben nach psychologischer Vertiefung, Pathos und Effekt kennzeichnen dann die weitere Entwicklung der Münzkunst im 4. Jahrhundert. Dabei wurde die Münze immer so eindeutig als Werk der Kleinkunst verstanden, daß seit dem letzten Drittel des 5. Jahrhunderts in Sizilien und Unteritalien Stempelschneider wie Kimon, Euainetos, Phrygillos, Herakleidas und andere ihre Stempel signierten, so daß wir auf den entsprechenden Prägungen nun Künstlersignaturen in winziger Schrift besitzen.

Im Unterschied zur modernen Prägung wird die griechische Münze vom Bild und nicht von der Zahl oder dem Wertzeichen beherrscht, dies so sehr, daß auch die Legende, die Münzaufschrift, - im Gegensatz zur späteren römischen Prägung - meist von untergeordneter Bedeutung blieb. Vollständige, erklärende Formulierungen, wie Fótiivoç to tat.ta stellen eine seltene Ausnahme dar. In der Regel wird für die Legende die Form des Genitivs Pluralis des Ethnikons gewählt, meist noch in abgekürzter Gestalt, wie AJE für "Gepräge der Athener", SURA für jenes der Syrakusaner oder gelegentlich auch nur in der Form eines einzigen Buchstabens, wie des altertümlichen Koppas für Korinth. So knapp die Legende ist, sie dokumentiert die ausschließliche Bindung der Prägehoheit an die Polis. Umgekehrt ist bezeichnend, daß kein griechischer Tyrann auf den Münzen der von ihm beherrschten Stadt seinen Namen anbringen ließ.

Die oben skizzierten Grundsätze der Bildwahl und Legendengestaltung dürften erklären, warum aktuelles politisches Geschehen auf den griechischen Münzen nur selten einen unmittelbaren Niederschlag fand. Aus Veränderungen der Motive und aus neuen Kombinationen von Bildern oder zusätzlich aufgenommenen Zeichen lassen sich wohl historische Schlüsse ziehen, doch sind solche Interpretationen häufig problematisch. Denn militärische Siege, Erhebungen, politische Bündnisse und Städtegründungen haben auf den griechischen Geprägen ihren Stempel lediglich in der Assoziation der wappenähnlichen Bilder oder Symbole und im festlich geschmückten Bild der Gottheit hinterlassen. Im Unterschied zur römischen Münzprägung sind deshalb in der griechischen Welt sogenannte Geschichtsmünzen selten. Nach Marathon zieren den Helm der Athena drei 3lblätter, nach Plataiai und Salamis werden in Athen 10-Drachmenstücke als Festprägung geschlagen und auf der Rückseite der Tetradrachmen erscheint ein kleiner, abnehmender Mond, wohl jener Mond, den die Griechen bei Salamis am Himmel sahen. Literarisch bezeugt (Diodor XI, 26) ist die ungefähr gleichzeitige sizilische Siegesprägung der sogenannten Demareteien. (Demarete, die Frau des Tyrannen Gelon von Syrakus, erhielt von den Karthagern, für die sie sich während der Friedensverhandlungen eingesetzt hatte, einen goldenen Kranz im Werte von 100 Talenten und ließ nun eine Münze prägen, die 10 attischen Drachmen entsprach, eine Münze, welche nach Demaretes Namen als Demareteion bezeichnet wurde. Auf deren Vorderseite wird die Quadriga von einer Nike bekränzt, im Abschnitt, dem unteren Segment des Münzbildes, ist der gestreckte Löwe Apolls, der Hauptgottheit Leontinois, hinzugefügt. Auf der Rückseite steht das mit Cilkranz, Halskette und Ohrgehängen reich verzierte, edle und fein geschnittene Gesicht der Arethusa in reizvollem Kontrast zu den vier kraftvollen Delphinen, die es umgeben.)

Bundesprägungen, wie diejenigen Arkadiens, Thessaliens, Euboeas, der Chalkidike, Boeotiens und der Peloponnes geben Einblick in die politische Struktur derjenigen Landschaften, in welchen Ansätze zur Überwindung der Norm der Polis vorhanden waren oder sie verdeutlichen ganz bestimmte politische Konstellationen. Beispielsweise schlug sich eine sonst kaum bekannte Symmachie zwischen Samos, Ephesos, Knidos, lasos, Rhodos, Byzantion und Kyzikos, wohl aus dem Jahre 391/390 v. Chr., in einem gemeinschaftlichen Münzsystem mit einheitli them Vorderseitenbild nieder.

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7. Ausgewähltes Verzeichnis von Monographien und Einzelstudien zur griechischen Numismatik.

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III. HELLENISTISCHE NUMISMATIK.

8. Die Prägungen der hellenistischen Königreiche und ihrer Nachbarstaaten.

Rund drei Jahrhunderte hindurch hatten wappenartige Gestaltungen, die Bilder der hellenischen Götter, ihrer Attribute und Symbole die Gepräge der griechischen Poleis in fast unerschöpflicher Vielfalt ausgefüllt. Das hellenistische Zeitalter führte eine neue Erscheinungswelt herauf: Auch in den Münzbildern setzte sich eine nivellierende Koinë durch; an die Stelle der vielen Serien autonomer Stadtprägungen treten die Massenemissionen der Münzstätten der hellenistischen Königreiche. Bilder neuer großer ,,Reichsgottheiten", Porträts von Dynastiegründern und lebenden Herrschern, Herrschaftssymbole und Kennzeichen der Münzstätten sind die Signaturen der neuen Epoche mit ihrer veränderten politischen Struktur. Gleichzeitig findet Geld in griechischer Gestalt jetzt die weiteste Verbreitung. Im Zuge der Ausbildung und des Vordringens hellenistischer Zivilisation und Kultur entstehen selbst in Baktrien und Indien wie bei den Kelten und nicht zuletzt in Rom Münzsysteme nach hellenistischen Vorbildern.

Da die fortschreitende Spezialisierung der antiken Numismatik mit ihrer Trennung zwischen griechischer Numismatik, der oft alle Prägungen griechischer Städte bis in die römische Kaiserzeit zugewiesen werden, der Numismatik der hellenistischen Reiche, orientalischer, keltischer und römischer Numismatik - die Gefahr in sich birgt, wichtige historische Zusammenhänge zwischen diesen einzelnen Sektionen zu zerschneiden, kommt es darauf an, den umgreifenden Rahmen und die gemeinsamen Grundzüge der hier als ,,hellenistische Numismatik" bezeichneten Phase nicht aus den Augen zu verlieren.

Die entscheidenden Impulse der Gesamtentwicklung gingen von Makedonien aus. In einer sehr zurückhaltenden Weise haben Philipp II. und Alexander d. Gr. die Gestaltung ihrer Reichsprägung den traditionellen griechischen Prinzipien angepaßt und diese dennoch zugleich als ein Instrument ihrer Reichspolitik benützt. Philipp II. wählte für die Vorderseite seiner Edelmetallprägung die Bilder von Apollo und Zeus; auf den Rückseiten ließ er ein Zweigespann beziehungsweise einen Reiter darstellen, die Legende lautete in beiden Fällen schlicht FILIPPOU. Die Bilder der Rückseite sollten nach Plutarch, Al. 4 an Philipps Siege mit dem Rennwagen in Olympia erinnern, den makedonischen Herrscher damit bewußt als Partner der griechischen Kultur zeigen.

Die Goldprägung Alexanders d. Gr. zeigt dagegen auf der Vorderseite den Kopf der Athena mit einer Schlange auf dem Helmkessel, auf der Rückseite eine Nike und die Legende ALEXANDROU. Hier kommt bereits die allgemeine Bildsymbolik einer hellenistischen Siegesprägung zum Ausdruck. Für seine Silberprägung wählte der König als Vorderseite den Kopf des jugendlichen Herakles mit dem Fell des nemeischen Löwen, als Rückseite den thronenden Zeus mit Adler und Szepter und in der Regel die Legende ALEXANDROU. Möglicherweise wurden schon in das Heraklesbildnis die individuellen Züge Alexanders eingetragen, vielleicht war aber gerade die Zweideutigkeit des Bildes so gewollt. Athena wurde wahrscheinlich in ihrer Funktion als Schutzgöttin des Zeussohnes Herakles ausgewählt, die Zeusdarstellung erinnerte auch an den Zug zum Ammonheiligtum.

Die Diadochen haben sich in ihren Münzbildern zunächst eng an Alexander d. Gr. angeschlossen, ja anfänglich durch das demonstrative Bekenntnis zu seinen Bildern ihre eigene Stellung befestigt. Das erregendste Münzporträt Alexanders d. Gr. stammt so von den Münzen des Lysiachos. Es bildet Alexander mit den Ammonshörnern ab, während Ptolemaios I. seit 321 v. Chr. ein Porträt Alexanders im Elefantenfell mit der Agis auf seine Münzen setzen ließ. Mit eigenen Porträts wartete Ptolemaios I. erst 306/5 v. Chr., Seleukos I. 301 v. Chr., auf europäischem Boden erstmals 295 v. Chr. Demetrios Poliorketes auf. Während die Dynastien der Lagiden und Attaliden auf ihren Serien den Dynastiegründer stärker herausstellten, wurde es in der Mehrzahl der hellenistischen Reiche üblich, das Porträt des mit der Königsbinde geschmückten, regierenden Herrschers auf die Vorderseite der Münzen zu prägen. Bemerkenswerte Ausnahmen von dieser Regel bilden anfangs vornehmlich Makedonien und Epirus. Pyrrhos hat beispielsweise das Bildnis des Zeus von Dodona auf seine Münzen gesetzt.

Porträts Lebender waren freilich vereinzelt schon ein Jahrhundert früher auf Münzen dargestellt worden, auf den sogenannten Satrapen m ü n z e n. Deren berühmteste zeigt auf der Vorderseite ein Porträt des persischen Satrapen Tissaphernes mit spitzem Bart und Satrapentiara, auf der Rückseite das geläufige athenische Münzbild der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr., doch an Stelle der Legende AJE jetzt BAS = BASILEWS- Geld des Großkönigs. Es handelt sich hier um Münzen, die 412/1 v. Chr. im Namen des persischen Großkönigs von Tissaphernes für die Flotte Spartas und seiner Verbündeten ausgegeben wurden, wie dies aus Thukydides VIII, 29 f. bezeugt ist. Wenn so schon Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr., gleichsam in einem Vorspiel der hellenistischen Erscheinungswelt, persische Satrapen und einzelne Dynasten in wenigen Exemplaren von Münzporträts als Einzelpersönlichkeiten dargestellt werden, so markieren diese Ansätze die neue Auffassung der Einzelpersönlichkeit zu einer Zeit, da Gestalten wie Alkibiades, Sokrates, Dionysios I. und andere auch in Kunst, Philosophie und Literatur ein neues Verständnis des großen Individuums erweckten.

Die Blütezeit der Herrscherporträts führt jedoch erst das Zeitalter der Diadochen und Epigonen herauf. Bis in die Randgebiete der griechisch-baktrischen und griechisch-indischen Reiche, aber auch im Partherreich wird das Prinzip, das Herrscherbildnis auf die Vorderseite der Münze zu setzen, aufgegriffen. In Agypten ist sehr häufig auch die Königin dargestellt worden, daneben bekunden Doppelporträts von König und Königin oder ihren Vorgängern die im Ptolemäerreich einzigartige Geschlossenheit der Dynastie und die besondere Stellung der Königin, bis hinab zum Münzbild der Kleopatra. Da innerhalb der hellenistischen Großplastik nur verhältnismäßig wenige Originalporträts erhalten blieben, kommt den häufig genau datierten Porträts der hellenistischen Reichsprägungen um so größere Bedeutung zu. Die neuere Forschung hat auch hier sehr genaue Stilanalysen durchgeführt und so beispielsweise von einem expressiven, plastischen Stil der frühen Diadochenzeit einen trockeneren, flacheren, aber detailreicheren des 3. Jahrhunderts v. Chr. abgehoben.

Die Rückseiten der großen hellenistischen Reichsprägungen nehmen häufig Gottheiten ein, zu denen die Dynastiegründer oder die jeweiligen Könige ein besonders enges Verhältnis hatten, Gottheiten, deren Schutz sie ihr Reich anvertrauten oder auf die sie sich beriefen, Gottheiten, die so zur ,,Reichsgottheit" geworden sind. Besonders oft begegnen dabei sitzende Göttinnen und Götter: unter Alexander d. Gr. Zeus, unter Lysimachos die Athena Nikephoros, unter Demetrios Poliorketes Poseidon auf einem Felsen, unter Antiochos I. und vielen späteren Seleukiden Apollo auf dem Omphalos.

Zeitgenössische Ereignisse fanden dagegen nur in wenigen Münzbildern einen Niederschlag. So zeigen Dekadrachmen aus Babylon Alexander d. Gr. zu Pferde im Kampf gegen die Elefanten des Poros. Dies ist das einzige historische Bild, das von dem erregenden Geschehen des Alexanderzuges in die Münze Eingang fand. Ähnliche Sonderfälle bilden die Tetradrachmen des Demetrios Poliorketes mit einer Nikedarstellung, die an den Seesieg bei Cypern 306 v. Chr. erinnert, solche des Antigonos Gonatas (oder Doson) zur Feier des Seesieges bei Kos, eine Prägung des Philhetairos von Pergamon für Seleukos und wenige andere. Ein besonders prägnantes Beispiel für die neuen Tendenzen bietet Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. Syrakus. Dort bildet Agathokles nach seinem Sieg über die Karthager in Afrika 310 v. Chr. eine Nike ab, die einen Helm an einem Tropaion befestigt. Er ändert die Legende SURAKOSIWN zunächst in AGAJoKLLEWS, seit 304 v. Chr. endlich in AGAJoKLLEWS BASILEOS um und verkündet so ganz offen den neuen staatsrechtlichen Anspruch des Prägeherrn.

Von nicht geringerer Bedeutung ist daneben die Abbildung von Herrschaftsabzeichen und Symbolen, wobei es sich häufig genug um eine Übertragung ursprünglich göttlicher Attribute, Abzeichen oder den Göttern beigeordneter Tiere an die einzelnen Herrscher handelt. Agis, Blitzbündel, Adler symbolisieren so die Hoheit der Königsmacht. Wie viele Bilder von Schutzgottheiten, besonders von Zeus, Herakles, der Dioskuren, überhöhen auch sie die Stellung der Herrscher.

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9. Die Prägungen der Perser, Parther und Sassaniden.

Die persische Reichsprägung der Achaemeniden schloß sich im System eng an diejenige des lydischen Reiches an, und erst etwa um 515 v. Chr. erhielt dieses persische System seine endgültige Gestalt. Der Dareikos, eine Goldmünze im Gewicht von 8,4 g wurde 20 Sigloi, Silbermünzen zu 5,6 g, gleichgesetzt. Stückelungen des Dareikos sind nur in wenigen Exemplaren bekannt. In ihrer äußeren Gestalt erinnert die berühmte persische Goldmünze, die bis ins 4. Jh. v. Chr. weiteste Verbreitung fand, noch an die Klümpchenform der frühen lydischen Elektronstatere. Auf ihrer Vorderseite ist nach Vorstufen der nach rechts laufende Perserkönig im sogenannten Knielaufschema mit Tiara, Lanze und Bogen abgebildet. (Nach dieser Darstellung wurde die Münze von den Griechen auch als "Bogenschütze" bezeichnet). - Die Rückseite weist lediglich eine rechteckige Vertiefung auf. Da diese Darstellungen in monotoner Weise beibehalten wurden, ist die Ermittlung der Chronologie außerordentlich erschwert.

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Die sich seit dem Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. auf dem Territorium des Seleukidenreiches immer weiter ausbreitende Großmacht der Parther lehnte sich in ihrer Münzprägung an die hellenistischen Vorbilder an. Auch auf ihren Silbermünzen ist auf der Vorderseite das Porträt des Großkönigs, auf der Rückseite in der Regel der Dynastiegründer Arsakes dargestellt, der somit gleichsam die Funktion der hellenistischen Reichsgottheit übernahm.

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Auch die Reichsprägung der Sassaniden, die diejenige der Parther ablöst, wird auf den ersten Blick durch eine stereotype Bildwelt gekennzeichnet. Die charakteristischen flachen Silbermünzen zeigen auf der Vorderseite das Porträt des Herrschers mit der hochragenden, immer wieder abgewandelten Krone mit Korymbos und auf der Rückseite einen Feueraltar. Spiegelt sich schon in diesen Bildern der neue, imperiale Anspruch des Hauses Sasans und dessen enge Verbindung mit der Religion Zoroasters wieder, so erst recht in der Tatsache, daß die Sassaniden auch die Goldprägung wiederaufnahmen und so die römische Monopolstellung erschütterten.

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Auch die Reichsprägung der Sassaniden, die diejenige der Parther ablöst. wird auf den ersten Blick durch eine stereotype Bildwelt gekennzeichnet. Die charakeristischen flachen Solbermünzen zeigen auf der Vorderseite das Porträt des Herrschers mit der hochragenden, immer wieder abgewandelten Krone mit Koymbos und auf der Rückseite einem Feueraltar. Spiegelt sich schon in diesen Bildern der neue imperiale Anspruch des Hauses Sasans und dessen enge Verbindung mit der Religion Zoroasters wieder, so erst recht in der Tatsache, daß die Sassaniden auch die Goldprägung wieder aufnahmen und somdie römische Monopolstelung erschüttereten.

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10. Die jüdische Münzprägung.

Die jüdische Münzprägung setzt erst um 135 v. Chr. mit Geprägen der hasmonäischen Dynastie ein, die zum Teil nach seleukidischen Vorbildern orientiert sind. Unter dem letzten Hasmonäer begegnen erstmals der siebenarmige Leuchter und die Weinrebe als Symbol der Fruchtbarkeit des Landes im Münzbild. Während auch noch auf den Münzen der Dynastie des Herodes der starke Einfluß der benachbarten syrischen Stadtprägungen zu fassen ist, verbinden sich in den Geprägen der großen Erhebungen gegen Rom (66 -70; 132 -135 n. Chr.) nationales Pathos mit religiösem Gehalt. Die Serien des jüdischen Krieges sind relativ einheitlich. Der Silberschekel zeigt auf der Vorderseite einen hohen Kelch und die Legende 'Schekel Israel'. Die Datierung der Emission wird durch den Buchstaben Aleph für 1 = 66 n. Chr. angegeben. Auf der Rückseite ist ein Granatapfelzweig mit drei Blüten und die Legende »Jerusalem ist heilig" angebracht. Die Prägung des Bar-Kochba-Aufstandes ist dagegen wesentlich vielfältiger und uneinheitlicher, sie erfolgt zum Teil im Namen Jerusalems, zum Teil im Namen Bar-Kochbas, zum Teil in dem Eleazars des Priesters. Es handelt sich dabei um Überprägungen römischer Denare, Bronzen und Provinzialprägungen.

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11. Die Münzprägung der Kelten.

Das hervorstechende allgemeine Merkmal der keltischen Münzprägung ist die Tatsache, daß sie durch verschiedene Impulse aus dem griechisch-römischen Bereich ausgelöst wurde, so daß ihre Serien einen Sonderfall der Kategorie der Nachprägungen ... bilden. Deshalb stellen die Prägevorbilder das wichtigste Ordnungsprinzip für die Aufgliederung des Gesamtbereiches dar.

Während im ganzen Balkangebiet in erster Linie der Typus der Silbermünzen Philipps II. von Makedonien, daneben in geringerem Umfange Silbermünzen von Amphipolis, Thasos und anderen Städten nachgeprägt wurden und so die in sich relativ geschlossene Silberwährungslandschaft der 'Ostkelten' bildeten, ist die Erscheinungswelt bei den 'Westkelten' wesentlich vielfältiger. In Gallien und den Nachbargebieten bildet der Typus der Goldmünzen Philipps II. (Apollo-Biga) das Vorbild der Nachprägungen. Ausgangspunkte weiterer Nachprägungsreihen sind daneben die Typen der griechischen Städte am westlichen Mittelmeer, insbesondere Massalias, doch wurden selbst tarentinische und karthagische Vorbilder kopiert, später hauptsächlich jedoch die römischen Quinare mit Romakopf und Reiter. Griechischer Einfluß war somit zunächst insbesondere in Südfrankreich und im Nordostteil der iberischen Halbinsel vorherrschend; der römische überlagerte den Radius dieser Ausstrahlung erst seit dem Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr., er erfaßte dann zuletzt aber selbst noch Britannien.

Zwischen dem großen Silberwährungsbereich der Ostkelten und dem Gebiet der Westkelten, das schließlich durch stark differenzierte Reihen von Gold-, Silber- und Potinmünzen gekennzeichnet wurde, entwickelte sich in Böhmen und dessen Nachbarlandschaften ein dritter Schwerpunkt der keltischen Münzprägung. Ausgehend von Nachahmungen des Athena-Nike-Goldtypus Alexanders d. Gr. kam es dort zur Prägung der sogenannten Muschelstatere, in den südwestlichen und südlichen Nachbargebieten zur Herstellung der goldenen "Regenbogenschüsselchen", der cupellae iridis, wie sie die Humanisten nannten.

Da diese Münzen oft nach Gewitterregen auf den Feldern freigespült wurden, verbreitete sich der Glaube, daß sie immer dort in der Erde steckten, wo sich Regenbogen aufbauten. Der Gedanke, ihnen himmlische Kräfte zuzuschreiben, lag nicht fern. Ihr Besitz galt noch bis ins 19. Jahrhundert als glückverbürgend, bei vielen Krankheiten sollte eine aus ihnen eingenommene Arznei Heilung schaffen.

Die Eigenart der oft bizarren keltischen Nachprägungen, die lange Zeit lediglich als Produkte barbarischen Unvermögens verstanden wurden, begründet die Schwierigkeiten der chronologischen Einordnung der Gepräge ebenso wie die Zuweisung bestimmter Münzbilder oder Stilprovinzen an festumrissene Prägeräume oder gar an einzelne Stämme. Für die Gesamtbewertung der keltischen Münzkunst kommt es darauf an, einen nüchternen Maßstab festzuhalten, um so mehr, als in jüngster Zeit wiederholt versucht wurde, Kriterien der modernen Aesthetik auf den Stil der keltischen Münzprägung zu übertragen und auf solche Weise ein keltisches Kunstwollen zu rekonstruieren. Anderseits ist nicht zu bestreiten, daß erst die Existenz der modernen, abstrakten Kunstrichtungen den Weg zu einer Neubewertung der keltischen Münzen freigemacht hat und half, die Eigengesetzlichkeit dieser Gestaltungen, ihren Elan, ihr Pathos, aber auch ihre frische Naivität zu verstehen.

Die derzeitige Chronologie der keltischen Münzreihen fußt auf mehreren Forschungshypothesen, deren Gültigkeit freilich noch immer umstritten ist. Für die ostkeltischen Prägungen ging K. P i n k von der Annahme aus, daß der Silbertypus Philipps II. von Makedonien bis 168 v. Chr. für die Kelten weitergeprägt worden sei. Der zeitliche Ansatz der Nachprägungen des Goldstaters Philipps II. in Gallien ist dagegen von G. C. B r o ok e erst mit dem starken römischen Einfluß gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Verbindung gebracht worden. Es bleibt jedoch nach wie vor ungewiß, wie lange auch dieses Nominal geprägt wurde und ob tatsächlich erst Rom den Philipp-Stater nach Gallien brachte und damit die Ketten der Nachprägungen ausgelöst hat. Auf verhältnismäßig sicherem Boden stehen wir bei der böhmischen Goldprägung. Hier ist die relative Chronologie in einer Monographie von K. C a s t el i n besonders intensiv erarbeitet worden. Der Prägebeginn wird dort um den Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. angenommen. Im Gesamtbereich der keltischen Münzprägung liegt der Höhepunkt des Geldvolumens demnach wohl zwischen 150 und 50 v. Chr.

Die Prägehoheit dürfte sich im Falle der keltischen Münzen in der Regel in den Händen von Adligen befunden haben. Darauf weisen die Münzreihen mit den Legenden BIATEC, NONNOS, BUSUMARUS und anderen im ostkeltischen Bereich ebenso hin wie die Münzen mit den Namen der bei Caesar erwähnten gallischen Anführer im Westen. Mit einzelnen Porträts ist zu rechnen, am bekanntesten sind hier die Bilder der Goldstatere mit der Legende VERCINGETORIX geworden.

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IV. RÖMISCHE NUMISMATIK.

12. Die Münzprägung der römischen Republik.

Auch für Rom ist eine Entwicklung vom Wertmesser des Viehs zum Metallgeld (pecus-pecunia) bezeugt, doch trat die Stadt am Tiber erst sehr spät in den Kreis der münzprägenden Mächte ein. Zunächst war sie in das Geldsystem Mittelitaliens verflochten, das heißt in eine Geldlandschaft, welche nach griechischen und hellenistischen Maßstäben als durchaus rückschrittlich gelten mußte. Denn ihre Münzen bestanden aus verhältnismäßig plumpen, gegossenen Kupferstücken, die durch Wertzeichen und in den verschiedenen Wertstufen auch durch verschiedene Bilder differenziert waren.

Die Entwicklung des römischen Geldsystems spiegelt nun das politische und militärische Ausgreifen Roms wieder. In dem Augenblick, als die Stadt nach den Samnitenkriegen zur Vormacht Mittelitaliens geworden war, mußte sie notwendig über eine Währung verfügen, die sich an die traditionellen Formen Mittelitaliens anschloß (Cales, Luceria, Venusia, Hatria, Tuder, Volaterrae, Iguvium). - Umgekehrt erzwangen die immer engeren Verbindungen mit den griechischen Städten Unteritaliens (327 Neapel) und speziell der Krieg gegen Pyrrhos (280-275 v. Chr.) den Anschluß an Standard und Form des süditalischen, das heißt des griechischen Geldwesens.

Von diesen beiden Polen her läßt sich die eigenartige Gestalt des Geldsystems der römischen Republik verstehen, dessen Chronologie freilich noch immer umstritten bleibt. Die mittelitalische Komponente des frührömischen Münzwesens wird durch den Übergang von vorgewogenen Kupferbrocken (aes rude) einerseits zum aes signatum, anderseits zum aes grave charakterisiert. Die als aes signatum bezeichneten, gegossenen und mit Bildern versehenen Kupferbarren im Gewicht von rund drei Pfund, die noch zu Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. hergestellt wurden, können zwar nicht als Münzen gelten, doch waren sie teilweise schon durch die Legende 'Romanom' gekennzeichnet. Das schwere, gegossene Kupfergeld des aes grave weist dagegen schon die griechische Rundform auf, seine Orientierung nach den Gewichtseinheiten (1 As = 1 Pfund = 273 g) schloß es jedoch von vornherein von einer weiträumigen und intensiveren Geldzirkulation aus.

Auf den Vorderseiten der Einheiten des römischen aes grave sind die Köpfe des Janus (As-Wertzeichen I), Juppiter (Semis-Wertzeichen S), der Minerva (Triens-Wertzeichen 4 Kugeln), des Hercules (Quadrans-Wertzeichen 3 Kugeln), Mercurius (Sextans-Wertzeichen 2 Kugeln) und der Bellona (Uncia-Wertzeichen eine Kugel) dargestellt. Auf der Rückseite findet sich dagegen stets ein Schiffsvorderteil (prora), eine Darstellung, die früher zum Teil als eine Anspielung auf die Wegnahme der Flotte von Antium (338 v. Chr.) oder als Hinweis auf den Seesieg des C. Duilius bei Mylae (260 v. Chr.) erklärt worden ist. Daneben werden auch hier die Wertzeichen wiederholt.

Der griechische Einfluß auf das frührepublikanische Münzwesen Roms ist erstmals 326 v. Chr. faßbar, als in Neapel in römischem Auftrag Kupfermünzen mit der Legende RWMAIWN hergestellt wurden. Verstärkt hat sich dieser Impuls dann im Pyrrhuskrieg, als Rom auf dem süditalischen Kriegsschauplatz ein auch für seine Verbündeten und Partner akzeptables Geld benötigte und deshalb in kampanischen Münzstätten die Serien der 'Römisch-Kampanischen Didrachmen' im Gewicht von rund 7,5 g Silber prägen ließ. Ihre Bilder (zum Beispiel Mars-Pferdekopf; Apollo-Pferd) schlossen eng an tarentinische beziehungsweise karthagische Vorbilder an. Nur die Legende ROMANO (für ROMANOM, arch. Gen. Plur.) kennzeichnete den Prägeherrn. Wie hier, so haben auch später immer wieder Erfordernisse der äußeren Politik oder bestimmter Kriegsschauplätze eine 'römische' Münzprägung außerhalb Roms entstehen lassen, Emissionen, die freilich anfangs stets unter der Kontrolle des Senates entstanden sind, erst seit der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. dann unter der Eigenverantwortung der betreffenden Feldherrn. An diese Dezentralisation der Münzprägung knüpften dann später Oktavian und die anderen Triumvirn an.

Mit den römisch-kampanischen Didrachmen war nun aber auch bereits der Übergang zu einem bimetallischen System vorbereitet, der dann endgültig vollzogen wurde, als - wahrscheinlich 269 v. Chr. - in Rom selbst Didrachmen geprägt wurden, die schon durch ihre Bilder (Vorderseite: Hercules; Rückseite: Wölfin mit Romulus und Remus) die Prägehoheit Roms erkennen ließen. Es folgten Didrachmen mit Romakopf auf der Vorder-, Victoria auf der Rückseite; in der Legende wurde ROMANO durch ROMA ersetzt und vermutlich 235 v. Chr. dann der sogenannte Quadrigatus eingeführt, Didrachmen, welche auf der Vorderseite einen janusähnlichen, aber bartlosen Kopf zeigen, auf der Rückseite luppiter mit Blitzbündel und Szepter, von einer Nike begleitet, in einer nach rechts fahrenden Quadriga, dazu die Legende ROMA.

Wohl 213 v. Chr. folgte dann der ebenfalls nach seinem Bildtypus als Victoriatus bezeichnete Silbertypus im Gewicht von etwa 3,41 g und darauf dann schließlich diejenige Silbermünze, die gleichsam zum Nenner der römischen Prägung überhaupt werden sollte, der Denar. Die ersten Serien dieses neuen Silbernominals im Gewicht von circa 4,5 g zeigen auf der Vorderseite den Kopf der Roma mit Helm, auf der Rückseite die mit eingelegten Lanzen nach rechts galoppierenden Dioskuren.

Da parallel zu dieser Entwicklung auch die Gewichtseinheiten der Kupferprägung - ausgehend vom einstigen Libral- über den Semilibral-, den Quadral- bis zum Sextantaistandard - herabgesetzt worden waren, konnte der Denar 10 Sextantar-Assen gleichgesetzt werden, Assen, die jetzt auch geprägt und nicht mehr gegossen wurden. Die wichtigsten Nominale dieses Währungssystems waren neben dem durch X oder * gekennzeichneten Denar der Quinar (V), der Sesterz (IIS) und der As. Das Absinken des Normalgewichts des Denars auf zuletzt etwa 3,89 g und das des Asses auf zuletzt ca. 27,3 g brachte dann die Relation von 1 Denar = 16 Asse, bei der es auch blieb, als der As nach dem Semiuncialstandard endlich nur noch ein Gewicht von ca. 13,6 g aufwies und damit zur Kreditmünze geworden war (um 90 v. Chr.).

Goldserien wurden in der Zeit der römischen Republik dagegen nur in Ausnahmefällen geprägt. Eine erste mit dem Gewicht von 6, 4 und 3 Scrupel (1 scripulum = 1,13 g), mit den Bildern des Januskopfes und einer Eidszene, gehört wohl mit dem Quadrigatusstandard zusammen und ist vielleicht 216 v. Chr. anzusetzen. Eine zweite (Mars-Adler) mit den Wertzeichen LX, XXXX, XX (Asse) soll nach neuerer Forschung 211 v. Chr. entstanden sein. Eine Serie eigener Art bilden jene Goldstatere, welche in Griechenland für T. Quinctius Flamininus geprägt wurden; unter Sulla und Pompeius folgen dann weitere Goldserien, doch setzt die Emission des Aureus im Gewicht von über 8 g erst unter Caesar in größerem Umfang und in kontinuierlicher Weise ein. Aus diesen Ansätzen kommt es dann schließlich in augusteischer Zeit zu dem stabilen, alle drei Metallsorten umfassenden Geldsystem der frühen Kaiserzeit, das durch folgende Relationen charakterisiert wird:

1 Aureus = 25 Denare

1 Denar = 4 Sesterze

1 Sesterz = 2 Dupondien

1 Dupondius = 2 Asse

1 As = 4 Quadranten.

Die Münzbilder und -legenden der römischen Republik werden, wie gesagt, anfangs weithin durch griechische Prinzipien und Vorbilder bestimmt. In den Götterdarstellungen wie in den langen Reihen der Quadrigaten, Victoriaten und Dioskurenserien prägt Rom den Nachbarn in griechischem Stile charakteristische Bilder seiner Hoheit ein. Demonstrativ tritt der römische Staat gerade in den Krisen seiner Expansionsphase als geschlossene Einheit auf. Erst seit dem Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. geht die Stadt von diesen stereotypen Geprägen ab. Die für die Prägung verantwortlichen Münzmeister nehmen sich größere Freiheit in der Gestaltung und damit beherrscht schließlich der starke 'Wille der römischen Aristokratie, die Leistungen der Vorfahren zu rühmen, um auch die eigene Stellung zu festigen, das römische Münzbild. Zunächst erfolgt dies durch symbolischen Hinweis, zuletzt durch die ganz eindeutige Zurschaustellung der Tradition des eigenen Geschlechts. Ähnlich entwickelt sich die Differenzierung der Legende. Auch hier werden die Sigel und Namen der Beamten schließlich von Bilderklärungen und Hinweisen auf die Taten der Vorfahren abgelöst.

Wenn so, insbesondere in der Zeit zwischen Marius und Caesar, der Ruhm der facta maiorum und die Hervorhebung der einzelnen gentes zum Hauptthema der römischen Münzprägung wird, so erklärt sich diese Tatsache nicht zuletzt dadurch, daß die Angehörigen der senatorischen Familien als erste Stufe ihrer Ämterlaufbahn auch das Amt eines III-vir monetalis (III vir AAAFF = aere, argento, auro flando, feriundo) bekleiden konnten, das Amt eines Mitglieds der in der Regel für die Münzprägung verantwortlichen Dreimännerkommission.

Szenen, die im Zusammenhang mit der legendären Tradition der römischen Adelsgeschlechter standen (zum Beispiel die Darstellung des Hirten Faustulus, der Romulus und Remus fand, durch Sextus Pornpeius Fostulus, Bauten (wie die Aqua Marcia, die Basilica Aemilia und andere mehr), Bilder der Vorfahren (zum Beispiel des Marcellus, Scipio Africanus, Sulla), Bildszenen, die an deren militärische oder politische Leistungen erinnern (zum Beispiel die Abbildung von Elefanten zur Erinnerung an den Sieg des L. Caecilius Metellus 251 v. Chr. vor Panormus, als karthagische Elefanten erbeutet und nach Rom geschafft wurden), werden deshalb auf den Münzbildern dargestellt oder die Taten werden durch Hinweise der Legende in Erinnerung gerufen. In dem in der späten Republik alljährlichen Wechsel der Typen erringt die republikanische Prägung so in Bildersprache und Legendenformulierung eine stark differenzierte Ausdrucksmöglichkeit, die in diesem Bereich mit Ciceros Leistung für die Sprache der lateinischen Literatur zu vergleichen ist, und die zugleich die Voraussetzungen für die vielfältigen Aussagen der römischen Reichsprägung der Kaiserzeit schuf.

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13. Die Reichsprägung der Kaiserzeit (30 v. - 284 n.Chr.).

Seit Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. war die römische Münze zur Weltwährung geworden, in den großen inneren Auseinandersetzungen des römischen Revolutionszeitalters wurde ihre Aussagemöglichkeit in Bild und Legende nuanciert, in der Person des Augustus fand sie schließlich den Politiker und Prägeherrn, der sie in souveräner Weise zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung im ganzen Reichsgebiet und damit zur Stilisierung seines Principats einsetzte. Den Aussagereichtum der römischen Münzen in der Kaiserzeit hat J. Vogt einmal folgendermaßen umrissen: "Sie zeigen uns in Bildnis und Aufschrift die Porträts der Kaiser und vieler Angehörigen des Kaiserhauses, ihre offiziellen Namen und Titel, die Dauer ihrer Regierungszeit; die mannigfaltigen Bilder der Rückseiten stellen ungezählte Ereignisse der politischen Geschichte und Erscheinungen des kulturellen Lebens dar; aus dem Wechsel von Währung und Feingehalt ergibt sich die Kurve der wirtschaftlichen Entwicklung; Stil und Technik lassen die Wandlungen von Kunst und Geschmack erkennen, um so getreuer, je mehr der Einfluß persönlicher Kräfte bei diesem Erzeugnis werkstättlicher Arbeit zurückgedrängt ist." (Die alexandrinischen Münzen. I. 1924, 1.)

Aus diesem weiten Feld können hier nur wenige Themenkreise angeschnitten und an einzelnen Beispielen erläutert werden. Zunächst bilden die Kaiserporträts der Reichsprägung die einzige vollständige und offizielle Serie von Kaiserbildnissen, die wir besitzen. Die Eigenart der Herrscherpersönlichkeit wird sichtbar, ob es sich um die idealisierten Köpfe Augustus' und Caligulas, das markante Profil Galbas, den wuchtigen, energiegeladenen Schädel Vespasians oder um das "edle, aber uninteressante" (H. Mattingly) Porträt Trajans handelt. In einzelnen Fällen, wie bei Nero und M. Aurel, zeichnen die Münzporträts die Entwicklung eines Gesichtes durch Jahrzehnte hin getreu nach, in anderen (Antoninus Pius) ändert sich das Porträt praktisch überhaupt nicht. Die aus den römischen Adelsgeschlechtern hervorgegangenen Herrscher, die Repräsentanten des italischen Bürgertums, die der 'Elite aus den Kolonien' entstammenden Adoptivkaiser, die syrischen Kaiserinnen, die Soldatenkaiser des 3. Jahrhunderts - sie alle sind mit den Angehörigen ihrer Dynastie erfaßt. Die Münzen stellen die wichtigste Leitlinie der römischen Porträtkunst dar und erlauben es immer wieder, Werke der Plastik zu benennen und zu datieren. In nicht wenigen Fällen, vor allem bei den kurzlebigen Regierungen des 3. Jahrhunderts, haben allein die Münzen ein Bildnis des Herrschers oder Usurpators bewahrt.

Schon unter Augustus tritt zum Bild des Herrschers auf der Vorderseite eine ausführliche L e g e n d e, die dann, vor allem im 2. Jahrhundert n. Chr., häufig auch noch die Rückseitendarstellung umgibt, eine Legende, welche in genau festgelegter Reihenfolge den Namen des Kaisers und seine offizielle Titulatur aufführt. Gewöhnlich steht sie im Nominativ, seltener, zum Beispiel bei Trajan, auch im Dedikationsdativ. Die Legende zerfällt im allgemeinen in zwei Hauptteile. Der erste gibt den Namen an, zum Beispiel IMP(erator) CAES(ar) DOMITIANVS AVGVSTVS. Hierbei sind 'Imperator' und 'Caesar' kaiserliche Namensbestandteile, auch 'Augustus', - dem dann gegebenenfalls die Siegerbeinamen des betreffenden Herrschers folgen, bei Domitian ein GERMANICVS, im Falle Trajans GERMANICVS, DACICVS, PARTHICVS. Als zweiter Hauptteil der Legende schließt sich daran die eigentliche Titulatur an, eingeleitet durch die Nennung des Oberpontifikats - P(ontif ex) M(aximus) -, der dann die Angabe der wiederholten, damit datierenden, Übernahme der tribunizischen Gewalt - TR(ibunicia) P(otestate) ... , die Zahl der Akklamationen zum IMPERATOR, die Iteration des Konsulats (wiederum Datierungsmöglichkeit) und endlich meist abschließend der Ehrenname 'P(ater) P(atriae') folgen. Es ist eine Sondererscheinung, wenn Domitian davor den allein von ihm beanspruchten Titel eines 'Censor perpetuus' nennt. Eine vollständige Münzlegende der Reichsprägung lautet demnach unter Domitian mit den charakteristischen Abkürzungen: IMP CAES DOMIT AVG GERM PM TR P X IMP XXI COS XV CENS P PP.

Die Münzlegende entspricht somit den auch aus den Inschriften bekannten Normen. Aber im Gegensatz zu den Formulierungen der Inschriften läßt sie die Entwicklungen der offiziellen Titulatur Jahr für Jahr ablesen und so ein genaueres Bild auch der Entwicklung der Principatsidee erfassen. Dafür sind beispielsweise die Angaben der Filiation im julisch-claudischen Haus nicht weniger wichtig als zur Zeit des Adoptivkaisertums; die in Siegesbeinamen und Ämterfolge peinlich beachtete Gleichberechtigung des M. Aurel und L. Verus nicht weniger als der Anschluß der Severer an das Haus M. Aurels. Seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. werden die vollständigen Formeln der Legende dann jedoch zur Ausnahme. Es bildet sich der Gebrauch knapperer Legenden aus, wie zum Beispiel in IMP GALLIENVS P(ius) F(elix) AVG.

Wenden wir uns dem Bildraum der Rückseiten zu und zugleich den die Bilder erläuternden, mit ihnen eine Einheit bildenden Rückseitenlegenden, so ist davon auszugehen, daß diese in der römischen Kaiserzeit eine weit größere Beachtung fanden als dies in der von Bildern übersättigten Gegenwart der Fall ist. Die Münze war im Gegenteil das wichtigste Verbreitungsmittel der Parolen, Programme und Appelle der kaiserlichen Regierung. Sie erhellt, wie der Kaiser jeweils die Lage des Reiches verstanden wissen wollte, auf welche Tugenden, Leistungen und Werte er sich stützte, welche Kräfte er aufrief. Vor allem zu Regierungsbeginn erfüllte die Münze Funktionen, die heute den durch die Massenmedien verbreiteten Regierungserklärungen, Proklamationen oder Thronreden zukommen.

Wenn in zahlreichen Typen, vornehmlich im Jahrhundert der Soldatenkaiser, immer wieder die FIDES MILITVM, die FIDES EXERCITVVM, CONSENSVS und CONCORDIA EXERCITVVM gerühmt oder gefordert werden, so stellen solche Bilder und Legenden die Abhängigkeit der Kaiser vom Heer, das 'den Kaiser machte', klar heraus. Die Rolle des Heeres in den inneren Machtkämpfen illustrieren daneben etwa die Legionsserien unter Septimius Severus, die im Typus Legionsadler und Feldzeichen mit den jeweils verschiedenen Nummern der beteiligten Legionen zeigen und damit im Prinzip eine ähnlich gestaltete Massenemission, die ,,Legionsdenare" M. Antons wieder aufnehmen.

Eine andere Bindung des römischen Kaisers kommt im Bereich der LJBERALITAS-Prägungen zum Ausdruck, die auf die Geschenke des Kaisers an das römische Volk anspielen und entweder die Personifikation der Liberalitas mit Füllhorn und Tessera darstellen oder die Verteilungsszene selbst. In den gleichen Zusammenhang gehört auch der ANNONA-Typ, der die Sorge des Kaisers für die Getreideversorgung Roms und Italiens symbolisiert. Das durch das Walten des Herrschers gesicherte Glück und allgemeine Wohlergehen bringen in anschaulicher Weise die Personifikationen der FELICITAS, FORTVNA, HILARITAS und der SALVS PVBLICA zum Ausdruck. Ihre Attribute (Zweig, Füllhorn, Steuerruder) haben in der Symbolsprache ihre Bedeutung bis heute bewahrt. Andere Münzen rühmen die klassischen Herrschertugenden des Augustus, VIRTVS, IVSTITIA, CLEMENTIA und PIETAS, daneben aber auch alle nur denkbaren menschlichen Vorzüge und Tugenden, welche der jeweilige Kaiser verkörperte oder beschwor. Vor allem wurden seit Augustus PAX und VICTORIA als die Hauptleistungen des Principats eingehämmert. Der durch siegreiche Behauptung errungene gute Friede des Reiches blieb die vornehmste, immer wieder neu gestellte Aufgabe des Herrschers.

Als Spiegel der Zeitereignisse verschloß sich die Münze in der Regel dem Alltäglichen oder dem nur Aktuellen. Stattdessen nahm sie Bezug auf Außerordentliches und Bleibendes. Aber gerade durch diese Beschränkung und durch die ständige Wiederholung oder Variation der Bilder prägte sie historisch bedeutsame Fakten, Leitbilder und Formeln nachdrücklich ins Bewußtsein ein. Szene, Symbol und Personifikation bildeten dazu die wichtigsten Formen. Eine historische Szene ist beispielsweise dargestellt und gleichzeitig in neuer Sprachregelung zu allgemeiner Bedeutung erhoben, wenn Claudius seine Aufnahme im Prätorianerlager nach der Ermordung Caligulas mit den Legenden IMP(erator) RECEPT(us) oder PRAETOR(io) RECEPT(us) abbilden läßt. Der Zwangsaufenthalt, den man bestenfalls als Schutzhaft bezeichnen könnte, ist hier zur "Aufnahme" umstilisiert; die Prätorianer, die den Thronanwärter in ihrer Hand hatten, sind zu Partnern des Kaisers geworden. In ähnlicher Weise wird eine bedeutsame außenpolitische Szene auf einem Sesterz Trajans geschildert: Der Kaiser sitzt in der sella castrensis auf einer Empore, hinter ihm steht ein römischer Offizier. Der parthische König Parthamaspates ist vor die Empore getreten, vor ihm kniet am Boden eine Personifikation der Parthia. Unter der Legende REX PARTHIS DATVS stellt die Münze somit jene Szene dar, in welcher Trajan nach dem Zusammenbruch seiner Annektionspolitik im Zweistromland das Gesicht durch die Einsetzung eines parthischen Vasallenkönigs zu wahren suchte.

Weit häufiger begegnet jedoch die Fixierung allgemeiner Tatbestände. So wird die Besetzung oder Eroberung neuer Provinzen in der Sprache der Münzen in völlig verschiedener Weise zum Ausdruck gebracht: In den IVDAEA CAPTA - Typus Vespasians und Titus' ist etwas von der Erbitterung und Härte der Kämpfe eingegangen, in der Emphase der Legende ebenso wie in der Darstellung der trauernden Iudaea. In den Legenden 'ARABIA ADQUISITA' und 'ARMENIA ET MESOPOTAMIA IN POTESTATEM POPVULI ROMANI REDACTAE' Trajans tritt dagegen die offizielle römische Sprachregelung klar zu Tage.

Unter Hadrian sind insbesondere die Reisen des Kaisers durch die Provinzen ein beliebtes Thema der Stempelschneider geworden. In den Personifikationen der einzelnen Reichsglieder (AEGYPTOS, DAC1A, HISPANIA, AFRICA und so fort) sind den Bewohnern des Imperiums das ganze Ausmaß und die Vielfalt des orbis Romanus vor Augen geführt worden. In der Kleidung, den Waffen, Beizeichen, Symbolen, der Andeutung der Landschaft wurden typische Einzelheiten ausgewählt und abgebildet: so für Agypten der heilige Vogel Ibis und die Isisklapper, für Dakien das gebogene Schwert, für Africa Skorpion, Ähren und Füllhorn, für Hispania Ähre und Kaninchen.

So vielfältig die Bilderwelt ist, deren Reichtum hier nur angedeutet werden kann, in ihrem Mittelpunkt bleibt in der Regel doch, sichtbar oder unsichtbar, der princeps selbst. Durch den schlichten Eichenkranz, die uralte Auszeichnung ob cives servatos, wird er ebenso geehrt wie durch das Bild, das ihn als Wiederhersteller des Erdkreises zeigt, der einer knieenden Gestalt die Hand reicht, um sie aufzurichten. Auch die Lorbeerbäume, die vor der Haustür des Augustus eingepflanzt wurden, das carpentum, das Ehrenfahrzeug der Kaiserinnen in der Stadt, die Triumphbogen in Rom und die Reiterstandbilder der Kaiser werden wie viele andere charakteristische Ehrungen auch im Münzbild verbreitet. Noch die consecratio wird dargestellt in der Auffahrt des verstorbenen Kaisers zu den Göttern, in einer Quadriga oder auf dem Rücken eines Adlers, die Kaiserin meist auf einem Pfau. Wie A. Alföldi, J. Gagé, M. P. Charlesworth und viele andere Gelehrte gezeigt haben, ist die Münzprägung die wichtigste Quelle für die Erforschung der Principatsidee.

Besonders ergiebig sind die Aussagen der Münzbilder und -legenden sodann für den Bereich der R e l i g i on s g e s c h i c h t e. Ein Vergleich der kaiserzeitlichen Götterdarstellungen mit den republikanischen erschließt den durchgreifenden Wandel der religiösen Anschauungen. An die Stelle der großen Hauptgottheiten, die allgemein so bekannt waren, daß sie einer Kennzeichnung durch die Legende nicht bedurften, traten nun speziellere Erscheinungen. Neben dem mächtigen Haupt des einen [beinamenlosen; d. Hg.] Iuppiter tauchen nun die vielfältigen Bilder des Iuppiter Capitolinus, Conservator, Fulgerator, Liberator, Propugnator, Stator, Triumphator, Victor, Ultor und noch manche andere auf. Aber auch neue Kräfte breiten sich im Münzbild aus, im 3. Jahrhundert n. Chr. vor allem Sol, der schließlich als Sol invictus comes der wichtigste Vorläufer der christlichen Religion wird. In den einzelnen Regierungen dominieren dabei naturgemäß immer diejenigen Gottheiten, an die sich der Kaiser selbst anlehnte, unter deren besonderem Schutz er sich wußte, zu denen er sich demonstrativ bekannte. So erklärt sich das Überwiegen des Iuppiter Custos und der Minerva unter Domitian, das des Hercules unter Trajan und Commodus, das Sols unter Elagabal und Aurelian.

Auch die Tempeldarstellungen geben nicht nur Hinweise über die Gestalt der Bauten, sondern zugleich über Verbreitung und Intensität der einzelnen Kulte. Zwischen den Jahren 88 v. Chr. (Juppiter Capitolinus) und 311 n. Chr. (Venus und Roma), der ersten und der letzten Abbildung, erscheinen nicht weniger als 43 verschiedene römische Tempel auf Münzdarstellungen. Dabei begegnen bemerkenswerte Unterschiede. Unter Augustus werden Divus Julius-, Mars Ultor- und Iuppiter Tonans-Tempel abgebildet, unter Antoninus Pius diejenigen der Venus und Roma, Diva Faustina, des Bacchus, Divus Augustus, Genius Senatus, Hercules Victor und ein nicht sicher identifizierter. Daß auch die Wahl dieser Tempeldarstellungen Ausdruck persönlicher Entscheidung des Herrschers war, belegt neben der Darstellung des Divus Julius-Tempels des Augustus diejenige des Isis CampensisTempels Vespasians.

Selbstverständlich sind auf den Münzen nicht nur die römischen Tempel abgebildet worden, sondern - vornehmlich auf den Provinzialprägungen - auch die großen Heiligtümer in den Provinzen, so der Artemistempel in Ephesos, der Tempel des Iuppiter Heliopolitanus in Baalbek. Daneben begegnen Bilder der großen Altäre. Der Altar von Pergamon ist auf einem kaiserzeitlichen Medaillon zu erkennen; der Altar der Roma und des Augustus in Lugdunum, dem gallischen Zentrum des Kaiserkultes, war durch die Münzen jedem Bewohner des römischen Westens vertraut.

Ahnlich reichhaltig sind die Darstellungen profaner Architektur. Der Hafen Ostias, das flavische Amphitheater, das Macellum, die Caracallathermen, die Donaubrücke Trajans, ja selbst vereinfachte Stadtbilder, wie diejenigen von Trier, London, Mainz, sind auch im römischen Münzbild dargestellt worden, zum Teil in durchaus gelungener Wiedergabe der wichtigsten Elemente dieser imperialen Architektur.

Der hier mit wenigen Strichen und Beispielen angedeutete Rahmen der Aussagemöglichkeiten der römischen Reichsprägung der Kaiserzeit ist nun freilich von den einzelnen Herrschern in sehr verschiedenartiger und oft sehr persönlicher Weise ausgefüllt worden. Unter A u g u s tu s nimmt beispielsweise die besonnene Stilisierung der innen- und außenpolitischen Erfolge weiten Raum ein. Victoria- und Neptunbilder rühmen den Sieg bei Actium, das Ende des Bürgerkrieges verbirgt sich hinter der Parole 'Aegypto capta'. Die Wiedergewinnung der an die Parther verlorenen Feldzeichen 20 v. Chr., der Erfolg in Armenien, aber auch die Feier der Saecularspiele 17 v. Chr., die Ehrungen 27 v. Chr. und die Vorstellung der Enkel C. und L. Caesar als principes iuventutis - dies sind nur die Hauptthemen der vielfältigen Bilder, die es erlauben, einen reichhaltigen numismatischen Kommentar zu den res gestae zusammenzustellen.

Unter T i b e r i u s herrscht dann ein ganz anderer Stil. Indifferent gegenüber persönlichen Ehrungen bekennt sich dieser Kaiser demonstrativ zum Divus Augustus Pater. Er räumt den Mitgliedern des iulisch-claudischen Hauses eigene Münzbilder ein, stellt die großen Verwaltungstugenden lustitia, Salus, Clementia und Moderatio als beredten Ausdruck seiner Herrscherauffassung heraus, und er erwähnt nur im Ausnahmefall eine besondere persönliche Leistung, so in dem 'Civitatibus Asiae restitutis'.

C a l i gu l a s Prägung fällt durch das starke Pathos des Einsatzes auf. Eine Adlocutio cohortium-Szene wirbt um die Gefolgschaft von Garde und Heer, die Darstellung eines Kaiseropfers vor dem DivusAugustus-Tempel ist als Huldigung an die augusteische Tradition zu verstehen, wie die Darstellung der drei Schwestern des Kaisers als Niederschlag seiner oft als hellenistisch bezeichneten Vorstellungen über den Rang des kaiserlichen Hauses und die Stellung der Dynastie. Vor eine besonders delikate Aufgabe sah sich die Reichsprägung unter Cl a u d i us gestellt. Gedenkprägungen für den älteren Drusus und Antonia riefen die Verdienste der Familie des neuen Herrschers in Erinnerung, relativ neutrale Bilder und Legenden, die keine Angriffsflächen boten wie Constantiae Augusti, Paci Augusti, Spes Augusta, Ceres Augusta, Libertas Augusta sollten von der schwachen, alles andere als imponierenden Gestalt des Kaisers ablenken.

Unter N e r o erreicht die römische Reichsprägung vornehmlich in den Großkupferemissionen einen ersten künstlerischen Höhepunkt. Roma- und Vesta-Typen begleiten nach dem Brande Roms den Wiederaufbau der ewigen Stadt. Salus-, Securitas- und luppiter Custos-Darstellungen feiern Neros Rettung in der Pisonischen Verschwörung, die Darstellung des geschlossenen Tores des lanustempeis den Beginn der nach Abschluß des Partherkrieges erträumten Friedensära, Bilder von Großbauten und eines Congiariurn die tätige Fürsorge für die Stadt Rom. In der Gestalt des Citharoeden Apollo waren die künstlerischen Ambitionen des Kaisers dagegen nur verhalten und indirekt zu fassen, wie die Reichsprägung überhaupt allezeit in hohem Grade konservativ geblieben ist.

Nach den Wirren des Bürgerkrieges bekannte sich V es p a s i a n durch die Wiederaufnahme augusteischer Bilder programmatisch zum jetzt schon verklärten Beginn der augusteischen Reichsordnung. Daneben sollten die großen Emissionen, die den Erfolg in Iudaea rühmten, die flavische Dynastie legitimieren. Dom it i an, der an diesem Sieg keinen Anteil hatte, ließ dagegen in einer fast provozierenden Weise seine Erfolge in Germanien feiern, in einem anderen Zyklus dann die Saecularspiele von 88 n. Chr. festhalten. Und so wie diese Herrscher, so haben auch die folgenden Adoptivkaiser und die Soldatenkaiser des 3. Jahrhunderts dann der Prägung jeweils ihre eigenen Akzente verliehen. Unter Nerv a stehen die inneren Reformen, unter T r a j a n die großen militärischen Erfolge und die Bauten des Kaisers in Rom, unter H a d r i a n die Inspektionen und Reisen, die den ganzen inneren und kulturellen Reichtum des Imperium vor Augen führen, im Vordergrund. Von M. A u r e l an dann die Behauptung des Reiches nach Außen wie im Innern.

14. Ausgewählte Bibliographie zur Numismatik der römischen Kaiserzeit.

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15. Organisation der Münzprägung, Prägestätten, Sondererscheinungen.

An die Stelle der in republikanischer Zeit für die Münzprägung verantwortlichen Kommission der tresviri monetales trat in der Kaiserzeit eine zuletzt straff durchgegliederte Organisation der kaiserlichen Verwaltung, die uns allerdings erst seit der Zeit Trajans schlüssig belegt ist. Danach unterstand die Münzprägung dem 'a rationibus', dem Ressortleiter der gesamten kaiserlichen Finanzverwaltung, die römische Münzstätte einem procurator monetae, der dem Ritterstand angehörte. Die Münzstätte selbst war in mehrere Abteilungen, officinae, aufgegliedert. Leiter des technischen Betriebes der Münzstätte war vermutlich der optio et exactor auri argenti et aeris. Die aus kaiserlichen Freigelassenen und Sklaven zusammengesetzten Spezialisten bildeten die sogenannte familia monetalis. Eine Reihe von Handwerkerkategorien sind bekannt, so die Stempelschneider, scalp toTes, die Vorleger der Schrötlinge, suppostores, und die Zuschläger, die malleatores.

Die Struktur der Münzprägung wird in der Kaiserzeit durch das Nebeneinander und die gegenseitige Ergänzung von Reichsprägung, Provinzialprägung, Lokalprägung, Nachprägung oder Barbarisierung und Sonderemissionen in Krisenzeiten gekennzeichnet.

Für die Beurteilung der Reichsprägung ist dabei die Tatsache wichtig, daß noch unter Augustus der größte Teil der Edelmetallprägung außerhalb Roms hergestellt wurde, wobei zunächst östliche Prägestätten, später spanische und Lugdunum den Hauptteil der Emissionen lieferten. Erst unter Caligula beginnt die zentralisierte Herstellung aller drei Metallsorten in Rom selbst, die jedoch auch später außerhalb Roms produzierte Emissionen der Reichsprägung nicht ausschloß. Für größere Gruppen der Reichsprägung ist deren Struktur noch nicht abschließend erforscht; es ist möglich, daß hier ein Netz von Haupt-, Filial- und Hilfsprägestätten bestand. Seit dem Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. verlagerte sich jedenfalls wieder ein Großteil der kaiserlichen Prägung im Zusammenhang mit Usurpationen oder Grenzkriegen an die Peripherie des Reiches, der Zug zur Dezentralisation nahm entschieden zu und wurde dann in dem spätantiken Münzsystem neu geordnet.

Unter Provinzialprägungen werden zumeist die ebenfalls unter kaiserlicher Kontrolle in den Provinzen hergestellten Münzreihen verstanden, von denen diejenige aus Alexandria mit ihren eigenartigen Billontetradrachmen die wichtigste ist. Auch in Syrien (Antiochia, Tyros und andere Städte), Kappadokien (Caesarea), Asia, Bithynien, Dakien, Moesien sind solche Reihen jeweils für den regionalen Geldbedarf hergestellt worden. Insbesondere im griechischen Bereich wurden Reichsprägung und Provinzialprägung dann durch Lokalprägungen ergänzt; vor allem in Kleinasien sind zahlreiche, miteinander verbundene Netze kaiserzeitlicher Stadtprägungen bekannt, die erst in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. abbrachen.

Das Bildgut dieser kaiserzeitlichen Stadtprägungen des griechischen Ostens ist von größtem religions- und kulturgeschichtlichem Interesse und von der Forschung bisher nur zu einem geringen Teil näher analysiert worden. Die Städte rühmen sich auf diesen, in der Regel aus Kupfer bestehenden Serien ihrer Bauten, Kultbilder und der Verbindungen zur hellenischen Mythologie. Sie brüsten sich mit ihren Ehrenrechten, Spielen und Erinnerungen, nur verhältnismäßig selten begegnet der Niederschlag zeitgenössischen Geschehens, wie der festliche Einzug eines Kaisers oder die Feier eines Sieges. Bislang sind die Prägungen der einzelnen Städte in der Regel isoliert gesehen worden. Die neuere Forschung spürt dagegen den Querverbindungen und Zusammenhängen nach, sie wertet etwa die Gruppe der Homonoiaprägungen als Ausdruck der Isopolitie.

N a c h p r ä g u n g en (Barbarisierungen) von Münzen sind schon aus der Blütezeit des griechischen Geldwesens bekannt, wo im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. in Syrien athenische Eulen, im 5. und 4. Jahrhundert auf Sizilien syrakusanische Typen, im 3. und 2. Jahrhundert makedonische Vorbilder nachgeahmt wurden. Die römische Kaiserzeit bringt insbesondere in der iulisch-claudischen Epoche, in der zweiten Hälfte des 3. und im 4. Jahrhundert n. Chr. neue Höhepunkte dieser Erscheinung, die aus Nordwesteuropa, dem Donauraum, dem Kaukasusgebiet, selbst aus Indien bekannt ist. In Nordwesteuropa löste dabei die Einbeziehung Galliens und Britanniens in den Bereich der römischen Geldwirtschaft eine erste Woge, die Zeit des gallischen Sonderreiches (259-273 n. Chr.) die zweite, die Schrumpfung des römischen Geldnachschubs nach Britannien die letzte, in ihren Nachwirkungen noch in der angelsächsischen Prägung faßbare, Welle aus. Anzuschließen sind hier im Prinzip weithin auch die germanischen Nachprägungen der Völkerwanderungszeit.

Für die Chronologie der Nachprägungen hat sich im allgemeinen deren enger zeitlicher Anschluß an die Vorbilder bestätigt, auffallend ist indessen, daß sie nicht nur im freien Germanien zirkulierten, sondern weithin auch in römischen Lagern und Siedlungen. Die Existenz von Barbarisierungen kann als Gradmesser wirtschaftlichen Einflusses bewertet werden. Dies zeigt sich zum Beispiel deutlich im Kaukasusgebiet und im Raum der Republiken Georgien, Armenien und Azerbeidschan. Denn während im Süden und Nordwesten dieses Gebietes römische Typen barbarisiert wurden, kommen im Osten fast ausschließlich Nachprägungen parthischer Münzen vor, so daß sich in diesem Glacis des mediterranen Wirtschaftsgebietes die Einflußradien der Großmächte in der Gestalt von Nachprägungen überschneiden.

In akuten Krisen der Geldversorgung begegnen daneben Notmaßnahmen, wie die lokalen Anfertigungen von Münzserien mit Hilfe von Gußformen, die nicht alle Falschmünzerwerkstätten entstammen dürften, sondern zum Teil wohl auch in staatlichem Auftrage produziert worden sind.

G e g e n s t e m p e l treten wie die Nachprägungen ebenfalls schon in griechischer und hellenistischer Zeit auf. Die kleinen, in die Münzen eingehauenen Stempel weisen in der Regel sigelähnliche Bilder, Zahlzeichen, Abkürzungen von Namen (meist mit Ligaturen) auf. Im allgemeinen dienten sie dazu, abgegriffene Münzen oder Gepräge fremder Provenienz im eigenen Währungsgebiet kursfähig zu machen. So sind zum Beispiel nach der Niederlage von Magnesia und nach den schweren Kontributionslasten, die die seleukidische Monarchie empfindlich schwächten und ihre Geldreserven schlagartig auflösten, zwischen 190 und 164 v. Chr. in Antiochia Silbergepräge von nicht weniger als 12 verschiedenen benachbarten griechischen Städten durch einen Gegenstempel in Gestalt eines seleukidischen Ankers anerkannt worden. - In der frühen Kaiserzeit häuften sich solche Gegenstempel auf Geprägen der Rheinfront (zum Beispiel in der Form von IMP, A/G, TIB IMP, eines Caesar-monogramms und ähnlicher Art). Eine befriedigende Erklärung ist bisher noch nicht gefunden worden. Möglicherweise sollten die Gegenstempel auch hier zum Teil ältere Münzen als noch kursfähig bezeichnen, möglicherweise stehen sie aber auch im Zusammenhang mit der Auszahlung von Donativen an die Truppen.

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16. Die Prägungen der Spätantike.

Der Verfall des kaiserlichen Geldsystems läßt sich am klarsten an dem Nominal verfolgen, das als wichtigste Geldsorte des 3. Jahrhunderts n. Chr. gelten darf, an dem unter Caracalla eingeführten Antoninian, der ursprünglich wohl zwei Denaren entsprach. Er ist an seinen Vorderseiten daran zu erkennen, daß er den Kaiser stets mit der Strahlenkrone, die Kaiserin auf einer Mondsichel darstellt, in beiden Fällen mit Elementen der sogenannten Aeternitassymbolik. Der Silbergehalt dieser ursprünglich über 5 g schweren Silbermünze betrug zunächst wenigsten noch rund 40 %, unter Valerian dagegen lediglich noch ca. 2 %, so daß ein besonderes Sudverfahren erforderlich war, um diesen schwachen Silbergehalt der einzelnen Gepräge überhaupt noch auf der Oberfläche sichtbar zu machen. Die Kaufkraft dieser als Billonmünzen bezeichneten Geldsorte (Kupfer mit Silberüberzug) sank auf den Bruchteil der kleinsten älteren Kupfermünzen ab, die Inflation erreichte seit Gallienus ihren Höhepunkt.

Erste Reformversuche setzten schon unter Aurelian ein, doch nicht einmal die drastischen Maßnahmen D i o cl e t i an s zeitigten sofortigen Erfolg. Seine Münzreform wird durch den Versuch gekennzeichnet, die drei Metallsorten wieder in ein ausgeglichenes Verhältnis zu stellen. Diesem Ziel dient die Erhöhung des Gewichts der Goldmünzen im Jahre 295 (= 1/60 Pfund = ca. 5,46 g), das Ende der Antoninianprägung 294 und die Einführung einer neuen Großkupfersorte im Gewicht von ca. 10 g, des Follis, um dieselbe Zeit, einer Sorte, welche lange einen GENIO POPVVLI ROMANI-Typus trägt und zuerst auch einen schwachen Silbersud aufwies. Aber auch dieser Stabilisierungsversuch, der in dem großen Höchstpreisedikt von 301 gipfelte, erreichte nur begrenzte Resultate.

Selbst C o n s t a n t i n d. G r. konnte weitere Gewichtsreduktionen bei den mit Silbersud überzogenen Kupfermünzen und beim Kleinkupfer nicht verhindern. Nur in der Goldprägung gelang es ihm, in der Gestalt des wohl seit 309 geprägten, seit 324 dann im ganzen Reich verbreiteten Solidus ein Nominal durchzusetzen, das sich jahrhundertelang behaupten sollte. Im Gewicht von rund 4,5 g Gold entsprach der Solidus 1/72 Pfund Gold und war wohl 24 Silbermünzen, Siliquae, im Gewichte von je ca. 2,3 g Silber oder 1000 versilberten Kupferstücken gleichgesetzt. Allerdings wurden reine Silberprägungen nun zur Ausnahme, der Geldausstoß der Spätantike wird durch relativ reiche Goldserien - neben dem Solidus erfreute sich insbesondere der Tremissis oder Triens im Gewicht von etwa 1,5 g Gold großer Beliebtheit - und den Massenprägungen von Folles, seit 348 n. Chr. den neuen Kupfersorten der pecunia maiorina (Großkupfer) und des centenionalis charakterisiert. Die Münzbezeichnungen, Gewichtsrelationen und die Entwicklung dieses Systems sind freilich noch nicht endgültig geklärt.

Wenn Diocietians Versuch einer Neuordnung des Währungssystems auch nur teilweise glückte, so legte er doch in der Organisation der Prägung die fortan gültigen Grundlagen. Das System der gegenseitigen Ergänzung und das Nebeneinander von Reichs-, Provinzial- und Lokalprägungen wurde endgültig beseitigt. Rund 20, zentral gelenkte Reichsmünzstätten übernahmen jetzt die gesamte Geldversorgung, die Provinzialprägungen alten Stils und die Lokalprägungen erloschen. Der extreme Dirigismus und die Nivellierung, die für Diocietians Verwaltungsorganisation allgemein kennzeichnend sind, bestimmen künftig auch die Gestaltung der vereinheitlichten Geldherstellung, die für regionale oder gar lokale Spielarten nur noch wenig Raum ließ. Die neue Systematisierung kommt schon rein äußerlich darin zum Ausdruck, daß nun jede Münze in der Regel die Münzstätte, großenteils auch die Offizin und selbst die Serie erkennen läßt, der sie entstammt.

Die Münzstätten werden meist im Abschnitt, dem unteren Segment, der Münzrückseiten durch kleine Buchstaben oder Buchstabengruppcn ausgewiesen: R steht für Roma, TR für Trier, SISC für Siscia, CONS für Constantinopolis, A für Antiochia, ALE für Alexandria und so fort. Die Offizin nennen einzelne lateinische oder griechische Buchstaben, die im allgemeinen mit der Münzstättenangabe kombiniert sind. So bedeutet PTR erste Offizin der Münzstätte Trier, STR die zweite. Auf die jeweilige Emission weisen besondere Zeichen im Abschnitt oder auch im Feld der Rückseite hin, zum Beispiel Punkt, Stern, Kranz. Daneben begegnet noch eine Fülle weiterer Standardabkürzungen, so SM = sacra moneta; OB = obryziacum = geläutertes Gold; PS = pusulatum = reines Silber und ähnliche.

Im gleichen Maße, in dem diese Kenn- und Kontrollzeichen immer weiteren Raum beanspruchten, gingen Differenzierung und Aussagereichtum der Gepräge zurück. In der L e g e n d e fiel die volle Titulatur mit den alten republikanischen Elementen weg. Zur Norm wurden jetzt schematische Formeln wie D(ominus)N(oster) CONSTANTINVS P(ius) F(elix) AVG(ustus). Im Stile der neuen Ausdrucksformen werden die Prinzen jeweils als nobilissimus Caesar, Helena und Fausta als N(obilissima) F(emina) bezeichnet. Sinnfällig sind daneben die neuen Gestaltungsprinzipien für das Kaiserporträt. Wohl bleiben individuelle Züge noch im 4. Jahrhundert faßbar, besonders auffällig bei dem bärtigen Julian Apostata, doch sie treten immer weiter zurück. Das Kaiserbildnis selbst wird durch Diadem, Nimbus, Prunkhelm und Prunkwaffen oder durch die Form der sogenannten Trabeabüste, durch die Darstellung des Herrschers im Prunkgewand mit Adlerszepter, majestätisch gefaßt und überhöht. In der, besonders seit Constantius II. dominierenden, frontalen Erstarrung dokumentiert sich ein neues Selbstverständnis des Kaisertums, das dann vor allem auf den byzantinischen Münzen folgerichtig beibehalten wird.

Auch in den Darstellungen und Legenden der Münzrückseiten treten neue Tendenzen hervor. Auch hier wird der Reichtum der kaiserzeitlichen Bilderwelt auf eine immer kleiner werdende Zahl von genormten Leitbildern reduziert, die in ihrer zunehmend abstrahierten Fassung nur noch in Ausnahmefällen (so in den Vota-prägungen für Regierungsjubiläen) das historische Ereignis festhalten. Letzte neue Personifikationen, wie FRANCIA und ALAMANNIA unter Constantin d. Gr. oder die an Ereignisse der jüngsten Vergangenheit anknüpfenden FEL(icium) TEMP(orum) REPARATIO-Serien Constantius' II. und Constans' (seit 348 n. Chr.) sind die Ausnahmen von dieser Regel. Die Münze feiert jetzt im allgemeinen nicht mehr den einzelnen und konkreten Germanen- oder Persersieg, sie rühmt vielmehr den Kaiser als 'victor omnium gentium', 'victor totius orbis', und hämmert allen Rückschlägen und aller Not zum Trotz den Reichsbewohnern starre Formeln ein, wie 'gloria exercitus', 'salus rei publicae', 'securitas perpetua', 'beata tranquillitas'.

Nur auf dem Gebiet der Religionspolitik läßt die Münze anfangs noch erregende Wandlungen erkennen. In die politische Theologie der lovius- und Herculius-Dynastien des diokletianischen Systems fügt sich Constantin d. Gr. von Anfang an nicht ein. Seine Prägungen stellen zuerst Mars heraus, nach der Beseitigung des Maximianus Herculius im Jahre 310 tritt Hercules aus Constantins Münzbildern ab und wird durch den demonstrativ gewählten Sol invictus ersetzt, mit dem ein universaler Anspruch angemeldet war. Das erste, einwandfrei als christlich erkennbare Zeichen auf der Prägung Constantins findet sich auf einem 315 geprägten Silbermedaillon aus Ticinum, und zwar handelt es sich um ein Christusmonogramm am Federkamm des Kaiserhelmes. 317/8 taucht das Christogramm dann auch auf Heimdarstellungen der Münzstätte Siscia auf, seit 320 wird das Vexillum abgebildet, um 321 verschwinden die alten Göttervorstellungen einschließlich Sols, ab 326 findet sich endlich das von Euseb geschilderte Labarum zu der Legende 'spes publica'. Es ist für die Religionspolitik Constantins d. Gr. bezeichnend, daß selbst in der Spätphase seiner Regierung klare christliche Symbole ausgesprochen selten begegnen. Das auffallendste christliche Münzbild wählt sich später aus durchsichtigen Gründen der Usurpator Magnentius (350-353). Julian Apostata setzt den christlichen Symbolen dann noch einmal "heidnische« Bilder entgegen, wie den Apisstier, doch der Rückschlag macht die sinnfällige 'Hoc signo victor eris'-Formel nur überzeugender. Auch hier hat Byzanz mit seinen Christus- und Mariendarstellungen im Münzbild dann den letzten Schritt getan.

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17. Medaillons und Kontorniaten.

Als M e d a i l l o n gilt "ein besonders großes und durch künstlerische Ausführung sich auszeichnendes münzähnliches Stück", als Medaille dagegen "ein metallenes, münzähnliches Erinnerungsstück ohne gesetzliche Zahlkraft" (K. Regling). Von der Medaille unterscheidet sich das Medaillon dadurch, daß es im Rahmen der kaiserlichen Münzhoheit geprägt wurde, von der Münze neben den genannten äußeren Kriteiien aber auch durch die Tatsache, daß es nicht für den Geldumlauf gedacht, sondern ganz bewußt als Werk der Kleinkunst geschaffen war. Ihrer Funktion nach sollten die Medaillons wohl in erster Linie dem Kaiser für Auszeichnungen und Geschenkzwecke zur Verfügung stehen. Man hat sie zum Teil als Ersatz für die sogenannten sportulae aufgefaßt, das heißt als kaiserliche Ehrengeschenke an die Senatoren, die an die Stelle einer Verköstigung oder Gegeneinladung traten. Richtiger wird es sein, in ihnen ganz allgemein auszeichnende Ehrengaben für die politische und militärische Führungsschicht, aber auch für Klientelkönige und -fürsten oder für andere diplomatische Zwecke zu sehen. Eine ganze Reihe von Medaillons tragen Usen, Häkchen oder Metallschlaufen. Sie sind demnach zumindest bei festlichen Anlässen angelegt worden.

Die A n 1 ä s s e, zu denen Medaillons hergestellt und ausgegeben wurden, lassen sich teilweise aus ihren Darstellungen rekonstruieren. Danach handelt es sich bei einigen um Neujahrsgeschenke (strenae), Geschenke zu den großen religiösen Festen, wie der Saekularfeier, oder zu festlichen Ereignissen im Kaiserhaus, Geburten, Heiraten (Lucilla - L. Verus; Salonina -Gallienus), seltener bei einem Todesfall (Faustina I.). Andere Gruppen feiern die profectio, die fortuna redux oder die adventus eines Kaisers. Auch liberalitas-Darstellungen und adlocutio-Szenen sind nicht selten. Von Herrschertugenden und Personifikationen treten aequitas, aeternitas, pietas und victoria Augusti besonders oft auf. In der Spätantike sollen die erstarrenden Formeln 'felicitas Romanorum', 'temporuni felicitas', 'gaudium' und 'gloria Romanorum' eine Überlegenheit des Imperiums und ein Lebensgefühl beschwören, die oft genug in krassem Widerspruch zur Realität standen.

Aus großen Schatzfunden von Tarsos und Abukir ist daneben noch eine spezielle Kategorie von Medaillons bekannt geworden, Goldmedaillons des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr., die bei Festspielen als Siegespreise ausgegeben wurden und zum Teil Bilder Alexanders d. Gr. zeigen.

Die historische Aussage der Medaillons ist im allgemeinen weniger aktuell als diejenige der Münzen. In der Regel erscheinen in ihren Bildern die Götter und Kaiser, die Mächte und Werte der römischen Welt in ihrer vollen Majestät, künstlerisch durchgestaltet und überhöht. Der Themenkreis der Darstellungen ist verengt, doch genügt er höheren Ansprüchen, die Bilder erstreben dauernde Gültigkeit. Reiterszenen, Thronbilder, der Kaiser oder der Gott, der einen Feind niedertritt oder niederreitet, Darstellungen mit Biga oder Quadriga, Trophaeen und Opferszenen - dies sind bezeichnende Beispiele aus dem Typenschatz der Bilder, denen so meist ein hoheitsvoller, feierlicher oder triumphaler Grundton eigen ist.

Medaillons wurden aus Gold, Silber oder Kupfer hergestellt, in seltenen Fällen auch aus zwei verschiedenen Metallarten. So kommen zwischen Antoninus Pius und Diocietian Medaillons vor, bei denen der innere Kern aus Bronze besteht, der Rand dagegen aus Kupfer oder umgekehrt. Bei den Goldmedaillons handelt es sich in der Regel um Stücke, deren Gewicht ein Mehrfaches der jeweiligen Gewichtsnorm des Aureus beziehungsweise des Solidus beträgt. Die Werte schwanken dabei zwischen dem 4- bis 10-fachen. Im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. sind Gold- und Silbermedaillons noch ziemlich selten, im 3. Jahrhundert treten sie häufiger auf, im 4. und 5. Jahrhundert erreichen sie ihre höchste Frequenz. Bei den Kupfermedaillons ist der Übergang zu den Sesterzen, dem größten Nominal der regulären Kupferprägung, oft nur sehr schwer abzugrenzen. Typen wie die adlocutio-Szene und die 3-Schwestern-Komposition Caligulas oder die Motive der Sesterzzyklen Neros und Domitians stehen den Medaillons in Motivwahl wie Ausführung sehr nahe. Kupfermedaillons kommen insbesondere im 2. und in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts relativ oft vor.

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Im germanischen Bereich wurden römische Medaillons und Goldmünzen häufig mit zum Teil sehr breiten, ornamentalen Schmuckrändern umgeben, aber auch Nachahmungen der Originale als sogenannte Schmuckbrakteaten gefaßt. Daneben sind noch andere Formen bekannt (Anhänger und ähnliches), in denen römische oder byzantinische Münzen zu S c h mu c k z w e c k e n verwandt wurden, beispielsweise für die langobardischen Goldblattkreuze, kreuzförmige Goldblattstreifen, die durch Münzabdrücke verziert waren.

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Als K o n t o r n i a t e n bezeichnet die neuere Fachwissenschaft medaillenähnliche Bronzestücke mit nachträglich eingegrabener tiefer Rille, die somit eine charakteristische Randwulst hervortreten läßt. Ihrer Zeitstellung nach gehören die Kontorniaten in die zweite Hälfte des 4. und in den Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. Sie sind in einer römischen Münzstätte hergestellt worden. Die Stücke, die meist einen Durchmesser von etwa 4 cm aufweisen, zeigen auf der Vorderseite häufig Bilder Alexanders d. Gr., seiner Mutter Olympias, Bildnisse der klassischen Dichter und Schriftsteller, so von Homer, Terenz, Sallust, Horaz und anderen. Von römischen Kaisern sind Nero, Trajan und Caracalla auffallend oft dargestellt. Die Rückseiten weisen in der Regel Zirkusszenen, Wagen, Pferde, Musikinstrumente, mythologische Bilder oder solche aus dem Bereich der Alexandertradition auf. Kennzeichen der Gruppe sind ferner auf den Vorderseiten ein aus P und E gebildetes Monogramm oder die Abbildung eines kleinen Palmzweiges.

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18. Münzfunde.

Die systematische Sammlung, Publikation und Auswertung der Münzfunde ist innerhalb der antiken Numismatik wohl diejenige Forschungsrichtung, welche während der letzten Jahrzehnte die bedeutendsten methodischen Fortschritte und Ergebnisse erzielt hat, Ergebnisse, die zudem in besonders weitem Umfange Nachbardisziplinen berühren. Folgende Arten von Münzfunden sind zu unterscheiden: 1. Einzelfunde (a. Streufunde, b. Siedlungsfunde), in jedem Falle Münzen, die ohne Absicht in die Erde kamen. 2. Weihefunde, 3. Grabfunde, 4. Schatzfunde (2.-4. sämtlich Münzen, die absichtlich deponiert oder verborgen wurden). Jede dieser Kategorien bietet andere Aussagemöglichkeiten, erfordert aber auch die Berücksichtigung bestimmter Voraussetzungen, die im Folgenden knapp skizziert sind.

1. Einzelfunde.

a) Streufunde.

Die Aussage einer einzelnen Fundmünze ist in der Regel relativ bescheiden. Zunächst ist zu fragen, ob es sich um einen Primär- oder um einen Sekundärfund handelt, das heißt um den Fund eines Stückes, das in der Gegenwart noch an demjenigen Punkt entdeckt wurde, an dem es im Altertum verlorenging (Primärfund) - oder um ein Stück fremder Herkunft, das in der Neuzeit ein Sammler, Reisender oder anderer verlor. Selbst dann, wenn die Münze mit Sicherheit als Primärfund gelten kann, läßt sich ein isolierter Münzfund nicht ohne weiteres als Markierungspunkt für die Rekonstruktion von Offensiven oder zu ähnlichen Zwecken verwerten. Besonders zu berücksichtigen bleibt zudem die Tatsache, daß speziell bei Kupfermünzen Prägejahr und Zeitpunkt des Verlustes nicht identisch zu sein brauchen, sondern die Umlaufsdauer der einzelnen Gepräge in Anschlag gebracht werden muß.

Anderseits erlaubt die Kartierung der Streufunde einer Landschaft unter der Voraussetzung annähernd gleichmäßiger Forschungsintensität in dem Bearbeitungsgebiet Rückschlüsse auf Konzentration und Struktur des Geldumlaufs, die Feststellung von Verkehrsverbindungen und Handelswegen, die Fixierung wirtschaftlicher oder politischer Ausstrahlung.

b) Siedlungsfunde.

Die systematische, nach Metallsorten, Nominalen, Münzstätten und Prägejahren aufgeschlüsselte Zusammenfassung aller Münzfunde einer Siedlung gestattet eine genaue Analyse des Geldumlaufs an dem betreffenden Ort. So zeigt beispielsweise die Untersuchung des am 24. 8. 79 n. Chr. verschütteten Pompeii, daß dort zwar etwa die Hälfte des zirkulierenden Kupfergeldes unter Vespasian geprägt war, daneben aber immerhin etwa ein Viertel der Münzen noch aus der Zeit Neros stammten, beträchtliche Serien selbst aus claudischer und tiberischer Zeit. Bei Berücksichtigung von Umlaufsdauer, Umlaufshöhepunkt und Frequenz der einzelnen Gepräge lassen sich Entwicklung und Intensität der Geldzirkulation erfassen. Ein Wandel der wirtschaftlichen, militärischen oder politischen Funktion der Siedlung wird in der Regel auch in der Zusammensetzung des Fundanfalls seinen Niederschlag finden. Umgekehrt ist die genaue Erforschung des Währungsumlaufes Voraussetzung für die chronologischen Rückschlüsse in archäologischer oder historischer Hinsicht. Erst wenn sie durchgeführt ist, erlauben die Münzfunde die chronologische Fixierung der Besetzung von Befestigungen oder Kastellen.

2. Weihefunde.

Relativ häufig wurden in der Antike einzelne Geldstücke als Opfer und Spende in Gewässer geworfen (Heilquellen, Brunnen, Furten). In der Quelle von Bad Niedernau bei Rottenburg kair3n so Münzen aus der Zeit von Nero bis Valens zutage, die für die Zeit nach dem Fall des Limes jedoch nur mit Vorbehalt auszuwerten sind. - Umgekehrt wird gerade der Beginn der griechischen Münzprägung durch ein Bauopfer datiert. ...

3. Grabfunde.

Als sogenanntes Charonsgeld finden sich in vielen antiken Gräbern Münzbeigaben. Obwohl auch bei diesen Münzen die Umlaufsdauer der Gepräge berücksichtigt werden muß, stellen sie meist das einzige, relativ sicher datierende Element des Fundkomplexes dar und erlauben deshalb auch die chronologische Fixierung der übrigen, in sich nicht datierten archäologischen Funde.

4. Schatzfunde.

Bei den Schatzfunden werden zwei Arten von Schätzen unterschieden: a) Horte, welche in sich Kapital vereinigen, das über eine lange Zeit hin angehäuft wurde, b) Horte, welche den in einer Krisenzeit zusammengerafften Bestand an verfügbaren Münzen umfassen.

Neben den Siedlungsfunden stellen die Schatzfunde zunächst für alle Epochen der antiken Geldwirtschaft wichtige Quellen zur Erforschung des Geldumlaufes dar. Sie zeigen die Radien der Zirkulation der großen griechischen und hellenistischen Prägungen ebenso an wie den Anteil der einzelnen Münzstätten des römischen Reiches am Geldumlauf einer Provinz oder die in Inflationszeiten besonders schnelle Zirkulation der jüngsten und damit der schlechtesten Serien. So lag beispielsweise bei einem rätischen Schatzfund des Jahres 184 n. Chr. die Prägezeit von mehr als 800/o der Münzen über 50 Jahre zurück; bei einem anderen Hort aus derselben Provinz, der um 253 n. Chr. unter die Erde kam, war dagegen kein Exemplar älter als 20 Jahre.

Für den Historiker besitzen die sogenannten S c h a t z f u n d h o r i z o n t e hohen Quellenwert. "Als Schatzfundhorizont wird die Häufung gleichzeitiger Schatzfunde in einer bestimmten Landschaft bezeichnet, die dem einzelnen Schatz den Charakter der Zufälligkeit nimmt und ihn als archäologischen Niederschlag kurzfristiger Katastrophenzeiten erweist. Die spätesten Indizien vermitteln bei Gleichzeitigkeit der Schätze die ungefähre Datierung der Katastrophe. Die geographische Verbreitung der Schätze illustriert die räumliche Ausdehnung der als Ursache der Deponierung wirksamen Geschehnisse." (J. Werner.) Auf diese Weise ist schon früh versucht worden, die Stoßrichtungen germanischer Einfälle in das römische Reich oder zumindest die Dimensionen der von ihnen ausgelösten Erschütterungen des Wirtschaftslebens zu erfassen.

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19. Fälschungen.

Es ist oben ... dargelegt worden, daß die Nachprägungen oder Barbarisierungen antiker Münzen zunächst lediglich dem Zweck dienten, den Mangel an bestimmten Geldsorten zu beseitigen. Davon sind zu unterscheiden, erstens die antiken Fälschungen, wobei es sich meist um sogenannte subaerate Münzen handelt, das heißt um Münzen, die aus einem Kupferkern mit Silberüberzug bestehen, und zweitens die modernen Fälschungen. Die letzteren gehen großenteils auf einzelne, berühmte Fälscher zurück, die zumeist ganze Serien von Fälschungen angefertigt haben, so die "Paduaner", die im 16. Jahrhundert von Giovanni und Vincenzo Cavino und Vittorio Camelio geschaffen wurden, oder die Produkte des Hofrates Becker oder jene des athenischen Fälschers Christodoulos in unserem Jahrhundert. Wenn in einigen Fällen auch die Freude an der Nachgestaltung oder das Bestreben, die Schwierigkeiten des Prägeprozesses zu meistern, zu Fälschungen verlockt haben mögen, so handelt es sich doch bei den Fälschungen der Gegenwart überwiegend um kriminelle Delikte, deren Begehung wie Entdeckung die modernen technischen Hilfsmittel in gleichem Maße erleichtert haben.

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LV Gizewski SS 2004.

Bearbeitet für das Internet: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .