Die Archäologie als geschichtswissenschaftliches Fach mit geistes- und naturwissenschaftlichen Methoden. Aus: Barthel Hrouda (Hg.), Methoden der Archäologie.

Textentnommen aus: Barthel Hrouda (Hg.), Methoden der Archäologie. Eine Einführung in ihre naturwissenschaftlichen Techniken, München 1978, S. 13 - 17 (B. Hrouda, Einleitung und Beweggründe) und 18 - 39 (B. Hrouda (Grundlagen und Methoden).


Einleitung und Beweggründe.

... Es scheint ... notwendig, in ... erläuternden und aufklärenden Beiträgen zur Archäologie nicht nur die Arbeitsweisen zu erklären, sondern ebenfalls die Frage nach der Existenzberechtigung der Archäologie zu stellen, zumal der Geldaufwand, wenn auch überhaupt nicht mit dem der Naturwissenschaften zu vergleichen, bei Ankäufen von Gegenständen oder bei der Durchführung von Ausgrabungen dann noch mehr als früher verantwortet werden muß.

Zunächst, die Archäologie ist eine historische Wissenschaft. 2 Dies ist zwar nicht neu, es ist eine Binsenweisheit, in der Regel aber nur den Wissenschaftlern bekannt, hingegen nicht den anderen, die gern und schnell mitreden wollen. Die Archäologie ist sogar ein wesentlicher Bestandteil dieser Disziplin, neben der Philologie eine ihrer Grundlagen. Bekennt man sich zur Geschichte als einem der wesentlichen wissenschaftlichen Faktoren zur Wahrheitsfindung, dann muß man auch die Archäologie akzeptieren, ja noch mehr, man muß ihr sogar einen relativ hohen Stellenwert einräumen. Die Frage ist also, ob man weiterhin an der Bedeutung der Geschichte im Rahmen der Geisteswissenschaften festhalten will oder nicht. Die Reichweite der Archäologie ist aber nicht nur auf die Geschichte beschränkt, sie hat auch eine kunstwissenschaftliche und eine religionswissenschaftliche 'Dimension'. Ohne die Beziehung zur Antike und ohne Kenntnis der Wesenszüge griechischer und römischer Kunst wäre auch die allgemeine Kunstwissenschaft nur ein Torso. Aus diesem Grunde war bis vor kurzem das Studium der Kunstgeschichte mit dem der Klassischen Archäologie eng verbunden. 3

Auf dem Gebiet der Religionsgeschichte kommt eine besondere Bedeutung der Vorderasiatischen Altertumskunde zu, da im Vorderen Orient die jüdische Religion, das Christentum und der Islam - fußend auf den dort beheimateten älteren Religionen - entstanden sind.

Der Sinn aller echten Wissenschaften besteht darin, unter Anwendung spezifischer Untersuchungsmethoden die Erkenntnismöglichkeiten für den Menschen zu erweitern, ihm zu einem besseren Verständnis seiner selbst in einer bestimmten Umwelt zu verhelfen. Die Wissenschaften liefern somit die Grundlagen für einen Rechenschaftsbericht des Menschen über sein Tun vor Gott.

Jede Wissenschaft muß daher so genau wie möglich und so breit wie notwendig arbeiten. In unserem Falle ist es beispielsweise die Einbeziehung von Naturwissenschaften, die durch ihre Untersuchungsmethoden u. a. zur Datierung oder zur Rekonstruktion der antiken Umwelt und Lebensweise genauere Angaben beisteuern können, als es die Archäologie selbst in manchen Bereichen kann.

Die wichtigste Forderung, die an eine historische Wissenschaft gestellt werden sollte, ist die nach der Erforschung der ursprünglichen Verhältnisse in der Vergangenheit. So ist es beispielsweise unwichtig zu wissen, welchen Eindruck ein antikes Kunstwerk bei einem heute lebenden Menschen hervorruft (wenn man einmal davon absieht, daß ein Kunstwerk auch erfreuen kann), vielmehr ist es die Aufgabe, in diesem Falle die Aufgabe des Archäologen, herauszufinden, welche Bedeutung und welche Aussage ein Kunstwerk für den Menschen besaß, der es vor Jahrtausenden gearbeitet oder in Auftrag gegeben hat. Mit anderen Worten, es gilt, mit jeder Untersuchung die Eigenbegrifflichkeit 4 eines antiken Werkes zu bestimmen; für die Archäologie im allgemeinen ist das freilich ungleich schwerer als für die entsprechenden Philologien, da diese a priori über ein objektives Medium verfügen, nämlich über die Sprache bzw. die Schrift, natürlich nur wenn beide gut bekannt sind und ausführliche sowie weitreichende Informationen vermitteln. Selbst das Alter einer Schrift ergibt sich oftmals schon aus Angaben im Text; in der Archäologie hingegen kann nicht einmal eine gut beobachtete Fundlage ohne weiteres für eine Datierung herangezogen werden. Bei archäologischen Bestimmungen ergeben immer erst mehrere Beobachtungen zusammen eine gesicherte Grundlage, wie ja ein Kunstwerk selbst meist nur durch den Vergleich mit anderen kulturell wie zeitlich bestimmt werden kann.

Um so mehr helfen uns hierbei naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden weiter wie z. B. die C14-Bestimmungen, die Dendrochronologie, die magnetische Datierung oder andere neue Verfahren für die Zeitbestimmung, die Lagerstättenkunde bei dem Aufspüren antiker Handelswege und Materialanalysen in der Frage nach der Echtheit eines Gegenstandes, um nur einige zu nennen. Was wären wir auch ohne Anthropologen, wenn wir ein Gräberfeld ausgraben, oder ohne die Klassifizierung von Tierknochen bei Fragen der Domestikation der Tierhaltung und der Rekonstruktion des ursprünglichen Biotops.

Besonders ein Feldforscher, der Ausgrabungen vornimmt oder auf Erkundungsfahrten geht, ist von Anfang bis Ende auf die Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern angewiesen, sei es bei der Prospektion, der Dokumentation und schließlich auch bei der Ausdeutung. Im Grunde ist Archäologie eine Art Kriminalistik. Selbstverständlich hängt die Wirksamkeit der naturwissenschaftlichen Methoden, die meist mit dem Einsatz kostspieliger und komplizierter Geräte verbunden ist, von ihrer Anwendungsmöglichkeit in bestimmten Ländern ab. Hier müssen gegebenenfalls gewisse Abstriche gemacht und oft auf manches verzichtet werden.

Man sollte auch nicht zu modernistisch denken und dort, wo eine alte traditionelle Methode noch vollkommen ausreicht, immerfort nach dem Neuen schielen, denn leicht wird man so in eine Abhängigkeit gedrängt, und der Archäologe verwandelt sich in einen Techniker, der den direkten Kontakt zu den antiken Gegenständen verloren hat und erst wieder 'im Bilde ist', wenn die Lochkarten von der Maschine freigegeben werden.

Diese Überlegung führt uns zu der Frage, ob aus der äußeren Zusammenarbeit der verschiedenen Wissenschaften nicht auch zwangsläufig ein innerer Bezug entstehen kann oder gar entstehen muß. Solange von der einen Wissenschaft lediglich bei der anderen angefragt und Auskunft eingeholt wird, bleibt die Berührung nur oberflächlich. Führen aber erst gemeinsame Überlegungen zu einem Ziel wie bei der Erforschung der frühen Menschheit oder lassen sich durch Naturereignisse bestimmte Phänomene erklären, Veränderung der Vegetation durch Klimaschwankungen etc., dann kann eine Wissenschaft leicht einen anderen Charakter annehmen. Die Archäologie kann sich so von einer geisteswissenschaftlichen zu einer naturwissenschaftlichen hin verändern, wobei sich diese Veränderung darin zeigt, daß nunmehr nicht nur die Forschungsergebnisse der anderen Disziplin benutzt werden, sondern daß auch ihre Fragestellung weitgehend übernommen wird. Die umgekehrte Entwicklung kann natürlich ebenso eintreten, wenn nämlich aus einem 'Zubringerdienst' eine wichtige Relevanz für die Geschichtsforschung entsteht und der betreffende Naturwissenschaftler sich dann eher als Kulturwissenschaftler versteht.

Ausschlaggebend für eine solche Wandlung ist wohl das jeweilige 'Oben oder Unten' auf der Stufenleiter der Forschung, d. h. also von wem die Impulse ausgehen und wer die Fragestellung bestimmt. Wir wollen nur am Rande erwähnen, daß auch Leichtfertigkeit oder ein gewisses Ersatzdenken in eine neue Richtung führen können, wie es z. B. bei der Anwendung der C14-Daten zu beobachten ist. Durch die Entdeckung von Libby glaubten einige Archäologen bei ihren Datierungen nunmehr auf die oft für manche recht mühevollen Stilvergleiche verzichten zu können; man bekam ja die Daten 'frei ins Haus' geliefert und noch dazu von einer exakten Naturwissenschaft. Es braucht wohl nicht besonders betont zu werden, daß bei einem solchen Verfahren die kunstwissenschaftliche Seite der Archäologie verkümmert, und daß auch für eine echte vergleichende 'Schichtenkunde' durch das Etikettieren mit Jahreszahlen Grundlage und Zweck entfallen.

Wie immer man auch die Sache sieht und welche Entwicklung uns die Zukunft beschert, wichtig ist, sich für eine sachliche und objektive Zusammenarbeit einzusetzen, wobei die von den einzelnen Wissenschaften erwünschten Ergebnisse durch ihre eigenen Methoden erzielt werden sollen oder, wenn schon ein direktes Zusammenspiel notwendig wird, der Auswerter selbst die dabei auftretenden Fehlerquellen, Zirkelschlüsse etc. abschätzen und auf sie aufmerksam machen kann.

Die vorliegende Studie wird nun gerade diesen Punkt beherzigen, indem nämlich hier nicht ein Einzelner zusammenfassend über die verschiedenen Methoden und ihre Anwendungsmöglichkeiten in der Archäologie referiert, sondern die Fachleute selbst zu Wort kommen, die aus ihrer Sicht zu Positivem und Negativem Stellung nehmen werden.

Wir haben oben davon gesprochen, daß die Übernahme von Methoden und Praktiken aus den anderen wissenschaftlichen Disziplinen, zur Veränderung des eigenen Standortes führen könnte. Dies wäre natürlich gerade für die Archäologie in gewisser Weise ein Danaiden-Geschenk der Naturwissenschaft, zumal der Kontakt und die Zusammenarbeit in erster Linie von der Altertumskunde gesucht und aufgenommen wurde, und die Naturwissenschaftler der ersten Stunde vorwiegend einen Sinn für Historie besaßen. Auch unter diesem Gesichtspunkt sollten die nachfolgenden Beiträge betrachtet werden, denn sie sind in Auswahl oder Begrenzung und auch in ihrer Diktion im Hinblick auf die Anwendungsmöglichkeiten in der Archäologie und durch den Archäologen geschrieben wie überhaupt das Buch zunächst für den Geisteswissenschaftler, insbesondere für den Studenten und den interessierten Laien bestimmt ist.

Anmerkungen Nr. 2 - 4:

2 Müller-Karpe, H., Einführung in die Vorgeschichte, München 1975 (als Beck'sches Elementarbuch), S. 9 ff.

3 Wir wollen aber auch nicht verkennen, daß sich die deutsche klassische Archäologie in den letzten Jahrzehnten zu einseitig auf Kunstfragen spezialisiert hat und dabei Probleme angeschnitten hat, die besser von echten Kunstwissenschaftlern hätten untersucht und gelöst werden sollen.

4 Vgl. zu diesem Begriff den Aufsatz von B. Landsberger, Die Eigenbegrifflichkeit der babylonischen Welt, Islamica 2 (1926) 355ff., jetzt mit einem Nachwort nachgedruckt von der Wiss. Buchgesellschaft als Sonderausgabe 1965.

Grundlagen und Methoden.

1. Grundlagen der Vorderasiatischen Archäologie.

Wenn früher von Archäologie im allgemeinen gesprochen wurde, so war damit zumeist die Klassische Archäologie gemeint, deren Forschungsgegenstand die künstlerischen und handwerklichen Erzeugnisse der griechischen und römischen Kultur mit ihren mykenischen und etruskisch-latinischen Vorstufen sind. Diese Ausrichtung, vornehmlich im deutschsprachigen Kulturraum zu beobachten, ergab sich aus der geistigen Situation des späten 18. und des frühen 19. Jahrhunderts, in der die Bewunderung für die klassische Antike zunächst im Vordergrund stand, bis dann später eine Rückbesinnung auf die mittelalterliche und 'germanische' Geschichte stattfand mit all ihren guten und schlechten Folgeerscheinungen in der Bildenden Kunst, der Dichtung und der Musik. Höher aber als die 'germanische' wurde vom künstlerischen und geistig-philosophischen Standpunkt die klassische Antike eingeschätzt, deren Heimat man mit der Seele suchte und später auch fand. Sie galt nicht nur als Vorstufe sondern geradezu als Vorbild unserer eigenen abendländischen Kultur, dem man unentwegt nachzueifern sich bemühen sollte, ohne es jedoch in seiner hohen, einmaligen klassischen Ausbildung erreichen zu können. Von dort her also schöpfte die Klassische Archäologie ihre Kraft, die sie gegenüber allen anderen Altertumswissenschaften - mit Ausnahme natürlich der mit ihr verwandten Klassischen Philologien, aus denen sie selbst einmal hervorgegangen ist - einsetzte.

Auch derzeit findet man noch jenen elitären Anspruch, der darin besteht, daß nur diese und keine andere vergleichbare Wissenschaft die Bezeichnung 'Archäologie' als Ehrenname tragen sollte. 1

Heute definiert man jede Forschungsrichtung, die sich mit den sogenannten materiellen Hinterlassenschaften einer Kultur befaßt 2 in Abgrenzung zur Philologie als Archäologie, wobei man dann zur weiteren Unterscheidung bestimmte räumliche oder zeitliche Begriffe zusätzlich verwendet, wie Vorderasiatische oder Prähistorische Archäologie.

Von Außenstehenden wird in der Regel unter Archäologie die Tätigkeit des Ausgrabens verstanden und dem Namen dadurch ein geheimnisvoller und abenteuerlicher Klang verliehen. Wenn das auch eine sehr reizvolle und in gewisser Weise sogar notwendige Seite der Archäologie ist, so erschöpft sie sich darin jedoch keineswegs. Ihr oberstes Bestreben ist vielmehr die Erforschung und Rekonstruktion der antiken Welt, zu der neben der Ausgrabung auch die Untersuchung an einem Einzelobjekt oder an Gegenständen von relativ großer Aussagekraft gehört.

Im Grunde hat jede archäologische Wissenschaft mit den Arbeiten an ,Museumsstücken' begonnen, die natürlich ebenfalls erst 'ausgegraben' werden mußten, wenn sie nicht durch günstige Umstände von der Antike bis heute die Zeit 'über der Erde' überdauert haben, wie z. B. das Reiterbild des Marcus Aurelius auf dem Capitol in Rom.

Diese frühen 'Ausgrabungen' sind nicht mit den heutigen zu vergleichen, in denen so wenig wie möglich zerstört wird, um die im Boden noch vorhandenen Spuren einer antiken Kultur erkennen und auswerten zu können. Es war mehr eine Art Schatzsuche nach ganzen und schönen Gegenständen, die ihren historisch-kulturellen Wert nur in sich selbst besaßen, uns also nicht zu einem besseren Verständnis der antiken Umwelt verhalfen.

Immerhin verdanken wir diesen ersten Unternehmungen eine große Anzahl von z. T. recht wertvollen Funden, denn bekanntlich kommt bei einem unsystematischen Vorgehen manchmal mehr zutage als in einer richtigen Grabung. Diese Funde bildeten zunächst die Grundlagen für die archäologische Forschung, so beispielsweise die schwarz- und rotfigurigen Vasen in Griechenland oder die Rollsiegel in Vorderasien, in beiden Fällen Rückgrat der Chronologie und Ausgangspunkt für die archäologische Hermeneutik. Im Laufe der Zeit vom Untergang der Antike bis zu ihrer Wiederentdekkung haben sich bereits in der Renaissance so viele Denkmäler angesammelt, daß mit ihrer Hilfe Entwicklungsreihen aufgestellt werden konnten, die später verfeinert wurden.

Der Beginn der eigentlichen Ausgrabungen setzte im Grunde erst dann ein, als man entweder bestimmte Städte des Altertums von hoher historischer Bedeutung wiederentdecken wollte wie Troia und Ninive u. a. oder als man anfing, sich Gedanken über das Aussehen der antiken Architektur mit all ihren Erscheinungsformen bis hin zu den Grabmälern zu machen; dabei stand wiederum am Anfang das Messen und Zeichnen der noch aufrecht stehenden Bauwerke, aber auch das Wegräumen des Schutts und eine vorläufige Rekonstruktion.

1.1 Raum und Zeit.

Wenn über Grundlagen und Methoden in der Archäologie geschrieben werden soll, so wird für den jeweiligen Autor im Vordergrund immer nur seine eigene, auf ein bestimmtes Gebiet ausgerichtete Wissenschaft stehen können. Freilich darf sie räumlich wie zeitlich nicht zu eng begrenzt sein, damit man nicht Gefahr läuft, lediglich Ausschnitte des historisch-kulturellen Geschehens, u. U. sogar Randerscheinungen einer geistigen Entwicklung zu erfassen, deren Zentrum anderswo lag.

Eine solche Begrenzung auf einen Teilbereich wirkt sich mitunter auch auf die Methode aus, da infolge des Fehlens bestimmter Denkmälergattungen die gesamte Skala moderner Untersuchungsmethoden nicht ausgeschöpft werden kann. Ein reiner Vorgeschichtler, dessen Spezialgebiet die Steinzeit ist, hat weder einen unmittelbaren Zugang zur Plastik noch zur Großarchitektur, und ein Vorderasiatischer Archäologe, der sich nur mit Syrien oder Kleinasien befaßt, wird beispielsweise bei der Beurteilung der einheimischen Rollsiegelkunst einige Schwierigkeiten haben, wenn er nicht über Taurus und Euphrat nach Mesopotamien blickt.

Diese Einschränkung müssen wir in diesem auf die Vorderasiatische Archäologie spezialisierten Band leider auch bei den hier behandelten naturwissenschaftlichen Methoden machen, da einige von ihnen in Vorderasien noch nicht erprobt worden sind oder gar wie die Dendrochronologie, zumindest in Mesopotamien, wohl niemals zur Anwendung gelangen können. Trotzdem wurde in dieser Darstellung keine Methode ausgeschlossen, weil, was im Augenblick noch nicht ist, sich in naher Zukunft ereignen kann, und well ein Archäologe auch über Methoden Bescheid wissen sollte, die in den Nachbargebieten seines Faches mit Erfolg praktiziert worden sind und dort zu bestimmten Erkenntnissen geführt haben.

Im vorliegenden Falle ist, wie gesagt, Vorderasien unser Raum als Betätigungsfeld altertumswissenschaftlicher Forschungen. Der Mittelpunkt liegt in Mesopotamien, also auf dem Boden des heutigen Iraq, wo durch die Sumerer eine Hochkultur im 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. neben der Ägyptens entstanden ist. Der kulturelle Bezug zu Elam, einem anderen Zentrum, wird dabei heute nicht mehr so einseitig gesehen wie noch vor einigen Jahren. Daß Sumer bisher die erste Stelle eingenommen hat, hing z. T. damit zusammen, daß die Ausgrabungen im Iraq besser organisiert waren und systematischer durchgeführt wurden als entsprechende Unternehmen im östlichen Nachbarland. Auch die größere Zahl von Expeditionen im Zweistromland spielte hierbei gewiß eine Rolle.

Ein drittes Zentrum lag in Palästina, in dem vielleicht noch früher als in Mesopotamien städtische Ansiedlungen wie beispielsweise in Jericho entstanden sind, das aber dann erst wieder seit dem 2. Jts. v. Chr. eine bedeutendere Rolle gespielt hat, wenn auch weitgehend abhängig von Ägypten.

Verständlicherweise konzentrierte sich zunächst das Hauptinteresse auf dieses Gebiet, auf die Wiederentdeckung der heiligen Stätten, in denen die Menschen der Bibel gelebt haben und Zeugen der Offenbarung Gottes geworden sind. Die Erforschung Palästinas beruhte also weniger auf wissenschaftlicher Neugier als auf einer echten religiösen Verpflichtung. Durch die Verflechtung mit den auf diesem Boden entstandenen Weltreligionen, der mosaischen, der christlichen und der islamischen, ging die Erinnerung an dieses Gebiet und seine Geschichte auch niemals verloren. Zerstört und aus der Erinnerung gelöscht wurden hingegen die Städte Mesopotamiens wie es die Propheten vorhergesagt haben, 3 und zwar so gründlich, daß bereits Xenophon, der im frühen 4. Jh. v. Chr. mit seinen Griechen an Ninive vorbeizog, nicht einmal mehr von seiner Lage, geschweige denn von der Existenz dieser letzten assyrischen Hauptstadt etwas wußte.4

Leider entsprach dieser Bedeutung des Heiligen Landes für die abendländische Kultur die Qualität der frühen Ausgrabungen durch Europäer und Amerikaner in keiner Weise.

Der Bereich Vorderasien hat sich im Laufe der Zeit durch eine neue Zielsetzung, die wiederum aus neuen Erkenntnissen der stetig voranschreitenden Forschung resultierten, erheblich erweitert. Syrien und Kleinasien kamen hinzu, wo mit der Ausgrabung von Boazkoy der Grundstein zur 'Hethitologie' gelegt worden ist, ferner das gesamte iranische Gebiet, nicht nur der Teilbereich Elam oder die Fars mit Persepolis, außerdem der Persische Golf mit seinen Inseln und dem Küstenbereich besonders im Westen, so daß sich heute der Raum vom Schwarzen Meer und dem Kaspi-See im Norden bis an die Ostküste Saudiarabiens und von Pakistan/Iran bis zum Mittelmeer erstreckt.

Natürlich wird ein einzelner Forscher dieses große Gebiet nicht mehr bis in alle Einzelheiten beherrschen können, er sollte aber immerhin über die wichtigsten Ergebnisse im Bilde sein und vor allem wissen, daß ein, wenn nicht sogar das wichtigste Zentrum, das Land zwischen den beiden Strömen Euphrat und Tigris gewesen ist, von dem nach allen Seiten der damals bekannten Welt die künstlerischen und religiösen Impulse ausgestrahlt wurden. Ohne die genaue Kenntnis der sumerisch-akkadischen, babylonisch-assyrischen Kultur kann es keine Vorderasiatische Archäologie geben.

Was nun die zeitliche Dimension betrifft, so beginnt die Erforschung mit der Vorgeschichte, die sich in jüngerer Zeit erheblich nach 'oben' verlängert hat und auch in ihrem Erscheinungsbild deutlicher geworden ist. Nach 'unten' wird die Vorderasiatische Archäologie durch den Untergang der altorientalischen Kulturen begrenzt, d. h. das Ende ist gleichzusetzen entweder mit dem Siegeszug Alexanders oder aber spätestens mit der Eroberung durch den Islam. Die letzten Phasen, getragen von den Parthern und Sasaniden, sind jedoch schon erheblich von den früheren unterschieden und ihre Orientierung nach der römischen Kultur verlangt ein spezielles Wissen, so daß man diese Perioden vielleicht von den älteren abtrennen, also gesondert und dann methodisch in Verbindung mit der Klassischen Archäologie bzw. entwicklungsgeschichtlich mit der islamischen Kunst als deren Vorstufen betrachten sollte.

Auch bei dieser relativ großen Zeitspanne von 10 000 v. Chr. bis maximal 600 n. Chr. wird man sich auf bestimmte Perioden beschränken müssen. Aber wie bei der räumlichen Abgrenzung sollte man sich ebenfalls klar darüber sein, daß in bestimmten Perioden wesentlichere Dinge als in anderen passiert sind und darüber Bescheid wissen. Es geht nicht an, daß ein Vorderasiatischer Archäologe über nur geringe Kenntnisse der klassischen Kulturen Mesopotamiens verfügt. Allenfalls ließe sich dies noch bei solchen Wissenschaftlern gutheißen, die sich vornehmlich oder gar ausschließlich mit dem neuen Forschungsgegenstand der Archäologie beschäftigen, der Frage nach dem Übergang vom Nomadentum zur Seßhaftigkeit im Protoneolithikum, denn hier ist der Forschungsgegenstand vom Bereich der historischen zu dem der anthropologischen, naturwissenschaftlichen Archäologie hin verschoben. 5

Kurzum, der Vorderasiatische Archäologe sollte wie sein Kollege, der Archäologe der Klassischen Antike oder der europäischen Vor- und Frühgeschichte, neben einem oder mehreren Spezialgebieten auch ein fundiertes zusammenhängendes Wissen über das gesamte Forschungsgebiet besitzen, vor allem aber bei einer Beschäftigung mit Randzonen und deren Kultur nie das dazugehörige Zentrum und seine Bedeutung für die Nachbarländer aus dem Auge verlieren, sowie ferner mit der archäologisch-historischen Methode vertraut sein, mit der er zunächst zu arbeiten hat.

1.2 Forschungsgeschichte.

Ähnlich wie die Klassische Archäologie aus der Klassischen Philologie oder die Vor- und Frühgeschichte aus der Germanistik, so ist die Vorderasiatische Archäologie aus der Assyriologie, der Wissenschaft von den Sprachen des Alten Orients hervorgegangen. In Deutschland, wo dieser Prozeß vielleicht etwas länger gedauert hat als in anderen Ländern, well die Baugeschichte noch ein gewichtiges Wort mitsprach, verdanken wir die Herausbildung der Vorderasiatischen Archäologie vor allem einem Manne, Prof. Dr. Anton Moortgat, ursprünglich Klassischer Archäologe, der 1948 an der Freien Universität Berlin den ersten ordentlichen Lehrstuhl dieses Faches in Deutschland begründete, nachdem er zuvor schon an der Vorderasiatischen Abteilung der Berliner Museen Custos und an der Friedrich-Wilhelm-Universität Honorarprofessor war. 6 In England bzw. Amerika nahm diese Rolle Henry Frankfort ein, der als Ägyptologe begann, 7 und für Frankreich wäre vor allem André Parrot 8 zu nennen.

Diese ursprüngliche Vereinigung der Vorderasiatischen Archäologie mit der Assyriologie und die z. T. noch heute bestehende enge Verbindung mit der Baugeschichte in Deutschland läßt sich an bestimmten 'archäologischen' Artikeln erkennen, die von Philologen oder Architekten verfaßt wurden. Daß die Archäologie aber weder eine rein antiquarische Wissenschaft ist, noch lediglich mit Architekturphänomenen oder Schichten zu tun hat, sondern daß sie auch eine kunstwissenschaftliche Ausrichtung besitzt und daß dafür ebenso eine gewisse Begabung vorhanden sein muß, sollte nicht in Vergessenheit geraten.

Die Berührung mit archäologischen Denkmälern der altorientalischenWelt, von Ägypten abgesehen, erfolgte erst im vorigen Jahrhundert, wenn auch die Kunde von den untergegangenen Kulturen Vorderasiens mit Berichten über einige ihrer Ruinenstätten schon früher nach Europa gelangt war. Denn im Unterschied zu Ägypten, Griechenland und Rom mußten die vorderasiatischen Denkmäler erst freigelegt werden, was wiederum bei der Abgeschiedenheit dieser Gebiete und den damit verbundenen Gefahren für den Europäer zunächst sehr schwierig war. So waren denn auch die ersten Forschungsreisenden und Ausgräber Kolonialoffiziere oder in diesen Ländern zeitweilig ansässige Kaufleute und Konsuln europäischer Staaten. Eine Ausnahme machte unter den ersten Ausgräbern lediglich der berühmte, später aufgrund seiner Verdienste um die Wiederentdeckung von Ninive und Nimrüd geadelte Sir Austen Henry Layard. 9 - Inzwischen sind mehrere zusammenfassende Berichte über die einzelnen Stationen dieser Ausgrabungen erschienen, so daß wir uns hier kurzf assen können und nur auf einzelne wichtige Aspekte hinzuweisen brauchen. 10

Da die antiken Städte in Vorderasien verschüttet waren und sich nur als Ruinenhügel, sogenannte Tell, Ijirbet (arabisch), Tepe (kurdisch/persisch) oder als Hö/üyük (türkisch) zu erkennen gaben, gelangte man durch die Freilegung von den oberen Schichten her zunächst an die Zeugnisse der späteren Kulturen, der assyrischen und der babylonischen, bis man im weiteren Verlauf der Grabungen zu den Akkadern und Sumerern vorstieß. In jünster Vergangenheit richtete sich das besondere Augenmerk auf die Erforschung der frühen Menschheit in Vorderasien, was bei der Bedeutung dieses Gebietes für das christliche Abendland durchaus verständlich ist. Der Erfolg war, daß man hier zum ersten Male für die Vorgeschichte den Übergang vom Nomaden, Wildbeuter, Sammler und Jäger zum Seßhaften, Viehzüchter und Bauern nachweisen konnte, ein Ereignis, welches man zu Recht als Neolithische Revolution bezeichnete.11

Parallel zu dem Vorstoß in die Tiefe bzw. von historischen zu urgeschichtlichen Zeiten hat sich die Forschung seit ihrem Beginn im vorigen Jahrhundert auch horizontal, d. h. geographisch ausgeweitet....

Verständlicherweise versuchte man zunächst die Hauptstädte oder Zentren bedeutender Reiche und Kulturen kennenzulernen, well man sich von ihnen die wichtigsten Aufschlüsse über die altorientalische Geschichte durch entsprechend wertvolle Funde erhoffte. Das Aufspüren solcher Gegenstände stand dabei häufig im Vordergrund der Ausgrabungstätigkeit, was eine schnelle, wenn auch meist erfolgreiche Schatzsuche zur Folge hatte im Gegensatz zu einer systematischen, so wenig wie möglich zerstörenden, zugleich aber den Befund beobachtenden und registrierenden Forschungsarbeit. Man darf natürlich die Ergebnisse und die Leistung der Vergangenheit nicht mit der Elle der Gegenwart messen, denn mit dem gleichen Recht könnte man den Idealismus, den Wagemut und die Opferbereitschaft der Pioniere unserer Wissenschaft mit dem wesentlich leichteren Leben eines modernen Ausgräbers vergleichen und daraus entsprechende Schlüsse auf die Leistung ziehen. So verdanken wir Layard, Botta, de Sarzec oder Schi jemann nicht nur die ersten Einblicke in die altorientalische Kultur sondern zugleich auch spektakuläre Funde, die noch heute zu den wichtigsten und schönsten Gegenständen in den europäischen und amerikanischen Museen zählen oder gezählt haben. 12

Wenn gerade die vorliegende Publikation die Mittel und Möglichkeiten erwähnt, die der modernen Archäologie nunmehr zur Verfügung stehen, so sollte man nicht übersehen, daß sie das Resultat einer Entwicklung sind, die mit den ersten Ausgrabungen begann. Ferner sollte man nicht vergessen, daß zu einer erfolgreichen Ausgrabung neben der Methodik und dem technischen Rüstzeug nach wie vor ein Quantum Glück gehört.

Von den Hauptstädten sind zwei wichtige Zentren der altorientalischen Kultur noch nicht entdeckt, nämlich Akkade, das man südlich von Baghdad an der Stelle des heutigen Tell ed-Der13 vermutete und Wassukanni im Habur-Gebiet.14 Dadurch ist unsere Kenntnis der altakkadischen und der mitannischen Kultur bis heute recht lückenhaft, ein Beweis mehr, wie notwendig doch die Untersuchungen in den Zentren sind, wenn auch nicht unberücksichtigt bleiben soll, wie viele andere wichtige Ergebnisse uns durch die Untersuchungen an kleineren Ruinen beschert worden sind.

Mit den Untersuchungsergebnissen in Ninive, Assur, Babylon, Uruk und Ur erweiterte sich der historische und geographische Horizont, man dehnte die Tätigkeit auf das Hinterland aus oder forschte nach den Anfängen und Vorläufern der assyrisch-babylonischen Kultur in Mesopotamien, der israelitischen in Palästina, der hethitischen in Kleinasien und der achaemenidischen in Iran. Zusätzlich fanden natürlich auch Untersuchungen an Ruinen statt, auf die man rein zufällig aufmerksam wurde, meist durch Hinweise aus dem Kreis der einheimischen Bevölkerung wie es beispielsweise bei der Entdeckung des Tell Halaf in Nordsyrien der Fall war? 15

Ein anderer Weg zu einem Grabungserfolg zu kommen, führte über gezielte Forschungsreisen in einem bestimmten, möglichst engbegrenzten Gebiet. Auf diese Weise wurden beispielsweise von M. E. L. Mallowan Tell Brak und sagir Bazar im Habur-Gebiet entdeckt. 16 In jüngster Vergangenheit unternahm man surveys, die nicht wie früher dem Auffinden geeigneter Grabungsplatze dienten, sondern die durch eine besondere, von R. Mc C. Adams und seinen Mitarbeitern entwickelte Methode zu neuen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Siedlungsarchäologie führen sollten. 17

Im südlichen Zweistromland spielt nach wie vor die Frage nach der Herkunft der Sumerer eine wichtige Rolle. Man hält im allgemeinen noch an der Hypothese fest, daß diese an der Entwicklung der ersten Hochkultur auf mesopotamischem Boden so maßgeblich beteiligt gewesene Bevölkerungsgruppe aus dem Osten eingewandert sei, obwohl sich in jüngster Zeit immer mehr Anzeichen für den autochthonen Ursprung der Sumerer finden.

Wahrscheinlich wird man in naher Zukunft im Süden auch auf Spuren einer menschlichen Gesittung stoßen, die älter als die der Eridu-Periode ist, ja vielleicht sogar auch hier den Übergang vom Nomadendasein zum Seßhaften feststellen können. 18

1.3 Die Denkmäler und ihre Gattungen.

Gehen wir von der Ausgrabung als unmittelbarer archäologischer Überlieferungsquelle aus, so sind es zwei Denkmälergattungen, auf die der Ausgräber zunächst stößt, die Architektur und die Keramik. Im Vorderen Orient oder überall dort, wo mit Lehmziegeln gebaut worden ist und die Ruinenhügel zum größten Teil aus diesem Material zusammengesetzt sind bzw. verschliffene, eingestürzte Bauwerke aus mehreren Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden enthalten, wird die Architektur immer im Vordergrund stehen und ihre richtige Freilegung die Ausgrabung bestimmen und leiten. Auf dieser Grundlage entwickelt sich auch die Schichtenabfolge und ihre Bestimmung, denn unter Schichten versteht man in einer orientalischen Grabung meist Bauphasen. 19

Nach der Architektur ist es die Keramik, die - erhalten in mehr oder minder großen Fragmenten - meist schon von ihrer Lage an der Oberfläche Aufschlüsse über Alter und Bedeutung der Ruinen bietet, aber den Archäologen vor das meist nicht zu lösende Problem der Bearbeitung stellt. Denn zu groß ist ihre Zahl, die in einer Grabung tagtäglich anfällt und die eben bewältigt werden muß, nicht zuletzt durch Zeichnung und Photographie (s. zur modernen Bearbeitungsmethode mit der Datenverarbeitung S. 82). Ton war im Orient das bevorzugte Material, denn es stand überall zur Verfügung, wenn auch in unterschiedlicher Qualität. Im Norden, in Assyrien, war die Keramik in der Regel besser gearbeitet als im Süden, das war, abgesehen von dem guten Material, wohl auch ein Zeichen der besseren handwerklichen Erfahrung aufgrund einer stärkeren Tradition. Die höhere Qualität zeigt sich im Norden auch an den Formen, die meist viel markanter sind als in Babylonien.

Aus Ton bestand auch das Schreibmaterial, es wurden ferner Terrakotten und Großplastiken daraus verfertigt, und schließlich war es auch das gängige Baumaterial für Tempel, Palast und Wohnanlagen, denn Stein und Holz waren selten oder schwer zu transportieren. Ton ist somit auch eine der Konstanten der altorientalischen Kunst.

Die nächstwichtige Gattung ist das Siegel, in der für Mesopotamien charakteristischen Form des Rollsiegels.20 Die Gestalt des Zylinders erhielt es, weil es zum Abrollen bestimmt war und das wiederum ergab sich aus dem Material, dem Ton, nachdem zuvor auch das Stempelsiegel mit dem ungünstigeren Verfahren des Abdrucks verwendet worden war. Das Stempelsiegel eignete sich besser für eine kleinere Fläche, für Plomben bzw. Bullen. Demzufolge fand es dann später wieder Anwendung, als im Verlauf des 1. Jts. v. Chr. in Verbindung mit der aramäischen Sprache und Schrift an die Stelle der Tontafel der Papyrus oder das Pergament trat und die Versiegelung durch bullae erfolgte.

Die Form des Zylinders bietet, gemessen an der Höhe des Siegels, eine extrem große Bildfläche, wenn auch die Eingravierung der Darstellung im Negativ wegen der Rundung nicht einfach war. Eine weitere Eigentümlichkeit bei einem Zylinder ist, daß es in der Abrollung keine Begrenzung gibt; das Bild läßt sich also unendlich abrollen. Von dieser Möglichkeit wurde im Alten Orient aber nur selten Gebrauch gemacht, wohl well die Darstellungen vornehmlich einen religiösen Inhalt hatten und demzufolge nicht zu einem reinen Ornament abgewertet werden durften.

Bei dem Siegel haben wir es nun mit einer Gattung zu tun, für die in der Regel ein härteres Material als der Ton, auf dem es ja abgerollt oder abgedrückt wurde, genommen wurde, am häufigsten Stein, vom leicht zu bearbeitenden Kalkstein in der Frühzeit bis zu den harten Halbedelsteinen oder dem Eisenstein, Hämatit, in den späteren Perioden. 21 In den Darstellungen vollzog sich während der langen Benutzungszeit des Rollsiegels vom ausgehenden 4. bis in das 1. Jts. v. Chr. eine reiche motivliche wie stilistische Entwicklung, mit ihren Veränderungen und Neuerungen typisch für und dadurch auch beziehbar auf bestimmte Perioden der altorientalischen Geschichte. Was die schwarz- und rotfigurige Keramik für das chronologische System des 6.-S. Jahrhunderts in Griechenland bedeutet, trifft entsprechend, wie schon oben angemerkt, auf die altorientalische Glyptik zu. Auch sie stellt das Gerüst für das archäologische chronologische System dar, hier sogar für fast drei Jahrtausende, und ebenso wie die Vasenbilder bieten die Rollsiegel mit ihren Bildgedanken' die Grundlage für die archäologische Hermeneutik.

Das Verdienst, hierfür die notwendigen Voraussetzungen geschaffen zu haben, gebührt den beiden schon genannten Männern, Henry Frankfort mit seinem 1939 erschienenen Buch 'Cylinder Seals' und Anton Moortgat, der unabhängig von Frankfort 1940 die 'Vorderasiatischen Rollsiegel' veröffentlicht hat.

Neben oder auch in Verbindung mit der Architektur ist nach ihrem künstlerischen Stellenwert nunmehr die Plastik zu nennen, die in ihrer Verwendung als gebundene (Architekturplastik) oder als freistehende (Kult-, Herrscher- oder Beterfigur) auftreten kann, und - je nach ihrer künstlerischen Gestaltung - als Rund- oder als Flachbild (Wandrelief, Felsrelief, Stele, Obelisk etc.) zu definieren ist.

In dieser Gattung 22 manifestierte sich wie in der Architektur und der Malerei der künstlerische Ausdruck einer bestimmten Periode oder Epoche.

Zwischen Malerei und Relief bestand im Alten Orient kein so tiefgreifender Unterschied wie in der Kunst des Abendlandes seit der Renaissance. Aus diesem Grund benutzen wir auch die Bezeichnung Flachbild für das Relief, das von den Sumerern bis zu den Babyloniern im Grunde nur ein erhabenes 'Gemälde' war ohne die für das Relief in der perspektivischen Kunst charakteristischen verschiedenen Ebenen.

Obwohl wir bei der Einteilung von der bildhauerischen Tätigkeit ausgegangen sind, gehört das gemalte Bild, von dem sich im Orient leider nur geringe Reste meist in der Art des Wandgemäldes erhalten haben, natürlich eo ipso zu dieser Gattung.

Als farbiges Bild sollte man auch die vielen Einlegearbeiten einstufen, die besonders für den Alten Orient typisch sind und die sich bis in die Intarsienarbeiten Syriens erhalten haben.

Zu dem Flachbild zählen ferner die in Treibarbeit hergestellten Bronzereliefs an Gefäßen oder auf Türbeschlägen.

Gegenüber dieser Großkunst' wird die Kleinkunst oder besser das Kunstgewerbe durch Erzeugnisse vertreten, die in der Regel zweckgebunden sind, d. h. Teile von Möbeln oder anderen Gerätschaften waren. Eine besondere Rolle spielten hier Figuren und reliefartige Schnitzereien aus Elfenbein, Bestandteile von Stühlen, Thronen und Betten.

In diese Kategorie des Kunstgewerbes gehören natürlich auch die bereits erwähnten Stempel- und Rollsiegel, die nicht nur als eine Art Personenausweis gedient haben, sondern auch unter den Schmuckgegenständen einzureihen sind, wie es ihre gute Verarbeitung und das oft recht kostbare Material anzeigen.

Zu dem Schmuck gehörten dann selbstverständlich Ketten, Arm-, Handund Fußringe, Ohrringe, Brust- und Kopfschmuck, der im Zweistromland auch von Männern getragen wurde, besonders in Assyrien.

Die Kunsthandwerker stellten ferner Gefäße und Behälter aus kostbaren Materialien wie Gold und Silber oder bestimmten wertvollen Steinen her, meist aber solche aus Kupfer oder Bronze. Seit der Mitte des 2. Jts. v. Chr. fand auch das Glas mit seinen Vorprodukten wie der Fritte Verwendung. Hierbei handelte es sich offenbar um eine Erfindung aus der Not heraus, denn Gold und Lapislazuli, die durch Glas und Fritte nachgeahmt wurden, konnten aus Ägypten bzw. Mittelasien nicht mehr in der Qualität und Menge geliefert werden, wie es in Vorderasien erwünscht war. 23

Die Grenze zwischen dem Kunsthandwerk und dem gewöhnlichen Handwerk ist fließend, auch dann, wenn es sich um reine Gebrauchsgegenstände handelt wie Waffen. Paradeuniformen mit kostbaren Helmen, Schilden, Panzern sind bestimmt von erstklassigen Handwerkern gearbeitet worden. Dasselbe gilt für die Anfertigung der Streitwagen mit all ihrem Zubehör bis hin zum Zaumzeug der Zugtiere. Eine wichtige Rolle hat auch die 'Heimarbeit' gespielt, die häusliche Produktion von Sachen wie Kleidern, Decken, Teppichen oder Geräten und Gefäßen, zu denen vorrangig die Keramik zählte.

Das Spektrum der einzelnen Gattungen ist wie in jeder Hochkultur relativ groß und auch in den Typen nicht sonderlich unterschieden von denen, die in Ägypten oder Griechenland zur gleichen Zeit im Gebrauch waren. Im Unterschied aber zu diesen Ländern ist das Grundmaterial in Mesopotamien eben der Ton gewesen, was zur Ausbildung von bestimmten, nur für dieses Gebiet typischen Formen geführt hat. 24

Eine Aufzählung der einzelnen Gattungen mit ihren Bestandteilen soll dem Leser zu einem besseren Überblick über das vorhandene archäologische Material im Alten Orient verhelfen:

I. Architektur.

1. Städteanlagen mit Stadtmauern.

2. Sakrale Bauten.

a) Tempel und andere Kultstätten.

b) Gräber und Grüfte.

3. Profane Bauten.

a) Paläste.

b) Staatliche Gebäude.

c) Wohnhäuser.

d) Gasthäuser, Läden.

II. Plastik

1. Rundbild

a) Götterfiguren.

b) Herrscherbilder.

c) 'Beter'figuren.

d) Tierfiguren.

2. Flachbild.

a) Felsreliefs.

b) Wandreliefs.

c) (Wand)gemälde und Zeichnungen.

d) Reliefs auf Stete, Obelisk, Kudurru.

e) Reliefs auf Mobiliar, Geräten und Gefäßen.

III. Glyptik.

1. Stempelsiegel.

2. Rollsiegel.

IV. Schmuck.

V. Waffen und Geräte.

VI. Keramik.

Neben den rein archäologischen Denkmälern sind für das Kennenlernen und Beurteilen einer vergangenen Kultur von gleicher Bedeutung die 'natürlichen' Relikte, wie beispielsweise Menschen- und Tierknochen, Hölzer, Pflanzen, Metalle und Gesteine. Aus ihnen läßt sich das Aussehen der Menschen, der damals vorhandene Biotop und die antiken Handelsbeziehungen u. a. ermitteln. Über ihren Aussagewert und über die modernen Untersuchungsmethoden wird in den dafür vorgesehenen Kapiteln berichtet. Es ist natürlich ein besonderes Anliegen dieser Publikation, daß jenen Überresten ein hoher Stellenwert innerhalb unserer Forschung eingeräumt wird.

1.4 Kontaktmöglichkeiten mit den archäologischen Denkmälern.

Alle archäologischen Gegenstände entstammen dem Erdboden 25 oder genauer ausgedrückt, dem Bereich antiker Siedlungen, die bereits seit Jahrtausenden oder zumindest seit Jahrhunderten verschüttet sind.

Drei Möglichkeiten gibt es nun, an diese Funde heranzukommen:

1. durch systematische Ausgrabungen (oder Survey) 2. durch Raubgrabungen 3. durch Felderbestellung oder Bauarbeiten.

Bei dem mehr oder minder zufälligen Entdecken von Gegenständen beim Ackerbau, beim Anlegen von Straßen etc. aber auch bei einer Hügelbegehung, ist die Zahl der Objekte natürlich gering, wenn sich auch darunter manchmal recht interessante Funde (so Inschriften mit Nennung des antiken Stadtnamens) befinden können.

Der Schwerpunkt der Berührung mit den antiken Denkmälern liegt also in der Ausgrabung bzw. in der heimlichen Raubgrabung, die leider immer noch in allen Gebieten des Vorderen Orients meist auf Betreiben von Kunsthändlern sogar im größeren Stil betrieben wird. Bei den Gegenständen, die auf solche Weise, man kann sagen gewaltsam dem Boden entrissen werden, fehlen aber jegliche Zusammenhänge mit der ursprünglichen antiken Umgebung, d. h. die Verbindung zu Raum und Zeit ist abgebrochen. Der Gegenstand zählt nur noch an sich, sei es als Kunstwerk oder als ein bestimmtes handwerkliches Erzeugnis, Verwendungszweck und Alter müssen nachträglich erschlossen werden, was in vielen Fällen nur bedingt möglich ist. Trotz dieser absolut negativ zu wertenden Begleitumstände einer Raubgrabung muß andererseits vermerkt werden, daß in Gegenwart und Zukunft die nichtorientalischen Museen ihre Bestände lediglich über den Kunsthandel ergänzen oder erneuern können, der seinerseits der Hauptabnehmer von heimlich zutage geförderten Gegenständen ist. Denn nach allen Antikengesetzen in den für die Vorderasiatische Archäologie wichtigen Ländern werden in der Regel keine Fundteilungen vorgenommen, d. h. sämtliche Funde haben in dem Lande zu verbleiben, wo die Ausgrabung durchgeführt wird. Ausgenommen von der Regel sind lediglich Grabungen an bestimmten beispielsweise durch Staudämme bzw. Stauseen gefährdeten Ruinen, zu deren Rettung oder wissenschaftlicher Erforschung kurz vor der endgültigen Zerstörung bestimmte Länder eingeladen worden sind, wie es in Ägypten beim Assuan-, in der Türkei beim Keban- und in Nordsyrien beim Tabqa-Staudammprojekt der Fall gewesen ist. Es fragt sich, ob derartige 'Geschenke' dann aber noch 'begrüßenswert' sind, wenn dafür der Wissenschaft Ruinen für immer verlorengehen.

2. Geisteswissenschaftliche Methoden.

2.1 Bestandsaufnahme und Dokumentation.

Bevor eine Wissenschaft wie die Archäologie ihre Daseinsberechtigung durch wesentliche, nur durch sie zu erzielende Erkenntnisse nachweist, muß das vorhandene aussagekräftige Material erschließbar sein. Diese Erschließung erfolgt in der Regel durch eine Vorlage in Monographien als Katalog bzw. Corpus. Auf unserem Gebiet ist dafür das beste Beispiel die Bearbeitung der in den verschiedenen Museen aufbewahrten glyptischen Erzeugnisse. 26

Weitere Bestandsaufnahmen sind für einen Teil der Rund- und Flachbildwerke erfolgt. 27 Auch für die Architektur und die Grabformen gibt es Zusammenfassungen und Überblicke . 28 Hingegen fehlt für den mesopotamischen, kleinasiatischen und iranischen Raum entsprechendes über die Keramik. Auf diesem Gebiet sind bisher nur Einzeldarstellungen erfolgt. 29 Das für den Einzelnen unüberschaubar gewordene Material zusammen mit dem unattraktiven Erscheinungsbild, vor allem der Gebrauchskeramik ist wohl als der hauptsächlichste Grund für das Fehlen eines Corpus anzusehen. Ansätze dazu hat es aber gegeben, wie die Zusammenstellungen von V. Christian in seiner Altertumskunde des Zweistromlandes (1940) und von H. Frankfort, Studies in Early Pottery I (1924) zeigen. Eine dem Material und den Formen gerechte Typologie wird noch lange auf sich warten lassen, wenn sie überhaupt entsteht.30

Echte Grundlagen für jede weitere Forschung sind die Ausgrabungsveröffentlichungen, die meist schon als Vorberichte über die neuen Funde und Beobachtungen informieren. Leider wird immer noch mehr gegraben als publiziert.

Da die Wissenschaft der Archäologie vornehmlich vom Bild lebt, müssen die Objekte in den Büchern entsprechend deutlich und vollständig wiedergegeben werden. Natürlich ersetzt das beste Bild niemals das Original, doch steht einem das letztere nur in den seltensten Fällen immer zur Verfügung. Neben der hohen Qualität in der Wiedergabe müssen die Gegenstände aber auch 'objektiv' aufgenommen sein, also ohne Überlängung oder Verkürzungen, aber auch im Sinne der ursprünglich beabsichtigten Darstellungs- und Betrachtungsweise. Wenn ein Bildwerk nur dafür geschaffen war, direkt von vorn oder direkt von der Seite gesehen zu werden, wie es nicht nur im Vorderen Orient, sondern auch in Ägypten und in Griechenland vor Anwendung der Perspektive der Fall war, dann würde ein 'über Eck' schräg aufgenommenes und so reproduziertes Werk in einem ihm fremden, in diesem Falle anachronistischen künstlerischen Raum stehen. 31

Bei dem immer weiteren Ansteigen der Herstellungskosten und verbunden damit auch der Verkaufspreise von Publikationen besteht die Gefahr, daß die wissenschaftlichen Veröffentlichungen bald einer Rezession in Quantität (Seitenzahl) und Qualität (Bildwiedergabe) unterliegen. Wenn hierbei zu sehr gespart wird, kommt jede Wissenschaft, die vom Buch lebt, zum Erliegen. Denn Bücher sind insbesondere für den Geisteswissenschaftler das Handwerkszeug wie die Reagenzgläser und Chemikalien für den experimentierenden Naturwissenschaftler.

2.2 Typologische (Kombinationsstatistische) Methode.

Diese Methode wurde in der prähistorischen Archäologie entwickelt. Ihr 'Erfinder' war der berühmte schwedische Archäologe 0. Montelius, der sie unter dem Einfluß der Darwin'schen Entwicklungstheorie 32 konzipierte. Danach ließen sich analog zur Ausbildung des Menschen Entwicklungstypen für archäologische Gegenstände innerhalb einer Gattung aufstellen mit der Primitivform am Anfang und der entwickeltsten am Ende. Eine solche 'genetische' Reihe war somit einer zeitlichen Abfolge gleichzusetzen, wobei das Primitive das Älteste und das Entwickelte das Jüngste bedeutete.

Abgesehen davon, daß keine Entwicklung so gradlinig verläuft, wie es sich O. Montelius positivistisch vorgestellt hat, besteht auch die Annahme nicht zurecht, daß das Primitive immer am Anfang stehen muß. Mit anderen Worten, diese Methode ist, wie ihr erster großer Kritiker 0. Tischler schon festgestellt hat, zu willkürlich, da die für die Abfolge maßgeblichen Kriterien zu allgemein auf der einen und zu subjektiv ausgewählt auf der anderen Seite sind.

Immerhin war der Grundgedanke richtig, daß sich hinter dem unterschiedlichen Aussehen von Gegenständen einer Gattung innerhalb einer Kultur bzw. Gesittung eine zeitliche Abfolge nach modischen oder technischen Gesichtspunkten verbirgt, nur war es notwendig, dafür objektive Kriterien zu finden. Diese entdeckte man in geschlossenen Funden, so besonders im Bestattungswesen, wo bei einer länger andauernden Belegung von Gräbern oder Friedhöfen mit reichhaltigen Beigaben, die Voraussetzung für eine zeitliche Abfolge im Grabungsinventar gegeben war. Die daran entwikkelte Kombinationsstatistik beruhte nun nicht mehr allein auf dem Erscheinungsbild eines Gegenstandes, nach der im Vergleich zu anderen ParallelStücken die Plazierung in der Reihe vorgenommen wurde, sondern auf der unwiderlegbaren Feststellung, daß bei längerer Benutzung eines Grabplatzes eine Beisetzung die älteste und eine andere die jüngste gewesen sein muß mit evtl. noch vorhandenen weiteren Zwischenstufen. Unter diesem Axiom muß sich auch das Aussehen der Grabbeigaben, Schmuck, Waffen, Geräte, Keramik, sofern die Bestatteten einem Geschlecht und einer Gesellschaftsklasse angehörten, verändert haben, von Beigabenkomplex A über B, C, D nach E beispielsweise. Die notwendige Voraussetzung aber für das Aufstellen einer solchen echten typologischen Reihe beruhte auf der Möglichkeit, die einzelnen Inventare abgrenzen, also untereinander isolieren zu können, um die für das Verfahren benötigten Gruppen zu erhalten. Bei einem Einzelgrab oder einer Gruft wird dies nicht immer einfach, in vielen Fällen sogar unmöglich sein, weil bei jeder neuen Bestattung die älteren mit ihren Beigaben meist in einer recht pietätlosen Art beiseite geschoben wurden, was eine Vermischung der einzelnen Gegenstände zur Folge hatte. Besser für eine solche Untersuchung sind Einzelbeisetzungen in einem Gräberfeld geeignet, wo zwar die enge zeitliche Relation nicht unmittelbar gegeben, dafür aber das Grabinventar in sich geschlossen ist. 33

In Verbindung mit der Kombinationsstatistik muß eine andere, durch sie bedingte Untersuchungsmethode gesehen werden, die Horizontalstratigraphie. 34 Aus dem durch die typologische Kombinationsstatistik gewonnenen Nacheinander von Fundkomplexen kann sich bei einer Horizontalgruppierung in einem Gräberfeld eine bestimmte Richtung der Belegung ergeben, hinter der sich ebenfalls eine zeitliche Abfolge verbergen kann. Die so erzielten Ergebnisse lassen sich rückwirkend zur Absicherung der bei der Kombinationsmethode gewonnenen Stufengliederung verwenden.

Die Kombinationsstatistik kann auch losgelöst vom Grabungsbefund' auf Museumsdenkmäler' angewendet werden, Voraussetzung ist, daß die zu untersuchende Gattung über zahlreiche Einzelglieder verfügt, die ihrerseits mehrere Kombinationsmöglichkeiten zulassen. Ein Beispiel dafür ist die Bearbeitung der Tell Halaf-Keramik durch den Prähistoriker H. Schmidt, 35 die zwar ausgegraben, schichtenmäßig aber nicht näher zu differenzieren gewesen war. Bei dieser Keramik wird man vielleicht noch eine genauere Stufengliederung erzielen können, wenn man die reichhaltigen Muster auf ihre möglichen Kombinationen untersucht.

Typologische Kombinationsstatistik und Horizontalstratigraphie dienen in erster Linie dem einen Ziele, durch eine 'innere Chronologie' die Grundlagen für eine archäologische Datierung zu festigen und zu erweitern. Wenn sich dabei auch Hinweise für eine Aufteilung nach Geschlechtern oder eine Gruppierung nach sozialen Gesichtspunkten ergeben, so sind dies im Grunde Zwischen- oder Nebenergebnisse, die sicher in ihrer historischen Aussagekraft einen nicht minder hohen Stellenwert wie eine Zeitbestimmung einnehmen.

Die letztere steht aber am Anfang jeglicher archäologischer Untersuchung, denn erst nach erfolgter Datierung kann die eigentliche archäologische Forschung einsetzen, die sich mit der zeitgenössischen Bedeutung, dem Zweck und Sinn eines archäologischen Denkmals befassen muß.

2.3 Die Kunstwissenschaftliche Methode (Form, Stil, Struktur).

Aus diesem Bereich der Forschung, einem der wichtigsten in der Archäologie liegen bereits zahlreiche Beiträge und Stellungnahmen vor. 36 Wir können uns daher auf das Notwendigste beschränken, indem wir uns der eingeführten Begriffe und ihrer Definition bedienen, sofern sie auf die Erzeugnisse unserer Kunst anwendbar sind.

Wiederum gilt zunächst eine solche Untersuchungsmethode der zeitlichen Einordnung von Kunstwerken, wenn sie nicht schon durch Inschriften oder genaue Fundbestimmungen auf das Datum ihrer Entstehung festgelegt sind. Daß insbesondere aber bei einem Kunstgegenstand dies nicht das Ziel, sondern vielmehr nur das Mittel zum Zweck sein sollte, nämlich auf einer gesicherten Datierungsgrundlage das Kunstwerk interpretieren zu können, versteht sich von selbst. Denn nur über ein Werk der Kunst findet man bei richtiger Analyse und Interpretation den Zugang zur geistigen Welt seiner Zeit.

Objektiv, d. h. überprüfbar sollte die Untersuchungsmethode sein, mit der wir an den Gegenstand herangehen und mit der wir sein Geheimnis enträtsein wollen.

Objektiv heißt, daß der Archäologe, als Erforscher der antiken Kunst, bei seiner Untersuchung einen Weg beschreitet, der ihn seinen heutigen Standort weitgehend vergessen läßt. Es gilt nicht, was einem Betrachter im 20. Jahrhundert an einem durch Jahrtausende von ihm entfernten Bildwerk gefällt und was er glaubt, aufgrund seines gesunden Menschenverstandes hinaus- oder hineininterpretieren zu können.

Der Forderung nach Objektivität kann im Vorderasiatischen Bereich insofern etwas leichter entsprochen werden, als die Denkmäler wesentlich fremdartiger auf uns wirken und sich von vornherein dadurch mehr von uns distanzieren als die der uns 'näheren' griechischen oder römischen Kunst. Wir betrachten sie also weniger subjektiv, wenn wir auch nicht verhehlen wollen, daß bei einer größeren Fremdartigkeit mehr hineingeheimnist werden kann als bei einer gut erkennbaren und demzufolge besser zu deutenden Kunst.

Diese Distanz resultiert nicht allein aus dem großen zeitlichen Abstand, der zwischen dem heutigen Wissenschaftler und einem Kunstwerk des 3. bis 1. Jts. v. Chr. besteht, sondern er beruht vor allem auf der Tatsache, daß die Altorientalische Kunst unperspektivisch ist, sich also nach anderen Gesetzen richtet als die klassischen Bildwerke Griechenlands und Roms. Dadurch wird natürlich auf der anderen Seite die Kontaktaufnahme erschwert, die noch zusätzlich darunter leidet, daß der altorientalische Künstler anonym geblieben ist, also nicht direkt zu uns sprechen kann.

Jede Beschäftigung mit der Altorientalischen Kunst muß von diesen Prämissen ausgehen. Die unperspektivische Darstellung erschwert im Flachbild das richtige Erkennen von Gegenständen, von Raum, Bewegungen und Handlungen. In der Rundbildkunst ist eine Deutungsmöglichkeit einfacher, weil hier Figur und Gegenstand, wenn auch nicht perspektivisch, so doch immerhin dreidimensional wiedergegeben sind.

Es müssen also Untersuchungsmethoden entwickelt werden, die der unperspektivischen Darstellungsweise Rechnung tragen.

Da ein Sehbild offenbar nicht gewollt wurde, sind die charakteristischen Einzelheiten einer Figur oder eines Gegenstandes erzählend zur Darstellung gebracht worden. Man benötigte bestimmte 'Determinative', die den Inhalt des Bildes verdeutlichen sollten. Mit entsprechenden Zeichen wurden auch Raum und Bewegung erläutert. 37 Solange es eine unperspektivische Kunst gab, blieben diese Seh- und Deutungshilfen die gleichen, sie wurden nur im Laufe der Zeit unauffälliger, well man die Darstellungen mehr und mehr dem Naturvorbild oder sogar dem Sehbild anglich, ohne daß aber dadurch der Schritt zur echten Perspektive vollzogen wurde. So, in dem Angleichen an das Naturvorbild, erfolgte die Entwicklung der Altorientalischen Kunst.

Die unperspektivische Kunst ist verschlüsselt, sie muß erst mit Hilfe der Anleitung für den Betrachter entziffert werden.

Mit entsprechenden 'Determinativen' konnte man auch abstrakte Inhalte ausdrücken wie dienen, herrschen oder beten. Hierfür konnte man sich in erster Linie bestimmter Trachteigentümlichkeiten - Tragen spezifischer Waffen oder Geräte - bedienen. Darüber hinaus scheinen aber auch gewisse Arm- und Beinhaltungen, die Verwendung einer bestimmten Kopfbedekkung oder aber die Barhauptigkeit, bis hin zu einzelnen Stand- und Sitzmotiven darauf abgestimmt gewesen zu sein. Es handelt sich somit fast eher um eine antiquarische als um eine kunstwissenschaftliche Methode.

Wenn man Alter und Jugend angeben wollte, mußte in gleicher Weise, also ebenfalls beschreibend verfahren, beispielsweise das Alter mit Falten, eingefallenen Backen etc. charakterisiert werden. Bei einer solchen Darstellungsweise entsteht der Eindruck einer porträthaften Abbildung von Persönlichkeiten, was auch des öfteren angemerkt worden ist. 38 Dies war aber bestimmt nicht beabsichtigt, denn die künstlerische Voraussetzung für ein Porträt ist die perspektivische (hypotaktische, organistische 39) Grundauffassung, und eine solche fehlte eben in der Altorientalischen Kunst.

Für die Interpretation eines derartigen Kunstwerkes kann man zwei Wege beschreiten, d. h. die Untersuchung über die Form oder vom Inhalt her vornehmen. Der erste Weg, die Absicht des Künstlers bzw. sein Kunstwollen über die Form zu erfassen, ist der eigentlich kunstwissenschaftliche, er ist aber schwerer zu gehen, und seine Ergebnisse befriedigen häufig nicht, well aus einer solchen Untersuchung reiner Selbstzweck werden kann.

Im Bereich der Altorientalischen Kunst wird man aber wegen der geringer differenzierten Formsprache dazu weniger verleitet. Außerdem läßt sich die Aussage eines Altorientalischen Kunstwerkes nicht allein über die Form, sondern auch durch die oben erwähnten 'Determinative' ermitteln, die ein Absinken in rein formalistische Betrachtungsweise verhindern.

Wegen der notwendigen Entschlüsselung der 'Geheimzeichen' ist für eine Untersuchung die "Aufstellung in einem imaginären Museum" 40 ebenfalls nicht sinnvoll, weil Ausdruck und Inhalt eines Altorientalischen Kunstwerkes nicht ausschließlich über die Formensprache zur Kenntnis gebracht wurden.

Der andere Weg, vom Bildinhalt auszugehen, ist daher, well es sich hier mehr um eine sogenannte erzählende Kunst handelt, wohl leichter und daher erfolgreicher, 41 wenn auch nicht immer die Inhalte einfach und klar erkennbar sind. Bei Darstellungen der Flachbildkunst besteht am ehesten die Möglichkeit, den Inhalt selbst ohne vorhandene Beischriften enträtseln zu können, hingegen ist es relativ schwierig, in manchen Fällen sogar unmöglich, den Inhalt eines in sich geschlossenen Rundbildes zu bestimmen.

Denn genügen allein schon gefaltete Hände, um bei einer Figur von einem Beter sprechen zu dürfen? Oft unterliegt man der Versuchung, von einer vielleicht nebensächlichen oder sogar im modernen Sinne interpretierten Haltung auf den Inhalt zu schließen, wie eben beispielsweise bei Figuren mit gefalteten Händen, die in der Regel als Beter angesprochen werden, ohne es wohl in den meisten Fällen gewesen zu sein. Wenn aber so eine Figur als Beter gedeutet wurde, so führte der nächste Schritt zur Interpretation der formalen Gestaltung und des Ausdrucks, geschlossene Form = innere Sammlung, tiefe Religiosität; große Augen = Angst oder Vertrauen, Gläubigkeit usw.

Besitzt man ausreichende Beweise dafür, daß der Bildhauer Entsprechendes darstellen wollte, kann man so verfahren, bestehen jedoch Unklarheiten über die Absicht des Künstlers und seine Aufgabe, so muß zunächst doch die Form analysiert werden unter Berücksichtigung der vorgegebenen Gestaltungsprinzipien (unperspektivische ideoplastische Kunst) und der 'Determinative'.

Objektive Erkenntnisse vermitteln zu können, versprach die sogenannte Strukturforschung, als deren Vertreter immerhin Gelehrte wie H. Sedlmayr, G. Kaschnitz von Weinberg und F. Matz u. a. zu nennen sind. 42 Bei dieser Methode, die leider begrifflich oft schwer verständlich ist, was wiederholt zu Mißverständnissen geführt hat, wird ausschließlich von der Form unter Berücksichtigung des künstlerischen Raumes ausgegangen. Struktur ist sozusagen die Erbanlage eines Kunstwerkes, die zwar über Zeiten entwicklungsfähig ist, nie aber innerhalb eines bestimmten Kulturkreises ihre "Genen", hier Konstanten, verändert. Zu den Konstanten rechnen neben der besonderen Auffassung vom künstlerischen Raum, einem unperspektivischen im Vorderasiatischen Bereich, der statisch ist mit parataktischem Formaufbau 43 und tektonischer Gestaltung,44 auch bestimmte stereometrische Körper, eckige oder runde (Quader - Würfel - Kugel - Zylinder). Entsprechend den Grundlagen der in Vorderasien beheimateten Kulturen und ihrem unterschiedlich ausgebildeten 'Formempfinden' (rein orthogonal bzw. peripher umlaufend) wurde der eine oder der andere für die plastische Gestaltung bevorzugt. Die Variablen werden bestimmt u. a. durch das Material, die Technik und in manchen Fällen durch Einflüsse aus anderen Strukturen.

Im Grunde kann diese Methode ohne Vergleichsstücke auskommen, denn es handelt sich bei ihr um eine Art absoluter Formanalyse und nicht um eine vergleichende Stilkunde. So dient sie dann auch eher der Ortsbestimmung eines Kunstwerkes und dem Aufzeigen des künstlerischen Muß' als beispielsweise der Datierung. Mit der Strukturanalyse gelingt die Abgrenzung von Künsten, die unter einem 'anderen Stern' und in einer anderen künstlerischen Landschaft 'geboren' wurden, wie z. B. der Mesopotamischen von der Ägyptischen oder der Kretischen Kunst, aber auch bei weiterer Analyse der Südmesopotamischen von der Nordmesopotamischen. 45 Andererseits verhelfen ihre Deutungen oder Erklärungen bestimmter Darstellungsprinzipien auch zu einem besseren Verständnis des Inhaltes eines Kunstwerkes, z. B. wenn man durch sie nachweisen kann, daß bestimmte Haltungen aus der dem Kunstwerk eigenen Struktur erklärt werden müssen und nicht etwa als Andeutung einer vom Inhalt her festgesetzten Handlung.

Wie auch immer Kunstwissenschaft betrieben wird, ob nun mit den Mitteln der vergleichenden Stilkunde oder im Sinne der Strukturforschung, notwendig sind in beiden Fällen erstens ein 'ungestörtes' Verhältnis zur Kunst und zweitens eine große Denkmälerkenntnis, aus der sich bereits ein gewisses Vorverständnis für bestimmte Kunsterscheinungen ergibt. Jeder Forscher sollte nach seiner Begabung die Wege und Grenzen seiner Forschertätigkeit abstecken, jedoch dabei berücksichtigen, daß es eben auch noch andere Wege als seine eigenen geben kann, um zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gelangen. Auch wenn man selbst zur Kunst keine Beziehung hat, gibt es trotzdem Kunst!

Die antipluralistische Auffassung von Wissenschaft im allgemeinen scheint sich jetzt auch in der Archäologie auszuwirken. Dem wollen wir aber gerade durch diesen Band des Elementarbuches entgegenwirken, indem uns nun in den folgenden Abschnitten Vertreter naturwissenschaftlicher Disziplinen über ihre Untersuchungsmethoden informieren, deren mögliche oder tatsächliche Ergebnisse nicht nur der Archäologie bei Planung, Durchführung und Ausarbeitung eines Forschungsprojektes von größtem Nutzen sein, sondern ihr auch neue wissenschaftliche Impulse vermitteln können.

Anmerkungen Nr. 1 - 45:

1 So glaubt man, diesen Anspruch auch noch aus dem Titel und den Zeilen von H. G. Niemeyer, Einführung in die Archäologie (1968), 8ff. herauslesen zu müssen.

2 Eine unschöne und an sich auch falsche Bezeichnung, ganz besonders dann, wenn man von materieller Kultur spricht, als ob zur Kultur keine Kunst gehöre. Sie wird aber immer häufiger angewandt, ähnlich wie auch als chron. Bezugspunkt v./n. d. Zeitenwende, die ja wiederum ohne Christi Geburt nicht stattgefunden hätte.

3 Jesaia 13, 19-22. 25, 2, Jeremias 50 u. 52, Nachum 1 u. 3.

4 Anabasis 3. Buch, 4. Kap.

5 Vgl. dazu am besten die Forschungsergebnisse von R. J. Braidwood, The Near East and the Foundations for Civilisation (1952) u. Prehistoric Investigation in Iraqi Kurdistan, SAOC 31 (1960).

6 Vorderasiatische Archäologie, Studien u. Aufsätze. Herausgegeben v. K. Bittel, E. Heinrich, B. Hrouda, W. Nagel (1964) 7ff.

7 JNES 14 (1955) 1 ff.

8 Vgl. hierzu im besonderen seine Bücher: Archéologie mésopotamienne I u. II (1946/1953), Sumer (1962 2, deutsche Ausgabe) und Assur (1961, ebenfalls deutsche Ausgabe des Universums der Kunst).

9 Von seinen Reise- und Grabungsberichten ist jetzt leicht zugänglich die 1965 im Beck-Verlag erneut erschienene, von H. Schmökel besorgte deutsche Fassung mit dem Titel "Auf der Suche nach Ninive", englisch: Nineveh and its remains. Angaben über Land und Leute wie auch über bestimmte von Layard erwähnte Ereignisse hat offenbar Karl May in seinem Buche "Durch die Wüste" verwendet. S. Karl May-Jahrbuch 1922, 197 ff. (Freundl. Hinweis von Prof. C. Roxin)

10 Vgl. meine Angaben im HdArch, Vorderasien 1(1971) 12ff. mit den entsprechenden Verweisen. Hinzuzufügen wäre für Kleinasien die regelmäßig in AJA erscheinenden Berichte von M. Mellink, für Iran K. Schippmann, MDOG 104, 1972, 45 ff., für Syrien neben C. Watzinger in der Erstauflage des HdArch Palästina/Syrien (1939) und C. F. Schaeffer, Stratigraphie comparée (1948) B. Hrouda MDOG 98 (1967) 46 ff. sowie für Palästina W. F. Albright, The Archaeology of Palestine, Pelican Book (1960) u. E. K. Vogel, Bibliography of Holy Land Sites (Hebr. Un. Coil. Ann. 42, 1971).

11 5. Cole, The Neolithic Revolution (1959).

12 Gemeint sind z. B. die Funde aus Troja, die zum größten Teil nach dem 2. Weltkrieg verlorengegangen sind.

13 W. Andrae-J. Jordan, Iraq 1 (1932) 56ff. L. de Meyer, H. Gasche, R. Paepe, Tell ed-Der 1 (1971).

14 B. Hrouda, MDOG 90 (1958) 22ff.

15 M. Freiherr v. Oppenheim, Der Tell Halaf (1931). Er erhielt Kunde von diesem Ruinenort natürlich ebenfalls erst auf einer Forschungsreise. Sie diente aber primär nicht der Erkundung eines geeigneten Grabungsobjektes, sondern wurde zum Zwecke unternommen, die modernen Bewohner kennenzulernen.

16 Iraq 4 (1937) 91 ff., Iraq 7 (1940) 22 ff. und Iraq 9 (1947).

17 R Mc C. Adams, Land behind the Tigris: A History of Settlement on the Diyala Plains (1965). Ders., u. H. J. Nissen, The Uruk Countryside (1972). H

18. Vgl. dazu die interessanten Forschungsergebnisse von W. Nützel, beispielsweise in MDOG 107 (1975) 27ff.

Nach meiner Ansicht beruhte die ursprüngliche Annahme, daß nur im Regen gebiet, d. h. bezogen auf den Vorderen Orient, im fruchtbaren Halbmond dieser Vorgang sich hatte vollziehen können u. a. auf der vor Jahren nicht unberechtigten Vorstellung, daß im Süden wegen der angenommenen relativ späten Landbildung das Leben hier erst mit der Eridu-Stufe begann, wie es sich ja auch im archäologischen Befund zu dokumentieren schien. Von der ,Alluvial-Theorie' ist man aber inzwischen abgekommen (s. Lees-Falcon, Geographical Journal 118, 1952, 24ff. W. Nützel, Sumer 31, 1975 101ff. ZANF 66, 1976, 120ff.). Was nun die Wasserversorgung betrifft, so waren hier immerhin die beiden großen Ströme Euphrat und Tigris vorhanden, von denen man Wasser auch in mit primitiven Mitteln herzustellenden Kanälen für den nicht gerade anspruchsvollen Getreideanbau der Frühzeit abzweigen konnte. Unter Umständen hat das sumpfi ge Gebiet mehr noch als der begehbarere Norden zu einem Seßhaftwerden angeregt bzw. die Menschen von Anfang an dazu gezwungen.

19 Das beste Beispiel dafür ist Uruk-Warka, wo u. a. Uruk VI-1 Bauphasen bezeichnen (vgl. dazu E. Heinrich, Afo 11, 1936-37, 157).

20 Diese Bezeichnung ist im deutschen Sprachgebrauch prägnanter als der rein formale Ausdruck Zylinder-Siegel.

22 U. Moortgat-Correns, R1A ITT 'Glyptik'.

22 Vgl. zu den einzelnen Denkmälern die [oben gegebene] Übersicht.

23. Vgl. H. Kühne, RIA III 'Glas' und D. O. Edzard, JESHO 3 (1960) 40ff.

24. So lassen sich z. B. die Fassadengliederung bei Tempeln durch Vor- und Rücksprünge, die Bekrönung von Obelisken oder die Ausbildung von Zinnen auf Stadtmauern, die in Mesopotamien gerade gezackt verliefen, in Kleinasien hingegen oben abgerundet waren, wohl sicherlich damit erklären.

25 Miteingeschlossen sind die Oberflächenfunde, die erst durch Regen oder Wind freigespült bzw. freigeweht wurden.

26 Zu den Publikationen: H. H. von der Osten, OIP 22 (1934) 169ff. u. HdArch, Vorderasien I (1971) 6.

27 Vorderasien I, 6. Neu: W. Orthmann, Untersuchung zur Späthethitischen Kunst, Saarbr. Beitr. z. Altertumskunde 8 (1971) u. die entsprechenden Beiträge in der Propyläen-Kunstgeschichte (1975).

28 Vorderasien 1, 6. Neu: E. Heinrich, Propyläen-Kunstgeschichte (1975).

29 Für Palästina liegt eine Zusammenfassung vor: R. Amiran, Ancient Pottery of the Holy Land (1970).

30 [Hinweis auf einen späteren Beitrag von K. Kartsens im Sammelband]

31 [S. o. unter 2.1]

32 Vgl. hierzu H. Müller-Karpe, Einführung in die Vorgeschichte, Beck'sche Elementarbücher (1975) 28 u. H. J. Eggers, Einführung in die Vorgeschichte (1969) 88 ff.

33 Mit der Kombinationsmethode lassen sich auch Funde aus anderen Friedhöfen kombinieren. Bedingung sind Zeitgleichheit und dieselbe oder eine verwandte 'Kultur'. Vgl. W. Kaiser, Archäol. Geogr. 5/6, 1956/57, 69ff.

34 H. Müller-Karpe a. a. 0. 68 f.

35 Tell Halaf I, Die Prähist. Funde (1943).

36 Zusammenfassend: HdArch 'Allgemeine Grundlagen der Archäologie' (1969) 163 ff. H. G. Niemeyer, Einführung in die Archäologie (1968) 86 ff.

37 Für die verwandte ägyptische Kunst durch H. Schäfer untersucht und wie in einem Musterbuch zusammengestellt: Von Ägyptischer Kunst, 2. Aufl. (1963).

38 Vgl. H. Schmökel, Ur, Assur und Babylon (1962 6) Taf. 65.

39 G. Krahmer, Figur und Raum in der ägyptischen und griechischen Kunst, 28. Hall. Winckelmann-Programm (1931).

40 So nach A. Malraux, bezogen auf die Altorientalische Bildkunst vgl. sein Vorwort zu A. Parrot, Sumer, Univ. d. Kunst (1960).

41 A. Moortgat, Einführung in die Vorderasiatische Archäologie (1971) 53ff.

42 Vgl. dazu: H. Sedlmayr, Verlust der Mitte (1955 7); G. Kaschnitz von Weinberg, Ausgewählte Schriften III (1965); F. Matz, Studium Generale 17 (1964) 203ff. und HdA I (Allgem. Grundlagen) (1969) 186ff.

43 G. Krahmer, 28. Hall. Winckelmann-Programm (1931).

44 F. Matz, a.a.O. 214 ff.

45 Mißverstanden hatte A. Scharff den Sinn der Strukturforschung. So in seinen 'Wesenunterschieden', AO 42 (1943).

Zu den Abkürzungen: vgl. HdArch, Vorderasien 1 (1971) XXIff.

Zur Rekonstruktion und Denkmalpflege antiker Denkmäler vgl. Archäologie und Denkmalpflege, Diskussion zur archäologischen Bauforschung 2 (Berlin 1976).


LV Gizewski SS 2004.

Bearbeitet für das Internet: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .