Aufgabe und Abgrenzung der Papyrologie als Hilfswissenschaft. Aus: Hans-Albert Rupprecht, Kleine Einführung in die Papyruskunde.

Text auszugsweise - unter Weglassung des größeren Teils der Bibliographie und einiger Detailausführungen über 'Hilfsmittel' -. entnommen aus: Hans-Albert Rupprecht, Kleine Einführung in die Papyruskunde, Darmstadt 1994, S. 1 - 42 (Kap. 1, Allgemeiner Teil).


I. Begriff.

Die Papyrologie oder Papyruskunde ist eine junge Wissenschaft, die eine allgemein akzeptierte Definition ihres Gebietes noch nicht gefunden hat. In den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts ging man von einem recht eng gefaßten Begriff aus und schloß entweder die literarischen Papyri als Gegenstand eigentlich der griechischen Literaturgeschichte aus oder beschränkte das Gebiet im Kern auf die Herstellung, Entzifferung und Deutung der auf Papyrus erhaltenen Texte. Zwischen diesen beiden Polen fand sich noch eine ganze Reihe von Schattierungen, so daß man sagen konnte, es gebe so viele Definitionen von Papyrologie wie Papyrologen selbst. Heute zeichnet sich eine Tendenz dahin ab, Papyrologie zu fassen als die wissenschaftliche Beschäftigung mit den griechischen und lateinischen Texten Ägyptens als Ausdruck der hellenistisch-römischen Gesellschaft und Kultur im Niltal. Die alte Streitfrage, ob die Papyrologie als Grundlagenwissenschaft, als Hilfswissenschaft oder als eigenständiger Zweig in die Klassische Altertumswissenschaft einzuordnen ist, verliert damit ihre Bedeutung. Daß enge Zusammenhänge nicht nur technischer, sondern auch kultureller Art mit der Bearbeitung der Papyri aus Herculaneum bestehen, ist offenkundig (vgl. nur M.GIGANTE, Atti XVII. C.15 ff.). Hier ist nicht der Rahmen, auf diese Probleme der Standortbestimmung weiter einzugehen, es ist kein neuer Definitionsvorschlag zu machen - die allgemeine Beschreibung wird durch die der Arbeitsgebiete exemplifiziert werden. Der Aufgabenkreis und der Umfang der Papyruskunde auch jeweils in Verbindung und Abhängigkeit von der einzelnen Fachwissenschaft muß aus den einzelnen Kapiteln deutlich werden. In der gerade gegebenen Begriffsbestimmung ist eine recht grobe Abgrenzung vermittelt, die jedoch im weiteren Verlauf noch in mehrfacher Hinsicht zu verdeutlichen und auch zu korrigieren sein wird.

Zu verweisen ist generell auf die vorhandenen Einführungen in die Papyruskunde. Zu nennen sind:

L. MITTEIS, U. WILCKEN, Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde, 1. Band Historischer Teil, 2. Band Juristischer Teil, Leipzig-Berlin 1912 (in 4 Bänden), Ndr. Hildesheim 1963. W. SCHUBART, Einführung in die Papyruskunde, Berlin 1918, Ndr. Berlin 1980 (2., unveränd. Aufl.). S. auch GERCKE-NORDEN, Einleitung in die Altertumskunde I 9, 27ff.: SCHUBART, Papyruskunde, Leipzig-Berlin 1924. O. GRADENWITZ, Einführung in die Papyruskunde, 1. Heft Erklärung ausgewählter Urkunden nebst einem Konträrindex, Leipzig 1900. W. PEREMANS -J. VERGOTE, Papyrologisch Handboek (Kath. Univ. Leuven, phil. Studien, Teksten en Verhandelingen, II Reeks, deel 1), Leuven 1942. A. BATAILLE, Les Papyrus (Traité d'études byzantines II), Paris 1955. A. CALDERINI, Papyri. Guida allo studio della papirobogia antica greca e romana, 3. Aufl. Mailand 1962. V. ARANGIO-RUIZ, Papirobogia, NNDI 13, 366ff., Turin 1957. E.G. TURNER, Greek Papyri - An introduction, 2. Aufl. Oxford 1980; Id., The papyrologist at work, GRB Monograph 6, Cambridge, Mass. 1973. O. MONTEVECCHI, La papirologia (Manuali universitari), Turin 1973, 2.Aufl. (= Neudruck mit Nachträgen S. 537ff.) Mailand 1988. B. G. MANDILARAS, Papuroi kai papurologia, Athen 1980. I. GALLO, Avviamento alla papirologia greco-latina, Neapel 1983; engl. Übersetzung unter dem Titel: Greek and latin papyrology, London 1986 (Classical Handbook 1). L.MIGLIARDI-ZINGALE, Introduzione allo studio della papirologia giuridica, Turin 1985. 1. F. FIKHMAN, Introduction a la papyrologie documentaire (in russ. Sprache), Moskau 1987. K. TREU, Byzantinische Papyri, Berliner Byz. Arbeiten 55, 1990, 120ff.

Vorzügliche Einblicke in die Materie geben von einem anderen Ansatzpunkt:

N. LEWIS, Greeks in ptolemaic Egypt, Oxford 1986; und: Life in Egypt under roman rule, Oxford 1983. A. K. BOWMAN, Egypt after the Pharaos, London 1986; zu dem allgemeinen Desideratum einer Verknüpfung mit der Archäologie vgl. R. S. BAGNALL, Archaeology and papyrology, Journ, of roman Arch. 1, 1988, 197ff.

II. Name.

Den Namen hat die Papyruskunde von ihrem Hauptbeschreibstoff, dem Papyrus, erhalten; und die auf Papyrus erhaltenen Texte unterschiedlichster Art bilden im wesentlichen den Gegenstand der Papyrologie. Daneben sind aber auch die Texte auf anderen Textträgern heranzuziehen - und hier ist die erste Korrektur der o. g. Abgrenzung vorzunehmen -, soweit diese in den noch näher zu erläuternden zeitlichen und räumlichen Bereich fallen. Neben Papyri selbst sind vor allem Ostraka heranzuziehen, die in recht großer Zahl erhalten sind. Dabei handelt es sich vornehmlich um Scherben von Tongefäßen, auf die gerne Notizen, Abrechnungen und auch kurze Briefe geschrieben wurden, da Papyrus stets einen gewissen finanziellen Aufwand erforderte. Wenngleich Pergament schon in pharaonischer Zeit verwendet wird, sind Texte auf Pergament in Ägypten selten; Pergament wird vor allem ab dem 3./4.Jh. n. Chr. verwendet, und zwar vornehmlich für literarische Texte. Holz dient gleichfalls als Beschreibstoff, einmal insbesondere für Mumientäfelchen und zum anderen für Wachstafeln. Die ersteren enthalten in der Regel den Namen des Verstorbenen, seiner Eltern und die Herkunft. Die letzteren sind Tafeln, die auf einer oder beiden Seiten vertieft wurden; die Vertiefung wurde mit einer Wachsschicht versehen, in die dann geschrieben wurde. Mehrere Täfelchen konnten zusammengebunden und auch versiegelt werden, so daß der innere Text gegen Verfälschungen gesichert war. Daneben begegnen auch einfache Holztafeln, die gegebenenfalls geglättet und geweißt wurden und verschiedenste Texte aufnahmen .... Ansonsten begegnen noch Aufschriften auf Leinen, Einkratzungen, Graffiti insbesondere in Tempeln und touristischen Zentren.

Nicht vernachlässigt werden dürfen schließlich auch die Inschriften, die zwar in das verwandte Gebiet der Epigraphik gehören, aber bei der Erforschung der hellenistisch-römischen Welt Ägyptens herangezogen werden müssen, wie schon aus dem Vorkommen von Doppelpublikationen folgt (s. nur das Edikt des Tiberius Julius Alexander - Inschr. am Pylon des Tempels von Hibis und BGU VII 1563).

III. Papyrusherstellung.

1. Herstellung: Das Schreibmaterial P. wurde hergestellt aus dem Mark der P.-Staude, Cyperus Papyrus L., einem Riedgras. Den Hergang berichtet Plinius, Nat. Hist. 13, 74-82 ausführlich, wenn auch nicht in allen Einzelheiten ganz klar. An seinen Angaben orientierte moderne Versuche brachten brauchbare Ergebnisse. Nach ganz überwiegender Meinung wurde folgendermaßen verfahren: Das entrindete Mark wurde in möglichst breite und feine Streifen geschnitten, eine Schicht dieser Streifen dann senkrecht und eine zweite Schicht waagrecht daraufgelegt. Die Streifen wurden ohne Überlappung möglichst dicht aneinandergelegt. Das so entstandene Blatt wurde gepreßt, möglicherweise auch zusammengeklopft, und war nach Trocknung und ggf. einer Glättung gebrauchsfertig. Die Zufügung von Klebstoff war nicht nötig, der natürliche Saft der Pflanze genügte; vielleicht beruhte die Haftung auch auf der mechanischen Verbindung der zwei Lagen durch Pressen und Klopfen. Nach einer neueren Meinung wurden aus dem Mark nicht Streifen geschnitten, sondern es wurde mit einer Nadel der ganze Stengel in einem fortlaufenden Stück aufgetrennt, gleichsam aufgerollt, und dann ein entsprechend großes Stück auf das erste Stück in Faserrichtung senkrecht daraufgelegt

.

Das so erhaltene Schreibmaterial war von Natur aus weiß, mitunter gelblich und dunkelte erst im Laufe der Jahrhunderte nach. Plinius überliefert mehrere Qualitätsstufen von P.: a) Hieratica, zunächst als beste Qualität, ab römischer Zeit Benennung für die 3. Stufe. An erster Stelle dann: Augusta, nach Augustus benannt. b) Liviana, nach der Gemahlin des Augustus benannt. c) Hieratica. d) Amphitheatrica (nach dem Herstellungsort benannt, möglicherweise in der Nähe des Amphitheaters von Alexandria). e) Saitica (nach der Stadt Sais im Delta). f) Taeneotica (nach dem Landstrich Taenea bei Alexandria). g) Emporitica, nicht als Schreibmaterial, sondern als Einwickelpapier benutzbar.

Die Blattbreiten der einzelnen Qualitätsstufen entsprechen nach Phnius 24,05 (für Qualität 1/2), 20,35 (für 3), 16,65 (für 4), 12,95-14,80 (für 5) und 11,1 cm (für 7). Eine systematische Untersuchung der Blattgrößen in unseren Funden wurde bislang noch nicht durchgeführt. Durchschnittsgrößen können aber angegeben werden: Für die Höhe (entsprechend den vertikalen Streifen) waren in römischer Zeit 30 bis 40 cm üblich, für die Breite (entsprechend den horizontalen Streifen) sind Werte zwischen 11-24 cm überliefert. Die Blätter wurden dann gemäß ihrer Qualität zu Rollen zusammengeklebt, wofür künstlicher Klebstoff verwendet wurde. Die Länge einer verkaufsfertigen Rolle aus üblicherweise 20 Blättern betrug zwischen 2,2 und 4,8 m. Im 4.Jh. n. Chr. trat wohl eine Änderung der Herstellungsweise ein, die größere Maße erlaubte, bis zu 100 cm in der Breite. Erst in arabischer Zeit werden Blätter von 60-70 cm Höhe hergestellt. Im übrigen konnte die Länge der Rolle vom Schreiber entsprechend den Erfordernissen durch Aneinanderkleben mehrerer Rollen bestimmt werden. Neben einem pharaonischen Text von 42 m (P. Ebers) ist eine Papsturkunde von 6,5 m erhalten.

Die Rolle wurde wohl nach Fertigstellung mit einem Vorsatzblatt (Protokollon) versehen, dessen Innenstreifen senkrecht zu den Streifen der folgenden Blätter laufen und das üblicherweise nicht beschrieben wurde; es diente nur dem Schutz der folgenden eigentlichen Schreibblätter.

2. Orte: Die natürlichen Gegebenheiten verlangten eine Produktion des Papyrusbiattes in unmittelbarer Nähe des Wuchsortes, da nur frische Stengel ein gutes Schreibmaterial ergaben. Im Altertum wuchs Papyrus vornehmlich im Delta und auch im sonstigen Niltal sowie im Fayum. Wahrscheinlich wurde aber nur der Bestand in Unterägypten und im Delta für die Herstellung von Papyrus kommerziell genutzt. Heute ist P. in Ägypten nur noch in künstlich angelegten Pflanzungen in Kairo und Gizeh zu finden sowie im Wadi Natroun (nordwestl. vom Fayum).

Wenngleich für die Antike das Vorkommen der Papyruspflanze auch außerhalb Ägyptens bezeugt ist, wie für Palästina und Babylonien, so ist die Herstellung des Beschreibstoffes P. aber nur für Ägypten belegt. In Sizilien kann P. erst für das 10.Jh. sicher festgestellt werden; er wuchs in der Nähe von Palermo und wurde u. a. auch für die Herstellung von Schreibmaterial verwendet, möglicherweise bis ins 13.Jh.

Die älteste erhaltene unbeschriebene Papyrusrolle - aus einem Grab - stammt etwa aus dem Jahre 3000 v. Chr. Papyrus wurde auch nach der arabischen Eroberung im Jahre 641 n. Chr. in Ägypten weiter hergestellt, die Fabrikation erlosch nach 1100. P. kam im Osten außer Gebrauch aufgrund der Herstellung von Hadernpapier, im Westen wurde Pergament üblich.

3. Die Herstellung von P. unterlag sicherlich staatlicher Kontrolle, wohl durchaus unterschiedlicher Strenge; für die Annahme eines Monopols oder eines Kronregals ist die Quellenlage zu spärlich. Entsprechendes gilt für den Handel, hier ist für alle Perioden privater Handel nachzuweisen, wenngleich in ptolemäischer Zeit wohl auch staatlicher Vertrieb festgestellt werden kann. Hinsichtlich der Preise ist die Quellenlage sehr dünn. Eine Übersicht bei LEWIS (S. 132 f.) ergibt, daß der Preis für eine Rolle über die Jahrhunderte hinweg in etwa dem Lohn eines einfachen ungelernten Arbeiters für ein oder zwei Tage entspricht, wobei es sich um Durchschnittswerte handelt und auch die Qualitätsstufe der Rollen nicht festliegt.

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IV. Örtliche Verbreitung.

1. Papyrus war als Beschreibstoff in der Antike über den ganzen Mittelmeerraum hin gebräuchlich. In Ägypten sind als frühester Text P. Berl. 11301 aus der Zeit um 2700 Chr. (5. Dynastie) zu nennen, als spätester Text ein arabischer Papyrus von 1378. Der älteste datierbare griechische Text aus Ägypten ist eine militärische Proklamation, gefunden in Sakkara, aus dem Jahre 331 v. Chr. (SB XIV 11942), der älteste datierte griechische Text P. Eleph. 1, ein Ehevertrag aus demJahre 311 v. Chr. Als lit. Text ist ein Fragment der >Perser< des Timotheus aus dem 4.Jh. v. Chr. zu nennen (PACK 21537) Im 11.Jh. wurde P. dann auch in Ägypten vom Papier verdrängt. Im Westen war P. noch bis 673 in der Kanzlei der Merowinger, in der königlichen Kanzlei bis ins 9.Jh. und in der Kanzlei der Langobarden bis 774 und bis Ende des 11.Jh. in der päpstlichen Kanzlei gebräuchlich, in Unteritalien noch bis ins 11.Jh. Dann trat das Pergament an seine Stelle. Im Osten wurde Papyrus ab dem 11./12.Jh. durch Pergament und Hadernpapier ersetzt.

2. Gefunden wurden Papyri im wesentlichen in Ägypten. Die Empfindlichkeit des Materials gegen Feuchtigkeit hatte allerdings zur Folge, daß im Delta keine Papyri erhalten blieben - mit Ausnahme von verkohlten Texten. Papyri aus Alexandria und dem sonstigen Delta sind also nur überliefert, soweit sie im Niltal, etwa südlich des heutigen Kairo, gefunden wurden. An außerägyptischen Fundorten sind zu nennen: das Zweistromland mit Dura Europos und Palästina. In Italien fanden sich außer den mittelalterlichen Texten - die hier außer Betracht zu bleiben haben - nur P. in Herculaneum, in Griechenland in Derveni bei Thessaloniki; beide Male in verkohltem Zustand. In Derveni kam im Jahre 1962 in einem Grab ein Kommentar zur orphischen Theogonie, wohl aus der Zeit um 325-275 v. Chr., zutage.

3. Was die tatsächlichen Fundumstände angeht, so kommen Texte zutage in den Ruinen verlassener Gebäude, in Abfallhaufen (Sebbach) außerhalb der bewohnten Dörfer, wenn die überflüssig gewordenen Urkunden weggeworfen wurden, in Tonkrügen, in denen man häufig Urkunden aufbewahrte, und schließlich auch in Mumienkartonage, wenn überholte Texte zusammengeklebt und zur Umwicklung der Leichen verwendet wurden. Vereinzelt diente P. auch als Füllmaterial in Kodexeinbänden.

Geschlossene Archive größerer und kleinerer Art sind von besonderer Bedeutung, sei es für die Entwicklung spezieller Urkundenformulare (so etwa für die alexandrinischen Synchoreseis, s. BGU IV), die Beurkundungspraxis und das Registerwesen einzelner Behörden, sei es für die wirtschaftliche Lage einzelner Familien oder von Gutsbezirken (s. das Zenonarchiv). Da durch die einheimischen Finder und auch durch den Handel und Erwerb von Papyri oft zusammenhängende Urkundenkomplexe auseinandergerissen wurden, ist heute die Zusammenführung zusammengehörender Urkunden ein lohnendes und besonders gepflegtes Arbeitsgebiet.

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V. Abgrenzungen.

Hier ist noch einmal die Beschreibung der Papyrologie von ihrem Gegenstand her aufzugreifen und eine nähere Abgrenzung sachlicher wie zeitlicher Art vorzunehmen. Entsprechend der oben (I) gegebenen ersten Bestimmung ist die P. beschränkt etwa auf die griechisch-römische Herrschaft über Ägypten, also auf die Zeit von 332 v. Chr.-641 n. Chr., ohne deshalb frühere oder spätere Texte prinzipiell auszuschließen. Vom Material her gesehen gehören die Inschriften primär zu der nahe verwandten Epigraphik. Sprachlich umfaßt die P. im üblichen Sinne nur die griechischen und lateinischen Texte.

1. Dem Gebiet der Agyptologie allgemein sind die Texte in ägyptischer Sprache zuzurechnen - unabhängig davon, ob sie in Hieroglyphen, hieratischer, demotischer oder koptischer Schrift gehalten sind. Hieroglyphen wurden vom 30. Jh. v. Chr. bis ins 4. Jh. n. Chr. gbraucht; die hieratische oder Buchschrift ist vor allem aus dem Mittleren und Neuen Reich belegt (2000-1090 v.Chr.). Für den nichtreligiösen Bereich wird sie etwa ab dem 7.Jh. v. Chr. von der demotischen Schrift verdrängt, die bis ins 5.Jh. n. Chr. vorkommt. Koptisch ist die Umgangssprache der Spätzeit, geschrieben in griechischen Buchstaben und zusätzlichen demotischen Zeichen; sie verdrängt im 3. und 4.Jh. n. Chr. zunehmend das Demotische und bleibt bis ins 11.Jh. lebendig.

Für die Papyrologie sind von besonderer Bedeutung die demotischen und koptischen Texte, die zeitlich neben den griechischen begegnen - angesichts des vorkommenden Wechsels für Rechtsgeschäfte ein und derselben Person zwischen griechischen und demotischen bzw. koptischen Formularen sind sie stets zu berücksichtigen.

2. Zum eigentlichen Bereich der Papyruskunde gehören weiter nicht die in aramäischer Sprache überlieferten Urkunden des 5.Jh. v. Chr.,

3. ebensowenig die persischen Texte aus dem 7. Jh. n. Chr.

4. Auszuscheiden sind auch die nach der Eroberung Ägyptens durch die Araber in den Jahren 639 - 641 häufigen arabischen Papyri, soweit sie nicht zweisprachig gehalten sind. Hier sind Belege überliefert von 643 - 1378.

Wenngleich man nach den verschiedenen Urkundenkomplexen auch von ägyptischer, aramäischer, arabischer oder mittelalterlicher P. sprechen könnte, ist im allgemeinen Sprachgebrauch der Begriff der P. doch beschränkt auf die griechischen und lateinischen Urkunden aus Ägypten, mit Einschluß auch der Ostraka und Pergamente dieser Zeit. Das verbindende und unterscheidende Merkmal liegt in der Erforschung der hellenistisch-römischen Welt Ägyptens.

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VI. Geschichte der Papyrusfunde.

1. Der Beginn der Papyruskunde ist mit der Publikation der sogen. Charta Borgiana (= P. Schow = SB I 5124) durch N. Schow im Jahre 1788 anzusetzen. 1778 hatte ein italienischer Händler von Fellachen mehrere Rollen Papyrus wohl aus der Gegend von Memphis zum Kauf angeboten erhalten, aber nur eine erworben, die er dann dem Kardinal Stephan Borgia in Velletri schenkte. Zum festen Bestand der Tradition gehört die Fortführung der Geschichte, daß die Fellachen die nicht gekauften Rollen verbrannt hätten, um sich an dem Wohlgeruch zu erfreuen.

An Papyri waren zu dieser Zeit im wesentlichen nur bekannt die Urkunden aus Ravenna und die mittelalterlichen Papst- und Kaiserurkunden (s. o. IV 1), die aber auch als Papier aus Baumrinde, Binsen, Ginster ... [und ähnlichem vorkamen]. Hinzu kamen die in der Villa Dei Pisoni in Herculaneum am Fuß des Vesuvs 1752-1754 gefundenen verkohlten Papyrusrollen. Vereinzelt in früherer Zeit nach Europa gelangte Stücke hatten keine besondere Beachtung gefunden.

Die Charta Borgiana war für ... [diese] Zeit der erste ägyptische Papyrus und fand die entsprechende Aufnahme, wenn auch der Inhalt - eine Liste über Damm- und Kanalarbeiten im Jahr 192/3 n. Chr. - nicht die allgemeinen Erwartungen erfüllte.

Die nach der Napoleonischen Ägyptenexpedition von 1798 im 19.Jh. auflebende Bereisung Ägyptens durch Europäer brachte eine Reihe von Urkunden in europäische Museen, die durch Reisende von ägyptischen Fellachen erworben wurden, so die Urkunden aus dem Serapeum von Memphis ..., aus Sakkara, Theben, Panopolis und Elephantine.

2. Seit jeher hatten die Fellachen die Sebbach-(d. h. Abfall-) Hügel der alten Siedlungen abgebaut, um den darin enthaltenen Dünger für die Landwirtschaft zu verwenden. Der Bedarf stieg insbesondere im 19.Jh. mit dem Anbau von Zuckerrohr und Baumwolle so sehr, daß auch Kleinbahnen zum Abtransport eingesetzt wurden. Die Abfallhaufen waren am Rand alter Siedlungen und an der Stelle verfallener Siedlungen in erheblichem Umfang, bis zu 20 Meter Höhe, entstanden; sie enthielten neben dem üblichen Hausabfall auch Papyri. Die Welle der Funde infolge des verstärkten Abbaus begann 1877 im Fayum. Über den Antiquitätenhandel gelangten Papyri durch Privatleute nach Europa. Der bedeutendste Erwerb glückte Erzherzog Rainer durch den Kaufmann Graf: Insgesamt kamen etwa 70 000 griechische, 30 000 arabische, 5000 koptische und über 300 persische Papyri nach Wien und wurden 1899 der Wiener Hofbibliothek geschenkt.

Zu beachten ist, daß durch diese Art des Fundes und des Handels wie auch durch Manipulationen beim Fund wie Zerschneiden einzelner Rollen und Urkunden nun ursprünglich zusammengehörige Texte und Textteile häufig in verschiedene Museen gekommen sind, die z. T. nur durch Zufall oder gezielte Suche wenigstens in der Edition oder nachträglich nach der Publikation wieder zusammengeführt werden konnten.

3. Systematische Grabungen europäischer Gelehrter und Vereinigungen setzten mit den 80er Jahren des 19.Jh. ein. So durch W. M. Flinders Petrie (Großbritannien) 1888/9 und in den folgenden Jahren in Hawara, Gurob und Illahun, durch A. S. Hunt und B. P. Grenfell zunächst im Fayum, dann bis 1906/7 in El Bahnasa, dem alten Oxyrhynchos am Bar Jussuf, wo sie reiche Funde machten. 1899/1900 entdeckten sie im südlichen Fayum, im antiken Tebtynis, neben den Stücken aus Haustrümmern und Sargkartonage auch Krokodilsmumien, die dort zu Tausenden lagerten.

Hervorzuheben sind weiter die Ausgrabungen P.Jouguets (Frankreich) in Magdola von 1900 an, von den italienischen vor allem die in Hermupolis Magna und im Fayum. 1899 grub der Altmeister der deutschen Papyrologie U. Wilcken in Herakleopolis; die Funde gingen aber bei einem Schiffsbrand in Hamburg zugrunde - nur von einem Teil der Urkunden hatte Wilcken vorher noch Abschriften nehmen können. 1902 konnte O. Rubensohn im Fayum und 1903 in Abusir El Malaq graben, wo eine bedeutende Gruppe alexandrinischer Papyri in Makulatur gefunden wurde ... . Grabungen in Elephantine 1906 und 1907 schlossen sich an. F. Zucker und P. Viereck gruben von 1908 an vornehmlich im Fayum. Die Bestände der deutschen Sammlungen wurden im übrigen durch Ankäufe auf dem Antiquitätenmarkt erworben; hier ist auch das Deutsche Papyrus-Kartell zu nennen, das Käufe für die verschiedensten Universitäten und Museen vornahm.

...... [ Literaturangaben]

VII. Vorbereitung, Konservierung, Restaurierung.

Schon die Beschreibung der Fundumstände läßt ahnen, in welchem tatsächlichen Zustand Papyri gefunden werden und welche Arbeiten nötig sind, bevor überhaupt an die Entzifferung, Zuordnung und Identifizierung der Texte gedacht werden kann: lose Blätter, zerrissen und zerknittert, von Würmern zerfressen, zu Rollen gewickelt, gefaltet und dann gepreßt, harte Knäuel mit Erde bedeckt, steinhart oder auch lose und sehr zerbrechlich, in größeren oder kleineren Fragmenten. Erster Schritt der Restaurierung ist die Reinigung von Schmutz, dann die Trennung einzelner Lagen, die Glättung der einzelnen Blätter und Fragmente und schließlich die Zuordnung der Fragmente, wobei die Faserrichtung des Papyrus und die Schrift wesentliche Anhaltspunkte sind. Die technischen Methoden - Wasserbad, Behandlung mit Wasserdampf, Einlegen zwischen Fließpapier - wechselten; heute erscheint am geeignetsten das Besprühen mit verdünnter, flüssiger Zellulose. Bei der Konservierung wurde das früher geübte Aufkleben auf Papier oder die Einbettung in Gelatine wie auch der luftdichte Abschluß unter Glasplatten aufgegeben. Es empfiehlt sich die Aufbewahrung entweder in säure- und holzfreien Papierumschlägen oder zwischen Glasplatten, wobei auf die Möglichkeit der Luftzirkulation zu achten ist. Zunehmend wird auch Mumienkartonage, die aus Papyrusmakulatur hergestellt wurde, aufgelöst, nachdem ein Verfahren entwickelt wurde, das die Ablösung der Malerei gestattet.

...... [ Literaturangaben]

VIII. Editionstechnik.

Die Papyruseditionen verwenden für die diakritischen Zeichen entsprechend dem Vorschlag der Papyrologischen Sektion des Leidener Internationalen Orientalistentages von 1931 das sog. Leidener Klammersystem.

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IX. Technisches zum Papyrusrext.

Bibloß und P. benennen die Pflanze und in diesem Zusammenhang auch das Produkt, das Schreibmaterial. Bibloß und dann biblion, biblarion, biblidion können sowohl das ganze Buch wie auch die einzelne geschriebene Urkunde bezeichnen. Die Rolle wird lateinisch als Volumen oder griechisch als bibloß/bubloß oder auch biblion benannt.

Carthß ist die Bezeichnung für das unbeschriebene und das beschriebene Material; es ist nach dem Beweis der Urkunden nicht das "Blatt" Papyrus, sondern vor allem die Rolle, so wie sie in den Handel kam. Cartion kann ein Blatt beliebiger Größe, aber auch die Rolle als ganze bedeuten.

In den Bereich der Technik der P.-Herstellung und der Beschriftung führen die Begriffe kollhma und seliß. Kolhma, abgeleitet von der Aneinanderklebung der einzelnen Blätter zu einer Rolle in der Fabrikation, bezeichnet die einzelnen Blätter in der Rolle. Mehrere Blätter werden durch kollhsiß zu einer Rolle verbunden, unter gegenseitiger Uberlappung, die im übrigen auf Rekto sichtbar, aber für die Beschriftung der Rolle nicht hinderlich war, so daß also die Beschriftung der Rolle oder von Teilen derselben nicht an die Originalgröße des Einzelblattes gebunden war, sondern sich nach dem Belieben des Schreibers oder nach den Notwendigkeiten des Einzelfalles richten konnte.

Die Kolumne in einer Urkunde wurde dagegen als seliß gefaßt. Diese Abgrenzung wurde allerdings nicht auf Dauer rein durchgeführt. Vom 2.Jh. n. Chr. an konnte kolhma auch eine Kolumne bezeichnen. Die Ursache ist wohl in dem Gebrauch des tomoß sygkollhsimoß zu finden....

Die Begriffe Rekto und Verso werden in der Literatur durchaus unterschiedlich, wenn nicht sogar verwirrend verwendet. Die Aufhellung verdanken wir in neuerer Zeit vor allem TURNER. Von der Herstellung der Rolle her wird als Rekto bezeichnet die Innenseite der Rolle, d. h. die Seite, wo die Klebung zwischen den einzelnen Blättern einigermaßen deutlich zu erkennen ist. Die fertige Rolle wurde aus technischen Gründen so gerollt, daß die waagrechten Streifen innen und die senkrechten Streifen der Blätter außen waren; die Innenseite war so besser geschützt. Sie wurde üblicherweise auch zuerst beschrieben. Auf der Rückseite - Verso - findet sich bei Urkunden häufig ein Vermerk über den Urkundsinhalt, aber auch eine anderweitige Benutzung, und sei es nur als Notizpapier.

Die Rolle wird beim Lesen waagrecht gehalten - bei griechischer Beschriftung von links nach rechts gelesen, bei demotischer Beschriftung z. B. von rechts nach links.

Der Begriff der 'transversa charta' oder des 'rotulus' bezeichnet die um 900 gedrehte Rolle, wo die Schrift parallel zur Klebung verläuft und senkrecht zu den Streifen auf der Innenseite (Rekto) der Rolle, die Rolle also von oben nach unten senkrecht gehalten und beschrieben wurde (zur Verwendung dieser Form s. näher: E. G. TURNER, >The Terms Recto and Verso<, 26ff.).

Als Opisthographen bezeichnet man Papyri, deren Vorder- und Rückseite beschrieben ist; allerdings sollten nur Urkunden, deren Text auf der Vorderseite beginnt und auf der Rückseite fortgesetzt wird, so bezeichnet werden. Nicht unter diesen Begriff im eigentlichen Sinn fallen diejenigen Urkunden, deren eine Seite zunächst für einen Geschäftsvorgang verwendet, und deren Rückseite später unabhängig von diesem Geschäftsvorgang mit einem anderen Text beschriftet wurde ein zwecks Materialersparnis häufiger Vorgang.

Während bislang von der Rolle die Rede war, ist der Kodex eine Zusammenfassung mehrerer gefalteter Blätter aus Papyrus oder Pergament. Papyruscodices sind vom 2.Jh. n. Chr. bis zum 8.Jh. bekannt. Derzeit noch nicht endgültig entschieden ist die Frage, ob der Papyruskodex vom Pergamentkodex abzuleiten ist oder umgekehrt; die Sicherheit jedenfalls, mit der man lange Zeit von der Priorität des Pergamentkodex ausging, ist nach den neueren Funden nicht mehr gerechtfertigt. Ein oder mehrere Papyrusblätter wurden gefaltet, so daß die Breite der einzelnen Seite der Hälfte des gesamten Blattes entsprach. Je nach dem gewünschten Umfang wurden mehrere derartige Bögen aufeinandergelegt und geheftet. Die Streifen verliefen dann auf jeder Seite unterschiedlich, die Unterscheidung von Rekto und Verso im bisherigen Sinn ist damit nicht mehr brauchbar; in den Editionen werden ± zur Kennzeichnung der Faserrichtung bei Codices üblich. Inhaltlich sind in Codices vornehmlich biblische und christliche sowie literarische Texte überliefert. Im Verhältnis zur Verwendung der Rolle scheinen die Christen eine Vorliebe für den Kodex gehabt zu haben.

...... [ Literaturangaben]

X. Beschriftung.

1. Geschrieben wurde schon ab dem 3.Jh. v. Chr. mit dem Kalamos, dem etwas zugespitzten und gespaltenen Schreibrohr, nicht mehr mit der abgeschrägten Binse, mit der noch die ältesten griechischen Urkunden geschrieben wurden. Die Tinte war schwarz, hergestellt aus Ruß, Gummi und Wasser. Daneben wurde rote Tinte insbesondere für Aufzeichnungen in militärischen Angelegenheiten verwendet. Ab dem 4.Jh. n. Chr. schrieb man auch mit einer rotbraunen Tinte, die aber den Papyrus eher zerstörte.

Geschrieben wurde in scriptio continua, d. h. ohne Worttrennung. Bei der Buchschrift haben die Buchstaben gleichen Abstand; bei der Kursivschrift wurden die Buchstaben miteinander verbunden, Trennungen richteten sich nach der Bequemlichkeit des Schreibers und nach der Schreibgeschwindigkeit, nicht nach einzelnen Wörtern. Mitunter zeigt sich bei einzelnen Schreibern eine Tendenz zur Trennung von Wortgruppen, aber ohne Systematik. Die Trennung in einzelne Wörter blieb dem Leser selbst vorbehalten. Sinnabschnitte konnten durch Leerräume angedeutet werden. Hilfe für den Leser waren auch Ein- oder Ausrückungen. Die Punktierung ist eine relativ späte Einführung, die aber nicht nach einem allgemein anerkannten System erfolgte.

2. An diakritischen Zeichen begegnet vor allem die paragrafoß, schon im P. Derveni, häufig in literarischen Texten, selten in Urkunden. Es handelt sich dabei um einen waagrechten Strich unter der Zeile, die das Ende des Abschnitts enthält, z. T. am Zeilenanfang und innerhalb der Zeile, später nur am Zeilenanfang. Der Doppelpunkt (Dikolon) bezeichnet die Trennung, vor allem bei der Gliederung des Dialogs in dramatischen Texten, kann aber auch wie der Punkt auf der Zeile und in der Mitte der Zeile (Stigma) einen Sinnabschnitt bedeuten. Die Verwendung erfolgt jedoch willkürlich. Das Trema (..) wird - unsystematisch benützt in einem Wort oder vor einem Wort zur Trennung von Vokalen (i, u, seltener bei a, e, o, w), die Apostrophe ( ' ) zur Trennung von Silben und Wörtern.

Akzente (Gravis, Akut und Zirkumflex) finden sich fast nur in poetischen Texten nicht vor dem 2.Jh. v. Chr., selten in Prosa und kaum in Urkunden; Entsprechendes gilt für den Spiritus.

3. In den urkundlichen Papyri häufig, in den literarischen Papyri dagegen selten begegnen Abkürzungen einzelner Wörter und Begriffe, die aber keinem anerkannten und allgemeingültigen System folgen. Der Sinn der Kürzungen ergibt sich aus dem Zusammenhang, war deshalb dem antiken Leser auch weitaus leichter verständlich als dem modernen Benutzer.

...... [ Literaturangaben]

4. Auf einem ausgefeilten System von Kürzungen und besonderen Zeichen beruht die griechische Tachygraphie (Stenographie); das oder die Systeme sind freilich noch nicht voll erschlossen. Herausragender Text für die Verbreitung der Tachygraphie ist P. Oxy. IV 724 (155 n.Chr.), ein Lehrvertrag eines Sklavenherrn mit dem Lehrer, wonach dieser dem Sklaven oiieia innerhalb von 2 Jahren beibringen soll.

5. Nur hingewiesen werden kann auf das Vorkommen von Illustrationen. Bekannt sind die ägyptischen Totenbücher; aber auch die griechischen Papyri bringen Illustrationen, wenngleich nur eine geringe Anzahl erhalten ist, vornehmlich bei literarischen, magischen und auch mathematischen Texten. Ein ornamentaler Schmuck fehlt hier jedoch.

...... [ Literaturangaben]

XI. Zur Organisation und ihren Problemen.

Im Rahmen der Altertumswissenschaft gilt die Papyrologie als die am besten organisierte Disziplin. Ihr Vorzug - nämlich die Zahl ihrer Quellen - stellt aber zugleich auch ihr Handicap dar. Derzeit sind etwa 40 000 Papyrustexte unterschiedlicher Art, Größe und Bedeutung publiziert; in den Sammlungen harren noch große Bestände - mehrere 10 000 - der Publikation, auch die o. g. (VII), nun in Angriff genommene Auflösung von Mumienkartonage wird in Zukunft noch einen erheblichen Zufluß zur Folge haben.

Die literarischen und theologischen Texte sind zahlenmäßig eher überschaubar und durch neuere Repertorien auch leicht aufzufinden ....

Schwierigkeiten bereitet dagegen die Auswertung im historischen und rechtshistorischen Bereich, zumal die Editionen häufig weder örtlich noch thematisch, noch zeitlich einheitliche Textgruppen bringen; allerdings kann für einen guten Teil der örtliche und zeitliche Rahmen angegeben werden (s. u. XII G). Für eine erste Übersicht über das Material ist auf das >Wörterbuch<, insbesondere die Besondere Wörterliste, das >Fachwörterbuch< und das >Sammelbuch< mit seinen Sachübersichten und Indices zu verweisen.

Die von der Epigraphik her vertraute Lösung der Herausgabe von Corpora (z. B. IG, MAM etc.) stößt im Bereich der Papyrusurkunden auf Schwierigkeiten nicht nur wegen der Zahl der edierten, sondern auch wegen des steten Zuflusses neuer Urkunden. In Teilbereichen wurde dieser Weg allerdings schon beschritten. .... Auf die verschiedenen Vorschläge zur Verbesserung der Zugangsmöglichkeit zum Gesamtmaterial ist hier nicht näher einzugehen; mit Hilfe der EDV erscheint ein Register nach Inhalt, Zeit und Ort gegliedert immerhin in naher Zukunft realisierbar. Der Zugriff auf die Texte wird durch die von der Duke University bearbeitete 'Duke Data Bank' auf CD ROM in Zukunft wesentlich erleichtert werden ... . Vgl. auch J. BINGEN, Les tensions structurelles de la société ptol., Atti XVII. C. 111 921 ff. zu der Problematik der zeitlichen, regionalen und sachlichen Streuung der Quellen.

...... [ Literaturangaben]

XII. Hilfsmittel.

[An dieser Stelle finden sich zahlreiche weitere, Zusammenstellungen einzelner Wissenskomplexe, die zum Handwerkzeug des Papyrologen gehören, aber hier aus Raumgründen nicht wiedergegeben werden]

...... [ Literaturangaben]


LV Gizewski SS 2004.

Bearbeitet für das Internet: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .