Kap. 6: A. Zur Entwicklung des Neu-Lateinischen. B. Übersicht über das lateinisch-stämmige Sprachmaterial im Wortschatz heutiger europäischer Volkssprachen.


INHALT:

A. Zur Entwicklung des Neu-Lateinischen.

1. Der Funktionswandel der latenischen Sprache in den 'aufgeklärten', national organisierten und demokratisierten Gesellschaften der jüngeren Neuzeit.

2. Das Lateinische als Sprache der Theologie und Kirchen, der humanistischen Bildung und Geisteswissenschaften seit der Epoche der Aufklärung.

B. Übersicht über das lateinisch-stämmige Sprachmaterial im Wortschatz heutiger europäischer Volkssprachen.

1. Übersicht.

2. Zum lateinischstämmigen Lehn- und Fremdwortschatz der allgemeinen Kultur.

3. Zur lateinisch- und griechischstämmigen Terminologie der Kunst-, Technik-, Natur- und Gesellschaftsissenschaften.

C. Literatur, Medien, Quellen.

A. Das Neu-Lateinische.

1. Der Funktionswandel der lateinischen Sprache in den 'aufgeklärten', national organisierten und demokratisierten Gesellschaften der jüngeren Neuzeit.

2. Das Lateinische als Sprache der Theologie und Kirchen, der humanistischen Bildung und Geisteswissenschaften seit der Epoche der Aufklärung.

Übung 1.

AUFGABEN:

a) Welcher Zeit und ordnen Sie die nachfolgenden Textauszüge zu, und was wissen Sie über ihren Autor?

b) In welcher Weise nähert sich Spinoza gedanklich dem Wesen Gottes und dem Wesen des Menschen? Worin unterscheidet sich seine Art der Reflexion von traditidtionell-religiösen Glaubensformen des Judentums und Christentums? Was bedeutet sein Konzept der ethischen Argumentation 'more geometrico'?

c) Warum schreibt Spinoza lateinisch?

Eine lateinisch formuliertes philosophisches Grundsatzwerk aus der Frühzeit der Aufklärung: Spinozas Ethik.

Textpassagen entnommen aus: Benedictus de Spinoza, Die Ethik. Lateinisch und deutsch. Rev. Übersetzung von Jakob Stern. Nachwort von Bernhard Lakebrink, Stuttgart 1990ß, S. 3 - 7, 250 - 253.

Übung 2.

AUFGABEN:

a) Worum geht es in dem nachfolgend wiedergegebenen Textauszug? Warum ist er lateinisch verfaßt?

b) Was ist an ihm antiker, was späterer Herkunft?

c) Welche Bedeutung haben seine Definitionen für unsere Zeit?

Aus einem Lehrbuch für Universitätsstudien von Gottfried Heineccius (1733).

Textauszug entnommen aus: Karl Kroeschell, Deutsche Rechtsgeschichte 3 (seit 1650), Opladen 1989, S. 17 ff.

Übung 3.

AUFGABEN:

a) Welcher Zeit ordnen Sie den nachfolgenden Text zu? Was sind seine wesentlichen Zwecke und Inhalte? Warum ist er lateinisch verfaßt?

b) Geben Sie sprachliche Gründe an, die dafür sprechen, daß das Lateinische des Textes nicht das der Antike, sondern einer späteren Epoche ist.

c) Was sagt der Text über die Verfassungsgrundsätze der Institution aus, für die er gemacht ist?

Eine lateinisch formulierte Rechtssatzung.

Der unter der WWW-Adresse http://www.vatican.net/holy_father/john_paul_ii/apost_constitutions/documents/hf_jp-ii_apc_22021996_universi-dominici-gregis_lt.html veröffentlichte Text, an dem sich die herausgebende Instanz ihr Veröffentlichungsrecht vorbehalten hat, ist im Rahmen dieser althistorischen WWW-Seite und einer der lateinischen Sprache gewidmeten wissenschaftlichen Lehrveranstaltung wortlaut- und schriftgetreu wiedergegeben worden. Christian Gizewski.

B. Das Lateinische im Wortschatz heutiger europäischer Volkssprachen

1. Übersicht.

Gründe für den Übergang lateinischstämmigen Wortmaterials in heutige europäische Volkssprachen.

1. Übernahme antiker Kultur- und Sprachformen durch die 'barbarischen' Völker des nördlichern Europa bis zum Ende der Antike.

2. Übernahme des Gedanken- und Sprachguts der antiken und mittelalterlichen christlichen Kirche infolge ihrer Mission im nördlicheren Europa.

3. Übernahme der lateinischen Staats- und Rechtspraxis durch die dem Römischen Reich nachfolgenden mittelalterlichen Reichsbildungen in Europa.

4. Übernahme der durch schulische Bildung oder wissenschaftliche Tätigkeit vermittelten antiken Terminologien der Kunst, Wissenschaft und Technik in den allgemeinen oder Wissenschafts- und Bildungs-Sprachgebrauch mittelalterlicher Völker.

5. Übernahme der durch die humanistische Schulbildung und das Universitätswesen der Renaissance-Zeit neu erschlossenen und vermittelten lateinisch- und griechischstämmigen Denkweisen und Terminologien der antik-nichtchristlichen Kunst und Literatur, Wissenschaft und Technik in den Fremdwortbestand der sozial gehobenen Sprache.

6. Übernahme spezialsprachlicher, in antikem Ideen- und Sprachgut des griechischen und römischen Bereichs wurzelnder oder aus ihnen fortentwickelter Terminologien in neuzeitlicher Wissenschaft, Kunst und Technik und ihr partieller Übergang als Fremdwortmaterial in die allgemeine Volkssprachen.

2. Zum lateinischstämmigem Lehn- und Fremdwortschatz der allgemeinen Kultur.

Übung 4.

AUFGABEN:

a) Versuchen Sie mit ihren gegebenen Sprachkenntnissen, für die enzelnen deutschen Worte der nachfolgenden Liste jeweils das ursprünglich zugrundeliegende lateinische (nur selten griechische) Wort ausfindig zu machen.

b) Was ergibt sich aus der Übernahme lateinischer Worte in germanische Sprachen Ihres Erachtens an Hinweisen für das Ausmaß von Kulturdifferenzen und die Richtungen kultureller Assimilation?

Zusammenstellung von C. Gizewski aus: Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold, Berlin, New York 1995, und: A. Schirmer, W. Mitzka, Deutsche Wortkunde. Kulturgeschichte des deutschen Wortschatzes, Berlin 1965.

3. Zur lateinisch- und griechischstämmigen Terminologie in Kunst und Literatur, Wissenschaft und Technik.

Übung 5.

AUFGABEN:

a) Versuchen Sie, mit Ihren gegebenen Sprachkenntnissen, die Wortbeispiele der nachfolgenden Liste heutiger Fremdwörter der deutschen Sprache auf die ihnen zugrundeliegenden griechischen oder lateinischen Worte oder Wortelemente zurückzuführen.

b) Wie erklären Sie die kulturelle Gewohnheit, im Bereich von Kunst und Literatur, Wissenschaft und Technik in nicht geringem Maße lateinisch- und griechischstämmige Worte oder Wortelemente neu zu bilden oder in ihrer ursprünglichen Bedeutung zu verändern?

Einige Beispiele für neuere deutsche Fremdwortbildungen im Bereich von Kunst und Literatur, Wissenschaft und Technik auf der Basis des seit der Renaissance neuerschlossenen griechischen und lateinischen Spracherbes.

S. o. Nr. 6 der Übersicht B 1.

Zusammenstellung von C. Gizewski aus: Bernhard Kytzler, Lutz Redemund, Unser tägliches Latein. Lexikon des lateinischen Spracherbes, Mainz 1992.

C. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

Walther Ludwig, Die neuzeitliche lateinische Literatur seit der Renaissance, in: Fritz Graf (Hg., unter Mitwirkung vieler wissenschaftlicher Autoren), Einführung in die lateinische Philologie, Stuttgart und Leipzig 1997, S. 323 - 356.

Volker Riedel, Antikerezeption in der deutschen Literatur vom Renaissance-Humanismus bis zur Gegenwart. Eine Einführung, Stuttgart, Weimar 2000, S. 109 ff. (Von der Aufklärung an).

Manfred Fuhrmann, Latein und Europa. Die fremdgewordenen Fundamente unserer Bildung. Geschichte des gelehrten Unterrichts in Deutschland von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Köln 2001, S. 75 ff. (Das Schulwesen im Zeitalter der Aufklärung) und 113 ff. (Das humanistische Gymnasium des 19. Jahrhunderts).

Rudolf E. Keller, Die deutsche Sprache und ihre historische Entwicklung. Bearb. und übertr. aus dem Englischen, mit einem Begleitwort sowie einem Glossar versehen von K. H. Mulagk, Hamburg 1995 2 (insbes. die jeweiligen Kapitelabschnitte zu Sprachschatz und Lehnwortbestand).

Adolf Hemme, Das lateinische Sprachmaterial im Wortschatze der deutschen, französischen und englischen Sprache (1904), Hildesheim, New York 1979.

Bernhard Kytzler, Lutz Redemund, Unser täglches Latein. Lexikon des lateinischen Spracherbes, Mainz 1992.

Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold, Berlin, New York 1995.

A. Schirmer, W. Mitzka, Deutsche Wortkunde. Kulturgeschichte des deutschen Wortschatzes, Berlin 1965.

Medien:

Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Erarbeiter im Zentralinstitut für Sprachwissenschaft, Berlin, unter Leitung von Wolfgang Pfeifer (1989 2) München 1995.

Quellen:

Karl Kroeschell, Deutsche Rechtsgeschichte 3 (seit 1650), Opladen 1989, S. 17 f.

Benedictus de Spinoza, Die Ethik. Lateinisch und deutsch. Rev. Übersetzung von Jakob Stern. Nachwort von Bernhard Lakebrink, Stuttgart 1990ß, S. 3 - 7, 250 - 253.

WWW-Adresse http://www.vatican.net/holy_father/john_paul_ii/apost_constitutions/documents/hf_jp-ii_apc_22021996_universi-dominici-gregis_lt.html .


LV Gizewski SS 2007

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de