Christian Gizewski.

'Internet-Filme als Geschichtsquellen.

Dieser Text faßt Grundgedanken zum Thema 'Internet-Filme als Geschichtsquellen' zusammen, die nur teilweise in einer Lehrveranstaltung vorgetragen werden können.

EINLEITUNG.
Seit der Erfindung im Jahre 1895 boten Stummfilme in begrenztem Maße die Möglichkeit einer anschaulichen Simulation realen Geschehens und damit auch historisch bedeutsamer Ereignisse. Die seit 1927 bestehende Möglichkeit einer synchronen Tonaufnahme hat auch die Verwendbarkeit von Filmen als Quellen historischer Information ständig verbessert. Seit es diese Möglichkeit gibt, dient sie allerdings nicht nur Zwecken der Aufklärung, Bildung und Archivierung. Schattenseite des technischen Fortschritts ist auch die Perfektionierung der Möglichkeiten einer planmäßigen und umfassenden Desorientierung eines breiten Publikums durch Täuschung und Desinformation.
Eine weitere Steigerung der positiven und negativen Wirkungen des Massenmediums Film ist späterhin durch die seit den 1990er Jahren verbreiteten Möglichkeiten der 'Digitalisierung' filmischen Materials zu elektronischen Audio-, Graphik- und Film-Dateien möglich geworden, wie sie im heutigen Internet verwendet werden.
Die filmisch dokumentierte Geschichte seit 1895 am Beispiel einiger belangvoller Beispiele überlieferten Filmmaterials in einer Lehrveranstaltung vorzutragen und zu diskutieren, kann auch in einem einsemestrigen Seminar nur schwer gelingen, weil die erkenntnistheoretischen, technik-, politik- und zeithistorischen Aspekte dort bei aller Flexibilität nicht unterzubringen sind.
Die Abschnitte des nachfolgenden Textes entsprechen in ihrer Numerierung und ihren Überschriften denen der Kapitel des LV-Konzepts. Die Kapitelüberschriften sind jeweils zweiteilig: zum einen sprechen sie (links) historische Objektklassen, zum anderen (rechts) Konsequenzen für politisch-gesellschaftliches und historisch-wissenschaftliches Handeln an.

1. 'Ereignisse' und ihre Kommentierung (> Kapitel 1 LV).
'Ereignis' ist ein historischer Gegenstand, der dem Menschen als zwingende, nicht zu leugnende Realität gegenübertritt oder zuteilwird. Dieser Vorgang erzeugt einen Wechsel der Verhältnisse von Bedeutung für den von ihm Betroffenen. Er muß begrifflich zureichend erfaßt und in seiner Bedeutung für die von ihm betroffenen Menschen erfaßbar werden. Das Begreifen und Verstehen erfordert sprachlich je nach Ausführlichkeit ein Deuten oder Kommentieren.
2. 'Entwicklungen': ihre Dokumentation und Erklärung (>Kapitel 2 LV).
'Entwicklung' ist eine in einem Ursache-Wirkungs- oder einem gegenseitigen Bedingungsverhältnis miteinander stehende Gruppe historischer Gegenstände, die angemessen begriffen, verstanden und sprachlich mitgeteilt werden müssen. Sie können je nach Erklärungsintention von unterschiedlicher zeitlicher Ausführlichkeit sein, enden aber grundsätzlich innerhalb von Lebens- oder Zeitaltern (Epochen).
3. 'Politische Aktionen und Reden': ihre Deutung. (> Kapitel 3 LV).
Menschliche Handlungen können auch Reden sein, die auf die Ordnungen politisch-gesellschaftlicher Verhältnisse, ob staatlicher oder überstaatlicher Art, einwirken. Sie sind Gegenstände von Menscher erzeugter historischer Realität und haben insoweit Ähnlichkeit mit der Objekt-Klasse der 'Ereignisse'.
4. 'Zeitzeugen-Interviews': ihre Informationen und Aufschlüsse. (> Kapitel 4 LV).
Zeitzeugen-Mitteilungen sind Nachrichten und Erklärungen von Menschen, die grundsätzlich alle Arten beschreibbarer historischer Objekte zum Inhalt haben, auf die sich die Erkenntnisinteressen anderer Menschen und ihrer Einrichtungen richten.
5. 'Politische Kritik und Satire: ihre Initialwirkungen'. (> Kapitel 5 LV).
Politische Kritik und Satire sind eine Unterklasse politischen Redens und Handelns, bei dem das Handeln und Sprechen unter dem Schein freundlichen Einverständnisses öffentlich auf seine objektiven politischen Schwächen und persönlichen Untugenden hingewiesen wird.
6. 'Große Persönlichkeiten': ihre Schauspielereigenschaften und ihr Legitimitätsschein (> Kapitel 6 LV ).
In sozialen Hierarchien pflegen sich für Leitfiguren Persönlichkeitszuschreibungen herauszubilden, die Führungsfähigkeit, Vertrauenswürdigkeit, politische Erfahrung, moralische Tugend, Durchsetzungsfähigkeit, Menschlichkeit und andere positive Charakterzüge fingieren und damit einen Legitimitätsschein für ihre Führungsrolle erzeugen.
7. 'Glaubensbekenntnisse': ihre Abgrenzungen und Organisationsfolgen (> Kapitel 7LV).
Als Unterklasse ideell motivierten sozialen Handelns kann das öffentliche Aussprechen und symbolvermittelte Bekennen normativer Überzeugungen und das sich danach richtende demonstrative alltagspraktische Verhalten begriffen werden. Dazu gehört der konfliktbereite Ausschluß 'Andersgläubiger' oder -stämmiger.
8. 'Politische Dramatik': die Theatralisierung politischen Geschehens': (> Kapitel 8 LV).
Politik pflegt sich im Rahmen einer normativen, vor allem baulichen und zeremoniellen öffentlichen Kulissenbildung zu vollziehen.
9. 'Politische Symbolik': ihre normative Abgrenzung der Werte (> Kapitel 9 LV).
Die symbolhafte Kurzsprache politischer Verständigung unterstreicht eine normative Stabilisierung der zugrundeliegenden Traditionen und Gefühle.
10. 'Fremd- und selbstbestimmte Entmündigung des Publikums'. (> Kapitel 10).
Mediale Entmündigung eines Publikums wird an filmischen Aussagen über seine fehlende Freiheitlichkeit und über mediale Freiheitseinschränkungen in der redaktionellen Fernsehberichterstattung belegbar.
Zu Literatur, Medien und Quellen.

Bearbeitungsstand: 25. Okt. 2017.
Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de