Sachlich sind generell die in diesem Rahmen eines Diskussionsforums für Lehrzwecke wiedergegebenen Arbeiten - im Hinblick auf manche in ihnen von den Autoren und auch vom Hg. belassenen Mängel und Unrichtigkeiten - nur bedingt publikationsfähig. Sie eignen sich nur bedingt zum geschichtswissenschaftlichen Zitieren , es sei denn, sie sind hier ausdrücklich als überarbeitet deklariert. D. Hg.


 

Christian Kopp zu Horst Dieter und Rigobert Günther.

Christian Kopp, Übungsarbeit im Rahmen des HS Gizewski: »Historik der Alten Geschichte« / WS 1998/9: »Als Lehrbuch für die Ausbildung ... anerkannt.« - die Römische Geschichte (bis 476) von H. Dieter & R. Günther. 1

Die 1979 erschienene und 1989 noch ein drittes mal aufgelegte Römische Geschichte bis 476 von R. Günther und H. Dieter, die es hier zu besprechen gilt, war ein vom Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen der DDR als Lehrbuch genehmigtes Werk und diente den Studenten der Alten Geschichte dieses Landes ein ganzes Jahrzehnt hindurch als Lernhilfe. Grundsätzlich strotzt das Buch vor historischen »Fakten«, Namen, Zahlen, Ereignissen und verdeutlicht damit wohl das eine Anliegen des Buches, nämlich als faktensammelndes Nachschlagewerk zu fungieren. Dies entspricht durchaus dem geschichtsverwaltenden Selbstverständnis der DDR-Historie, die - wie die Naturwissenschaften - mit »Fakten« vermeinte aufwarten und arbeiten zu können. Aber auch das andere Anliegen des Werkes, historische »Gesetzmäßigkeiten« offenzulegen und zu erklären, entsprach dem Charakter dieser sich als »gesellschaftswissenschaftliche« Disziplin definierenden Fachrichtung. Dieses zweite Anliegen, das Bemühen um die Entdeckung gesetzmäßiger Entwicklungen in der Geschichte der Antike soll im Mittelpunkt meiner Analyse der Römischen Geschichte stehen, läßt sich doch zu der ermüdenden Aufreihung von »Fakten« und Ereignissen nur wenig anmerken, was die geschichtliche Grundkonzeption der Autoren erhellen würde.

Die von den Autoren vorangestellte Einleitung (S. 7 - 17) also will die vom Werk verfolgte »eine Hauptlinie der marxistischen Interpretation der römischen Geschichte«3 skizzieren und in die relevante Literatur (Historiographie und Quellen) einführen. Hier werden die den Studenten zu vermittelnden Hauptthesen und Hauptteile des Buches skizziert. Selbstverständlich entsprechen diese dem »marxistischen« Geschichtsdogma vom gesetzmäßigen Wechsel der durch die Produktionsverhältnisse bestimmten Gesellschaftsformationen von der Gentilordnung bis zum Sozialismus / Kommunismus, ebenso selbsverständlich aber bemühen sich die Autoren - das ist ihre Aufgabe als Historiker - um empirische Untermauerung, Präzisierung und Differenzierung innerhalb dieses rahmensetzenden Schemas.

Zu Beginn aber wird von ihnen der Lehrgegenstand, seine Bedeutung begründet:

Zuallererst also interessiert Rom als »Zentrum«, Höhepunkt und Synonym der auf Sklaverei beruhenden »ökonomischen Gesellschaftsformation« der Antike. Dann erst - ganz im Sinne der materialistischen Weltanschauung der Autoren und wenig verwunderlich angesichts des eher ambivalenten Verhältnisses des »ersten Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden« zu den Steckenpferden des Bildungsbürgertums - dann erst wird auf die kulturellen Leistungen Roms (und der Antike insgesamt) verwiesen, die es zu verstehen und zu würdigen gilt.

Aufstieg und Fall des Römischen Reiches, dessen rein territoriale Ausdehnung nicht ohne eine gewisse Hochachtung beschrieben wird, stellen die Autoren als beispielhaft für das (gesetzmäßige) Wachsen, Blühen und letztliche Absterben dieser Gesellschaftsordnung, die auf die »altorientalische Klassengesellschaft« folgte, dar. Standen an ihrem Beginn der Stadtstaat der griechischen Polis und dann später die hellenistischen Reiche (Verbindung von Stadt- und Territorialstaat), so führte eine Reihe von sozio-ökonomischen Gründen (vor allem die »allmählich einsetzende hemmende Rolle der Produktionsverhältnisse«) zu ihrer Ablösung durch Rom, »das die letzte und höchste Entwicklungsstufe der Sklavereigesellschaft darstellte, wo der Sklave Hauptproduzent aller materiellen Güter wurde«5.

Die Geschichte Roms aber - wie im übrigen die Geschichte aller »auf Ausbeutung beruhenden Klassengesellschaften« - war

»Marxistisch-orthodox« werden die eigentlichen Träger des gesellschaftlichen Fortschritts in den beherrschten Massen und die Motoren der Geschichte in den Klassenkämpfen gesehen. Gleichwohl erkennen die Autoren auch der »herrschenden Klasse« eine (bedingt) schöpferische, sozusagen notgedrungen »progressive« Rolle zu.7 Außerdem bemerkenswert scheint es, daß Günther und Dieter den ebenso umfassenden wie unscharfen Begriff der »Volksmassen« benutzen, also eine Beschränkung auf die (spätere) »Hauptklasse« der Sklaven vermeiden und so auch »freie Kleinproduzenten«, »Schuldner«, die »ausgebeutete Bevölkerung in den Provinzen« und sogar die »Barbaren« als Konfliktpartner benennen und gleichzeitig in die Doktrin vom Klassenkampf miteinschließen können8. Der »Spartacusaufstand« - bekanntermaßen eines der in »marxistischer« Tradition favorisierten historischen Ereignisse - wird zwar als eine beachtliche Erschütterungen des römischen Staates verstanden, aber in seinem Stellenwert und seiner (revolutionären) Bedeutung schon hier eher relativiert.9

Nach einem kurzgefaßten chronologischen Abriß der Römischen Geschichte, auf die ja im einzelnen noch einzugehen sein wird, findet sich dieser zusammenfassende Absatz über die »Ursachen der Größe Roms«, der auf verblüffende Weise marxistische Grundpositionen mit eher konventioneller Bewunderung »großer« Männer und Reiche zu verbinden trachtet:

Der zweite Teil der Einleitung ist der Einführung in die Literatur gewidmet, wobei die sowjetische Forschung als grundlegend empfohlen und die Arbeiten von »Gelehrten«10 aus anderen sozialistischen Ländern als »weitere wichtige Anregungen« bezeichnet werden. Den DDR-Historikern wird ein »wesentlicher Beitrag zur internationalen Erforschung der Geschichte der römischen Kaiserzeit und der Germanen« bescheinigt.11 Marxistische Forschung - das wird auch im Laufe des Buches deutlich - konzentriere sich besonders auf

Weniger gut kommen natürlich die »bürgerlichen« Historiker der Alten Geschichte davon, wobei mit den Gelehrten der vergangenen Jahrhunderte noch verhätnismäßig schonend verfahren wird. Angerechnet wird ihnen die Bereicherung des »Tatsachenmaterials« und die Vervollkommnung der Forschungsmethoden, kritisiert dagegen werden z.B. Tendenzen zur Konzentration auf die politische und die kulturelle Geschichte bzw. zur Idealisierung und Modernisierung der römischen Geschichte. Kurz, wie die Schriften von Naturwissenschaftlern aus den letzten Jahrhunderten sind ihre Darstellungen - so die Autoren - heute meist nur noch von wissenschaftsgeschichtlichem Wert und in der Regel »veraltet«.

Auch den modernen »bürgerlichen« Verfassern können gewisse »ansprechende Leistungen« nicht abgesprochen werden, zumal sich nun auch »mehr Althistoriker als in früheren Jahrzehnten« sozialgeschichtlichen Fragen zugewendet hätten, nichtsdestotrotz habe insbesondere die »Geschichtsschreibung der BRD...kaum neue theoretische Konzeptionen zur römischen Geschichte hervorgebracht«, dominiere doch hier ein »konservatives Geschichtsbild«, in das »bedeutende Einzelleistungen und wichtige Teilergebnisse« »hineingepreßt« würden.13

Abschließend werden die Geschichtsquellen, die »im allgemeinen einen guten Überblick« über die römische Geschichte liefern, obwohl »nicht übersehen werden« darf, »daß ihre Verfasser den Standpunkt dieser oder jener Richtung der herrschenden Klasse wiedergeben«, erwähnt, die allerdings - so bleibt den Autoren zu hoffen - vermehrt von den bevorzugten, da materiellen archäologischen Quellen ergänzt werden können und sollten.14

Den Hauptteil ihrer Römischen Geschichte lassen Günther und Dieter mit dem verhältnismäßig kurzen Kapitel 2 zur »Entstehung und Konsolidierung des römischen Staates« (S. 19 - 66) beginnen. Dabei wird der Leser bis zurück in die Verhältnisse Altitaliens im 2. Jt. v. u. Z.15 - als die »Bevölkerung der Appenninenhalbinsel auf der Grundlage von Viehzucht und Ackerbau noch in urgesellschaftlichen Verhältnissen lebte«16 - geführt. Sodann widmen sich die Verfasser den »alten Latinern« und der Entstehung Roms. Sie verfahren dabei relativ abwägend und vorsichtig, sind sie sich doch im klaren darüber, daß die »antike Überlieferung über die ältesten Zeiten der römischen Geschichte...recht unsicher [ist]« Für das 8. und 7. Jh. konstatieren sie den »Übergang zur Periode der militärischen Demokratie« und das gleichzeitige Entstehen einer römischen »Gentilaristokratie« (Grabbeigaben)17. In der folgenden Beschreibung des ältesten römischen Staates wird auf den legendären Charakter der Romulus-Sage und der »sieben Könige« verwiesen und die Staatsentstehung bei den Römern bezeichnet als

Die Kurienordnung hingegen wird als »eine künstliche Einteilung« angesehen: »Die herrschende Klasse schuf sich die für sie geeigneten Organisationsformen, den Staat.«19

Auch auf die »umstrittene Problematik« der Entstehung der Plebs wird eingegangen und dabei festgestellt, daß sie nicht »das Ergebnis einer wirtschaftlichen und sozialen Differenzierung« gewesen sein kann, denn »das war zu Beginn des 6. Jh., als die Klassengesellschaft erst im Entstehen begriffen war, noch zu früh.« Im Verlaufe des 6. Jh. allerdings formte sich nach Meinung der Autoren die »Klassengesellschaft...in ihren Grundzügen aus. So gab es in den grundbesitzenden Viehzüchtern eine Klasse von Ausbeutern und in den Klienten, freien Kleinproduzenten und auch Sklaven Ausgebeutete«20.

Nachdem Dieter und Günther nachzuweisen bemüht waren, daß es schon in der römischen Frühzeit Sklaven gegeben habe, betonen sie gleichwohl, daß allem Anschein nach...die Sklaverei im Wirtschaftsleben der Römer noch keine dominierende Rolle« spielte:

Auch die Abschaffung des Königtums (508/07) und die folgende Errichtung der Römischen Republik änderten nur wenig an dieser Konstellation von Klassen, die in antagonistischem Widerspruch zueinander standen, der sich im »Klassenkampf« offenbarte. Keineswegs aber, so die Autoren, dürften diese Klassen mit den sich gegenüberstehenden »Ständen« der Patrizier und Plebejer gleichgesetzt werden:

Zum Ende des Kapitels wird auf die wirtschaftlichen Verhältnisse Italiens bis zum Beginn des 3. Jh. v. u. Z. eingegangen, auch wenn eingestanden werden muß, daß die Forschung darüber »recht spärlich unterrichtet« ist23. Hier wird noch einmal ausdrücklich betont, daß die Sklaverei noch nicht als bestimmende Produktionsweise dieser Zeit angesehen werden kann. Den Abschluß bildet ein Exkurs zur »frühen römischen Kultur«, in dem - bezeichnenderweise - vor allem die römische Religion (aber auch römisches Recht) erläutert werden.

Kapitel 3 (S. 67 - 114) widmet sich der »Entstehung der römischen Großmacht«. Hier werden in durchaus konventioneller, wenig problematisierender Art und Weise vor allem die kriegerischen Auseinandersetzungen Roms mit Karthago und sein Vordringen in das östliche Mittelmeergebiet beschrieben. Die Haltung der Römer, aber auch ihres erbittertsten Gegners wird im Sinne Lenins als »imperialistisch« bezeichnet.24

Karthagos soziale Struktur beschreiben die Autoren als beherrscht von der zweischichtigen Klasse der »Handels- und Grundbesitzeraristokratie«. Eine »Mittelstellung« wird den »freien Armen«, den »kleinen Handwerkern« und den Beamten zugeschrieben. Zu den »ausgebeuteten Klassen und Schichten« zählen sie die Produzenten der Waren, mit denen die Karthager handelten, die »vorwiegend in der Landwirtschaft tätigen Sklaven«, »die unterworfenen Libyer« und die Bevölkerung der anderen tributpflichtigen phönikischen Niederlassungen in Afrika.25

Die Sozialstruktur der orientalischen hellenistischen Gebiete wird ebenfalls beschrieben. Hier, so die Verfasser zählten abhängige und bodengebundene Bauer (»Hauptproduzenten«), Sklaven, Handwerker und Lohnarbeiter zu den »ausgebeuteten Klassen und Schichten«. Dieser »in sozialer Hinsicht sehr heterogen zusammengesetzten Masse der unmittelbaren Produzenten stand die herrschende Klasse, bestehend aus Makedonen, Griechen und hellenisiertem einheimischen Adel, in einem scharfen sozialen Gegensatz gegenüber.«26

Auf die während der Eroberungskriege sich wandelnden wirtschaftlichen und sozialen Strukturen beziehen sich die Autoren im Abschnitt 3.6. Der wichtigste darin beschriebene Prozeß ist der Mitte des 2. Jh. v. u. Z. einsetzende »Rückgang des bäuerlichen Kleineigentums« und das »rasche Anwachsen des Großgrundbesitzes«. Es ist ein Prozeß, den schon (der zitierte) Marx im Kapital verzeichnet hatte:

Verschuldung trieb »viele« dieser land- und mittellos gewordenen Bauern in die Stadt, wo sie ihr Leben durch »Gelegenheitsarbeiten« fristeten. Im Ergebnis entstand auch das »antike Lumpenproletariat«:»Sie waren nicht im Besitz von Produktionsmitteln, nicht produktiv tätig, sondern stellten im wesentlichen eine parasitäre Schicht innerhalb der römischen Gesellschaft dar«28

Viel bedeutender aber natürlich scheint den Verfassern der Prozeß der »Ausbreitung der Sklaverei«, der »parallel zur Ausdehnung des großen und mittleren Grundbesitzes« verlief. Da dies im »marxistischen« Geschichtsverständnis nur ein gesetzmäßiger Prozeß gewesen sein kann, bemühen sich die Autoren, die massenhafte Versklavung römischer Kriegsgegner eher als Folge denn als Ursache dieser Entwicklung darzustellen. »Da freie Arbeiter nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung standen,« schreiben sie, »nahm demzufolge die Versklavung besiegter Gegner rasch zu.« Grundsätzlich postulieren sie:

Allerdings nehmen sie von ihnen offensichtlich unhaltbar erscheinenden Verallgemeinerungen Abstand und räumen ein, daß die Sklavenwirtschaft niemals die einzige Wirtschaftsform Roms darstellte:

Auch bei der Beschreibung dieser »Hauptklasse« der Sklaven bemühen sich die Autoren um ein differenzierteres Bild und betonen die Heterogenität innerhalb dieser Kategorie, ihre »Differnziertheit und Uneinheitlichkeit«. Vor allem diese Faktoren erschwerten auch »die Herausbildung eines auch nur annähernd einheitlichen »Klassenbewußtseins«. So reichte die Skala des Bewußtseinsstandes von der offenen Auflehnung über Passivität und Resignation bis hin zu dem Bestreben, in die Reihen der herrschenden Klasse aufzusteigen.« Ganz deutlich wird hier die gängige »marxistische« Praxis, die Existenz von Klassen vom »Klassenbewußtsein« der Einzelnen und die »objektiven«, »gesetzmäßigen« Klasseninteressen von den »subjektiven« Interessen des historischen Individuums zu trennen.31

Abschließend wird die Entstehung einer »Geld- und Handelsaristokratie« beobachtet, die sich aus dem Wachstum des »Wucherkapitals« und dem »Erstarken der Schicht der Großhändler und Bankiers« ergab, die sich in der Zeit der Gracchen »als neuer Ritterstand« konstituierten. Diese neue Schicht, so die Verfasser, trat »in relativ kurzer Zeit als eine ökonomisch mächtige und bald auch politisch einflußreiche neue Schicht innerhalb der herrschenden Klasse hervor und geriet mehr und mehr in einen Gegensatz zu der politisch führenden Schicht der Nobilität.«32

Das Kapitel wird wie gewohnt mit einem Überblick über die »römische Kultur im 3. und 2. Jh. v. u. Z.« beendet. Günther und Dieter bezeichnen den Aneignungsprozeß griechischen Kulturgutes als »nicht widerspruchsfrei« und zeigen die unterschiedlichen Rezeptionsströmungen auf. Sie betonen den Argwohn der »herrschenden Klasse« gegenüber »spontanen und unkontrollierten« neuen Bräuchen und Kulten, ohne die (ihnen weniger wichtigen) Differenzen innerhalb der »herrschenden Klasse« (Cato Maior / Scipionen) zu übersehen:

»Die Verschärfung des Klassenkampfes im Imperium Romanum. Der Weg zur Militärdiktatur« ist das 4. Kapitel (S. 115 - 216) der Römischen Geschichte betitelt. Eine der Hauptthesen der Autoren, daß nämlich »die Durchsetzung der auf Sklaverei beruhenden Produktionsweise...zu größeren Auseinandersetzungen zwischen den Hauptklassen, den Freien und den Sklaven« geführt hätte, wird hier anhand von ausführlichen Darstellungen zu den größeren Sklavenaufständen der ausgehenden Republik unterstrichen. So wird gleich zu Beginn vom »ersten sizilischen Sklavenaufstand« (136 - 132 v. u. Z. ) berichtet. Als Gründe für die Verschärfung der Ausbeutung und damit des »Klassenkampfes« sehen Dieter und Günther u.a. »die zunehmende Geldwirtschaft« (Verschuldung der SKlavenbesitzer) und die »Einbeziehung der mittleren und großen Grundeigentümer in den Handel« (Streben nach Luxusartikeln).34

Dann widmen sie sich der Bewegung der Gracchen:

Anders aber, so die Autoren, als die Sklavenaufstände, seien die Ziele dieser Bewegung keineswegs als »revolutionär« zu bezeichnen, beschränkten sie sich doch auf »die Eindämmung der Sklavengefahr« sowie um »die Wiederherstellung der militärischen Kampfkraft des römischen Heeres«. So handelte es sich dabei lediglich um einen Versuch, »die bestehende sozialökonomische Ordnung zu stabilisieren« und die stadtstaatlichen Elemente der römischen Gesellschaft unter den Bedingungen eines Großreiches zu bewahren.36 Die Autoren verweisen darauf, daß die Gracchen nur Teilerfolge hätten erzielen können und daß vor allem die Ritterschaft von diesen profitiert hätte. Die Bauernschaft hätte gegen die Konzentration von Grundeigentum und die damit einhergehende Ausdehnung der Sklaverei nicht entscheidend gestärkt werden können. Auch sei es den Gracchen nicht gelungen die oppositionellen Klassen und Schichten zu einem festen (revolutionären) Bündnis zusammenzuschweißen, waren ihre Interessen doch zu unterschiedlich und fehlte es vor allem an »stärkeren Mittelschichten« (Handwerkern), wie sie in den griechischen Demokratien eine entscheidende Rolle gespielt hätten. Somit könne die Verkennung der Gracchen durch westdeutsche Historiker nur kritisiert werden:

Nach der Analyse der römischen Außenpolitik am Ende des 2. Jh. v. u. Z. , des Jugurthinischen Krieges, des »zweiten sizilischen Sklavenaufstandes«, der »demokratischen« Bewegung des Saturninus und des Bundesgenossenkrieges gehen die Autoren auf die Diktatur Sullas ein. Ihr Urteil, daß sich mit einer diskreditierenden Einschätzung seiner Persönlichkeit und einer abwertenden historischen Interpretation verbindet, ist ausgesprochen negativ:

Der Abschnitt 4.5. ist dem »Spartacusaufstand« gewidmet. Er wird als der »gefährlichste Sklavenaufstand« der römischen Geschichte gewertet. Als Hauptmotiv des Ausbruchs der Gladiatoren aus ihrer Schule in Capua (73 v. u. Z.) nennen die Autoren das »den Gladiatoren zugedachte Los, sich zur Belustigung der römischen Bevölkerung in der Arena gegenseitig umzubringen.«39

Nach der Beschreibung des Verlaufes und der Niederlage des Aufstandes, der mit einem »blutigen Strafgericht« über die Sklaven endete, betonen Dieter und Günther die Spartacus zuteil werdende »Anerkennung« der antiken Schriftsteller (Plutarch, Sallust) und zitieren Marx - in der (offensichtlich ungewollt) amüsantesten Passage des ganzen Buches - in seinem wirklich unnachahmbaren Duktus: »Spartacus erscheint als der famoseste Kerl, den die ganze antike Geschichte aufzuweisen hat. Großer General..., nobler Charakter, real representative des antiken Proletariats.«40

Dann weisen sie auf die »Besonderheiten« dieses Aufstandes hin. Diese bestünden zum ersten in der geschickten militärischen Führung und Ausbildung der Aufständischen; zweitens im Ausmaß und der über die Klasse der Sklaven hinausgehenden sozialen Breite und drittens in der Zielstellung der Rebellen, die auf die Rückführung der Sklaven in ihre Heimat gerichtet war. »Die Wahl dieses [im marxistisch-leninistischen Verständnis nicht revolutionären] Weges« war, so scheint es den hier dennoch preisenden Autoren »sicher von der Einsicht diktiert, daß unter den Bedingungen einer noch mächtigen, auf Sklaverei beruhenden Gesellschaftsordnung die Erringung der persönlichen Freiheit gegen den Willen der Herren allein durch die Flucht erfolgen konnte.« Sie schließen mit einer grundsätzlichen Beurteilung der Sklavenaufstände in der Spätzeit der Republik, deren Bedeutung deutlich relativiert wird:

Die Autoren wenden sich nun der Politik des Pompeius und des Cicero zu, wobei hier nur vermerkt werden soll, daß sie den »Kampf der stadtrömischen Plebs« und die resultierende Schwächung der Senatsaristokratie als maßgeblich für den »Übergang zu militärdiktatorischen Herrschaftsformen« in Rom ansehen. Die unteren Volksschichten also bereiteten »objektiv den Boden für den Aufstieg ehrgeiziger Politiker«.42

Nach der Verschwörung Catilinas gehen Dieter und Günther auf das erste Triumvirat, die Politik Caesars und die Eroberung Galliens ein. Hier werden u.a. die keltischen Stämme, die sich in der »Verfallsperiode der Urgesellschaft...in der Phase der militärischen Demokratie« befanden, beschrieben.43 Festgestellt wird, daß die römische Eroberung den »Verfall der späturgesellschaftlichen Verhältnisse und ...die Herausbildung klassengesellschaftlicher Beziehungen, die sich in Zentren des römischen Einflusses nach dem Vorbild der Sklavereigesellschaft gestalteten« beschleunigte.44

Caesars Streben nach Alleinherrschaft scheint ihnen gesetzmäßig aus der gesellschaftlichen Entwicklung Roms zu erwachsen.

Etwas weiter unten widmen sie sich der »historischen Persönlichkeit« Caesars und kritisieren erneut die »bürgerliche« Historiographie, deren »Grundtendenz« (»trotz aller divergierenden Auffassungen«) darin läge, »seine Maßnahmen und Absichten zum Kriterium zu erheben, ohne die Klassenkonstellation zu analysieren.« Dieser Aufgabe, allerdings, hätten sich vor allem sowjetische Althistoriker gewidmet und dabei »richtungsweisende Ansätze gewonnen, die es von der Forschung noch weiter zu verfolgen gilt, um Grundlagen und Ziele der Tätigkeit Caesars besser zu erhellen.« Ihrer Meinung nach betrieb Caesar

Dem wichtigen Thema des Untergangs der Republik widmen auch die Verfasser einen längeren Abschnitt. Nicht so recht plausibel nennen sie das Anwachsen der Produktion, des Austausches und des Geldwesens, die Ausbreitung von extensiver Sklavenausbeutung (Bergwerke, Latifundien), den hohen Grad der sozialen Differenzierung der Freien und die Größe des Reiches als »maßgeblichen Faktoren, die zur Krise der aristokratischen Republik« geführt hätten. Im politischen Bereich gilt ihnen die »Krise des stadtstaatlichen Systems als Krise der Alleinherrschaft der Nobilität«. »Im Interesse der Erhaltung der Sklavenbesitzerklasse insgesamt«, so meinen sie, »war die Senatsherrschaft nicht mehr tragbar; die römische Gesellschaft mußte auf einer breiteren politischen Basis organisiert und gefestigt werden.« Dann gehen Dieter und Günther erneut auf die »bürgerliche« Forschung ein und führen die verschiedenes kennzeichnenden Begriffe »Staatsform« und »Staatstyp« ein:

Im wie üblich folgenden Abschnitt zur wirtschaftlichen Entwicklung im letzten Jahrhundert der Republik wird u.a. über die Tendenz zur Ausbildung und Schonung der Sklaven und das »Vordringen des Pachtsystems« (Kolonat) berichtet.48 Abgeschlossen wird das Kapitel erneut mit einer Beschreibung der römischen Kultur.

Das umfangreiche 5. Kapitel mit dem Titel »Die frühe römische Kaiserzeit. Der Prinzipat« (S. 217 - 316) untergliedert sich unüblicher Weise in drei Periode. Zum ersten wird hier der Prinzipat im 1. Jh. beschrieben. Dieter und Günther bewerten einführend die Entstehung des Kaiserreichs und betonen dabei ausdrücklich den »Klassencharakter« des Prinzipats:

Sie unterstreichen, daß die sich in den Bürgerkriegen gegenüber stehenden Parteiungen der Optimaten und Popularen »im wesentlichen die gleichen gesellschaftlichen Kräfte« repräsentierten, die nach »Auswegen aus dieser Krise« suchten und sich um die »Stabilisierung der bestehenden Gesellschaftsordnung « bemühten. Die Autoren legen größten Wert darauf, diese Entwicklung als gesetzmäßig und unumgänglich zu präsentieren und berufen sich dabei auf Engels, der das auf Militärherrschaft gegründete Kaisertum als eine »unabänderliche Notwendigkeit« interpretiert hatte.50 Noch einmal betonen sie, daß der Übergang von der Republik zum Prinzipat »alles andere als eine Revolution« war, denn:

Sie äußern sich dann zu Octavian - Augustus und beschreiben den Machtrückgang des Senats - dessen »klassenmäßige Verbindung« zum Kaiser »auch dadurch nicht verwischt« wurde, daß es zu Spannungen zwischen diesen beiden Institutionen kam. Die Prozesse der Urbanisierung und der Romanisierung verstehen sie als Stabilisierungsfaktoren der »auf Sklaverei beruhenden Gesellschaftsordnung«, deren Staatsmacht durch den Prinzipat auf eine »neue soziale Grundlage« gestellt wurde, ohne allerdings dadurch schon ihren »Grundcharakter« zu verändern:

Die Außenpolitik des Augustus, die H. Bengtson »im wesentlichen ein Werk des Friedens« genannt hatte, wird von den Autoren (mit Tacitus) weit kritischer gesehen und negativer beurteilt.53 Auf Seite 228 versuchen die Autoren, die Schlacht im »Teutoburger Wald« zu charakterisieren und dabei ganz offensichtlich einen Kompromiß zwischen der diesem Ereignis von Engels zuerkannten Bedeutsamkeit und persönlicher Skepsis zu finden:

Bildete auch die Schlacht im Teutoburger Wald »einen der entscheidendsten Wendepunkte in der Geschichte«54, so war für eine dauerhaft Staatsbildung der Germanen die Zeit doch noch nicht gekommen. Die Gentilverfassung befand sich zwar schon in ihrer letzten Entwicklungsstufe, aber noch hatten wirtschaftliche und soziale Differenzierungen nicht zur Klassenbildung geführt, noch gab es kein Privateigentum am Boden; die Stämme lebten noch im Stadium der militärischen Demokratie.55

Nachdem Günther und Dieter die »zeitweilige Festigung und Stabilisierung des römischen Staates« in den ersten hundert Jahren des Prinzipats besprochen haben, kommen sie zu einem in ihrem Geschichtsschema entscheidenden Punkt, wird doch hier ein Wendepunkt markiert:

Der den ersten Teil des 5. Kapitels abschließende Abschnitt zur politischen Ideologie und Kultur (allerdings folgt noch ein Abschnitt zur Wirtschaft) im 1. Jh. enthält Grundsätzliches über das Kultur-Verständnis der DDR-Historiker. Kulturelle Entwicklungen, so meinen sie, sind »stets engstens« mit gesellschaftsgeschichtlichen Entwicklungen verbunden, sie sind - »solange es antagonistische Klassen gibt« - immer eine Zeichen und Ausdruck von ideologischen Klassenkämpfen, so »verschleiert und verdeckt« sie uns auch erscheinen mögen:

Im selben Atemzug aber, in dem die Autoren von »Vielfalt und Kompliziertheit« sprechen, bringen sie die »in der Antike herrschende Kultur« auf einen gemeinsamen Nenner: sie ist im wesentlichen »die Kultur der städtischen Sklavenbesitzer.«

Im zweiten Teil des 5. Kapitels wird die »Vertiefung der sozialen Widersprüche« konstatiert, die - auch wenn das Reich »nach außen hin ...auf der Höhe seiner Macht angelangt zu sein« schien - »die allgemeine Krise« der Sklavereigesellschaft (»aus der es kein Entrinnen mehr gab«) am Ende des 2. Jh. heraufbeschworen und ankündigten.58

Ausdruck dieser einsetzenden »allgemeinen Krise« war unter anderem der Niedergang der italienischen Landwirtschaft im Verhältnis zu den vorerst günstigeren provinziellen Entwicklungen, der im Abschnitt zur Wirtschaft im 2. Jh. besprochen wird. Die sich verbreitende Eintreibung von Naturalabgaben und die Forderung nach Arbeitsdiensten der Kolonen erklären die Autoren mit der überhandnehmenden Verschuldung der Pächter, aus denen Geldabgaben nicht mehr zu pressen waren.59

Für das Römische Reich im 2. Jh. konstatieren die Verfasser »ein Bild großer wirtschaftlicher und sozialer Gegensätze«, nahm doch die »soziale Differenzierung unter den Freien « zu und verschärfte sich »ihre rechtliche Ungleichheit«:

Zwischen diesen zweiten und den dritten Teil des 5. Kapitels schieben die Verfasser einen Abschnitt über die Entstehung des Christentums ein, der insofern bemerkenswert ist, als er eine konsequente »Entmystifizierung« und Kritik der christlichen Religion betreibt. So wird auf den »Christusmythos« verwiesen und die Bedeutung des »historischen« Jesus angezweifelt:

Es wird auf die sozial-kritischen Elemente im frühen Christentum verwiesen, gleichzeitig aber sein Prinzip der Unterordnung unter den römischen Staat betont, indem ihm die »gesellschaftlich progressive« Gnosis gegenübergestellt wird, die allerdings durch die in der »Negierung alles Bestehenden implizierte ... Negierung jeder weiteren Entwicklung« auch wieder keine wahre Alternative bieten konnte. 62

Der dritte Teil dieses Kapitels schließlich beschäftigt sich mit der »gesellschaftlichen Krise im 3. Jh.« und dem Untergang des Prinzipats. Die von »bürgerlichen « Historikern (Seeck, Rostovtzeff, Bengtson, u. a.) aufgestellten Vermutungen über die Ursachen dieses Niederganges werden von den Autoren als bloße Teilerklärungen kritisiert, wogegen die sowjetische Forschung, besonders aber die Interpretation E. M. Staermans als zutreffend und umfassend beschrieben wird:

Diese Entwicklung, so die Autoren, implizierte auch die Auseinandersetzung innerhalb der (neuen und alten) herrschenden Klasse, den Konflikt zwischen Großgrundbesitz und Munizipalaristokratie, wobei erstere im wahrsten Sinne des Wortes an Boden gewannen. Am »Ende des Prinzipats« (Ermordung Carinas, 285) stehen denn auch die »außerordentliche« Schwächung der sklavenbesitzenden munizipalen Oberschichten und die Großgrundbesitzer, die »gestärkt aus diesem Ringen hervor« gegangen waren:

Im letzten und kürzeren 6. Kapitel »Die spätrömische Kaiserzeit. Der Dominat« (S. 317 - 382) beschreiben die Autoren zuerst die »Grundlagen des Dominats«:

Danach gehen Günther und Dieter zur Beschreibung der Klassenstruktur im Dominat über. Sie vermerken, daß »allein die Großgrundbesitzeraristokratie« zur »herrschenden Klasse« wurde, die den Kaiser selbst und die Kirche miteinschlossen. Diese »Großgrundbesitzer des Dominats«, so betonen sie, können zwar als »Vorläufer« der späteren »Feudalherren« (so, wie die Kolonen als die Vorläufer der »feudalabhängigen Leibeigenen«) verstanden werden, aber die »herrschende Produktionsweise war noch nicht feudal«. Viel eher entsprach die »herrschende Produktionsweise der Spätantike ... der einer untergehenden Sklavereigesellschaft mit Elementen künftiger feudaler Produktionsverhältnisse.«66

Die »ausgebeuteten Klassen« wurden hingegen von den »selbstständig wirtschaftenden Kleinproduzenten« und den Sklaven repräsentiert. Als »charakteristisch für die Zeit des Dominats« sehen die Autoren »die allmählich immer stärkere Annäherung dieser beiden ausgebeuteten Klassen in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit und in ihrer sozialen Stellung. Betont wiederum wird von ihnen, daß ihre unterschiedlichen rechtlichen Stellungen davon unberührt blieben67.

Dann kommen sie auf den grundsätzlichen Charakter des Kolonats zu sprechen:

Wieder werden »Klassenkämpfe« beobachtet: »Die sich verändernden sozialen Verhältnisse«, schreiben die Verfasser, und »die zunehmende Ausbeutung ... verschärften den Klassenkampf in der Spätantike.« Sie erfaßten nun nicht mehr nur Kolonen und Sklaven, sondern »weite Teile der unzufriedenen, ärmeren und ausgebeuteten Bevölkerung« und auch barbarische Stämme, die sich auf dem Reichsboden niedergelassen hatten. Die »Klassenkämpfe« wurden so zu »umfassenden Volksbewegungen« und die »bäuerliche Landbevölkerung«, die »vereinzelt« schon für eine »Veränderung der Eigentumsverhältnisse« eintrat, stellte nun eine »revolutionäre Kraft in der Übergangsepoche zum Feudalismus« dar.

Die »antike Form der Militärdiktatur« gelangte auf die höchste Stufe ihrer Entwicklung, u.a. »um die ausgebeuteten Klassen im Innern niederzuhalten«. Die Armee, die Beamtenschaft und die christliche Kirche wurden zu den »einzigen sicheren Stützen der kaiserlichen Macht«. In der römisch-katholischen Kirche bildete sich die »politische Ideologie der künftig herrschenden Feudalklasse heraus.«69
In der Besprechung der Regierung Diokletians und Konstantins favorisieren die beiden DDR-Historiker eine verbindende Betrachtungsweise dieser Herrscher, deren Politik nur von vorübergehendem Erfolg gekrönt war bzw. - so würden Günther und Dieter sagen - sein konnte:

Nachdem die politische Entwicklung unter den Nachfolgern Konstantins und die Kultur des Dominats bis zum Ende des 4. Jh. besprochen wurde, kommen die Autoren schließlich zum »Untergang des Weströmischen Reiches«. Sie beschreiben die soziale Lage im Innern des Reiches, die für die »bäuerlichen und ... städtischen Armen immer unerträglicher « wurde, da ihnen die Beamten des Kaisers keinen ausreichenden Schutz mehr gegen die Willkür der Großgrundbesitzer gewähren konnten.71 Sie konstatieren außerdem einen »neuen Aufschwung der Volksbewegungen im Innern des Reiches« (Agonistiker, Bagauden). Diese Volksbewegungen »erschütterten nicht nur erheblich den römischen Staat, sondern rüttelten auch an den historisch überholten Eigentumsverhältnissen.«72

Nach der Schilderung der verwirrenden Umstände, die zum Untergang des Reiches im Jahre 476 führten, ziehen Dieter und Günther Bilanz:

Die Autoren schließen ihre Römische Geschichte mit einer Beschreibung der germanischen Staatenbildungen auf römischem Boden (Burgunder, Westgoten, Sueben, Vandalen, Ostgoten, Franken) und mit einer Darstellung der Entwicklung des im Grunde bis 1453 weiterbestehenden Oströmischen Reiches bis zur Zeit Justinians.

Der Anhang des Werkes ist relativ umfangreich und entspricht dem Charakter dieses »Lehrbuches«. Vorangestellt ist eine relativ ausführliche Quellenbibliographie mit empfehlenden Charakter. Gefolgt wird diese - in den »heiligen« Texten der »Dreieinigkeit« werden ja die Grundlagen allen historischen Denkens vermittelt - von den »Arbeiten der Klassiker des Marxismus-Leninismus«. Dann werden Nachschlagewerke und allgemeine Darstellungen empfohlen, wobei letztere sich auf die ältere und sozialistische Literatur beschränken. Anschließend werden die wenigen für den DDR-Althistoriker relevanten Periodica genannt und abschließend die »Spezielle Literatur« aufgelistet. Auch hier fällt die Überzahl der älteren und sozialistischen Literatur auf, wobei einige moderne »bürgerliche« Standardwerke ebenfalls erwähnt werden. Insgesamt entspricht die Bibliographie wohl in etwa dem äußerst bescheidenen Literaturangebot des DDR-Studenten. Faktisches Material (Chronologie, Liste der römischen Kaiser), Nachweise von Karten bzw. Bildern und ein Register komplettieren die Römische Geschichte bis 476 von R. Günther und H. Dieter.


ANMERKUNGEN

1 Berlin (DDR), Deutscher Verlag der Wissenschaften, 3. Auflage: 1990.

2 Dieter und Günther über die Historiographie der späten römischen Republik, S. 208.

3 S. 13; andere Hauptlinien marxistischer Interpretation werden allerdings nicht besprochen.

4 S. 7.

5 S. 7.

6 S. 7, 8.

7 Ganz im Stile der sich den »großen Persönlichkeiten« der Weltgeschichte nähernden späteren DDR -Geschichtsschreibung: man denke nur an die Würdigungen Luthers, Friedrich des Großen und Bismarcks.

8 Auch hier scheint es aktuell-politische Entsprechungen gegeben zu haben, sprach man doch in den 1970er Jahren zunehmend vom »Bündnis aller Werktätigen (unter der Führung der Arbeiterklasse)« und erweiterte den strikten Klassenbegriff.

9 S. 8.

10 dieses Selbstverständnis der DDR-Historiker entspricht dem Lehrbuch-Charakter des Werkes.

11 S. 13 - 16.

12 S. 13.

13 S: 16 - 17. Kritisch erwähnt werden u.a. Bengtson, Heuß und Alföldy.

14 S. 17.

15 keinesfalls »vor Christus«.

16 S. 19.

17 S. 30.

18 S. 33.

19 S. 35.

20 S. 36 - 37.

21 S. 39.

22 S. 48 - 49.

23 S. 58.

24 S. 67.

25 S. 68.

26 S. 85.

27 K. Marx Das Kapital Bd.1, MEW, Bd. 23, Berlin 1962, S. 149f.; zit auf S. 98.

28 S. 99; der Begriff »Lumpenproletariat« spielt ganz offensichtlich mit der doppelten Bedeutung von »Lumpen«.

29 S. 101; wieder wird Marx zitiert: »Sobald der Wucher der römischen Patrizier die römischen Plebejer, die Kleinbauern, völlig ruiniert hatte, hatte diese Form der Ausbeutung ein Ende, und trat die reine Sklavenwirtschaft an die Stelle der kleinbäuerlichen.« (in Das Kapital, MEW, Bd. 25, S. 609).

30 S. 102.

31 S. 102.

32 S. 105.

33 S. 107.

34 S. 116.

35 S. 118.

36 S. 120.

37 S. 125.

38 S. 148 - 149.

39 S. 149.

40 zit. S. 152 aus K. Marx an Engels, 27.02.1861, in MEW, Bd. 30, S. 160.

41 S. 153 - 154.

42 S. 163.

43 S. 173.

44 S. 176.

45 S. 186.

46 S. 189.

47 S. 197.

48 S. 203.

49 S. 217.

50 in F. Engels Bruno Bauer unds das Urchristentum, MEW, Bd. 19, S. 301.

51 S. 218.

52 S. 223.

53 S. 225; H. Bengtson Grundriß der römischen Geschichte, S. 267.

54 F. Engels Zur Urgeschichte dwer Deutschen, MEW, Bd. 19, S. 447.

55 S. 228.

56 S. 232.

57 S. 243.

58 S. 258.

59 S. 269 - 272.

60 S. 275.

61 S. 284.

62 S. 287 - 288.

63 S. 289.

64 S. 308.

65 S. 317.

66 S. 318.

67 S. 318.

68 S. 318.

69 S. 320 - 321.

70 S. 330.

71 S. 358.

72 S. 358 - 361.

72 S. 373.


HS Gizewski WS 1998/99