Sachlich sind generell die in diesem Rahmen eines Diskussionsforums für Lehrzwecke wiedergegebenen Arbeiten - im Hinblick auf manche in ihnen von den Autoren und auch vom Hg. belassenen Mängel und Unrichtigkeiten - nur bedingt publikationsfähig. Sie eignen sich nur bedingt zum geschichtswissenschaftlichen Zitieren , es sei denn, sie sind hier ausdrücklich als überarbeitet deklariert. D. Hg, 


 

Klemens Brosig zu: Helmut Berve, Kaiser Augustus, Leipzig 1934, und: ders., Thukydides, Frankfurt/Main 1938.

 

A. Kurzberricht.

Klemens Brosig, Kurzbericht. Eine neoklassizistische Suche nach Ideal und Größe in der Antike? Helmut Berve, Kaiser Augustus, Leipzig 1934, und : Thukydides, Frankfurt/Main 1938.

Nach der ersten Durchsicht der Schriften Berves und von Werken zum Thema - Altertumswissenschaftler in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft - kann ich mich der Ansicht Peter Kneissls anschließen, der schreibt, dass jede wissenschafiliche Betrachtung der Altertumswissenschaft [...] schnell auf die Schwierigkeit der Urteilsbildung stoßen [wird]. Nicht jede zeitgerechte Formulierung macht einen Autor schon zum willigen Befürworter der nationakoziallstischen Herrschaft. Bei erklärten Gegnern der NS-Ideologie, sei es "einfacher" zu urteilen.
Welche Kriterien sind zu bestimmen? Geht es "nur" um die erneute Feststellung, dass einflußreiche Wissenschaftler beinahe nahtlos in den bundesdeutschen Lehr- und Forschungsbereich übernommen wurden, obwohl sie "Wegbereiter des Faschismus" und der damit verbundenen Greultaten waren? Sind sie lediglich Material für Fallstudien zum Umgang mit Informationen und Perspektiven? Oder geben ihre Schriften einen "Geschichts-Lackmus" der besonderen Art, um, in meinem Falle Augustus oder Thukydides' auf die Spur zu kommen? Ich habe meinen Blickwinkel, meinen Arbeitsschwerpunkt' noch nicht gefunden.
Auf den ersten Blick erscheinen mir, was die Person Helmut Berve angeht, die Ausführungen von Karl Christ, Volker Losemann und Karl Ferdinand Werner wegweisend für eine weitere Analyse. Aber es wird notwendig sein, Berves Werke dahingehend zu untersuchen, ob in ihnen eine Entwicklung zu belegen ist, die zur Identifikation mit dem Staatsgedanken der NS-Ideologen führte, oder ob sein so oft von den Interpreten betonter "gefühlsmäßiger Zugang~" eine dem NS-Gedankengut grundsätzlich verbundene Sichtweise von politischen Prozessen, seit Beginn seiner wissenschaftlichen Tätigkeit, vorhanden war. Der "Rassegedanke", die "biologische Bedeutung der Macht", "Individualisierung kontra Volksgemeinschaft" und sein zentraler Gedanke des "Neurömertums" und die Beschreibung der Person des Augustus - "Es mußte ein Retter vom Himmel steigen. [...] An seiner Zukunft hing [...] des römischen Staates Zukunft. Erst wenn er sich in einer großen Erscheinung bis zu dem Punkte gesteigert hatte, wo das Zerstören zum Aufbau wurde und das Persönliche über sich selbst hinaus allgemeine Verbindlichkeit gewann, so daß sich ein neues Gesetz über das gesetzlose Chaos spannen konnte, erst dann durfte man eine Wendung der Verhältnisse und vielleicht einen neuen Aufsteig erhoffen." - bieten Ausgangspunkte zur Analyse. Textvergleiche zu Thukydides, die den von Berve konstatierten Einfluß der Griechen auf das römische "Staatswesen" begründen, belegen die "Prägung" Berves auf die Herrschaft der hellenistischen Kultur. Ergänzend zur Textanalyse kann die Betrachtung von "parallelen" Lebensläufen und Werken sein. Ein Beispiel dafür wäre Hans Oppermann. Aber auch das direkte Umfeld von Helmut Berve ist zu betrachten, da von einer "Berve-Schule" gesprochen wird. Vielleicht sollte ich aber vorerst Begriffe problematisieren - z.B. Staat, Individuum, Römer - Begriffe, die - nach unserem heutigen Kenntnisstand - kaum die damaligen politischen Gegebenheiten beschreiben.
Es bleibt mir vorerst die Fortführung der intensiven Textanalyse und die Beschäftigung mit Augustus und Thukydides auf der Grundlage aktueller Forschungsergebnisse.

Literatur zu Augustus.


Binder, Gerhard: Saeculum Augustum. Darmstadt. 1987-1991.
Bleicken, Joachim: Die Verfassung der römischen Republik. Paderborn. 1975.
Bleicken, Joachim. Augustus. Göttingen. 1998.
Christ, Karl: Von Gibbon zu Rostovtzeff Darmstadt. 1972.5.
Christ, Karl: Römische Geschichte und Wissenschaft. 3 Bd. Darmstadt. 1983.
Earl, D.: Augustus und seine Zeit. Wiesbaden. 1969.
Eck, Werner: Augustus. München. 1998.
Gardthausen, V.: Augustus und seine Zeit. Leipzig. 1964.
Giebel, Marion: Augustus. Hamburg. 1984.
Heuss, Alfred: Römische Geschichte. Paderborn. 1998.
Kienast, Dietmar: Augustus. Prinzeps und Monarch. Darmstadt. 1982.
Kienast, Dietmar: Der augusteische Prinzipat als Rechtsordnung. In: Z.Sav.Stift.R.A. l01. 1984.5. 115-141.
Meyer, Ernst: Römischer Staat und Staatsgedanke. Zürich. 1948.
Meyer, Ernst: Einführung in die antike Staatskunde. Darmstadt. 1968.
Schall, Ute: Augustus. Kaiser. Rächer. Komödiant. Masken und Metamorphosen eines Herrschers. Ergon. 1990.
Stahlmann,I.: Imperator Caesar Augustus. Studien zur Geschichte des Prinzipatsverständnisses in der deutschen Altertumswissenschaft. Darmstadt 1988.
Zanker, Paul: Augustus und die Macht der Bilder. München 1987.
Vittinghoff, Friedrich: Kaiser Augustus. Hg. Günther Franz. Zürich 1991.

Literatur zu Berve und NS.

E. Bucher und P.R. Franke: H. Berve. Gestaltende Kräfle der Antike. München. 1966.S.485-488.
Christ, Karl: Neue Profile der Alten Geschichte: Darmstadt. 1990. S.125-188.
Losemann, Volker: Nationalsozialismus und Antike. Hamburg. 1977.
Werner, Karl Ferdinand: Deutsche Historiographie unter Hitler In: Bernd Faulenbach Hg. Geschichtswisenschafi in Deutschiend,. Traditionelle Positionen und gegenwärtige Aufgaben. München. 1974.S. 86-96.
Imperim Romanum. Studien zur Geschichte und Rezeption. Festschrifi für Karl Christ zum 75. Geburtstag. Hg. Peter Kneissl/Volker Losemann. Stuttgart. S.519-543.

Berve - Hauptwerke.

Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage. 2Bde. 1926.
Griechische Geschichte. 2Bde. 1831-1933.1951-1952.
Miltiades. 1937.
Sparta. 1937.1944.
Thukydides. 1938.
Perikles. 1940.
Das neue Bild der Antike (Hg.). 2 Bde. 1942.
Imperium Romanum. 1943.
Gestaltende Kräfte der Antike. 1949.1966.
Die Herrschaft des Agathokles. 1952.
Dion. 1956.
König Hieron 11.1959.
Die Tyrannis bei den Griechen. 2 Bde. 1967.
Die Erfüllung des Reiches, Wille und Macht 2, 1934.
Antike und nationalsozialistischer Staat, Vergangenheit und Gegenwart 24, 1935.
Zur Kulturgeschichte des Alten Orients, Archiv für Kulturgeschichte 25. 1935.

Literatur zu Thukydides.

Classen, Johannes/ Steup, Juhus: Thukydides. Berlin. 1963.
Erbse, Hartmut: Thukydides-Interpretationen. Hg. Winfried von Bühler/Peter Herrmann/Otto Zwierlein. de Gruyter. 1989.
Flashar, Hellmut: Der Epitaphios des Perikles. Seine Funktion im Geschichtswerk des Thukydides. Heidelberg. 1969.
Fritz, Kurt von: Die Griechische Geschichtsschreibung. Bd. 1. Von den Anfängen bis Thukydi des. de Gruyter. 1967.
Handke, Peter: Noch einmal für Thukydides. München. 1997.
Heitsch, Ernst: Geschichte und Situation bei Thukidides. Beitr. zur Mtertumskunde 71.1996.
Patzer, H.: Das Problem der Geschichtsschreibung des Th. und der thukydischen Frage. Berlin. 1937.
Rengakos, Antonios: Form und Wandel des Machtdenkens der Athener bei Thukidides. HermesEinzelschrift 48. Wiesbaden. 1984.
Roscher, Wilhelm: Leben, Werk und Zeitalter des Thukydides. (Unveränd. Nachdr. d. Ausgabe Göttingen 1842) Göttingen. 1998.
Schadewaldt, Wolfgang: Die Geschichtsschreibung des Thukydides. Zürich. 1972.
Schadewaldt, Wolfgang: Tübinger Vorlesungen. Bd. 2. Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen: Herodot, Thukydides. FrankfürtIMain. 1982.
Schneider, Christoph: Information und Absicht bei Thukydides. Untersuchungen zur Motivation des Handelns. Hamburg. 1974.
Thaeger, Friedrich: Thukidides. Stuttgart. 1925.
Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Auswahl aus Buch I-V. Bearb. v. Mühl, Max. Hg. Karl Rupprecht. 1965.
Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Hg. Manfred Fuhrmann. München. 1997.

 


B. Hausarbeit.

Klemens Brosig, Eine neoklassizistische Suche nach Ideal und Größe in der AntikHelmut Berve: Kaiser Augustus. Leipzig.1934 Thukydides. Frankfurt/Main. 1938

 

Inhaltsverzeichnis.

1. Einleitung S. 1
2. Leben und Werk S. 2
3. Augustus S. 8
4.Thukydides S. 13
5.Fazit S. 19
6. Literaturangaben S. 22

 

 

1. Einleitung.

Wissenschaftliche Konzepte der Altertumswissenschaft haben immer Verbindungen zu philosophischen Positionen und dem viel zitierten Zeitgeist. Jedes Werk eines Historikers wird vom Rezensenten bewußt oder unbewußt mit den vorherrschenden politischen und geistesgeschichtlichen Bedingungen seiner Zeit konfrontiert.
Jede wissenschaftliche Betrachtung der Altertumswissenschaft in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft muß sich nicht nur mit "traditionellen" Deutungsmustern des beginnenden Jahrhunderts auseinandersetzen, sondern auch mit der Nähe oder der Ferne zu Gedankengängen von NS-Ideologen. Aber nicht jede zeitgerechte Formulierung macht einen Autor schon zum willigen Befürworter der nationalsozialistischen Herrschaft. Nicht allein das Anbiedern im gängigen Ton der NS-Ideologen, das der Erklärung der Existenzberechtigung eines Faches diente, sollte über die fachliche Qualifikation eines Wissenschaftlers entscheiden. Zudem müssen Vergleiche von Grundtendenzen vieler rechtskonservativer Altertumswissenschaftler früherer Zeiten zur Einsicht führen, daß sie sich grundsätzlich keinesfalls zu staatstheoretischen Stützen einer demokratischen Gesellschaftsordnung im heutigen Verständnis eignen. Unser Postulat von der "Gleichheit aller Menschen" als Grundsatz aller politischen Entscheidungen wird von ihnen1 nicht geteilt. Entscheidend sind dabei die Begründungswege, die stets, dem Fach entsprechend, in die Antike führen, um dort "Kronzeugen" ihrer Meinung, wie z.B. Platon, zu finden. Auch hier stellt sich die Frage nach -Huhn oder Ei-. Die Texte, seien es solche von Platon oder Aristoteles und Diodor oder Thukydides, lassen, wie jeder andere Text, auch Raum für unterschiedlichste Interpretationen, z.B. können politische Prozesse lediglich an Erfolg und Mißerfolg der Protagonisten gemessen werden. Jeder Text kann "mißbraucht" werden, um aktuelle Positionen tendenziös zu stützen.
Mit Helmut Berve werde ich einen Historiker vorstellen, der einerseits seit seiner prosopographischen Arbeiten zu Alexander in seiner fachlichen Kompetenz unumstritten war und ist, der sich aber in einigen seiner Schriften, veröffentlicht zwischen 1933-1945, so erheblich kompromittiert hat, daß seine Nähe zur NS-Ideologie unumstritten ist. Er rief schon früh zur wertbetonten Nationalgeschichte auch für den Bereich des Altertums auf und führte dies später konsequent weiter. Er glaubte daran, daß der Rassengedanke für die historische Wissenschaft tiefere Bedeutung gewinnen könne, unterstrich, daß der "leibliche Sinn" des Nationalsozialismus ein neues Denken und Fühlen in der Beurteilung der Protagonisten der Alten Geschichte schaffe, und, daß für die Antike und den Nationalsozialismus härtester Realismus und reinster Idealismus sowie die Bejahung der Diesseitigkeit bezeichnende Gemeinsamkeiten wären. Das "Herrenmenschentum" war für Berve die Grundlage jeder erfolgreichen politischen Beständigkeit und Erneuerung.2
Nach 1945 wurde Berve wieder in den bundesdeutschen Lehrbetrieb aufgenommen und fand mit seinem Alterswerk über die griechische Tyrannis viel Beachtung.
Karl Christ schreibt: Für nicht wenige Kollegen und die jüngeren Althistoriker der Zeit nach dem II. Weltkrieg wurde Berve zur Symbolfigur und zur Personifikation der Kontinuitätsproblematik nach 1945. Berve selbst schien weder ein Unrechtsbewußtsein zu besitzen noch ein Sensorium für die Wirkung und Funktion seiner Texte und Reden im "Dritten Reich".3
Mein Blickwinkel soll aber nicht von dieser Meinung verstellt werden. Ich werde vorwiegend lineare Textanalysen vornehmen, um den Deutungsmustern Berves nachzuspüren. Dabei gilt aber mein Interesse auch dem eigentlichen Untersuchungsgegenstand - Kaiser Augustus und Thukydides. Beides zu berücksichtigen - die Analyse des wissenschaftlichen Konzepts des Historikers Helmut Berve und die Würdigung bedeutender historischer Persönlichkeiten soll Inhalt der folgenden Ausführungen sein.

 

2. Leben und Werk.

Helmut Friedrich Conrad Berve wurde am 22. Januar 1896 im schlesischen Breslau, dem heutigen Wrozlaw, geboren.4 Berve entstammte einer großbürgerlichen, protestantischen Familie westfälischer Herkunft. Der Vater Emil, ein Jurist, dem er sein erstes Hauptwerk widmen sollte, nahm leitende Positionen in Bergbauunternehmen des schlesischen Kohlegebietes ein und wurde schließlich Inhaber einer Bank. Materieller Wohlstand und gehobener sozialer Status sowie der Besuch des besten deutschen Gymnasiums der Stadt, des Elisabeth-Gymnasiums, prägten die Jugendjahre des Helmut Berve (1904-1914).
1914 nahm Berve sein Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau auf. Nach Ausbruch des I. Weltkrieges meldete sich der achtzehnjährige Berve als Kriegsfreiwilliger beim 4. Husarenregiment von Ohlau. Nach einer schweren Erkrankung, wurde er 1916, vor Kriegsende, aus der Armee entlassen, um von 1917-1919 zivilen Hilfsdienst am Breslauer Friedrichsgymnasium als Hilflehrer zu leisten. Parallel besuchte er Vorlesungen an der Universität Breslau bei Cichorius, Ernst Kornemann und Walter Otto. Durch die Versailler Verträge wurde Niederschlesien mit Breslau zum Grenzland, in dem immer wieder nationalistische Unruhen ausbrachen, die sich vor allem gegen die junge Weimarer Republik richteten.
An der Breslauer Universität lehrten, bevor Berve dort studierte, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben5, Theodor Mommsen6, Gustav Freytag7 und Felix Dahn.
Seit dem Beginn des Jahrhunderts hatten sich Altertumsforscher mit papyrologischer Ausrichtung und besonderer Beachtung der wirtschaftlichen Probleme im Altertum an der Universität eingefunden. Ulrich Wilcken, der von 1862-1944 lebte, war der Begründer des systematischen Einsatzes der Papyruskunde bei der Rekonstruktion historischer Fakten. Er begründete 1900 das "Archiv für Papyrusforschung".8
Walter Otto, ein Schüler Wilckens, erweiterte wie dieser seine kulturgeschichtliche Perspektive durch die Beschäftigung mit den entsprechenden Texten und Dokumenten zu seinem bevorzugten Forschungsobjekt, der Untersuchung der hellenistischen Gesellschaft und insbesondere des ptolemäischen Ägyptens. Otto ergänzte das ursprüngliche Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft zu einer Enzyklopädie, die den ganzen antiken Raum auch außerhalb der geographischen und geistigen Grenzen der "klassischen" Welt umfassen sollte. Berves Studienjahre waren geprägt von der Gestalt Walter Ottos.
1916 begann die Zusammenarbeit zwischen Berve und Otto. 1918 ging Walter Otto nach München. Berve besuchte noch für die Dauer eines Jahres die Vorlesungen bei Kornemann und zog dann zu Anton von Premerstein nach Marburg. Dort machte er weitere Erfahrungen in prosopographischen Studien. Anschließend hörte er in Freiburg Ernst Fabricius, der an den Ausgrabungen auf Kreta teilgenommen hatte und seit 1902 für die Reichslimeskommission tätig war. 1921 legte Berve das Staatsexamen in Karlsruhe ab. Seine Promotionsarbeit war ein erster Teil seiner Prosopographie des Alexanderreiches. Dieses Thema erarbeitete er auf Empfehlung seines Lehrers. Berve wurde 1921 in München promoviert.9
Seine erste große Arbeit zeigt, nach Meinung Karl Christs, ein ungewöhnlich hohes intellektuelles Niveau, das auch die Bereiche der Philosophie und Kunst souverän miteinbezog. Sie verband eine exakte wissenschaftliche Grundlegung mit durchaus persönlichen, eindrucksvollen und fast stets überzeugenden Wertungen. Erst recht gelte dies für die dann 1926 erschienene, zweibändige Habilitationsschrift Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage.
Berve verließ 1921 München, um in Berlin Eduard Meyer und Ulrich von Wilamowitz (einen Schwiegersohn von Mommsen) zu hören. Diese waren die führenden Repräsentanten der Alten Geschichte und der Klassischen Philologie des wilhelminischen Deutschlands. Der Kontakt zu Walter Otto blieb erhalten.
Nach dem Berlinaufenthalt ging Berve zurück nach München. Dort arbeitete er im Jahre 1924 an der Volkshochschule. Diese Bildungseinrichtungen wurden von fortschrittlichen liberal-bürgerlichen Kreisen initiiert und entwickelten sich in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts zu Lehrstätten für eine "gebildete" Arbeiterklasse. Aufgrund seiner erfolgreichen akademischen Tätigkeit entstand um Berve ein persönlicher Kreis, zu dem auch sozialdemokratische und kommunistische Studenten zählten.
1926 erschien das achthundert Seiten umfassende Werk Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage. Sorgfältig bearbeitete Prosopographien der mehr als achthundert Personen, welche mit Alexander nachweislich in Berührung gekommen sind 10 sowie über achtzig Personen, welche nachweislich mit Unrecht in eine persönliche Beziehung zu Alexander gesetzt worden sind.11 Auf dieser Grundlage hat Berve die drei Hauptteile des ersten Bandes behandelt, den königlichen Hof, das Heer und die Verwaltung des Alexanderreichs. Er scheute dabei keineswegs persönliche Wertungen, z.B. wenn er das Liebesleben Alexanders, den Alltag des Königs sowie dessen Verhalten auf den Kriegsschauplätzen und während der Feste schilderte. Dies kündigt er im Vorwort12 an:
Nur wer um Alexander, den Menschen, in seiner ungeheueren, irrationalen Menschlichkeit ringt, kommt darum dem Wesen und Wert seiner Werke nahe.
Dieses Ringen zeigt sich nicht nur in der akribischen Quellenarbeit, sondern auch in dem "Mitleiden" des Schriftstellers Berve an seiner Hauptfigur. Man liest weiter im Vorwort:
Ein wundersames Zusammenwirken gegensätzlicher Elemente, erschreckend unbesonnener Leidenschaft mit vorsichtigen, nüchternen Erwägungen, glühendster Begeisterung mit kalter Realpolitik, religiöser Gebundenheit mit einer prachtvollen inneren Freiheit und schließlich die grandiose Selbstverständlichkeit, mit der persönliche Bedürfnisse, Neigungen und Wünsche gleichberechtigt neben die höchsten politischen Forderungen gestellt werden, um in dämonischen Taten zu herrlicher Einheit zusammenzuwachsen, dieses Wunder des Menschen Alexander ist die Seele seines Werkes.
Auch in folgenden Schriften, wie z.B. Augustus (1934) wird Berve den Ton beibehalten, der die "Großen" des Altertums zu Idealen, göttlichen Rettern des ihnen zufallenden Universums stilisiert.
Geht man von diesen [Alexanders] Werken aus und dringt von den Taten zum Täter, von den Schöpfungen zum Schöpfer, von der umgebenden Sphäre zum Mittelpunkt vor, dann, aus der Fülle seiner Wirkungen auf Menschen und Länder, darf man ahnend den Genius spüren, den unmittelbar nur die Schau des ebenbürtigen Genius erreicht.13
Diese engagierte Herangehensweise verbunden mit fachliche Kompetenz fand große Beachtung in den entsprechenden Printmedien.14
Auch während seines Aufenthaltes in München hielt Berve Kontakt zu Walter Otto, wie auch, nachdem er 1927 einen Lehrstuhl für Alte Geschichte in Leipzig erhalten hatte. Die Leipziger Jahre waren sehr erfolgreich für Berve. Dort, im Kreise meist viel älterer Kollegen, setzte sich Berve rasch durch. Aufgrund seiner Studien über das stark künstlerisch und geistig bestimmte, aber im Grunde unpolitische Ionien in der griechischen Geschichte 15 und seiner Forschung zu dem andersartigen, nämlich zielgerichteten und enggeschlossenen Kosmos von Sparta als der bestimmenden Lebensform der Dorier16, wurde er weithin bekannt.
Karl Christ schreibt, dass zudem sein entschiedenes, unermüdliches Engagement in Vorlesungen, die den Gesamtbereich der Alten Geschichte umspannten, sowie anspruchsvolle Seminare und Übungen, die sich als sehr erfolgreich erwiesen, zu Berves gutem Ruf beitrugen. 17 Berves Schüler Alfred Heuß schrieb später im Rückblick auf diese Jahre:
...die Aufrichtigkeit sich selbst und der durch die Zeit gestellten Aufgaben gegenüber war zu spüren: Auf ihr beruhte (u.a.) die Anziehungskraft, die er auf junge Menschen ausübte, überraschenderweise schon während der ersten Leipziger Jahre, die ihm fünf (spätere) Habilitanden zuführten. B. verstand sich auf scharfe Interpretation und ließ nichts durchgehen, er schrieb aber niemandem seinen Weg vor und verlangte, daß jeder ihn selbst fände. Es gab nur ein Gesetz, das der unbedingten Absage an die bloße Routine. Das war absolute Liberalität, wie in einer Akademie, wo es weder ein iurare in verba magistri noch in diesem initiierten Sinne einen magister gibt (konventionelle Dissertationen waren deshalb hiervon weit abgesetzt).18
Es ist deshalb auch kein Zufall, dass sich von den erwähnten fünf späteren Habilitanden Berves, Hans Schaefer, Wilhelm Hoffmann, Franz Hampel, Alfred Heuß und Hans Rudolph, lediglich Schaefer und Hampl ihren Arbeitsschwerpunkt in Berves Domäne der Griechischen Geschichte wählten. Und es ist ebensowenig ein Zufall, daß sie in der Regel Berves politische und hochschulpolitische Überzeugung nicht teilten. Eine Ausnahme bildete lediglich Franz Hampel, Berves famulus, den er auch in sein Haus aufnahm.19 Es ist bemerkenswert, daß Berve nach der "Machtergreifung" noch versuchte, die Gleichschaltung der Leipziger Volkshochschule zu verhindern.20
In Leipzig vollzog sich ein Wandel der Interessenschwerpunkte Berves, wodurch der 1927 einunddreißigjährige Wissenschaftler sich vom Prosopographen der Alexanderzeit zum Verfasser einer umfangreichen Griechischen Geschichte wandelte, die bei Herder in Freiburg 1931-1933 verlegt wurde. In diesem zweibändigen Werk, das auf dem Gegensatz zwischen Doriern und Ionen und damit auf deren jeweilige Individualität aufbaut und die Hellenen in ihrer historischen Eigenart zu fassen sucht, vertieft er seine Sicht einer Synthese zwischen kultureller und politischer Geschichte.
Sein Bestreben war es, die Geschichte der Griechen in ihrer Individualität darzustellen, die besonderen Bedingungen und Schicksale, unter denen sie sich vollzog, das Einzigartige ihres organischen Verlaufes, das Eigentümliche der sie bewegenden Kräfte, ihre originalen Leistungen und Bildungen zu erfassen. Außerdem wollte Berve die kulturellen Äußerungen in ihrer Gesamtheit [erfassen] und an ihnen die seelische Grundhaltung [aufzeigen] welche den Menschen einer Zeit eigen war und all ihr Denken und Tun beherrschte.21
Berve versuchte, Geschichte beispielhaft zu zeigen, d.h. trotz der Eigengesetzlichkeiten und der Unwiederholbarkeit der griechischen Geschichte, Lehren aus ihr für die Bewältigung der eigenen Zeit zu ziehen. Im Vorwort zu Droysens Geschichte Alexanders des Großen22 schreibt er, daß er das Werk deshalb bewundere, weil Droysen es verstanden habe, mit Hilfe der Geschichte von der heutigen Realität zu sprechen, ohne daß billige Parallelen gezogen wären, vor denen ihn sein feiner historischer Instinkt bewahrte.
Berve wurde 1932 zum ordentlichen Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaft gewählt.
In Leipzig erlebte Berve im Januar 1933 den Sieg der Nationalsozialisten. Ende April trat er selbst der NSDAP bei. Er gehörte aber keinen Verbänden an, und seinen Namen sucht man vergebens in politischen Aufrufen und Dokumenten.23 Noch im selben Jahr wurde er Dekan der Fakultät in Leipzig, 1937 Prorektor und ab 1940 Rektor der Leipziger Universität. Er produzierte seit 1929 umfangreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen: Sertorius (1929), Sulla (1931), Kaiser Augustus (1934), Zum Monumentum Ancyranum (1936), Fürstliche Herren zur Zeit der Perserkriege (1936), Miltiades (1937), Sparta (1937), Thukydides (1938), Perikles (1940).
Im April 1941 fand unter der Leitung von Helmut Breve ein deutsche Althistorikerkongreß in Berlin statt. Die dort vorgetragenen Referate wurden in einer im folgenden Jahr herausgegebenen Schrift von Berve zusammengefaßt und herausgegeben. Das neue Bild der Antike ist mit einem Vorwort versehen, das unzweideutig die Unterstützung Berves für das Gedankengut der Nationalsozialisten belegt.24 Ich werde im Zusammenhang mit den Werken Kaiser Augustus und Thukydides näher darauf eingehen. Es sei hier nur bemerkt, daß Schriften, wie z.B. Sparta, nicht grundlos zum Lesekanon der Adolf-Hitler-Schulen gehörten.
Die Nähe zur NS-Ideologie äußerte sich aber nicht in Berves Personalpolitik an der Universität, wie die Berufung des Philosophen Hans Georg Gadamer oder des Altphilologen Karl Reinhardt belegen.
1943 wurde Berve gegen Widerstände, vor allem des NS-Dozentenbundes, der ihn für politisch unberechenbar hielt, zum Nachfolger seines Lehrers Walter Otto, der 1941 gestorben war, nach München gerufen. Vielleicht haben auch die Umstände dieser Benennung Berve veranlaßt, gedankenlose Loyalitätsbeweise gegenüber dem herrschenden Regime zu leisten.25
Nach der Besetzung Bayerns durch amerikanische Truppen im Dezember 1945 wurde Berve automatisch seines Amtes enthoben. Seine "Entnazifizierung" war im Juli 1948 abgeschlossen. In der folgenden Zeit widmete er sich der Überarbeitung seiner Griechischen Geschichte, die 1951/52 wieder bei Herder erschien. Ab 1949 lehrte er als unbesoldeter Privatdozent in München. Ein Forschungsauftrag der Mainzer Akademie der Wissenschaft und der Literatur, die ihn 1949 zum korrespondierenden Mitglied gewählt hatte, folgte. 1952 übernahm Berve einen unbezahlten Lehrauftrag an der neugegründeten Philosophisch-theologischen Hochschule in Regensburg (seit 1967 Universität Regensburg). 1954 wurde Berve auf die Professur für Alte Geschichte der Universität Erlangen berufen. 1960 wählten ihn die deutschen Althistoriker zum Vorsitzenden der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik in München, die er 1967 in das Deutsche Archäologische Institut überleitete. 1962 zog Berve nach seiner Emeritierung nach Hechendorf/Oberbayern.
Helmut Berve starb dort am 6.4.1979.

 

3. Kaiser Augustus.

Im Jahre 1934 veröffentlichte Helmut Berve seine Schrift Kaiser Augustus im Insel-Verlag zu Leipzig. Der Verlag war nicht beliebig gewählt. Insel Taschenbücher wandten sich an ein über die jeweiligen Fachgebiete hinausreichendes Publikum. Nach Berves Meinung hatten Schriften zur Antike über [ihre] wissenschaftliche Bedeutung hinaus eigenen Bildungswert.26 Außerdem sei die innere Auseinandersetzung mit der Antike für die Deutschen ein Akt der Selbsterkenntnis und Selbstformung .27
Sicher ist es nicht erstaunlich, daß ein Wissenschaftler, der sich mit prosopographischen Studien den Einblick in Geschichtsfelder verschafft hatte, seinen Blick auf exemplarische Gestalten der Geschichte lenkte. Es können im folgenden kaum die Beweggründe geklärt werden, die Berve zwischen 1933-1945 zu einem, nicht nur durch seine Lehrtätigkeit angeregten, "Ausflug" in die römische Geschichte bewogen haben. Beachtenswert ist, dass sich alle Arbeiten mit der Epoche der späten Römischen Republik und der kaiserzeitlichen Konsolidierung des Imperium Romanum befassen, wobei einerseits die Persönlichkeiten Sullas und Sertorius, andererseits Augustus im Mittelpunkt von Berves Interesse standen, wie auch die Probleme der neuen Strukturierung des Römischen Reichs unter dem Principat. Berves bisheriger, allseits geachteter und nach 1945 weiterverfolgter Arbeitsschwerpunkt war die Griechische Geschichte. Es fragt sich, ob Berve die Fragestellungen und Probleme seiner bisherigen Forschungen auf das neue Teilgebiet übertrug. Dazu kann festgestellt werden, daß ihn die Phänomene der Individualisierung, der Zerfall einer alten staatlichen Ordnung, die Auflösung der Aristokratie, der Aufstieg des Einzelnen, die Zusammenhänge zwischen der Mobilisierung geistiger Kräfte und der Begründung einer neuen staatlichen Form in allen Arbeitsbereichen interessierten. Allgemeiner kann vielleicht ein Satz Berves aus dem Jahre 1936, der zwar auf die Beschäftigung mit der Griechischen Geschichte bezogen war, aber nicht minder für die Römische galt, seine Interessen markieren wurde Berve:
Die großen Fragen, die das deutsche Volk bewegen [sind]: Rasse, Volkstum, Staat, Idee und Macht [das heißt] Behauptung in der Welt.28 Außerdem glaubte Berve, daß keine Periode der Geschichte so klar und reich einer jeden Zeit auf ihre großen Lebensfragen Antworten zu geben vermag wie die [...] Antike.29 Es war also für Berve die Vorstellung einer lehrreichen, für die europäische Geschichte prägenden Epoche. Es war die Deutung ihrer Werte und Ideale, die sich sieghaft in Sturm und Wandel behaupteten. 30
Dieses Wertesystem beschreibt Berve zu Beginn seiner Arbeit über Kaiser Augustus. Die Kräfte, die gegen die völlige Auflösung des römischen Staates in der Mitte des ersten Jahrhunderts wirksam waren, seien die Kraft des Beharrens bei der Väter Sitte und die schier unverwüstliche Zähigkeit einer durch und durch konservativen Gesinnung.31 Außerdem mußte ein Zustand hergestellt werden, in dem das Volk [...] in Glauben, Denken und Wollen [wieder] eins mit dem Adel [und] dessen Lebensart würde. Gründe für die Auflösung der alten Ordnung fand Berve in der individualisierenden Wirkung hellenistischen Denkens 32, das zu zügellosem Ehrgeiz33 führte. Die Nobilität, deren staatstragenden Charakter Berve beschwor, mußte zurückfinden zu einer überpersönlichen Stetigkeit34 , die nicht geprägt sein sollte von Zusammenschlüssen aus finanziellen Verpflichtungen, sondern aus Erinnerung an ehemals stolze Familienverbindungen.35 Aber zuvor mußte der Einfluß der hellenistischen Welt, einer überreifen Zivilisation36, überwunden werden, indem sich die Entwicklung des Einzelmenschen [...] bis zu einem Punkt [steigerte], wo das Zerstören zum Aufbau würde.37
Es mußte ein Retter vom Himmel steigen,38 schreibt Berve. Dieser Retter war Gaius Octavius, der Enkel der Schwester des Cäsars, der von diesem testamentarisch adoptiert worden war. Berve rechtfertigt zuvor die Ermordung Cäsars, indem er ihn als unrömischen Monarchen 39 beschrieb, der von Männern mit gutem römischen Sinn im Interesse der Rettung des Römertums beseitigt werden mußte. Konkret waren die Verfehlungen Cäsars nach Berve: er verleugnete die Überlieferungen des Freistaates und gedachte die geknechteten Untertanen gegenüber dem römischen Herrenvolk zu heben, dessen Sonderstellung eingeebnet werden sollte unter einem einheitlichen Reichsregiment 40. Außerdem bestand kein Zweifel [daran], daß hier ein Abgleiten des längst hellenistisch durchtränkten Römertums an die östliche Welt drohte, deren absolutistische Königsformen der Gewalthaber ganz offen erstrebte.41
Octavius soll es demnach unter anderem gelingen, die Stellung der Römer als Herrenvolk zu sichern und die alte Herrschaftsform, d.h. die Einbindung des Senats, des Adels in die Herrschaft wiederherzustellen.
Wie mußte der Retter beschaffen sein, um dies zu erreichen ? Berve erklärt: die Geschichte lehrt, daß nicht Schönheit und Tugend, nicht Menschlichkeit und lichter Idealismus, ja nicht einmal der heldische Geist, so herrlich er den einzelnen und ein Volk verklären kann, die erfolgverheißenden Züge im Wesen eines werdenden Staatsmannes sind, sondern dies, daß er von Anfang an, sich in den wildesten Stürmen zu behaupten weiß. Die Probe auf diese Fähigkeit aber bestand Octavian in einer für seine Jahre erstaunlichen Weise.42
Dieses Herrscherbild, eine Person, die losgelöst ist von allen Regeln und Gesetzen, verstärkt Berve noch in der Beschreibung: Octavian schwebte in einer fernen, höheren Sphäre, wo nicht menschliche Kraft aus sich, sondern eine göttliche Macht planvoll zu walten schien.43
[...] Es waren Taten von kalter Berechnung und Gewissenlosigkeit, von abstoßender Brutalität,44 mit denen Octavian an die Macht kam.
Man suche vergebens im Wesen des jungen Octavian nach einem menschlich warmen, sittlich erhebenden oder auch nur jugendlich hinreißenden Zug.45 Aber die unbeirrbare Zielsicherheit, die überlegene Ruhe und die eisige Willensstärke des Jünglings46 seien beachtenswert, sowie seine ruhige, weder von starren Dogmen noch von schäumenden Gefühlen beeinträchtigte Tatkraft, das mehr stumme Vordringen als glanzvoll Siegende seiner Politik, die unpathetische Nüchternheit endlich und der starke Realismus seiner Natur. Der scheinbare Kontrast, den Berve zwischen dem jungen Octavian und dem späteren Augustus hervorhebt, erscheint vor dem Hintergrund des eben vorgestellen Herrscherbildes unnötig, denn die Ziele heiligen doch, nach Berve, die Mittel. Aber diese konventionellen Beschreibungen eines "Auserwählten" spiegeln die innere Beteiligung Berves an dem von ihm entworfenen Augustusbild: Der über alles und jedem stehende Einzelmensch, der instinktiv zum Wohle des Volkes handelt.
Diese Person soll auch Führer einer geistigen Bewegung sein. Die Römer sollen sich besinnen, was Römertum ist und wie sie von griechischem Geist beflügelt zum Neurömertum gelangen.47 Grundlage dafür sei die Lehre der Stoa oder verwandter Schulen mit ihrer Forderung nach freiwilliger Einordnung des einzelnen in die vernunftmäßige Weltordnung, ihrem Pflichtbegriff und der entschlossenen Absage an Willkürherrschaft und unbeschränkter Monarchie. Dies bedeute eine fruchtbare Verbindung mit den Resten altrömischer Gesinnung und dem durch Cäsars Diktatur entflammten republikanischen Abwehrwillen.48. Berve beugt jedem Mißverständnis vor, daß die Orientierung am griechischen Geist eine Aufnahme "fremder" Ideen in die eigene Weltsicht sein könnte. Er schreibt, daß die Bildung durch hellenische Gedanken die Römer nicht zu Graeculi, zu halben Griechen [machte], sondern [...] sie zum Bewußtsein und zur Entfaltung der eigenen Art [führte].49
Octavian sei es gewesen, der die geistige Erneuerung bewirkte. In diesem Zusammenhang erklärt Berve, wie Octavian neurömische Ideale entwickelte, nämlich von der praktischen Politik her. Er konstatiert, daß es überhaupt von der politischen Tat einen Weg zu großen geistigen und ethischen Zielsetzungen gibt. 50 Also an seinen Taten sollen wir Augustus erkennen, seine Ideale zwischen den "Zeilen der Handlungen" herauslesen. Bisher gab es aber nur Gewalt, Selbstsucht und Machtbesessenheit zu konstatieren. Die These vom entwickelten Neurömertum dient dementsprechend lediglich der Stützung der Deutung des Krieges gegen Antonius. Berve beschreibt diesen als großen Entscheidungskampf, in dem der zu Bewußtsein [Neurömertum] erwachte lateinische Westen gegen den im letzten Jahrhundert wieder stark orientalisierten hellenistischen Osten stand. Es sei ein Ringen zweier Menschheitskreise51 gewesen. Der Zusatz stark orientalisiert ist notwendig, um die vorher angeführte rassische Verwandtschaft der Hellenen und Römer aufzuheben. Berve stellt fest, daß sich das neue Bewußtsein noch nicht im Volk und in einflußreichen Kreisen durchgesetzt hätte. Die ihn in seinem Kampf unterstützten, die auf seine Person vereidigt waren, taten dies aus Dankbarkeit oder in der Erwartung mit Posten oder anderen Gaben belohnt zu werden. Dies läßt erneut an Berves Konstruktion vom sich entwickelnden Neurömertum zweifeln.
Octavian hatte sich eine erhebliche Hausmacht zugelegt, die ihn zum Zentrum des Staates, durch Reichtum und Oberbefehl über die Legionen machte. Die Auctoritas des Cäsars war es, die jetzt prüfend über allen stand, eine gesetzlich nicht festgelegte und nicht festlegbare moralische Macht seiner Person.52 Diese Macht nutzte Octavian im Jahre 29 zu einer Säuberung des Senats von würdelosen, in der Revolutionszeit eingedrungenen Elementen.53 Berve beschreibt die folgenden Jahre als Zeit der Prüfung für Augustus, in der er fast der monarchischen Versuchung zu erliegen drohte.54 Mitschuld an seinem Verhalten trage auch der Senat durch sein würdeloses Schmeicheln, das Augustus von seinen hohen Idealen abbrachte. Der Mann, dessen Schultern das Schicksal der Welt trugen,55 sollte erst durch eine Verschwörung gegen sein Leben zur Besinnung kommen. Der mit dem Titel Augustus vergöttlichte Herrscher hatte seine gesamte Macht niedergelegt, um sie von dem zuvor personell gereinigten Senat erneut zu erhalten. Es mußte eine Verfassungskonstruktion entworfen werden, die Augustus einerseits nicht als Monarchen erscheinen, ihm aber gleichzeitig alle gesetzgeberische Initiative in den Händen ließ. Als der erste Bürger, Princeps civium, nicht als Monarch wollte Augustus gelten, und auf dem autoritären Gewicht seiner Persönlichkeit, nicht auf außerordentlichen Amtsbefugnissen, die er, soweit sie fortbestanden, möglichst zurücktreten ließ, sollte in Zukunft, von allen staatserhaltenden Kräften bejaht, seine politische Tätigkeit ruhen.56 Berve beschreibt die Stellung des Augustus, die für Berve nicht in staatsrechtliche Begriffe zu fassen sei, als eine vom Schicksal bestimmte, einigermaßen künstliche, aber höher legitimierte Herrschaftsform, die Kraft seiner [des Augustus] überlegenen Weisheit und einer [vom Volk] freiwillig anerkannten Führerstellung zum allgemeinen Segen wurde.57 Er erfüllte so, nach Berve, eine seit Jahrzehnten gehegte Hoffnung des Volkes nach Frieden und Wohlstand. Berve erklärt, daß die äußeren Formen wie kultische Handlungen eine wesentliche Kraft zur Herausbildung des neurömischen Geistes waren und nicht nur bedeutungslose Fassade zur Machterhaltung. Daß dieses so stimme, "belegt" Berve mit dem Satz: Die eigene Zeit [die Zeit der NS-Herrschaft] hat es uns gelehrt ...58
Er schreibt weiter:
Ein neues Ethos ergriff [...] den römischen Menschen, der sich eigentlich erst jetzt als solcher zu fühlen begann; es erwachte das Bewußtsein einer stolzen, sich gegen Fremdes klar abgrenzenden Nation, die sich ihrer Sonderart und ihre Herrenstellung über die anderen Völker stark und verpflichtend empfand.[...] Die Kultur, die unter seinen Händen erblühte, die Jugend, die in Verbänden heranwuchs und sich wieder in einer Ordnung wußte, sind nicht weniger als der Staatsbau sein ureigenes Werk. Es war eine Epoche, in der Friede, Zivilisation, Wohlfahrt geherrscht haben wie selten im Laufe der Geschichte, eine Epoche zugleich, in der die hohen Werte aus der Vergangenheit gepflegt, über ein Weltreich verbreitet und so der abendländischen Menschheit zum dauernden Besitz überantwortet wurden.59
Dies zeigt, dass der Kern der Vorstellung des Principats für Berve gekennzeichnet war von einer Versöhnung der Idee mit der Wirklichkeit. Entgegen der heutigen Vorstellung 60, daß Idee und Wirklichkeit der augusteischen Staatsgestaltung auseinanderfielen, versuchte Berve gerade darin, daß es dem Princeps gelang, beide Sphären zu vereinigen, seine spezifische Leistung zu belegen. Die Kraft einer charismatischen Figur, der vielbeschworene Einzelmensch, sei Träger einer nach Erfüllung strebenden Geschichte. Dazu beschwört Berve übermenschliche Mächte, wenn er versucht die Machtstellung des Augustus zu charakterisieren. Berve, ein erklärter Gegner der Weimarer Republik, argumentiert, daß eine Gewaltenteilung zum Untergang des Staates geführt hätte, da nur die im Hintergrund agierende Führergestalt tun konnte, was gut für den Staat war. Dieser Glaube an eine von der Vorsehung bestellte, "schöpfergleiche" Persönlichkeit, die ihre Herrschaft durch Autorität, jenseits aller Gesetze, erschafft und damit eine Friedensherrschaft begründet, verband sich auf verhängnisvolle Weise mit den Ideen der Nationalsozialisten. Berve schreibt: Wie sich härtester Realismus und reinster Idealismus im griechischen [und römischen] Menschen treffen konnten, vermögen wir heute zu ahnen angesichts einer von beiden Kräften bewegten, in beiden Beziehungen gleich großen Gegenwart. Die Diesseitigkeit antiken Menschentums aber kann im Zeichen betonter Diesseitigkeit der nationalsozialistischen Weltanschauung aufrichtig nacherlebt werden.61

 

4. Thukydides.

Im Jahre 1938 erschien im Verlag Diesterweg als 5. Heft der Reihe "Auf dem Wege zum nationalpolitischen Gymnasium. Beiträge zur nationalsozialistischen Ausrichtung des altsprachlichen Unterrichts" Thukydides, ein Werk Berves zu Leben und Werk des hellenischen Historikers. Der Verlag ist erneut bewußt gewählt.
Die unmittelbare Begegnung mit den Gestalten und Schöpfungen des klassischen Altertums, die heute erstrebt wird, weil sie für das Ganze unseres Volkes und seiner Kultur allein Bedeutung besitzt, gibt sich auch in der Wissenschaft nicht mit literar- und geistesgeschichtlichen Problemen zufrieden, mag deren Erörterung im Einzelfall noch so erwünscht sein. Es tritt vielmehr der deutsche Mensch der Gegenwart den Menschen der Antike und ihrer Hinterlassenschaft kühn mit den eigenen brennenden Fragen gegenüber, und diese zielen geradewegs auf das für uns Beispielhafte und Gültige der Erscheinungen des Altertums. Bewundernder Hinweis darauf, daß gewisse Erkenntnisse, Prinzipien und Gestaltungen der abendländischen Welt zuerst von den Hellenen oder den Römern gefunden wurden, verfängt allein nicht mehr bei einem Geschlecht, das in dem Maße, als es sich selbst in einer gewaltigen historischen Umwälzung fühlt, historischen Wertungen absagt und, wie allenthalben so auch in seinem Verhältnis zur Geschichte, nach einfacher Natürlichkeit und handfester Wahrheit verlangt.62
Diese Ausführungen können nur als eine anbiedernde Geste in Richtung nationalsozialister Leserschaft beschrieben werden, da ein Berve kaum nach einfacher Natürlichkeit und handfester Wahrheit sucht. Es ist im folgenden zu untersuchen, ob die an die Texte von Thukydides gestellten Fragen einer wie auch immer gearteten neuen Sichtweise auf Idee und Werk entsprechen. Berve hat seine Schrift in vier Abschnitte unterteilt: 1. Einleitung: Leben und Werk, 2. Der Forscher, 3. Der Künstler und 4. Der politische Denker. Im ersten Kapitel gibt er einen kurzen Überblick zum Leben des Thukydides. Wenig ist es, was wir von Thukydides Leben wissen.63 Er erklärt, daß Thukydides in einer großen geschichtlichen Stunde des attischen Volkes geboren wurde und für das Abendland die wissenschaftliche Geschichtsschreibung begründet habe. Hervorgehoben wird die Zeit der Verbannung, die ihm die Möglichkeit eröffnet habe, den hellenischen Krieg wie aus der Vogelperspektive 64 zu betrachten. Diese Perspektive prädestinierte ihn zum objektiven Beobachter . Im folgenden reflektiert Berve den Forschungsstand der Zeit. Dabei sei über Jahrzehnte das Problem der Entstehungsgeschichte des Werkes bearbeitet worden. Weiter hätten Wissenschaftler diskutiert, ob Thukydides nur den zehnjährigen Krieg bis zum Nikiasfrieden beschreiben wollte65 und anschließend eine Fortsetzung begann, oder den ganzen 27jährigen Krieg (431-404) als Einheit darstellen wollte. Dies beinhaltet auch die Frage nach der Entstehungszeit der Schriften des Thukydides über den peloponnesischen Krieg.66 Berve zieht das Fazit, daß eine erste niedergeschriebene Darstellung um 421 stattgefunden haben muß. Er erklärt zur sogenannten thukydidischen Frage: Zwar wird niemand leugnen wollen, daß sich in dem unfertig hinterlassennen Werk Unausgeglichenheit und Widersprüche finden, die auf die Art der Entstehung, auf die jahrzehntelange Sammlung, Sichtung und geistige Durchdringung des Materials oder auf das jeweils erreichte Stadium der künstlerischen Ausfeilung zurückzuführen sind, aber ob diese Stellen gestatten, die Entstehungsgeschichte des Werkes auch nur andeutungsweise zu bestimmen, muß nach den bisherigen Ergebnissen der Thukydidesanalyse, soviel sie zur Deutung des Textes und zur Durchleuchtung des Thukydideischen Geistes beigetragen hat, höchst fraglich bleiben.67 Wichtiger, als diese Frage abschließend beurteilen zu können, bleibt für Berve eine Beschäftigung mit dem Inhalt der Texte. Dabei solle man nicht besinnungslos in den Chor eines Lobpreises einstimmen68, sondern es gilt mit den neuen [nationalsozialistischen] Wahrheiten, die wir in uns und um uns lebendig fühlen, vor ihn zu treten zu einer Auseinandersetzung, in der er nicht minder als diese Wahrheiten sich zu bewähren habe.69

Im zweiten Abschnitt, Der Forscher, beschreibt Berve die Art der Forschung, die Methode des Thukydides. Dieser bemühte sich um die exakte Feststellung der geschichtlichen Ereignisse, indem er mit großer Sorgfalt, gestützt auf Quellen, das politische Geschehen nachzeichnet. Die unbedingte Forderung aber nach sachlicher Wahrheit und Genauigkeit des Erzählens tritt bei Thukydides mit um so größerer Autorität auf, als im 5. Jahrhundert Glaube, Werte und Anliegen der Menschen säkularisiert worden sind und sich Geschichte auf das irdische, erkennbare Geschehen beschränkt hat.70 Das Weltgeschehen wird nicht mehr als von Göttern beeinflußt beschrieben, sondern nur noch die Religiosität der Menschen hat Einfluß auf das Geschehen. Welche Berichte oder Urkunden Thukydides über die Ereignisse besaß, warum er den einen oder den anderen vorzog, auf welche Art er aus Einzelangaben kombinierend große Vorgänge erschloß, trete in seiner Darstellung kaum zutage. Er habe nicht "öffentlich" Meinungen abgewogen, um zu einer Meinung zu gelangen, wie Schriftsteller, z.B. Heriodot, vor ihm, sondern sich jeweils für eine Sichtweise entschieden, bevor er sie zu Papier brachte und erwartete vom Leser ein Vertrauen in seine verantwortliche Suche nach der Wahrheit. Berve erwähnt auch das "Probestück" der Thukydideischen Methode, die Erklärung zum Irrtum über die Peisistratossöhne, Hipparchos sei der ältere der beiden Brüder gewesen.71 Die Methode des Thukydides sei, daß eine rationale Wahrscheinlichkeitsforderung als zureichendes Kriterium für die Anerkennung oder Verwerfung einer Tradition angesehen wird. 72
Thukydides habe nur politische Geschichte geschrieben. Er sei gleichgültig gegenüber der Individualität des Einzelmenschen 73 , seinen Eigenarten und Sitten gewesen. Aber er habe als erster in der Geschichte zwischen äußerem Anlaß und tieferen Gründen unterschieden. Berve nennt dies: die Entdeckung der Tiefenschicht74 . Anschließend wendet sich Berve dem Problem der Reden im Werk zu. Er stellt fest, daß diese sicher nicht Niederschriften von wörtlich gehaltenen Reden seien, sondern Zusammenstellungen von Meinungen zu einem bestimmten Anlaß. Dabei sei die Darstellung der Beweggründe der verschiedenen Parteien mit diesem Stilmittel wichtiger, als die Wiedergabe der konkreten Abläufe von Verhandlungen.
Zu dieser Form der Geschichtsdarstellung kommt Berve in seinem dritten Abschnitt:
Der Künstler.
Er schreibt: Die zwiespältige und darum so schwere Aufgabe des echten Geschichtsschreibers, nur Wirkliches und als wahr Erkanntes zu bringen, das eine höhere als die aktenmäßige Wahrheit besitzt, ist hier zum ersten Male in der Geschichte des menschlichen Geistes erfüllt worden.75
Auch die Art der Zusammenstellungen von Details sei eine Kunst, die der Geschichtsschreiber beherrschen muß - ohne Auswahl sei keine Geschichtsschreibung. Dabei erleichtere die Beschreibung eines bedeutenden Ereignisses mit natürlicher Dramatik76 die Arbeit des Historikers. Historiker und Künstler müssen miteinander verwachsen sein, meint Berve. Bezugnehmend auf die eingefügten Reden und Briefe erklärt Berve, sie seien oftmals eher an den Leser, denn an das "geschichtliche" Publikum gerichtet. Indem er über die Darstellungsmittel des Thukydides berichtet, gibt Berve den geschichtlichen Inhalt der Schriften chronologisch wider. Im folgenden entwickelt Berve das Ideal eines Geschichtswerkes:
Erst wenn es gelänge, Geschichte so zu erzählen, daß in Art, Tenor, Rhythmus, Wortwahl, Komposition, Aufbau und was dergleichen künstlerische Mittel sind, durch die konkrete Erzählungen selbst zum Ausdruck kämen, was für gewöhnlich als begleitende Reflexion erscheint, wäre für uns das Ziel des historischen Kunstwerkes erreicht, das, wie jedes wahre Kunstwerk, mit seiner sinnlichen Erscheinung von den letzten Ordnungen, Mächten und Fragen des Lebens künden soll.77 Zudem gebe der Gang der Geschichte dem Werk seine Form. Deshalb können sich kompositorische Mängel auch aus dem Untersuchungsgegenstand erklären. Entscheidend für die Erläuterung von Geschehnissen seien auch Rückblenden, die eine historische Funktion erfüllen müssen.
Die Übereinstimmung aber des geschilderten gegenstandsbedingten Aufbaus mit ästhetischen Gesetzen kann nur als Beweis für deren letzten Zusammenklang mit den Grundgesetzen des Lebens gelten, nach denen sich die elementaren Auseinandersetzungen zwischen Staaten vollziehen. 78
Hier erweitert Berve seinen Gedanken von der biologischen Körperlichkeit des Staates auf Beziehungen zwischen Staaten. Immer wieder hatte Berve auf die Grundeinsicht insistiert, daß es eine Verbindung zwischen geschichtlichem Forschergeist und Naturwissenschaft geben müsse. Ihre Methoden und Erkenntnisse, wie z.B. im Beobachten von Abläufen verschiedener Art- das Recht des Stärkeren - zu postulieren, seien ähnlich. Viele Bereiche, die bisher nur naturwissenschaftlich begründet erschienen, seien nun auch weltanschaulich begründet.
Im vierten Kapitel ( Der politische Denker) wirft Berve die Frage auf, von welchem Standpunkt aus Thukydides die Geschichte des Krieges geschrieben hat und welche Absicht er damit verfolgte. Berve meint, obwohl Thukydides seine Heimatstadt verlassen mußte, war er ihr innigst verbunden. Dies sei nicht auf Anhieb zu bemerken, da er nicht mit Kritik an den politischen Fehlern seiner Landsleute spart. Aber die Verhaltenheit [...] der patriotischen Glut scheint dann nur dazu angetan, den Eindruck von ihrer Kraft und Tiefe zu erhöhen.79 Um diese Sicht zu untermauern fährt Berve fort: Die politische Leidenschaft des griechischen Staatsbürgers gilt aber nicht nur dem heimischen Gemeinwesen als solchem, sondern kaum minder der Erhaltung oder Erkämpfung der rechten Staatsform. Außerdem sei jeder durch Geburt innenpolitischen Zielsetzungen verpflichtet. Im Falle des Thukydides, der der vornehmen Welt Athens, einem Geschlecht aus der Adelsepoche angehörte, war dies eine Gegnerschaft der fortschreitenden Demokratisierung des Staates gewissermaßen von Geburt an. Die Lebensumstände hätten diese noch verstärkt. Im achten Buch, bei der Schilderung der oligarchischen Revolution in Athen zeige sich in überraschender Unmittelbarkeit die Sympathie des Historikers mit denjenigen Kräften, die eine Beschränkung der Demokratie erstrebten.80
Ansonsten sei zu bemerken, daß man eindeutige politische Positionen bei Thukydides nicht finden wird. Man muß sie mehr im Hintergrund oder in den beziehungsreichen gedanklichen Zwischenräumen seiner Erzählung suchen.81
Berve faßt die Positionen des Werkes, das in einer bis heute gültigen Weise Grundelemente der politischen Geschichte [...] aufzeigt 82 , wie folgt zusammen:
Den Quell der menschlichen Kräfte, welche das politische Leben und die Beziehungen der staatlichen Einheiten zueinander bestimmen, erkennt Thukydides [...] in dem naturhaften Trieb, der für das eigene Selbst nach Freiheit, im Verhältnis zu anderen aber nach Herrschaft verlangt. Daß dies im Wesen des Menschen so angelegt sei, und zwar mit einer Unbedingtheit, die sich weder durch Gesetze noch durch Todesgefahr eindämmen und zurückhalten lasse [...] Zumal der Krieg wirkt auf diese Weise, so daß der Historiker in einer der tiefsinnigsten Partien seines Buches ihn als einen gewaltsamen Lehrer kennzeichnen kann, der die Leidenschaft der Masse nach den Anforderungen des Augenblicks ausrichtet.[...]
Gerechtigkeit und Erbarmen [...] sind keine bestimmenden Faktoren für die Auseinandersetzung zwischen Staaten; an sie wird sich immer nur der Schwache, natürlich vergebens, klammern.83
Berve analysiert verschiedene Dialoge, um z.B. im Melierdialog im 5. Buch (85-111) folgendes festzustellen:
Er besitzt für uns heutige Leser eine geradezu aufregende Aktualität, bekundet sich doch in ihm eine biologische Auffassung von Lebenskraft und Lebenskampf der Staatswesen, [...] die sich bewußt auf die Naturgesetze beruft und selbst das Göttliche in ihrem Bann sieht.[...] Zugleich bekundet sich in dieser Haltung ein Überzeugtsein von der natürlichen Gesetzmäßigkeit des historischen Geschehens, das oft in frappanter Weise an Gedanken erinnert, wie sie Adolf Hitlers Werk "Mein Kampf" durchziehen. Wer Politik treibt, verfällt ihrem Gesetz: Sicherheit, Ehre und Nutzen des Staates nötigen ihn, wenn er seine Aufgabe recht erfüllt und die erforderliche Einsicht besitzt [...] Denn das Ziel aller Politik, selbst mehr zu haben als die anderen, steht fest.84
Berve, der sonst nur von der heutigen Zeit oder dem heutigen Menschen spricht, der aus der Geschichte lernen könne, nennt hier erstmalig "Roß und Reiter" seiner Vergleichsebene. Seine Arbeit an Themen des Altertums sollen, wie bei Thukydides ein leuchtendes Beispiel [sein] was ein Staat sein kann und wie es sich verlohnt, für solchen Staat den Lebenskampf zu führen.85

 

5. Fazit.

Berve hatte in seinen Ausführungen über Thukydides die Notwendigkeit betont, daß der Leser ein ungebrochenes Vertrauen in die Wahrhaftigkeit der Darstellungen des Historikers haben muß. Betrachtet man Vorgänge, wie die antisemitischen Retuschen Berves im Vorwort der 2. Ausgabe von Droysens Alexander, bleibt für mich dieses Grundvertrauen erschüttert.
Berve hatte in der 1. Ausgabe des Alexander Mendelssohn-Bartholdy das große Verdienst zugesprochen in Droysen eigenes künstlerisches Wesen zu bewußtem Leben erweckt zu haben. In der 1939 erschienen Version liest man:
Mit Befremden wird man heute das enge Verhältnis betrachten, das sich zwischen ihm und dem jüdischen Komponisten bildete, wenn auch, soweit wir erkennen können, die kerndeutsche, schwerblütige Art des Pommern in ihrer gesunden und selbstsicheren Kraft nicht gefährdet wurde.86
Berve verfolgte mit seinen Schriften ein bildungspolitisches Ziel. Bezogen auf die römische Gerschichte bedeutete dies:
Sie [die römische Ordnung seit Augustus] hat ihnen [allen Völkern] das Bewußtsein eingepflanzt, daß die Ordnung des römischen Imperiums die Ordnung der gesitteten Menschheit sei.87 Der gesittete Mensch soll zu folgenden Tugenden erzogen werden:
Echte humanistische Bildung erzieht nicht zum Individualisten, zum geistigen Privatmann, sondern zum politischen Menschen - denn der antike Mensch war ein politischer Mensch - und überhaupt zu Einordnung in Form und Gesetz. Sie erzieht , wenn sie recht betrieben wird, zu den Tugenden, die der nationalsozialistische Staat braucht.88
Seit seiner ersten Arbeit über Alexander erkennt man in Berves Werk eine Vorliebe für Menschen, deren Persönlichkeit in dämonischen Taten zu herrlicher Einheit zusammenwachsen.89 Ihr beispielhaftes Handeln sollte ausgerichtet sein auf die Stärkung des Staates, der als Herrenvolk die uneingeschränkte Herrschaft über andere haben mußte. Der Führer des Volkes hatte dabei eine nicht festlegbare moralische Macht gestütz nur auf der Autorität seiner Person. Blutsverwandtschaft im weitesten Sinne war Bedingung für eine erfolgreiche Verständigung.

Seine Vorstellung von der Entwicklung der Altertumswissenschaft entwickelte er wie folgt:
Inzwischen dürfte es kaum mehr einem Zweifel unterliegen, daß diese Richtung [die Erfassung der einzelnen Völker nach ihrer historischen Individualität], in deren Blickfeld Volk, Stamm und Rasse, die Werte also, die heute mehr als je im Vordergrund stehen, erst ihre ganze Bedeutung offenbaren, sich für die Zukunft immer eindeutiger durchsetzen wird. Die Universalgeschichte muß zurücktreten, sie hat den Hintergrund abzugeben, die Folie, für die wertbetonte Nationalgeschichte. [...]
Ohne entschiedene Wertung des Stoffes, - nicht einer subjektiven, sondern einer volksverbundenen und volksverbindlichen - wird auch in der Altertumswissenschaft künftig nicht mehr zu arbeiten sein.
Das ist nicht bloß eine unabweisliche Folgerung aus unserer kulturellen oder politischen Gegenwartssituation, die einer wertfreien Wissenschaft das Lebensrecht abspricht, sondern eine innere Notwendigkeit der Wissenschaft selbst, die zurückzufinden beginnt zu der natürlichen Einsicht, die Treitschke in die schönen Wortegefaßt hat, daß der Mensch nur erkennen kann, was er liebt. Lieben aber kann er nur das Verwandte, und unausweichbar stellt sich nun für eine ganze Anzahl von Disziplinen, die bisher auf Grund einer andersartigen, "objektiven" Haltung gepflegt wurden, die Frage: Ist hier Erkenntnis im tieferen Sinne möglich? Solange es nur um die positivistische Feststellung von Tatsachen ging, chronologischer oder philologischer Art, tauchte dieses Problem noch nicht auf, konnte noch gar nicht auftauchen; aber wer möchte sich heute mit der Zielsetzung des Positivismus begnügen, wer wollte und könnte darauf verzichten, den historischen Gegenstand in seiner Eigenart zu erkennen, wo es doch eben die Eigenart des Gegenstandes ist, um derentwillen er diese und nicht jene Wissenschaft betreibt. 90
Diese Einengung der Perspektive ist für jede wissenschaftliche Arbeit verhängnisvoll. Der Versuch Themen, Personen, Mythen und Denkmuster der Antike für nationalistische, antidemokratische Interpretationsmuster zu verwenden, ist in sofern erfolgreich, da bemerkenswert überzeugende Bilder zur Unterstützung der Argumente im Fundus der Kenntnisse über die griechisch-römische Zivilisation gefunden werden können. Z.B. war es die für die augusteische Staatsform spezifische Machtstruktur, die auch derartigen Deutungen eine Grundlage bot und die gegensätzlichsten Identifikationen zugelassen hat. Der Prinzipat als Forschungsgegenstand bot sich geradezu an, auf den Staat konzentrierte politische Geschichtsschreibung zu betrachten und den Primat der inneren und äußeren Machtpolitik zu vertreten.
Wir haben in den Ausführungen über Augustus und Thukydides gesehen, wie Berve seine Ideale mit der Wirklichkeit zu verbinden sucht. Seine Wirklichkeit ist der "heilige" Kampf um Vorherrschaft einer überlegenen Rasse. Der Kampf an sich war für ihn das treibende Moment der Menschheitsgeschichte. In ihm konnte sich der Einzelne, das Volk, der Staat beweisen.91 Dieses Geschichtsbild und Berves Wertungen haben den Boden dafür bereitet, daß die NS-Ideologie ihre Machtpolitik aufbauen, ihre Greultaten verüben konnte. Sicher habe ich nur einen kleinen Auszug aus dem Werk Berves bearbeiten können und diese Ausführungen beziehen sich auf die Zeit zwischen 1933-1945.
Vielleicht suchte Berve nur nach Idealen und Größe in der Antike, um eine wirkliche Friedensherrschaft begründen zu helfen. Aber die Scheuklappen, die er trug und die verhängnisvollen Irrwege, die er ging, haben nicht nur seiner Person, sondern auch in letzter Konsequenz einer ganzen Generation geschadet.

ANMERKUNGEN.
 
1) Zu nennen wären: Eduard Meyer, Ulrich Wilamowitz-Moellendorf u.a.
2) Helmut Berve: Zur Kulturgeschichte des Alten Orients. In: Archiv für Kulturgeschichte 25. 1935 , S.219f.
3) Christ, Karl: Neue Profile der Alten Geschichte. Darmstadt 1990 , S. 187.
4) Die Angaben zum Lebenslauf sind zusammengestellt aus: Canfora, Luciano: Politische Philologie. Altertumswissenschaften und moderne Staatsideologie. Stuttgart. 1995 S. 126-178. Lotze, Detlev: Zum 100. Geburtstag des Althistorikers Helmut Berve In: ;Mitteilungen der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften. Bd.11. 1996. S. 29-31. Christ, Karl: Neue Profile der Alten Geschichte. Darmstadt. 1990. S.125-188. Franke, Peter Robert: Helmut Berve In: Ostdeutsche Gedenktage. Bonn (Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen). 1995, S.25-31.
5) 1835-42 Professor in Breslau - wegen seiner "Unpolitischen Lieder" (u.a. das sog. Deutschlandlied) amtsenthoben.
6) Mommsen, Theodor: Römische Geschichte, Berlin 1904.
7) Freytag, Gustav: Die Ahnen (Romenzyklus 1873-81).
8) Wilcken, Ulrich: Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde. 1912; Alexander der Große, 1913; Griechische Geschichte im Rahmen der Altertumsgeschichte,1924; Urkunden der Ptolemäerzeit, 1927.
9) Siehe Karl Christ S. 126 Anm. 3.
10) siehe Berve, Helmut: Das Alexanderreich. Bd. II., München 1926.
11) Ebd. Vorwort.
12) Ebd.
13)Ebd.
14) Wilcken, Ulrich in: Deutsche Literaturzeitung. Bd. 48. 1927 S.359-361; Oertel, F., in: Neue Jahrbücher für Antike und deutsche Bildung, 1928, S.385ff.
15) In: Gestaltende Kräfte der Antike. Aufsätze und Vorträge zur griechischen und römischen Geschichte, Hg. Edmund Buchner / Peter Robert Franke. München. 1966.
16) Berve, Helmut: Sparta, 1937.
17) Siehe Karl Christ S. 130f.
18) Ebd. S.131 zitiert A. Heuß. Historische Zeitschrift 230 (1980), S. 782.
19) Franz Hampel schrieb 1979 einen Nachruf auf Berve, in dem die Stellung Berves in der NS-Zeit ausgespart sind. In: Gnomon. Kritische Zeitschrift für die gesamte klassische Altertumswissenschaft. Bd.51.1979 S.413-415.
20) Siehe Luciano Canfora S. 133-134.
21) Berve, Helmut: Griechische Geschichte, 1931 Vorwort.
22) Berve, Helmut: Vorwort zu: Droysen, J.G.: Geschichte Alexanders des Großen, Leipzig 1931, S.14.
23) Siehe Luciano Canfora S.134.
24) Berve, Helmut: Das neue Bild der Antike, Leipzig1941.
25) Siehe Losemann, Volker: Nationalsozialismus und Antike. Hamburg 1977, S. 80-87 und 108-111.
26) Helmut Berve: Das neue Bild der Antike. Leipzig 1942, S.7.
27) Ebd.
28) Helmut Berve In: Süddeutsche Monatshefte 33 (1936), S.720.
29) Helmut Berve: Das neue Bild der Antike. Leipzig 1942, S.5.
30) Ebd. S.6.
31) Berve, Helmut: Kaiser Augustus. 1934, S.6.
32) Ebd. S.11.
33) Ebd. S.11.
34) Ebd. S.12.
35) Ebd. S.10.
36) Ebd. S. 6.
37) Ebd. S. 12.
38) Ebd. S. 14.
39) Ebd. S. 13.
40) Ebd. S. 13.
41) Ebd. S.13.
42) Ebd. S. 18.
43) Ebd. S. 21.
44) Ebd. S.15.
45) Ebd. S. 17.
46) Ebd. S. 17.
47) Ebd. S. 23.
48) Ebd. S. 23.
49) Ebd. S. 23.
50) Ebd. S. 27.
51) Ebd. S. 27.
52) Ebd. S. 35.
53) Ebd. S. 40.
54) Ebd. S. 42.
55) Ebd. S. 43.
56) Ebd. S. 47.
57) Vergl. ebd. S. 46f.
58) Ebd. S. 62.
59) Vgl. ebd. S. 68-72.
60) Vgl. Jochen Bleicken: Augustus, Berlin1998 , S. 371-391.
61) Berve, Helmut, Das neue Bild der Antike, 1942, S.6 f.
62) Berve, Helmut, Thukydides, Frankfurt/Main 1938, S.11 f.
63) Ebd. S. 8.
64) Ebd. S. 7.
65) Ulrich, Wolfgang, Beiträge zur Erklärung des Thukydides, 1846; Schwartz, Eduard: Das Geschichtswerk des Thukydides. Bonn.1919; Schadewaldt, Wolfgang: Die Geschichtsschreibung des Thukydides. Berlin 1929.
66) Meyer, Eduard, Forschungen zur Alten Geschichte II. 1899, S. 269 ff.
67) Berve, Helmut, Thukydides, 1938 , S. 12.
68) Ebd.
69) Ebd.
70) Ebd. S. 14.
71) Schneider, Christoph: Information und Absicht bei Thukydides. Göttingen. 1974 S.137
Textbeispiel aus Thukydides I 20-23: "Es ist bei diesen Dingen schwierig, allen Zeugnissen gleichermaßen Vertrauen zu schenken. Die Menschen nehmen nämlich alles, was sie über die vergangenen Ereignisse hören, auch wenn es ihr eigenes Land betrifft, in gleicher Weise ohne strenge Prüfung voneinander an. So die Athener: Die meisten von ihnen glauben allen Ernstes, daß Hipparchos, als er von Harmodios und Aristogeiton getötet wurde, Tyrann war, und wissen nicht, daß in Wirklichkeit Hippias als ältester von den Söhnen des Peisistratos die Herrschaft innehatte und Hipparchos und Thessalos seine Brüder waren; daß Harmodios und Aristogeiton am Tage des Attentats selbst plötzlich den Verdacht faßten, einer ihrer Mitwisser habe dem Hippias etwas gemeldet, und ihn selbst deshalb, da er ihrer Meinung nach schon informiert war, mieden; weil sie aber wenigstens noch irgend etwas tun wollten, ehe sie festgenommen würden, und auf Hipparchos trafen, wie er beim sogenannten Leokoreion die Prozession für das Panathenaienfest organisierte, töteten sie diesen. Auch die übrigen Griechen haben viele falsche Meinungen, sogar über Dinge, die heute noch bestehen und nicht durch die Zeit in Vergessenheit geraten sind: Zum Beispiel glauben sie, daß in Sparta die Könige nicht jeder eine Stimme abgeben, sondern zwei, und daß sie über ein "Pitanatisches Bataillon" verfügen, das niemals existiert hat. So wenig bemühen sich die meisten um die Erforschung der Wahrheit; sie halten sich eher an das Nächstliegende."
72) Berve, Helmut, Thukydides, 1938. S. 16.
73) Ebd. S. 17.
74) Ebd. S. 18.
75) Ebd. S. 25.
76) Ebd. S. 26.
77) Ebd. S. 34.
78) Ebd. S. 39.
79) Ebd. S. 42.
80) Ebd. S. 43.
81) Ebd. S. 42.
82) Ebd. S. 46.
83) Ebd. S. 48.
84) Ebd. S. 49.
85) Ebd. S. 54.
86) Vgl. Canfora, Luciano: Politische Philologie, 1989 S.165.
87) Aus Berves Vortrag bei der Gründungsfeier der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Leipzig 1942. In: Schriftreihen der Deutsch-Italienischen Gesellschaft 1, Leipzig 1943, S.19.
88) Helmut Berve: In: Vergangenheit und Gegenwart 24 (1934), S. 270.
89) Siehe Anm. 12.
90) Helmut Berve: Zur Kulturgeschichte des Alten Orients. In: Archiv für Kulturgeschichte 25 (1935 ), S.219 f.
91) Vgl. Berves Ausführungen zu Sparta, 1937.




6. Literaturangaben.

Berve - Hauptwerke:

Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage. 2Bde. 1926
Griechische Geschichte. 2Bde. 1931-1933. 1951-1952
Die Erfüllung des Reiches, Wille und Macht 2,1934
In: Vergangenheit und Gegenwart 24. Antike und nationalsozialistischer Staat.1935
In: Archiv für Kulturgeschichte 25. Zur Kulturgeschichte des Alten Orients. 1935
Miltiades. 1937
Sparta. 1937. 1944
Thuydides. 1938
Perikles. 1940
Das neue Bild der Antike (Hg.). 2Bde. 1942
Imperium Romanum. 1943
Gestaltende Kräfte der Antike. 1949. 1966
Die Herrschaft des Agathokles. 1952
Dion. 1956
König Hieron II. 1959
Die Tyrannis bei den Griechen. 2Bde. 1967

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Christ, Karl: Römische Geschichte und Wissenschaft. 3.Bd. Darmstadt. 1983
Earl, D.: Augustus und seine Zeit. Wiesbaden. 1969
Eck, Werner: Augustus. München. 1998
Gardthausen, V.: Augustus und seine Zeit. Leipzig. 1964
Giebel, Marion: Augustus. Hamburg. 1984
Heuss, Alfred: Römische Geschichte. Paderborn. 1998
Kienast, Dietmar: Augustus. Prinzeps und Monarch. Darmstadt. 1982
Kienast, Dietmar: Der augusteische Prinzipat als Rechtsordnung. In: Z.Sav.Stift.R.A. 101. 1984. S. 115-141
Meyer, Ernst: Römischer Staat und Staatsgedanke. Zürich. 1948
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Zu Berve und NS:

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Thaeger, Friedrich: Thukidides. Stuttgart. 1925
Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Auswahl aus Buch I-V. Bearb. v. Mühl, Max. Hg. Karl Rupprecht. 1965
Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Hg. Manfred Fuhrmann. München. 1997


HS Gizewski WS 1998/99