• Alföldy, Geza. Sir Ronald Syme, «Die Römische Revolution» und die deutsche Althistorie, in: Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 1983, Bericht 1, 5.... [noch nicht eingesehen]
  • Christ, Karl. Neue Profile der Alten Geschichte, Darmstadt 1990, darin Kap. 5, «Ronald Syme», S.188-247.
  • Dahlheim, Werner. Ronald Syme. Geschichte als aristokratische Gelehrsarnkeit und literarische Kunst, Nachwort zu: Ders. (Hg.) Ronald Syme. Die Römische Revolution, München 1992, S.635-653 [dort auch die gesammelte Forschungsliteratur]
  • Devine, A.M. Sir Ronald Syme (1903-1989). A Roman Post-Mortem, in: Acient World 20 (1989), S.65-75.
  • Millar, F. Style abides, in: Journal of Roman Studies 71 (1981), S.144-152.
  • Syme, Ronald. The Roman Revolution. London 1939.
  • Ders., Die Römische Revolution, hg. von Dahlheim, Werner. München 1992.

    Sachlich sind generell die in diesem Rahmen eines Diskussionsforums für Lehrzwecke wiedergegebenen Arbeiten - im Hinblick auf manche in ihnen von den Autoren und auch vom Hg. belassenen Mängel und Unrichtigkeiten - nur bedingt publikationsfähig. Sie eignen sich nur bedingt zum geschichtswissenschaftlichen Zitieren , es sei denn, sie sind hier ausdrücklich als überarbeitet deklariert. D. Hg.


      

    Stefan Grob zu Ronald Syme.

     

    A. Kurzbericht zu Ronald Syme. The Roman Revolution. London 1939 (deutsche Ausgabe: München 1992)

     

    1. Die Einheit von Geschichte und Stil.

    In seinem wenige Tage nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erschienenen Werk "The Roman Revolution" (1) schildert der aus Neuseeland stammende, aber sein Leben lang in Oxford wirkende Althistoriker Ronald Syme (1902 - 1989) (2) den Über- bzw. Niedergang der römischen Republik zur monarchistischen Alleinherrschaft Augustus' über den Zeitraum von 60 v. bis 14 n.Chr. als einen Kampf nicht so sehr »großer Männer«, sondern der sie hervorbringenden, stützenden römischen Adeishäuser bzw.-familien und ihrer Gefolgschaften. Diese Oligarchien, ihre personelle Zusammensetzung, ihre Abhängigkeits- und Rivalitätsverhältnisse - sie sind es, auf die Syme seine stupende prosopographische Gelehrtheit und seine nicht minder beeindruckende Erzählkunst verwendet: «Oligarchy is the supreme, central, and enduring theme in Roman history. » (3) Syme eröffnet diesen adligen Parteien (4) oder Faktionen in seiner Darstellung gleichsam eine Bühne, auf der sie als handelnde Kollektikvsubjekte - als «Träger der Geschichte» (5) - den Kampf um die Macht im römischen Weltreich austragen. Dies gelingt Syme mit den Mitteln erzählender, dramatischer, im besten Sinne literarischer Geschichtsschreibung, für die die «Römische Revolution» noch heute als ein Musterbeispiel gilt. Es erstaunt deshalb nicht, zu erfahren, daß Syme für den Nobelpreis in Literatur vorgeschlagen war (ihn jedoch, im Gegensatz zu Theodor Mommsen vor ihm, nicht erhalten hat.(6) Historische Analyse und Darstellung sind bei Syme zu einer Einheit verschmolzen: «Geschichte und Stil sind bei Syme nie zu trennen.» (7) Dabei wird in der Forschungsliteratur immer wieder auf die Nähe Syme's zu Tacitus (8) verwiesen - in Stil, Darstellungsweise, aber auch Wertung und dem »ideologie-kritischen« Verfahren, zwischen politischer Phraseologie und politischer Realität genau zu unterscheiden (etwa im Kap. XI, Politische Schlagworte).

    II. Der zeitgenössische Entstehungskontext und sein Widerhall im Werk.

    Bis hierher decken sich mein erster Lektüreeindruck und die eben referierten Erkenntnisse der Forschung aufs einträglichste. Geht es jedoch darum, nachzuweisen, wo und in welcher Form bei Syme die Ereignisse und Umbrtiche der 1920er und 30er Jahre in der «Römischen Revolution» ihren Niederschlag gefunden haben, wie genau die Beziehung des zeitgenössischen politischen Kontexts zum Werk selbst beschaffen sei, hilft die Forschung wenig. Positiv gewendet: Meine noch zu erbringende Eigenleisung, die hier bestenfalls skizziert werden kann, gilt einem noch relativ unbearbeiteten Aspekt von Symes «Römischer Revolution».

    Nicht daß diese Bezüge in der bisherigen Forschung übergangen worden wären: Karl Christ beispielsweise sieht Syme's kritische Auseinandersetzung mit Augustus, die auch vor apodiktisch negativen Wertungen nicht zurückschreckt,9 nicht nur durch ein traditionell idealisiertes Augustusbild provoziert, sondern auch durch die Machtergreifüngen der Parteien Hitlers und Mussolinis sowie den spanischen Bürgerkrieg. Mit den von Syme gewählten Kapitelüberschriften wie «Der Marsch auf Rom», «Dux» oder «Die Organisierung der Meinung» sind für Christ die «Parallelen zu zeitgenössichen Phänomenen evident».10 Dem ist auf der Ebene dieser sicherlich bewusst andeutungsvoll gesetzten Überschriften zuzustimmen. Im Kapitel «Dux» (XXI.), dessen Überschrift natürlich auf den «Duce» Mussolini verweist, geht es sachiich jedoch um die vor allem begriffsgeschichtlich grundierte Darstellung einer Art semantischen Verschiebung des Titels ~ auf princeps - jeder weitere Bezug auf Mussolini ist mir in diesem Kapitel - außer eben in der Überschrift - nicht ersichtlich. Ähnlich verhält es sich mit dem Kapitel über die «Organisierung der Meinung» (XXX). Hier wird zwar detaliliert Augustus' Schaffung einer neuen römischen Nationalliteratur als geschickte herrschaftstaktische «invention of tradition» geschildert und auch der Begriff der Propaganda freizügig verwendet. Inwieweit sich dies direkt auf die Zeitumstände im Europa der unmittelbaren Vorkriegsdezennien beziehen läßt, muß noch mittels einer genaueren Relektüre ermittelt werden.

    Unbestritten scheint die «Römische Revolution» jedoch in ihrer Gesamtkonzeption und kritischen Würdigung Augustus' gegen das vom faschistischen Italien inituerte «Augustus-Jubiläum» des Jahres 1937 gerichtet zu sein.11 Mindestens ebenso stark geht die Stoßrichtung aber gegen die deutsche, von Mommsen geprägte althistorisch Schule und ihre Fixierung auf das Recht.12

    Für eine umfaßendere Rekonstruktion der Reaktionen Syme's auf die politischen Wirrnisse seiner Zeit - mithin meinen Problemaufriß - scheint es mir dienlich, erstens vor allem Syme's bereits angesprochener »ideologiekritischer« Linie zu folgen und zweitens seine allgemeinen Reflexionen über Geschichte und ihren Gang in den Blick zu nehmen. Mit diesen beiden, in der Argumentation stets präsenten, Strängen dürfte es gelingen, die in der Forschung immer mehr konstatierten als nachgewiesenen Bezüge zum zeitgeschichtlichen Entstehungskontext zu konkretisieren.

    Im Sinne einer Selbstkritik halte ich es zudem für unumgänglich, die Historiographie der 1920er und 30er Jahre in einer gesamteuropäischen Perspektive stärker heranzuziehen, als es über das abrufbare «Grundwissen» eines Geschichtsstudenten im Hauptstudium möglich ist -sowie die «Römische Revolution» einer gründlichen, bedächtigen Relektüre zu unterziehen, die ja aufgrund der immensen Beschaffungsschwierigkeiten noch nicht möglich war.

    ANMERKUNGEN

    1 Im diesen Ausführungen wird nach der deutschen Ausgabe zitiert. Bei Fragen, die Symes Stil und Darstellungsweise im besonderen betreffen, wird zusätzlich die englische Erstausgabe herangezogen.
    2 Zur Biogaphie Symes vgl. insbesondere Millar und Devine neben den gerafften Darstellungen bei Christ und
    Dahlheim, S.635-637.
    3 Syme, Roland. Tacitus, Bd. 1, Oxford 1958, 5. V, zit. nach Dahlheim, 5. 637.
    4 Vgl. S.60 im englischen Original: «Without a party a statesman is nothing», hier bezogen auf Cäsar. Eine auf
    Augustus gemünzte sinngemäße Stelle auf S.314: «...die Tatsache, daß er der Führer einer Partei war.»
    5 Dahlheim, S.637.
    6 Dahlheim, S.647, ohne eine zeitliche Bestimmung.
    7 Christ, S.246.
    8 Mangels eigener, bestenfalls rudimentärer Tacitus-Kenntnisse muß ich mich hier, wenngleich die expliziten
    Verweise auf Tacitus in der «Römischen Revolution» Legion sind, auf die Forschung verlassen; vgl. Christ, v.a.
    S. 198f. und passim sowie Dahlheim, Abschnitt V, S. 647-649.
    9 Vgl. etwa S. 404: «...durch Augustus, den unauftichtigsten und am wenigsten republikanischen aller Menschen,...» oder 8.446: «Die Person und das Benehmen des Augustus waren nicht weniger verabscheuugswürdig als seine Herrschaft.»
    10 Christ, S. 201. Die von Christ außerdem angeführte, von Syme angeblich selbst bezeugte Analogie zwischen der von Stalin 1936 erlassenen und der augusteischen 'Verfassung' konnte ich noch nicht überprüfen, da mir der zugrundeliegende Artikel von Geza Alföldy noch nicht zugänglich war (trotzdem schon in der Literaturübersicht aufgeführt).
    11 Christ, 201; Dahlheim, S. 640.
    12 Dahiheim, S. 644.

    III. Vorläufige Literaturübersicht.


     

    B. Nachräglich überarbeitete Hausarbeit.

    Stefan Grob, Ronald Symes «Roman Revolution» (1939) als narrative Aktualisierung der antiken Geschichte.

    Sir Ronald Syme (1903 – 1989)

    Inhaltsverzeichnis

    1. Einleitung.

    2. Ein homo novus in Oxford: Ronald Symes Gelehrtenlaufbahn.

    3. Aufbau und Inhalt der «Römischen Revolution».

    4. Zur Historik von Ronald Syme: «The Roman Revolution» revisited.

    5. Schlußwort.

    6. Literaturverzeichnis.

    1. Einleitung.

    Selbst sechzig Jahre nach Erscheinen von Ronald Symes «The Roman Revolution» (Oxford 1939) 1 gilt das Buch als ein Meisterwerk erzählender Geschichtsschreibung, als Musterbeispiel einer geglückten Synthese von akademischer Gelehrsamkeit und literarischer Kunst. Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in alle wichtigen Sprachen übersetzt und brachte seinem Autoren eine Nominierung für den Nobelpreis in Literatur (!) ein (es blieb bei der Nominierung). 2 Damit dürfte eine Hauptschwierigkeit schon benannt sein, die auftritt, wenn man aufgrund dieser Textgrundlage nach der Historik-Konzeption bei Ronald Syme fragt. Analytisch schwierig zu fassende Kategorien wie Stil, Temperament, Charakter, literarische Techniken und die Erzählkunst eines Autors, kurz: die narrativen, auch rhetorischen Komponenten von Historiographie geraten mit Ronald Symes «Römischer Revolution» unweigerlich in den Blick. Nicht daß ich der naiven Auffassung wäre, die Form der Darstellung ließe sich analytisch je klar von der «Methode» einer Historikerin oder eines Historikers trennen. Dennoch gehört zu einer genaueren Bestimmung von Ronald Symes Historik-Konzeption die Frage nach den ästhetisch-literarischen Verfahrensweisen der Darstellung mindestens ebenso stark wie die nach den Trägern von Geschichte oder der Bedeutung des Begriffs «Revolution».

    Diesen einzelnen Aspekten der «Römischen Revolution» geht der vierte Abschnitt dieser Arbeit nach. Darin halte ich mich, wenn auch in unterschiedlicher Reihenfolge und mit anderer Gewichtung, in der Systematik an einen Aufsatz Géza Alföldys, der in der Literatur zu Ronald Syme durch seine analytische Klarheit und erschöpfende Behandlung aller Einzelaspekte der «Römischen Revolution» besticht.3 In der Diskussion darüber, welchen – methodischen, aber auch darstellungstechnischen – Stellenwert Frauen bei Syme einnehmen, sowie beim Versuch, die «Narrativität» der «Römischen Revolution» mit Hayden White genauer zu bestimmen, hoffe ich ansatzweise über die bisherige Forschung hinauszukommen. Die frühe Rezension Arnaldo Momiglianos aus dem Jahre 1940 4 faßt die wichtigsten Kritikpunkte auf der Ebene einer althistorisch-disziplinären Kritik noch immer gültig zusammen. Diese Dimension bleibt bei der hier erkenntnisleitenden Fragestellung nach Symes Historik-Konzeption notgedrungen unterbelichtet.

    Der eigentlichen Auseinandersetzung mit der «Römischen Revolution» vorgelagert ist eine kurze biographische Skizze sowie eine – mehr skizzierte als ausgeführte – inhaltliche Zusammenfassung des Werks. Gewisse inhaltliche Vorwegnahmen und Redundanzen waren aufgrund der formalen Vorgaben an eine solche Arbeit leider nicht zu vermeiden. 5

    Der doppelten subjektiven Distanz erstens zur Geschichtsschreibung, wie sie Ronald Syme präsentiert, und zur Althistorie, wie sie Syme verkörpert, bin ich mir immer wieder bewußt geworden. Ich hoffe sie in der vorliegenden Arbeit ein wenig produktiv gemacht zu haben. Ich will vor allem nicht den Eindruck entstehen lassen, Ronald Symes «Römische Revolution» eigne sich nur für den universitären Gebrauch. Das Buch ist, trotz seines Umfangs von fast 500 Seiten, ein Genuß zu lesen, es ist ein beeindruckendes Meisterwerk hohen literarischen Stils, und es ist streckenweise so hinreißend spannend geschrieben, daß man vergißt, ein Geschichtsbuch, und erst noch eines über Alte Geschichte, zu lesen. Es verdient auch weiterhin viele Leserinnen und Leser, seien sie nun althistorisch vorgebildet oder nicht. Mit Syme werden sie es, auf unaufdringliche und elegante Weise.

    2. Ein homo novus in Oxford: Ronald Symes Gelehrtenlaufbahn. 6

    Was über Ronald Symes Leben bekannt ist, fügt sich zum Bild einer imposanten, fast sieben Dezennien dieses Jahrhunderts überspannenden Gelehrtenlaufbahn, an deren Ende der weltweit angesehene, mit Ehren überhäufte Althistoriker und dessen umfangreiches Werk 7 stehen. Symes Leben ist aus dieser Perspektive deckungsgleich mit seiner akademischen Karriere, und praktisch nichts ist über seine Jugend, sein Elternhaus, seine geistige Entwicklung oder auch nur darüber bekannt, ob der «Historiker der römischen Oligarchie» 8, der wie kein zweiter die handelnden «großen Männer» der römischen Geschichte in ihr verwandtschaftliches und klientelhaftes Beziehungsgeflecht verortete, je eine Familie gründete. Selbst der über Jahrzehnte freundschaftlich und kollegial mit Syme eng verbundene Arnaldo Momigliano weiß keine biographischen Details aus Symes Leben zu berichten. 9 Es bleibt hier also nur übrig, die bekannten Linien der Intellektuellen-Biographie nachzuzeichnen – sie sind beeindruckend genug.

    1903 in Eltham im Norden Neuseelands geboren, begann der 18jährige Ronald Syme am Victoria University College in Wellington 1921 seine klassischen Studien mit Latein und Alter Geschichte; ab 1922 kam Griechisch hinzu. Bereits 1923 fungierte er als Lecturer in Auckland. Obwohl an der in Neuseeland damals vermittelten universitären Ausbildung kaum Zweifel anzubringen sind, muß Syme doch gerade auf dem Gebiet der Alten Sprachen eine immense Begabung entwickelt haben. Anders läßt es sich kaum erklären, daß er, 1925 ins Oriel College in Oxford aufgenommen, in Folge die wichtigsten Wettbewerbe in den Alten Sprachen dominierte: «Im Jahre 1926 gewann er den Chancellor's Prize for Latin Prose (indem er eine Partie aus Macaulay in cicerionianische Prosa übersetzte) und den Gaisford Prize for Greek Prose (für die Übertragung eines Abschnittes aus Thomas Morus' Utopia in die Prosa Platons); im Jahre 1927 folgte der Gaisford Prize für Griechische Dichtung (wobei eine Passage aus Morris' Sigurd the Volsung in homerische Hexameter zu übersetzen war).» 10 1929, im Alter von 26 Jahren, wurde Syme zum Fellow und Tutor in Ancient History am Trinity College ernannt. Dieser Weg vom «Rand der Welt ins Zentrum britischer Gelehrsamkeit» 11 wäre bereits bemerkenswert genug gewesen, doch «[…] it is the fundamental fact of his intellectual biography that the journey, literal and figurative, from New Zealand to Oxford was not enough to satisfy him.» 12 Vielmehr blieb, um in Millars Bild zu bleiben, Syme zeitlebens «auf Reisen» – im übertragenen Sinne, was die römischen Personen(gruppen) angeht, über die er forschte und die er aus allen Teilen des Reichs rekrutierte, als auch im wörtlichen Sinne von ausgedehnten Forschungs- und Vortragsreisen. 13 Oxford blieb jedoch für den Rest seines Lebens sein «spiritual home», Mittelpunkt seines akademischen Lebens, neben dem, wie eingangs beklagt, kein anderes dokumentiert zu sein scheint. Doch wir greifen vor, die Chronologie verweist erst auf den Anfang von Symes akademischer Karriere.

    Bereits in den frühen 30er Jahren entwickelte Ronald Syme eine bemerkenswerte Eigenständigkeit und Unabhängigkeit bei der Auswahl und Behandlung seiner Forschungsgegenstände. So wenig er selbst später je daran interessiert war, eine Schule zu begründen, so wenig begab er sich methodisch-fachlich in irgendeine Nachfolgerschaft seiner Oxforder Lehrer. Die aus der Zeit stammenden Einzelstudien 14 dokumentieren vielmehr ein weitgespanntes Interessengebiet und behandeln militärgeschichtliche Fragen, den Bereich der Grenz- 15 und Außenpolitik, einzelne Feldzüge, die Administration und Provinzialgeschichte des Römischen Reichs. Symes schon damals bevorzugte Epochen sind vorab diejenigen Augustus' und Cäsars, die weiterhin sein Gesamtwerk und insbesondere die «Römische Revolution» bestimmen sollten. Syme blieb zeitlebens ein Historiker Roms: «Der Bürger Neuseelands, Kind des britischen Empire, blieb in den Grenzen des Imperium Romanum, dessen Geschichte und Literatur, dessen Randzonen und Binnenräume er von der Zeit der späten Republik bis in das 4. Jahrhundert n. Chr. durchwanderte.» 16 Mit der römischen Literatur ist eine Präferenz Symes genannt, die für seine spezifische Form der Geschichtsdarstellung nicht hoch genug einzuschätzende Konsequenzen hatte. Eine zweite, auf methodischer Ebene wirksame, besteht in Symes Beschäftigung mit der Prosopographie, die er sich über deutsche Gelehrte, allen voran Friedrich Münzer 17, aneignete. Beides, der Anspruch auf eine literarische Qualität der Darstellung sowie eine methodische Fokussierung auf die handelnden Personen, führt geradezu leitmotivisch zu jenem Werk, das Ronald Symes Weltruf begründete: die «Römische Revolution».

    2.1. Die «Römische Revolution» und der Zweite Weltkrieg.

    «The Roman Revolution», auf Vorlesungen im Sommersemester 1937 zurückgehend, erschien wenige Tage nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 7. September 1939, und wie in kaum einem anderen Werk der Alten Geschichte haben sich darin Reaktionen auf die unmittelbaren politischen Verwerfungen der Zeit niedergeschlagen. Darauf wird noch einzugehen sein. Der beginnende Krieg verhinderte jedoch nicht nur eine breite Rezeption des Werks – sie setzte im angelsächsischen Raum erst in den fünfziger Jahren, in Deutschland noch später ein 18 –, er sollte Symes wissenschaftliches Schaffen für fast zehn Jahre unterbrechen. Zunächst sandte das Vereinigte Königreich den Althistoriker, der neben vielen anderen Sprachen auch Serbokroatisch beherrschte, 1940 als Presseattaché nach Belgrad; nach der Besetzung Jugoslawiens durch deutsche Truppen im April 1941 folgte ein Amt in der britischen Gesandtschaft in Ankara (1941/42), bis 1945 lehrte er schließlich Klassische Philologie an der Universität Istanbul. 1949 berief ihn das Brasenose College in Oxford als Nachfolger seines ehemaligen Lehrers Hugh Last zum Camden Professor für Alte Geschichte. Erst jetzt, zehn Jahre nach der Veröffentlichung der «Römischen Revolution», nahm Syme seine Forschungstätigkeit wieder auf.

    Über die dazwischenliegenden Jahre der direkten politischen Erfahrung ist praktisch nichts bekannt. Sie dürften den Autor der «Römischen Revolution» in der Haltung bekräftigt haben, die in diesem Werk immer wieder anzutreffen ist: einer tiefen Skepsis gegenüber allen propagandistischen Überhöhungen einzelner «großer Männer», einer britisch-pragmatischen Idiosynkrasie gegenüber hohler politischer Phraseologie, einer nüchternen Einschätzung der – gewalttätigen! – Mittel, mit denen Diktatoren, seien es nun zeitgenössiche oder antike, die Macht an sich reissen und erhalten: «Es ist […] nicht notwendig, politischen Erfolg zu preisen oder die Männer zu idealisieren, die durch einen Bürgerkrieg zu Reichtum und Ehre gelangen» 19, schreibt er im Vorwort der «Römischen Revolution» – eine Aussage, die unschwer auf Cäsar und Pompeius, aber auch Franco zu beziehen ist. Einem Mann wie Syme müssen alle Anflüge politischer Romantik oder von Führerkult, an denen die 1920er und -30er Jahre so reich waren, fremd und unverständlich gewesen sein. Diese an den Zeitläufen der europäischen Vor- und Kriegszeit geschärfte Einschätzung des politischen Lebens schlägt sich exemplarisch in Symes Behandlung des Augustus' nieder, auf die noch ausführlich einzugehen sein wird.

    2.2. Der «Tacitus-Komplex». 20

    In den Jahren 1949 bis 1970 folgte eine Phase des nunmehr ununterbrochenen universitären Wirkens und Publizierens, wobei Syme die Beschäftigung mit einem antiken Autoren intensivierte, der schon die «Römische Revolution» auf vielen Ebenen durchdrang: Tacitus. Ihm galten Einzeluntersuchungen zur Person, zum Werk, zur Lebenszeit, aber auch zur letzten Lebenszeit, der Epoche Trajans und Hadrians. Wie einflußreich Tacitus auf Ronald Syme im einzelnen war, wird noch darzustellen sein, hier mag der Hinweis genügen, daß Syme nach neunjähriger Arbeit 1958 sein monumentales zweibändiges Werk «Tacitus» 21 veröffentlichte, daß vor allem dem Forscher und Historiker Tacitus Interesse zurückgewinnen sollte. Es umfaßt 850 Seiten und nicht weniger als 95 Appendices mit den ins Werk eingefloßenen Spezialuntersuchungen Symes. 1970, im Jahr seiner Emeritierung, ließ er «Ten Studies in Tacitus» folgen, die vorher verstreut publizierte Beiträge bündelten.

    Es waren aber nicht nur Symes Schriften allein, die Oxford nach dem Zweiten Weltkrieg «zum Mekka der Althistoriker aus aller Welt» 22 werden ließen: «Seine Ausstrahlung als Hochschullehrer und seine Faszination als Redner kommen hinzu.» Karl Christ, von dem diese Einschätzung stammt 23, war mit Syme persönlich befreundet und erinnert sich auch der «sarkastischen Dicta» Symes, die in der Zunft der international renommierten Althistoriker 24 die Runde machten. Nicht minder dürften seine Sprachkenntnisse beeindruckt haben. Nicht nur pflegte Syme ein Gespräch mit der Frage einzuleiten «Now, what language shall we speak?», er hielt überdies vor einem franzöischen Publikum auf Französisch Vorträge über Marcel Proust oder prüfte einen Stipendienanwärter eingehend über die Novellen Arthur Schnitzlers. 25

    Symes Schaffenskraft blieb auch nach der Emeritierung 1970 ungebrochen. Oxford gelang es, den mittlerweile weltberühmten, mit Ehrungen überhäuften Gelehrten 26 weiterhin zu beheimaten, indem ihn das Wolfson College als Extraordinary Fellow aufnahm und ihm bis ans Lebensende Gastrecht gewährte. Seine Forschungsinteressen, die ohnehin weit über Tacitus hinausreichten, werden in ihrer Breite im Alterswerk noch einmal deutlich: Erst widmete er sich in ingesamt vier Bänden der «Historia Augusta», welche Vitensammlung obskuren Ursprungs er mit sichtlichem Vergnügen historisch-kritisch sezierte. 27 Zum Spätwerk sind überdies der Band zu «History in Ovid» 28 sowie die 1986 als letzte Monographie erschienene «Augustan Aristocracy» zu zählen, die noch einmal Symes meisterhafte Beherrschung der Prosopographie (angewendet auf die großen römischen Adelshäuser und die fühenden Politiker) bewies. In der kollektiven Erinnerung zumindest eines historisch interessierten Publikums ist Ronald Syme jedoch nicht so sehr als Vollender der prosopographischen Methode geblieben, sondern als einer der ganz wenigen «[…] Althistoriker, dem es gelang, subtilste Spezialforschung mit brillanter Rhetorik und großer Geschichtsschreibung zu verbinden […].» 29 Als Beispiel dieser «großen Geschichtsschreibung» soll uns in den nächsten Abschnitten Ronald Symes «Römische Revolution» dienen, die ihrem Autoren, dies vorneweg, mit guten Gründen bestimmt noch viele weitere Dezennien ein fasziniertes Publikum sichern wird.

    3. Aufbau und Inhalt der «Römischen Revolution».

    «Gegenstand dieses Buches ist die Umwandlung von Staat und Gesellschaft in Rom zwischen 60 v. Chr. und 14 n. Chr.», heißt es im ersten Satz des Vorworts. 30 Mit diesen 74 Jahren (die sich praktisch mit der Lebenszeit von Augustus von 63 v. Chr. bis 14 n. Chr. decken) ist der zeitliche Rahmen der Untersuchung abgesteckt. Thematisch ist mit diesen Daten die Epoche vom ersten Triumvirat des Pompeius, Crassus und Cäsar bis zum Tode des princeps Augustus abgedeckt, genauer die Zeit der römischen Bürgerkriege (77 – 44 v.Chr.), der kurzen Diktatur Cäsars in den Jahren 45/44 v. Chr., der nach der Ermordung Cäsars wiederaufflammenden Bürgerkriege bis zur entscheidenden Seeschlacht von Actium im Jahre 31. v. Chr., die zur Alleinherrschaft des Augustus im Prinzipat führte (ab 27. v. Chr.) und den endgültigen Übergang von der Republik zur Monarchie besiegelte.

    Gegliedert ist die «Römische Revolution» in insgesamt 33 Kapitel mit römischer Numerierung, die durch einen umfangreichen Anhang mit den Konsuln zwischen 80 v. Chr. bis 14 n. Chr. sowie den wichtigsten behandelten römischen Adelsfamilien ergänzt werden. Obschon dies kein sehr elegantes Verfahren darstellt, lässt sich eine inhaltliche Zusammenfassung am ehesten entlang dieser 33 Kapitel leisten. Wenn die Angaben dabei etwas inhaltsleer und formal wirken, so hat dies seinen Grund darin, daß hier nicht (oder nicht noch einmal) Aspekte von Ronald Symes Geschichtsschreibung erläutert werden sollen. Warum beispielsweise Syme der «Partei Cäsars» oder der «Partei des Augustus» eigene Kapitel widmet, dürfte aufgrund der stark prosopographischen Ausrichtung seiner Forschung einleuchten (vgl. den vorhergehenden Abschnitt). Eine wirklich vollständige inhaltliche Zusammenfassug würde eine ebenso vollständige Nacherzählung erfordern.

    Das Kapitel I, «Augustus und die Geschichte» ist gleichsam eine Ouvertüre, in der die Leitmotive des Werks angestimmt werden, während das nächste Kapitel bereits die für Syme so zentrale «römische Oligarchie» behandelt. Die Kapitel III bis VII schildern die Ereignisse vom 1. Triumvirat bis zur Ermordung Cäsars an den Iden des März des Jahres 44 v. Chr., während der «Partei Cäsars» (V) und dessen «neuen Senatoren» (VI) eigene Kapitel gewidmet sind. Die folgenden Kapitel VIII bis XXIII bilden mit dem Aufstieg des Augustus zur Macht und der Etablierung seiner Herrschaft den zentralen Bestandteil der Erzählung. Die Kapitelüberschriften verrraten schon die für Syme charakteristischen thematischen und stilistischen Präferenzen, wenn etwa der erste mißglückte Versuch der Machtergreifung Octavians mit «Der erste Marsch auf Rom» (IX) betitelt ist. Das Kapitel XIV über die Proskriptionen zeichnet ein düsteres Bild der Herrschaft Octavians zu Zeiten des zweiten Triumvirats (mit Antonius und Lepidus), ähnlich auch das Kap. XVIII, «Rom unter den Triumvirn». Ein Kapitel (XI) ist den «politischen Schlagworten» der Bürgerkriegszeit gewidmet, während im Übergang von «Dux» (Kap. XXI) zu «Princeps» (Kap. XXII) der Aufstieg Octavians zum princeps Augustus angedeutet wird. Kapitel XXIII setzt bei der Krise des augusteischen Herrschaftssystems im Jahre 23 v. Chr. und der anschließenden Konsolidierung ein, wobei die «Partei des Augustus» wiederum eine gesonderte Darstellung in einem Kapitel (XXIV) erfährt. Die Art, in der Augustus seine quasimonarchistische Stellung errang, das Wirken der Protektion, die Schaffung einer Oligarchie und die Beschreibung des Regierungssystems sind die inhaltichen Schwerpunkte der Kap. XXIV bis XXVII, während «Das nationale Programm» (Kap. XXIX) und «Die Organisierung der Meinung» (Kap. XXX) die Schaffung einer römischen «Nationalliteratur» (durch die Dichter der Kaiserzeit) als herrschaftstechnische Propagandamaßnahme behandeln. Das zweitletzte Kapitel XXXII («Das Schicksal der nobiles») ist ein wehmutsvoller Nachruf auf die durch die Bürgerkriegswirren geschwächten oder ausgelöschten römischen Adelsgeschlechter, und das Schlußkapitel XXXIII resümiert den Übergang von der Späten Republik zur Monarchie, insbesondere die historische Bedeutung des Augustus und seiner «Partei».

    4. Zur Historik von Ronald Syme: «The Roman Revolution» revisited.

    Mit welchen theoretischen Vorannahmen schrieb Ronald Syme die eben zusammengefaßte Geschichte des Übergangs vom Zeitalter der Bürgerkriege zur dauerhaften Installation des augusteischen Prinzipats? Welcher spezifischer Methoden bediente er sich? Wer ist nach Syme Träger der Geschichte, wer spielt in der Narration der «Römischen Revolution» eine Haupt-, wer eine Nebenrolle? Welche Kräfte wirken Syme zufolge in der Geschichte, und wie stellt er sie dar? Wie haben sich endlich die Zeitumstände aus der Entstehungsphase des Werks unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs niedergeschlagen? – Einige vorläufige Antworten auf diese Fragen sollen einen Umriß von Ronald Symes Historik-Konzeption vermitteln; dabei wird die «Römische Revolution» intensiv, die an sie anschließende Forschungsliteratur extensiv zitiert: Sir Ronald möge zu Wort kommen, weniger seine Kollegen. Systematisch folge ich, wie in der Einleitung angekündigt, Géza Alföldy 31, allerdings mit abweichenden Prioritäten.

    4.1. Die Träger der Geschichte oder der Topos der «lauernden Oligarchie».

    Wie schon im vorhergehenden Abschnitt dargelegt, schildert Syme die Ereignisse zwischen 60 v. Chr. bis 14. n. Chr. nicht so sehr aus der Perspektive der handelnden «großen Männer», sondern der sie hervorbringenden, stützenden römischen Adelshäuser und -familien. Schon im ersten Abschnitt des Vorworts werden diese durch Verwandtschaft, Ehen und mannigfache persönliche Beziehungs- und Abhängigkeitsverhältnisse konstituierten Interessen- und Machtgruppen begrifflich eingeführt und ihr Stellenwert für die «Römische Revolution» bestimmt:

    Auf die Zusammensetzung der sich bekämpfenden Machtgruppen innerhalb der römischen Aristokratie (die in den Bürgerkriegswirren einige ihrer ältesten Adelsfamilien einbüßte und ihre Macht an die sozial heterogene Partei Augustus' verlor) wendet Syme seine stupende prosopographische Kenntnis an 33 – in der hier bereits umrissenen Absicht, die von der traditionellen Geschichtsschreibung mit so viel Wirkungsmacht ausgestatteten «großen Männer» in ihren unmittelbaren sozialen Kontext zurückzubinden, ihre Machtbasis offenzulegen:

    Die Stelle ist sowohl in ihrer Programmatik – sie steht im einleitenden Kapitel über «Augustus und die Geschichte» – als auch in ihrer methodischen Konsequenz für die «Römische Revolution» bestimmend. Weit davon entfernt, die hinter der Fassade lauernde Oligarchie 35 als etwas Statisches, Unbewegliches aufzufassen, wie die eben zitierte Passage vielleicht insinuiert, gelingt es Syme vielmehr, die in ihr widerstreitenden Machtgruppen als handelnde Kollektivsubjekte auftreten zu lassen, die untereinander den Kampf um die Macht im römischen Weltreich austragen. Auf der Ebene der nobiles sieht Syme vor allem drei diese Oligarchie konstituierende und ihre innere Kohärenz sichernde Momente: «Familie, Geld und politische Verbindung (amicitia oder factio, wie man sie verschiedentlich nannte).»36 Dabei ist diese Oligarchie keineswegs deckungsgleich mit dem römischen Patriziat, sie beschränkt sich nicht allein auf die von Syme immer wieder mit diskreter Wertschätzuung behandelten Adelsfamilien (der Meteller, Julier, Domitier, Marceller usw.). Gerade die Klientel des Octavian, des späteren Augustus, zeichnete sich durch ihre relativ hohe soziale Durchlässigkeit gegenüber nichtadeligen Emporkömmlingen aus. Auf dieser Ebene verwendet Syme eine der politischen Realität nähere Begrifflichkeit:

    Oligarchie, Partei, factio, Horde – Syme ist in der Wahl seiner Begriffe beweglich; Anschaulichkeit, Prägnanz und stilistische Stimmigkeit eines Begriffs sind ihm wichtiger als terminologische Präzision. Auf diese Charakteristik von Symes Geschichtsschreibung werden wir noch öfter stoßen.

    Wie auch immer die wechselnde Bezeichnung für die Interessengruppen sein mag, deren personelle Zusammensetzung Syme in meisterhafter Kombination von prosopographischer Analyse und knapper Personenzeichnung 38 rekonstruiert, sind sie doch in ihrem Kern durch eine gemeinsame Struktur gekennzeichnet: «Familie und Verwandtschaft bildeten das Kernstück jeder römischen Partei.» 39 Diese familialen und verwandtschaftlichen Beziehungen bestimmten nach Syme das Wesen der römischen Politik: «Die Familie war älter als der Staat; […]. Loyalität gegenüber den Banden der Verwandtschaft war in der Politik höchste Pflicht, oft führte sie zu unversöhnlicher Blutrache.» 40 Römische Politik ist dynastische Politik, und Dynastien bestimmen das Geschick des Römischen Reichs – dies ist in komprimierter Form Ronald Symes Bestimmung der in der «Römischen Revolution» wirkenden geschichtsmächtigen Kräfte, und er gibt bereits nach wenigen Seiten einen ebenso verdichteten Abriß über das weitere Geschehen: eine inhaltliche Vorwegnahme im Sinne einer Exposition, die die Spannung des Lesers oder der Leserin nicht mindert, sondern im Gegenteil erst weckt:

    4.1.1. Die Exklusion der Unterschichten in «oligarchischem Geiste».

    Wer wie Syme solche historische Relevanzkriterien anlegt, begibt sich in die Tradition der Eliten-Historiographie. Syme ist sich dessen bewußt, gesteht aber auch die Begrenztheit einer solchen Perspektive ein: «Die Politik und die Taten des römischen Volkes wurden von einer Oligarchie gelenkt, und ihre Annalen wurden in einem oligarchischen Geiste geschrieben. […] Notwendigerweise war diese Auffassung eine beschränkte: nur die herrschende Klasse konnte überhaupt eine Geschichte haben, und nur die herrschende Stadt, nur Rom, nicht Italien.»42 – Italien nicht, die römischen Unterschichten umso weniger: «Die niedrigen Klassen hatten keine Stimme in der Regierung und keinen Platz in der Geschichte.» 43 Ronald Syme enthielt sich in seinem gesamten Werk der Möglichkeit, den römischen Unterschichten einen Platz in der Geschichte zu verschaffen. Sein ganzes Ineresse galt der «herrschenden Klasse», den Regierenden, nicht den Regierten. In einem Brief antwortete er Géza Alföldy auf die Frage, warum er nicht über Sklaven und andere Unterschichten schreibe: «It bores me.» 44 Die «Römische Revolution» ist, entsprechend Symes Forschungsziel und seiner Wahl des Gegenstandes, in konsequent «oligarschischem Sinne» geschrieben. Dennoch bleibt zu fragen, ob ein solcher elitenzentrierter Zugriff nicht der perspektivischen Korrektur einer sozialhistorisch informierten «Geschichte von unten» bedarf, inwieweit also auch den von Syme vernachlässigten «niedrigen Klassen» Geschichtsmächtigkeit einzuräumen sei. Gerade die Kombination beider Ansätze könnte in wechselseitiger Erhellung einen Beitrag zum tieferen Verständnis gesamtgesellschaftlicher Macht- und Abhängkeitsverhältnisse und deren Funktion in den fundamentalen politischen Umwälzungsprozessen der Zeit liefern. Jenseits dieser methodischen Kritik scheint es hingegen, als hätte der aus Neuseeland stammende Aufsteiger Syme, in Oxford selber ein homo novus, die Normen und Werte der britischen (Geistes-)Aristokratie vollständig übernommen. Dies mag eine zwar naheliegende, aber sachlich unzulässige Engführung von Biographie und Forschungspräferenzen eines Althistorikers sein. Sie wird jedoch zusätzlich unterfüttert mit Blick auf eine weitere Personengruppe, die in Symes Darstellung allenfalls marginal eine Rolle spielt: die Frauen.

    4.1.2. Sir Ronald Syme und die Frauen.

    In der von mir konsultierten Literatur finden sich zwei grundsätzliche Erklärungen Symes zum Thema, einmal eine Einschätzung der Rolle, die Frauen in der dynastischen Machtpolitik Roms spielten, des weiteren eine ironische Passage über ihren «Nutzen» für männliche Althistoriker. Zunächst zur ersten Stellungnahme im zweiten Kapitel der «Römischen Revolution»:

    Solchen mächtigen Frauen begegnen wir im weiteren Verlauf der «Römischen Revolution» jedoch äußerst selten. Neben der bereits erwähnten Servilia treten nur wenige als im Syme'schen Sinne politisch Handelnde auf: Fulvia 46, eine der Gattinnen des Antonius, Octavia 47, die Schwester Octavians, des späteren princeps Augustus, Livia 48, Mutter des späteren Kaisers Tiberius. Die meisten Erwähnungen finden jedoch die ägyptische Königin Kleopatra 49 mit ihren «sprichwörtlichen Reizen» sowie «die große politische Dame» Julia 50, die wegen ihrer angeblichen Lasterhaftigkeit von ihrem eigenen Vater Augustus verbannte Tochter. Die meisten übrigen in die Erzählung eingeflochtenen Frauen verdanken ihre Erwähnung ihrer genealogischen Funktion als Mutter, Tochter, Gattin, Schwägerin usw., also als Objekte einer patrilineal verlaufenden Heiratspolitik 51 – wenn sie nicht gar den Topos der «intriganten Damen der Gesellschaft» 52 bedienen. Man könnte also vorschnell annehmen, für Syme hätten Frauen nur dann die Berechtigung, in die Darstellung aufgenommen zu werden, wenn dynastische Gründe oder die Darstellung «auflockernde» Motive dies nahelegen. Symes bereits erwähnte zweite Stellungnahme scheint diesen Eindruck noch zu bestätigen:

    Erholung von den «seriösen» Feldern der Geschichtsschreibung, Hingabe an ein «verführerisches Thema», die Faszination von Ehe und Ehebruch, Betrug und Scheidung – Syme benennt hier exemplarisch die bis in die 1970er Jahre vorherrschende Thematisierung von Frauen in der Alten Geschichte.54 Erst mit dem Vordringen neuer Fragestellungen der Frauen- und Geschlechterforschung in die Altertumswissenschaft verschob sich diese Perspektive – zumindest ansatzweise. 55 Nun wäre es billig und anachronistisch, Ronald Syme für seine höchstens sporadische Behandlung römischer Frauen zu kritiseren: «Es ist vermessen, über Tote zu Gericht zu sitzen und unbillig, an einen Mann andere Maßstäbe anzulegen als die seiner Zeit, seiner Klasse und Stellung.» 56 Was Syme für Cicero einfordert, mag für ihn selbst gerne gelten. Dennoch halte ich für eine gegenwärtige Altertumsforschung die methodische Forderung, immer beide Geschlechter – in ihren diversen Relationen und Oppositionen – einzubeziehen, für eine sachliche Notwendigkeit. Für Syme war sie es nicht. Sie hätte die Architektonik der «Römischen Revolution» gesprengt 57, obwohl seine zentrale Methode der Prosopographie und seine Gewichtung der Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse zumindest theoretisch einen solchen Weg der Darstellung gangbar gemacht hätten. 58 Diese aus erheblicher zeitlicher Distanz angebrachte Kritik an einem explizit oligarchiehistorischen Werk, das sich programmatisch und beinahe ausschließlich den «grossen Männern» widmet, mag unangemessen, ja abwegig erscheinen, zumal sie die Sachangemessenheit von Symes zentraler Perspektive kaum in Frage stellt: Römische Oligarchiegeschichte kann, gerade im Hinblick auf die Quellenlage, auch weiterhin weitgehend ohne den Einbezug von Frauengeschrieben werden. Es stellt sich nur die Frage, ob sie heute damit nicht weit hinter den Reflexions- und Forschungsstand innerhalb der Geschichtswissenschaft zurückfällt, wenn sie den augenfälligen Auschluß von Frauen nicht zumindest auf heuristischer Ebene thematisiert und problematisiert.

    In der «Römischen Revolution» jedenfalls löst Ronald Syme seine programmtische Einschätzung handlungsmächtiger römischer Frauen (siehe das erste Zitat) materiell nicht ein. Darstellungstechnisch verfährt er jedoch keineswegs so, Frauen als «relief from warfare, legislation» und dergleichen Dinge einzusetzen. Gewinnt eine Frau über eine Form politischer Exzeptionalität 59 bei Syme einmal historische Relevanz, wird sie, mit anderen Worten, oligarchiehistorisch relevant, so kann sie mit derselben ernsten Behandlung rechnen, die er den handelnden «großen Männern» 60 angedeihen läßt. Im Falle des berühmten Paares Antonius und Kleopatra tritt das Moment des abwägenden Historikers dazu, der wohl zwischen Wahrheit und Legendenbildung zu unterscheiden weiß:

    4.2. Der Mangel an Theorie, die Fülle an Stil.

    Die Träger der Geschichte und die aus ihr mehr oder weniger Ausgeschlossenen sind ebenso benannt wie Symes zentrale Erzählperspektive der römischen Oligarchien. Auf diesem vorläufigen Stand des Versuchs, Symes Historik zu bestimmen, konnten die «methodischen» von den nun zu behandelnden «darstellerischen» Momenten noch behelfsmäßig getrennt erscheinen. Sie vermischen sich nun zusehends, und das mit gutem Grund: Wie bei kaum einem anderen Althistoriker, vielleicht mit Ausnahme des frühen Theodor Mommsen 62 (von dem Syme, wie noch zu zeigen sein wird, so vieles trennte) bilden «literarische Finesse und Geschmack, Komposition und vor allem Stil» 63 bei Syme einen Teil der Darstellung. Daß ihm stilistische Eleganz eines verwendeten Begriffs über terminologische Konsistenz ging, haben wir am Beispiel der Oligarchie bereits gesehen. Noch deutlicher wird dies beim Begriff der Revolution.

    4.2.1. Symes Revolutionsbegriff. 64

    Ronald Syme kennzeichnet den gesamten von ihm behandelten Zeitabschnitt von 60 v. Chr. bis 14 n. Chr. als Revolution, ohne den Begriff näher zu definieren. Im Vorwort spricht er von einer «gewaltsamen Übertragung von Macht und Eigentum» 65 in dem Sinne, «daß die republikanische Nobilität, durch Bürgerkriege und Proskriptionen stark dezimiert, ihre Rolle als 'governing class' des römischen Staates verlor, und zwar zugunsten einer neuen Elite, die sich aus den Municipien und Kolonien Italiens […] rekrutierte und als Caesars 'Partei' und vor allem als die siegreiche 'Caesarian Party' [des Augustus, sg.] die Herrschaft errang.» 66 Bei einer allgemeinen, formalen Kennzeichnung läßt es aber auch Syme selbst zunächst bewenden: «In der Revolution wurde die Macht der alten regierenden Klasse gebrochen und ihre Zusammensetzung umgestaltet.» 67 Wer immer an diesem Prozeß partizipierte, lenkte oder auch nur davon profitierte, bekommt von Syme rasch das Etikett «revolutionär» angeheftet: Der junge Octavian ist auf dem Wege zum Prinzipat ein «junger Revolutionär» 68, mitunter ein «revolutionärer Abenteurer» 69, seine Bewegung hat «revolutionären Charakter» 70. Syme bezeichnet aber auch Vorgänge, die in gar keinem engeren Zusammenhang mit den unmittelbaren Machtkämpfen stehen, als «revolutionär»: Bereits die Gracchen «eröffneten ein Jahrhundert der Revolutionen» 71; der Machtzuwachs ritterlicher Amtsträger gegenüber Senatoren im Übergang von der späten Republik zur Kaiserzeit ist «neu und revolutionär» 72, daß Brutus und Cassus die Truppen der östlichen Provinzen auf ihre Seite zogen, war «ein revolutionärer Wechsel im Osten» 73, und sogar der Umstand, daß Augustus seine prärorianische Garde mit «Kameraden» ansprach, verdient das Prädikat «revolutionär» 74. «Es gibt», resümiert Géza Alföldy, bei Syme «recht unterschiedliche Revolutionäre und Revolutionen.» 75 Abgesehen von der grundlegen Kritik, daß der Übergang von der Republik zur Monarchie Augustus' durch den Begriff Revolution nicht adäquat erfaßt werden könne 76, dürfte sich Syme kaum an solchen Nachweisen einer großzügigen Verwendung terminologisch weit gefaßter Begriffe gestört haben. Ihm lag weniger an terminologischer Feinarbeit, an «Arbeit am Begriff», als vielmehr an der Lebendigkeit der Darstellung. Ebenso sorglos wie mit dem Begriff der «Revolution» verfährt er mit Termini wie «Klassenkampf» 77 oder «Kapital»78 – ohne daß jedoch die Plausibilität des Arguments oder der Fluß der Erzählung dadurch beeinträchtigt würden. Ganz im Gegenteil: «Das Wort 'Revolution' besitzt bei Syme eher eine literarische als eine terminologische Funktion; […].» 79 Noch genauer wäre es, Syme einen dramaturgischen, erzähltechnisch motivierten Gebrauch von «Revolution» zu unterstellen, was innerhalb einer narrativen Geschichtsschreibung auch nicht weiter erstaunt.

    4.2.2. Nichts als Geschichte?

    Womit ein Spezifikum der «Römischen Revolution» und von Symes Geschichtsschreibung herausgearbeitet sein dürfte: ihr «Mangel an Theorie», wenn unter «Theorie» eine «generalisierende Betrachtung historischer Strukturen und Prozesse verstanden wird, die aus der Philosophie, Soziologie, Ökonomie oder woher auch immer abgeleitet, zu einer abstrakten 'Methodologie' verarbeitet und als ein System für Heuristik, Darstellung und Interpretation verwendet wird.» 80 Indem er sie vom «ideengeleiteten» Max Weber abgrenzt, weist Paul Veyne mit Blick auf Marc Bloch oder Ronald Syme darauf hin, daß letztere keine Theorie, noch nicht einmal Ideen besitzten: «[…], il n'y a que de l'histoire: aussi prononce-t-on le nom de ces auteurs avec révérence, mais sans parler d'eux bien longtemps.» 81

    Nichts als Geschichte? Gerade die Selbstverständlichkeit, die Eingängigkeit, mit der Syme die Geschichte der «Römischen Revolution» abrollen läßt, als dramatische Abfolge von Ereignissen, die für sich selbst sprechen, hätte Veyne stutzig machen müßen. Gewichtet man sein Interesse anders und fragt nicht nach den basalen epistemologischen Grundlagen historischer Wissenschaft, sondern nach den – durchaus «theoriehaltigen»! – Mitteln ihrer Darstellung, dürfte man gerade von Syme noch länger sprechen. Vielleicht baut Paul Veyne auch einen falschen Gegensatz zwischen «Theorie» und «Geschichte» auf, denn jede in sich geschlossene, plausible und argumentativ vorgehende historische Erzählung ist notwendig und immer in hohem Maße theoriegeleitet, auch wenn sie das spezialisierte Vokabular benachbarter Disziplinen vermeidet.

    Symes Geringschätzung gegenüber «großer Theorie» – er hinterließ keine einzige geschichtstheoretische, geschweige denn -philosophische Schrift – drückt sich für mich auch in folgender Passage aus, die der politischen Praxis (des Octavian) den eindeutigen Primat vor der Theorie einräumt:

    Überträgt man, was vielleicht zu gewagt ist, diese Charakterisierung Octavians auf den Autor der «Römischen Revolution», immerhin Angehöriger einer imperialien Führungsschicht, so erweist sich auch Syme – in seiner Praxis des Geschichtsschreibens! – als «typischer Römer», mit einem ebenso scharfen Sinn für den Unterschied zwischen Ideologie und Verfassungswirklichkeit, zwischen Propaganda und Realität. Dieser Punkt, der gleich gebührend ausgeführt werden soll, verdankt sich dem immensen Einfluß einer der –literarischen – Hauptquellen, die Syme für die «Römische Revolution» herbeigezogen hat: Tacitus.

    4.2.3. Tacitus und die Kampagne gegen die deutsche althistorische Schule

    Dieser Einfluß ist ein mehrfacher und kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Schon im Vorwort nennt Syme die drei republikanisch gesinnten Historiker Sallust, Pollio und Tacitus als einflußreich für «Ton und Behandlungsweise» des Gegenstands der Untersuchung. 83 Bleiben die expliziten Verweise auf Sallust und Pollio spärlich ausgeführt 84, so läßt Syme demgegenüber keinen Zweifel daran, daß er von Tacitus mehr übernommen hat als die republikanische – und damit Augustus-kritische – Gesinnung. «Die'Roman Revolution' ist im taciteischen Stil und mit dem taciteischen Mißtrauen gegen die Aussprüche und Taten der Kaiser und ihres Gefolges verfaßt. Es ist die neuzeitliche Version des Buches über Augustus, das Tacitus nie geschrieben hat. Jahrelang ist Syme mit Tacitus in otio et negotio durch die Welt gezogen. Er hat ihn auswendig gelernt und jedes Wort stilistisch abgewogen.» 85 Diesem Urteil Arnaldo Momiglianos vertraue ich mich, was die «die Verschmelzung der Züge von Tacitus und Syme» 86 auf der stilistischen Ebene anbelangt, gerne an. Ein weiteres zentrales Motiv ist Symes Insistieren darauf, daß die politischen Realitäten Roms nicht aus der Perspektive des Staatsrechts, der Verfassungstheorie, also nicht aus einer rechts- und verfassungsgeschichtlichen Betrachtung zu erfassen seien: «Die römische Verfassung war eine Kulisse und ein Trugbild.» 87 An anderer Stelle nennt Syme sie auch einen «Namen, eine Täuschung» 88. Wiederum unter Berufung auf den «mißtrauischen Tacitus, der stets vor dem Gegensatz zwischen Wort und Wesen auf der Hut war» 89, geht es Syme ums Wesen, um die hinter der täuschenden Fassade des Staatsrechts 90 zu erkennenden, wahrhaft wichtigen machtpolitischen Auseinandersetzungen. Die Vehemenz und Häufigkeit, mit der Syme diese Position vertritt, läßt die wahre Adressatin erkennen: die deutsche althistorische Schule, voran Theodor Mommsen. Gegen sie führt Syme eine regelrechte Kampagne, mit den ihm eigenen Waffen der Polemik und Prägnanz:

    Sein, Symes, eigenes historiogaphisches Programm gewinnt durch die Kontrastierung mit der deutschen Schule an Trennschärfe:

    Nicht nur aufgrund seines subtilen prosopographischen Vorgehens nimmt Syme die politisch handelnden «Agenten und Diener der Macht» in den Blick. Die «Römische Revolution» ist eine Geschichte handelnder Menschen in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit, eine Geschichte von mitreißend dargestellten Einzelschicksalen. «Übergreifende historische Phänomene wie soziale Strukturen, Wirtschaft, Ideologie, Recht oder Verfassung» 93 werden als nicht weiter problematisierungswürdig in der Erzählung vorausgesetzt oder allenfalls kurz abgehandelt. Weil auf die «herrschende Klasse» Roms konzentriert, auf die wechselnde personelle Zusammensetzung der Eliten und ihre Machtkämpfe, liefert Syme keine systematisch-formale Beschreibung dieser Eliten, ebensowenig der anderen wichtigen Institutionen, etwa des römischen Senats.

    4.2.4. Eine Art historische Anthropologie.

    Für Syme wären solche systematisch-strukturellen Beschreibungen, seine Metaphorik aufgreifend, Fassaden-Phänomene, Oberflächlichkeiten. Hinter der Fassade, sozusagen in der Tiefe und als eigentlicher Motor des Geschehens sieht Syme andere Kräfte am Werk:

    War auch der Übergang zur Diktatur Cäsars und zum späteren Prinzipat des Augustus vom Auftauchen dynastisch gekennzeichneter «Parteien» – der cäsarianischen, der pompeianischen usw. – gekennzeichnet, so läßt sich die Kernaussage auf den gesamten in der «Römischen Revolution» untersuchten Zeitraum ausdehnen. Ein alle handlungsmächtigen Individuen durchdringender «Wille zur Macht» 95 ist am Werke, er ist der eigentliche Motivationsgrund aller Geschehnisse, ihn gilt es jenseits aller verfassungsrechtlichen oder institutionellen Strukturen offenzulegen. Was nicht bedeutet, daß sich Syme allein den machtpolitischen Konflikten selbst widmet. Er skizziert politische Ideen, die Literatur, Religion oder Philosophie der Epoche der «Römischen Revolution» genauso, allerdings nicht als eigenständige, quasiautonome Entitäten, sondern immer rückgebunden an die sozialen Akteure, seien dies nun Personen oder Gruppen. 96 Hierin Sallust mehr als Tacitus folgend, entwickelt Syme so, obwohl er diesen Ausdruck bestimmt ablehnen würde, eine bereits angesprochene Art «historischer Anthropologie»:

    Arnaldo Momigliano gewann 1940 bei der Lektüre der «Römischen Revolution» den Eindruck einer hoffnungs- und ideallosen Welt, 97 und seither sieht die Forschung bei Syme einen von Tacitus übernommenden Pessimismus am Werke. 98 Insofern müßte hier von einer «pessimistischen Anthropologie» die Rede sein. Mit der historischen Distanz von fast sechzig Jahren gegenüber Momiglianos Befund mag es angemessener erscheinen, Syme eher einen in bester angelsächsischer Tradition geschulten, illusionslosen, scharfen Blick zu unterstellen. Einen unbestechlichen Blick, der Idealisierungen der Hauptpersonen in der «Römischen Revolution» gar nicht erst zuläßt.

    4.2.5. Augustus und die Kunst der Personenbeschreibung.

    Obwohl weit davon entfernt, eine Biographie des Augustus zu sein, räumt die «Römische Revolution» dessen Aufstieg vom Großneffen und Adoptivsohn Cäsars zum princeps breiten Raum ein, wenn auch immer unter der bereits mehrfach erläuterten Prämisse, diesen Aufsieg als den Aufstieg einer Partei aufzufassen. Im Vergleich mit allen anderen Hauptakteuren der «Römischen Revolution», Pompeius, Lepidus oder Antonius etwa, ist das Bild des Augustus, das Syme entwirft, am eindruckvollsten und differenziertesten. Hier zeigt sich Syme als Meister der historischen Biographik, der über ein hohes Maß an Selbstreflexion und Darstellungskraft verfügt:

    Die Passage, die eigentlich in voller Länge zitiert zu werden verdiente, nennt nicht nur einige der Hauptmotive von Symes Auffaßung von Geschichtschreibung – das Insistieren auf die Taten, das Absehen von vorschnellem Urteilen –, sie steckt für die Person des Augustus auch den zukünftigen Rahmen der Beurteilung ab. Zwar fehlt es nicht an vernichtend kritischen, durchaus moralisch motivierten Urteilen

    doch bleibt Syme in der Gesamtschau seiner Stellungnahmen zu Augustus entschieden um Fairneß bemüht. Er will dem «revolutionären Abenteurer» auf dem Weg zum «reifen Staatsmann» gerecht werden; die historische Wertung soll weder Apologie noch Anklage sein, welche Forderung durch die Verwendung eines neuzeitlichen Begriffs jedoch ihrerseits unterlaufen wird:

    An anderer Stelle leitet Syme einige Charakteristika des Augustus aus seiner Herkunft aus einer «kleinen altmodischen Stadt in Latium» her, und er gelangt in einer berückend dicht und anschaulich geschriebenen Argumentation zur Feststellung: «Augustus war ein seltsam archaischer Mensch.» 102

    Diese wenigen, leider nicht in ihrer ganzen Fülle hier wiederzugebenden Beispiele mögen ausreichen. Sie lassen erkennen, daß Symes Bild von August in der «Römischen Revolution» überaus kritisch ausgefallen ist, wenn auch abgeschwächt durch das zumindest rhetorische Verfahren, der Figur historische Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Dieser Befund spielt in der anschließenden Diskussion der direkten Bezüge zur Entstehungszeit des Werks eine wichtige Rolle.

    Mit weitaus mehr Wohlwollen als den Augustus bedenkt Ronald Syme Cäsar, den er für einen «echteren Römer» 103 als Augustus und Pompeius hält. Auf diese beiden Protagonisten der «Römischen Revolution», Augustus und Cäsar, verwendet Syme am meisten Raum. Sie dienen ihm, wie im oberen längeren Zitat zu Augustus, gerne auch als Explikationspunkte für seine Auffassung von Geschichte und Geschichtsschreibung, wenn er zum Beispiel die andauernden Spekulationen darüber, welche letzten Herrschaftsabsichten Cäsar verfolgt haben könne, mit seiner Mischung aus gelehrtem Spott und prosopographisch-biographischem Detailwissen kommentiert. 104 In ungezählten anderen Fällen jedoch, bei all den vielen «Nebendarstellerinnen und -darstellern» auf der Bühne seiner «Römischen Revolutio», verfährt er anders. Sie werden mit leicht dahingeworfenem Strich gezeichnet: zwei, drei Haupteigenschaften vielleicht, dann versinken diese für einen kurzen Moment ans Licht gehobenen Menschen wieder im Dunkel der Ahnentafeln, Genealogien und Inschriften. Syme erweist sich mit dieser Technik als ein Meister des hohen Stils, nie um ein Urteil verlegen und mit besonderer Prägnanz die Schwächen der prosophographisch identifizierten Menschen auskostend: «Marcus Antonius war nicht nur ein Rohling und Gladiator, ein Trunkenbold und Lüstling, er war auch weibisch und ein Feigling» 105, «Maecenas' Gattin war schön und launisch. Das Leben mit ihr war nicht leicht» 106, «[…] Claudius,[…] den manche idiotisch und den seine Mutter ein Monster nannte, war keine dekorative Gestalt» 107, […] und Afrianus war eine Niete; denn sein einziges Talent im Zivilleben war die Tanzkunst» 108 – die Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen.

    4.2.6. Die Frage nach dem Zeitgeist.

    Bleibt die Frage, wieviel von den politischen Umbrüchen der 1920er und -30er Jahre auf welche Weise in die «Römische Revolution» eingefloßen ist. Ich will dazu das bisher angewandte Prinzip etwas durchbrechen und zuerst die Befunde der Forschung diskutieren, ehe ich selber eine – vorsichtigere – Interpretation wage.

    stellt Symes Schüler Fergus Millar109, stellvertretend für die gesamte Literatur zu Syme, unter Berufung auf Arnaldo Momigliano 110 fest. Die Meinung, Symes kritische Würdigung Augustus', wie sie eben vorgestellt worden ist, sei durch ein traditionell idealisiertes Augusutsbild und die Bimillenniums-Feiern 111 des faschistischen Italien i. J. 1937 provoziert worden, ist inzwischen ein Gemeinplatz der Forschung. 112 Zu Mussolini lassen sich denn auch problemlos die Bezüge herstellen, und zwar über die andeutungsreich gesetzten Kapitelüberschriften wie «Marsch auf Rom» (Kap. IX, XIII) oder «Dux» (Kap. XXI).113 Weiter soll sich Syme durch die Verfassung der Sowjetunion, die Stalin 1936 erlassen hatte, an den «Schein und Trug» der augusteischen «Verfassung» erinnert gefühlt haben.114 Dafür auch Belege zu finden, ist mir nicht gelungen. Einzelne Stelen ausfindig machen zu wollen, die einen direkten Bezug etwa auf Hitler, Franco oder Stalin ausweisen, scheint aus zwei Gründen ein wenig fruchtbares Unterfangen. Erstens hätte eine direkte Parallele zu zeitgenößischen Politikern Symes ausgeprägten Sinn für die erzählerische und stilistische Geschlossenheit seines Werks empfindlich gestört, und zweitens verführt seine bereits mehrfach erwähnte, sorglose Verwendung von Begriffen wie «Partei», «Klassenkampf», «Propaganda», aber auch «Justizmorde» 115 oder «Säuberung» 116 dazu, überall, wo sie auftauchen, Gegenwartsbezüge zu sehen. Das mag Teil von Symes grundsätzlicher Autorintention als auch Element der Spannungserhaltung sein – ein direkter Rückschluß auf die Diktatoren Europas der Vorkriegszeit ist es, über Anspielungen hinaus, kaum.

    Angesichts des bereits Ausgeführten zu Symes «anthropologischem Pessimismus» und seines nüchternen Blicks auf die politische Realität hinter der wie auch immer beschaffenen Fassade des Staatsrechts schlage ich vor, die «Römische Revolution» in ihrer narrativen Gesamtheit in den Blick zu nehmen. Der eigentliche Motor der Erzählung ist Symes «ideologiekritisches» Verfahren, die wahren Interessenlagen der konfligierenden Parteien und einzelnen Akteure aufzudecken, ihre zutiefst menschlichen Motive, ihren «Kampf um die Macht». Neben die Position eines allwissenden Erzählers, der gleichsam über den Wassern der politischen Kämpfe schwebt und sich von der eingesetzten Propaganda nicht täuschen läßt, tritt der scharfzüngige, unkorrumpierbare Moralist:

    Als sarkastische, nicht zynische Funktionsbeschreibung von Politik erhält diese exemplarische Stelle Gültigkeit weit über die historische Situierung «Rom» hinaus. Die «Römische Revolution» ist auf der Ebene des Dargestellten ein Geschichtsbuch über die Zeit von 60 v. Chr. bis 14 n. Chr. – auf der Ebene der Darstellung ist sie eine zutiefst moralisch inspirierte Reflexion auf die von Bürgerkrieg, Diktaturen und Gewalt zerrissenen frühen Jahrzehnte unseres Jahrhunderts. Ronald Syme gelingt somit eine subtile narrative Reaktualisierung der antiken Geschichte: Man liest römische Geschichte und wird gleichzeitig von einem subtilen Verweisungs- und Andeutungshorizont eingenommen; man liest von Augustus Aufstieg und denkt an Hitler: eine in ihrer genauen Funktionsweise noch zu analysierende rhetorische Meisterleistung oder gar eine historische Belehrung ohne gleich erkennbare Pädagogik.

    4.2.7. «High style» und Narrativität.

    Andeutungsreichtum ist ein Aspekt von Ronald Symes «high style» 118, andere Element sind prägnante Sätze, provokative Wendungen, Sarkasmus, Ironie, apodiktische Urteile, rhetorische Fragen, eine terminologisch problematische, aber stilistische sorgfältige Wortwahl, eine unverhohlene emotionale Beteiligung in bezug auf die Hauptakteure. Symes eigene Einschätzung ist zutreffend: «Der Stil ist […] direkt und sogar abrupt und vermeidet Metaphern und Abstraktionen.» 119 Neben Tacitus nennt Syme Edward Gibbon und Thomas B. Macauly als seine stilistischen Vorbilder 120, und mit ihnen reiht sich Syme in eine ehrwürdige Tradition narrativer, pragmatischer Geschichtsschreibung ein. Es ist allerdings ein müßiges Unterfangen, die von Syme verwendeten Stilelemente vollständig auflisten zu wollen 121, da «Stil» bei Syme kein Selbstzweck ist, keine bloße «Eigenheit» des Autors, sondern die Darstellung als hochgradig verdichtete, literarische konstituiert. Die «Römische Revolution» hat einen geschickten dramaturgischen Aufbau; ihre innere Kohärenz verdankt sich einer klaren Gliederung und einer alle Kapitel durchdringenden dramatischen Spannung, die ihrerseits wieder über den Stil hergestellt wird. Die Darstellung von Geschichte ist bei Syme Teil seiner wissenschaftlichen Auffassung von Geschichte; historische Analyse und Stil sind zu einer Einheit von hochgradig literarischer Qualität verschmolzen: «Geschichte und Stil sind bei Syme nie zu trennen.» 122 Die Narrativität der «Römischen Revolution» ist mit anderen Worten nicht ein Merkmal der Darstellung, das von irgendeiner «Methode» analytisch zu trennen wäre, sie ist vielmehr das wesentliche Strukturmerkmal selbst. Die «Römische Revolution» ist Literatur über einen historischen Gegenstand, und sie ist zugleich Geschichtsschreibung im Medium Literatur.

    4.2.8. Die «Römische Revolution», eine Geschichtstragödie?

    Abschließend soll der Versuch unternommen werden, den Erzähl-Typus, in dem die «Römische Revolution» abgefaßt ist, mithilfe von Hayden Whites Analyse der Narrativität historischer Texte 123 genauer zu bestimmen. Dieser Versuch muß vorläufig bleiben; er ist etwas gewagt insofern, als White selbst seine Theorie der «Metahistory» auf Geschichtswerke und -philosophen des 19. Jahrhunderts beschränkte. Zudem sehe ich mich gezwungen, Whites Theorie arg zu verkürzen.

    White geht davon aus, daß die Formen, in den Geschichte geschrieben wird, durch eine poetische Weltwahrnehmung strukturiert werden, daß also die Geschichte schreibenden Historiker und Historikerinnen weniger «empirisch finden» als «narrativ erfinden», und daß dieser der Darstellung zugrundeliegende «poetische Akt» 124 unabhängig von der Theorie oder auch dem Quellenmaterial der Schreibenden sei. White unterscheidet vier «archetypische Erzählformen», die als Konstanten jeder historischen Erzählung zugrundeliegen: die Romanze, die Satire, die Komödie und die Tragödie, letztere eine Darstellung des ausweglosen Schicksals der untergehenden Protagonisten, die dem Publikum die Gesetze der menschlichen Natur offenbart. Diese vier Erzähltypen bilden die narrative Makrostruktur der historischen Erzählung, auf der Mikroebene ordnet White ihnen vier aus der Rhetorik entlehnte Muster zu: die Metapher (für die Romanze), die Synekdoche (für die Komödie), die Ironie (für die Satire) und die Metonymie (für die Tragödie). 125

    Es sprechen starke Anzeichen dafür, daß Ronald Syme die «Römische Revolution» als Tragödie angelegt hat, zum einen sein expliziter Hinweis auf die «Tragödien der Geschichte» 126, zum anderen aber die vielen gerafften, den Gang der Geschichte in kraftvollen Bildern summierenden Einschübe wie dieser:

    Vielleicht liegt der Schluß, die «Römische Revolution» sei als Tragödie angelegt, aber viel näher und bedarf nicht des «Umwegs» über die Theorie Whites. Entgegen dessen Auffassung, der «poetische Akt» sei den Schreibenden nicht bewußt, müßte im Falle Symes viel mehr davon ausgegangen werden, daß er aufgrund seiner Klarsicht und seines Stilbewußtseins gar keine andere Form der Darstellung wählen konnte – und daß sie sich vom behandelten «Material», der Geschichte der römischen Bürgerkriege und Augusts’ Aufstieg zur Macht, geradezu aufgedrängt hat. In dieser Linie wäre an Whites Auffassung zudem zu kritisieren, daß sehr wohl historische Darstellungsformen denkbar sind, die ihren Gegenstand hochgradig ent-literarisieren, daß also nicht notwendig jede kohärente Darstellung mit «Erzählung» im Whiteschen Sinne gleichzusetzen ist.

    5. Schlußwort.

    Die im Untertitel des Hauptseminars aufgeworfene Frage nach Zeitgeist und Geschichtsphilosophie in wissenschaftlichen Konzepten der Altertumswissenschaft kann für Ronald Symes «Römische Revolution» nicht vollständig beantwortet werden. Geschichtsphilsophie finden wir bei Syme nicht, dagegen ein tiefes Verständnis für die Handlungsmotivationen der von ihm geschilderten Menschen. Man könnte dies «Einsicht in die menschliche Natur» nennen, wenn auch damit nicht gleich die Annahme einer absolut ahistorischen, unwandelbaren Konstante favorisiert werden soll. Zeitgeist hingegen findet sich in der «Römischen Revolution» zuhauf, wenn auch nicht auf der Ebene expliziter Verweise. Das Werk ist eine Reaktion auf die 1920er und 1930er Jahre unseres Jahrhunderts, aber die Reaktionen sind stilistischer und terminologischer Art und konkret nur in Andeutungen nachzuweisen.

    Symes Historik-Konzeption erschließt sich nicht über eine Addition einzelner analytischer Kategorien wie «Methode» und «Darstellung». Mit der Prosopographie und ihrer Anwendung auf die wechselnde Zusammensetzung der römischen Oligarchie ist zwar ein zentraler methodischer Aspekt benannt, jedoch wird diese Methode in den Dienst einer durchkomponierten Narration genommen. Daß die Geschlossenheit von Symes Erzählung mithin von Ausschlüssen – der Unterschichten, der Frauen – konstituiert wird, ist eine Kritik, die der Erzählkunst Symes zwar ihre Hochachtung nicht versagt, an eine gegenwärtige Altertumsforschung jedoch die sachlich begründete Forderung stellt, solche Ausschlüsse, wenn schon nicht inhaltlich zu vermeiden, so doch wenigstens zu thematisieren. Nur so kann verhindert werden, daß eine historiographisch wie auch immer erwürdige Linie weiter tradiert wird, die jedoch hinter den Reflexionsstand aktueller Geschichtswissenschaft zurückfällt.

    Der mehrfach konstatierte «Mangel an Theorie» wird durch die literarischen Qualitäten der «Römischen Revolution» nicht gänzlich kompensiert. Auch terminologisch bleibt Syme einiges vorzuwerfen. Diese intradisziplinäre Kritik ist angebracht und begründet. Sie wirkt jedoch angesichts der Popularität und des bleibenden Wertes des Buchs rasch kleinlich und unangemessen. In gewissem Sinne, so Géza Alföldy, sind mit der «Römischen Revolution» nämlich die Grenzen narrativer Historiographie erreicht, zum einen durch ihren Perfektionsgrad, zum anderen aber auch durch ihre eingeengte Perspektive auf die Oligarchie und weitere sachliche Defizite.128 Die Forschung zur Geschichte Roms wird mit anderen Forschungsschwerpunkten und Fragestellungen einen anderen Weg einschlagen müssen, als ihn Ronald Syme eingenommen hat. Es fragt sich, ob sie uns aber Meisterwerke dieser Art beschert.

    6. Literaturverzeichnis.

    6.1. Verwendete Ausgabe der «Römischen Revolution»:

    Syme, Ronald. Die Römische Revolution. Hg. von Dahlheim, Werner. München/Zürich 1992 [abgekürzt RR].

    6.2. Weitere Literatur.

    Alföldy, Géza. Sir Ronald Syme, die 'Römische Revolution' und die deutsche Althistorie. Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse. Jg. 1983, Bericht 1. Heidelberg 1983.

    Ders. Rez. zu Syme, Ronald. Roman Papers. Oxford 1979. In: American Journal of Ancient History 79/1981, S. 167–185.

    Barnes, T. D. Rez. zu Syme, Ronald. Roman Papers. Oxford 1979. In: American Journal of Philology 102/1981, S. 460–465.

    Christ, Karl. Neue Profile der Alten Geschichte. Darmstadt 1990, Kap. 5 [Ronald Syme], S. 188–247.

    Ders. Römische Geschichte und Wissenschaftsgeschichte, 1. Bd. [Römische Republik und augusteischer Principat] Darmstadt 1982.

    Dahlheim, Werner. Ronald Syme. Geschichte als aristokratische Gelehrsamkeit und literarische Kunst. [Nachwort] In: Ders. (Hg.) Syme, Ronald. Die Römische Revolution. München/Zürich 1992.

    Devine, A. M. Sir Ronald Syme (1903–1989): A Roman Post Mortem. In: Ancient World 20/1989, S. 67–75.

    Hausen, Karin. Die Nicht-Einheit der Geschichte als historiographische Herausforderung. Zur historischen Relevanz und Anstößigkeit der Geschlechtergeschichte. In: Medick, Hans; Trepp, Anne-Charlott (Hg.) Geschlechtergeschichte und Allgemeine Geschichte [Göttinger Gespräche zur Geschichtswissenschaft Bd. 5] Göttingen 1998, S. 15–55.

    Millar, Fergus. Style Abides. In: Journal of Roman Studies 71/1981, S. 144–152.

    Momigliano, Arnaldo. Introduzione a Ronald Syme, The Roman Revolution. In: Ders. Terzo contributo alla storia degli studi classici e del mondo antico [storia e letteratura 109]. Rom 1966, S. 729–737.

    Ders. Rez. zu Syme, Ronald. The Roman Revolution. In: Ders. Secondo contributo alla storia degli studia classici [storia e letteratura 77]. Rom 1960 [= Journal of Roman Studies 30/ 1940, S. 75– 80.

    Ders. Rez. zu Syme, Ronald. Tacitus. 2 Bde. Oxoford 1958. In: Gnomon. Kritische Zeitschrift für die gesamte klassische Altertumswissenschaft, Bd. 33/1961, S. 55–58.

    Späth, Thomas. Männlichkeit und Weiblichkeit bei Tacitus. Zur Konstruktion der Geschlechter in der römischen Kaiserzeit. [Geschichte und Geschlechter, Bd. 9] Frankfurt am Main/ New York 1994.

    Veyne, Paul. Comment on écrit l’histoire. Essai d’épistemologie. Paris 1971.

    Wagner-Hasel, Beate. «Das Private wird politisch». Die Perspektive «Geschlecht» in der Altertumswissenschaft. In: Becher, Ursula A. J.; Rüsen, Jörn (Hg.) Weiblichkeit in geschichtlicher Perspektive. Fallstudien und Reflexionen zu Grundproblemen der historischen Frauenforschung. Frankfurt am Main 1988.

    White, Hayden. Metahistory. Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa. Frankfurt am Main 1991 [urspr. Baltimore/London 1973].


    ANMERKUNGEN.

    1 Diese englische Originalausgabe kann aus Platzgründen leider nicht herangezogen werden, wenn sie auch für das Verständnis von Symes Stil unerläßlich wäre. Also zitiere ich nach folgender Ausgabe: Syme, Ronald. Die Römische Revolution. Hg. von Dahlheim, Werner. München/Zürich 1992, fürderhin abkgekürzt mit «RR». Prof. Dr. Werner Dahlheim danke ich, daß er mir ein privates Exemplar dieser vergriffenen Ausgabe überlassen hat.

    2 Vgl. Dahlheim, Werner. Ronald Syme. Geschichte als aristokratische Gelehrsamkeit und literarische Kunst. Nachwort zur in Anm. 1 zitierten deutschen Ausgabe.

    3 Alföldy, Géza. Sir Ronald Syme,'Die römische Revolution' und die deutsche Althistorie. Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse. Jg. 1983, Bericht 1. Heidelberg 1983. Diese Studie gewinnt ihre analytische Schärfe aufgrund einer Kontrastierung der «Römischen Revolution» mit der deutschen althistorischen Behandlung des gleichen Themas.

    4 Momigliano, Arnaldo. Rez. zu Syme, Ronald. The Roman Revolution. In: Ders. Secondo contributo alla storia degli studi classici [storia e letteratura 77]. Rom 1960 [= Journal of Roman Studies 30/1940, S. 75–80]. Vgl. auch Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 30/31 zur Kritik Chr. Meiers an Syme.

    5 Wobei ich in einem Punkt insoweit von den Vorgaben abweiche, als die inhaltliche Zusammenfassung zugunsten von Einleitung und Schlußwort um eine Seite kürzer ausgefallen ist. Dies läßt sich auch mit der Unmöglichkeit begründen, Symes extrem dichte Erzählung auf nur drei Seiten nacherzählen zu können.

    6 Die folgende biographische Skizze basiert im wesentlichen auf: Christ, Karl. Neue Profile der Alten Geschichte. Darmstadt 1990, Kap. 5 [Ronald Syme], S. 188–247; Dahlheim, Nachwort; Devine, A. M. Sir Ronald Syme (1903–1989): A Roman Post Mortem. In: Ancient World 20/1989, S. 67–75 und Millar, Fergus. Style Abides. In: Journal of Roman Studies 71/1981, S. 144–152. Weitere herbeigezogene Literatur wird gesondert ausgewiesen.

    7 Eine auf Symes 13 zum Teil mehrbände Monographien und drei Sammelbände beschränkte Übersicht findet sich bei Dahlheim, Nachwort, S. 651. Allein zwischen 1949 und seiner Emeritierung 1970 publizierte Syme über 70 Aufsätze, die längst nicht alle in den vorliegenden Sammelbänden enthalten sind (Millar, Style Abides, S. 148). Die Gesamtzahl an Aufsätzen aus Symes Feder geht in die Hunderte.

    8 Christ, Ronald Syme, S. 245. Zur zentralen Bedeutung der Oligarchie für die «Römische Revoluion» vgl. unten, Abschnitt 4.1.

    9 Momigliano, Arnaldo. Introduzione a Ronald Syme, The Roman Revolution. In: Ders., Terzo contributo alla storia degli studi classici e del mondo antico [storia e letteratura 109]. Rom 1966, S. 729–737, hier S. 730. Vgl. ebd.: «Il suo sviluppo intellettuale resta per me oscuro.»

    10 Dahlheim, Nachwort, S. 188, übersetzt aus Millar, Style Abides, S. 145.

    11 Dahlheim, Nachwort, S. 635.

    12 Millar, Style Abides, S. 145.

    13 Reisen als ein entscheidendes Bildungs- und intellektuelles Sozialisationserlebnis einer Gelehrtenbiographie spielen bei einigen im Hauptseminar behandelten Althistorikern eine wichtige Rolle, u.a. bei Droysen, Mommsen und Rostovtzeff. Vgl. dazu auch Christ, Ronald Syme, S. 189, und Alföldy, Géza. Rez. zu Syme, Ronald. Roman Papers. Oxford 1979. In: American Journal of Ancient History 79/1981, S. 167–185, hier S. 173.

    14 Eine Übersicht gibt Christ, Ronald Syme, Anm. 7 bis 12, S. 190/191.

    15 Daß Syme in einer Analyse der augusteischen Grenzpolitik die Betonung nicht so sehr auf Länge der Grenz-, sondern Kommunikationslinien setzte, führt Karl Christ auf Symes eigene «Peripherie»-Erfahrung als neuseeländischer Angehöriger des British Empire zurück, vgl. Christ, Karl. Römische Geschichte und Wis-senschaftsgeschichte, 1. Band [Römische Republik und augusteischer Principat]. Darmstadt 1982, S. 191/192. Ich sehe hierin das historisch-kritische Verfahren der Werkinterpretation über die Biographie des Autors überstrapaziert.

    16 Dahlheim, Nachwort, S. 637.

    17 Dessen grundlegendes Werk «Römische Adelsparteien und Adelsfamilien» (1920) nennt Syme auch im Vorwort der «Römischen Revolution». RR, S. IV. Syme interessierte sich zudem für die deutsche Sektion der sog. Limesforschung und war des Deutschen mächtig.

    18 Alföldy, Sir Ronald Syme, Anm. 102, S. 24 nennt die wichtigsten englischsprachigen Rezensionen, die noch während der Kriegsjahre erschienen sind. Zur Aufnahme der «Römischen Revolution» in Deutschland vgl. ebd., Anm.113 bis 118, S. 26/27.

    19 RR, S. IV.

    20 Christ, Ronald Syme, S. 206.

    21 Oxford 1958. Millar, Style Abides, S. 151, hält Symes «Tacitus» für die geschichtswissenschaftliche Forschung für inspirierender und einflußreicher als die «Römische Revolution». Dem stimmt indirekt auch Christ zu, wenn er die gegenüber der «Römischen Revolution» nicht erreichte Verbreitung auf die «Ge-lehrtheit» von Symes «Tacitus» zurückführt. Christ, Ronald Syme, S. 219.

    22 Christ, Ronald Syme, S. 244.

    23 Ebd., für das folgende Zitat S. 245.

    24 So weit ich diese Zunft aufgrund der hier verwendeten Literatur überblicken kann, scheint es sich dabei tatsächlich ausschließlich um männliche Forschende gehandelt zu haben. Dies verstärkt den Eindruck, Syme habe sich zeitlebens in exklusiv homosozialen Arbeitszusammenhängen bewegt.

    25 Barnes, T. D. Rez. von Syme, Ronald. Roman Papers. Oxford 1979. In: American Journal of Philology 102/1981, S. 460–465, hier 463.

    26 Deutschland überreichte Syme im Juni 1975 den Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste.

    27 Emperors and Biography. Studies in the Historia Augusta. Oxford 1971, sowie: The Historia Augusta. A call of [anstelle von: for] clarity. Bonn 1971.

    28 Oxford 1978.

    29 Christ, Ronald Syme, S. 246.

    30 RR, Vorwort, S. III.

    31 Vgl. Anm. 3, Einleitung.

    32 RR, Vorwort, S. III. Kursivsetzung durch mich.

    33 Beinahe ausschließlich prosopographisch ausgerichtet sind die Kap. V, VI, XXIV, XXV, XXVI, XXVIII, XXXII.

    34 RR, S. 13, Kursivsetzung durch mich. Vgl. auch Syme, Ronald. Tacitus, Bd. 1. Oxford 1958, S. V, zit. nach Dahlheim, Nachwort, S. 637: «Oligarchy is the supreme, central, and enduring theme in Roman history» sowie RR, S. 19: «Wenn auch in der Regel Einzelpersönlichkeiten die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und in der Geschichte eine Monopolstellung einnehmen, so waren doch die revolutionärsten Umwälzungen in der römischen Politik das Werk von Familien oder wenigen Männern.»

    35 Vgl. auch RR, S. 320: «Immer besteht irgendwo eine offene oder verborgene Oligarhie» oder S. 59: «[…], und kein Römer konnte sich eine andere Regierungsform als die der Oligarchie vorstellen.» Auf S. 419 geht Syme sogar weit, in einer nur halbwegs rhetorisch gemeinten Frage das Machtverhältnis zwischen Augustus und seiner Anhängerschaft zugunsten letzterer umzukehren: «Führte der angebliche Urheber und Vollzieher der Erneuerungspolitik [des augusteischen Prinzipats, sg.] vielleicht nur die Instruktionen einer geheimen Oli-garchie oder den allgemeinen Auftrag seiner Anhänger durch?»

    36 RR, S. 18. Vgl. S. 146 zur näheren Bestimmung der Hierachie- und Schutzverhältnisse dieser factiones.

    37 RR, S. 121.

    38 Auf Beispiele der Syme'schen Personenzeichnung wird im Abschnitt 4.2.5. näher eingegangen.

    39 RR, S. 119/120.

    40 RR, S. 146/147.

    41 RR, S. 24. Kursivsetzungen durch mich.

    42 RR, S. 14.

    43 RR, S. 443.

    44 Brief Ronald Symes vom 21.2.1981 an Géza Alföldy, zit. nach Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 17.

    45 RR, S. 18.

    46 RR, S. 177, 192–195, 381.

    47 RR, S. 201, 204, 206, 209/210, 315.

    48 RR, S. 212, 350, 356, 381–385, 393.

    49 RR, S. 198/199, 241, 249/250, 252–254, 257, 259, 269, hier. S. 199.

    50 RR, S. 203, 349, 351, 383, 389, 392–394, 396, hier S. 393.

    51 Vgl. dazu RR, S. 45: «Die Meteller hatten in […] ihre Frauen erfolgreich an den Mann gebracht, eine ihrer Töchter wurde an den älteren Sohn des Dynasten Crassus verheiratet.»

    52 RR, S. 352. Vgl. auch S. 356 und 375.

    53 Syme, Ronald. The Augustan Aristocracy. Oxford 1986, zit. nach Christ, Ronald Syme, S. 242. Symes Rede von «social history» mag überraschen, doch verstand er seine politische Geschichte der Eliten Roms durchaus als solche, wenn man unter Oligarchien, Adelshäusern usw. soziale Gruppen in einem weiten Sinne versteht.

    54 Vgl. Späth, Thomas. Männlichkeit und Weiblichkeit bei Tacitus. Zur Konstruktion der Geschlechter in der römischen Kaiserzeit. [Geschichte und Geschlechter, Bd. 9] Frankfurt am Main/New York 1994, S. 9/10. Das Werk stellt aus meiner Sicht in methodisch-theoretischer Hinsicht den avanciertesten Versuch dar, innerhalb der Alten Geschichte geschlechtergeschichtliche Ansätze fruchtbar zu machen. Ich danke Frau Prof. Dr. Karin Hausen für den Hinweis.

    55 Vgl. ebd., Anm. 3, S. 10/11 für eine die jüngsten altertumswissenschaftlichen Arbeiten umfaßende Bibliographie.

    56 RR, S. 136.

    57 Das, was unter dem Rubrum «Allgemeine Geschichte» firmiert, wird durch diese Forderung in ähnlicher Weise affiziert. Vgl. Hausen, Karin. Die Nicht-Einheit der Geschichte als historiographische Heraus-forderung. Zur historischen Relevanz und Anstößigkeit der Geschlechtergeschichte. In: Medick, Hans; Trepp, Anne-Charlott (Hg.) Geschlechtergeschichte und Allgemeine Geschichte [Göttinger Gespräche zur Ge-schichtswissenschaft Bd. 5], Göttingen 1998, S. 15 - 55.

    58 In diesem Sinne wäre Symes Methode durchaus anschlußfähig für geschlechtergeschichtlich verfahrende Ansätze, wie dies Beate Wagner-Hasel mit Blick auf die Arbeiten Moses Finleys feststellt. Wagner-Hasel, Beate. «Das Private wird politisch». Die Perspektive «Geschlecht» in der Altertumswissenschaft. In: Becher, Ursula A.J.; Rüsen, Jörn (Hg.) Weiblichkeit in geschichtlicher Perspektive. Fallstudien und Reflexionen zu Grundproblemen der historischen Frauenforschung. Frankfurt am Main 1988, S. 11–50, hier Anm. 35, S. 43.

    59 Gerechterweise muß man anfügen, daß Männer bei Syme, abgesehen von den dominierenden Figuren der Epoche, auch dann nur Erwähnung finden, wenn sie sich über ihre Funktion als Klienten hervortun, im römischen cursus honorum hohen Rang oder aber militärische Ehren erlangen.

    60 Damit soll Symes Perspektive nicht mit der historiographischen Tradition, «große Männer» im Sinne überragender Individuen als einzig geschichtsmächtig anzunehmen, gleichgesetzt werden.

    61 RR, S. 253.

    62 Géza Alföldy betont die Nähe Symes zu Mommsen (und Niebuhr), seine Vergleiche erscheinen mehr als plausibel und relativieren das hier noch zu entwickelnde Bild eines absoluten Gegensatzes zwischen den beiden. Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 34–40.

    63 Alföldy, Roman Papers, S. 176.

    64 Dieser Abschnitt ist in Aufbau und Inhalt praktisch deckungsgleich mit Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 12–14. Für die altertumswissenschaftliche Diskussion des Revolutions-Begriffs allgemein siehe Dahlheim, Nachwort, Anm. 10, S. 649.

    65 RR, Vorwort, S. III.

    66 Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 12.

    67 RR, S. 14.

    68 RR, S. 114.

    69 RR, S. 220, 292, 295. Auch die Parteigänger Cäsars werden als «Abenteurer» bezeichnet, «gierig nach Gewinn und Karriere, einige trachteten nach Revolution.» RR, S. 52.

    70 RR, S. 121.

    71 RR, S. 22.

    72 RR, S. 330

    73 RR, S. 161.

    74 RR, S. 326. Dieses Beispiel war Alföldys Observation entgangen. Ansonsten ist seine Aufzählung von Vorgängen, die Syme als «revolutionär» bezeichnet, erschöpfend und hier nicht in voller Länge übernommen.

    75 Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 13.

    76 Für eine eingehendere Diskussion von Symes Revolutionsbegriff siehe auch Christ, Römische Geschichte und Wissenschaftsgeschichte, S. 162.

    77 Vgl. RR, S. 189 und 230.

    78 Vgl. RR, S. 324/325.

    79 Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 12.

    80 Ebd., S. 10, und ders., Roman Papers, S. 174: «[…], this is a method without a &Mac220;methodology&Mac221;».

    81 Veyne, Paul. Comment on écrit l'histoire. Essai d'épistemologie. Paris 1971, S. 135. Leider fehlte mir die Zeit, dieses Werk nach weiteren Erwähnungen Symes durchzugehen.

    82 RR, S. 113. Kursivsetzung durch mich.

    83 RR, Vorwort, S. III. Vgl. auch S. 387: «Die senatorischen Historiker Sallust, Pollio und Tacitus, deren Werke von dem echten republikanischen Geist und den republikanischen Tugenden erfüllt sind, […].»

    84 Zu Sallust vgl. vor allem RR, S. 231, zu Pollio hauptsächlich S. 450/451. Vgl. demgegenüber die zahl-reicheren Bezüge zu Tacitus, S. 299, 405, 473, 480/481.

    85 Momigliano, Arnaldo. Rez. zu Syme, Ronald. Tacitus. 2 Bde. Oxford 1958. In: Gnomon. Kritische Zeitschrift für die gesamte klassische Altertumswissenschaft, Bd 33/1961, S. 55–58.

    86 Ebd., allerdings bezogen auf Symes «Tacitus».

    87 RR, S. 21.

    88 RR, S. 265. Vgl. auch S. 68 und S. 480: «Freilich, der Staat wurde unter einem Prinzipat organisiert, nicht unter einer Diktatur oder einer Monarchie. Aber Namen tun hier nicht viel zur Sache.» Das Täuschungs-Motiv wird ausführlich ausgeführt auf S. 142. Bezeichnend auch S. 297: «Mochten die Namen sich auch ändern: Augustus war trotzdem ein revolutionärer Führer, der durch Bürgerkrieg die höchste Gewalt errungen hatte.»

    89 RR, S. 299.

    90 Man könnte in Erinnerung an den bereits behandelten Topos der «lauernden Monarchie» Symes historiographisches Verfahren mitunter als ideologiekritische Decouvrierung bezeichnen, als ein Offenlegen derjenigen Schichten, die zur wahren, authentischen Geschichte führen. Den Anspruch, die «authentische Geschichte» aufzudecken, erhebt er unter anderem auf S. 61 explizit.

    91 RR, S. 296. Kursivsetzung durch mich.

    92 RR, S. 300. Kursivsetzung durch mich. Vgl. auch S. 60: «Die Tragödien der Geschichte entspringen nicht dem Konflikt zwischen konventionellem Recht und Unrecht. Sie sind großartiger und komplexer.» Weitere Belege dieser Abgrenzung gegen Mommsen finden sich auf den S. 9, 111, 321.

    93 Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 14.

    94 RR, S. 17. Vgl. auch S. 144 bezüglich des politischen Handelns von Pompeius und Crassus: «[…]: Sie strebten nur nach Macht» oder auch S. 373.

    95 Ich gebrauche den Ausdruck wie Momigliano, Secondo contributo, S. 411, in einem allgemeinen, rhetorischen Sinne, wenngleich damit der historisch fatale Irrtum fortgeschrieben wird, Nietzsche habe mit dieser Wendung ein Gewaltverhältnis eines Einzelnen über Andere gemeint. Korrekt müßte der «Wille zur Macht» in «Willen zur Mächtigkeit» in dem Sinne übersetzt werden, daß damit gerade keine Macht über Andere gemeint ist, sondern die Mächtigkeit eines Individuums, andere Meinungen und Standpunkte gelassen gelten zu lassen.

    96 Vgl. etwa seine Entlarvung der wahren Motive der Cäsar-Mörder auf S. 59, ein Glanzstück an Lakonik, das einen weiteren Seitenhieb gegen Mommsen enthält.

    97 Momigliano, Terzo contributo, S. 736.

    98 Vgl. etwa Dahlheim, Nachwort, S. 649. Syme selbst legt diesen Schluß nahe, wenn er, Tacitus referierend, schreibt: «Die Wurzel des Übels lag in der verworrenen und ruhelosen Natur des Menschen.» RR, S. 479/480.

    99 RR, S. 106.

    100 RR, S. 446, ebenda die kurze physiognomische Skizze, die in der Feststellung gipfelt: «Auch sein Äußeres war nicht durchaus einnehmend: er hatte schlechte Zähne und rötliches Haar.»

    101 RR, S. 177.

    102 RR, S. 420.

    103 RR, S. 55. Interessant die Gegenüberstellung von Augustus und Cäsar auf S. 338.

    104 RR, S. 55.

    105 RR, S. 140.

    106 RR, S. 316

    107 RR, S. 399.

    108 RR, S. 36. Symes vernichtendes Urteil machte auch vor den römischen Adelshäusern nicht halt, vgl. S. 476.

    109 Style Abides, S.146.

    110 Terzo contributo, v.a. S. 731/732.

    111 Nach Christ, Ronald Syme, S. 201, fanden die Feiern zum 2000. Geburtstag des Augustus am 23. September 1937 mit erheblichem Propagandaaufwand statt.

    112 Vgl. v.a. Dahlheim, Nachwort, S. 640; Christ, Ronald Syme, S. 201, Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 19–21. Inwieweit das angesprochene idealisierte Augustbild eine über die Altertumswissenschaft hinaus verbreitete Popularität besaß, kann ich mangels Kenntnis nicht abschätzen. Symes kritische Korrektur galt aber eindeutig den Tendenzen innerhalb der Zunft, gerade der deutschen! Vgl. Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 20, mit Literaturangaben. Nichtsdestotrotz war die «Römische Revolution» ja gerade nicht für ein Spezia-listenpublikum geschrieben.

    113 Vgl. auch Momigliano, Terzo contributo, S. 731.

    114 Alföldy, Sir Ronald Syme, Anm. 69, S. 19, und Anm. 79, S. 21. Es stellt sich bei Nachprüfung dieser Literaturangaben heraus, daß Momigliano als Kronzeuge für diese Parallele herangezogen wird, obschon seine Mitteilungen äußerst dürr sind.

    115 RR, S. 196.

    116 RR, S. 323.

    117 RR, S. 144

    118 Millar, Style Abides, S. 146.

    119 RR, Vorwort, S. IV. Als einziges kritisches Urteil zu Symes Stil steht Momiglianos Eindruck eines «stile nervoso e penetrante», vgl. Momigliano, Terzo contributo, S. 730.

    120 Dahlheim, Nachwort, S. 646. Vgl. die verblüffende Ähnlichkeit des ebd. zitierten Augustusbildes Gibbons mit jenem Symes. Mit Symes Präferenz für Gibbon und Macauly verknüpft ist eine Geringschätzung von Geschichtsphilosophie, vgl. ebd.

    121 Eine rhetorisch und erzähltheoretisch inspirierte Untersuchung Symes, die die «Römische Revolution» als literarischen Text behandelte, wäre hochgradig lohnenswert. Ich vermute, sie würde unter anderem zahlreiche Parallelen zu den Königsdramen Shakespeares zu Tage fördern.

    122 Christ, Ronald Syme, S. 246.

    123 Vgl. im folgenden White, Hayden. Metahistory. Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa. Frankfurt am Main 1991 [urspr. Baltimore/London 1973].

    124 Ebd., S. 50.

    125 Hier steht meine Argumentation auf wackligen Füßen, da Symes Prosa hochgradig nicht-metaphorisch und nicht-metonymisch ist und viel mehr Muster der Ironie aufweist. An zwei entscheidenden Stellen bedient sich Syme jedoch der Metapher des «Leichnams der Freiheit» bzw. «der Republik». RR, S. 190, 471.

    126 RR, S. 60.

    127 RR, S. 202.

    128 Alföldy, Sir Ronald Syme, S. 40–42 [Schlußbetrachtung].


    HS Gizewski WS 1998/99