Kap. 7: Zum hebräisch- und aramäischsprachlichen Spracherbe im Deutschen.


Die hebräisch- und aramäisch-stämmigen Namen und Worte werden in ihrem Lautwert latreinisch-umschriftlich nachgeahmt.

I. Übersicht: Zum Wortschatz- und zum formal-expressiven Bedarf der deutschen Sprache an hebräischsprachlichen und sprachlich benachbarten Elementen.

Ein Bemühen um die hebräisch-aramäische Sprachtradition im deutschsprachigen Bereich ist begründet

- in der Bedeutung der protestantisch-theologischen Bibelübersetzung der Reformationszeit, welche eine wissenschaftlich-hermeneutische Bearbeitung der alttestamentarischen Texte in ihrer hebräischen 'Ursprache' erforderte (Luther, Calvin, Zwingli, Melanchthon) und zumindest in geisteswissenschaftlich-akademischen Kreisen förderte, und

- in dem im deutschen Sprachraum weiter verbreiteten Bemühen, die Alltagssprache der in Deutschland lebenden Juden (Jiddisch) mit ihren hebräisch- und aramäischsprachigen Traditionselementen zu verbinden, teils aus anteilnehmendem Interesse, teils aus anti-jüdischer, christlich-traditioneller Feindseligkeit.

Übung.

Worin liegt die Bedeutung der nachfolgend wiedergegebenen alttetstamentarischen Geschihte für ein heutiges, eher säkulares Bewußtsein?

Die Geschichte von dem Propheten Elia und der Witwe in Zarpat (Sarepta; nahe Sidon/Phönikien) von dem während einer Hungersnot nicht zuendegehenden Mehl und Öl: 1. Könige 17,29, 7 - 24 / (wie schon Kap. 3).

II. Im Deutschen üblich gewordene Landschafts- und Ortsnamen des Alten und Neuen Testaments.

Heiligtümer der Frühzeit
Berg Tabor
Berg Garizim
Beth El
möglicherweise Bethlehem (kanaanitisches Heligtum)
In späteren Zeiten verbliebene Heiligtümer
Jerusalem
Samaria
Hafenstädte
Joppe (Süden)
Gaza (Süden)
Askalon (Süden)
Asdod (Süden)
Dor (Norden, i. d. Ebene Saron)
Andere erwähnte Landstädte.
Megiddo (Norden)
Jericho (Norden)
Zarpat (bei Sidon, phönikisch)

III. Im Deutschen üblich gewordene hebräisch- oder aramäischstämmige Personennamen des Alten und Neuen Testaments.

Aus Titeln alt- und neutestamentarischer Bücher.

Geschichtliche Bücher.
Moses > Mose: evtl. altägypt.('[Ein Gott] hat geboren'), Führer des Auszugs Israels
Josua > Joschua (hebr. 'Jahwe ist Hilfe'), Nachfolger des Mose.
Ruth> Rut (hebr. 'Freundin, Schönheit'), Vorfahrin des David.
Samuel > Schmuel (hebr. 'von Gott bestimmt').
Esra > Asarja (aram. 'Hilfe').
Tabias > Tobit (hebr. 'Jahwe ist gut').
Judith > Jehudit (hebr. 'Jüdin')
Esther > Ester (pers.-hebr. 'Stern')
Die Prophetenschriften.
Jesaja > Jeschaja (hebr. 'Gott hat geholfen')
Jeremia > Jirmeja (hebr. 'Gott gründet').
Hesekiel > Etechiel (hebr. 'Gott möge kräftig machen').
Daniel (hebr. 'Gott richtet').
Hosea > Hoschea (hebr. 'Erretung, Heil').
Joel (hebr. 'Jahwe ist [der] Gott').
Amos (hebr. 'der [von Gott] Getragene')
Obadja (hebr.'Knecht Jahwes').
Jonas > Jona (hebr. 'Taube').
Micha > Michael oder Michaja (hebr. 'Wer ist Gott?', 'Wer ist Jahve?').
Nahum (hebr. 'Tröster').
Habakuk (hebr., Name einer Gartenpflanze).
Zephania (hebr. 'Jahve hat geborgen').
Haggai > Haggi > Haggit (hebr. 'am Festtag geboren').
Sacharja > Secharja (hebr. 'Jahve hat sich erinnert').
Malachia > Maleachi (hebr. 'mein Bote').
Lehr- und Weisheitbücher.
Hiob > Ijob (hebr.'Wo ist der Vater?' )
Sirach > Sira (hebr. 'Lehrer')
Salomo > Schlomo (hebr. 'Friedensbringer').
Aus dem Neuen Testament
Matthäus > Matai, Matanja (hebr. 'Gabe Gottes')
Johannes > Jochanan (hebr. 'Jahwe ist gnädig gewesen').

Bekanntere hebräisch- oder aramäischstämmige Personennamen aus alt- und neutestamentarischen Büchern.

Adam (hebr. 'Mensch').
Eva (hebr. wohl 'die Lebende').
Kain (hebr. wohl 'Ahnherr der Keniter').
Abel > häbäl (hebr. 'vergänglich').
Abraham > Abram (hebr. 'erhabener Vater')
Isaak > Jitsak (hebr. er [Gott] lächelr).
Jakob (hebr. er [Gott] schützt)
Israel > Jisrael (auch Bez. für alle Nordstämme des Jahve-Volkes; hebr. 'Gott streitet')
Juda > Jehudi (hebr. Jude, auch Bez. für den Süd-Stamm Juda des Jahve-Volkes)
Josef (hebr. 'er [Gott] fügt hinzu').
Aaron (arab. Harun, hebr. 'Erleuchteter', 'Erhabener')
Metusalem > Metuschael (hebr. 'Mann Gottes')
Saul > Schaul (hebr. 'erbeten').
David (gebr. 'Geliebter, Liebling')
Jesus > Jeschua, Joschua (s. o. unter Josua, hebr. 'Jahwe ist Hilfe)
Maria > Mirjam (hebr.-aram. 'geliebt', 'schön')

IV. Im Deutschen üblich gewordene Worte aus Kult und Frömmigkeit hebräisch- und aramäischsprachiger Religion.

Adonai (hebr. 'mein Herr', in Reverenz-Plural)
Elohim (hebr. 'Gottheit des Himmels', in Reverenz-Plural)
Jahwe > Jehovach (hebr. 'Herr', 'Gott').
Messias > maschich (hebr.'Gesalbter')
Rabbi ( hebr. 'Lehrer', 'Meister')
Kadisch (hebr. 'Gebet am Ende des Synagogen-Gottesdienstes')
Medresch > midrasch (hebr. Forschung, Schrift-Studium)
koscher (hebr. 'als Speise religiös unbedenklich')
Sabbat > Schabeß (hebr. 'Tag der religiöse verordneten Ruhe und Arbeitszurückhaltung').
Mischna (hebr.das, was zu 'lernen', 'in Erinnerung zu halten' und zu 'wiederholen ist').
Talmud.(hebr. 'das, was außerhalb der heiligen Schriften an religiöser
Kommentartradion erhalten und zu beachten ist').
Scholem aljechem (arab.'salem aleikum', hebr. 'Friede sei mit dir/euch')
V. Im Jiddisch-Deutschen üblich gewordene hebräisch- oder aramäischstämmige Wortbildungen.
Mischpoke > mischpacha (hebr.' Familie').
Aschkenasim (hebr. 'die im Norden und Osten', 'die Juden in Mittel- und Osteuropa).
Sephardim > sfaradim (hebr. 'die in Spanien', 'die Juden im Westen').
Gojim (hebr. 'Nicht-Jude').
Schikse (hebr. 'junge Nicht-Jüdin').
Kibuz (hebr. 'Sammlung'. 'Gruppe', 'Gemeinschaftssiedlung').
Chuzpe (hebr. 'Unverschämtheit', 'Dreistigkeit').
Dafke (aram. 'so und nicht anders', 'allen Einwänden zum Trotz').
kaputt > kapores (hebr. 'durch Opfer untauglich gemacht für den alltäglichen Gebrauch')
Macke > make (hebr.'Schlag', 'Verwundung', 'Defekt', 'Nichts').
Kies (hebr. Gedlbeutel).
Klesemr > kleisemer (hebr. 'Musikinstrumente', Musikanten').
Knaker (hebr. 'einer, der die Peitscheknallen läßt', d. h.'angibt')
malochen > meleche (hebr. 'dienstbar sein', 'schwer arbeiten').
meschugge > meschug (hebr. 'wahnsinnig').
Moos > mojes (hebr. 'Münzen', 'Geld').
Nassauer > nasson (hebr. 'Geben', 'Gebenlassen').
Nebbich (hebr. 'nicht so schlimm', 'nicht so wichtig').
Pixel (engl.-jüd. Wortbildung, dt.FW: 'Druckpunkt')
platkemachen (hebr. mit dt.: 'schädliche Gerüchte verbreiten').
Pleite > pleite (hebr. 'Flucht', 'Aufgeben').
Schlemihl (hebr. 'Unglücksmensch').
Schlamassel (hebr. 'Unglück', Schwierigkeit').
schofel > schafal (hebr. 'gemein', 'niedrig').
Schtuß > schtuiot (hebr. 'Unsinn').
Tachleß > tachlis (hebr. 'Hauptzweck', 'Kern der Sache').

Literaturhinweise:


Bearbeitungsstand: 26. Junii 2013.

Autor des WWW-Skripts: Christian Gizewski, Prof. Dr., TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de