MUSTER EINER FEHLERHAFTEN SCHRIFTLICHEN ARBEIT

Im folgenden wird anhand einer fiktiven Dozentenbewertung in einem fiktiven Falle demonstriert, was man bei einer schriftlichen Arbeit alles falsch machen kann. C. G.


"Dozent, Universität, Fachgebiet, Post-Adresse, Tel.-Nr., EP-Adresse u. a.

Datum

Zur Bewertung der schriftlichen Arbeit
des / der stud. ..........., Matr. Nr. ........
in der LV ......... des SS / WS ........... ('.............') an der ............ Universität
über das Thema '..............'.

Die anzufertigende Arbeit hatte entsprechend den im Portal des WWW-Skripts zur LV vorgegebenen Bedingungen (................) einen Quellentext des Altertums in einer wissenschaftlichen Edition, und zwar sowohl in der Originalsprache als auch in deutscher Übersetzung, zu ermitteln, im antiken Textzusammenhang und unter Würdigung seiner historischen Entstehungsbedingen angemessen knapp darzustellen und dafür ein Mindestmaß wissenschaftlicher Literatur (mindestens ... Titel) bei eigenen Bibliotheksbesuchen heranzuziehen und im Text durch genaue Belege nachzuweisen.

Dieser Typ schriftlicher Arbeit ist als Übungsarbeit konzipiert, an der die Bearbeiter lernen sollen, den formalen und inhaltlichen Anforderungen bei der Erarbeitung wissenschaftlicher Texte so zu genügen, daß ihre Arbeit wissenschaftlich akzeptabel ist.

Die anerkennenswerte Leistung der Arbeit des / der stud. ........... besteht u. a. darin, daß er / sie ... [BEISPIELSWEISE: die Kerngedanken des zu ermittelnden und untersuchenden Textes aufgefunden und angemessen knapp dargestellt hat, wobei er / sie, soweit möglich, auch um ein eigenes Urteil bemüht war].

Dieser Leistung stehen allerdings einige formale und inhaltiche Mängel gegenüber.

Der Text des Verfassers / der Verfasserin enthält sehr viele Schreib- und Zeichensetzungsfehler. Manchmal scheint etwa der Unterschied von Punkt, Komma und Semikolon nicht bekannt zu sein. Es ist dem Verfasser / der Verfasserin zu empfehlen, sich einmal in einer Grammatik der deutschen Sprache darüber neu zu unterrichten.

Der Autor / die Autorin ist vielfach umständlich im Ausdruck. Er / sie findet manchmal die nächstliegenden Worte nicht. Auch kommt es gelegentlich zu unverständlichen oder völlig ungeordneten Satzkonstruktionen. Er / sie sollte vielleicht öfters ein gut redigiertes wissenschaftliches oder literarisches Buch lesen und sich dessen sprachliche Qualitäten einprägen. Er / sie sollte ferner, wenn er / sie, wie heute üblich, direkt mit dem Rechner Texte formuliert, diese nach einer längeren Pause unter dem Aspekt überprüfen, ob sie gedanklich unvollständig oder fehlerhaft formuliert sind und aus Sicht eines fremden Lesers unverständlich sein könnten.

Der Text der Arbeit, d. h. dessen argumentierender Hauptteil, erreicht den vorgegebenen Minimalumfang von ........ Seiten deutlich nicht.

Es ist zu erkennen, daß der Bearbeiter / die Bearbeiterin trotz mehrfacher Hinweise zu spät mit ihr angefangen hat und deshalb nicht fertig geworden ist.

Die Angaben des Literaturverzeichnisses sind allesamt ungenau. Der Verfasser / die Verfasserin nennt etwa Seitenzahlen unrichtig oder läßt wichtige werkeigene Gliederungsangaben weg. Die Abkürzungsform ist außerdem wegen Undeutlichkeit unüblich. All dies verursacht ständige Zitierfehler.

Inhaltlich ist zu bemängeln, daß der Bearbeiter / die Bearbeiterin nur ein einziges aktuelles wissenschaftlich-literarisches Werk zum Thema ......, nämlich ........, , hg. von .........., im Verlag ..............., Ort ............, Jahr ..........., ermittelt und benutzt hat.

Die verwendete Text-Edition von ......... entstammt dem vergangenen Jahrhundert. Sie gehört deshalb jedenfalls nicht zur heranzuziehenden aktuellen wissenschaftlichen Literatur, sondern ist eher eine gut verkäufliche Liebhaber-Neuauflage des ............-Verlages zum Ersatz eines antiquarisch vergriffenen Titels.

Die weitere verwendete Edition ist lediglich eine kurz kommentierende Quellen-Edition. Die knappen Anmerkungen ihrer Autoren können ebenfalls nicht zu der vom Bearbeiter heranzuziehenden wissenschaftlich vertiefenden Literatur gerechnet werden.

Wenn der Verfasser / die Verfasserin außer den genannten Werken ........... weitere aktuelle wissenschaftliche Literatur verwendet haben sollte, so hat er sie im Literaturverzeichnis jedenfalls weder angeben noch in seinem Text aus ihnen zitiert.

Ein wichtiger inhaltlicher Mangel der schriftlichen Arbeit ist es, daß sie bei nicht wenigen ihrer im ganzen zutreffenden Aussagen, wo es sinnvoll und vor allem wo es nötig gewesen wäre, einen Beleg in der aktuellen wissenschaftlichen Literatur vermissen läßt. Es ist offenkundig, daß der Bearbeiter / die Bearbeiterin seine / ihre Aussagen nicht aus eigenem Wissen geschöpft haben kann. Wenn er / sie eine eigene Meinung äußert, sollte er / sie dies deswegen im Ausdruck (z. B. mit der Wendung "m. E.") deutlich machen. Wenn er / sie fremde Meinungen zitiert, sollte er / sie andererseits diese genau zitieren.

Bei strenger, examensüblicher Beurteilung ist die Arbeit wegen dieser nicht unwesentlichen Nachteile nicht annehmbar, obschon sie, wie erwähnt, auch einige Vorzüge hat.

Da es sich im vorliegenden Falle um eine Übungsarbeit handelt, wird sie wegen dieser Vorzüge dennoch zur Bewertung angenommen und mit

............

bewertet.

(Datum, Unterschrift des Dozenten)"

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Muster einer Erklärung und Empfangsbestätigung des Studenten / der Studentin bei Empfang der korrigierten Arbeit.

1. Ich erkläre, daß ich meine anliegende schriftliche Arbeit zur LV ...... im SS / WS ............ eigenständig und ohne fremde Hilfe verfaßt habe.

2. Ich bestätige den heutigen Empfang der mit Korrekturen versehenen Arbeit und der obigen schriftlichen Gesamtbewertung des Dozenten.

3. Ich werde die korrigierte Arbeit mit ihrer Bewertung pflichtgemaß bis zum Prüfungsabschluß meines Studiums unverändert aufbewahren und der Universität im Bedarsfalle vorlegen.

Ort, Datum

(Unterschrift)


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