Kap. 2: Zu den Formen antiker Astronomie und wissenschaftlicher Geographie.

INHALT

1. Frühe Formen der Weltkenntnis im Altertum. Die geprüfte und ungeprüfte Kunde von weit entfernten, fremden Gebieten der Erde in Reiseberichten und Gerüchten.

2. Verdichtung der Verkehrsbeziehungen und Siedlungsverhältnisse im mediterran-vorderorientalischen Raum im Laufe der antiken Geschichte und ihre Konsequenzen.

3. Systematische Entdeckungsreisen und herrschaftlich organisierte Expeditionen in Grenzräume. Methodisch konzipierteLänder- und Völkerbeschreibungen.

4. Typen und Entwicklungsformen der antiken Vorstellungen von der Lage der Welt im Kosmos. Mathematische Formen der Astronomie und der Erdvermessung.

5. Literatur, Medien, Quellen.

1. Frühe Formen der Weltkenntnis im Altertum. Die geprüfte und ungeprüfte Kunde von weit entfernten, fremden Gebieten der Erde in Reiseberichten und Gerüchten.

Frühe, in religiös-mythologischen Texten, in Reisebeschreibungen oder Epen literarisch belegbare Vorstellungen des vorderorienralisch-mediterranen Altertums über Gestalt und Lage der bewohnten und unbewohnten Erde Welt im Kosmos finden sich im altägyptischen, assyrisch-babylonischen, alttestamentarisch-biblischen oder altgriechischen Bereich. Als Beispiele lassen sich etwa erörtern: der Bericht des Ägypters Sinuhe von seinem Exil in Kanaan (20. Jht. v. Chr.), die sog. 'babylonische Weltkarte' (spätestens des 6. Jht. v. Chr., aber auf frühere Quellen zurückgehend), Aussagen des biblischen Genesis-Buchs über die Weltschöpfung (Kap. 1, 6 - 9) und die Sintflut (Kap. 6 - 10); beides redigiert im 5. Jht. v. Chr., aber aus älteren, auch babylonischen Quellen stammend) oder die Odyssee Homers (auf Dichtungen vermutlich des 8. Jht. v. Chr.zurückgehend). Diese Vorstellungen haben trotz ihrer unterschiedlichen Charakters dennoch gewisse Züge miteinander gemeinsam. Sie sehen die Erde einmal ein scheibenartige Fläche, überwölbt von einer Himmelssphäre und unterbaut von einer Unterwelt. In der Mitte der Erdfläche befindet sich das feste Land der bewohnten Erde. Diese wird umrandet ist von einem umfassenden Weltmeer, an dessen anderem Ufer unbekannte, von klimatisch, landschaftlich und was die Lebenswelt betrifft, seltsamen Verhältnissen geprägte Regionen angenommen werden; auch der Zugang zur Unterwelt pflegt dort vermutet zu werden. Zum anderen erscheint das Ausmaß der bvekannten, bewohnten Erde - aus heutiger Perspektive - jeweils relativ klein. Im Bericht Sinuhes etwa ist schon das - zu seiner Zeit nomadisch bewohnte - Kanaan ein von seiner Heimat Ägypten weit entfernte Weltregion. In der 'babylonischen Weltkarte' finden nur Mespotamien und die unmittelbar angrenzenden Regionen dargestellt. Das Epos 'Odyssee' benennt zwar mancherlei Orte des gesamten Mittelmeer- und Schwarzmeerrbereichs, aber dies nicht selten in einer Weise, die sie mehr den Rändern der Welt , zui mindest aber unbekannten und vielfältig wundersamen oder auch schrecklichen Teilen der bewohnten Erde zuordnet. Die 'Völkertafel' des Genesis-Buchs der Bibel (Kap. 10) umfaßt immerhin einen geographischen Bereich der von Italien (Tyras) und Griechenland (Jawan) bis Iran (Madai, Elam) und von Kleinasien (Lud, Togarma) bis Oberägypten (Kusch), Äthiopien (Chawila) und Südarabien (Saba) reicht.

Eine babylonische Weltkarte

a) in ihrer archäologisch aufgefundenen Tontafelform und deren Umzeichnung und deutschen Beschriftung,

b) in wissenschaftlicher Edition der Zeichnung und des keilschriftlichen Textes.

c) Rekonstruktion des zu der 'babylonischen Weltkarte' gehörenden Weltbildes.

Zu a) Originale Keilschrift-Tafel (zwischen 9. und 6. Jht. v. Chr.) mit mythologischem Text nicht ganz genau bestimmbaren Inhalts (Standort heute British Musuem, London) und sachlich interpretierende und ergänzende deutsche Umzeichnung und Übersetzung (nach Unger). Beide Kartenbilder entnommen aus: Großer Historischer Weltatlas. Hg. vom Bayerischen Schulbuch-Verlag, I. Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1972 5, S 12. - Zu b) Abb. entnommen aus: Cuneiform Texts from Babylonian Tablets in the British Museum, Part XXII, Hg. von E. A. Wallis Budge, (1906) ND London 1966, Plate 48, Nr. 92687. - Zu c) Abb. entnommen aus: Petra Eisele, Babylon, Bern, München 1980, S. 262 ff. (264). - Wiss. Edition des Keilschrifttextes zuerst: F. E. Peiser, Eine babylonische Landkarte, Zeitschrift für Asyyriologie und verwandte Gebiete 4 (1898; S. 361 - 370; weitere wiss. Erörterungen siehe auch: Rykle Borger, Handbuch der Keilschriftenliteratur, Bd. 1, Berlin 1966, S. 554.

An den 'babylonischen Weltkarte' tritt die Eingentümlichkeit eines Bildes von einer Erdfläche, wie es nicht nur im mesopotamischen Bereich, sondern auch auch in anderen Regionen des Altertums verbreitet war und auch später stets neben einem sphärischen Erdmodell Geltung behauptete - bis hin zu der nachantiken religiösen Tradition des Judentums und des Christentums - in plastischer Anschaulichkeit hervor. Wesentlich daran ist allerdings auch die Vorstellung einer 'Oberwelt' und einer 'Unterwelt' sowie einer geschlossenen Einheit des Weltalls.

Mären von seltsamen Völkern, menschenähnlichen Wesen, grausamen Monstern in unbekannten Weltregionen und vom Totenreich am Rande der Welt. Aus der Odyssee Homers 9, 85 - 142, 11, 1 - 22 und 12, 36 - 114.

Deutsche Übersetzung: Homer, Odyssee, verdeutscht von Thassilo von Scheffer, Wiesbaden, um 1955; S.140 f., 177, 200 - 203. Griechischer Textauszug (Odyssee, 9, 85 - 142) aus: W. Dindorf (Ed.), Homeri Odyssea,Leipzig 1879 4, S. 131 - 133.

Zu den topischen Eingentümlichkeiten der Vorstellungen über unbekannte Länder und Völker gehört im allgemeinen die Annahme von Wundern und Schrecknissen dort. Die Struktur solcher Annahmen beleuchten exemplarisch die vielen märchenhaften Erzählungen über 'unbekannte' Länder und Völker in der 'Odysse' Homers. Das Muster des zugleich Schrecklichen und Wundersamen in Erzählungen über Randbereiche oder sonst unebkannte Länder der Oikumene finden sich aber auch etwa bei Hereodot und in späteren geographisch-ethnographischen Textquellen der Antike immer wieder. Es dürfte sich hier um einen - über den Bereich der Antike hinaus bedeutsamen, in der menschlichen Erkenntnisstruktur angelegten - 'universellen' Typus kollektiver und individueller kongnitiv-vorurteilshafter Reaktion auf unbekannte, 'geheimnisvolle' Gegenständen der Erkenntnis handeln.

2. Verdichtung der Verkehrsbeziehungen und Siedlungsverhältnisse im mediterran-vorderorientalischen Raum im Laufe der antiken Geschichte.

Für die Zunahme der allgemeinen Kenntnis sowohl über Länder und Völker auf der Erde als auch über die Gestalt der Erde als Teil des Kosmos waren verschiedene altertumsgeschichtliche Entwicklungsmomente förderlich, in deren Folge Anstöße zu neuartigen Erkenntnisinteressen und Vorstellungen entstanden. Schon die Verkehrsbeziehungen - vor allem die zur See - und die weiträumigen Völkerbewegungen der Bronzezeit gingen räumlich zumindest objektiv weit über den Bereich des noch zu Beginn des 1. Jahrtausend v. Chr. üblichen Grenzen allgemeiner Kenntnis von der bewohnten Welt hinaus.

Ein dauerhafte Ausdehnung und Verdichtung der Verkehrsbeziehungen und Siedlungsverhältnisse im mediterran- vorderorientalischen Raum mit entsprechenden allgemeinen Wissenserweiterungen erfolgte dann aber mit den an die Völkerwanderungen des 2. Jts. v. Chr. anschließenden längerfristigen Prozessen der phönizischen und der griechischen Kolonisation zwischen dem 11. und dem 6. Jht. v. Chr. und mit der großräumigen Vereinheitlichung der Herrschaftsverhältnisse im Nahen Osten seit dem 8. Jht. v. Chr. unter assyrischer, später babylonischer, perisch-achämenidischer und hellenistischer Herrschaft. Deutlicher Ausdruck dieser auch kulturell bedeutsamen Ausdehnung und Verdichtung der 'bekannten Oikumene' ist die Verbreitung der Aplphabetschrift im Nahen Osten und im Mittelmeerraum - und darüber hinaus - seit Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr.

3. Systematische Entdeckungsreisen und herrschaftlich organisierte Expeditionen in Grenzräume. Methodisch konzipierte Länder- und Völkerbeschreibungen.

Übung 2 a.

AUFGABEN:

Prüfen Sie den im folgenden wiedergegebenen Text unter folgenden Aspekten:

a) Welche Kenntnisse von der bewohnten Welt und ihren Grenzen spiegelt der Text? Welcher Zeit würden sie ihn deshalb zuordnen?

b) Versuchen Sie, aufgrund der Textangaben eine Skizze des Weltbildes des Autors Herodot zu zeichnen.

c) Wie stellt sich Herodot das Gefüge der Völker auf der bewohnten Welt vor?


Die genannten Momente des allmählichen Zusammenwachsens einer immer größer werdenden - wenn auch am Ende der Antike noch nur einen Teil des eurasischen und des afrikanischen Kontinents umfassenden - 'Oikumene' haben einmal ein Folge von Entdeckungsunternehmen und zum anderen - erkennbar vor allem im griechischen Bereich - systematische Erkenntnisbemühungen zur Folge gehabt, das verfügbare Wissen über die Erde zu sammeln, auf seine Richtigkeit zu prüfen, d. h. von spekulativen oder mythologischen Elementen abzugrenzen und in dieser Form interessierten Obrigkeiten und reisend-geschäftstätigen Privatleuten zugänglich zu machen Es handelt sich aber auch um 'rein wissenschaftliche Erkenntnisinteressen' im Sinne einer seit dem 6. Jht. imSchoße der griechischen ('ionischen') Naturphilosphie und der späteren 'Sophistik' sich entwickelnden antik-wisenschaftlichen 'Geographie' und 'Kosmologie'.

Die Entdeckungsunternehmen führten möglicherweise schon um 600 v. Chr. zu einer Afrika-Umseglung im Auftrage des Pharao Necho vom Roten Meer aus (Herodot, hist. 4, 42) und später zu einer Küstenfahrt des Karthagers Hanno an der westafrikanischen Küste entlang bis in die Nähe des Äquators (Periplus Hannonis, in: Geographi Graci Minores I, 1 - 14). Die Eroberung des Achämendienreiches durch den Makedonenkönig Alexanders führten im letzten Drittel des 4. Jhts. v. Chr. zu einer Flottenexpedition des Nearchos an der indischen Küste entlang (Arrian, Indica 20 - 41). Pytheas von Massilia unternahm in ungefähr derselben Zeit eine Schiffsexpedition in Richtung der Atlantikküsten des nördlichen Europa, die möglicherweise bis nach Island führte (Kommentierte Fragmente des Berichts des Pytheas, ed. H. J. Mette, Pytheas von Massilia, 1952).

Ausdruck einer auf Eigenbeobachtungen reisender Autoren und kritischer Würdigung von Gewährsleute-Berichten beruhenden Wissensammlungstätigkeit sind eine seit dem 7. Jht. v. Chr. entstehende literarische Gattung der Reiseliteratur ('Periplus'- bzw. 'Perihegesis'-Literatur) und Versuche, umfassende Erdkarten zu entwerfen, für die als Beispiele die rekonstruierbare Erdkarte des Hekataios (um 500 v. Chr.; Fragmenta Historicorum Graecorum 1 F 36 - 372; Herodtot, hist. 4, 36, 2) und die geographisch-ethnographischen Anteile (zusammen etwa ein Drittel) der 'Historien' des Herodot (Mitte des. 5. Jht.) gelten können.

Die mehr oder weniger singulären Ergebnisse von Expeditionen in sehr weit entfernt vom Mittelmeerraum liegende Regionen waren wegen des Glaubwürdigkeitsproblems in der Antike immer bis zu einem gewissen Grade umstritten, bis seit dem Ende des 5. Jhts. der eigentliche Erkenntnisfortschritt über die Gestalt der Erde und der Landflächen auf ihr im Bereich der mathematisch-atronomischen Erdbetrachtung stattfand und bisher Unglaubliches zumindest zu begründeten Hypothesen machen konnte.

Übung 2 b.

AUFGABEN:

Prüfen Sie den im folgenden wiedergegebenen Text unter folgenden Aspekten:

a) Welche Theorie über Bewegung und Lage der Erde im Kosmos begründet Aristoteles?

b) Mit welchen gegenläufigen Theorien setzt er sich auseinander?

c) Wie würden Sie die Methode seiner Theoriebildung charakterisieren?


Mit der wissenschaftlichen Sammlung und Sichtung von Informationen über verschiedene Örtlichkeiten einer im Verlaufe der Antike nach Länge und Breite immer größer werdenden bekannten 'Oikumene' stellten sich schon relativ früh Fragen nach der widerspruchsslosen Erklärung der an verschiedenen Orten der Welt unterschiedlich in Erscheinung tretenden Himmelsphänomene. Damit wurden auch einige ursprünglich vorherrschende Vorstellungen von der Lage und Gestalt einer Erdscheibe im Kosmos fraglich.

Die Beobachtung verschiedener Sonneneinstrahlungswinkel an verschiedenen Örtlichkeiten auf der Eroberfläche am selben Jahrestage zur selben Uhrzeit oder der Eintritt von Sonnenfinsternissen an verschiedenen Orten zu unterschiedlicher Uhrzeit eines Tages führten im Laufe der Zeit u. a. zur Erschließung einer Kugelgestalt der Erde (um 400 v. Chr.) und sogar zu einer annähernd zutreffenden Berechnung ihres Umfangs.

Die Annahme einer sphärischen Gestalt der Erde führte geographisch zu der Erkenntnis hin, daß die bekannte Oikumene allenfalls auf einer Hälfte der nördlichen Erdkugel liege und daß folglich die drei anderen Viertel der Erdoberfläche unbekannt seien. Dies warf u. a. notwendig die Frage auf, ob dort ebenfalls Menschen wohnten.

Aus der Annahme einer Kugelgestalt der Erde ergaben sich aber auch Frage nach der Richtigkeit bisheriger kosmologischer Vorstellungen über den die Erde und den 'Himmel': Wo wohnen die Götter, und wie sind sie beschaffen, wenn die Erde rund ist? Ist die Erde - als Inbegriff einer 'götterfern' und 'geistlos' gedachten 'Materie' - die Mitte - und somit offenbar das Wichtigste - des Kosmos? Wenn sie die Mitte ist, was hält sie in dieser Mitte fest? Was führt ferner dazu, daß entweder sie sich seltsamerweise dreht oder aber - noch seltsamer - das ganze All um sie herum ?

Wenn man von der Himmelssphäre, wie etwa in der Antike zunächst und auch späterhin üblich (pythagoräische Lehre), als einem Bereich größter rationaler Regelmäßigkeit und Harmonie ausging, so stellte sich die Frage nach dem Grund dafürt, warum die Zahl der Tage eines Monats odre eines Jahres nicht restlos in deren zeitlicher Dauer aufging oder warum die sich von den 'Fixsternen' auffällig unterscheidenden Planeten ('herumirrende' Sterne) in der Antike nie ganz angemessen und genau kalkulierten Bahnen bewegten.

Solche grundlegenden Fragen mußten Bedeutung auch für die Entwicklung neuer religiöser oder philosophischer Denkweisen über das All, die Gottheit und die Menschheit gewinnen, ähnlich wie später, in der frühen Neuzeit, die Aufgabe der aus der Antike stammenden geozentrischen Perspektive auf das All Fragen nach der Religion und dem Selbstsbewußtseins der Menschen i. S. einer Relativierung ihrer Bedeutung provozierten.

Die rekonstruierte Erdkarte des Hekataios (um 500 v. Chr.)

und

das aus den 'Historien' rekonstruierbare Bild Herodots von der Oikumene (Mitte dea 5. Jhts.).

Karten entnommen aus: Großer Historischer Weltatlas, hg. vom Bayrischen Schulbuchverlag, Erster Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1972, S. 12 und 21.

4. Typen und Entwicklungsformen der antiken Vorstellungen von der Lage der Welt im Kosmos. Mathematische Formen der Astronomie und der Erdvermessung.

Die theoretischen Anschlußfragen, die mit der Kugelgestalt der Erde zusammenhängen, hat schon Aristoteles eingehend erörtert. Er hat dabei - bei aller wissenschaftlich-scharfsinnigen Dialektik der Auseinandersetzzung mit verschiedenen anderen diesbezüglichen Positionen seiner Zeit - nicht den grundsätzlichen Irrtum einer geozentrischen Perspektive auf das All vermeiden können, vor allem deshalb, weil sich der Fixstternhimmel von allen zu Aristoteles Zeit und in der späteren Antike erreichbaren Positionen der Oikumenestets als gleichmäßig, d. h. ohne damals meßbare Winkelverschiebungen und -distanzen der Verbindungslinien zwischen den Fixstrenen darstellte ('Parallaxen-Meßprobem'). Immerhin wurde zu seiner Zeit aber die Möglichkeit eines heliozentrischen Strenensystems bedacht, und Aristoteles erwähnt sie in seinen 'Meteora'.

Von solchen - für die menschliche Erkenntnis mit ihrer sowohl axiomatischen als auch empirischen Irrtumsanfälligkeit exemplarischen - grundsätzlichen Fehleinschätzungen abgesehen ist es in der Antike aber auch zu vielfältigen, annährend richtigen astronomischen und geographischen Erkenntnissen gekommen. Zu letzteren gehört die Berechnung des Erdumfangs, eine gewiß beachtliche und, wie die nachantike Geschichte der geographischen Entdeckungen zeigt, auch praktisch folgenreiche Leistung.

Die Berechnung des Erdumfangs. Aus Kleomedes, Kreistheorie der Gestirne, Buch 1, Kap. 10.

Dt. Übersetzung: A. Czwalina, Kleomedes, Die Kreisbewegung der Gestirne, Leipzig 1927, S. 33 - 36. Griech. Textauszug (Kleomedes, Meteora 1, 10, 52 f.) mit lat. Übersetzung: Cleomedis De motu circulari corporum caelestium libri II, ed. H. Ziegler, Leipzig 1891; S. 96 f.

Auch die Konzeption, alle bekannten Orte auf der Welt in einem von Hipparch (2. Jht. v. Chr.) entworfenen System von 360 Längen- und 180 (179) Breitengraden und ausgehend zumindest von einigen zuverlässigen astronomischen Längen- und Breitenbestimmungen zu lokalisieren und auf dieser Basis distanz-, winkel- und flächengetreue Weltkarten zu entwerfen, gehört zu den zukunftsweisenden Projekten des Altertums, auch wenn die erste in dieser Absicht entworfene Weltkarte des Eratosthenes (2. Jht. v. Chr.) neben den vielen kleinen auch einige grundsätzliche - allerdings fast unvermeidliche - Fehler aufweist.

Dasselbe gilt für den Höhepunkt der in dieser Hinsicht erreichbaren antiken Leistungen, die Weltkarte des Ptolemäus (2. Jht. n. Chr.). Im Hinblick auf tatsächlich vorgenommene Messungen und gegebene Berichte von Gewährsleuten enthält sie viele Fehler. Generell -meßtechnisch - z. B. was die Längenbestimmung von Orten gegenüber einem Nullgrad-Meridian am westlichen Rande der Oikumene ('Säulen des Herakles' / Straße von Gibalter oder 'Insulae Fortunate / Kanarische Inseln) stand die antike Wisaenschaft vor kaum lösbaren Problemen..

Höhepunkt der Entwicklung antiker geographischer Kenntnis: Ptolemäus. Skizze einer Erdkarte nach seinen Angaben in der 'Geographike Hyphegegsis'.

Karte entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. von H. E. Stier u. a., München 1990, (Neuauflage: Braunschweig 1997), S. 34.

6. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

M. Cary, E. H. Warmington, Die Entdeckungen der Antike, Zürich 1966.

J. O. Thompson, History of Ancient Geography, Cambridge (1948 ), New York 1965.

H. Berger, Geschichte der wissenschaftlichen Erdkunde der Griechen, Leipzig 19032.

E. Olshausen, Einführung in die historische Geographie der Alten Welt, Darmstadt 1991.

H. B. Harby, David Woodward, The History of Cartography, 2 Bde., Chicago, London 1986.

Richard Hennig, Terrae incognitae. Eine Zusammenstellung und kritische Bewertung der wichtigsten vorkolumbianischen Entdeckungsreisen anhand der darüber vorliegenden Originalberichte, 4 Bde., Bd. 1 (Altertum bis Ptolemäus), Leiden 1944, und Bd. 2 (200 - 1200) Leiden 1950 2.

Arpad Szabo, Das geozentrische Weltbild. Astronomie, Geographie und Mathematik der Griechen, München 1992.

Karl Vorländer, Geschichte der Philosophie mit Quellentexten. Auf Grundlage der verschiedenen Bearbeitungen von E. Metzke, H. Knittermeyer, E. Grassi und E. Kessler neu herausgegeben von H. Schnädelbach u. a., Bd. 1: Altertum. Durchgesehen und mit einem Nachwort versehen von M. Forschner, Hamburg 1990.

Gustav Adolf Seeck (Hg.), Die Naturphilosophie des Aristoteles (Beiträge zahlreicher Autoren zu einzelnen von Aristoteles bearbeiteten Fachgebieten, einschließlich der Astronomie/Kosmologie - S. 93 ff., 114 ff., 219 ff).

H. G. Nesselrath (Hg., unter Mitwirkung zahlreicher Wissenschaftler), Einleitung in die griechische Philologie, Stuttgart und Leipzig 1997, S. 567 - 582 (Alfred Stückelberger, Die Fachwissenschaften; u. a. zusammenfassende Ausführungen über antike Astronomie und Geographie).

Wolfgang Hübner (Hg.), Geschichte der Mathematik u d Naturwissenschaften in der Antike,bisher 2 Bde., Bd. 2: Geographie und verwandte Wissenschaften, Stuttgart 2001 (bevorstehend).

W. Schmid, O. Stählin, Geschichte der griechischen Literatur, HdA VII. Abt., Teil 1, ND München 1946 - 1959, Bd. 1, S. 74 ff. (Epik, einschl. Homer und Hesiod), S. 708 ff.( frühe Geschichtsschreibung), S. 714 ff. (Ionische Naturphilosophie), S. 760 ff. (Wissenschaften, einschl. Mathematik und Astronomie); Teil 1, Bd. 2, S. 550 (Geschichtsschreibung des frühen 5. Jht., speziell Herodot)).

W. v. Christ, O. Stählin, W. Schmid, Geschichte der griechischen Literatur, HdA VII, Teil 2, ND München 1966 - 1971, Bd. 1, S. 204 ff., 383 ff.ff. (Geschichtsschreibung, Beschreibende Geographie, Naturwissenschaften in hellenistischer und römisch geprägter Zeit, einschl. Eratosthenes, Poseidonios, Polybios und Strabon); Teil 2, Bd. 2., S. 806 ff. (Philosophie und Wissenschaften, einschl. Mathematik und Astronomie, etwa Ptolemaios und Kleomedes)

M. Schanz, C. Hosius, Geschichte der römischen Literatur, HdA VIII, 4 Teile, ND München 1966 - 1971, Teil 1, S. 552 ff. und Polyhistoriker und Geographen, einschl. Varro) ; Teil 2, S. 287 ff. (Universalhistoriker, Geographen, Kartenwerke, Bibliothekare), S. 386 ff. (Vitruv), S. 580 ff. (Historiker und Geographen, einschl. Tacitus), S. 768 ff. (andere Fachschriftsteller, u. a. Plinius d. Ä.); Teil 3 , S. 48 ff. (Historiker, Philosophen und Fachgelehrte im 2., 3 und beginnenden 4. Jh. n. Chr. beginnende christlich-theologische Literatur; nur in einigen Aspekten für das Skript-Thema interesant, z. B. mit einer Schrift des Apileius von Madaura 'De caelo') ; Teil 4, Bd. 1, S. 47 ff. (Historiker und Geographen, einschl. Ammianus Marcellinus): Bd. 4, 2, S. 166 ff. (Enykolpädistem, einschl. Martianus Capella), S. 360 ff. (Christli. Lit., einschl. Augustinus und seiner philospohischen Schriften).

Medien:

dtv-Lexikon der Antike, Philosophie-Literatur-Wissenschaft, Bd. 1, München 1970 2, s. v. 'Astronomie', S. 208 f.

Großer Historischer Weltatlas, hg. vom Bayrischen Schulbuchverlag, Erster Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1972, S. 12 und 21.

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. von H. E. Stier u. a., München 1990, (Neuauflage: Braunschweig 1997), S. 11, 22 und 34.

Petra Eisele, Babylon. Die archäologische Biographie der größten, berühmtesten und verrufensten Metropole des Altertums - zugleich 'Pforte der Götter' und 'Große Hure', Berlin, München 1980, S. 264.

Quellen:

'Babylonische Weltkarte': Cuneiform Texts from Babylonian Tablets in the British Museum, Part XXII, Hg. von E. A. Wallis Budge, (1906) ND London 1966, Plate 48, Nr. 92687; Übersetzung und Kommentierung: E. Peiser, Eine babylonische Landkarte, Zeitschrift für Asyyriologie und verwandte Gebiete 4 (1898; S. 361 - 370.

W. Dindorf (Ed.), Homeri Odyssea,Leipzig 1879 4. Deutsche Übersetzung: Homer, Odyssee, verdeutscht von Thassilo von Scheffer, Wiesbaden, um 1955 (S.140 f., 177, 200 - 203).

Herodotus, Historiae, ed. Haiim B. Rosén, 2 Bde., Leipzig 1987. Dt. Übersetzung: Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von H. W. Haussig. Mit einer Einführung von W. F. Otto, Stuttgart 1979.

Platon, Protagoras (320 D - 322 D). Dt. Übersetzung: Platon, Protagoras. Deutsch- Griechisch, Übersetzung und Kommentar von H. W. Krautz, Stuttgart 1987.

Aristoteles, Meteora (2. Buch, 292 b 28 - 298 a 15). Dt. Übersetzung: Olof Gigon (Übersetzer und Herausgeber), Aristoteles, Vom Himmel. Von der Seele. Von der Dichtkunst, (1950) München 1983.

Aristoteles, Politik, 1256 a 20 - 1256 b 7. Dt. Übersetzuung: Eugen Rolfes, Aristoteles, Politik, Übersetzzung mit erklärenden Anmerkungen. Einleitung von G. Bien, Hamburg (1981) ND 1990.

Cleomedes, Caelestia (Meteora) , ed. R. B. Todd, Leipzig 1990.

Cleomedis De motu circulari corporum caelestium libri II, ed. H. Ziegler (mit lat. Übersetzung), Leipzig 1891.

A. Czwalina, Kleomedes, Die Kreisbewegung der Gestirne, Leipzig 1927.

Cléomède, Théorie élémentaire, traduit et commenté par R. Goulet, Paris 1980.


LV Gizewski SS 2001

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)