Kap. 5: Die antike Fortentwicklung systematischer Darstellungen über Menschen und Länder (am Beispiel Strabos und Plinius).

INHALT

1. Theoriewandel und Erkenntnisgewinn in der Länder- und Völkerbeschreibung zwischen der Zeit Herodots und der römischen Spätantike.

2. 'Geographika' bei Strabon.

3. 'Naturalis Historia' bei Plinius d. Ä.

4. Literatur, Medien, Quellen.

1. Theoriewandel und Erkenntnisgewinn in der Länder- und Völkerbeschreibung zwischen der Zeit Herodots und der römischen Spätantike.

Übung 5

AUFGABEN:

a) Die nachfolgenden Textauszüge lassen neben vielen interessanten Details auch grundsätzliche kosmologische und kulturanthropologische Auffassungen ihrer Autoren und ihrer Epoche erkennen. Wie würden Sie sie charakterisieren, und wo liegen evtl. ihre Erkenntnisgrenzen?

b) Die Texte enthalten ferner verschiedenartige Hinweise auf politische Momente, die zu einer Erweiterung geographischen Wissens über die Oikumene vor und während der römischen Herrschaft geführt haben. Um welche handelt es sich?

c) Inwieweit halten Sie die im folgenden wiedergegebenen Angaben über die Völker der 'Randgebiete der Oikumene' für glaubhaft?


Faßt man die wichtigeren Momente, die seit der Zeit Herodots (Kap. 4) Einfluß auf die Entwicklung der antiken Länder- und Völkerberschreibung nehmen, welche wir wir im Imperium Romanum vorfinden, zusammen, so geht es um folgende.

An erster Stelle ist die etwa Ende des 5. Jhts. v. Chr. gelungene astronomische Erschließung der Kugelgestalt der Erde zu nennen. Aus dieser Erkenntnis ergaben sich Konsequenzen einmal für die Zielrichtung öffentlicher und privater Explorationsexpeditionen; denn wenn man davon ausgehen mußte, daß die bekannte bewohnte Erde sich auf der Nordhalbkugel befand und nur eine knappe Hälfte der 360 Längengrade nach dem hipparchischen Gradsystem überdeckte, so mußte sich die Frage nach den 'Grenzen der Welt' auf dieser Basis in neuartiger Weise stellen: Wieweit konnte man in Asien, Afrika und Europa auf dem Landwege gelangen? Wie sahen die bisher unbekannten Küsten im Norden, Osten und Süden Asiens und im Süden Afrikas aus. Gab es bewohnte Gebiete jenseits dieser Küsten auf anderen Erdflächen, etwa im Süden der Erdhalbkugel eine'terra australis'? Auch die Frage nach neuen zweckmäßigen Linien außermediterranen Meeresschiffsverkehrs etwa nach Indien oder in den Norden Europas mußte sich auf dieser Basis neu, weil rationaler und planbarer gegenüber der früheren Annahme eines gefahrvollen Randmeeres der bewohnten Welt, stellen.

Zum anderen ergaben sich aus der Erkenntnis der Kugelgestalt der Erde Schlußfolgerungen auch für die innere Struktur einer geographischen Wissenschaft selbst. Aus der bisher üblichen, 'herodoteischen' Form der 'perhihegetischen Historie' entwickelte sich - nach aristotelischem Muster - eine dialektisch-philosophisch begründete Spezialwissenschaft, nämlich die 'Geographie', und innerhalb dieser einerseits ein spezieller astronomisch-mathematischer Wissenschaftsweig, welcher die Bestandaufnahme von Ortsbestimmungen auf der Erde nach Längen- und Breitengraden zu seiner Hauptaufgabe machte, und ein andererseits ein solcher, der in systematisch-wissenschaftlicher Intention Länder- und Völkerbeschreibung (Chorographie, Ethongraphie) als Fachgebiet des Wissens fortentwickelte. Bei der enyklopädischen Bildung vieler antiker Schriftsteller, die sich mit Geographie befaßten, wurden diese Richtungen zwar nicht streng voneinander getrennt. Aber als Schwerpunktbildungen in der Konsequenz des veränderten Weltbildes sind sie deutlich erkennbar.

Auch die Erweiterung des unbestrittenen Wissens über Länder und Völker infolge von Expeditionen, vor allem solcher militärischer Art, war beachtlich. Während der Bericht von der Expedition des Pytheas von Masslia an die Küsten Nordeuropas ('Perihodos') in seiner Richtigkeit bezweifelt wurde, weil er behauptete, er habe eine Route zurückgelegt, die ihn an den Küsten Nordeuropas entlang bis zum Don geführt habe, ergaben sich unbezweifelbare oder jedenfalls festere Kenntnisse Mitteleuropas in der Folge der Kriegfführung Caesars in Gallien im 1. Jht. v. Chr. ; sie richteten den allgemeinen Blick deutlicher auch auf Britannien und die rechtsrheinischen, damals noch von Kelten und Germanen bewohnten Gebiete Europas. Die Germanien-Feldzüge der augusteischen und folgenden Kaiserzeit und die Unterwerdung Britanniens im 1. Jht. nach Chr. trugen zu ständigen Erkenntniszuwächsen bei.

Im Osten der antiken Oikumene wurden schon mit dem Kriegszug Alexanders verschiedene größere geographische Zugewinne der Erkenntnis möglich. Alexander selbst stieß zwischen 331 und 325 v. Chr. durch die verschiedenen Landschaften des Iran bis in das das westliche Zentralasien und das Industal vor. Die Flottenfahrt des Nearchos um 325 v. Chr. erkundete die Indusmündung und den Seeweg zwischen dort und dem Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris durch den Persischen Golf. (Arrian, Indica 20 - 41). Der Bericht des Megatshenes, welcher um 300 v. Chr. in diplomatischem Auftrag von dem ersten seleukidischen Herrscher Seleukos I. an den Königshofof des damaligen indischen Maurya-Reichs gesandt wurde, beschrieb aus eigener Kenntnis Landschaften, Städte und Lebensweisen wohl im Indus- und im westlichen Gangesgebiet, sammelte darüber hinaus aber auch Informationen über die anderen Teile Indiens (Fragmenta Geaecorum Historicorum, ed. F. Jacoby, 719). Auf die Handelsinteressen des Ptolemäerreichs geht der von diesem geförderte Handel mit Südarabien über das Rote Meer und von da weiter mit der westindschen Küste bis hin nach Ceylon zusammen. Diese führte zu einer weiteren Verfeinerung der Land- und Meereskenntnisse in dieser Weltregion.

Seit dem 1. Jht. v. Chr. kam eine dauernde Landverbindung des Levantebereichs mit China auf der sog. 'Seidenstraße' zustande, die sowohl in chinesischen (siehe dazu etwa: Besprechung von: Michael Kordosis, China and the Greek World. An Introduction to the Greek-Chinese Studies) als auch in antiken Quellen (Ptolemaios, 2. Jht. n. Chr.) Erwähnung findet. An Ptolemaios Darstellung eines auf dem Landwege erreichbaren fernöstlichen Gebietes 'Serike' und eines solchen mit Namen 'Sinai' ergibt sich aber, daß der Zusammenhang der ostasiatischen Landverhältnisse zu dieser Zeit erst ansatzweise erkennbar wurde. Erst im frühen Mittelalter kamen intensivere und direktere Kontakte zwischen Ostasien und dem mediterranen Bereich zustande, nachdem das Sassanidenreich in der islamischen Expansion unterging und nicht mehr - wie vor ihm auch das Partherreich - die Ostasienkontakte und -kenntnisse für den Landweg monopolisieren konnte.

Die Schriften Strabons und Plinius d. Ä. liegen in der zeitlichen Mitte dieser Gesamtentwicklung seit Herodot . Beide sind Werke einer systematischen Völker- und Länderbeschreibung vor, bei der das astronomisch-mathematische Element zwar nicht im Mittelpunkt steht, aber doch berücksichtigt wird, bei Strabon sogar ausführlicher. Andererseits handelt es sich doch schwerpunktmäßig um chrorographisch-deskriptiver Bestandsaufnahmen der bekannten bewohnten Erde: bei Strabon um eine nach Kontinente und Kontinentteilen gegliederte Landflächen-Deskription in der Tradition der wissenschaftlichen 'Chorographie' ('Geographika'), bei Plinius dem Älteren um die Beschreibung dder bewohnten Oikumene als Teilsapekts einer Beschreibung der gesamten Lebens- und Stoffe-Welt auf der bekannten Erde ('Naturalis Historia').

2. 'Geographika' bei Strabon.

Zu Bildungsvoraussetzungen und Nutzen des wissenschaftlichen Fachgebietes Geographie; Geographica 1, 1, 12 - 22 in starker Kürzung.


Geographischer Erkenntnisfortschritt als Grund für Strabons Publikation; Geographika 1, 2, 1.


Auseinandersetzung mit Eratosthenes Weltkarte und deren wissenschaftlichen Opponenten; Geographika 2, 1, 1 - 5; stark gekürzt.

Eratosthenes Weltkarte in einer Rekonstruktion aufgrund der Angaben in Strabon, 2, 1, 1 ff.; siehe Kap. 1 und P. 2 (Übung 1 a) und Kap. 2, unter P. 4.


Charakterisierung eines Erdteils; hier Europas; Geographika 2, 5, 26.


Beschreibung von Orten; hier Kassiteriden-Inseln [Scilly-Islands] und Monoikos [Monacco]; Geographika 3, 5, 11 und 4, 6, 2 f.


Beschreibung von Sitten und Gebräuchen; hier bei den germanischen Kimbern - Geographika 7, 2, 3 f.- und bei den Indern - Geographika 15, 1, 39 - 59 in starker Verkürzung.


Textauszüge aus Geographika: 1, 1, 12 - 22; 1, 2, 1; 2, 1, 1 - 5; 2, 5, 26; 3, 5, 11; 4, 6, 2 f.; 7, 2, 3; 15, 39 - 59, teilweise in starker Kürzung. Dt. Übersetzung von Christian Gizewski auf Basis der griechischen Textedition: The Geography of Strabo. With an English Translation, by Horace and Leonard Jones, 8 Bde, London, Cambridge (Mass.) 1949, unter Mitverwendung von: Strabon, Erdbeschreibung in 17 Büchern, übersetzt von Christoph Gottlieb Groskurd, 4 Teile, (1831) ND Hildesheim, Zürich, New York 1988. - Griechischer Textauszug (Geographika 2, 1, 1): Ed. H. and L. Jones, (w. o.) Bd. 1, S. 252.

Strabon aus Amaseia (ca. 64 v. Chr. - ca. 23 n. Chr.), einer angesehenen griechischen Familie des Pontos-Gebietes entstammend, mit den Möglichkeiten einer enzyklopädischen und philosophischen - in seinem Fall peripatetisch und stoisch geprägten - Bildung ausgestattet, seit d. J. 44 v. Chr. ständig in Rom lebend, hat sich sowohl auf dem Gebiet der Historie - mit einem uns nur in Exzerpten erhaltenen Werk über griechische Geschichte (ausführlich der Epoche zwischen d. J. 145 und seiner Zeit) - als auch auf dem Gebiete der Geographie als Autor bekanntgemacht. In der nach Fertigstellung des historischen Werkes im Jahre 20 v. Chr. etwa vier Jahrzehnte lang durchgeführten Arbeit an seinen 'Geographika Hypomnemata' ('Geographische Kommentare'; Abk.: 'Geographika') hat er Recherchen auf größeren Reisen - auch in Begleitung römischer Beamter -, das Sammeln von Reiseinformationen anderer und die kritische Auseinandersetzung mit den Arbeiten anderer auch auf dem Gebiete der Geographie publizierender prominenter Autoren, etwa des Eratosthenes (dessen Erdkarte uns durch das Werk Strabons in ihren wesentlichen Elementen überliefert ist) , Polybios, Hipparch oder Poseidonios, verbunden. Das geographische Werk umfaßt 17 Bücher, deren erste beiden eine Einführung in das Fachgebiet Geographie, eine grundsätzliche Auseinandersetzuzng mit den Arbeitsergebnisses und der Arbeitsweise anderer geographischer Autoren enthalten. Die Bücher 3 - 10 befassen sich mit dem europäischen Teil der Oikumene, die Bücher 11 - 16 mit Asien und Buch 17 mit Ägypten und Libyen. Die Untergliederung erfolgt primär nach großen Territorialflächen der Oikumene und darin befindlichen Landschaften; erst in diesem Rahmen werden Völker und Städte lokalisiert und kurz beschrieben. Aber auch über Landschaften, Erdteile und Naturphänomene ( wie die Nilschwenne) stellt Strabon zusammenfassende, charakterisiernde Überlegungen an. Er bemüht sich ferner, die neuen Erkenntnisse seiner Zeit, wie etwa die durch die Germanienexpeditionen des Germanicus oder die seit der römischen Eingliederung des Ptolemäerreichs verdichteten Indienkontakte seiner Zeit zugewachsenen Ortskenntnisse weiterzugeben. Dem Werk liegt eine philosophisch-enyklopädische Auffassung von der Geographie zugrunde: sie erscheint als universelles, nur mit guter allgemeiner, auch asrtonomisch-mathematischer, Bildung zugängliches Wissensgebiet. Zugleich betont Strabon ihren praktischen, insbesondere politisch-praktischen Bezug und Nutzwert.. Strabon darf insoweit als Vertreter einer zum systematischen Fachgebiet fortentwtickelten antik-wissenschaftlichen Geographie seiner Zeit gelten, die politisch durch die römische Vereinheitlichung des Mittelmeerraums und des vordern Orients und wissenschaftlich durch eine Verfeinerung des aus der griechischen Philosophie und Fachwissenschaft kommenden Erbes bestimmt ist.

3. 'Naturalis Historia' bei Plinius d. Ä.

Inhaltsübersicht über die Bücher 2 - 7 (Kosmologie, Geographie und Anthropologie) der Naturalis Historia des Plinius in deren Buch 1 (PDF-Datei).


Kosmologie: Das Weltall, die Erde und die Götter. Aus Plinius, Naturalis Historia 2, 1 - 4.


Geographie: Neuigkeiten über den Handelsweg von Ägypten nach Indien (Naturalis Historia 6, 100 - 106).


Anthropologie: Die Entstehung der menschlichen Kultur. Aus: Plinius, Naturalis Historia 7, 191 - 215.

Lat. Texte und deutsche Übersetzungen nach: C. Plinius Secundus d. Ä., Naturkunde (Naturalis Historiae libri XXXVII). Lateinisch- deutsch. Mehrere Bände. Hg. und übersetzt von Roderich König in Zusammenarbeit mit Gerhard Winkler, Darmstadt 1973 ff., Buch 1, S. 26 - 49, Buch 2, S. 14 - 23, Buch 6, S. 76 - 80 und Buch 7, S. 136 - 151.

C. Plinius Secundus d. Ä. (ca. 24 - 79 n. Chr.), aus einer ritterlichen römischen Familie in Comum (Norditalien) stammend, in jungen Jahren offenbar enyklopädisch und juristisch ausgebildet, brachte sein Leben seit seinem 23. Lebensjahr teilweise in militärischen, teilweise in administrativen und politischen Diensten, zwischendurch zweimal mehrere Jahre lang auch als Privatmann und Vertreter in Rechtsangelegenheiten zu. Als Privtatmann, aber immer auch neben allen seinen Diensttätigkeiten widmete er sich in seiner freien Zeit philologischen, kriegsgeschichtlichen (Germanienkriege) , militärtaktischen (Nahkampf), und biographischen Studien, vor allem aber zu solchen auf dem Gebiete einer 'Naturalis Historia'. Seine Militärdienste, zumeist bei der berittenen Truppe, führten ihn in schnell aufsteigender Laufbahn nach Ober- und Untergermanien, dabei mehrfach auf Feldzügen auch in das freie Germanien rechts des Rheins, ferner zur Zeit des jüdischen Krieges nach Iudäa, wo er mit dem späteren Kaiser Titus freundschaftlich bekannt wurde, sodann in höhere Kommandopositionen nach Syrien und Ägypten. Als politisch- administrativer Procurator in kaiserlichen Diensten war er seit d. J. 70 tätig in den Provinzen Gallia Narbonensis, Africa, Hispania Tarraconensis und Belgica. Nicht nur auf diese Weise gewann er ein umfassendes, anschauliches Bild von der römisch beherrschten Oikumene, sondern auch durch seine mehrjäjrige Diensttätigkeit am kaiserlichen Hofe und später in der Stellung eines Flottenkomandanten in Misenum (Italien), die er bei seinem Tode i. J. 79 bei dem damaligen Vesuv-Ausvbruch) innehatte. Seine allseitigen Bildungsinteressen verband Plinius d. Ä. mit einer kontinuierlichen Lese-, Exzerptions- und Sammeltätigkeit - auch auf Reuisen und neben seinen Dienstgeschäften, was zu einer großen Privatbibliothek und großen Materialsammlungen, insbesondere auch solchen zu dem umfassenden Thema der anschaulichen Lebenswelt der Menschheit auf der bekannten Oikumene und ihrer natürlichen Umwelt und Lebensbedingungen führte. Diesen Gesamtzusammenhang seiner Wissensinsteressen nannte Plinius 'naturalis historia' - in Übereinstimmung mit einer auch bei Strabon (Geographica 1, 1, 12 - 22) als 'epigeios historia' erkennbaren Wissenstradition, die die 'Natur' als Inbegriff der menschlichen ebenso wie der dem Menschen vorgegebenen und umgebenden realen Stoff- und Lebenswelt begreift und in gegliederter Weise untersucht.

Aus seinen Materialien - die bei seinem Tode, wie sein Neffe und Erbe C. Plinius Secundus d. J. mitteilt, 160 engbeschriebene Buchrollen umfaßten - stellte Plinius ein 36 Bücher umfassendes Werk mit dem Titel 'Naturalis Historia' zusammen, das er i. J. 77 dem nachmaligen Kaiser Titus widmete. Buch 1 enthält in einer das Gebiet der damaligen 'naturalis historia' besonders erhellenden Weise ein ausführliches Inhaltsverzeichnis des Gesamtwerks und eine für die einzelnen Bücher vorgenommene Zusammenstellung der Quellen /Gewährleute, auf die sich ihre Informattionen berufen. Buch 2 bietet eine matehmatisch-physikalische und zugleich religiös-philosophische (stoisch inspierte henotheitisch-pantheistische) Darstellung des Kosmos. Die Bücher 3 - 6 befassen sich mit der Geographie und Ethnographie der gesamten bekannten Oikumene. Buch 7 enthält Stoff über die Anthroplogie und menschliche Physiologie. Obschon die weiteren Bücher in unserem thematischen Zusammenhang nicht wichtig erscheinen, so seien sie mit ihren vielfältigen und kulturgeschichtlich außerordentlich wichtigen Inhalten wenigstens kurz erwähnt, weil es dort immer auch um die Bedeutung der 'Natur' für die menschliche Kultur und ihre verschiedenen Formen geht. Es enthalten die Bücher 8 - 11 Stoff zur Zoologie, die Bücher 12 - 19 zur Botanik, die Bücher 20 - 27 zur pflanzlichen Pharmakologie, die Bücher 28 - 32 zur tierischen Pharmakologie, die Bücher 33 - 37 zur Mineralogie, Metallurgie, Gesteinskunde und Farbenherstellung.

Wie bei Strabon erfolgt die geographische Darstellung der Oikumene primär gegliedert nach Kontinenten, Kontinentteilen und deren Landschaften, und in diesem Rahmen werden 'gentes' / 'natiiones' und 'oppida' beschrieben. Wie Strabon legt Plinius Wert auf die Weitergabe neuartiger Kenntnisse, so etwa hinsichtlich Germaniens oder neuentdeckter, über Südarabien führender Seewege nach Indien und Ceylon. Obschon Plinius d. Ä. sich seiner Argumentation und seinem Stil nach nicht eigentlich als einen 'Wissenschaftler' versteht, sondern eher als einen wissenschaftlich interessierten, umfassend gebildeten, aber primär praktisch denkenden Laien, so ist sein Werk doch als repräsentativ für das systematische Wissen über Länder, Völker und Kulturen seiner Zeit anzusehen, in der das Römische Reich gegenüber der Zeit Strabons nachmals an Extension zugenommen hatte und in zahlreichen neuen Außenbeziehungen zu auswärtigen Mächten stand - mit der Folge einer nochmaligen Erweiterung des Wissens über die Oikumene gegenüber Strabons Zeit.

4. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

(Zu Strabon)

W. v. Christ, Geschichte der griechischen Literatur, HdA VII, 2. Teil, ND München 1966 - 1971, 1. Bd., S. 409 - 415.

(Zu Plinius)

M. Schanz, C. Hosius, Geschichte der römischen Literatur, HdA VIII, ND München 1966 - 1971, Teil 2, S. 768 - 783.

(Zum zeitbedingten Rahmen der astronomischen, geographischen und ethnographischen Kenntnisse und Erkennniszuwächse beider Autoren)

Arpad Szabo, Das geozentrische Weltbild. Astronomie, Geographie und Mathematik der Griechen, München 1992.

H. Berger, Geschichte der wissenschaftlichen Erdkunde der Griechen, Leipzig 19032.

Klaus E. Müller, Geschichte der antiken Ethnologie, Hamburg 1997.

Richard Hennig, Terrae incognitae. Eine Zusammenstellung und kritische Bewertung der wichtigsten vorkolumbianischen Entdeckungsreisen anhand der darüber vorliegenden Originalberichte, 4 Bde., Bd. 1 (Altertum bis Ptolemäus), Leiden 1944, und Bd. 2 (200 - 1200) Leiden 1950 2.

(Generell zu den von den Autoren erörterten Landschaften und Völkern)

E. Olshausen, Einführung in die historische Geographie der Alten Welt, Darmstadt 1991.

H. Kiepert, Lehrbuch der Alten Geographie, Berlin 1878.

H. Sonnabend (Hg.), Mensch und Landschaft in der Antike. Lexikon der historischen Geographie, 1999.

(Indisches Altertum)

Hermann Kulke, Dieter Rothermund, Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute, München 1998 (S. 9 - 138: Geographie und Geschichte des indischen Altertums).

(Britannier, einschl. Kassiteriden-Inseln)

S. S. Frere, Britannia, 1987 3.

Konrad Spindler, Die frühen Kelten, Stuttgart 1991 2.

S. v. 'Kassiterides, RE X, 2328 - 2332 (Haverfield).

(Germanen, einschl. Kimbern)

Heinrich Beck, Heiko Steuer, Dieter Timpe (Hg.), Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde. Studienausgabe aus dem unter Mitwirkung zahlreicher Fachwissenschaftler in zweiter, völlig neu bearbeiteter und stark erweitereter Auflage erschienen, von J. Hoops begründeten Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Berlin, New York 1998.

Herwig Wolfram, Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter, Berlin 1990.

H. Beck, Germanische Menschenopfer in der literarischen Überlieferung, 1979

(Antike Rohstoffe, Handelslinien, Entdeckungsfahrten).

Josef Riederer, Archäologie und Chemie. Einblicke in die Vergangenheit, hg. von den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz und dem Tathgen-Forschungslabor, Berlin 1988.

J. O. Thompson, History of Ancient Geography, Cambridge (1948 ), New York 1965.

M. Cary, E. H. Warmington, Die Entdeckungen der Antike, Zürich 1966.

Medien:

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. von H. E. Stier u. a., München 1990, (Neuauflage: Braunschweig 1997), S. 34.

Quellen:

The Geography of Strabo. With an English Translation, by Horace and Leomard Jones, 8 Bde, London, Cambridge (Mass.) 1949, unter Mitverwendung von: Strabon, Erdbeschreibung in 17 Büchern, übersetzt von Christoph Gottlieb Groskurd, 4 Teile, (1831) ND Hildesheim, Zürich, New York 1988, jeweils mit umfänglicem Textkommentar.

C. Plinius Secundus d. Ä., Naturkunde (Naturalis Historiae libri XXXVII). Lateinisch- deutsch. Mehrere Bände. Hg. und übersetzt von Roderich König in Zusammenarbeit mit Gerhard Winkler, Darmstadt 1973 ff, jeweils mit umfänglichem Textkommentar.


LV Gizewski SS 2001

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)