Kap. 8: Antike Kartenwerke am Beispiel der 'Geographike Hyphegesis' des Ptolemaios und der 'Tabula Peutingeriana'.

INHALT

1. Antike Kartenwerke.

2. Eine Erdkarte als Ergebnis astronomisch basierter Geographie: die 'Geographike Hyphegesis' des Ptolemaios.

3. Ein Kartenwerk als praktisches Instrument des zivilen und militärischen Reiseverkehrs: Aufbau, Inhalte und Zuverlässigkeit.

4. Literatur, Medien, Quellen.

1. Antike Kartenwerke.

Übung 8 a.

AUFGABEN:

a) Welche Hauptprobleme einer wissenschaftlich zuverlässigen Kartendarstellung in der Antike entnehmen Sie dem nachfolgend wiedergegebenen Text- und Kartenmaterial?

b) Versuchen Sie, für den Bereich Germaniens sowohl in den topographischen Listen des Ptolemäus als auch in dem entsprechenden Ausschnitt der 'Tabula Peutingeriana' Örtlickeiten aufzufinden, die ihnen aus Geschichte und Gegenwart bekannt sind.


Kartenförmige Abbildungen der Erdoberfläche in der Antike, soweit sie nicht eher religiös geprägten Vorstellungen vom Kosmos folgen (vgl. die 'babylonische Weltkarte' in Kap. 2, Abs. 1), sondern in der von den Griechen begründeten wissenschaftlichen Traditionen der Geographie stehen, können aus zwei Gründen unter einer besonderen Nötigung stehen, mit der nach den Zeitumständen und Wissensmöglichkeiten jeweils genotenen Sorgfalt nur sachlich Zutreffendes und dies sowohl in eindeutiger als auch leicht verständlicher Form mitzuteilen. Es können einmal praktische Bedürfnisse des administrativen, militärischen und zivilen Verkehrs sein, die im Hinblick auf die Folgen einer Fehlinformation von den Herstellern der Karte gewissenhafte Richtigkeit ihrer Angaben fordern. Zum anderen können die Gebote des wahrheitsverpflichteten wissenschaftlichen Ethos, von deren sorgfältiger Einhaltung der wissenschaftliche Ruf des Gelehrten ebenso wie seines Fachgebiets abhängt, in diese Richtung wirken.Die notwendig anzuwendende Symbolsprache der Kartenwerke verstärkt dabei die in Richtung kurzer und eindeutiger Aussagen gehende Wirkung.

Auch Kartenwerke können zwar - wie Völkerbilder - aspektuellen Charakter haben; sie pflegen sogar auf ihre Weise Kurzfassungen, perspektivische Verzerrungen und Ausblendungen zu enthalten, wie sie den sprachlichen Mitteilungen über Länder und Völker eigen sein können. Das hängt auch von ihrer Zweckbestimmung und ggf. von dem Ausmaß kontroverser Diskussion über sie ab.

Aus den verschiedenen Entwicklungszweigen der griechischen Geographie, nämlich dem perhegetischen und dem mathematisch-astronomischen (siehe Kap. 2), gehen jedoch zwei auf ihre jeweilige Weise in besonderem Maße wahrheitsverpflichtete Kartentypen hervor, nämlich der Typ der zuverlässigen, erprobten Reisekarte und der Typ der alle Informationsquellen der astronomisch basierten Ortsbestimmung nutzenden, möglichst entfernungs- und winkelgerechten Projektion markanter Konturen (vermessene Orte, Gegenden, Küsten-, Fluß- und Gebirgsverläufe; ggf. auch Siedlungsgebiete von Völkern oder Städte) der Erdoberfläche.

Gewiß gibt es auch Übergänge zwischen diesen Typen. Doch zeigt sich an den folgenden Beispielen - den Grundüberlegungen und Detailiinformationen des alexandrinischen Astronomen und Geographen Klaudios Ptolemaios (ca. 100 - ca. 170 n. Chr.) für eine vermessungsbasierte Erdkarte ('Geographike Hyphegesis') einerseits und der sog. 'Tabula Peutingeriana', einer aus langem praktischen Gebrauch im römischen Reich entwickelten, von vielen Händen und Einflüssen gestalteten, lertztmalig um 360 n. Chr. redigierten Reisekarte für öffentliche und private Verkehrszwecke -, daß beide Typen bei aller Wahrheitsverpflichtung ganz unterschiedlichen Zwecken folgen.

Für die Beurteilung nicht nur eines Kerns antiken geographischen Wissens - über die geographische Lage von Stadt- und eher ländlichen Stämmesvölkern, Städten, Häfen, Handelsorten und anderen Siedlumgen, Küsten-, Gebirgs- und Flußverläufen -, sondern auch seiner Probleme oder gar Aporien - der Aktualität, der zuverlässigen Übermittlung und der schlußfolgernden Bearbeitung von Gewährsleuteberichten oder astronomisch gemessenen Informationen - sind diese Kartenwerke von besonderer Bedeutung. Da sie eingewisses Optimum antiker geographisch-ethnographischer Aussagen sowohl über vertraute als auch über fernere Länder und Völker, betrachtet von einem bestimmten Stand- und Zeitpunkt der in ihren Kenntnissen relativ weit ortgeschrittenen römisch-antiken Mittelmeerwelt aus, darstellen, sind sie ein kritischer Vergleichsmaßstab für die Bewertung der Zuverlässigkeit anderer überliefertergeographischer und ethnographischer Aussagen aus der Antike.

2. Eine Erdkarte als Ergebnis astronomisch basierter Geographie: die 'Geographike Hyphegesis' des Ptolemaios.

a) Das mathematisch-astronomisch basierte geographische Fachgebiet und seine Methoden.

Methodische Einleitung zur 'Geographike Hyphegesis' des Ptolemaios. 1. Buch, Kap. 1, 1 - 6. 12. 13. 21. 22.

Dt. Übersetzung des griechischen Textes aus: a) (1. Buch) Theorie und Grundlagen der darstellenden Erdkunde /Geographike Hyphegesis I, und II Vorwort), dt. Übers. mit Erläuterungen von Hans v. Mzik und Friedrich Hopfner, Wien 1938, S. 13 - 27, 39 - 43, 63 - 65.

In dem einleitenden Kapitel zu seiner 'Geographike Hyphegesis' macht Ptolemäus u. a. den Unterschied zwischen 'Chororgraphie' (deskriptive Geographie) und 'Geographie' (mathematisch-astronomisch verfahrende Geographie) im Zusammenhang mit der Herstellung von Karten deutlich: "Die Chorographie [benötigt] die [anschauliche] Darstellung des Ortsbildes; kein Mensch kann chorographische Karten entwerfen, es sei denn, ersei in der Malerei erfahren. Bei der Geographie ist es aber nicht so ; denn sie vermag durch die bloßen Linien und beigefügten Zeichen sowohl die Lagen als auch die Formen im allgemeinen angemessen saábzubilden. Deshalb bedarf es bei der Chorographie keinerlei mathematischer Verfahren; in der Geographie hat dieser Wissenszweig dagegen zentrale Bedeutung." Er hält ferner die mathematisch-stronomisch betriebene Geographie für die eigentkiche Basis alles wirklich fundierten geographischen Wissens: "Zu allererst muß man sich über die Gestalt und Größe der ganzen Erde und dazu über deren Lage zum Himmelsgewölbe klar sein, um die Angabe zu ermöglkichen, wie groß und wie beschaffen ihr bekannter Teil ist, ferner darüber, unter welchen Breitenkreisen der Himmelskugel die einzelnen Orte darin gelegen sind. ..." Dieser zentrale Teil der Geographie steht in der antiken Tradition 'reinen, theoretischen' Wissens, die den Menschen erhebt und den 'höheren Sphären', dem 'Himmel' in einem auch philosophisch-religiös bedeutsamen Sinne näherbringt: "Alles Dinge der höchsten und schönsten Erkenntnis; denn sie zeigen mithilfe der mathematischen Wissenschaft der menschlichen Wahrnehmung den Himmel unmittelbar und wie er wirklich ist - man kann ihn sehen, wie er sich um uns bewegt -, die Erschließung der [Gestalt der] Erde dagegen lassen sie nur gedanklich zu; denn die wirkliche Erde kann weder als ganze noch in ihren [größeren] Teilen von ein und demselben Menschen bereist werden: sie ist ungeheuer groß und liegt nicht, wie der Himmel, in dieser Größe sinnlich erkennbar über uns, sondern in ihrer Extension unanschaulich unter uns."

Der prinzipielle Unterschied zu Kartenwerken, wie der unten zu kommentierenden 'Tabula Peutingeriana' ist aus Sicht des Ptolemäus also ein Unterschied sowohl im Geiste als auch in der Zwecksetzung: hier eine 'reine', 'zweckfreie' und geistig erhebende Form der Wissenschaft im engeren Sinne, dort ein aus weithin übereinstimmenden, aber doch auch oft unüberprüfbaren und irrtumsbelasteten Reiserfahrungen hervorgegangenes, praktisch zweckgerichtetes, gewissermaßen 'handwerklich' gefertigtes und ständig von mehr oder weniger anonymen und kompetenten Berabeitern umgebautes Hilfsmittel des Alltagsverkehrs.

Allerdings hat auch die 'reine', verfahrensmäßig dem Himmel mehr als der Erde zugewandte Wissenschaft von der Erde ihre auf grundsätzlichen Fehlannahmen und ihre auf Fehlern der Nachrichtensammlungen, Messungen und Schlußfolgerungen beruhenden Fehler und Schwächen. Bezieht man die in Ptolemäus astronomischen Werken, etwa der berümten, 13 Bücher umfassenden 'Megiste Syntxis' (arabisch: 'Almagest') und der sog 'Hexabiblos' enthaltenen, aus heutiger Sicht feststellbaren Erkenntnisprobleme und Beobachtungsfehlerehler in die Betrachtung mit ein, so werden die vielen in der antiken, mathematisch-astronomischen, 'theoretischen' Wissenschaft von der Erde liegenden Irrtumsmöglichkeiten und ihre Gründe anschaulich deutlich. Zu den bekannteren astronomischen Irrtümern oder Unschärfen in Ptolemäus Werk gehören etwa:

a) die grundsätzliche, schon bei Aristoteles begründete, unrichtige Auffassung von der Lage der Erde im Mittelpunkt des Kosmos,

b) die Zusammenstellung von nur gut 1000 Fixsternen, nämlich derer, die mit dem menschlichen Auge zu beobachten sind,

c) die aufgrund der Meßmöglichkeiten begrenzte Feinheit bei der Feststellung der Länge des Jahres auf 365 Tage, 5 Stunden und 55 Minuten (heute gemessener Wert: 365,2425 d), welche i. J. 1582 im Rahmen der gregorianischen Kalenderreform zu einer neuartigen Schaltjahresordnung führte,

d) die aufgrund der Meßmöglichkeiten ungenaue Berechnung der Präzession der Tag- und Nachtgleichenpunkte auf der Ekliptik auf 36 Sekunden in 1 Jahr (heutige Messung: 50,37 Sekunden in 1 Jahr),

e) die Erklärung der Unregelmäßigkeiten der Planetenbewegung durch verschiedene Formen der sog. 'Epizyklen'-Theorie und

g) die gewaltige Unterschätzung der Distanz zwischen Erde und Sonne auf 1210 Erdradien (gegenüber heute gemessenen 24200 Erdradien).

Dies zeigt den Grad der Fehlerhaltigkeit astronomisch-mathematischer antiker Wissenschaft, auch bei ihren prominentesten Vertretern, an. In vergleichbarem Ausmaß gibt es größere Irrtümer und Unschärfen bei den geographischen Aussagen des Ptolemäus, so etwa:

h) die auf Meßschwierigkeiten bei der zeitlichen Feststellung identischer Sonnenfinsternisse an verschiedenen von ihnen erreichten Orten der Erde beruhende Überschätzung größerer Ost-West-Distanzen (z. B.Annahme von 60 Grad Distanz zwischen den Kanarischen Inseln als Ort des ptölemäischen Nullmeridians und Alexandria - statt in heutiger Messung ca. 46 Grad bzw. von 180 Grad Distanz zwischen den Kanarischen Inseln im Westen und Kattigara, wahrscheinlich einer Hafenstadt und Metropole in Süd-Vietnam, im Osten - statt heute gemessener ca. 113 Grad),

i) bei den für eine Vielzahl der gut 8000 bei Ptolemäus angegebenen Orte, insbesonder solcher außerhalb des engeren mediterranen Verkehrsbereichs, anzunehmenden Meßfehlern und Fehlübermittlungen von Meßergebnissen hinsichtlich der Breiten- und insbesondere der Längenpositionen,

j) bei der Bestimmung von kleineren Distanzen zu Lande aufgrund unrichtiger Schritt- oder Radumdrehungszählungen oder bei der Bestimmung von Entfernungen und wechselnden Kursen von Seewegen entstehenden Fehleinschätzungen von Entfernungen und Winkelverhältnissen oder

k) auch bei der mit den einfachen Instrumenten der Antike (z. B. dem Gnomon) vorgenommenen Winkelmessung entstehenden Fehlberechnung des Erdumfangs durch Ptolemäus auf 180000 Stadien (zu 196, 4 m), d. h. auf 35352 km.

Die weniger theoretisch, als praktisch bedingte Fehlerträchtigkeit der ptolemäischen Orts- und Distanzangaben zeigt sich beispielhaft, wenn man etwa seine Angaben in ihren wesentlichen Zügen für die Gesamtkontur der Erdoberfläche der bekannten bewohnten Erde (Oikumene) und für bestimmte unzugänglichere Regionen der Erde, etwa das 'freie Germanien' im Norden und Osten vor den Grenzen des römischen Reiches oder China oder Ceylon am östlichen, zu Prolemäus Zeiten zwar schon zugänglichen, aber doch noch weithin unbekannten Ende der Oikumene betrachtet.

Allerdings zeigt sich an Ptolemäus geographischem Werk auch ein durchaus beachtlicher geographischer Erkenntnisfortschritt gegenüber der Zeit etwa Strabons und Plinius d. Ä. (siehe Kap. 5), wie im folgenden - trotz aller Fehler- und Unschärfe-Hinweise - deutlich wird.

a) Die Kontur der gesamten bekannten Oikumene.

Die Kontur der gesamten bekannten Oikumene nach den Angaben der 'Geographike Hyphegesis'.

Verschiedenartige, rekonstruierende Kartenbilder aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. von H. E. Stier u. a., München 1990, (Neuauflage: Braunschweig 1997), S. 34. und: Claudii Ptolemaei Geographia. Ed.: Carl Friedrich August Nobbe. Mit einer Einleitung von Aubrey Diller, (1843 - 1845) ND Hildesheim 1966, nach S. 207 des 3. Teils.

Dei bekannte Oikumene erstreckt sich nach Ptolemäus auf der Nordhalbkugel der Erde in West-Ost-Richtung von den 'Insulae Fortunatae' (Kanarischen Inseln), seinem Nullmeridian, bis zum östlichen Ende der bekannten Gebiete im Bereich der 'Sinai' (Hinterindien, indonesische Inseln und südlicheres China) nach Ptolemäus Annahme über 180 Grad. Hier liegt, wie oben erwähnt, eine Fehleinschätzung um 67 Grad vor; in Wirklichkeit ist die Ost-West-Extension um ca. 40 % geringer. Demgegenüber ist die Nord-Süd-Extension, etwa Thules (Island) im äußersten bekannten Norden bei 66 Grad nördlicher Breite, Ceylons am Äquator und der weniger bekannteren Regionen Afrikas und Hinterindiens / Indonesiens südlich des Äquators ungefähr richtig.

Unbekannt ist Welt nach Westen hin, jenseits der Kanarische Inseln, im Norden Germaniens und Skythiens, im Osten und Südosten der 'Sinai' und südlich der noch den Oberlauf des Nil, die somalische Halbinsel und westafrkanische Küste bis ungefähr zum Senegal einschließenden bekannten Teile Afrikas. Weder die 'andere Hälfte' der nördlichen Erdhalbkugel noch der größte Teil der südlichen Erdhalbkugel sind damit bekannt. Das läßt die Annahme von Landmassen dort ebenso zu wie von Meeresflächen. Ptolemäus vermag diese die ganze Antike hindurch bestehende Ungewißheit nicht aufzulösen - bis auf eine Ausnahme: nach seinen Angaben steht fest, daß Indien und Ceylon - mit ihren dunkelhäutigen Menschen - nicht mit Afrika oder Hinterindien durch eine in der Antike und später spekulativ oft anngenommene 'terra australis' verbunden, sondern ein von einem südlichen Meer abgegrenzter Teilen der Erdoberfläche sind.

Die ptolemäische Vorstellungen von der Kontur Indiens und Ceylons sind jedoch in anderer Weise verzerrt. Die indische Küste erscheint - wegen der oben erwähnten, auf prinzipiellen Meßschwierigkeiten beruhenden unangemssenen Auseinanderziehung der Ost-West-Entfernung zwischen Indus-Mündung und Ganges-Mündung als nur ganz flachwinklig nach Süden hin zugespitzt. Ceylon tritt als überdimenioniert große Insel und darüber hinaus im Südwesten der indischern Südspitze hervor. Stark verzerrt erscheinen auch die Küstenverläufe Hinterindiens, Britanniens, Irlands und Germaniens; dort ist etwa 'Scandia' lediglich ein dimensionierter Komplex einer größeren und dreier kleinerer Inseln nördlich und östlich der Halbinsel Jütland.

Die Kenntnisse des zentralasiatischen Bereichs schließen die Existenz des Tienschan-Gebirges und einiger namentlich belegter Örtlichkeiten im Bereich der Seidenstraße (vermutlich die heutigen Orte und damaligen chinesischen Garnisonen Kaschgar, Aksu und Kutscha bzw.Jarkand und Chotan) ein; sie reichen bis an die Grenzen des damaligen chinesischen Han-Reiches. Allerdings steht für Ptolemäus der östliche Bereich der über Zentralasien erschlossenen Seidenstraße ('Serata'; von 'ser' = Seidenwurm) noch nicht in einer klaren Beziehung zu den unter 'Sinai' aufgeführten, von Indien her erschlossenen Regionen am Ostende der bekannten Oikumene. Daß Ptolemäus die 'Seidenstraße' in ihrem Verlauf vom Euphrat bis zum berühmten 'Steinernen Turm' (an einer Paßstraße im Pamir-Gebirge zwischen den heutigen Städten Dushanbe und Kashgar gelegen) und von da an bis nach 'Sera', der 'metropolis' des 'Seidenstraßenlandes' ('Serata') genauer kennt, wenn auch aufgrund der Reiselänge von knapp zwei Jahren weitaus zu lang (auf 105 1/4 Grad, bei der angegenommenen durchschnittlichen Breitenlage von etwas unter 40 Grad n. B. zusammen auf mehr als 42000 Stadien, entsprechend ungefähr 8000 km) einschätzt, geht aus der 'Geographike Hyphegesis', Buch 1, Kap, 12, 5 - 9 hervor.

b) Ptolemäus geographisches Bild von Germanien.

Angaben über Germanien aus der 'Geographike Hyphegesis' des Ptolemaios. 1. Buch, Kap. 1, 1 - 6. 12. 13. 21. 22 und 2. Buch, Kap. 9, 2. 7 - 9. 11.

Nur deutsche Übersetzung aus: Hans-Werner Goetz, Karl-Wilhelm Welwei (Hg.), Altes Germanien . Erster Teil: Auszüge aus den antiken Quellen über die Germanen und ihre Beziehungen zum Römischen Reich. Quellen der Alten Geschichte bis zum Jahre 238 n. Chr., Darmstadt 1995, S. 173 - 192. - Zahlreiche Anmerkungen und der griechische Text werden hier nicht wiedergegeben. Siehe weiter unten die nur griechisch-sprachigen Textpassagen zum östlichen Teil der Oikumene aus Ptolemäus Werk und eine Übersicht über die antiken griechischen Zahlzeichen.

Verschiedenartige Kartenrekonstruktionen für Germanien nach den Angaben der 'Geographike Hyphegesis'

Kartenbilder aus: Herwig Wolfram, Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter, Berlin 1990, S. 33 und: Steche, Altgermanien.; Fundstelle z. Zt. nicht feststellbar.

Germanien, insbesondere, aber nicht nur. in seinen nördlichen und östlichen Regionen, ist auch im 2. Jht. n. Chr. noch ein Grenzbereich gesicherten geographischen Wissens für antike Autoren wie Claudius Ptolemaios. Ptolemäus unternimmt es, eine offenbar vorhandene Vielzahl von Angaben, die auch aus der ferner liegenden Vergabgebheit stammen, und solche, die weit nach Osten und nach Norden reichen, nach kritischer Abwägung auch ihrer Unklarheiten und Unvollständigkeiten in einer widerspruchslosen, anschaulichen kartographischen Gesamtdarstellung zu vereinigen. Dabei stützt sich Ptolemäus im wesentlichen nicht auf 'eigene Erhebungen und Messungen', sondern auf die zu Beginn des 2. Jhts. n. Chr. gesammelten Materialien des Marinos von Tyros und auf andere - aktuelle und ältere - Gewährsleute-Berichte und Itinerarien. Dies Verfahren ist für viele Fehleinschätzungen und Unschärfen offen -, trotz seiner theoretisch beeindruckend begründeten Prämissen. Dabei gehr es hier nicht um Fehler, die durch Textverderbnis bei der Handschriftenüberlieferung - die bei unverständlichen germanischstämmigen Namensangaben und bei den vielfältigen Zahlenangeben in der griechischen Ziffernschreibweise nur allzu nahe liegt - eingetreten sein dürften, sondern um solche Fehler und Unschärfen, die wahrscheinlich im den praktischen Aspekten des ptolemischen System der Informationssammlung und -verwertung selbst angelegt sind. Einige Feststellungen mögen dies plausibel machen:

a) Die West-Ost-Extension des freien Germanien in dem von Ptolemäus übernommenen 360-Meridiangrad-System wird, umgerechnet auf das heutige Gradsystem, - meßbar an eindeutig bestimmbaren Ortsen wie z. B. der Weichselmündung - grundsätzlich, also nicht nur im Einzelfall, um etwa 12 Grad nach Osten verzogen.

b) Bei der Bestimmung der Breitenangabe für heute eindeutig identifizierbare Orte in Germanien kommt es zwar zu weniger gravierenden Fehlmessungen als bei der Bestimmung der Meridianlage. Aber dennoch kann man nicht selten Fehlangaben bis zu 2 Grad (entsprechend einer Nord-Süd-Distanz von ca. 222 km) im 180-Breitegrade-System feststellen - mögen sie auf Fehlinformationen durch Gewährsleute oder Fehleinschätzungen oder bei der kritischen Würdigung vorliegender Angaben beruhen. Die ptolemäischen Schlußfolgerungen über die Richtung und Distanz vermessener oder unvermessener Orten zueinander müssen dadurch in einer im einzelnen schwer nachweisbaren, im ganzen aber erheblichen Weise in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

c) Es gibt auch eine größere Zahl andersartiger Fehlinformationen. Überprüfbar ist das an solchen Orten des provinzialisierten oder freien Germaniens, deren genauere Kenntnis bei administrativen und militärischen Instanzen auf der römischen Seite als selbstverständlich vorausgesetzt werden darf, die bei Ptolemäus aber trotzdem in auffällig unrichtiger Weise dargestellt werden. Bekannte römische Legionslager wie Xanten, Bonn, Mainz und straßburg oder andere größere Städte wie Worms und Speyer sind teilweise in falscher Nord-Süd-Reihenfolge aufgezählt, teilweise in unrichtige Verbindung mit anderen geographischen Gegebenheiten und administrativen Angaben gebracht, oder längst veraltete Informationen über germanischer Völkerschaften - so z. B. die Erwähnung der rechtsrheinischen 'Sugambrer', die es im 2. Jht. n. Chr. seit langem nicht mehr gibt - werden weitergegeben.

Derartige Fehler und Unschärfen erschüttern notwendigerweise generell das Vertrauen in eine unmittelbare Verwendbarkeit der ptolemäischen Angaben, ob es sich nun um die Genauigkeit von Ortsbestimmungen im astronomisch-geographischen Gradsystem oder um die Genauigkeit und Aktualität ethnischer, politischer oder militärischer Infromationen handelt. Diese Fehler machen die ptolemäischen Angaben allerdings nicht schon deswegen völlig wertlos. In Verbindung mit den eingehenderen Angaben anderer Autoren - wie etwa Strabons, Plinius oder Tacitus - oder mit archäologischen Befunden über Germanien pflegen sie heute wissenschaftlich-kritisch gewichtet und gedeutet zu werden. Insoweit sei auf die u. a. weiterführende Literatur, u. a. auch auf den kprägnantenen Kommentar von Goetz und Welwei zu den hier präsentierten Textpassagen aus der 'Geographike Hyphegesis', verwiesen.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Bearbeitung sind als Ergebnisse umfassenderer Deutungsprozesse allerlei Kartenrekonstruktionen des ptolemäischen Germaniensbildes entstanden, die in einzelnen Fragen kontrovers zu sein pflegen, aber dennoch ein gewisses nützliches Gesamtbild herstellen. Zwei Beispiele für derartige Gesamtbildrekonstruktionen werden in diesem Kapitel präsentiert. Sie zeigen, daß das ptolemäische Werk trotz aller Mängel aus heutiger Sicht, was Germanien betrifft, auch einiges Weiterführende enthält; das gilt einmal generell für das Unternehmen einer konsquenten Ortsbestimmung nach Längen- und Breitengraden in dieser Region, das andere uns überlieferte antike Autoren so noch nicht bieten und das einige durchaus brauchbare Näherungswerte angibt. Auch wenn Skandinavien und das Europäische Nordmeer und das Norpolarmeer für Ptolemäus genaub so wie für frühere Autoren gestaltlos bleiben und die Lage der östlicheren Gebirge im germanischen Raum schematisch oder gar teilweise unrichtig angegeben sein dürfte, so ist zumindest die südliche Ostsee Ptolemäus bekannter als vormaligen Autoren, wie die Angaben über die Flußmündungen bis zur Weichsel zeigen, und es werden auch im östlicheren Bereich mit ihren Namen einige zu Ptolemäus Zeit wahrscheinlich existierende Gegenstände, z. B. Völker oder Gebirgskomplexe im einzelnen unterschieden und nicht nur pauschal zusammengefaßt wie etwa bei Caesar in seiner Vorstellung von einem nach Osten hin unermeßlich großen 'Herzynischen Wald'. Allerdings ist oft nur ungefähr erkennbar, welchen heutigen Namen antiken Benennungen wie (Abnoba-Gebirge, Sudeta-Gebirge, Askiburion-Gebirge, Melibokon-Gebirge, Semanos-Wald, Gabretaa-Walt, Orkynischer Wald entsprechen und inwiefern sie mit lautähnlichen Benennungen anderer antiker Autoren inhaltlich übereinstimmen, wie z. B. beim "Abnoba-Gebirge", das bei Ptolemäus weit über den von anderen Autoren gemeinten Schwarzwald hinausreicht, oder beim "Orkynischen Wald", der bei Ptolemäus weitaus kleiner ist als der lautähnliche 'hercynische Wald' bei Caesar.

Generell steht einem im ganzen konstatierbaren kartographisch darstellbaren Wissensgewinn leider die erwähnte Vielfalt von Fehlern im Detail gegenüber - und zwar auch für die westlichern Teile Germaniens -, die insbesondere die uns heute so erwünschten eindeutigen geographischen Zuordnungen von Namen und Orten oft erschwert oder ausschließt. Das sei mit einem für die Geschichte der römischen Germanienexpeditionen wichtigen Beispiel belegt: der Verlauf einiger heute archäologisch nachgewiesener oder historisch-literarisch plausibel gemachter Verkehrshauptwege - wie z. B. die von Köln bis zum 'Tropaeum Drusi' an der Elbe reichende Verbindung - findet in Ptolemäus Kartenmaterial keine sichere Bestätigung. Offenbar ohne korrigierende persönliche Ortskenntnis weit auseinandergezogen und räumlich verstellt angegeben sind die auch im 2. nachchristlichen Jahrhundert eine wichtige Verkehrslinie in das rechtssrheinische Germanien markierenden Orte Novaesium (Neuss), Asciburium (Asberg), Traiana (Xanten), Aliso (Haltern), Emsquelle (evtl. 'Amisia') und Lippequelle (evtl. 'Luppia'). Auch die heute feststehenden Flußfurten über die Weser bei Rinteln (evtl. 'Streontion') , Hameln (evtl. 'Amisia') und Holzminden (evtl. 'Munition'), die die weiteren Verzweigungen dieser Verkehrslinie plausibel machen, sind in Ptoleäus Kartenmaterial nicht klar identifizierbar.

c) Ptolemäus Bild von Zentral-, Ost-, Südost- und Südasien.

Hinterindien/Indonesien/Südchina (Sinai) und Ceylon (Taprobane) in der Darstellung des Ptolemaios (Buch 7. Kap. 3 und 4).

Nur griechischer Text. Entnommen aus: Claudii Ptolemaei Geographia. Ed.: Carl Friedrich August Nobbe. Mit einer Einleitung von Aubrey Diller, (1843 - 1845) ND Hildesheim 1966, Teil 2, S. 170 - 174 .

Das zentralasiatische 'Skythien' östlich des Tienschan-Gebirges (Skythia ektos Himaou orous) und das Land der östlichen Seidenstraße (Serike) in der Darstellung des Ptolemaios (Buch 6, Kap. 15 und 16).

Nur griechischer Text.Entnommen aus: Claudii Ptolemaei Geographia. Ed.: Carl Friedrich August Nobbe. Mit einer Einleitung von Aubrey Diller, (1843 - 1845) ND Hildesheim 1966, Teil 2, S. 126 - 130.

Um die hier zu Übungszwecken nur griechischsprachig wiedergegebenen Ortsangabenverzeichnisse aus Claudius Ptolemäus 'Geographike Hyphegesis' betreffend 'Sinai' und 'Taprobane', 'Skythia ektos Himaou orous' und 'Serike' mit ihren Gradangaben leichter verständlich zu machen, wird eine Übersicht über das antike griechische Zahlensystem beigefügt, das sich - wie unser heutiges 'arabisches' Ziffernsystem - an einem dekadischen Zahlensystem orientiert und die Zahlzeichen weitgehend dem Alphabet entnimmt. Einige Sonderzeichen aus archaischen Alphabetformen, etwa das Digamma für 6. das Koppa für 90, das San für 900 oder ein L-artiges Zeichen für 1/2 (Hemisy), kommen hinzu. Die Ziffern oder Ziffernfolgen können in der Qualität von Kardinalzahlen, Ordinalzahlen, Zahladverbien, aber auch - im vorliegenden Verzeichnis nicht angegeben - als Bruch-Zahlen mit dem Nenner 1(1/2, 1/3 u. ä.) und - bei Nebeneinanderstellung - von Rahmen-Zahlen ("von ... bis", "zwischen ... und ...") oder als Bruch-Zahlen mit einem 1 überschreitenden Nenner (z. B.2/3, 3/4 u. ä.) Verwendung finden. Ferner markieren Beistriche über oder rechts oben neben der Ziffer oder Ziffernfolge Zahlen von 1 bis 999, Beistriche unterhalb oder links unten neben der Ziffer oder Ziffernfolge Zahlen von 1000 an.

Zahlentafel entnommen aus: E. Bornemann, E. Risch, Griechische Grammatik, Frankfurt M. u. a. O.um 1988 2, S. 69. Weitere Aisführungen zum griechischen Zahlensystem finden sich bei: Georges Ifrah, Universalgeschichte der Zahlen, aus dem Frasnzösischen übersetzt von Alexander von Plasen, Frankfurt M., New York 1991, S. 286 ff.

Auch Zentralasien, Südostasien und Ostasien sind im 2. Jht. n. Chr. noch Grenzgebiete gesicherten geographischen Wissens. Zwar zeigt sich in Ptolemäus Darstellung einiger Regionen in diesem Bereich ein gewisser Fortschritt gegenüber dem Wissensstand etwa bei Strabon oder Plinius d. Ä. insoweit, als die Kenntnis des zentralasiatischen Bereichs östlich des Tienschan-Gebirges (Imaus) - zusammengefaßt in den Kapiteln über die 'Scythia extra Imaum' und die östlich daran anschließende 'Serica' - zumindest etwa bis zum Rand des damaligen späteren chinesischen Han-Reiches reicht. Ferner überschreitet die Kenntnis des südostasiatischen Bereichs - zusammengefaßt in den Kapiteln über die 'Indike ektos Gangou' und die 'Sinai', weit die noch bei Strabon und Plinius bestehende Grenze genaueren geographischen Wissens, das zu ihrer Zeit hinter Ceylon nach Osten hin schemenshafter und auch in grundsätzlichen Fragen - wie der des ostindischen Küstenverlaufs - immer unsicherer wird. Strabon (geogr. 15, § 2) etwa bezeichnet Indien noch als ein im wesentlichen nur vom Hörensagen bekanntes, am weitesten im Osten liegendes Land, Ceylon wird von ihm als Taprobane nur kurz erwähnt - als eine von Indien 20 Schiffsreisetage entfernte Insel von 5000 Stadien (entsprechend ungefähr 1000 km) Länge (geogr. 15, § 14). Hinter Indien sieht Strabon nichts Deutliches, weder nach Osten noch nach Zentralasien hin. Bei Plinius d. Ä. (n. h. 6, 20 f.) andererseits liegt östlich des als mit einem nördlichen Ozean zusammenhängend gedachten Kaspischen Meer, beginnend hinter dem transkaspischen Skythien, d. h. am Jaxartes, und eng begrenzt gedacht durch einen nordöstlichen Ozean zwar witerer Festlandbereich Asiens, allerdings ein wegen seiner hohen Gebirge zunächst weitgehend unbewohnbarer, der erst weit im im Osten w u. a. von den 'Serern' bewohnt wird, einem die Zivilisation und den Handelsverkehr im allgemeinen meidenden, wilden, aber Seide an westliche Handelsinteressenten abgebenden und generell milden Volke, das den Völkern Indiens benachbart sei. Indien und Ceylon erscheinen bei Plinius d. Ä. in knapper Darstellung als Länder im äußersten Südosten Asiens (n. h. 6, 22 - 24). Das alles zeigt, daß Südostasien und Ostasien sowohl Strabon als auch Plinius d. Ä. in Wirklichkeit unbekannt sind: die 'Serer' dürften nicht die Chinesen des früheren Han-Reiches, sondern ein in dessen Westen wohnendes Nomadenvolk, vielleicht aus dem Stammesverbad der Hiung-nu, sein. Der nach Norden führende Verlauf der ostindischen Küste wird offenbar als in die nordostasiatische Küste übergehend vorgestellt.

Demgegenüber gibt Ptolemäus geographische Einzelheiten aus dem Gebiet der zentralasiatischen Seidenstraße, der 'Serata', und Hinterindiens zumindest bis in die Nähe der Südgrenzen des Späteren Han-Reiches an.

Allerdings enthält auch Ptolemäus Werk, genauer betrachtet, erhebliche Wissenslücken und Unsicherheiten.Zwar erscheint die hinterindische Halbinsel und die ihr nach Süden vorgelagerte Inselwelt ansatzweise erfaßt, wenn auch in sehr verzerrten Konturen und Größenverhältnissen. Aber der Küstenverlauf dahinter nach Osten dürfte geographischen Gewährsleuten des Ptolemäus allenfalls bis 'Kattigara' - von Ptolemäus als 'Hafen Chinas' ('hormos Sinon') bezeichnet - etwas genauer bekannt gewesen sein. Kattigara liegt nach seinen Koordinaten (177 Gtad östlicher Länge, gemessen vom antiken Nullmeridian bei den Kanarischen Inseln, 8 1/2 Grad südlicher Breite) bei Ptolemäus jedoch weit südlich der damaligen, nur das heutige Nord-Vietnam einschließenden Südgrenze des Han-Reiches und außerdem an einer ein östliches Festland begrenzenden, nach Süden verlaufenden Küstenlinie; das spricht gegen die Identifikation Kattigaras mit einem Küstenort in Nord-Vietnam oder im heutigen Südchina und mehr für einen Ort am öm südöstlichen Ende des Golfes von Siam, in der Nähe des Mekong-Deltas. Auch bei den anderen von Ptolemäus angegebenen Städte der 'Sinai', nämlich Akadra (178 Grad ö. L, 21 1/4 Grad nördl. B.), Aspithra (175 Grad ö. L., 16 Grad nördl.. B.), Kokkonagara (179 Grad ö. L., 2 Grad südlicher B.) , Sarata (180 1/2 ö. L, 4 Grad südlicher Breite) und Thinai (183 1/70 Grad ö. L., 3 Grad südlicher Breite) weist ihrer Breitenlage nur in zwei Fällen (Akadra, Aspithra) in den südlichen Grenzbereich des Späteren Han-Reiches, in allen anderen Fällen in die Nähe des Äquators und damit allenfalls in die indonesische Inselwelt. Daß Ptolemäus die von ihm als 'Metroplolis der Sinai'bezeichnete Stadt Thinai südlich des Äquators ansetzt und mit Kattigara durch eine im Westen Thinais gelegene, aber im einzelnen unbekannte Landmasse zusammenhängend annimmt, läßt bei Thinai an einen Ort vielleicht im Osten Sumatras, bei der unbekannten Landmasse, die nicht unbedingt zusammenhängend sein muß, an die Malayenhalbinsel denken. Jedenfalls liegt das Schwergeicht des 'Sinai' nach Ptolemäus deutlich außerhalb, ja weit südlich der Grenzen des Späteren Han-Reiches, unter dem wir heute das' antiken China' verstehen.

Dieses Gebiet ist nach Ptolemäus außerdem nach seiner Breiten- und Längen-Lage weit entfernt von der zentralasiatischen Seidenstraßenregion, die von Ptolemäus nur in ihrem östlichen, von den 'Serern' bewohnten Teil 'Serata' genannt wird. Deren Metropolis 'Sera' (zwischen 160 und 170 Grad östl. Länge, 38 7/12 Grad nördlicher Breite) und die Lage der anderen für die 'Serata' angegebenen Städte in einem Raum zwischen 156 und 174 Grad östlicher Länge (gemessen vom ptolemäischen Nullmeridian aus) und zwischen 38 und 51 Grad nördlicher Breite weisen die Region 'Serata' als in nordwestlicher Richtung sehr weit von der Region 'Sinai' entfernt aus. Entsprechend nimmt Ptolemäus ein Gebiet östlich der Serica an und bezeichnet es als 'unbekanntes Land': Ferner liegt nach seinen Angaben zwischen der Region 'Sinai' und der Region 'Serata' ebenfalls ein ihm im einzelnen nicht bekannter Teil der Erdoberffläche. Gerade innerhalb dieser beiden unbekannten Landflächen liegt aber das eigentliche Spätere Han-Reich, und so ist es amzunehmen, daß dieses Reich des chinesischen Altertums mit seiner beeindruckenden Stadt- und Reichskultur bei Ptolemäus wahrscheinlich keine - zumindest keine mehr als periphere - Erwähnung findet. Daß ferner 'Serata' im Zusammenhang der zentralasiatischen Landschaften 'Areia', 'Skythia' usw. in Buch 6, 'Sinai' aber im Zusammenhang mit Indien, Hinterindien und Ceylon in Buch 7 der 'Geographike Hyphegesis' dargestellt werden und nicht als zusmmengehörige Gebiete, markiert ebenfalls eine Wissensgrenze, die den eigentlichen territorialen Bereich des han-zeitlichen Chinas ausschließt.

Was 'Tabrobane', das heutige Ceylon, betrifft, so haben sich hier die Kenntnisse gegenüber den oben skizzierten bei Strabon und Plinius d. Ä. bei Ptolemäus besonders auffällig vermehrt. Als Grund dafür sind die seit dem 1. Jht. v. Chr. intensivierten Seehandelsbeziehungen zwischen Ägypten über das Roten Meer und Arabien nach Indien anzunehmen (vgl. dazu Plinius, Über einen neuen Land- und Seeweg nach Indien). Die Angaben für Ceylon können insoweit als bezeichend zumindest für den westindischen Küstenbereich gelten. Für Taprobane sind bei Ptolemäus zum Beispiel nicht nur die dort beziehbaren besonders begehrten Handelsartikel (Reis, Honig, Ingwer, Edelsteine, Metalle, einschließlich Gold und Silber, Elefanten und Tiger) angegeben, sondern auch eine Anzahl von Häfen, Handelsplätzen, Städten, Flüssen und Gebirgen, ferner der Küstenverlauf. Dabei gibt es für einzelne Orte relativ genaue vermessene Breiten-Koodinaten. Andererseits gibt es auch beachtliche Fehleinschätzungen oder Fehlmessungen. Mehr noch als die indische Halbinsel, die bei Ptolemäus von West nach Ost. zwischen Indus- und Gangesmündung, um fast das Zweifache breiter ist als in Wirklichkeit, stellt sich Ceylon bei Ptolemäus von West nach Ost um das Dreieinhalbfache breiter als in Wirklichkeit dar. Auch im übrigen zeigen Stichproben neben einer ungefähren Richtigkeit einiger eine grobe unrichtigkeit anderer wichtiger Angaben. So ist die Lage der Nordspitze Ceylons ('Boreion Akron') gegenüber dem südindischen 'Kory Akroterion' bei antiken 126 Grad ö. L. und den - unter den üblichen antiken Meßunschärfen - recht genau gemessenen 12 1/2 Grad nördl. Breite angegeben (tatsächliche Breite: etwas unter 10 Grad n. B.). Die Südseite Ceylons (tatsächlich bei 6 Grad nördlicher Breite) wird dagegen bei Ptolemäus bei 3 Grad südlich des Äquators angenommen und stellt sich daher als offenichtlich nicht vermessen, sondern nur erschlossen heraus. Einige offenbar wichtigere Orte in der Mitte der Insel wie 'Maagrammon metropolis' (Geogr. Hyph. 7, 4, 10) oder 'Anourogrammon basileion' (Geogr. Hyph. 7, 4, 10, das heutige Anaradhapura im nördlichen Ceylon) sowie einige der sieben angegebenen Häfen und Emporien sind entweder auch in der indischen Sanskrit-Überlieferung oder auch bei anderen griechischen oder lateinischen Autoren neben Ptolemäus bezeugt und können insoweit als wahrscheinlich richtig übermittelt gelten. Auf andere, dem von Westen kommenden Seehandel weniger zugängliche Orte braucht das allerdings nicht zu zuzutreffen; das gilt zumindest für die Orte, deren angegebene Breitenlage südlich oder dicht nördlich des Äqautors mit der tatsächlichen Nord-Süd-Erstreckung der Insel in keiner Weise übereinstimmen kann.

Für die weiteren Regionen des indischen Subkontinents ('Indike entos Gangou') und die Regionen östlich und südöstlich des Ganges bis hin zur Region 'Sinai' ('Indike ektos Gangou') ´liegt - wie für Ceylon - eine erhebliche Anzahl von Ortsangaben vor, die das vormalige Wissen über diese Regionen erheblich überschreitet. Stichproben zu auch heute eindeutig indentifizierbaren Orten wie z. B. der westlichsten Gangensmündung (bei Ptolemäus, geogr. hyph. 7, 1, 18 mit 144 Grad östl. Länge und [korrig.] 18 1/4 Grad nördlicher Breite angegeben, in den heutigen Koordinaten bei 88 Grad östl. Länge und 22 Grad nördlicher Breite) machen wahrscheinlich, daß zumindest eine Anzahl im ganzen zutreffender, wenn auch unscharfer Breitenmessungen für Örtlichkeiten, die dem selteneren, direkten Seeverkehr von Westen aus relativ leicht zugänglich waren, stattgefunden haben. Für andere Örtlichkeiten, deren Lage und sonstige Beschaffenheit eher nur durch eine Kette nicht nachprüfbarer Gewährsleuteberichte bekannt gewesen sein dürfte, wird jedoch dasselbe anzunehmen sein wie für die hier überprüften Regionen 'Serata', 'Sinai' und 'Taprobane': nur partielle und, wo wirklich vorhanden, teilweise verzerrte Kenntnisse über Landflächengröße, Richtungsverhältnisse und Orte. Dieser Frage kann an dieser Stelle für Indien und Hinterindien jedoch nicht eingehender nachgegangen werden.

Diese Grenzen geographischer Kenntnis markieren in gewissem Umfang auch die Grenzen anderen antiken Wissens über eine Region der Erde, die, wie wir heute wissen, nicht nur über die Verkehrsbeziehungen der hellenistischen und römischen Zeit, sondern auch durch eine viel ältere Sprach-, Schrift-, Kultur- und Religionsgeschichte mit dem westlich-eurasiatischen Bereich verbunden war. Derartige historische Gemeinsamkeiten - wie etwa eine Gemeinsamkeit in der Sprache mit den westlicheren Völkern des 'indogermanischen' Komplexes (vgl dazu Kap. 1 und dortige Abb. 'Indogermanische Sprachzonen') - waren der Antike erst recht nicht bewußt.

Übung 8 b.

AUFGABE:

Erklären Sie die Namen 'Ceylon', 'Taprobane' und 'Sri Lanka'.


Insgesamt ergibt die hier vorgenommene, nur partielle Überprüfung der ptolemäischen Angaben über die östlichen und südöstlichen Grenzbereiche geographischen Wissens von der Oikumene ähnliches wie die Überprüfung der ptolemäischen Angaben für Germanien: ein Nebeneinander fortbestehender, durch fehlende Verkehrsverbindungen sowie durch Übermittllungs-, Verständigungs- und Meßschwierigkeiten bedingter Fehleinschätzungen und Wissenslücken einerseits und andererseits eines gewissen, nur aufgrund der Methode der astronomisch basierten Ortsbestimmung und auch aufgrund gesteigerter Informationsflüsse ermöglichten generellen Erkenntnisfortschritts.

3. Ein Kartenwerk als praktisches Instrument des zivilen und militärischen Reiseverkehrs: Aufbau, Inhalte und Zuverlässigkeit.

Die 'Peutingersche Tafel' in Auszügen, schwarz-weiß kopiert.

Segmente 1 - 2_3 - 3_4 - 4_5 - 5_6 - 6_7 - 7_8 - 8_9 - 9_10 - 10_11 - 11_12 .

Aus: Konrad Miller, Die Peutingersche Tafel. Neudruck der letzten von Konrad Miller neu bearbeiteten Auflage einschließlich einer Neuzeichnung des verlorenen 1. Segments mit frabiger Wiedergabe der Tafel, sowie kurzer Erklärung und 18 Kartenskizzen der überlieferten Resewehe aller Länder, Stuttgart 1961.

Die Kopien sollen hier nur einen genaueren Eindruck von dem Informationsgehalt dieser antiken Karte vermitteln. Sie fassen jeweils ein oder zwei Segmente der Karte zusammen. Beim Kopieren sind an den Rändern einige Auslassungen entstanden. Die Kolorierung ist durch Schwarz-Weiß-Druck ersetzt. Die Auflösung ist außerdem gering. Für genauere Recherchen wird daher in jedem Falle die Einsichtnahme in das Druckwerk empfohlen.

Die sog. 'Tabula Peutingeriana' - benannt nach dem humansitsichen Wiederentdecker einer dieses Kartenwerk enthaltenden Handschrift des 12./13. Jhts., Konrad Peutinger (1465 - 1547) - stellt eine Zusammenfassung reiserheblicher Orts- und Wegeinformationen aus allen Teilen der in der römischen Antike bekannt gewordenen Oikumene, d. h. nicht nur ihres römisch beherrschten Teiles dar; allerdings macht die römisch beherrschte Welt das Grosdes Werks aus. Die Zusammenstellung aus Orts- und Wegeverzeichnissen verschiedener Herkunft und Herstellunhsart geht allein schon daraus hervor, daß die Entfernungen im allgemeinen zwar in römischen 'milia passuum' (etwas unter 1500 m) angegeben sind, im Osten der Oikumene aber in persischen Parasangen (entsprechend 30 Stadien, d. h. ca.5 - 6 km ), im gallischen Raum in 'leugae' (entsprechend 1 1/2 röm. Meilen, d. h. etwas unter 2250 m). Art und Herkunft von Ausgangsverzeichnissen und Gewährsleuteberichten sind jedoch im einzelnen kaum zu klären. Gesammeltes Material dieser Art könnte eine erste Gesamtbearbeitung schon in der zweiten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts erfahren haben, in der Zeit, in der etwa Agrippa, der Vertraute des Kaisers Ausgustus, sich selbst mit der Herstellung einer in Rom öffentlich ausgestellten Weltkarte und ihrer Kommentierung befaßte. Sie können aber auch erst später als Weiterentwicklung aus einem auf kaiserliches Geheiß, etwa unter Kaiser Caracalla (198 - 217 n. Chr.), redaktionell einheitlich bearbeiteten Gesamtwerk, dem 'Itininerarium Antonini', für den militärischen und adminstrativen Reiseverkehr entstanden sein. Das Werk ist bis zu seiner letzten Überarbeitung in der Spoäatntike offenbar durch die Hände mehrerer nicht bekannter Bearbeiter gegangen und spiegelt hier und da unterschiedliche Stufen geographischer Kenntnis wieder. Die letzte redaktionelle Gesamtbearbeitung ist für das 4. nachchristliche Jahrhundert anzunehmen. Die zu dieser Zeit entstandene Fassung ist dann über mehrere Jahrhunderte der Spätantike und des Mittelalters in einer Folge von Handschriften bis zu der von K. Peutinger entdeckten tradiert worden; diese Art und Dauer der Überlieferung macht eine unbestimmte Anzahl von Abschreibfehlern wahrscheinlich und zahlreiche erkennbare erklärlich.

Die Art der praktisch-zweckbestimmten antiken Kartenpräsentation, die - um eine Komprimierung der Erd-Darstellung in einer 6.80 m langen und 35 cm breiten Buchrolle zu ermöglichen - die Nord-Süd-Dimension der Landflächen aufs Äußerste minimiert und damit alle korrigierenden Momente einer astronomisch basierten Ortsbestimmung und Flächenprojektion ausschließt, unterstützt ihrerseits Fehler und Fehleinschätzungen über das schon bei Ptolemäus gegebene Maß hinaus. Doch hat der schematische Aufbau der Karte, die im wesentlichen nur Verkehrslinien, wichtigere Halte- und Kontenpunkte, insbesondere Städte, Streckendistanzen und einige landschafts- und völkerbezogene Zusatzangaben enthält, auch praktische Vorteile. Sie ähnelt insoweit heutigen, der schnellen Information dienenden schematischen Übersichten über Verkehrslinien, wie sie im örtlichen Nahverkehr oder auch im überregionalen Land-, See- unf Luftverkehr Anwendung finden.

Die Karte begann ursprünglich im Westen bei den 'Fortunate Insulae', der westafrikanischen und spanischen Atlantikküste und 'Thule'; das 1. Segment der maßgeblichen Handschrift ist zwar verloren gegangen, jedoch in der hier vorgelegten wissenschaftlichen Edition aufgrund einschlägiger spätantiker Itinerarien rekonstruiert worden. Im Osten geht sie bis zur Einmündung eines möglicherweise falsch angesetzten (weil in das Kaukasus-Gebiet gehörigen) oder falsch benannten Flusses 'Araxes' in einen nordöstlichen Ozean, ferner bis zu einer Stadt Antiochia -wahrscheinlich Merw (in der Antike Antiochia Margiane; möglicherweise liegt hier aber auch eine Vertauschung oder Identifikation mit 'Alexandria eschate, einer Station der Seidenstraßewestlich des Tienschan-Gebirges, dem heutigen Chodschent, vor) - und bis zur Gangesmündung und Tabrobane. Zentralasien, Ostasien und Südostasien sind von ihr in keiner Weise berührt.

Die Nordgrenze der Karteninformationen liegt von Westen nach Osten u. a. bei Thule (Island), Ibernia Irland) Caledonia (Schottland), den germanischen Völkerschaften unmittelbar jenseits des Rheins (einschließlich der erst im 3. Jht. n. Chr. auftretenden Stammesbünde der Franci und Alamanni) und unmittelbar nördlich der Donau, den 'Sarmati' nördlich der Donau, den 'Alani', der'Lazi' der 'Amazones' (aber noch nicht den Hunnen) unmittelbar nördlich des schwrazen Meeres, weiterer Sarmatenvölker, das als mit einem Nordozean (Mare Hyrcanum) verbunden dargestellte Kaspische Meer und schließlich unterschiedlich benannter Völker der 'Scythi' bis zum östlichen Ende der Karte.

Die Südgrenze der Karteninformationen ist von Ost nach West markierbar durch das vom Ozean begrenzte, nur mit wenigen Angaben präsente Indien - einschließlich Taprobane - zwischen Ganges und Indus, die iranische Küste und den persischen Golf bis zur Einmündung des Tigris, die vom Meer umgrenzte, kaum beschriebene arabische Wüste, den römischen Limes gegenüber Arabien, das Rote Meer, die Halbinsel Sinai (christlich kommentiert durch einen Hinweise darauf, daß Moses und die Kinder Israels sich dort vierzig Jahre lang aufhielten), Ägypten bis zur römischen Grenze bei Hierasykaminus (südlich Assuan) am Nil im Süden und dem für den Arabien- und Indienhandel wichtigen Hafen Berenice am Roten Meer, die wenig beschriebenen küstennahen Gebiete an der Großen und der Kleinen Syrte Nordafrikas und einge dortige Nomadenvölker, und den Atlas samt dortigen barbarischen Völkerschaften bis zur Atlantikküste. Die Art der farblichen Umrandung des Südrandes der Darstellung des bekannten Afrika bringt zum Ausdruck, daß jenseits davon Land und nicht Meer angenommen wird.

Die Orts- und Entfernungsangaben sind am dichtesten und zumeist auch zutreffend für die römisch beherrschten Gebiete bis an die Euphratgrenze im Osten, die Rhein-Donau-Grenze (einschließlich des Dekumatlandes) im Norden, und den ägyptischen und westlichen Teil Nordafrikas im Süden. Auch Mesopotamien und der westliche Iran sind relativ gut repräsentiert. Im übrigen jedoch sind die Mitteilungen relativ gering. Manche an sich, wie Ptolemäus zeigt, schon genauer bekannten Gebiete der Oikumene bleiben völlig unerörtert. Gelegentliche Angaben beruhen offenbar auf Fehleinschätzungen - wie die oben genannten über eine Stadt Antiochia im äußersten Osten der dargestellten Erde oder einen in das Nordmeer einmündenden Fluß Araxes -, einige haben legendären Charakter, wie zum Beispiel die örtliche Identifikation der legendären 'Amazones' oder 'Kynoskephaloi mit tatsächlich existierenden Völkern; allerdings könnte es sich hier auch um Angaben zur Erbauung des gebildeten Kartenbenutzers handeln.

Verglichen mit dem ptolemäischen Kartenwerk ist die 'Tabula Peutingeriana' nach Norden, Osten und Süden hin zwar weit weniger gehaltvoll und genau. Sie dürfte jedoch zumindest im Kernbereich ihrer Darstellung - wegen ihrer Konzentration auf wichtige Orts- und Entfernungsangaben - antiken Reisezwecken weitaus besser entsprochen haben, als die ptolemäische, wissenschaftlich konzipierte Zusammenfassung von Ortsbestimmungen es konnte und wollte.

Die 'Tabula Peutingeriana ist insoweit nicht bestimmt und nicht in der Lage, eine durch die astronomisch basierte Geographie ermöglichte grundsätzliche Einsicht in die Lage der bewohnten Welt auf der Erdkugel zu vermitteln und damit schon in der Antike veralteten, aber populär weiterhin wirksamen, späterhin im Christentum und im Islam fortwirkenden Vorstellungen von einer Lage der Erde unterhalb - und nicht in der Mitte - des Firmaments zu begegnen. Sie widerspricht dem ptolemäischen Weltbild zwar nicht, stützt es aber auch nicht. Vielleicht ist diese Offenheit auch als eine skeptische Distanz der chorographischen gegenüber der astronomisch basierten geographischen Methode - schon in vorchristlicher antiker Zeit - zu deuten.

Die 'Tabula Peutingeriana' teilt jedoch einige gurnsätzlichere Positionen und Irrtümer mit dem ptolemäischen Weltbild und macht so auch die Verbundenheit beider Konzepte deutlich: so die Annahme der 'Insulae Fortunatae' als westlichen Anfangs der Welt oder die Annahme einer Verbindung zwischen Kaspischem Meer und einem nordöstlichen Ozean.

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LV Gizewski SS 2001

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)