Anthropologie: Die Entstehung der menschlichen Kultur. Aus: Plinius, Naturalis Historia 7, 191 - 215.

Lat. Text und deutsche Übersetzung nach: C. Plinius Secundus d. Ä., Naturkunde (Naturalis Historiae libri XXXVII). Lateinisch- deutsch. Mehrere Bände. Hg. und übersetzt von Roderich König in Zusammenarbeit mit Gerhard Winkler, Darmstadt 1973 ff., Buch 7, S. 136 - 151.


Deutsche Übersetzung:

Bevor wir die Naturkunde des Menschen verlassen, erscheint es als vernünftig, anzuführen, was einzelne erfunden haben. Das Kaufen und Verkaufen brachte Vater Liber auf; er erfand auch das Diadem, das Zeichen der küniglichen Würde, und den Triumph. Ceres lehrte den Getreidebau; denn vorher nährte man sich von Eicheln; sie lehrte auch das Mahlen und die weitere Verarbeitung in Attika, nach anderen in Sizilien, weshalb sie auch für eine Göttin gehalten wurde. Sie war es auch, die zuerst Gesetze gab, was indessen andere dem Rhadamanthys zuschreiben.

Die Schrift war, meiner Meinung nach, stets in Assyrien zu Hause, andere aber, wie Gellius, glauben, sie sei in Agypten von Merkur, und wieder andere, sie sei in Syrien erfunden worden. So viel ist für beide Teile gewiß, daß sie, sechzehn Buchstaben an der Zahl, Kadmos aus Phönikien nach Griechenland gebracht hat; zu diesen soll während des Trojanischen Krieges Palamedes vier, nämlich ZUFC, und nach ihm der Liederdichter Simonides ebensoviele, nämlich YXWQ, hinzugefügt haben; die Laute dieser Buchstaben finden sich auch in unserer Sprache vor. Aristoteles behauptet, daß das ursprüngliche Alphabet aus achtzehn Buchstaben bestanden habe und daß die zwei Buchstaben X und Z wahrscheinlicher von Epicharmos als von Palamedes hinzugefügt worden seien. Antikleides behauptet, ein gewisser Menon in Agypten habe sie 15 000 Jahre vor Phoroneus, dem ältesten König Griechenlands, erfunden, und sucht dies aus Denkmälern zu beweisen. Hingegen lehrt Epigenes, einer der glaubwürdigsten Schriftsteller, daß man bei den Babyloniern Beobachtungen der Gestirne von 720000 Jahren auf Ziegeln eingegraben finde; Berosos und Kritodemos, welche am wenigsten annehmen, geben diesen Aufzeichungen 490 000 Jahre, woraus hervorgeht, daß die Buchstaben schon seit ewiger Zeit verwendet werden. Nach Latium brachten sie die Pelasger.

Ziegelbrennereien und Häuser bauten zuerst zu Athen die Brüder Euryalos und Hyperbios; vorher dienten Höhlen als Häuser. Nach Gellius ist Toxius, der Sohn des Caelus, der Erfinder der Lehmbauten, wobei er die Nester der Schwalben zum Vorbild nahm. Die erste befestigte Siedlung benannte Kekrops nach sich Kekropia, die heutige Burg von Athen; manche glauben, daß Argos noch früher vom König Phoroneus gegründet worden sei, wieder andere halten auch Sikyon für älter; die Agypter aber sagen, daß bei ihnen lange vorher Diospolis erbaut worden sei. Die Dachziegel erfand Kinyras, der Sohn der Agriope, sowie das Schürfen nach Erz, beides auf Zypern, ferner die Zange, den Hammer, den Hebel und den Amboß. Brunnen legte zuerst Danaos an, als er aus Agypten nach Griechenland in die Gegend kam, die Argos Dipsion heißt. Steinbrüche betrieb zuerst Kadmos zu Theben oder, nach Theophrastos, in Phönikien. Die ersten Mauern wurden von Thrason, die ersten Türme nach Aristoteles von den Kyklopen, nach Theophrastos von den Tirynthiern erbaut. Die Agypter erfanden das Weben, das Färben der Wolle zu Sardes die Lyder; Kloster, der Sohn der Arachne, erfand die Spindel zum Wollespinnen, das Weben von Leinen und Stricken der Netze Arachne, das Walken Nikias aus Megara, die Anfertigung von Schuhen Tychios aus Böotien. Die Heilkunde wollen die Agypter erfunden haben, nach anderen wurde sie von Arabos, dem Sohn der Babylo und des Apollo, erfunden, die Kräuterkunde und Arzneizubereitung von Cheiron, dem Sohn des Saturn und der Philyra. Die Kunst, Erz in richtiger Mischung zusammenzuschmelzen, hat nach Aristoteles zuerst der Lyder Skythes, nach Theophrastos aber der Phryger Delas gelehrt; die Verarbeitung des Kupfers schreiben einige den Chalybern, andere den Kyklopen zu, Eisen wurde nach Hesiod zuerst von den Bewohnern Kretas verarbeitet, welche die idäischen Daktyler heißen. Silber entdeckte Erichthonios aus Athen, nach anderen Aiakos; den Abbau und das Schmelzen des Goldes lehrte zuerst der Phöniker Kadmos am Berge Pangaion, nach anderen Thoas oder Aiakos in Panchaia, oder Sol, der Sohn des Okeanos, dem Gellius auch die Bereitung der ersten Arznei aus Mineralien zuschreibt. Zinn holte zuerst Midakritos von der Insel Kassiteris. Das Schmieden des Eisens erfanden die Kyklopen, die Töpferei der Athener Koroibos, die Töpferscheibe dabei der Skythe Anacharsis, nach anderen der Korinther Hyperbios. Die Bearbeitung des Holzes und dazu die Säge, die Axt, das Lot, den Bohrer, den Leim und den Fischleim erdachte Daidalos; das Richtmaß aber, die Wasserwaage, den Meißel und den Schlüssel Theodoros aus Samos, Maß und Gewicht der Argiver Pheidon oder, nach Gellius, Palamedes; Feuer aus einem Kieselstein zu schlagen, lehrte Pyrodes, der Sohn des Kilix, und es in einem Zunder aufzufangen, Prometheus. Einen Wagen mit vier Rädern hatten zuerst die Phryger, Handel trieben zuerst die Phöniker, den Weinbau und die Baumzucht lehrte der Athener Eumolpos, Wein mit Wasser zu mischen Staphylos, der Sohn des Silenos, den Anbau und das Pressen des Öl sowie die Gewinnung von Honig der Athener Aristaios; einen Ochsen und einen Pflug verwendete zuerst Buzyges aus Athen, nach anderen Triptolemos. Die monarchische Regierungsform hatten zuerst die Agypter, die demokratische die Attiker nach Theseus. Der erste Tyrann war Phalaris in Agrigent. Die Sklaverei erfanden die Spartaner. Das erste Todesurteil erfolgte auf dem Areopag.

Die Afrikaner kämpften zuerst gegen die Agypter mit Stöcken, welche Phalangen heißen. Die Schilde erfanden Proitos und Akrisios, als sie sich bekämpften, oder auch Chalkos, der Sohn des Athamas; den Panzer Meidias aus Messene, den Helm, das Schwert, den Spieß die Spartaner, die Beinschienen und den Helmbusch die Karer. Bogen und Pfeil soll Skythes, der Sohn Jupiters, nach anderen aber die Pfeile Perses, der Sohn des Perseus, erfunden haben, die Lanzen die Ätoler, den Wurfspeer mit Riemen Aitolos, der Sohn des Mars; die Spieße der Leichtbewaßneten Tyrrhenos, ebenso den römischen Wurfspieß; die Amazone Penthesileia die Streitaxt, Pisaios die Jagdspieße sowie unter den Belagerungsmaschinen den Skorpion, die Kreter den Katapult, die Syrophöniker Balliste und Schleuder, die eherne Tuba Pisaios, der Sohn des Tyrrhenos, die Sehilddächer Artemon aus Klazomenai, das 'Pferd', jetzt 'Widder' genannt, zur Zerstörung der Mauern Epeios vor Troia; das Reiten zu Pferde Bellerophon, Zügel und Pferdedeeken Pelethronios, den Kampf zu Pferde die Thessalier, welche Kentauren genannt wurden und am Berge Pelion wohnten. Zwei Pferde spannte zuerst das Volk der Phryger vor, ein Viergespann Erichthonios. Die Schlachtordnung, das Geben der Signale, die Parole und die Wachen erdachte Palamedes im Trojanischen Krieg, die optischen Zeichen von erhöhten Punkten aus Sinon im gleichen Kriege, den Waffenstillstand Lykaon, die Bündnisse Theseus.

Das Wahrsagen nach dem Verhalten vonVögeln erfand Kar, von dem Karien seinen Namen erhielt; das nach dem der übrigen Tiere fügte Orpheus hinzu, das Weissagen aus der Opferschau Delphos, aus dem Feuer Amphiaraos, aus den Innereien der Vögel der Thebaner Teiresias. Die Auslegung von Wunderzeichen und Träumen wurde von Amphiktyon, die Sterndeutekunst von Atlas, dem Sohn der Libye, nach einigen aber von den Agyptern, nach anderen von den Assyrern erdacht, die dazugehörige Himmelskugel von Anaximander aus Milet, die Kenntnis der Winde von Aiolos, dem Sohn des Hellen. Die Musik erfand Amphion, die Rohr- und die einfache Hirtenfiöte Pan, der Sohn des Merkur, die Querflöte Midas in Phrygien, die Doppelflöte Marsyas im gleichen Volke; die lydische Tonart lehrte Amphion, die dorische der Thraker Thamyras, die phrygische der Phryger Marsyas, die Kithara Amphion, nach anderen Orpheus oder Linos. Auf sieben Saiten spielte zuerst Terpander, indem er drei zu den ursprünglichen vier hinzufügte, eine achte Saite gab Simonides hinzu, eine neunte Timotheos. Auf der Kithara spielte ohne Gesang zuerst Thamyris, Amphion mit Gesang, nach anderen Linos; Lieder zur Kithara komponierte zuerst Terpander. Den Gesang mit Flöten zu begleiten unternahm zuerst Ardalos aus Troizen. Den Waffentanz lehrten die Kureten, den pyrrhichischen Tanz Pyrrhos, beide auf Kreta. Den heroischen Vers verdanken wir dem pythischen Orakel. Über den Ursprung der Dichtkunst herrscht große Meinungsverschiedenheit; daß sie schon vor dem Trojanischen Krieg bestanden hat, wird anerkannt. Sich in Prosarede auszudrücken hat Pherekydes aus Syros zur Zeit des Königs Kyros begründet, die Geschichtsschreibung der Milesier Kadmos. Die gymnastischen Spiele begründete in Arkadien Lykaon, die Leichenspiele Akastos in Iolkos, nach ihm Theseus auf dem Isthmos und Herkules zu Olympia, die Ringkunst Pitheus, das Balispiel der Lyder Gyges; die Malerei die Agypter und in Griechenland Eucheir, ein Verwandter des Daidalos, wie Aristoteles meint, wie Theophrastos aber, der Athener Polygnotos.

Auf einem Schiff kam zuerst Danaos aus Agypten nach Griechenland; vorher benutzte man Flöße, die von König Erythras zum Verkehr zwischen den Inseln im Roten Meer erfunden waren. Manche glauben jedoch, wie ich finde, daß solche schon früher die Myser und Trojaner auf dem Hellespont erdacht hätten, als sie gegen die Thraker übersetzten. Noch jetzt werden auf dem britannischen Ozean Fahrzeuge aus Flechtwerk hergestellt, das mit Leder überzogen ist, auf dem Nil aus der Papyrusstaude, aus Binsen und Schilf. Auf einem Langschiff fuhr zuerst Iason, wie Philostephanos angibt, nach Hegesias aber Parhalos, nach Ktesias Samiramis und nach Archemachos Aigaion. Der Zweiruderer soll zuerst von den Erythräern gebaut worden sein, wie Damastes berichtet, der Dreiruderer nach Thukydides von dem Korinther Ameinokles, der Vierruderer nach Aristoteles von den Karthagern, der Fünfruderer nach Mnesigeiton von den Salaminiern, der Sechsruderer nach Xenagoras von den Syrakusanern. Danach sollen die Reihen der Ruderbänke nach Mnesigeiton Alexander der Große bis auf zehn, nach Philostephanos Ptolemaios Soter bis auf zwölf, Demetrios, der Sohn des Antigonos, bis auf fünfzehn, Ptolemaios Phil adelphos bis auf dreißig und Ptolemaios Philopator mit dem Beinamen Tryphon bis auf vierzig vermehrt haben. Das Lastschiff hat Hippos aus Tyros erfunden, den Lembus die Einwohner von Kyrene, die Cumba die Phöniker, den Celes die Rhodier, den Cercyrus die Kyprier. Die Beobachtung der Gestirne bei der Schiffahrt haben die Phöniker eingeführt, das Ruder die Einwohner von Kopai, ihre richtige Breite die Platäer, die Segel Ikaros, den Mast und die Rahe Daidalos, die Schiffe zum Pferdetransport die Samier oder der Athener Perikles, die gedeckten Kriegsschiffe die Thasier - vorher kämpfte man nur vom Bug oder Heck aus. Die Schiffischnäbel fügte Pisaios, der Sohn des Tyrrhenos, hinzu, den Anker Lupalamos, den Anker mit doppelten Haken Anacharsis, die Enterhaken und 'Hände' der Athener Perikles, die Hilfsmittel beim Steuern Tiphys. Die erste Seeschlacht lieferte Minos. Der erste, der ein Tier tötete, war Hyperbios, der Sohn des Mars, Prometheus erschlug den ersten Ochsen.

Die erste stillschweigende Übereinkunft aller Völker bestand darin, die ionischen Buchstaben zu verwenden. Daß die alten griechischen Buchstaben nahezu ebenso gestaltet waren wie jetzt die lateinischen, wird die alte deiphische Erztafel zeigen, die sich heute im Palatium in der Bibliothek als Geschenk der Fürsten befindet und der Minerva geweiht ist, mit folgender Inschrifr: "Nausikrates weihte der Tochter des Zeus den Zehnten."

Es folgte die Übereinstimmung der Völker beim Scheren des Bartes, das sich jedoch bei den Römern erst später findet. Nach Italien kamen Bartscherer von Sizilien im Jahre 454 der Stadt [300 v.Chr.] durch P. Titinius Mena, der sie, nach Varro, von dorther mitbrachte; vorher haben sich die Römer nicht rasiert. Der erste von allen, der sich täglich den Bart abnehmen ließ, war der jüngere Scipio Africanus. Der göttliche Augustus hat stets das Schermesser verwendet.

Eine dritte, mehr auf Überlegung beruhende Übereinstimmung, war die Einteilung in Stunden; wann und von wem sie in Griechenland erfunden wurde, haben wir bereits im 2. Buch angegeben. Auch sie hat man erst später in Rom verwendet: auf den Zwölf Tafeln wird nur vom Auf- und Untergang der Sonne gesprochen, einige Jahre später kam noch der Mittag hinzu, indem ein Amtsdiener der Konsuln es ausrufen mußte, wenn er von der Kurie aus die Sonne zwischen der Rednerbühne und dem Gebäude der griechischen Gesandten erblickte; neigte sich die Sonne von der Maeniussäule nach dem Gefängnis hin, so rief er die letzte Tagesstunde aus; dies geschah aber nur an heiteren Tagen bis zum 1. Punischen Krieg. Daß L. Papirins Cursor der erste gewesen ist, der den Römern eine Sonnenuhr aufgestellt hat, und zwar elf Jahre vor dem Krieg mit Pyrrhos an dem von seinem Vater gelobten, von ihm aber eingeweihten Tempel des Quirinus, überliefert Fabius Vestalis. Dieser gibt jedoch weder eine Beschreibung der angefertigten Uhr noch nennt er ihren Hersteller und sagt nicht, woher man sie gebracht und bei welchem Schriftsteller er dies gefunden habe. M. Varro berichtet, die erste Sonnenuhr auf einem öffentlichen Platz sei vom Konsul M'. Valerius Messala nahe bei der Rednerbühne an einer Säule angebracht worden, und zwar im ersten Punischen Krieg, nach der Einnahme von Catina in Sizilien, von wo sie dreißig Jahre später als die Uhr des Papirios, nämlich im 491. Jahre der Stadt [263 v. Ghr.], herbeigeschafft wurde. Obwohl ihre Marken nicht mit den Stunden übereinstimmten, richtete man sich doch 99 Jahre nach ihr, bis Q. Marcius Philippus, der mit L. Paullus Zensor war, eine genauer geregelte danebensetzen ließ; dieses Geschenk wurde als eine der willkommensten Leistungen der Zensoren entgegengenommen. Dennoch waren auch dann bei bewölktem Himmel die Stunden bis zum nächsten Lustrum ungewiß, als Scipio Nasica, der Amtsgenosse des Laenas, zuerst durch die Wasseruhr eine gleiche Einteilung der Nacht- und Tagesstunden einführte. Diese Uhr, die mit einem Dach überdeckt war, stiftete er im Jahre 595 der Stadt [159v.Chr.]: so lange hat das römische Volk keine feste Tageseinteilung gehabt.

Jetzt wollen wir uns vor allem den übrigen Lebewesen, und zwar zunächst den Landtieren zuwenden.


Lateinischer Text:

Consentaneum videtur, priusquam digrediamur a natura hominum, indicare quae cuiusque inventa sint. emere ac vendere instituit Liber pater; idem diadema, regiurn insigne, et triumphurn invenit. Ceres frumenta, cum antea glande vescerentur; eadem molere et conficere in Attica, ut alii, in Sicilia, ob id dea iudicata. eadem prima leges dedit, ut alii putavere, Rhadamanthus.

Litteras semper arbitror Assyrias fuisse, sed alii apud Aegyptios a Mercurio, ut Gellius, alii apud Syros repertas volunt. utrique in Graeciam attulisse e Phoenice Cadmum sedecim numero; quibus Troiano bello Palameden adiecisse quattuor hac figura ZUFC, totidem Post eum Simoniden melicum YXWQ, quarum omnium vis in nostris recognoscitur. Aristoteles decem et octo priscas fuisse et duas ab Epicharmo additas XZ quam a Palamede mavult. Antidides in Aegypto mvenisse quendam nomine Menon tradit, XV annorum ante Phoronea, antiquissimum Graeciae regem, idque monumentis adprobare conatur. e diverso Epigenes apud Babylonios DCCXX annorum observationes siderum coctilibus laterculis inscriptas docet, gravis auctor in primis; qui minimum, Berosus et Critodernus, CCCCXC, ex quo apparet aeternus litterarum usus. in Latium eas attulerunt Pelasgi.

Laterarias ac domus constituerunt primi Euryalus et Hyperbius fratres Athenis; antea specus erant pro domibus. GeIlio Toxius, Caeli filius, lutei aedificii inventor placet, exemplo sumpto ab hirundinum nidis. oppidum Cecrops a se appellavit Cecropiam, quae nunc est arx Athenis. aliqui Argos a Phoroneo rege ante conditum volunt, quidam et Sicyonem; Aegyptii vero multo ante apud ipsos Diospolin. tegulas invenit Cinyra, Agriopae filius, et metalla aeris, utrumque in insula Cypro, item forcipem, martulum, vectem, incudem; puteos Danaus ex Aegypto advectus in Graeciam qua vocabatur Argos Dipsion; lapicidinas Cadmus Thebis aut, ut Theophrastus, in Phoenice. Thrason muros, turres, ut Aristoteles, Cyclopes, Tirynthii, ut Theophrastus. Aegyptii textilia, inficere lanas Sardibus Lydi; fusos in lanificio Closter, fliius Arachnae, linum et retia Arachne, fulloniam artem Nicias Megarensis, sutrinam Tychius Boeotius. medicinam Aegyptii apud ipsos volunt repertam, alii per Arabum, Babylonis et Apollinis filium, herbariam et medicamentariam a Chirone, Saturni et Philyrae fllio. aes conflare et temperare Aristoteles Lydum Scythen monstrasse, Theophrastus Delam Phrygem putant; aerariam fabricam alii Chalybas, alii Cyclopas, ferrum Hesiodus in Creta eos, qui vocati sunt Dactyli Idaei. argentum invenit Erichthonius Atheniensis, ut alii, Aeacus; auri metalla et flaturam Cadmus Phoenix ad Pangaeum montem, ut alii, Thoas aut Aeacus in Panchaia aut Sol, Oceani filius, cui Gellius medicinae quoque inventionem ex metallis assignat. plumbum album ex Cassiteride insula primus adportavit Midacritus. fabricam ferrariam invenerunt Cyclopes, figlinas Coroebus Atheniensis, in iis orbem Anacharsis Scythes, ut alii, Hyperbius Corinthius. fabricam materiariam Daedalus et in ea serram, asciam, perpendiculum, terebram, glutinum, ichthyocollam; normam autem et libellam et tornum et davem Theodorus Samius, mensuras et pondera Phidon Argivus aut Palamedes, ut maluit Gellius; ignem e silice Pyrodes, Cilicis filius, eundem adservare ferula Prometheus. vehiculum cum quattuor rotis Phryges, mercaturas Poeni, culturas vitium et arborum Eumolpus Atheniensis, vinum aquae misceri Staphylus, Sileni fliius, oleum et trapetas Aristaeus Atheniensis, idem mella; bovem et aratrurn Buzyges Atheniensis, ut alii, Triptolemus. regiam civitatem Aegyptii, popularem Attici post Theseum. tyrannus primus fuit Phalaris Agraganti. servitium invenere Lacedaemonii. iudicium capitis in Areopago primum actum est.

Proelium Afri contra Aegyptios primi fecere fustibus, quos vocant phalangas. clupeos invenerunt Proetus et Acrisius inter se bellantes sive Chaleus, Athamantis fliius, loricam Midias Messenius, galeam, gladium, hastam Lacedaemonii, ocreas et cristas Cares. arcum et sagittam Scythen, lovis filium, alii sagittasPersen, Persei filium, invenisse dicunt, lanceas Aetolos, iaculum cum ammento Aetolum, Martis filium, hastas velitaresTyrrenum, eundem pilum; Penthesilearn Amazonem securim, Pisaeum venabula et in tormentis scorpionern, Cretas catapultam, Syrophoenicas ballistam et fundam, aeneam tubam Pisaeum Tyrreni, testudines Artemonem Clazoinenium, equum, qui nunc aries appellatur, in muralibus machinis Epium ad Troiam; equo vehi Bellerophontem, frenos et strata equorum Pelethronium, pugnare ex equo Thessalos, qui Centauri appellati sunt, habitantes secundum Pelium montem. bigas prima iunxit Phrygum natio, quadrigas Erichthonius. ordinem exercitus, signi dationem, tesseras, vigilias Palamedes invenit Troiano bello, specularum significationem eodem Sinon, inducias Lycaon, foedera Theseus.

Auguria ex avibus Car, a quo Caria appellata; adiecit ex ceteris animalibus Orpheus, haruspicia Deiphus, ignispicia Amphiaraus, extispicia avium Tiresias Thebanus, interpretationem ostentorum et sommorum Amphictyon, astrologiam Atlans, Libyae filius, ut alii, Aegyptii, ut alii, Assyrii, sphaeram in ea Milesius Anaximander, ventorum rationem Aeolus, Hellenis filius. musicam Amphion, fistulam et monaulum Pan Mercuri, obliquam tibiam Midas in Phrygia, geminas tibias Marsyas in eadem gente; Lydios modulos Amphion, Dorios Thamyras Thrax, Phrygios Marsyas Phryx, citharam Amphion, ut alii, Orpheus, ut alii, Linus. septem chordis primum cecinit III ad IV primas additis Terpander, octavam Simonides addidit, nonam Thimotheus. cithara sine voce cecinit Thamyris primus, cum cantu Amphion, ut alii, Linus; citharoedica carmina conposuit Terpander. cum tibiis canere voce Troezenius Ardalus instituit. saltationem armatam Curetes docuere, pyrrichen Pyrrus, utramque in Creta. versum heroum Pythio oraculo debemus. de poematum origine magna quaestio; ante Troianum bellum probantur fuisse. prosam orationem condere Pherecydes Syrius instituit Cyri regis aetate, historiam Cadmus Milesius. ludos gymnicos in Arcadia Lycaon, funebres Acastus in Iolco, post eum Theseus in Isthmo, Hercules Olympiae; athleticam Pitheus, pilam lusoriam Gyges Lydus; picturam Aegyptii et in Graecia Euchir, Daedali cognatus, ut Aristoteli placet, ut Theophrasto, Polygnotus Atheniensis.

Nave primus in Graeciam ex Aegypto Danaus advenit; antea ratibus navigabatur inventis in mari Rubro inter insulas a rege Erythra. reperiuntur qui Mysos et Trojanos priores excogitasse in Hellesponto putent, cum transirent adversus Thracas. etiam nunc in Britannico oceano vitiles corio circumsutae fiunt, in Nilo ex papyro ac scirpo et harundine. longa nave lasonern primum navigasse Philostephanus auctor est, Hegesias Parhalum, Ctesias Samiramin, Archemachus Aegaeonem. biremem Damastes Erythraeos fecisse, triremem Thucydides Aminoden Corinthium, quadriremem Aristoteles Carthaginienses, quinqueremem Mnesigiton Salaminios, sex ordinum Xenagoras Syracusios, ab ea ad decemremem Mnesigiton Alexandrum Magnum, ad duodecim ordines Philostephanus Ptolemaeum Soterem, ad quindecim Demetrium Antigoni, ad XXX Ptolemaeum Philadeiphum, ad XL Ptolemaeum Philopatorem, qui Tryphon cognominatus est. onerariam Hippus Tynus invenit, lemburn Cyrenenses, cumbam Phoenices, celerem Rhodii, cercyrum Cyprii. siderum observationem in navigando Phoenices, remum Copae, latitudinem eius Plataeae, vela Icarus, malum et antennam Daedalus, hippegum Samii aut Perides Atheniensis, tectas longas Thasii; antea ex prora tantum et puppi pugnabatur. rostra addidit Pisaeus Tyrreni, ancoram Eupalamus, eandem bidentem Anacharsis, harpagones et manus Perides Atheniensis, adminicula gubernandi Tiphys. dasse princeps depugnavit Minos. animal occidit primus Hyperbius, Martis filius, Prometheus bovem.

Gentium consensus tacitus primus omnium conspiravit, ut lonum litteris uteretur. veteres Graecas fuisse easdem paene quae nunc sunt Latinae, indicio erit Delphica antiqui aeris, quae est hodie in Palatio dono principum, Minervae dicata in bibliotheca cum inscriptione tali: NAUVIKRATHS ANEJETO TAI DIOS KORAI TAN DEKATAN.

Sequens gentium consensus in tonsoribus fuit, sed Romanis tardior. in Italiam ex Sicilia venere post Romam conditam anno CCCCLIV, adducente P. Titinio Mena, ut auctor est Varro; antea intonsi fuere. primus omnium radi cotidie instituit Africanus sequens. Divus Augustus cultris semper usus est.

Tertius consensus fuit in horarum observatione, iam hic ratione accedens; quando et a quo in Graecia reperta, diximus secundo volumine. serius etiam hic Romae contigit: XII tabulis ortus tantum et occasus nominantur, Post aliquot annos adiectus est et meridies, accenso consulum id pronuntiante, cum a curia inter Rostra et Graecostasin prospexisset solem; a columna Maenia ad carcerem inclinato sidere supremam pronuntiavit, sed hoc serenis tantum diebus, usque ad primum Punicum bellum. princeps solarium horologium statuisse ante XII annos quam cum Pyrro bellatum est ad aedem Quirini L. Papirius Cursor, cum eam dedicaret a patre suo votam, a Fabio Vestale proditur. sed neque facti horologis rationem vel artilicem signiflcat nec unde translatum sit aut apud quem scriptum id invenerit. M. Varro primum statutum in publico secundum Rostra in columna tradit bello Punico primo a M'. Valerio Messala cos. Catina capta in Sicilia, deportatum inde post XXX annos quam de Papiriano horologio traditur, anno urbis CCCCLXXXXI. nec congruebant ad horas eius lineae, paruerunt tarnen ei annis undecentum, donec Q. Marcius Philippus, qui cum L. Paullo fuit censor, diligentius ordinatum iuxta posuit, idque munus inter censoria opera gratissima acceptum est. etiam tum tamen nubilo incertae fuere horae usque ad proximum lustrum. tunc Scipio Nasica collega Laenati primus aqua divisit horas aeque noctium ac dierum idque horologium sub tecto dicavit anno urbis DXCV. tarn diu populo Romano indiscreta Iux fuit.

Nunc praevertemur ad reliqua animalia primumque terrestria.


LV Gizewski SS 2001

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)