Tacitus über die Juden (Exkurs, Historien 5, 1 - 10)

Dt. Übersetzung und lat. Text nach: Publius Cornelius Tacitus, Historien. Lateinisch und deutsch. Übersetzt, erläutert und herausgegeben von Helmuth Vrteska, Stuttgart 1989, S. 600 - 619.


Deutscher Text:

1 (1) Zu Beginn desselben ]ahres ging Caesar Titus, zur endgültigen Bezwingung Judäas vom Vater auserwahlt und schon früher, da beide noch als gewöhnliche Bürger lebten, durch Kriegstaten berühmt, mit größerem Nachdruck und Ansehen an diese Aufgabe heran, wobei Provinzen und Heere sich in ihrem Einsatz überboten. Um auch selbst den Eindruck zti erwecken, erhaben zu sein über seine hohe Stellung, zeigte er sich als Kriegsmann von Anstand und Tatkraft: durch Ftreundlichkeit und persönliche Ansprache weckte er den Diensteifer, mischte sich haufig bei Schanzarbeiten oder auf dem Marsch unter die gemeinen Soldaten, ohne an seiner Feldherrnwürde Schaden zu nehmen. (2) Drei Legionen, die 4., l0. und 15., alterprobte Soldaten Vespasians, empfingen ihn in ludia. Er fügte noch aus Syrien die 12. hinzu und die aus Alexandria herangeführten "Zweiundzwanziger" und "Dreier". Es begleiteten ihn zwanzig Kohorten der Bundesgenossen, acht Reiterschwadronen, dazu die Könige Agrippa und Sohaemus sowie die Hilfstruppen des Königs Antiochus und eine starke, in dem bei Grenznachbarn üblichen Haß mit den Juden verfeindete Araberschar, zuletzt noch viele, wie eben jeden aus der Hatiptstadt und aus Italien die Hoffnung angelockt hatte, den noch unbeeinflußten Prinzeps für sich einzunehmen. Mit diesen Truppen rückte er in geordnetem Heereszug in das Feindesland ein: alles erkundend und bereit zur Entscheidungsschlacht, bezog er unweit von Jerusalem Lager.

2 (1) Da ich nun darangehe, vom letzten Tag dieser berühmten Stadt zu berichten, erscheint es angemessen, ihre Anfangsgeschichte darzulegen. Die Juden haben, so berichtet man, als Flüchtlinge von der Insel Kreta die entlegensten Gebiete Libyens besiedelt, zur Zeit, da Saturn, von luppiter gewaltsam vertrieben, von der Herrschaft zurücktrat. Den Beweis sucht man im Namen: berühmt sei auf Kreta der Berg Ida und seine Anwohner, die Idäer nenne man mit einer in Barbarensprachen üblichen Erweiterung "Judäer". (2) Einige berichten, unter der Herrschaft der Konigin Isis habe sich die in Agypten überquellende Volksmenge unter Führung des Hierosolymus und des Judas über die Nachbarländer ergossen; die meisten halten sie fur Nachkommen der Athiopier: unter König Kepheus hätten Furcht und Haß sie zum Wechsel der Wohnsitze gezwungen. (3) Einige berichten auch, assyrische Einwanderer, ein Volk auf der Suche nach Ackerland, habe sich eines Teils von Agypten bemächrigt, dann aber eigene Städte, das Hebräerland und die Grenzgebiete gegen Syrien besiedelt. Andere schreiben von einem ruhinvollen Ursprung der Juden: die Solymer, ein in Homers Gedichten gefeiertes Volk, hätten die von ihnen gegründete Stadt nach ihrem Namen Hierosolyma genannt.

3 (1) Die meisten Autoren stimmen in folgendem überein: als in ganz Agypten eine Seuche ausgebrochen sei, die den Körper entstellte habe sich König Bokchoris an das Orakel des Ammon gewandt mit der Bitte um ein Heilmittel: da sei ihm befohlen worden, sein Reich zu säubern und dieses Menschengeschlecht als den Göttern verhaßt in andere Ländee weguschaffen. So habe man dieses Volk zusammengesucht, zusainmengetrieben und es in der Wüste sich selbst überlassen; als nun die einen stumpfsinnig Tränen vergossen, habe Moyses, einer der Vertriebenen, sie aufgerufen, auf keine Unterstützung von Göttern und Menschen zu warten, da sie von beiden verlassen seien; vielmehr sollten sie nur auf sich selbst unter himmlischer Führung bauen, mit deren Hilfe sie schon jetzt das gegenwärtige Unglück überwinden würden. Sie stimmten zu, und in allem unerfahren, begannen sie auf gut Glück den Marsch. (2) Aber nichts setzte ihnen so zu wie der Wassermangel, und schon waren sie, dem Untergang nahe, ringsum auf der ganzen Wüstenfläche niedergesunken, als eine Herde Wildesel zu einem im Schatten eines Hains liegenden Felsen wechselte. Moyses folgte ihr, zog aus dem grasreichen Boden seine Schlüsse und fand reiche Wasseradern. Das bot ihnen Erquickung; nach sechs Tagen ununterbrochenen Marsches vertrieben sie dann am siebenten Tag die früheren Bewohner und besetzten deren Land, in dem sie ihre Hauptstadt und ihren Tempel gründeten.

4 (1) Damit er sich des Volkes für die Zukunft versichere, gab Moyses ihm neue Kultbräuche, die im Gegensatz stehen zu denen aller übrigen Menschen. Unheilig ist dort alles, was bei uns heilig, andererseits ist erlaubt bei ihnen, was für uns als Schande gilt. (2) Ein Bild des Tieres, durch dessen Hinweis sie Herumirren und Durst überwunden hatten, weihten sie in ihrem Allerheiligsten, wobei sie einen Widder schlachteten, gleichsam zur Verhöhnung Ammons; auch Stieropfer bringen sie dar, weil die Ägypter den Apis verehren.Schweinefleisch rühren sie nicht an - in Erinnerung an die Plage, weil auch sie damals der Aussatz entstellt hatte, von dem dieses Tier oft befallen wird. (3) Ihre einstige lange Hungersnot bezeugen sie bis heute durch oftmaliges Fasten, und als Erinnerung an den Raub von Feldfrüchten halten die Juden an ihrem ungesäuerten Brot fest. Am siebenten Tag, so sagt man, habe es ihnen gefallen, der Ruhe zu pflegen, da dieser Tag ihnen das Ende ihrer Plagen gebracht habe; als ihnen dann die Untätigkeit behagte, hätten sie auch jedes siebente Jahr dem Müßiggang geweiht. (4) Andere meinen, dies sei eine Ehrung für Saturn, sei es, weil die Idäer die Grundbegriffe ihrer Religion weitergegeben haben - sie wurden der Überlieferung nach gleichzeitig mit Saturn vertrieben und sind die Begründer des Volkes -, sei es, weil von den sieben Gestirnen, durch die das Mensehenlehen bestimmt wird, in der obersten Kreisbahn mit mächtigstem Einfluß der Stern des Saturn seinen Umlauf beschreibe und die meisten Himmelskörpet ihren Weg und ihre Bahn nach der Siebenzahl vollenden.

5 (1) Diese Kultbräuche, auf welche Weise auch immer eingeführt, werden durch ihr hohes Alter gerechtfertigt: die übrigen Einrichtungen, unsinnig und abstoßend, kamen zur Geltung eben wegen ihrer Abscheulichkeit. Denn überall waren es gerade die übelsten Elemente, die ihren Väterglauben autgaben und Tempelabgaben und Spenden dort zusammenhäuften; daher wuchs die Macht der Juden, und auch deshalb, weil unter ihnen unverbrüchliehe Treue waltet und hilfsbereites Mit eid, gegen alle anderen aber feindseliger Haß. (2) Abgesondert sind sie beim Essen, getrennt beim Schlafen, und obwohl ein der Sinnlichkeit ganz hingegebenes Volk, enthalten sie sich des Geschlechtsverkehrs mit fremdländischen Frauen; untereinander gilt ihnen nichts als unerlaubt. Die Sitte der Beschneidung haben sie eingeführt, um an diesem Unterscheidungsmerkmal erkannt zu werden. Alle, die zu ihrer Lebensform übertreten, halten sich an denselben Brauch, und nichts wird ihnen früher beigebracht, als die Güter zu verachten, ihr Vaterland zu vergessen, Eltern, Kinder, Brüder geringzuachten. (3) Dennoch kümmern sie sich um den Bevölkerungszuwachs; denn eines der nachgeborenen Kinder zu töten gilt als Frevel; die Seelen der im Krieg oder durch Hinrichtung Umgekommenen halten sie für unsterblich: daher ihre Lust zur Fortpflanzung und ihre Todesverachtung. Die Leichen begraben sie, anstatt sie zu verbrennen, und dies nach ägyptischer Sitte; bei ihnen gilt auch derselbe Totenkult und dieselbe Vorstellung von der Unterwelt; ganz anders aber ihr Bild von den Himmlischen. (4) Die Agypter verehren viele Tiere und zusarnmengesetzte Götterbilder; bei den Juden gibt es nur eine Erkenntnis im Geist, den Glauben an einen einzigen Gott. Als Gotteslästerer betrachten sie alle, die Götterbilder aus irdischem Stoff nach dem Ebenbild der Menschen schaffen; jenes höchste und ewige Wesen sei weder darstellbar noch vergänglich. Daher stellen sie in ihren Städten keine Götterbilder auf, schon gar nicht in den Tempeln. Eine solche Huldigung erweisen sie nicht den Königen, eine solche Ehre nicht den Caesaren. (5) Weil aber ihre Priester Musik mit Flötenspiel und Pauken machten, sich mit Efeu bekränzten, und weil man im Tempel einen goldenen Rebstock fand, glaubten einige, es werde Vater Liber verehrt, der Bezwinger des Orients, obwohl die Kultsatzungen keineswegs übereinstimmen; denn Liber stiftete festliche und fröhliche Bräuche, die Sitte der Juden ist widerwärtig und schäbig.

6 (1) Das Land wird im Osten von Arabien begrenzt, im Süden schließt Ägypten an, im Westen Phönikien und das Meer, nach Norden, gegen Syrien zu, dehnt es sich weit aus. Die Menschen sind körperlich gesund und stark im Ertragen von Strapazen Regen ist selten, der Boden fruchtbar: Feldfrüchte gibt es die gleichen wie bei uns, daneben noch Balsam und Palmen. Die Palmwälder sind hoch und schön gewachsen, der Balsambaum erreicht eine mäßige Höhe. Sobald der Saft in einem Zweig angeschwollen ist und man mit einem Messer hineinschneidet, schrumpfen die Saftgefäße; mit einem Steinsplitter oder einer Tonschale werden sie geöffnet, den Saft verwenden die Ärzte. (2) Als höchster Gebirgszug erhebt sich der Libanon, der merkwürdigenveise trotz der großen Hitze schattig und immer schneebedeckt ist; auch speist er den Jordanfluß und läßt ihn entströmen; jedoch ergießt sich der Jordan nicht ins Meer, sondern durchfließt erst den einen See, dann einen zweiten mit unverminderter Wassermenge, vom dritten wird er aufgenommen. Der See hat einen gewaltigen Umfang und gleicht einem Meer, der Geschmack des Wassers ist aber noch übler, der Gestank ist für die Anwohner gesundheitsschädlich; er wird von keinem Windhauch bewegt und bietet weder Fischen noch Wasservügeln Lebensraum. Die zähflüssige Wasserfläche trägt alles, was man auf sie wirft, wie auf festem Boden. Schwimmer und Nichtschwimmer werden in gleicher Weise emporgehoben. Zu einer bestimmten Jahreszeit wirft er Asphalt aus: die Fertigkeit beim Einsammeln haben sie ebenso wie die übrigen technischen Verfahren durch Erfahrung gelernt. Die von Natur schwarze Flüssigkeit, die durch Aufguß von Essig erstarrt, schwimmt auf der Seeoberfläche. Die damit Beschäftigten ergreifen diese Flüssigkeit mit der Hand und ziehen sie an Bord der Schiffe: von dort fließt sie ohne jegliches Zutun in das Schiff und bildet die Ladung, bis man sie losbricht; aber Bronze- oder Eisengeräte kann man dafür nicht verwenden. Der Asphalt verträgt nicht die Berührung mit Blut oder mit Tüchern, die mit der Monatsregel der Frauen benetzt sind. (4) Soweit die alten Autoren; die Ortskundigen aber berichten, man treibe die Asphaltblöcke zusammen und ziehe sie mit der Hand an den Strand; sobald sie dann durch die Glut des Bodens und die Hitzc der Sonne ausgetrocknet seien, spalte man sie mit Beilen und Keilen wie Holzblöcke oder Steine.

7 (1) Nicht weit von dort liegen Ebenen, die einst Berichten nach fruchtbar und von großen Städten besiedelt waren, die aber vom Blitz getroffen in Flammcn aufgegangen waren. Noch seien Spuren vorhanden, aber das Land selbst, vom Aussehen her schon ausgedörrt, habe seine Fruchtbarkeit verloren. Denn alles, was von selbst wächst oder von Menschenhand gesät wird, wächst zwar ins Kraut oder bis zur Blüte oder bis zur üblichen Gestalt, wird dann aber schwarz, wertlos und zerfällt gleichsam in Asche. (2) Ich will zwar zugeben, daß einst berühmte Städte durch Feuer vom Himmel in Flammen aufgegangen sind, glaube aber doch, daß durch die Ausdünstung des Sees das Land vergiftet und die darüber lagernde Luft verpestet wird und deshalb der Ertrag der Saaten und des Herbstes verfault, da Boden und Klima gleich schädlich sind. Der Belius-Fluß mündet in das jüdische Meer; der an seiner Mündung gesammelte Sand wird mit Salpeter vermischt und zu Glas geschmolzen. Dieser Küstenabschnitt ist nicht sehr lang, aber für die Sandgewinnung unerschöpflich.

8 (1) Ein großer Teil Judäas ist übersät mir Dorfsiedlungen, sie haben aber auch Städte; Hierosolyma ist die Hauptstadt des Volkes. Dort steht ein Tempel von unermeßlichem Reichrum. Durch den äußeren Mauerring ist die Stadt, durch einen zweiten die Königsburg, durch den innersten der Tempel umschlossen. Nur bis zu dessen Toren hat ein Jude Zutritt, von der Schwelle werden alle außer den Priestern ferngehalten. (2) Solange der Orient unter der Herrschaft der Assyrer, Meder und Perser stand, waren sie der verachterste Teil der Unterworfenen. Als die Makedonen die Vorherrschaft besaßen, versuchte der König Antiochus, ihnen den Aberglauben zu nehmen und griechische Gesittung zu geben; aber dieses in allem ekelerregende Volk zum Besseren zu wandeln, daran hinderte ihn der Krieg mit den Parthern; denn zu dieser Zeit war Arsakes abgefallen. (3) Daraufhin - die Makedonen waren geschwächt, die Parther noch nicht erstarkt, und die Römer waren weit weg - serzten sich die Juden selbst Könige ein. Diese wurden von dem wankelmürleen Volk vertrieben, gewannen aber mit Waffengewalr die Herrschaft zurück: Verbannung von Bürgern, Zerstörung von Städten, Mord an Brüdern, Gattinnen, Eltern, und alles, was unter Königen üblich ist - dazu erkühnten sie sich, förderten aber den Aberglauben, da sie die Hohepriesterwürde als Stütze ihrer Macht nutzten.

9 (1) Als erster Römer bezwang Gnaeus Pompeius die Juden und betrat den Tempel nach dem Recht des Siegers. Seither ist bekannt, daß drinnen kein Götterbild stehe, die Stätte leer und der Gebeimkult sinn- und zwecklos sei. Die Mauern von Hierosolyma wurden geschleift, der Tempel blieb erhalten. Als dann in der Zeit unserer Bürgerkriege diese Provinzen in die Gewalt des Marcus Antonius gekommen waren, bemächtigte sich der Partherprinz Pacorus Judäas; er wurde von Publius Ventidius getötet, die Parther über den Euphrat zurückgedrängt; die Juden unterwarfen sich Gaius Sosius. (2) Die Königsherrschaft wurde von Antonius dem Herodes übergeben, nach seinem Sieg erweiterte sie Augustus. Nach dem Tod des Herodes riß ein gewisser Simo, ohne auf die Verleihung durch den Caesar zu warten, die Königswürde an sich. Er wurde von Quinctilius Varus, dem Statthalter Syriens, bestraft, und über das gedemütigte Volk geboten die Söhne des Herodes, jeder über ein Drittel. Unter Tiberius herrschte Ruhe. Als sie dann von Gaius Caesar den Befehl erhielten, sein Standbild im Tempel aufzustellen, griffen sie lieber zu den Waffen; aber diesen Aufstand beendete der Tod des Caesars. (3) Nach dem Tod oder der Machtbeschränkung der Könige überließ Claudius die Provinz Judäa römischen Rittern und Freigelassenen, unter denen Antonius Felix mit aller Grausamkeit und Willkür Königsrecht in Sklavengesinnung ausübte. Er heiratete Drusilla, die Enkelin der Kleopatra und des Antonius, so daß Felix Gatte der Enkelin ebendieses Antonius und Claudius der Enkel war.

10 (1) Dennoch dauerte die Geduld der Juden bis zur Prokuratur des Gessius Florus: unter ihm brach der Krieg aus. Der Legat von Syrien, Cestius Gallus, der ihn zu unterdrücken versuchte, hatte mannigfache, meist unglückliche Schlachten zu bestehen. Als er eines naturlichen Todes oder aus Lebcnsüberdruß gestorben war, entsandte Nero den Vespasianus, der dank seines Glücks, seines Rufes und seiner ausgezeichneten Helfer innerhalb zweier Sommer das ganze Land und alle Städte außer Hierosolyma mit seinem siegreichen Heer fest in der Hand hielt. (2) Das nächste Jahr war dem Bürgerkrieg gewidmet und verging, was die Juden betraf, in Ruhe. Als der Friede in Italien errungen war, kehrten die auswärtigen Sorgen wieder. Es steigerte die Erbitterung, daß die Juden als einzige sich nicht gefügt hatten. Zugleich erschien es für alle Erfolge oder Rückschläge des neuen Prinzipates vorteilhaft, wenn Titus bei den Heeren bleibe.


Lateinischer Text:

1 (1) Eiusdem anni principio Caesar Titus, perdomandae Iudaeae delectus a patre et privatis utriusque rebus militia clarus, maiore tum vi famaque agebat, certantibus provinciarum et exercituum studus. atque ipse, ut super fortunam crederetur, decorum se promptumque in armis ostendebat, comitate et adloquiis officia provocans ac plerumque in opere, in agmine gregario militi mixtus, incorrupto ducis honore. (2) tres eum in Iudaea legiones, quinta et decima et quinta decima, vetus Vespasiani miles, excepere. addidit e Syria duodecimam et adductos Alexandria duoetvicensimanos tertianosque; comitabantur viginti sociae cohortes, octo equitum alae, simul Agrippa Sohaemusque reges et auxilia regis Antiochi validaque et solito inter accolas odio infensa Iudaeis Arabum manus, multique, quos urbe atque Italia sua quemque spes acciverat occupandi principem adhuc vacuum. his cum copiis fines hostium ingressus composito agmine, cuncta explorans paratusque decernere, haud procul Hierosolymis castra facit.

2 (1) Sed quoniam famosae urbis supremum diem tradituri sumus, congruens videtur primordia eius aperire. Iudaeos Creta insula profugos novissima Libyae insedisse memorant, qua tempestate Saturnus vi lovis pulsus cesserit regnis. argumentum e nomine petitur: inclutum in Creta Idam montem, accolas Idaeos aucto in barbarum cognomento ludaeos vocitari. (2 quidam regnante Iside exundantem per Aegyptum multitudinem ducibus Hierosolymo ac Iuda proximas in terras exoneratam; plerique Aethiopum prolem, quos rege Cepheo metus atque odium mutare sedes perpulerit. (3) sunt qui tradant Assyrios convenas, ndigum agrorum populum, parte Aegypti potitos, mox proprias urbes Hebraeasque terras et propiora Syriae coluisse. clara alii ludaeorum initia, Solymos, carrninibus Homeri celebratam gentem, conditae urbi Hierosolyma nomen e suo fecisse.

3 (1) Plurimi auctores consentiunt orta per Aegvptum tabe, quae corpora foedaret, regem Bocchorim adito Hammoniis oraculo remedium petentem purgare regnum et id genus hominum ut invisum deis alias in terras avehere iussum. sic conquisitum collectumque vulgus, postquarn vastis locis relictum sit ceteris per lacrimas torpentibus Moysen unum exulum monuisse, ne quam deorum hominumve opem expectarent utrisque deserti, sed sibimet duce caelesti crederent, primo cuius auxilio praesentes miserias pepulissent. adsensere atque omnium ignari fortuitum iter incipiunt. (2) sed nihil aeque quam inopia aquae fatigabat, iamque haud procul exitio totis campis procubuerant, cum grex asinorum agrestium e pastu in rupem nemore opacam concessit. secutus Moyses coniectura herbidi soli largas aquarum venas aperit. id levamen; et continuum sex dierum iter emensi septimo pulsis cultoribus obtinuere terras, in quis urbs et templum dicata.

4 (1) Moyses quo sibi in posterum gentem firmaret, novos ritus contrariosque ceteris mortalibus indidit. profana illic omnia quae apud nos sacra, rursum concessa apud illos quae nobis incesta. (2) effigiem animalis, quo monstrante errorem sitimque depulerant, penetrali sacravere, caeso ariete velut in contumeliam Hammonis; bos quoque immolatur, quoniam Aegyptii Apin colunt. sue abstinent memoria cladis, quod ipsos scabies quondam turpaverat, cui id animal obnoxium. (3) longam olim famem crebris adhuc ieiuniis fatentur, et raptarum frugum argumentum panis Iudaicus nullo fermento detinetur. septimo die otium placuisse ferunt, quia is finem laborum tulerit; dein blandiente inertla septimum quoque annum ignaviae datum. (4) alii honorem eum Saturno haberi, seu principia religionis tradentibus Idaeis, quos cum Saturno pulsos et conditores gentis accepimus, seu quod de septem siderihus, quis mortales reguntur, altissimo orbe et praecipua potentia stella Saturni feratur, ac pleraque caelestium viam suam er cursus septenos per numeros commeare.

5 (1) Hi ritus quoquo modo inducti antiquitate defenduntur: cetera instituta, sinistra foeda, pravitate valuere. nam pessimus quisque spretis religionibus patriis tributa et stipes illuc congerebant, unde auctae Iudaeorum res, et quia apud ipsos fides obstinata, misericordia in promptu, sed adversus omnes alios hostile odium. (2) separari epulis, discreti cubilibus, proiectissima ad libidinem gens, alienarum concubitu abstinent; inter se nihil inclitum. circumcidere genitalia instituerunt, ut diversitate noscantur. transgressi in morem eorum idem usurpant, nec quicquam prius imbuuntur quam contemnere deos, exuere patriam, parentes liberos fratres vilia habere. (3) augendae tamen multitudini consulitur; nam et necare quemquam ex agnatis nefas, animosque proelio aut suppliciis peremptorum aeternos putant: hinc generandi amor et moriendi contemptus. corpora condere quam cremare e more Aegyptio, eademque cura et de infernis persuasio, caelestium contra. (4) Aegyptii pleraque animalia effigiesque compositas venerantur, Iudaei mente sola unumque numen intellegunt: profanos, qui deum imagines mortalibus materiis in species hominum effingant; summum illud et aeternum neque imitabile neque interiturum. igitur nulla simulacra urbibus suis, nedum templis sistunt; non regibus haec adulatio, non Caesaribus honor. (5) sed quia sacerdotes eorum tibia tympanisque concinebant, hedera vinciebantur vitisque aurea templo reperta, Liberum patrem coli, domitorem Orientis, quidam arbitrati sunt, nequaquam congruentibus institutis quippe Liber festos laetosque ritus posuit, Iudaeorum mos absurdus sordidusque.

6 (1) Terra finesque, qua ad Orientem vergunt, Arabia terminantur, a meridie Aegyptus obiacet, ab occasu Phoenices et mare, septentrionem e latere Syriae longe prospectant. corpora hominum salubria et ferentia laborum. rari imbres, uber solum: [exuberant] fruges nostrum ad morem praeterque eas balsamum et palmae, palmetis proceritas et decor, balsamum modica arbor: ut quisque ramus intumuit, si vim ferri adhibeas, pavent venae; fragmine lapidis aut testa aperiuntur; umor in usu medentium est. (2) praecipuum montium Libanum erigit, mirum dictu, tantos inter ardores opacum fidumque nivibus; idem amnem lordanen alit funditque. nec lordanes pelago accipitur, sed unum atque alterum lacum integer perfluit, tertio retinetur. lacus immenso ambitu, specie maris, sapore corruptior, gravitate odoris accolis pestifer, neque vento impellitur neque pisces aut suetas aquis volucres patitur. inertes undae superiacta ut solido ferunt; periti imperitique nandi perinde attolluntur. (3) certo anni bitumen egerit, cuius legendi usum, ut ceteras artes, experientia docuit. ater suapte natura liquor et sparso aceto concretus innatat; hunc manu captum, quibus ea cura, in summa navis trahunt: inde nullo iuvante influit oneratque, donec abscindas. nec abscindere aere ferrove possis: fugit cruorem vestemque infectam sanguine, quo feminae per menses exsolvuntur. (4) sic veteres auctores, sed gnari locorum tradunt undantes bitumine moles pelli manuque trahi ad litus, mox, ubi vapore terrae, vi solis inaruerint, securibus cuneisque ut trabes aut saxa discindi.

7 (1) Haud procul inde campi, quos ferunt olim uberes magnisque urbibus habitatos fulminum iaetu arsisse; et manere vestigia, terramque ipsam, specie torridam, vim frugiferam perdidisse. nam cuncta sponte edita aut manu sata, sive herba tenus aut flore seu solitam in speciem adolevere, atra et inania velut in cinerem vanescunt. (2) ego sicut inclitas quondam urbes igne caelesti flagrasse concesserim, ita halitu lacus infici terram, corrumpi superfusum spiritum, eoque fetus segetum et autumni putrescere reor, solo caeloque iuxta gravi. et Belius amnis Iudaico marl inlabitur, circa cuius os lectae harenae admixto nitro in vitrum excoquuntur. modicum Id litus et egerentibus inexhaustum.

8 (1) Magna pars Iudaeae vicis dispergitur, habent et oppida; Hierosolyma genti caput. illic immensae opulentiae templum, et primis munimentis urbs, dein regia, templum intimis clausum. ad fores tantum Iudaeo aditus, limine praerer sacerdotes arcebantur. (2) dum Assyrios penes Medosque et Persas Oriens fuit, despectissirna pars serviennum: postquam Macedones praepolluere, rex Antiochus demere superstitionem er mores Graecorurn dare adnisus, quo minus taeterrimam gentem in meijus mutaret, Parthorum bello prohibitus est; nam ea tempestate Arsaces desciverat. (3) tum Judaei Macedonibus invalidis, Parthis nondum adultis (et Romani procul erant), sibi ipsi reges imposuere; qui mobilitate vulgi expulsi, resumpta per arma dominatione fugas civium, urbium eversiones, fratrum coniugum parentum neces aliaque solita regibus ausi superstitionem fovebant, quia honor sacerdotii firmamentum potentiae adsumebatur

9 (1) Romanorum primus Cn. Pompeius ludaeos domuit templumque iure victoriae ingressus est: inde vulgatum nulla intus deum effigie vacuam sedem et inanla arcana. muri Hierosolymorum diruti, delubrum mansit. mox civili inter nos beIlo, postquam in dicionem M. Antonii provinciac cesserant, rex Parthorum Pacorus Judaea potitus interfectusque a P. Ventidio, et Parthi trans Euphraten redacti: ludaeos C. Sosius subegit. (2) regnum ab Antonio Herodi datum victor Augustus auxit. post mortem Herodis, nihil expectato Caesare, Simo quidam regium nomen invaserat. is a Quinctilio Varo obtinente Syriam punitus, er gentem coercitam liberi Herodis tripertito rexere. sub Tiberio quies. dein iussi a C. Caesare effigiem elus in templo locare arma potius sumpsere, quem motum Caesaris mors diremit. (3) Claudius, defunctis regibus aut ad modicum redactis, Iudaeam provinciam equitibus Romanis aut libertis permisit, e quibus Antonius Felix per omnem saevltiam ac libidinem lus regium servili ingenio exercuit, Drusilla Cleopatrae er Antonii nepte in matrimonium accepta, ut eiusdem Antonii Felix progener, Claudius nepos esset.

10 (1) Duravit tamen patientia Iudaeis usque ad Gessium Florum procuratorem: sub eo bellurn ortum. et comprimere coeptantem Cestium Gallum Syriae legatum varia proelia ac saepius adversa excepere. qui ubi fato aut taedio occidit, missu Neronis Vespasianus fortuna famaque et egregiis ministris lntra duas aestates cuncta camporum omnesque praeter Hierosolyma urbes victore exercitu tenebat. (2) proximus annus civili beillo intentus quantum ad Iudaeos per otium transiit. pace per Italiam parta et externae curae rediere: augebat iras, quod soli Iudaei non cessissent; simul manere apud exercitus Titum ad omnes principatus novi eventus casusve utile videbatur.


LV Gizewski SS 2001

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)