Barbarenvölker im Zugriff des römischen Reiches: Kelten und Germanen in Caesars Bellum Gallicum 6, 11 - 28.

Dt. Übersetzung und lat. Text aus: Gaius Iulius Caesar, De bello Gallico. Der Gallische Krieg. Lateinisch - Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Marieluise Deissmann, Stuttgart 1991, S. 321 - 343.


Deutsche Übersetzung.

11 (1) Da wir bis zu dieser Stelle unseres Berichts vorgedrungen sind, scheint es mir nicht unangebracht zu sein, die Bräuche Galliens und Germaniens zu schildern und dabei auf die Punkte einzugehen, in denen sich diese Stämme voneinander unterscheiden.(2) In Gallien gibt es nicht nur in allen Stämmen und ihren einzelnen Gauen und Bezirken, sondern fast in jeder Familie politisehe Gruppierungen. An der Spitze stehen die, (3) die den Ruf haben, in der öffentlichen Meinung den größten Einfluß zu besitzen. Von ihrem Schiedsspruch und ihrem Urteil hängen die wichtigsten politischen Entscheidungen und Pläne ab. (4) Dies scheint von alters her aus dem Grund so eingerichtet, damit niemandem aus dem niederen Volk Unterstützung gegenüber einem Mächtigeren versagt bleibe. Denn keiner dieser Führer läßt zu, daß seine Anhänger unterdrückt oder betrogen werden. Wenn er sich anders verhielte, hätte er bei ihnen keinerlei Ansehen mehr. (5) Dieselbe Struktur findet sich auch in Gesamtgallien; denn alle Stämme zusammen sind in zwei Parteien geteilt.

12 (1) Als Caesar nach Gallien kam, standen die Haeduer an der Spitze der einen Partei, die Sequaner führten die andere. (2) Da letztere schon an sich weniger angesehen waren, weil die Haeduer von alters her den größten Einfluß und bedeutende Clientelen besaßen, hatten die Sequaner sich mit den Germanen und Ariovist verbündet und diese unter bedeutenden Opfern, mit großen Versprechungen auf ihre Seite gezogen. (3) Nachdem sie in mehreren Schlachten siegreich gewesen waren, wobei der ganze Adel der Haeduer fiel, war ihre Stellung so übermächtig, (4) daß sie einen großen Teil der Clienten von den Haeduern zu sich herüberziehen konnten und die Sühne der führenden Männer als Geiseln erhielten. Sie zwangen die Regierung der Haeduer zu dem Schwur, keine Kriegspläne gegen die Sequaner zu fassen. Nachdem sie noch einen Teil des angrenzenden Landes gewaltsam eingenommen und zu ihrem Besitz gemacht hatten, standen sie an führender Stelle in ganz Gallien. (5) Diese Notlage hatte Diviciacus veranlaßt, zum Senat nach Rom zu reisen und dort um Unterstützung zu bitten. Er war jedoch ohne Erfolg zurückgekehrt. (6) Da mit dem Eintreffen Cacsars ein Wandel eintrat, erhielten die Haeduer ihre Geiseln zurück, ihre alten Clientelen bildeten sich wieder, und Caesar verschaffte ihnen obendrein neue, weil die, die einen Freundschaftsvertrag mit den Haeduem eingegangen waren, (7) sahen, daß sie sich nun in einer besseren Lage befanden und unter einer gerechteren Herrschaft lebten. Auch durch anderes war die Beliebtheit und das Ansehen der Haeduer so vermehrt worden, daß die Sequaner ihre führende Stellung verloren hatten. An ihre Stelle waren die Remer getreten. Da zu erkennen war, daß sie bei Caesar in gleicher Gunst standen wie die Haeduer, begaben sich die Stämme, die sich wegen alter Streitigkeiten unter keinen Umständen den Haeduern anschließen konnten, in die Clientel der Remer. (8) Diese übernahmen gewissenhaft ihren Schutz. So besaßen sie einen frischen und überraschend schnell erworbenen Einfluß. (9) Die Lage war damals so, daß den Haeduern die unbestrittene Führung zuerkannt wurde, die Remer aber den zweiten Platz im allgemeinen Ansehen einnahmen.

13 (1) In ganz Gallien gibt es nur zwei Klassen von Männern, die an einigermaßen hervorragender und ehrenvoller Stelle stehen. Denn die untere Volksschicht wird fast wie Sklaven behandelt; sie wagt nicht, selbständig zu handeln, und wird zu keiner Beratung hinzugezogen. (2) Da die meisten unter dem Druck von Schulden oder hohen Steuern leben oder aber durch rechtswidriges Verhalten der Mächtigen bedrängt werden, begeben sie sich in die Sklaverei. Die Adligen besitzen ihnen gegenüber alle Rechte, die ein Herr seinen Sklaven gegenüber hat. (3) Von den erwähnten zwei Klassen ist die eine die der Druiden, die andere die der Ritter. (4) Den Druiden obliegen die Angelegenheiten des Kultus, sie richten die öffentlichen und privaten Opfer aus und interpretieren die religiösen Vorschriften. Eine große Zahl von jungen Männern sammelt sich bei ihnen zum Unterricht, und sie stehen beiden Galliern in großen Ehren. (5) Denn sie entscheiden in der Regel in allen staatlichen und privaten Streitfällen. Wenn ein Verbrechen begangen worden oder ein Mord geschehen ist, wenn der Streit um Erbschaften oder den Verlauf einer Grenze geht, fällen sie auch hier das Urteil und setzen Belohnungen und Strafen fest. (6) Wenn sich ein Privatmann oder das Volk nicht an ihre Entscheidungen hält, untersagen sie ihm die Teilnahme an den Opfern. Diese Strafe gilt bei ihnen als die schwerste; (7) denn die, denen die Teilnahme untersagt ist, gelten als Frevler und Verbrecher, alle gehen ihnen aus dem Weg und meiden den Umgang und das Gespräch mit ihnen, damit sie nicht durch ihre Berührung Schaden erleiden. Wenn sie etwas beanspruchen, wird ihnen kein Recht zuteil, und alle Ehrenstellen sind ihnen verschlossen. (8) An der Spitze aller Druiden steht ein Mann, der den höchsten Einfluß unter ihnen genießt. (9) Stirbt er, so folgt ihm entweder der nach, der unter den übrigen das höchste Ansehen besitzt, oder aber sein Nachfolger wird von den Druiden gewählt, wenn mehrere gleich hohes Ansehen besitzen. Nicht selten wird dann jedoch auch mit Waffen um die leitende Stelle gekämpft. (10) Zu einer bestimmten Zeit des Jahres tagen die Druiden an einem geweihten Ort im Gebiet der Carnuten, das man für das Zentrum ganz Galliens hält. Von allen Seiten kommen dort alle die zusammen, die einen Streitfall auszutragen haben, und unterwerfen sich den Entscheidungen und Urteilen der Druiden. Man glaubt, daß die Lehre der Druiden aus Britannien stammt (11) und nach Gallien herübergebracht worden ist. (12) Daher gehen die, die tiefer in ihre Lehre eindringen wollen, meist nach Britannien, um sie dort zu studieren.

14 (1) Die Druiden nehmen in der Regel nicht am Krieg teil und zahlen auch nicht wie die übrigen Steuern. Sie leisten keinen Kriegsdienst und sind auf jedem Gebiet von der Abgabepflicht ausgenommen. (2) Diese großen Vergünstigungen veranlassen viele, sich aus freien Stücken in ihre Lehre einweihen zu lassen, oder ihre Eltern und Verwandten schicken sie zu den Druiden. (3) Wie es heißt, lernen sie dort eine große Zahl von Versen auswendig. Daher bleiben einige 20 Jahre lang im Unterricht. Sie halten es für Frevel, diese Verse aufzuschreiben, während sie in fast allen übrigen Dingen im öffentlichen und privaten Bereich die griechische Schrift benutzen. (4) Wie mir scheint, haben sie das aus zwei Gründen so geregelt: Einmal wollen sie nicht, daß ihre Lehre allgemein bekannt wird, zum andern wollen sie verhindern, daß die Lernenden sich auf das Geschriebene verlassen und ihr Gedächtnis weniger üben. Denn in der Regel geschieht es, daß die meisten im Vertrauen auf Geschriebenes in der Genauigkeit beim Auswendiglernen und in ihrer Gedächtnisleistung nachlassen. (5) Der Kernpunkt ihrer Lehre ist, daß die Seele nach dem Tod nicht untergehe, sondern von einem Körper in den anderen wandere. Da so die Angst vor dem Tod bedeutungslos wird, spornt das ihrer Meinung nach die Tapferkeit ganz besonders an. (6) Sie stellen außerdem häuufig Erörterungen an über die Gestirne und ihre Bahn, über die Größe der Welt und des Erdkreises, über die Natur der Dinge, über die Macht und Gewalt der unsterblichen Götter und vermitteln dies alles der Jugend.

15 (1) Die andere erwähnte Klasse ist die der Ritter. Immer wenn irgendein Krieg ausbricht und es erforderlich macht, stehen sie alle an der Front. Vor Caesars Eintreffen pflegte fast jährlich der Fall einzutreten, daß sie entweder selbst andere überfielen oder Überfälle zurückschlugen. (2) Wer von ihnen die vornehmste Herkunft oder die meisten Mittel hat, der hat auch die meisten Clienten und Sklaven um sich. Sie kennen nur dies eine Kriterium für Ansehen und Macht.

16 (1) Alle gallischen Stämme sind sehr religiös, (2) und aus diesem Grund opfern die, die von schwerer Krankheit befallen sind oder sich in Krieg und Gefahr befinden, Menschen anstelle von Opfertieren oder geloben solche Opfer. Die Druiden führen diese Opfer durch; (3) denn die Gallier glauben, der Wille der unsterblichen Götter könne nur besänftigt werden, wenn für das Leben eines Menschen ein anderes eingesetzt werde. Auch von Staats wegen haben sie Opferbräuche von der gleichen Art. (4) Andere Stämme besitzen Opferbilder von ungeheurer Größe, deren Glieder durch Ruten untereinander verbunden sind. Diese füllen sie mit lebenden Menschen aus. Dann werden die Götterbilder von unten angezündet, so daß die Menschen in den Flammen umkommen. Sie glauben zwar, daß die Tötung von Menschen, die bei Diebstahl, Raub oder anderen Verbrechen gefaßt wurden, den unsterblichen Göttern angenehmer ist, wenn es ihnen jedoch an solchen fehlt, gehen sie auch dazu über, Unschuldige zu opfern.

17 (1) Unter den Göttern verehren sie Merkur am meisten. Von ihm besitzen sie besonders viele Götterbilder, ihn halten sie für den Erfinder aller Künste, für den Führer auf allen Straßen und Wegen, und von ihm glauben sie, er habe den größten Einfluß auf den Erwerb von Geld und auf den Handel. Auf Merkur folgen Apollo, Mars, Jupiter und Minerva. (2) Der Glaube an diese Götter hat etwa denselben Inhalt wie bei den übrigen Völkern: Apollo vertreibt Krankheiten, Minerva lehrt die Anfangsgründe des Handwerks und der Künste, Jupiter hat die Herrschaft über die Himmelsbewohner, und Mars lenkt die Kriege. (3) In der Regel weihen sie ihm das, was sie im Krieg erbeuten werden, wenn sie sich zu einer Schlacht entschlossen haben. Haben sie gesiegt, so opfern sie ihm alle erbeuteten Lebewesen, das übrige tragen sie an einer Stelle zusammen. (4) Bei vielen Stämmen kann man an geweihten Orten Hügel sehen, die sie aus diesen Beutestücken errichtet haben. (5) Es geschieht nur selten, daß einer sich gegen die Religion vergeht und Beute bei sich versteckt oder aber wagt, Weihgeschenke wegzunehmen, wenn Sie schon niedergelegt worden sind. Auf dieser Tat steht als Strafe härteste Folter und Tod.

18 (1) Alle Gallier rühmen sich, von Vater Dis abzustammen, und sagen, das werde von den Druiden überliefert. (2) Daher begrenzen sie die Zeitabschnitte nicht nach der Zahl der Tage, sondern der Nächte. Bei der Berechnung von Geburtstagen und Jahres- und Monatsanfängen gehen sie so vor, daß der Tag der Nacht folgt. (3) In den übrigen Lebensbereichen unterscheiden sie sich in der Regel dadurch von anderen Völkern, daß sie ihren Söhnen nicht erlauben, sich ihnen in der Öffentlichkeit zu nähern, bevor sie erwachsen und kriegstauglich sind. Sie halten es für eine Schande, wenn ein Sohn im Knabenalter in der Offentlichkeit im Blickfeld seines Vaters steht.

19 (1) Die Männer lassen, wenn sie von ihren Frauen Vermögen als Mitgift erhalten haben, ihr eigenes Vermogen schätzen und legen einen gleich großen Wert mit der Mitgift zusammen. (2) Über dieses Gesamtvermögen führen sie gemeinsam Buch und sparen den Gewinn; wer von beiden länger lebt, erhält den beiderseitigen Anteil mit dem Gewinn, der mit der Zeit hinzugekommen ist. (3) Die Männer haben gegenüber ihren Frauen ebenso wie gegenüber ihren Kindern Gewalt über Leben und Tod. Wenn das Oberhaupt einer Familie aus hohem Stande gestorben ist, versammeln sich seine Verwandten und verhören die Ehefrauen wie die Sklaven, falls an dem Tod etwas Verdacht erregt. Stellt sich der Verdacht als begründet heraus, verbrennen sie die Frauen, nachdem sie sie auf alle mögliche Art gefoltert haben. (4) Die Begräbnisse sind im Verhältnis zur sonstigen gallischen Lebensweise sehr prächtig und aufwendig. Alles, was dem Toten vermutlich lieb war, werfen sie auf den Scheiterhaufen, auch Tiere und bis vor kurzem noch Sklaven und Clienten, von denen feststand, daß der Tote sie geliebt hatte. Nach den feierlichen Beerdigungsriten werden sie zusammen mit dem Verstorbenen verbrannt.

20 (1) Die Stämme, die in dem Ruf stehen, daß sie ihren Staat besonders gut lenken, haben ein gesetzlich geregeltes Gebot, daß jeder, dem von den Grenznachbarn ein den Staat angehendes Gerücht zu Ohren kommt, dies sofort den Beamten mitteilt und mit niemand anderem darüber spricht, (2) weil bekannt ist, daß unbesonnene und unerfahrene Menschen oft durch falsche Gerüchte in Schrecken versetzt werden, sich zu verfehlten Handlungen hinreißen lassen und damit Fragen von höchster politischer Bedeutung entscheiden. (3) Die Beamten verschweigen, was ihnen gut scheint, und geben der Menge nur bekannt, was sie für angebracht halten. Es ist verboten, außerhalb der Volksversammlung über Politik zu sprechen.

21 (1) Die Germanen haben ganz andere Bräuche. Denn sie haben weder Druiden, die den kultischen Dingen vorstehen, noch legen sie großen Wert auf Opfer. (2) Unter die Götter zählen sie nur die, die sie wahrnehmen und deren Wirken ihnen augenscheinlich zu Hilfe kommt, die Sonne, den Mond und Vulkan. Den Glauben an die übrigen kennen sie nicht einmal vom Hörensagen.(3) Ihr ganzes Leben besteht aus Jagen und militärischen Übungen. Von klein auf streben sie danach, Härte und Anstrengung zu ertragen. (4) Diejenigen unter ihnen, die am spätesten mannbar werden, genießen bei ihnen das höchste Lob. Die einen glauben, dadurch werde das Wachstum angeregt, die anderen meinen, Kräfte und Muskeln wurden dadurch gestärkt. (5) Es zählt bei ihnen zu der höchsten Schande, schon vor dem 20. Lebensjahr mit einer Frau verkehrt zu haben. Hierbei gibt es keine Heimlichkeit, denn beide Geschlechter baden zusammen in den Flüssen und tragen nur Felle oder dürftige Pelzüberwurfe, wobei der größte Teil des Körpers nackt bleibt.

22 (1) Ackerbau betreiben sie wenig, ihre Ernährung besteht zum größten Teil aus Milch, Käse und Fleisch. (2) Auch hat niemand bei ihnen ein bestimmtes Stück Land oder Grundbesitz. Jeweils für ein Jahr weisen die Stammesleitung und die führenden Männer den Sippen, Großfamilien und anderen Genossenschaften ein Stück Land zu, wobei sie Größe und Lage nach ihrem Gutdünken festsetzen. Im Jahr darauf zwingen sie ihre Stammesgenossen weiterzuziehen. (3) Für dieses Verfahren führen sie viele Gründe an: Ihre Stammesgenossen sollen keinen Gefallen an der Seßhaftigkeit finden und dadurch ihre kriegerische Neigung zugunsten des Ackerbaues aufgeben. Es soll auch nicht dahin kommen, daß sie ihr Ackerland erweitern wollen und die Mächtigen die Schwächeren von ihrem Besitz vertreiben, auch sollen sie nicht zu sorgfältig Häuser errichten, um Hitze und Kälte zu entgehen. Auch die Geldgier soll dadurch im Keim erstickt werden, weil sie die Entstehung gegnerischer Parteien und Streit begünstigt. (4) Schließlich wollen sie die Zufriedenheit der unteren Schichten dadurch erhalten, daß jeder sieht, daß seine Mittel genauso groß sind wie die der Mächtigsten.

23 (1) Es gilt bei den Stämmen als höchster Ruhm, wenn sie um ihr Gebiet herum einen möglichst breiten Streifen brachliegender Einöde besitzen.35 (2) Sie halten es für ein Kennzeichen von Tapferkeit, wenn die Anwohner ihrer Grenzen von ihrem Land vertrieben abziehen und niemand wagt, sich in ihrer Nachbarschaft niederzulassen. (3) Gleichzeitig wird damit die Furcht vor einem plötzlichen Einfall beseingt, so daß sie glauben, sie seien dadurch sicherer. (4) Wenn sich ein Stamm in einem Krieg verteidigt oder einen Krieg beginnt, wählen sie Beamte, die den Oberbefehl übernehmen und Gewalt über Leben und Tod haben.(5) In Friedenszeiten gibt es keine gemeinsame Regierung, sondern die führenden Männer der einzelnen Gebiete und Gaue sprechen für die jeweilige Bevölkerung Recht und schlichten Streitfälle.(6) Raubzüge, die außerhalb der Stammesgrenzen unternommen werden, betrachten sie nicht als Schande. Sie vertreten den Standpunkt, daß sie erfolgen, um die Jugend zu üben und vom Müßiggang abzuhalten. (7) Sobald in einer Versammlung einer der führenden Männer verkündet, er werde einen solchen Zug anführen, und wer ihm folgen wolle, solle sich melden, stehen die auf, denen das Unternehmen und sein Leiter gefallen, und versprechen ihre Unterstützung. Sie werden vom ganzen Volk gelobt. (8) Wer von ihnen dem Führer dann nicht folgt, der wird für einen Verräter und Deserteur gehalten, und in Zukunft wird ihm in allen Bereichen die Vertrauenswürdigkeit abgesprochen. (9) Sie halten es für Frevel, einen Gast zu verletzen. Wer aus welchem Grund auch immer zu ihnen kommt, den schützen sie vor Unrecht und halten ihn für unverletzlich. Alle Häuser stehen ihm offen, und die Bewohner teilen ihre Nahrung mit ihm.

24 (1) Es gab eine Zeit, in der die Gallier den Germanen an Tapferkeit überlegen waren, ja sie mit Krieg überzogen und Kolonien jenseits des Rheins gründeten, weil ihre Bevölkerung zu groß war und sie nicht genügend Ackerland besaßen. (2) Die fruchtbarsten Gebiete Germaniens im Bereich des hercynischen Waldes, der, wie ich sehe, auch Eratosthenes und einigen anderen Griechen vom Hörensagen bekannt war, den sie aber Orcynien nennen, nahmen damals die tectosagischen Volcer in Besitz und ließen sich dort nieder. (3) Dieses Volk hält sich bis zum heutigen Tag in diesem Gebiet und besitzt den Ruf höchster Gerechtigkeit und größten Kriegsruhms.(4) Da die Germanen noch jetzt unter denselben dürftigen, ärmlichen und entbehrungsreichen Verhältnissen leben wie damals, ist auch ihre Nahrung und ihre übrige Lebensweise noch die gleiche. (5) Den GaIliern aber hat die Nähe der römischen Provinzen und die Kenntnis überseeischer Verhältnisse viel an Reichtum und Verfeinerung der Lebensweise gebracht, (6) so daß sie sich langsam daran gewöhnten, von der Germanen besiegt zu werden, und da sie in vielen Schlachten geschlagen wurden, vergleichen sie sich nicht einmal mehr selbst mit ihnen, was die Tapferkeit angeht.

25 (1) Die Ausdehnung des hercynischen Waldes, auf den wir oben hinwiesen, entspricht einem zügigen Fußmarsch ohne Gepäck von neun Tagen; anders kann sie nicht bestimmt werden, da die Einheimischen kein Wegemaß kennen. (2) Der Wald beginnt im Gebiet der Helvetier, Nemeter und Rauracer und erstreckt sich in gerader Richtung auf die Donau zu bis zum Gebiet der Dacer und Anartier.(3) Hier wendet er sich nach links und zieht sich in verschiedenen Gebieten abseits des Flusses hin; auf Grund seiner beträchtlichen Ausdehnung berührt er dabei die Gebiete vieler Völker. (4) In diesem Teil Germaniens gibt es niemanden, der von sich behaupten könnte, er sei bis zum östlichen oder nordöstlichen Rand des Waldes vorgestoßen, auch wenn er sechzig Tage marschiert wäre, noch weiß jemand, wo der Wald anfängt. (5) Gewiß ist, daß es dort viele Arten von wilden Tieren gibt, die man sonst nicht sieht. Diejenigen, die sich am meisten von den uns bekannten unterscheiden und besonders merkwürdig erscheinen, sollen jetzt folgen:

26 (1) Es gibt ein Rind in der Gestalt eines Hirsches; es hat in der Mitte seiner Stirn zwischen den Ohren ein Horn, das stärker hervorragt und gerader ist als die Hörner, die wir kennen. (2) In seiner Spitze teilt es sich in der Art von Blättern und Zweigen weit auseinander. (3) Männliches und weibliches Tier sehen gleich aus, auch ihre Hörner haben dieselbe Form und Größe.

27 (1) Daneben gibt es Tiere, die Elche genannt werden. Sie sehen ähnlich aus wie Ziegen und haben auch ein buntes Fell. Sie sind jedoch etwas größer als Ziegen, haben stumpfe Hörner und Beine ohne Gelenkknöchel. (2) Sie legen sich zur Ruhe nicht nieder und können nicht wieder auf die Beine kommen oder sich wenigstens vom Boden erheben, wenn sie zufällig zu Fall kommen und stürzen. (3) Sie benutzen daher Bäume als Ruhestätten; daran lehnen sie sich und können so, etwas zur Seite geneigt, ausruhen. (4) Wenn Jäger aus ihren 5puren herausfinden, wohin sie sich gewöhnlich zur Ruhe zurückziehen, untergraben sie von den Wurzeln her alle Bäume an dieser Stelle oder schneiden sie nur so weit an, daß der Eindruck erhalten bleibt, als stünden die Bäume fest. (5) Wenn sich die Tiere nach ihrer Gewohnheit daran lehnen, bringen sie mit ihrem Gewicht die ihres Halts beraubten Bäume zu Fall und stürzen zusammen mit ihnen um.

28 (1) Eine dritte Art heißt Auerochsen.Diese sind etwas kleiner als Elefanten und haben das Aussehen, die Farbe und die Gestalt von Stieren. (2) Sie besitzen gewaltige Kräfte, sind sehr schnell und schonen weder Mensehen noch wilde Tiere, wenn sie sie einmal erblickt haben. Die Einheimischen setzen allen Eifer daran, sie in Gruben zu fangen und zu töten. (3) Diese anstrengende Tätigkeit härtet die jungen Männer ab, die sich in dieser Art von Jagd üben. Wer die meisten Auerochsen getötet hat, trägt hohes Lob davon, wenn die Hörner als Beweis seiner Leistung öffentlich ausgestellt werden. (4) Selbst wenn man sie als ganz junge Tiere fängt, können sie sich nicht an den Menschen gewöhnen und gezähmt werden. (5) Die Spannweite ihrer Hörner sowie deren Aussehen und Gestalt unterscheiden sich sehr von den Hörnern unserer Rinder. (6) Die Einheimischen sammeln sie eifrig, fassen den Rand in Silber und gebrauchen sie bei feierlichen Gastmählern als Pokale.


Lateinischer Text.

11 (1) Quoniam ad hunc locum perventum est, non alienum esse videtur de Galliae Germaniaeque moribus et, quo differant hae nationes inter sese, proponere. (2) in Gallia non solum in omnibus civitatibus atque in omnibus pagis partibusque sed paene etiam in singulis domibus factioncs sunt earumque factionum sunt principes (3) qui summam auctoritatem eorum iudicio habere existimantur, quorum ad arbitrium iudiciumque summa omnium rerum consiliorumque redeat. (4) idque eius rei causa antiquitus institutum videtur, ne quis ex plebe contra potentiorem auxilii egeret. suos enim quisque circumveniri non patitur neque, aliter si faciatn ullam inter suos habet auctoritatem. (5) haec eadem ratio est in summa totius Galliae; namque omnes civitates divisae sunt in duas partes.

12 (1) Cum Caesar in Galliam venit, alterius factionis principes erant Haedui, alterius Sequani. (2) hi cum per se minus valerent, quod summa auctoritas antiquitus erat in Haeduis magnaeque eorum erant clientelae, Germanos atque Ariovistum sibi adiunxerant eosque ad se magnis iacturis pollicitationibusque perduxerant. (3) proeliis vero compluribus factis secundis atque omni nobilitate Haeduorum interfecta tantum potentia antecesserant, (4) ut magnam partem clientium ab Haeduis ad se traducerent obsidesque ab iis principum filios acciperent et publice iurare cogerent nihil se contra Sequanos consilii inituros, et partem finitimi agri per vim occupatam possiderent Galliaeque totius principatum obtinerent. (5) qua necessitate adductus Diviciacus auxilii petendi causa Romam ad senatum profectus infecta re redierat. (6) adventu Caesaris facta commutatione rerum, obsidibus Haeduis redditis, veteribus clientelis restitutis, novis per Caesarem comparatis, quod ii qui se ad eorum amicitiam adgregarant, (7) meliore condicione atque aequiore imperio se uti videbant, reliquis rebus eorum gratia dignitateque amplificata Sequani principatum dimiserant. in eorum locum Remi successerant ; quos quod adaequare apud Caesarem gratia intellegebatur, ii qui propter veteres inlmicitias nullo modo cum Haeduis coniungi poterant se Remis in clientelam dicabant. (8) hos illi diligenter tuebantur; ita novam et repente collectam auctoritatem tenebant; (9) et eo tum statu res erat ut longe principes haberentur Haedui, secundum locum dignitatis Remi obtinerent.

13 (1) In omni Gallia eorum hominum, qui aliquo sunt numero atque honore, genera sunt duo. nam plebes paene servorum habetur loco, quae nihil audet per se, nulli adhibetur consilio. (2) plerique cum aut aere alieno aut magnitudine tributorum aut iniuria potentiorum premuntur, sese in servitutem dicant. nobilibus in hos eadem omnia sunt iura quae dominis in servos. (3) sed de his duobus generibus alterum est druidum, alterum equitum. (4) ilii rebus divinis intersunt, sacrificia publica ac privata procurant, religiones interpretantur. ad hos magnus adulescentium numerus disciplinae causa concurrit magnoque hi sunt apud eos honore. (5) nam fere de omnibus controversiis publicis privatisque constituunt, et si quod est facinus admissum, si caedes facta, si de heredidate, de finibus controversia est, idem decernunt, praemia poenasque constituunt. (6) si qui aut privatus aut populus eorum decreto non stetit, sacrificiis interdicunt. haec poena apud eos est gravissima. (7) quibus ita est interdictum, hi numero impiorum ac sceleratorum habentur, his omnes decedunt, aditum eorum sermonemque defugiunt, ne quid ex contagione incommodi accipiant, neque his petentibus ius redditur neque honos ullus communicatur. (8) his autem omnibus druidibus praeest unus, qui summam inter eos habet auctoritatem. (9) hoc mortuo aut, si qui ex reliquis excellit dignitate, succedit aut, si sunt plures pares, suffragio druidum adlegitur; nonnumquam etiam armis de principatu contendunt. (10) hi certo anni tempore in finibus Carnutum, quae regio totius Galliae media habetur, considunt in loco consecrato. huc omnes undique, qui controversias habent, conveniunt eorumque decretis iudiciisque parent. disciplina in Britannia reperta (11) atque inde in Galliam translata existimatur, (12) et nunc qui diligentius eam rem cognoscere volunt, plerumque illo discendi causa proficiscuntur.

14 (1) Druides a beIlo abesse consuerunt neque tributa una cum reliquis pendunt. militiae vacationem omniumque rerum habent immunitatem. (2) tantis excitati praemiis et sua sponte multi in disciplinam conveniunt et a parentibus propinquisque mittuntur. (3) magnum ibi numerum versuum ediscere dicuntur. itaque annos nonnulli vicenos in disciplina permanent. neque fas esse existimant ea litteris mandare, cum in reliquis fere rebus, publicis privatlsque rationibus, Graecis utantur litteris. (4) id mihi duabus de causis Instituisse videntur, quod neque in vulgus disciplinam efferri velint neque eos, qui discunt, litteris confisos minus memoriae studere, quod fere plerisque accidit ut praesidio litterarum diligentiam in perdiscendo ac memoriam remittant. (5) in primis hoc volunt persuadere non Interire animas, sed ab aliis post mortem transire ad alios, atque hoc maxime ad virtutem excitari putant metu mortis neglecto. (6) multa praeterea de sideribus atque eorum motu, de mundi ac terrarum magnitudine, de rerum natura, de deorum immortalium vi ac potestate disputant et iuventuti tradunt.

15 (1) Alterum genus est equitum. hi cum est usus atque aliquod bellum incidit quod ante Caesaris adventum quotannis fere accidere solebat, uti aut ipsi iniurias inferrent aut inlatas propulsarent , omnes in bello versantur, (2) atque eorum ut quisque est genere copiisque amplissimus, ita plurimos circum se ambactos clientesque habet. hanc unam gratiam potentiamque noverunt.

16 (1) Natio est omnis Gallorum admodum dedita religionibus, (2) atque ob eam causam, qui sunt adfecti gravioribus morbis quique in proeliis periculisque versantur, aut pro victimis homines immolant aut se immolaturos vovent, administrisque ad ea sacrificia druidibus utuntur, (3) quod pro vita hominis nisi hominis vita reddatur, non posse aliter deorum immortalium numen placari arbitrantur, publiceque eiusdem generis habent instituta sacrificia. (4) alii immani magnitudine simulacra habent, quorum contexta viminibus membra vivis hominibus complent; quibus succensis circumventi flamma exanimantur homines. (5) supplicia eorum, qui in furto aut in latrocinio aut aliqua noxii sint comprehensi, gratiora dis immortalibus esse arbitrantur. sed cum eius generis copia deficit, etiam ad innocentium supplicia descendunt.

17 (1) Deorum maxime Mercurium colunt. huius sunt plurima simulacra, hunc omnium inventorem artium ferunt, hunc viarum atque itinerum ducem, hunc ad quaestus pecuniae mercaturasque habere vim maximam arbitrantur. Post hunc Apollinem et Martem et lovem et Minervam. (2) de his eandem fere quam reliquae gentes habent opinionem. Apollinem morbos depellere, Minervam operum atque artificiorum initia tradere, lovem imperium caelestium tenere, Martem bella regere. (3) huic, cum proelio dimicare constituerunt, ea quae bello ceperint, plerumque devovent; cum superaverunt, animalia capta immolant reliquasque res in unum locum conferunt. (4) multis in civitatibus harum rerum extructos tumulos locis consecratls conspicari licet; (5) neque saepe accidit ut neglecta quispiam religione aut capta apud se occultare aut posita tollere auderet, gravissimumque ei rei supplicium cum cruciatu constitutum est.

18 (1) Galli se omnes ab Dite patre prognatos praedicant idque ab druidihus proditum dicunt. (2) ob eam causam spatia omnis temporis non numero dierum, sed noctium finiunt; dies natales et mensum et annorum initia sic observant, ut noctem dies subsequatur. (3) in reliquis vitae institutis hoc fere ab reliquis differunt, quod suos liberos, nisi cum adoleverunt ut munus militiae sustinere possint, palam ad se adire non patiuntur filiumque puerili aetate in publico in conspectu patris adsistere turpe ducunt.

19 (1) Viri, quantas pecunias ab uxoribus dotis nomine acceperunt, tantas ex suis bonis aestimatione facta cum dotibus communicant. (2) huius omnis pecuniae coniunctim ratio habetur fructusque servantur; uter corum vita superarit, ad eum pars utriusque cum fructibus superiorum temporum pervenit. (3) viri in uxores sicuti in liberos vitae necisque habent potestatem, et cum pater familiae inlustriore loco natus decessit, eius propinqui conveniunt et de morte, si res in suspicionem venit, de uxoribus in servilem modum quaestionem habent, et si compertum est, igni atque omnibus tormentis excruciatas interficiunt. (4) funera sunt pro cultu Gallorum magnifica et sumptuosa; omni quaeque vivis cordi fuisse arbitrantur in ignem inferunt, etiam animalia, ac paulo supra hanc memoriam servi et clientes, quos ab iis dilectos esse constabat, ustis funeribus confectis una cremabantur.

20 (1) Quae civitates commodius suam rem publicam administrare existimantur, habent legibus sanctum, si quis quid de re publica a finitimis rumore ac fama acccperit, uti ad magistratum deferat neve cum quo alio communicet, (2) quod saepe homines temerarios atque imperitos falsis rumoribus terreri et ad facinus impelli et de summis rebus consilium capere cognltum est. (3) magistratus quae visa sunt occultant, quae esse ex usu iudicaverunt, multitudini produnt. de re publica nisi per concilium loqui non conceditur.

21 (1) Germani multum ab hac consuetudine differunt. nam neque druides habent, qui rebus divinis praesint, neque sacrificiis student. (2) deorum numero eos solos ducunt, quos cernunt et quorum aperte opibus iuvantur, Solem et Vulcanum et Lunam, reliquios ne fama quidem acceperunt. (3) vita omnis in venationibus atque in studiis rei militaris consistit; a parvulis labori ac duritiae student. (4) qui diutissime impuberes permanserunt, maximam inter suos ferunt laudem; hoc ali staturam, ali vires nervosque confirmari putant. (5) intra annum vero vicesimum feminae notitiam habuisse in turpissimis habent rebus. cuius rei nulla est occultatio, quod et promiscue in fluminibus perluuntur et pellibus aut parvis renonum tegimentis utuntur, magna corporis parte nuda.

22 (1) Agri culturae non student, maiorque pars eorum victus in lacte, caseo, carne consistit. (2) neque quisquam agri modum certum aut fines habet proprios, sed magistratus ac principes in annos singulos gentibus cognationibusque hominum quique una coierunt, quantum et quo loco visum est agri adtribuunt atque anno post alio transire cogunt. (3) eius rei multas adferunt causas: ne adsidua consuetudine capti studium belli gerendi agri cultura commutent; ne latos fines parare studeant potentioresque humiliores possessionibus expellant; ne accuratius ad frigora atque aestus vitandos aedificent; ne qua oriatur pecuniae cupiditas, qua ex re factiones dissensionesque nascuntur; (4) ut enim aequitate plebem contineant, cum suas quisque opes cum potentissimis aequari videat.

23 (1) Civitatibus maxima laus est quam latissime circum se vastatis finibus solitudines habere. (2) hoc proprium virtutis existimant, expulsos agris finitimos cedere neque quemquam prope se audere consistere. (3) simul hoc se fore tutiores arbitrantur, repentinae incursionls timore sublato. (4) cum bellum civitas aut inlatum defendit aut infert, magistratus qui ei bello praesint et vitae necisque habeant potestatem deliguntur. (5) in pace nullus est communis magistratus, sed principes regionum atque pagorum inter suos ius dicunt controversiasque minuunt. (6) latrocinia nullam habent infamiam quae extra fines cuiusque civitatis fiunt, atque ea iuventutis exercendae ac desidiae minuendae causa fieri praedicant. (7) atque ubi quis ex principibus in concilio dixit se ducem fore, qui sequi velint, profiteantur, consurgunt ii qui et causam et hominem probant, suumque auxihum pollicentur atque a multitudine conlaudantur; (8) qui ex his secuti non sunt, in desertorum ac proditorum numero ducuntur, omniumque his rerum postea fides derogatur. (9) hospitem violare fas non putant; qui quacumque de causa ad eos venerunt, ab iniuria prohibent sanctosque habent, hisque omnium domus patent victusque communicatur.

24 (1) Ac fuit antea tempus, cum Germanos Galli virtute superarent, ultro bella inferrent, propter hominum multitudinem agrique inopiam trans Rhenum colonias mitterent. (2) itaque ea quae fertilissima Germaniae sunt loca circum Hercyniam silvam, quam Eratostheni et quihusdam Graecis fama notam esse video, quam illi Orcyniam appellant, Volcae Tectosages occupaverunt atque ibi consedetunt; (3) quae gens ad hoc tempus his sedibus sese continet summamque habet iustitiae et bellicae laudis opinionem. (4) nunc quoniam in eadem inopia egestate patientiaque Germani permanent, eodem victu et cultu corporis utuntur, (5) Gallis autem provinciarum propinquitas et transmarinarum rerum notitia multa ad copiam atque usum largitur, (6) paulatim adsuefacti superari multisque victi proeliis ne se quidem ipsi cum illis virtute comparant.

25 (1) Huius Hercyniae silvae, quae supra demonstrata est, latitudo novem dierum iter expedito patet: non enim aliter finiri potest neque mensuras itinerum noverunt. (2) oritur ab Helvetiorum et Nemetum et Rauracorum finibus rectaque fluminis Danubii regione pertinet ad fines Dacorum et Anartium. (3) hinc se flectit sinistrorsus diversis a flumine regionibus multarumque gentlum fines propter magnitudinem attingit. (4) neque quisquam est huius Germaniae, qui se aut adisse ad initium eius silvae dicat, cum dierum iter LX processerit, aut quo ex loco oriatur acceperit. (5) multaque in ea genera ferarum nasci constat, quae reliquis in locis visa non sint, ex quibus quae maxime differant a ceteris et memoriae prodenda videantur, haec sunt.

26 (1) Est bos cervi figura, cuius a media fronte inter aures unum cornu existit excelsius magisque derectum his, quae nobis nota sunt, cornibus; (2) ab eius summo sicut palmae ramique late diffunduntur. (3) eadem est feminae marisque natura, eadem forma magnitudoque cornuum.

27 (1) Sunt item, quae appellantur alces. harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. (2) neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere sese aut sublevare possunt. (3) his sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. (4) quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. (5) huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt.

28 (1) Tertium est genus eorum qui uri appellantur. hi sunt magnitudine paulo infra elephantos, specie er coIore et figura tauri. (2) magna vis eorum est et magna velocitas; neque homini neque ferae, quam conspexerunt, parcunt. hos studiose foveis captos interficiunt. (3) hoc se labore durant adulescentes atque hoc genere venatlonis exercent, et qui plurimos ex his interfecerunt, relatis in publicum cornibus, quae sint testimonio, magnam ferunt laudem. (4) sed adsuescere ad homines et mansuefieri ne parvuli quidem excepti possunt. (5) amplitudo cornuum et figura et species multum a nostrorum boum cornibus differt. (6) haec studiose conquisita ab labris argento circurncludunt atque in amplissimis epulis pro poculis utuntur.


LV Gizewski SS 2001

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)