Lösung zu Übung 8 b.

Die Aufgaben lautete:

Erklären Sie die Namen 'Ceylon', 'Taprobane' und 'Sri Lanka'.


Zur Lösung. Die Hinweise werden knapp gehalten. Im übrigen wird auf die Ausführungen des Kapitels und seine Literaturangaben verwiesen.

Daß die erst im Laufe der Antike geographisch Gestalt annehmende , aber selbst noch von den Kartographen der römischen Kaiserzeit am äußersten südöstlichen Rande der den bekannten Welt und in vielem unkorrekt dargestellte Insel Ceylon - im römisch-griechischen Bereich 'Taprobane' und heute 'Sri Lanka' genannt - mit der Mittelmeerwelt der Griechen und Römer in einer alten sprachgeschichtlichen Beziehung stand, war der Antike unbekannt. In allen drei Namen der Insel spiegelt sich jedoch die sprachgeschichtliche Zugehörigkeit der namengebenden Sprache, des Alt-Indischen, zum indogermanischen Sprachkreis. wieder (dazu im Überblick: W. B. Lockwood, Überblick über die indogermanischen Sprachen, Tübingen 1975). Zu den Aufgaben des Historikers gehört es auch, sich - notfalls auch unter Inansprichnahme fachlicher Hilfe - selbsttätig über derartige Fragen zu inbformieren, wenn dies sinnvoll ist.

Über enzyklopädische Lexika hinaus bieten sich für die Klärung von Wort- und Namensherkunftsfragen Wörterbücher der in Frage kommenden Sprachen an. Zwar gibt es für die indischen Sprachen seit dem Aufkommen der jüngeren, alphabetischen Schriftformen im Altertum Schriftsysteme, die zwar über die aramäische Schrift auch mit den griechischen und lateinischen Entwiclungszweigen der Alphabetschrift zusammenhängen, aber dennoch von einem heutigen westlichen Leser ohne besondere Schulung nicht gelesen werden können. Doch bieten heutige Wörterbücher des Sanskrit und Altindischen das Wortmaterial auch in Umschrift. Im vorliegenden Falle kommen für Recherchen insoweit in Frage:

Manfred Mayrhofer, Kurzgefaßtes etymologisches Lexikon des Altind9schen, 3 Bde. Heidelberg 1963 (19763).

Klaus Mylius, Wörterbuch Sanskrit.Deutsch, Leipzig 1992.

Danach ergibt sich folgendes:

'Ceylon' ist der in die portugiesische Sprache tranformierte und von dort aus in andere europäische Sprachen übergegangene erste Teil eines Namens, der aus zwei Elementen besteht und in Transkription ungefähr: 'sinhála dvipáh' lautet. Er bedeutet 'Löweninsel'. 'Dvipáh' heißt im Altindischen 'Insel', 'simháh' 'Löwe'. Während die etymologische Herkunft des Wortes 'simháh' im sino-tibetischen Sptachbereich vermutet wird, ist das Wort 'dvipáh' indogermanischen Ursprungs. Es setzt sich zusammen aus den Wortwurzeln '-dvi-' und '-apah-'. 'Dvi' korrespondiert im idg. Sprachzusammenhang etwa mit griech. 'dyo', lat. 'duo' oder deutsch 'zwei', 'apah' etwa mit lat. 'aqua' oder deutsch 'Ach' (im Sinne von 'Gewässer', 'Fluß'. 'Bach'). Die Wortbedeutung 'Insel' erklärt sich demnach aus dem semantischen Kompositum 'zweimal Wasser'. Siehe dazu: Mayrhofer, Bd. 3, S. 463 s. v.' simháh', und Bd. 2, S. 86 f. s. v. 'dvipáh'.

'Taprobane' ist die altgriechische (koine-griechische) Umformung eines altindischen Namens, der in seiner sprachlichen Ausgangsform transkribiert ungefähr 'tamra parniya' lautet; daneben gibt es auch eine Namensvariante im Altindischen: 'tamra dvipáh'. Das Wort 'tamra' bedeutet 'kupferrot', das Wort 'parniya' hängt mit dem Wort 'parnam' zusammen, sodaß sich für den Namen etwa die Bedeutung 'die kupferblättrige (sc. Insel)' oder 'Land der Kupferbätter' ergibt. Es wird vermutet, daß diese Bezeichnung auf die Blätter einer in Ceylon weit verbrieten, im Altertum offenbar als charakteristisch empfundenen Pflanzenart mit der wiss.-lat. Bezeichnung 'butea frondosa' Bezug nimmt. So erklärt sich auch die alternative Namensform 'tamra dvipáh' (='Kupferinsel'). Das Wort 'tamra' ist etymologisch, wie es scheint ungeklärt, das Wort 'parnam' hängt über seine indogermanische Herkunft mit griech. 'pteris' ('Feder', 'Blatt') und deutsch 'Feder' und 'Farn' zusammen. Siehe dazu: Mayrhofer, Bd. 2, S. 223 s. v. 'parnam', Mylius, S. 183 s. v. 'tamra', 'tamra-parniya' und 'tamra-dvipa', sowie s. v. 'parna'.

'Sri Lanka' ist die offizielle Bezeichnung des heutigen Staatswesens auf Ceylon. Der Name knüpft an die frühneuzeitliche Geschichte Ceylons an, in der es eine singalesische Reichsbildung von Kandy auf Ceylon gab. Den ersten Teil des Namens gibt es als Wort '-sri-' auch schon im Altindischen; er bedeutet soviel wie Schönheit', 'Glanz', 'Ansehen', 'Adel', 'Herrschaft'. 'Lanka' ist die singlesische Bezeichnung für den auf Ceylon majoritären und in historiscer Zeit zumeist reichsbildenden Teil der Bevölkerung der 'Singalesen'. In der tamilischen Sprache heißt diese Bevölkerungsgruppe 'Ilange'. Die sprachgeschichtliche Herkunft von 'Lanka' und 'Ilange' ist offen. Das Wort 'sri' hängt über seine indogermanische Herkunft mit griech. 'kreion' ('Herrscher') und 'kratos' ('Kraft', 'Stärke', 'Herrschaft') zusammen. Siehe dazu: Mayrhofer, Bd. 2, S. 392, s. v. 'sríh'; K. H. Hesmer, Flaggen, Wappen, Daten. Die Staaten der Erde von A - Z, Gütersloh u. a. O. 1975, S. 196 ff.; Hermann Kulke, Dieter Rothermund, Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute, München 1998.

An den Namen für die Insel Ceylon zeigt sich mithin die sprachgeschichtliche Zugehörigkeit der dort lebenden, (heute) majoritären singalesischen Bevölkerungsgruppe zum Komplex der indogermanischen Sprachen.


 

LV Gizewski SS 2001

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)