Geographie Germaniens nach Ptolemaios 'Geographike Hyphegesis' (2. Buch, Kap. 9, 2. 7 - 9. 11).

Dt. Übersetzung des griechischen Textes aus: Hans-Werner Goetz, Karl-Wilhelm Welwei (Hg.), Altes Germanien . Erster Teil: Auszüge aus den antiken Quellen über die Germanen und ihre Beziehungen zum Römischen Reich. Quellen der Alten Geschichte bis zum Jahre 238 n. Chr., Darmstadt 1995, S. 173 - 192. - Die Bearbeitung für das Internet enthält gegenüber dem Ausgangstext einige Modifikationen in Übersetzung und Schreibweise und läßt die Anmerkungen fort. D. Hg.


Kap. 9: Gallia Belgica

(2) ... Die Ostseite wird gegen Großgermanien begrenzt durch den (bereits) erwähnten Fluß (Rhein).

Dessen Quelle liegt 29° 20' [Länge] - 46° [Breite],
die Stelle der Mündung des von Westen kommenden Flusses Obrinkas (Vinxtbach) 28° 50',
ferner durch das Gebirge, das sich von der Quelle (des Rheines) bis zu den Alpen erstreckt, das den Namen Adulas trägt 29° 30' 45° 15',
[Der Jura 26° 15' 460.1

(7) Östlicher als die Remer (wohnen) weiter nördlich die Treverer.

Deren Stadt (ist) AugustaTreverorum 26° - 48° 10'...

(8) Von dem Lande längs des Rheines heißt der vom Meer bis zum Obrinkas-Fluß reichende Teil Niedergermanien, in dem westlich vom Rhein die Städte liegen:

im Binnenland der Bataver

Batavodurum 27° 15' - 52° 10'

unterhalb davon

Vetera 27° 30' - 51° 50'
hier liegt die 30. Legion Ulpia'
dannAgrippinensis 27° 40' - 50° - 30'
dann Bonna 27° 40' - 50° 50'
(hier liegt) die 1. Legion Minervia'
dann Traiana 27° 30' - 50°30'
(hier liegt) die 22. Legion
dann Mogontiacum 27° 20' - 50° 15'

(9) Das Land vom Obrinkas-Fluß nach Süden hin heißt Obergermanien, in diesem liegen vom Obrinkas an die Städte:

Bei den Nemetern:

Noviomagus 27° 40' - 49° 50'
Rufiniana 27° 40' - 49° 30'

Bei den Vangionen:

Borbetomagus 27° 50' - 48° 50'
Argentorate 27° 50' - 48° 45'
(hier liegt) die 8. Legion Augusta'

Bei den Tribokern:

Breucomagus (Brocomagus) 27° 50' - 48° 20'
Elkebos 28° 48°

Bei den Raurikern (aber):

Augusta Rauricorum 28° - 47° 30'
Argentuaria (Argentovaria) 27° 50' - 47° -40°

Anschließend an diese und die Leuker siedeln die Lingonen...

Kap. 2,11: Die Lage Germaniens.

11. (1) Die westliche Seite Germaniens begrenzt der Rheinstrom, die nördliche der germanische Ozean; ihre Umschreibung ist folgendermaßen:

Nach den Mündungen des Rheinstromes
die Mündungen des Flusses Vidros 27° 30' - 54° 20'
der Hafen Mararmanis 28° - 54° 15'
die Mündungen des Flusses Ems 29° - 55°
die Quellen des Flusses 32° - 52°
die Mündungen des Flusses Weser 31° - 55°
die Quellen des Flusses 34° - 52° 30'
die Mündungen des Stromes Elbe 31° - 56° 15'
die Quellen des Stromes 39° - 50°

(2) Von der Kimbrischen Halbinsel

die Ausbiegung nach der Elbe 32° - 56°50'
die folgende Ausbiegung 35° - 50° 20'
die dann folgende und nördlichste 38° 40' - 58° 20'
ihr östlichster Punkt 40° 15'- 59° 30'
die erste Ausbiegung nach dieser 39° 20' - 58° 15'
die Ausbiegung unterhalb davon 37° - 57°
die Umwendung nach Osten 35° - 56°
die Mündungen des Flusses Chalusos 37° - 56°
die Mündungen des Flusses Syebos 39° 30' - 56°
die Mündungen des Flusses Viados 42° 30' - 56°
die Mündungen des Stromes Weichsel 45° - 56°
die Quelle des Stromes 44° - 52° 30'
die Quelle westlich von ihr, die in die Richtung
der Elbe fließt 40° 10' - 52° 40'

(3) Die südliche Seite aber begrenzt der westliche Teil des Donaustromes, der folgende Lage hat:

die Quelle des Donaustromes 30° - 46° 50'
der Punkt an der Mündung des ersten Flusses
von Germanien her 32° - 47° 15'
der Punkt an der Mündung des aus Süden kommenden Flusses, der Amos (lnn) genannt wird;
seine Lage 34° - 47° 20'
der Punkt der Mündung des zweiten von Norden kommenden Flusses (Aist?) aus dem GabretaWald 36° 46° 40'
der Punkt der dann folgenden Mündung des am Luna-Wald entlang von Norden kommenden Flusses (March?) 39° 20' - 47° 20'
die folgende Wendung (der Donau), von der sie nach Süden abbiegt 40° 40' - 47° 30' (47° 50'?)
der Punkt der folgenden Mündung des von Süden kommenden Flusses, der Arrabo (Raab) genannt wird 41° 47° 40'
die Biegung bei Curta 42° 47'
die folgende Biegung bei Carpis, die nördlichste von allen 42° 30' - 48°

(4) Die östliche Seite begrenzt der Zwischenraum von der genannten Biegung bis zu den oberhalb derselben liegenden Sarmatischen Bergen.

Deren Ende liegt nach Süden hin 42° 30' - 48° 30'
im Norden, 43° 30' - 50° 30'
und das hinter diesen Bergen liegende Gebiet
bis zu der schon genannten Quelle des Stromes Weichsel, und schließlich der Strom selbst bis zum Meer.

(5) Von den Gebirgen, die Germanien durchziehen, sind die bekanntesten die genannten, die die Bezeichnung Sarmatische' haben, und die mit den Alpen gleichnamigen Berge, die oberhalb der Donauquelle liegen.

Ihre äußersten Punkte liegen 29° 47' und 33° 48° 30'
und die sogenannten Abnoba-Berge, deren äußerste Punkte liegen 31° - 49° und 33° - 52'
und das Gebirge Melibokon, dessen äußerste Punkte liegen 33° - 52° 30' und 37° - 52° 30'
Unterhalb hiervon befindet sich der SemanosWald und das Gebirge Askiburgion, dessen äußerste Punkte liegen 39° - 54° und 44° - 52° 30',
und schließlich die sog. Sudeten-Berge, deren äußerte Punkte liegen 31° - 50° und 40° - 50°.

Unterhalb hiervon befindet sich der Gabreta-Wald; zwischen diesen (Gebirgen) und den Sarmatischen Bergen ist der Orkynische Wald.

(6) Die Gebiete Germaniens am Rhein bewohnen - wenn man von Norden beginnt - die kleinen Brukterer und die Sugambrer, unterhalb von diesen die Sueben, Langobarden, dann die Tenkterer und Inkrionen zwischen dem Rhein und den Abnoba-Bergen, und ferner die Intuerger, Vargionen und Karitamer, unterhalb von ihnen die Usipeter und die Helvetier-Einöde bis zu den genannten Alpeia-Bergen (d.h. den mit den Alpen gleichnamigen Bergen).

(7) Das Land am Ozean bewohnen oberhalb der Brukterer die Friesen bis zum Ems-Fluß, nach ihnen die kleinen Chauken bis zum Fluß Weser, dann die größeren Chauken bis zum Elbe-Strom, dann bis zur Enge der Kimbrischen Halbinsel die Sachsen; die Halbinsel selbst bewohnen nach den Sachsen von Westen aus die Sigulonen, dann die Sabalingier, dann die Kobander, oberhalb von diesen die Chalen und noch weiter hinaus mehr im Westen die Phunusier, weiter östlich hingegen die Haruden, am weitesten nördlich von allen aber die Kimbern; nach den Sachsen aber vom Fluß Chalusos bis zum Fluß Syebos die Pharodiner, dann die Sidiner bis zum Fluß Viaduas und jenseits von diesen die Rutiklier bis zum Weichsel-Strom.

(8) Von den im Innern und im Binnenland wohnenden Völkern sind die größten der Stamm der Sueben Angeilen, die weiter östlich von den Langobarden siedeln und deren Gebiet sich nach Norden bis zur mittleren Elbe erstreckt, und der Stamm der Sueben Semnonen, deren Gebiet sich hinter der Elbe von dem genannten (mittleren) Teil nach Osten bis zum Fluß Syebos hinzieht, und der Stamm der Burgunder, die das daran anschließende Land bis zum Weichsel-Strom besitzen.

(9) Als kleinere Völker wohnen zwischen den kleinen Chauken und den Sueben die größeren Brukterer, unterhalh von ihnen die Chaimer zwischen den größeren Chauken und den Sueben die Angrivarier, dann die Langobarden, unterhalb von ihnen die Dulgumnier24; zwischen Sachsen und Suehen die Teutonoarer und Viruner; zwischen Pharadinern und Sueben die Teutonen und Auarper; zwischen Rutikliern und Burgundern die Elvaionen.

(10) Unterhalb der Semnonen wiederum wohnen die Silinger, unterhalb der Burgunder die Lugier lomanner, unter diesen die Lugier Iduner bis zum Gebirge Askiburgion; unterhalb der Silinger die Kalukonen an beiden Ufern der Elbe; unterhalb von ihnen die Cherusker und Chamaven bis zum Gebirge Melibokon, im Osten von ihnen an der Elbe die Bainochaimer, jenseits von (über) ihnen die Batiner und noch jenseits von diesen am Fuß des Gebirges Askiburgion die Korkonter und die Lugier Burer bis zur Quelle des Weichsel-Stromes; unterhalb von ihnen als erste die Sidonen, dann die Kogner, dann die Visburgier jenseits des Orkynischen Waldes.

(11) Wiederum im Osten der Abnoba-Berge siedeln unterhalb der Sueben die Kasuarier, dann die Nertereaner, dann die Landudier, unterhalb von ihnen die Turoner und Marvinger; unterhalb der Chamaven die Chatten und Tubanten, und jenseits der Sudeten-Berge die Teuriochaimer, unterhalb der Berge die Naristen; dann (kommt) der Gabreta-Wald; und unterhalb der Marvinger (wohnen) die Kurionen dann die Chaituorer, und bis zur Donau die Parmaikamper; unterhalb des Gabreta-Waldes die Markomannen, unterhalb von ihnen die Sudianer, und bis zur Donau die Adrabaikamper; unterhalb des Orkynischen Waldes die Quaden; unterhalb von ihnen befinden sich die Eisenbergwerke und der Luna-Wald, unterhalb von diesem (siedeln) als mächtiges Volk die Baimer bis zur Donau und anschließend an sie am Fluß entlang die Rakatrier und die Rakater bei den Kampoi (Campi, bei den Feldern'?).

(12) Städte aber liegen in Germanien in dem nördlichen Breitenstreifen folgende:

Fleum 28° 45' - 54° 45'
Siatutanda 29° 20' - 54° 20'
Tekelia 31° - 55°
Phabiranum 31° 30' - 55° 20'
Treua 33° - 55° 20'
Leuphana 34°15' - 55° 40'
Lirimeris 34° 30' - 55° 30'
Marionis 34° 30' - 55° 50'
ein weiteres Marionis 36° - 55° 50'
Kenennum 36° 50' - 55° 30'
Aituia 37° 50' - 55° 30'
Alisos 38° - 55°
Lakiburgium 39° 56°
Munitium 39° 30' - 55° 30'
Virunum 40° 30' - 55°
Viritium 41° - 54° 30'
Rugium 42° 30' - 55° 40'
Skurgum 43° - 55°
Askaulis 44° 15' - 54° 15'

(13) In dem nächsten Breitenstreifen südlich hiervon Städte:

Asciburgium 27° 30' - 52° 30'
Navalia 27° 50' - 53° 15'
Mediolanium 280 10,
Teuderium 30° - 53° 20'
Bogadium 30° 15' - 52°
Streontium 31° - 52° 20'
Amisia 31° 30' - 51° 30'
Munitium 31° 40' - 52° 30'
Tuliphurdum 32° - 54°
Askalingium 32° 30' - 53° 45'
Tulisurgium 32° 40' - 53° 20'
Pheugarum 32° 40' - 52° 15'
Kanduum 33° - 51° 50'
Tropaea Drusi 30° 45' - 52° 45'
Luppia 34° 30' - 52° 45'
Mersuium 35° 30' - 53° 45'
Areletia 36° 30' - 52° 20'
Kalaigia 37030 40'
Lupphurdum 38° 10' - 51
Susudana 38° 30' - 53° 50'
Kolankorum 39° - 53° 30'
Lugidunum 39° 30' - 52° 10'
Stragona 39° 40' - 51° 40'
Limius Alsus 41° - 53° 30'
Budorigum 41° - 52° 40'
Leukaristus 41°30' - 54°
Arsonium 43° 30' - 52° 20'
Kalisia 43° 45' - 52^50'
Getidaua 44° - 53° 30'

(14) In dem nächsten Streifen südlich hiervon liegen folgende

Alison 28° - 51° 30'
Budoris 28° - 49°
Mattiacum 30° - 50° 50'
Artaunum 30° - 50°
Novaesium 31°30' - 51° 10'
Melokabus 31° 30' - 50° 40'
Gauonarium 31°30' - 50° 10'
Lokoritum 31° 30' - 49° 20'
Segodunum 31° 30' - 49°
Deuona 32° 30' - 48° 45'
Bergium 33° - 49° 30'
Menosgada 34° 30' - 49° 30'
Bikurgium 34°30' - 49°
Marobudum 35° 51° 15'
Redinguinum 38° 30' - 50° 30'
Nomisterium 39° - 51°
Meliodunum 39° - 49°
Kasurgis 39° 15' - 50° 10'
Streuintia 39°30' - 49° 30'
Iligmatia 39° 40' - 51°
Budorgis 40° - 50° 30'
Eburum 41° - 49° 30'
Arsikua 41°40' - 49°
Parienna 42° - 49° 40'
Setuia 42°30' - 50°
Karrodunum 42°40' - 50° 30'
Osanda 43° - 50° 50'

(15) In dem übrigen Streifen und an der Donau liegen folgende Städte.

Tarodunum 28° 20' - 47° 50'
Arae Flaviae 30° 40' - 48°
Riusiava 31° - 47° 30'
Alkimoennis 32° 30' - 47° 30'
Kantioibis 32° 40' - 48° 20'
Bibakum 33° - 48°
Prodentia 33° 45' - 48°
Setuakotum 34° - 48° 20'
Vebium 35° - 47°
Abiluum 35° 20' - 47° 40'
Phrurgisatis 36° 48°
Kondorgis 37° 15' - 48° 30'
Mediolanium 38°- 47° 10'
Felicia 39° - 48° 30'
Eburodunum 39° - 48°
Anduaitium 40° 30' - 47° 40'
Calamantia 41° - 47° 50'
Singone 41°30' - 48° 15!
Anauum 41°40' - 47° 30'

(16) An Inseln aber liegen oberhalb Germaniens im Gebiet der Elbemündung die sogenannten (Inseln) der Sachsen, und zwar drei.

Deren Mitte liegt 30° 10' - 57° 40'

Oberhalb der Kimbrischen Halbinsel liegen drei weitere, die sogenannten Alokischen.

Deren Mitte liegt 37° - 59° 20'

Im Osten der Kimbrischen Halbinsel liegen vier Inseln, die sogenannten Skandischen, drei kleine

Deren Mittelpunkt liegt 41° 30' - 58°.

Eine sehr große, die am weitesten nach Osten liegt in der Gegend der Mündung des Flusses Vistulas.

Ihr westlichster Punkt liegt 43° - 58°
der östlichste 46° - 58°
der nördlichste 44° 30' - 58° 30'
der südlichste 45° - 57° 40'.

Diese Insel selbst hat auch die eigene Bezeichnung Skandia; ihren Westen bewohnen Chaideiner, den Osten Phauoner und Phiraiser, den Norden Finnen, den Süden Gouten (Goten?) und Daukionen, die Mitte Leuonen.

Kap. 3. 5. 7. Die Lage Sarmatiens in Europa.

5. (1) Das in Europa liegende Sarmatien wird im Norden begrenzt durch den Sarmatischen Ozean am Venedischen Meerbusen entlang und durch einen Teil des unbekannten Landes .., im Westen durch den Weichselstrom, dem zwischen seiner Quelle und den Sarmatischen Bergen liegenden Teil Germaniens und diesen Bergen selbst, deren Lage schon genannt ist. ...

(7) Es wohnen in Sarmatien als größte Völker die Veneder am gesamten Venedischen Meerbusen entlang; oberhalb Dakiens die Peukiner und Bastarner.


LV Gizewski SS 2001

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)