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 Chinesische Aspekte zu Kap. 3: Überblick über die Landwirtschaftsgeschichte des östlichen Altertums.

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A. Räume und Epochen chinesischer Landwirtschaftsgeschichte.

Zu den natürlichen Landwirtschaftszonen.

 

Entnommen aus: B. Staiger (Hg.), China. Natur, Geschichte, Gesellschaft, Politik, Staat, Wirtschaft, Kultur. Tübingen, Basel 1980, S. 15.

Zur Bevölkerungentwicklung, zur intensiven Landbewirtschaftung in den Verdichtungsräumen und zur Kolonisation.

Die Bevölkerung Chinas im Jahre 2 n. Chr.
 Die Bevölkerung Chinas im Jahre 140 n. Chr.

Entnommen aus: D. Twitchett, Michael Loewe, (Ed.) The Ch'in and Han Empires 221 B. C. - A. D. 220, Cambridge( University Press) 1986, S. 241 und 242.

Zum Stadt-Land-Verhältnis im Süden Chinas in der Han-Zeit und heute.

  Topographische Karte des Marquisats von Dai aus dem vor 168 v. Chr. datierten Grab Nr., 3 von Mawangdui in Changshan, Provinz Hunan. Bemalte Seide, etwa 96 mal 96 cm. Oben rechts eine Rekonstruktion. Die Lankarte im Maßstab von 1 : 180000 zeigt den Fluß Xiangjiang mit der Xiaoshui-Flußebene. Flüsse, Siedlungen und Verkehrswege sind gekennzeichnet, selbst Kontur- und Höhenlinien können ausgemacht werden. Wir finden bereits eine Standardisierung der Symbole: Städte sind durch Quadrate dargestellt, Dörfer und Gemeinden durch einen Kreis, Flüsse durch Linien, die von der Quelle zur Mündung an Stärke zunehmen, Berge durch gestrichelte Linien und das Juiyi-Gebirge durch dichte Schraffur. Zur Angabe unterschiedlicher Höhen verwendete man den Höhen enstprechende Säulen. Im oberen Teil der Karte vermindert sich der Maßstab jedoch abrupt und verzerrt dadurch die Darstellung der anschließenden Provinz am Südchinesischen Meer. Dies läßt den Schluß zu, daß die Kartographen nur das Hoheitsgebiet des eigenen Marquisats mit der dafür erforderlichen Sorgfalt kartographieren konnten.

Abbildungen und Erklärung nach: Dieter Kuhn, Wissenschaft und Technik, in: R. Goepper (Hg.), Das alte China, München 1988, S. 247 ff. (261).

 

Entnommen aus: Diercke-Weltalas, Westermann-Verlag, Braunschweig 1988, S. 132 f. (Ostasien, Sonderkarte 'Wirtschaft', Ausschnitt).

Im Zentrum des hier wiedegegebenen Kartenauszugs befindet sich das von der oben wiedergegeben altchinesischen Karte dargestellte Gebiet. Die altchinesische Karte ist gesüdet, die heutige genordet. Die heutige Karte läßt größere industrielle Konzentrationen, aber daneben auch eine weiterhin sehr große Extension der landwirtschaftlichen Nutzung in dem gemeinten Territorium erkennen.

 

 

B. Produkte, Verfahrensweisen und Instrumente landwirtschaftlicher Tätigkeit.

Zum Pflügen und zu anderen Feldarbeiten im Altertum und heute.

 

 

Das Flachrelief vom Türpfosten eines 107 n. Chr. datierten Grabes in Mishi, Provinz Shaanxi, zeigt einen Bauern, der einen von zwei Ochsen gezogenen Pflug führt. Aufschlußreich ist die Wiedergabe der Bauweise des Pfuges. Im Nacken der beiden Zugochsen, die an ihren Nasenringen durch einen Strick miteinander verbunden sind, liegt eine Stange als Querjoch, in dessen Mitte die Pflugstange, der Grindel, unter Verwendung eines u-förmigen Verbindungsstüvks befestigt ist. Am hinteren Ende geht ein Holz, der sogenannte Sterz, als Griff nach oben, den der Bauer mit beiden Händen hält. Kurz davor sitzt ein weiteres vertikales Holz, der Rumpf, unter dem unten an einem Stiel die dreieckige Pflugschar abgebracht ist. Dieser bereits hochentwickelte Pflugtypus heißt in China "erniu taigang", "zwei Ochsen verbindender Querbalkenpflug". Xi'an, Shaangxi Provincial Museum.

Bild und Erklärung nach: E. v. Mende, Wirtschaft, in: R. Goepper (Hg.), Das alte China, München 198, S. 149 - 185 (151).

Entnommen aus: F. H. King, 4000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan, (Reisebericht aus dem Jahre 1910), München 1984, S. 90.

 

Zu den Landwirtschaftlichen Instrumenten und Techniken des Altertums: die Getreidemühle.

Tonmodell einer Getreidemühle aus einem han-zeitlichen Grab. In der Wand links, vor der ein Hund liegt, ist eine Kornschwinge eingebaut. Das Getreide wird oben in den Trichter hineingegeben. An der Seite befinden sich ein Kurbelgriff und zwei Öffnungen für Spreu und Korn. Rechts hinten bedient ein Mann einen Hammerbalken mit Fußbetrieb, um das Korn zu zerstampfen. Gemahlen wird es in der vorne rechts stehenden Handmühle. Ihr oberer Mühlstein hat ein Loch zum Nachschütten des Getreides und kann an einem Handgriff gedreht werden. Das Mehl lagert sich in dem runden Trog ab. Kansas-City, Nelson-Atkins Museum.

Bild und Erklärung nach: E. v. Mende, Wirtschaft, in: R. Goepper (Hg.), Das alte China, München 1988, S. 149 - 185 (166).

 

Zu den Neuerungen des Altertums in der Landwirtschaft.

Einige Erfindungen der Landwirtschaft.

Entnommen aus. Caroline Blunden, Mark Elvin, Weltatlas der alten Kulturen - China. Aus dem Englischen übersetzt von Dagmar Ahrens-Thiele und Renate Soeder, (1983), München 1992 6 , S.198.

Zum altchinesischen Verfahren der Alkoholdestillation.

 

Die Produktion von Alkohol, die in China wohl eine 7000-jährige Tradition aufzuweisen hat, wird zuerst durch. shangzeitliche Inschriften auf Orakelknochen auch literarisch bekundet. Vermutlich Hirsewein wurde als wichtigste Opfergabe an die Götter und die Ahnen verwendet.In der Zhou-Periode gab es bereits eigene Ämter und Amtspersonen, die die Herstellung alkoholisscher Getränke überwachten, wie in 'Zhouli' (Sitten der Zhoz-Zeit) und 'Liji' (Buch der Sitte) bekundet ist. In hanzeitlichen Reliefs und Grabbeigaben aus Sichuan tauch neben Szenen der Salzgewinnung, der Getreideernte, des Fischens und des Jagens immer wieder auch solche der Alkoholherstellung - wie die oben dargestellte - auf. Die Provinz hatte sich zu dieser Zeit zu einem Handleszentrum entwickelt, von dem auch die Verbindungen zum 'barbarischen' Ausland ', bis nach Indien hin, ausgingen. Produziert wurde Alkohol in größerem Umfang also auch für den Handel. Ausgangsstoffe waren vor allem Kolbenhirse, Reis und Gaoliang, aber wohl auch Obst unter Zusatz des Hefepilzes (der wohl schon in der neolithischen Cishan-Kultur bekannt war). Auf dieser Basis entwickelte sich schon in der Zhou-Zeit ein differenziertes Spektrum von Alkoholprodukten, zu dem die milden Sorten wie 'li', 'lo', 'lao' und 'chang' gehören. Die Branntweisdesitllation ist durch die obige Darstellung für die Han-Zeit bekundet. Das Prinzip des Destillationsgerätes ist auf der beifügten Zeichnung erklärt.

Abbildungen und Erklärung nach: R. Goepper, Lei Congyun u. a., DasAlte China. Menschen und Götter im Reich der Mitte 5000 v. Chr. - 220 n. Chr., Katalog einer Ausstellung in der Villa Hügel, Essen 1995, S. 404 ff.

 

Zur Getreidelagerung.

 

Da aus der Han-Zeit keinerlei aus Erde und Holz errichtete Bauwerke als archäolologischer Reste erhalten geblieben sind, sind Architekturmodelle, wie sie als 'mingqi' ('Geistergeräte') in Gräbern dieser Zeit niedergelegt wurden, eine wichtige baugeschichtliche Quelle des Altertums. Das oben abgebildetete Modell eines fünfgeschossigen Turmgebäudes ist - in seinen unteren Etagen - vermutlich ein Getreidespeicher (worauf u. a. der Sackträger im Eingangsbereich hinweist). Derartige Speichermodelle - es sind weitere gefunden und archäologisch untersucht worden; einige waren mit Hirsekörnern gefüllt - wurden in der Provinz Henan, der Kornkammer der nordchinesischen Tiefebene, für die Bestattung von Grundbesitzern offenbar serienmäßig aus Modeln angefertigt. - Der dargestellte Turmtyp eines Getreidespreichers steht neben anderen, eher siloartigen Formen im Alten China.

Abbildung und Erklärung nach : R. Goepper, Lei Congyun u. a., Das Alte China. Menschen und Götter im Reich der Mitte 5000 v. Chr. - 220 n. Chr., Katalog einer Ausstellung in der Villa Hügel, Essen 1995, S. 389.

 

Zu dem zentralen Problem der Düngerbeschaffung.

Entnommen aus: F. H. King, 4000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan, (Reisebericht aus dem Jahre 1910), München 1984, S. 126.

 

C. Landwirtschaftliche Organisationseinheiten. 

Zum Dorf als 'betriebswirtschaftlicher' und 'administrativer' Einheit im Altertum und heute.

Kalksteingebirge und eingelagerte, landwirtschaftlich intensiv mit Reisanbau genutzt Flußlandschaft in Guilin. Die Bewirtschaftung der bis zum letzten genutzten Talfläche erfolgt von einem räumlich aufs äußerste komprimierten Dorf aus; die Feldbestellung setzt eine dauernde Kooperation der Dorfbewohner voraus.

Entnommen aus. Caroline Blunden, Mark Elvin, Weltatlas der alten Kulturen - China. Aus dem Englischen übersetzt von Dagmar Ahrens-Thiele und Renate Soeder, (1983), München 1992 6 , S.44.

 

Zur altchinesischen Großfamilie und ihrem Hof.

 

Anders als in der westlichen Baugeschichtstradition, in der es seit der Antike für private, öffentliche und sakrale Gebäude besondere Traditionsstränge gibt, gilt in China die Wohnung der Familie, das Familienhaus, als Ausgangsbasis der baugeschichtlichen Ausdifferenzierung aller Gebäudetypen vom Altertum an, bis hin zum Kaiserpalast in Peking und zu daoitischen Tempelanlagen. Dies Verhältnis entspricht dem inneren von Familie und großer Gesellschaft, das nach häufig geäußerter chinesischer Auffassung eines zwischen einer 'Kernzelle' und einem 'Makro-Organismus' ist (N. I. Wu, 1963, 31). - Die obige Abbildung gibt das Modell einer Hofanlage /zhangyan), eine Grabbeigabe aus dem 2 . Jht. v. Chr., wieder (1981 in Yuzhuang, Provinz Henan ausgegraben; Museum der Provin Henan). Traditionell wurde eine solche Anlage von einer Großfamilie bewohnt. Wie Stadtviertel und die Städte selbst ist sie auf einem symbolisch rechteckigen Grundriß errichtet und wirkt nach außen abgeschottet. Das - einzige - Tor öffnet sich wie das Haupttor der Paläste und Tempel nach Süden. Die Räume gruppieren sich um einen zentralen Wohnhof. Im Vordrerteil befinden sich unmittelbar beiderseits des Tores vermutlich die Ställe für Zugtiere und Wagen. Darüber liegt der Wohntrakt. Der hintere (nördliche) Trakt ist der repräsentative Teil der Anlage und beherbergt eine große Halle, die auch rituellen Zwecken dient. Sie befindet sich im ersten Stock, hat vom Hof aus zwei Treppenaufgänge und ist zu diesem hin - d. h. zur Südseite - offen.An der linken Seite ist ein Gemüsegarten mit 22 Beeten in das Bauwerk einbezogen. Das Modell enthält ferner eine Küche, Schweineställe und mehrere Toiletten. Gebäude dieser Art wurden auf einer Holzkonstruktion errichtet, die eine schwere Ziegelbedachung zu tragen hatte. Obwohl mehrstöckig und mit Türmen versehen, dehnten sie sich daher mehr in der Bodenebene als in die Höhe aus. Der Typus dieses prinzipiell flachen ländlichen Villenhauses, wie es von Großgrundbesitzern in der Han-Zeit bewohnt zu werden pflegte, findet sich auch als Wohnhausform in den Städten wieder, wo er traditionell bis an die Schwelle der Gegenwart stadtbildprägend war.

Abbildungen und Erklärung aus oder in Anlehnung an: R. Goepper, Lei Congyun u. a., Das Alte China. Menschen und Götter im Reich der Mitte 5000 v. Chr. - 220 n. Chr., Katalog einer Ausstellung in der Villa Hügel, Essen 1995, S. 387.


Bearbeiter: Christian Gizewski

 

LV Gizewski WS 1997/98