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Chinesische Aspekte zu Kap. 4: Verwandtschaft, Moral und Religion auf dem Lande.

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1. Familie und Verwandtschaft.

Zur Struktur der Haus- und Erbverwandtschaft.

 Schema der Verwandtschaftsordnung.

Im Chinesischen gab es schon im Altertum für jede Verwandtschaftsbeziehung einen feststehenden Terminus, durch den 'das angemessene Verhalten' ('li') je nach Verwandtschaftsgrad bestimmt wurde. Diese Verwandtschaftsordnung entwickelte und veränderte sich sicherlich und stand zeitweilig auch in Konkurrenz mit solchen der hin und wieder in China dominierenden 'barbarischen' Fremdvölker. Das Diagramm gibt eine heute als 'traditionell' bezeichnete Ordnung wieder. Danach mußte eine Person ('Individuum' im Diagramm) etwa Trauerriten für alle verstorbenen Personen durchführen, die nicht mehr als vier Stufen vertikal oder horizontal oder sogar vertikal und horizontal in der Familienstammtafel von ihr entfernt standen. Das 'Individuum' hatte, vertikal gerechnet, um seinen Ur-Ur-Großvater zu trauern (der im Diagramm aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht mehr aufgeführt ist). Umgangssprachliche Anredeformen zwischen Verwandten unterschieden sich von den in unserem Diagramm wiedergegebenen schriftsprachlichen Termini. Sie waren einfacher und nach Diaklekt verschieden. Die genaue verwandtschaftliche Bezeichnung war allerdings stets bekannt. - Auch für den Erbgang und die innerfamiliären Autoritätsverhältnisse, dabei insbesondere für das Recht zur Verfügung über das Familienvermögen waren die hier erkennbaren Formen einer patrilinearen und patrilokalen Mehrgenerationenfamilie von Bedeutung.

Diagramm aus und Erklärung in Anlehnung an: Caroline Blunden, Mark Elvin, Weltatlas der alten Kulturen - China. Aus dem Englischen übersetzt von Dagmar Ahrens-Thiele und Renate Soeder, (1983), München 1992 6, S. 214 f. (Das Familiensystem).

 

2. Rechtliches Herkommen und Prinzipien moralischer Ordnung.

Zur Ahnenverehrung.

 

In allen seit der Han-Dynastie erschienenen Rechtskodizes wurden die Familien-Loyalitätsbande bekräftigt. Auch in der traditionellen konfuzianischen Ethik stand die Familie seit jeher in hohem Ansehen; die Loyalität gegenüber der Familie ging prinzipiell sogar der gegenüber dem Staate vor. Unter den moralisch üblichen familiären Tugenden waren die 'kindliche Liebe' ('xiao') und die eheliche Treue und Unterordnung der Frauen besonders hoch geschätzt; es wurden ihnen gar wundersam heilende oder sonst segensreiche Wirkungen zugeschrieben. Sie finden sich als Prinzipien auch im Ahnenkult wieder, einem Teil der Religiosität, die hauptsächlich allerdings nicht den Ahnen, sondern anderen numinosen Wesen und insbesondere dem höchsten Gott ('di') oder dem 'Himmel' ('tian') zugewandt war. Dennoch zeigt sich die intensive Pietät des Ahnenkultes an der abgebildeten, einem Album entommenen Miniatur aus dem 17. Jht (British Museum) . Sie stellt eine Familie dar, die vor einem Familienschrein ein Dankopfer abstattet. Auf die patrilineare Familienstruktur weist hin, daß die Mutter und ihre kleine Tochter an der Kulthandlung nicht aktiv nicht teilnehmen, sondern sie hinter dem Vorhang stehend betrachten.

Abbildung nach und Erläuterung in Anlehnung an: Caroline Blunden, Mark Elvin, Weltatlas der alten Kulturen - China. Aus dem Englischen übersetzt von Dagmar Ahrens-Thiele und Renate Soeder, (1983), München 1992 6 , S. 215.

 

3. Gottheiten oder numinose Wesen 'des Landes' und ihr Kult.

Zur alten chinesischen Religion im allgemeinen.

 

Text entnommen aus: Caroline Blunden, Mark Elvin, Weltatlas der alten Kulturen - China. Aus dem Englischen übersetzt von Dagmar Ahrens-Thiele und Renate Soeder, (1983), München 1992 6 , S. 188.

 

Zu den 'ländlichen' Elementen in der Hochreligion.

Im Stadtbild der Hauptstadt des späteren Han-Reiches machen Kultmittelpunkte wie ein 'Altar der Erde', ein 'Altar des Himmels', ein 'zentraler außerstädtischer Altar' und ein 'Altar für die Götter der Böden und der Getreidearten' auch die Bedeutung deutlich, die das numinos veranlaßte Naturgeschehen für die menschliche Landarbeit und damit für das allgemeine Wohlergehen der hauptsächlich davon abhängenden, im ganzen ländlich geprägten Gesellschaft hat.

Abbildung entnommen aus: D. Twitchett, Michael Loewe, (Ed.) The Ch'in and Han Empires 221 B. C. - A. D. 220, Cambridge( University Press) 1986, S. 263.

 

Bearbeiter: Christian Gizewski

LV Gizewski WS 1997/98