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Chinesische Aspekte zu Kap. 6: Ländliche Eigentums- oder Besitzformen und die ihnen zugeordneten Sozialschichten. Grundbesitz und Aristokratie.

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1. Zu den sozialen Schichten insgesamt.

Zu den verschiedenen Formen der Abhängigkeit und des Lebensunterhalts.

"Die Fürsten lebten von den Abgaben, die Beamten von den Lehen, die shi [gehobene Stände] von ihren Feldern, die Masse der Bevölkerung von ihrer Kraft, die Handwerker vom Staat, die niedrigeren Bediensteten von ihren Aufgaben und die Hausdiener von Zuwendungen."

Zitat aus dem 'Guoyujin' nach : E. v. Mende, Wirtschaft, in: R. Goepper (Hg.), Das alte China, München 1988; , S. 149 - 185 (151).

2. Zu Großgrundbesitzern und politischer Aristokratie.

Zur chinesischen Korrelation von Großgrundbesitz, hoher Beamtenschaft und höherer Bildung.

 

Beamte für die kaiserliche Verwaltung wurden durch ein dreistufiges Prüfungssystem ausgewählt, dessen Ursprünge bis in das 2. Jh. v. Chr. zurückgehen. Diese Malerei aus der Zeit der Qing-Dynastie zeigt die Prüflinge beim Examen. Bei den Prüfungen mußte man nicht nur die gründliche Kenntnis der wichtigsten konfuzianischen Schriften nachweisen, sondern auch die Fähigkeit, sie entsprechend der geltenden Orthodoxie und in gutem literarischen Stil zu interpretieren. Um dahin zu kommen, brauchte man Jahre. Erfolgreiche Kandidaten wurden dann abeer durch hohes Ansehen und Privilegien belohnt. - Die Beamten stellen schon im chinesischen Altertum eine Aristokratie dar, die sich sozial zum größen Teil aus der sozialen Schicht der Großgrundbesitzer speist; neben ihnen gehören auch hochstehende Militärbefehlshaber dazu. Die regelmäßige Verbindung von Bildung, Beamtentum und sozialer Herkunft aus Großgrundbesitzerkreisen ist somit etwas Charakeristisches für die chinesische Oberschicht des Altertums und erinnert zugleich auch an analoge Verhältnisse etwa in der Gesellschaft des Römischen Reiches.

Bild aus und Erläuterung in Anlehnung an: Nathan Silvin, Frances Wood u. a (Hg.), Bildatlas China, Geographie, Kultur, Politik, Wirtschaft. Aus dem Englischen übersetzt von Annemarie Seling, (1988), München 1989, S. 71.

 

Zu Privilegien und Pflichten der Großgrundbesitzer in ihrer ländlichen Umwelt und gegenüber dem Staat.

 

Die Jagd zu Pferde gehörte seit jeher zu den Lieblingsbeschäftigungen des chinesischen Adels. Der Ausritt einer Jagdgesellschaft ist das Thema einer Wandmalerei an der Ostwand der Zugangsrampe zum Grab des Kronprinzen Zhanghuai in Quian Xian, Provonz Shaanxi. Einige der Reiter halten vor sich im Sattel Jagdhunde, andere tragen Beizvögel auf dem Arm; bei zweien sitzen auf einem Kissen hinter dem Sattel ein Leopard un dein Gepard. Daß diese schnellen Tiere in der Tang-Zei t zur Jagd abgerichtet wurden, belegen auch andere Darstellungen.

Entnommen aus: E. v. Mende, Wirtschaft, in: R. Goepper (Hg.), Das alte China, München 1988; , S. 149 - 185 (160).

 

Zur Standesideologie der ländlichen Grundbesitzer-Aristokratie.

Ausschnitt aus einem hängenden Rollbild mit dem Titel 'Kaiser Ming Huangs Reise nach Shu' (alter Name der Provinz Sichuan). Das prächtige Gemälde wurde von einem anonymen Künstler mit Tusche und Farben auf Seide geschaffen und ist höchstwahrscheinlich die song-zeitliche Kopie eines Originals aus dem 8. Jahrhundert. Der Tang-Kaiser Ming Yuan hatte eine berüchtigte Romanze mit der Konkubine Yang Guifei, die zur damaligen Zeit als eine der vier schönsten Frauen ganz Chinas galt. Hofintrigen und die Rebellion An Lushans (755 n. Chr.) erzwamgen die Flucht des Herrschers nach Sichuan. Unterwegs kam es zur Meuterei unter den Soldaten, die Ming Huang zwangen, seine geliebte Hang Guifei zu erdrosseln, da man sie für seine Niederlage (und anschließende Abdankung) verantwortlich machte. Dieses Ereignis wurde zu einem populären Sujet in Prosa- und Dramenliteratur.

Abbildung und Erläuerung aus: Caroline Blunden, Mark Elvin, Weltatlas der alten Kulturen - China. Aus dem Englischen übersetzt von Dagmar Ahrens-Thiele und Renate Soeder, (1983), München 1992 6 , S. 91.

Zur höheren Bildung und zu ihren arkadischen Idyllen.

 
Links: Auschnitt aus dem Gemälde 'Nordmeer', einer Quer- und Handrolle von Zhou Chen (ca. 1455 - 1536). Unten: Das Gedicht stammt von Zuo Si, geschrieben am Ende des 3. Jahrhunderts nach Chr. Es berührt die während jener Zeit aktuelle Thematik der Lebensweise eines Einsiedlers, der sich von der Gesellschaft zurückzieht, um in den Bergen Unsterblichkeit oder Erleuchtung zu finden.Beides mit Erläuterung entnommen aus: Caroline Blunden, Mark Elvin, Weltatlas der alten Kulturen - China. Aus dem Englischen übersetzt von Dagmar Ahrens-Thiele und Renate Soeder, (1983), München 1992 6 , S. 118 f. (nochmals verkleinert) und 185. 

 

Auf meinen Stab gestützt besuche ich den Eremiten.

Der überwachsene Pfad legt sich vor das Gestern und Heute.

Die Höhle im Berg hat keine Balken.

Von den Hügeln herüber klingt das Lied der Zither.

An den dunklen Nordhängen ist noch Schnee.

In den lichtdurchfluteten Wäldern leuchten rote Knopsen.

Der Felsquell springt über edles Gestein.

Geschmeidige Fische schnellen hoch und tauchen hinab.

Nicht braucht es Lautenklang und Flötenlied.

Reiner Klang erfüllt die Natur.

Was braucht es des Menschen Gesang bei des Waldes Rauschen?

 


Bearbeiter: Christian Gizewski
 

LV Gizewski WS 1997/98