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Chinesische Aspekte zu Kap. 7: Land und Staat.

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A. Staatliche Verwaltung des Landes.

Zu den Anfängen der staatlichen Verwaltung des Landes.

Die Symbolschriften der Shang-Zeit behandeln oft Dinge des alltäglichen Lebens. Die hier gezeigten Symbole geben Hinweise auf die Art des Getreidetransports zu jener Periode, der wohl im Rahmen der Domänenbewirtschaftung erfolgt. - In der Shangzeit beginnen sich die Elemente einer Zentralstaatlichkeit zu entwickeln. Es gibt eine amtliche Regulierung des Kalenders (12 Monate mit 30 bzw. 29 Tagen; ein Schaltmonat alle 19 Jahre) und der Maßeinheiten (dezimales Längenmaß von 1, 7 cm). Die königliche Domäne wurde von Landarbeitern unter der Aufsicht von Staatsbeamten bewirtschaftet, landwirtschaftliche Geräte wurden von den Behörden ausgegeben und deponiert, und die Ernteerträge wanderten in die staatlichen Kornspeicher. Außerhalb des Kerngebiets des Shang-Reiches scheinen Lehen bestanden zu haben, die an Königinnen, Prinzen, verdiente Generale und Amtsträger verliehen und ähnlich bewirtschaftete wurden wie die Domänen des Kernlandes.

Abbildung aus und Erläuterung in Anlehnung an: Caroline Blunden, Mark Elvin, Weltatlas der Kulturen. China, ins Deutsche übersetzt von Dagmar Ahrens-Thiele und Renate Soeder, München 1992 6 , S. 55 f.

Zur staatlichen Bevölkerungsschätzung.

Auswertung der Ergebnisse amtlicher Schätzungen in China.

Die obige Tabelle faßt die Ergebnisse zweier amtlicher Schätzungen der ganzen Reichsbevölkerung für Besteuerungszwecke aus der Han-Zeit, die in den Geschichtswerken 'Han shu' und 'Hou-han shu' überliefert sind, zusammen.

Entnommen aus: D. Twitchett, Michael Loewe, (Ed.) The Ch'in and Han Empires 221 B. C. - A. D. 220, Cambridge( University Press) 1986, S. 485.

 

B. Fiskalvermögen und staatlicher Grundbesitz.

Zu staatlichen Monopolen und Agenturen.

Im Jahre 119 v. Chr. wurden wegen der nicht mehr ausreichenden Steuereinnahmen im Rahmen der Suche nach neuen Finanzquellen staatliche Monopole für Eisen und Salz eingeführt. Dass bedeutete, daß die Eisenproduktion von der kaiserlichen Verwaltung ('für die Landwirtschaft') über 48 Agenturen (t'ieh-kuan) administriert wurde; dazu gehörte auch der Verkauf der Erzeugnisse aus Eisen. Beim Salzmomopol ging lediglich die Berleihung privater Unternehmer mit den Abbaurechten auf den Staat über, der daraus entsprechende Einnahmen erzielte.

Abbildung aus und Erläuterung in Anlehnung an: D. Twitchett, Michael Loewe, (Ed.) The Ch'in and Han Empires 221 B. C. - A. D. 220, Cambridge( University Press) 1986, S. 603.

C. Steuer- und Dienstleistungen der ländlichen Bevölkerung für den Staat (Transportdienste, Wegebaudienste, Einquartierungen, Requisitions-Abgaben).

1. Zu allgemeine Dienstleistungspflichten beim Deichbau.

 

Der Holzschnitt der späten Quing-Zeit, der ein Wassserbauprojekt des Kulturheroen Yu zum Thema hat, stellt hydrotechnische Arbeiten dar, wie sie üblicherweise im historischen China, zum Beispiel am Huanghe, bei Normalwasserstand durchgeführt wurden. Arbeiter sind mit der Vertiefung einer Flußsohle beschäftigt, indem sie Ablagerungen vom Gewässergrund entfernen. Dadurch wurde dem jährlichen Hochwasser mehr Platz geboten und Vorsorge getroffen, daß der Strom nicht so leicht über seine Ufer trat. Die ausgeschaufelten Sedimente häufte man an den Ufern an, ergänzt um Erdreich, das mit Tragkörben aus dem Hinterland herbeigeschafft wurde. Eine Verdichtung mit Handrammen sorgte dafür, daß die Ufererhöhungen bei Hochwasser der Strömung besser widerstanden.

Entnommen aus: E. v. Mende, Wirtschaft, in: R. Goepper (Hg.), Das alte China, München 1988; , S. 149 - 184 (153).

 

2. Zu den Kanälen als zentralem System der Beförderung der naturalen Steuerabgaben.

Das chinesische Kanalsystem verbindet die beiden großen im wesentlichen in Ost-West-Richtung verlaufenden Flußsysteme Chinas, wo es landschaftlich möglich ist, in Nord-Süd-Richtung miteinander. Die frühesten Kanäle wurden - wohl zur Beförderung militärischer Nachschubgüter - in der Zeit der 'Streitenden Staaten' , seit dem 5. Jht. v. Chr. angelegt. Ein großer Ausbau erfolgte dann unter den Chin- und Han-Dynastien, nicht nur zu militärischen, sondern auch zur Steuergut-Transportzwecken, zur Versorgung der jeweiligen Hauptstadt und sicherlich auch zur Förderung des privaten Handels und der allgemeinen Wohlfahrt. Bis in das 20. Jht. blieb das Kanalsystem neben den Flüssen das zentrale Verkehrsystem für die weiterreichende Lastenbeförderung und wurde auch entsprechend sorgfältig gewartet, immer weiter ausgebaut und militärisch geschützt.

Abbildungen aus und Erläuerung in Anlehnung an: Caroline Blunden, Mark Elvin, Weltatlas der alten Kulturen - China. Aus dem Englischen übersetzt von Dagmar Ahrens-Thiele und Renate Soeder, (1983), München 1992 6 , S. 104 f.

 

3. Zur Seidenstraße und der Sicherung der staatlichen Interessen am Fernhandel.

Fernhandelslinien von und nach China.

Ein Großteil der Küstenprovinzen, besonders Guangdong und Fujian, aber auch Zhejiang, Jiangsu und Shandong waren Ausgangspunkt weitverzweigter Handelsnetze, die nicht nur das Ausland mit China, sondern auch die chinesischen Produktionsgebiete mit den Konsumenten verbanden. Darüber hinaus war auch die Seidenstraße mehr als 1500 Jahre lang eine, wenn auch nicht quantitativ mit dem Seehandel zu vergleichende Handelsader. Einen Fernhandel hat es in China praktisch immer gegeben, lediglich die Träger wechselten einander ab, und es scheint, daß es meist nicht Chinesen waren, die ihn tatsächlich ausübten. Der Handel mit dem Römischen Reich während der Han-Zeit ist gewiß überwiegend über eine Reihe von Zwischenstationen sowohl auf dem Seeweg als auch auf der der Seidenstraße abgewickelt worden; dennoch war auf beiden Seiten klar, daß man zu einem Welthandelssystemgehörte und auch für fremde, nicht unmittelbar zukontrollierende Märkte produzierte. Dies gilt für die Seidenproduktion in China ebenso wie für die Glasindustrie in Syrien und die Byssusseide aus Skythopolis (Beth Schean), mit denen man auch dem Abfluß von Edelmetallen aus dem Römischen Reich begegnen wollte.

Entnommen aus: E. v. Mende, Wirtschaft, in: R. Goepper (Hg.), Das alte China, München 1988; , S. 149 - 184 (174).


Bearbeiter: Christian Gizewski
 

LV Gizewski WS 1997/98