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Zum Skript 'Landwirtschaft und bäuerliche Lebensform im Altertum'.

Dieses Lehrveranstaltungsskript ist im Zusammenhang mit einer Vorlesung/Übung im WS 1997/98 entstanden und soll sowohl den studentischen Teilnehmern daran als auch einem weiteren Interessentenkreis, einschließlich derjenigen, die sich außerhalb der Hochschule befinden und über das Internet an solchen Themen Interesse zeigen, für längere Zeit zur Verfügung stehen. Der Verfasser geht als selbstverständlich davon aus, daß die Nutzung dieser Publikation unter Respektierung seiner Autorenschaft redlich, ggf. in wissenschaftsüblicher Form und und unter Beachtung der erkennbaren Vervielfältigunsrechte anderer erfolgt.

Die Lehrveranstaltung knüpfte lose an eine Vorlesung/Übung des SS 1997 zum Thema 'Antike Wirtschaftssysteme' an, deren Skript ebenfalls auf dieser WWW-Seite stationiert ist, verfolgte aber einen anderen Zweck.

a) Es ging ihr nicht nur um eine wirtschaftsgeschichtliche, sondern in gleichem Maße auch um eine allgemein-kulturgeschichtliche Frage. Ergänzend zu demwissenschaftlich öfters erörterten Aspekt der kulturgeschichtlichen Vorreiterrolle und Organisationsbedeutung der 'Städte' in den verschiedenen Kulturen der Antike sollte einmal gründlicher nach der kulturgeschichtlichen Bedeutung des 'Landes' in der Antike gefragt werden.

b) Aus diesem Grunde wurden 'Landwirtschaft und bäuerliche Lebensform' - d. h. nicht allgemein Wirtschaftsformen und auch nicht allgemein Kulturentwicklungen - antiker Hochkultur in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt.

c) Um die Bedeutung der Landwirtschaft und der ländlichen Lebensverhältnisse in der Geschichte des mittelmeerischen Altertums plastischer hervortreten zu lassen, sollte der Versuch gemacht werden, gelegentlich einen vergleichenden Blick auf Verhältnisse des chinesischen Altertums zu werfen, die sich in gewissem Umfang dafür eignen.

Die grundsätzliche Bedeutung der Verfahren und Traditionen der Landwirtschaft in den Lebenszusammenhängen der in wirtschaftlicher Hinsicht vornehmlich agrarisch geprägten 'antiken' - d. h. einem vorderorientalisch-mittelmeerischen Altertum angehörenden - Hochkulturkreise wird durch eine größere Zahl archäologischer Reste und schriftlicher Quellen für ihre verschiedenen Schauplätze und Epochen deutlich. In kultur-, ideen- und sozialgeschichtlicher Hinsicht für die Landwirtschaftsgesellschaften der Antike bedeutsam sind ferner Quellen philosophischer und dichterisch-literarischer Art, die den moralischen und sozialen Wert 'bäuerlichen' Lebens und ländlichen Grundbesitzes beschreiben und insoweit auch als eine Art 'Landwirtschaftsideologie' der jeweils gemeinten, mit größerem Grundbesitz ausgestatteten Aristokratie gelten können. Von diesen historischen Materialien - schwerpunktmäßig solchen aus der römischen Geschichte - sollte die Lehrveranstaltung nicht mehr und nicht weniger als einen Eindruck vermitteln. Es braucht deswegen wohl nicht genauer begründet zu werden, daß und wie die vielen Aspekte des Themas trotz aller Bemühung, einen systematischen Zusammenhang zu wahren, in besonderem Maße zur Auswahl und Schwerpunktbildung nötigten. Allgemein läßt sich sagen, daß die römische Geschichte immer ein wenig im Mittelpunkt steht, weil sich in ihren Erscheinungsformen oft Traditionen vorhergehender Epchen und anderer Regionen der antiken Geschichte verbinden und weil von der römischen Spätantike zumeist die für das Mittelalter und generell die nachfolgende Geschichte wichtigen Traditionswirkungen der Antike ausgehen.

Mit ähnlichen Absichten und Begrenzungen sollten auch einige Quellen aus aus dem 'chinesischen Altertum' i. S. eines aus heutiger, wissenschaftlich-komparativer Sicht gebildeten Altertumsbergriffs, d. h. der 'Altertumsgeschichte' einer ostasatischen Hochkultur vorgestellt werden. Dabei halfen Herr Privatdozent Dr. Raimund T. Kolb und Herr Prof. Dr. Erling von Mende, beide am Ostasiatisches Seminar der Freien Universität Berlin, dadurch, daß sie u. a. Beiträge, die in Kap. 8 dieses Skripts zusammengefaßt sind, zur Verfügung stellten. Herr Kolb hat mich im übrigen immer wieder einmal in freundlicher Weise fachlich beraten. Leider ließ sich der Plan seiner intensiveren Mitwirkung an der Lehrveranstaltung aus den üblichen Gründen beruflicher Prioritäten nicht verwirklichen. Es versteht sich, daß die Verantwortung für die Zusammenstellung auch der altchinesischen Materialien und evtl. auch für Fehldeutungen oder andere Mängel ausschließlich bei mir liegt, der ich von Ausbildung her leider nur Althistoriker (des vorderorientalisch-mediterranen Altertums), also für den Fernen Osten im fachlich strikten Sinne nicht zuständig bin.

Dennoch muß es angesichts der heutigen Welt und ihrer Entwicklungen zumindest versuchsweise auch solche in der Zielsetzung fach- und regionenübergreifenden Lehrveranstaltungen geben.

Für Verbesserungsvorschläge aller Art bin ich jedem dankbar, der sich ihre Mühe machen will.

Christian Gizewski, im März 1998.


 

LV Gizewski WS 1997/98

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)