Kap. 5: Die Durchsetzung des Christentums gegen den römischen Staat und seine Religion.


I. Die zentralen Botschaften des entstehenden Christenglaubens: grundsätzliche christliche Infragestellung 'irdischer Schätze' und eines religiösen Herrschaftsanspruchs des Römschen Kaisers.

Die Seliggprreisungen nach dem Lukas-Evangelien (6. 20ff.).

Das Buch mit den sieben Siegeln in der Apokalypse des Johannes (5. 1ff.).

Das 'Kreuz' - eine Hinrichtungsmethode - als zentrales christliches Glaubenssymbol. Am Beispiel der 'Kreuzesabnahme Jesu', hier in einem griechisch-orthodoxen Gemälde in der Jerusalemer Grabeskirche.

II. Die reichsweite Verbreitung trotz dauerhaften obrigkeitlichen Illoyalitäs-Verdachts unf immer wieder stattfindender Christenverfolgungen.

III.

Septimius Florens Rertullianus,

APLOLOGETICUM (198 n. Chr.)

Inhaltsübersicht:

1. Kap. Unkenntnis des Christentums ist die Ursache, warum es gehaßt und verfolgt wird.
2. Kap. Das von den Obrigkeiten gegen die Christen eingehaltene Verfahren verstößt gegen die Prozeßordnung und die Rechtsprinzipien.
3. Kap. Von dem allgemeinen Hasse gegen den Namen 'Christ' vermögen sich die Heiden selbst keinen vernünftigen Grund anzugeben.
4. Kap. Ob das Bestehen der christlichen Religion gegen die Staatsgesetze ist. Der Wert oder Unwert menschlicher Gesetze hängt von ihrer Zweckmäßigkeit und Moralität ab.
5. Kap. Prüfung der Gesetze gegen die Christen. Der Umstand, daß nur schlechte Kaiser Gesetze gegen die Christen erließen, erweckt eine ungünstige Meinung über deren Wert.
6. Kap. Geschichte und eigene Erfahrung lehren, daß Gesetze auch aufgehoben werden können und oft aufgehoben worden sind.
7. Kap. Daß bei den Christen thyesteische Mahlzeiten und Blutschande geübt werden, ist noch niemals nachgewiesen worden, sondern reine Erfindung der Fama.
8. Kap. Diese Anschuldigungen sind auch in sich unsinnig.
9. Kap. Bei den Heiden dagegen werden Dinge, wie man sie den Christen aufbürdet, tatsächlich geübt. 
10. Kap. Warum die Christen an der Verehrung der heidnischen Götter nicht teilnehmen wollen. Dieselben sind bloße vergötterte Menschen.
11. Kap. Logische und physische Unmöglichkeit des Entstehens von Nebengöttern.
12. Kap. Die sogenannten Götter der Heiden sind verstorbene Menschen und ihre Bilder bloße Materie.
13. Kap. Dafür spricht auch deren Behandlung seitens ihrer Verehrer selbst und die Art der Verehrung.
14. Kap. Die verschiedenen Zweige der Literatur haben das gemein, daß sie vieles Unwürdige von diesen Göttern enthalten.
15. Kap. In den Theatern werden sie öffentlich beschimpft und verlacht und sogar in ihren Tempeln verunehrt und mißachtet.
16. Kap. Die Vulgärvorstellungen der Heiden über den Gott der Christen. Was der Christengott nicht ist.
17. Kap. Die Christen verehren den Schöpfer der Welt als den einzig wahren Gott. Auch die Heiden huldigen ihm manchmal unwillkürlich.
18. Kap. Gott hat sich geoffenbart. Die Heilige Schrift.
19. Kap. Die Schriften des Moses und ihr hohes Alter.
20. Kap. Erhabenheit und Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift.
21. Kap. Der Zusammenhang des Christentums mit dem Judentum. Der Logos, seine Gottheit, Menschwerdung, Geburt, Leben, Wunder, Leiden, Sterben, Auferstehung und Himmelfahrt.
22. Kap. Über die Natur der Dämonen.
23. Kap. Die Vermutung, daß die Dämonen, deren Dasein auch die Heiden anerkennen, mit den sogenannten Göttern identisch seien, wird durch Tatsachen bestätigt. Die Macht des Namens Christi und des Exorzismus über sie.
24. Kap. Da die heidnischen Götter keine Götter sind, so beschuldigt man die Christen, wenn sie dieselben nicht verehren, mit Unrecht des Atheismus; man muß ihnen vielmehr die Religionsfreiheit gewähren, deren sich im römischen Reiche die Kulte anderer Völker tatsächlich erfreuen.
25. Kap. Daß die Römer die Herrschaft über den Erdkreis der eifrigen Verehrung ihrer Götter zu danken haben, ist ein Irrtum.
26. Kap. Der wahre Gott allein verleiht die Weltherrschaft nach seinem Wohlgefallen, wem er will.
27. Kap. Wenn die Christen sich dem Ansinnen der Heiden, den Göttern zu opfern, nicht fügen, so ist das kein bloßer Eigensinn. Denn diese Opfer beziehen sich in letzter Instanz immer auf die bösen Dämonen.
28. Kap. Selbst in dem Falle, daß nur verlangt wird, für das Wohlergehen des Kaisers den Göttern zu opfern, darf man es nicht.
29. Kap. Die vermeintlichen Götter sind nicht imstande, den Kaisern etwas zu nützen; sie sind ganz ohnmächtig.
30. Kap. Die Weigerung, für das Wohl der Kaiser den Göttern zu opfern, kann keine Majestätsbeleidigung sein; denn die Christen beten statt dessen für die Kaiser zum wahren Gott.
31. Kap. Dieses wird den Christen schon in ihren heiligen Schriften befohlen.
32. Kap. Die Christen wünschen den Bestand des römischen Reiches und schwören beim Wohlergehen des Kaisers.
33. und 34. Kap. Wenn sie den Kaiser nicht als ein götttliches Wesen ansehen und ihn nicht 'Gott' titulieren, so achten und lieben sie ihn darum doch, und gerade erst in der rechten Weise.
35. Kap. Auffallender Eifer, den Kaisern solche sinnlose und schädliche Ehrenbezeigungen zu erweisen, ist noch nicht einmal ein sicherer Beweis treuer und loyaler Gesinnung.
36. Kap. Auch ist die Pflicht der Nächstenliebe für den Christen eine allgemeine, von der niemand auszuschließen ist, am wenigsten der Kaiser.
37. Kap. Ein Beweis der Treue der Christen ist es, daß sie, obwohl eine so zahlreiche Partei, doch nicht gegen ihre Unterdrücker die Waffen ergreifen oder in Masse auswandern. 
38. Kap. Daß man den Christenbund unter die staatlich unerlaubten Faktionen rechnet, ist nicht motiviert.
39. Kap. Näherer Nachweis dessen aus den Zusammenkünften, Gottesdiensten, Einrichtungen und der Organisation der christlichen Genossenschaft.
40. Kap. Daß die allgemeinen Kalamitäten und Notstände von den Göttern aus Zorn wegen der Christen gesendet würden, ist ein bloßer Wahn, wie schon die Geschichte zeigt. Schuld daran ist in Wirklichkeit die allgemeine Sündhaftigkeit, besonders der Heiden. Den Christen hat man es zu danken, daß es nicht noch schlimmer geht.
41. Kap. Daß die Christen dabei mitbetroffen werden, liegt an der gegenwärtigen Weltordnung, die Gott nicht zugunsten der Guten umstößt.
42. und 43. Kap. Die Klage, daß die Christen nichts zum gemeinen Besten beitrügen und unnütze Mitglieder der menschlichen Gesellschaft seien, ist grundlos.
44. Kap. Unter den Christen findet man keine Verbrecher.
45. Kap. Das Christentum enthält für seine Anhänger eine moralische Nötigung zum tugendhaften Verhalten.
46. Kap. Das Christentum ist nicht etwa nur eine neue Art philosophischer Lehre, sondern etwas Göttliches und steht hoch über jeder Philosophie.
47. Kap. Viele philosophische Ansichten sind weiter nichts als verderbte und verunstaltete Offenbarungslehren.
48. Kap. Kurze Verteidigung der Lehre von der Auferstehung.
49. Kap. Wenn man die Lehren des Christentums auch nicht billigt, so hat man doch keinesfalls Ursache, die Christen zu verfolgen, sondern müßte es so gut dulden als jede philosophische Sekte.
50. Kap. Die Philosophen werden von den Christen an Standhaftigkeit übertroffen. Lob und Würde des Martyriums.
ÜBUNGEN.

1. Welche Argumentationsordnung hält Tertullian ein, wenn man die Kapitelübersicht durchgeht? Ist sie für einen heutigen Leser überzeugend?

2. Lesen Sie genauer die Kap. 2 bis 7 des Apologeticum (deursche Übersetzung)

3. Stellen Sie aus dem lateinische Ausgangstext ca. 30 Worte zusammen, die Sie aus der katholischen Messe oder der Alltagssprache als religiös wichtige kennen oder erkennen können,

IV. Die Anerkennung des christlichen 'Dogmas' als Staatsreligion.

Laktanz , Von den Todesarten der Verfolger (De mortibus persecutorum).

Das Edikt von Mailand, Januar 313 n. Chr.

Text in deutscher Übersetzung:

Licinius verteilte den Teil des Heeres, der sich ihm ergeben hatte, unter seine Mannschaft, setzte dann mit dem Heere wenige Tage nach der Schlacht nach Bithynien über und hielt seinen Einzug in Nikomedien. Hier erstattete er Gott, durch dessen Beistand er gesiegt hatte, den schuldigen Dank und ließ am Tage der Iden des Juni [d. h. 13. Juni 313] unter dem dritten Konsulate des Konstantin und Licinius folgendes Edikt an die Statthalter über die Wiederherstellung der Kirche öffentlich anschlagen::

"Nachdem wir, sowohl ich, Konstantinus Augustus, als auch ich, Licinius Augustus, uns glücklich zu Mailand eingefunden und alle Angelegenheiten der öffentlichen Wohlfahrt und Sicherheit in Beratung genommen hatten, glaubten wir unter den übrigen Anordnungen, von denen wir uns Nutzen für die Gesamtheit versprachen, vor allem die Dinge ordnen zu müssen, auf denen die Verehrung der Gottheit beruht, und zwar in der Art, daß wir sowohl den Christen wie auch allen übrigen freie Befugnis gewährten, der Religion sich anzuschließen, die jeder sich wählen würde, auf daß alles, was von göttlicher Wesenheit auf himmlischem Sitze thront, uns und allen, die unter unserer Herrschaft stehen, gnädig und gewogen sein möge. Und so glaubten wir in heilsamer und vernünftiger Erwägung den Entschluß fassen zu müssen, durchaus keinem die Erlaubnis zu versagen, der entweder der Religionsübung der Christen oder jener Religion sich zuwenden wollte, die er für sich als die geeignetste erachtete, auf daß die höchste Gottheit, deren Verehrung wir aus freiem Herzen ergeben sind, uns in allem die gewohnte Huld und Gnade erweisen könne. Es mag daher deine Ergebenheit wissen, daß es uns gefallen hat, die Bestimmungen, die in den früheren Erlassen an deine Dienstbeflissenheit über den Namen der Christen enthalten waren und die als durchaus ungünstig und unserer Milde widersprechend erschienen, alle ohne Ausnahme aufzuheben, so daß jetzt frei und unbehindert jeder, der die Religion der Christen zu beobachten geneigt ist, ohne alle Beunruhigung und Belästigung dieser Beobachtung obliegen mag. Und dies glauben wir deiner Besorgtheit ausführlichst zur Kenntnis bringen zu sollen, damit du wissest, daß wir freie und unbeschränkte Ausübung ihrer Religion den nämlichen Christen gewährt haben. Und indem du deutlich ersiehst, daß wir dieses den Christen gestattet haben, so erkennt deine Ergebenheit, daß wir auch den übrigen eine ähnlich offene und uneingeschränkte Ermächtigung zur Ausübung ihrer Religion im Interesse der Ruhe unserer Zeit eingeräumt haben, so daß jeder in der Verehrung dessen, was er sich erwählt hat, ungehinderte Freiheit hat. Und dies ist von uns geschehen, damit keine Art von Gottesverehrung und keine Religion durch uns irgendwelchen Abbruch erfahre. Und überdies haben wir bezüglich der Gesamtheit der Christen folgendes zu bestimmen für gut befunden: Wer etwa solche Stätten, an denen die Christen früher zusammenzukommen pflegten - über welche auch in den früheren Schreiben an deine Dienstbeflissenheit besondere Anweisungen enthalten waren - , in früherer Zeit von unserem Schatze oder sonst von irgend jemand käuflich erworben hat, der muß dieselben ohne Kaufpreis und ohne irgendwelche Entschädigung mit Ausschluß aller Hintanhaltung und Umständlichkeit zurückerstatten. Und wer solche Stätten zum Geschenke erhalten hat, muß sie ebenfalls den nämlichen Christen in kürzester Bälde zurückgeben; und sowohl Käufer als Beschenkte mögen sich, wenn sie etwas von unserer Wohlgeneigtheit erhoffen, an unseren Stellvertreter wenden, damit auch für sie durch unsere Milde gesorgt werde. Und dies alles muß der Körperschaft der Christen durch deine Vermittlung unverweilt und unverzüglich übergeben werden. Und nachdem die nämlichen Christen nicht bloß die Stätten, an denen sie sich zum Gottesdienst zu versammeln pflegten, sondern auch noch anderes zum Eigentum hatten, das zum Recht ihrer Körperschaft, das heißt der Kirchen, nicht einzelner Menschen, gehörte, so wirst du all dieses nach dem Gesetz, das wir oben dargelegt haben, ohne jegliche Ausflucht und Widerrede denselben Christen, das heißt der Körperschaft und den Versammlungsstätten der Christen zurückgeben lassen unter Einhaltung der vorher erwähnten Rücksichtnahme, daß jene, welche dieselben ohne Entgelt zurückerstatten, Schadloshaltung von unserem Wohlwollen erwarten dürfen. In all diesen Dingen wirst du der erwähnten Körperschaft der Christen deine wirksamste Vermittlung angedeihen lassen, damit unsere Vorschrift je eher desto lieber zur Ausführung komme, auf daß auch hierin durch unsere Milde für die öffentliche Ruhe gesorgt werde. Auf diese Art wird es geschehen, daß, wie wir bereits oben angeführt haben, die göttliche Hulderweisung gegen uns, die wir in Dingen von höchster Wichtigkeit erfahren haben, für alle Zeit glücklich bei unseren Unternehmungen zur allgemeinen Glückseligkeit verbleibe. Damit aber der Wortlaut dieser unserer gnädigen Verordnung allen zur Kenntnis gelangen kann, so wirst du dieses Schreiben durch öffentlichen Anschlag überall bekannt machen und zur Wissenschaft aller gelangen lassen, damit die Anordnung unseres Wohlwollens niemand unbekannt bleiben kann."

Nach Veröffentlichung dieses Erlasses gab Licinius auch noch mündliche Anweisungen, daß den Christen die gottesdienstlichen Stätten in früherem Zustande zurückgegeben würden. So sind vom Umsturze der Kirche bis zur Wiederherstellung zehn Jahre und ungefähr vier Monate verflossen.

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Lateinischer und deutscher Text in ganzer Länge zugänglich unter:

TERTULLIANI APOLOGETICUM. Text edited by Carl Becker.  Scanned by Ulrich Harsch.  Compared against CETEDOC 23/3/6. Tertullian Project.

APOLOGETIKUM ODER VERTEIDIGUNG DER CHRISTLICHEN RELIGION UND IHRER ANHÄNGER. (198 n. Chr). Ins Deutsche übersetzt von Dr. K. A. Heinrich Kellner 1912 - 1915. Übertragen ins Internet durch Roger Pearse 2002..

V. Das 'Heilige Land' und seine fortwirkenden Traditionen.

Palästina zur Zeit Jesu von Nazareth.

Palästina nach der Provinzialisierung im 1. Jht. n. Chr.

Der Nahe Osten und darin unter anderem Israel seit 1945.

Bildmotive von einer der heutigen religiös, historisch und politisch interessierten Reisen nach Jerusalem und in andere vormals biblische Gebiete.: B1 Ägyptische Katze am Fuß einer hochgewachsenen Libanon-Zeder - B2 Vormalige Kreuzfahrer-Burg innerhalb Jerusalems - B3 Christlich-europäische Jerusalem-Fahrerin - B4 Rekonstruierter Ort des Abendmahls - B5 Der See Genezareth, Ort der Speisung der 5000 nach Markus 6, 30 - 44 - B6 Der vielbesuchte Ort der Taufe Jesu am Jordan.- B7 Byzantische Darstellung der Kreuzesabnahme des schon im Tode vergöttlichen Jesus Christus in der Jerusalemer 'Grabeskirche'.

Literatur, Medien und Quellen zum Thema 'Die Durchsetzung der Meinungs- und Geistesfreiheit seit der Antike. Diskursive LV im WS 2015/2016.


Bearbeitungsstand: 2. Mai 2015.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@tu-berlin.de