Kap. 7: Die Durchsetzung der 'Reformation' gegen die römisch-katholische Kirche.


I. Die 'römisch-katholisch' bestimmte Entwicklung einer mittelalterlichen 'Verfassung' des 'Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation'.

'Heiliges Römisches Reich' (lateinisch Sacrum Imperium Romanum) war die Selbstbezeichnung des Herrschaftsbereichs der 'römisch-deutschen' Kaiser vom Spätmittelalter bis zum Jahre 1806. In diesem Jahr wurde durch einen vom letzten Kaiser des 'Alten Reiches' eingesetzten 'Reichsdepuationshauptschluß' unter dem Eindruck der Siege und Eroberungen des 'Kaisers der Franzosen' Napoleon der traditionelle deutsche Reichsverband nach neun Jahrhunderten aufgelöst. In der Folge fand eine stark von der Französischen Revolution beeinflußte oder veranlaßte 'Neuordnung' der europäischen Machtverhältnisse statt.

Der Name des jahrhundertealten vorherigen deutschen Reichsverbandes leitete sich einerseits von seinem politischen Selbstverständnis als Fortsetzung des antiken Römischen Reiches her. Zum anderen betonte er die prinzipielle sprachliche Homogenität seiner aus mehreren germanischsprachigen Elementen zusammengesetzten Bevölkerung, deren 'Stämme' und Stammesbünde sich in vorherigen germanischen Traditionen ('Franken', 'Alamannen', 'Sachsen', 'Thuringer', 'Sueben', 'Bayern')

Zum Selbstverständnis als Fortsetzung des christlich-antiken Römischen Reichs in dessen Westen gehörte auch seine Präsenz in Italien, einschließliche Roms, und der Anspruch seiner aus einer Königswahl durch deutsche Fürsten hervorgehender Herrscher auf den Kaiser-Titel und die politische Unterordnung des römisch-katholischen Papstes.

Das Reich bildete sich im 10. Jahrhundert unter der Dynastie der Ottonen aus dem ehemals karolingischen Ostfrankenreich heraus. Es war ein 'Königreich', dessen König durch Wahl aus einem Rat der 'Kurfürsten' hervorging, und zugleich eine Traditionsform des westlichen 'Römischen Reiches.'

Deshalb wurde sein Name: 'Sacrum Romanum Imperium' üblich. Spätestens seit etwa dem 12. Jht. ist er in Quellentexten nachweisbar..

Die Ausdehnung und die Grenzen dieses 'Heiligen Römischen Reiches' veränderten sich im Laufe der Jahrhunderte stark.

Zur Zeit der Staufer-Dynastie umfaßte es ganz Italien.

In späterer Zeit wurde seine Ausdehnung teilweise durch die Missionierung slawischer Völkerschaften, teilweise auch durch die nach außen gerichteten territorialen Hausmacht-Interessen der in ihm vereinigten mächtigeren Fürsten bestimmt.

Derartige Hausmachtinteressen beeinflußten auch die innere Verfassung des Reiches und führten zu dortigen, nicht selten auch gegen den jeweiligen Kaiser gerichteten Parteibildungen und Interessen-Konflikten. Auch zur Zeit der 'Reformation' bestanden sie und verbanden sie sich mit Glaubens-Konflikten, die schließlich sogar zu einem '30-jährigen Kriege' (1618 - 1648) führten.

Einige bis zum 16. Jht. dem alten 'Deutschen Reich' zugehörenden Gebiete wie die Niederlande und die Schweiz schieden im Rahmem dieser Konflikte, formell spätestens seit dem Westfälischen Frieden von 1648 aus dem Reichsverband aus.

Für die Wahl des Königs im Heiligen Römischen Reich waren seit dem 13. Jahrhundert die (traditionell sieben) 'Kurfürsten' das zuständige Wahlgremium. Drei von diesen, die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, waren geistliche Landesherrscher. Die Kurfürsten nutzten ihre Machtstellung für ihre eigenen Herrschaftsinteressen. Seit dem Jahre 1519 bewirkten sie dies durch 'Wahlkapitulationen', die sie den jeweiligen Bewerbern um die Kaiserwürde abverlangten. Damit erhielt das alte 'Deutsche Reich' im Laufe der Entwicklung des Reiches den Charakter eines 'aristokratisch-klerikal-monarchischen' Staatswesens. Seit 1663 tagte ergänzend ein 'Immerwährender Reichstag', als auch die Städte umfassende Ständevertretung. In dieser Form blieb das alte Deutsche Reich trotz der Glaubensspaltung und Fixierung auf Monarchie und Adel weitgehend eine Einheit.

Kaiser Ferdinand III. (1606 - 1557) und die sieben Kurfürsten 1663 auf einem Reichstag in Regensburg (Kupferstich von Abraham Aubry, Nürnberg 1664).

Umfassende Wahlkapitulationen führten dabei immerhin auch zu genauer formulierten Bindungen der ursprünglich 'absoluten' kaiserlichen Herrschaft. So gab es im Jahre 1711 sogar den Versuch, mittels einer 'capitulatio perpetua', d. h. einer dauerhaften Vorwegregelung, Kompetenzbeschränkungen für künftige Könige festzuschreiben. Dabei war das Verbot vorgesehen, das Reich zu einer Erbmonarchie zu machen. Dazu kam es allerdings nicht und somit auch nicht zu einer 'konstitutionellen Monarchie', wie sie schon im 18. Jht. im Königreich Polen-Litauen und im 19. Jht. - allerdings nur infolge eines 'stillschweigenden, gewohnheitsrechtlichen' Verfassungswandels - in Großbritannien sowie - als Folge der Französischen Revolution - in Frankreich und in zeitweilig von ihm beeinflußten europäischen Ländern eintrat.

II. Die Durchsetzung 'unorthodoxer', 'nicht-katholischer' Theologie.

Die 95 Thesen Martin Luthers d. J. 1517.

Anfänglich wichtige reformatorische Streitthemen:

  • die spraclichen und schriftlichen Quellen der 'Heiligen Schrift' und die Kompetenz zu ihrer Interpretation,
  • der 'Ablaß-Handel',
  • die 'Transsubstanziationslehre',
  • die 'Heiligen-Verehrung' einschließlich der der 'Gottesmutter',
  • das 'Reliquienwesen'

III. Die Durchsetzung der protestantischen Glaubensrichtungen in Deutschland und benachbarten Ländern.

Zu den Folgen der Reformation in Deutschland und anderen europäischen Ländern.

IV. 'Das lutherische Bekenntnis' bis zur Gegenwart.

Auszug aus dem 'Kleinen Katechismus' Luthers - betreffend die Sündenvergebung Gottes - in einer hannoverschen Ausgabe d. J. 1843 (1790).

Der Kleine Katechismus Luthers und andere protestantische Bekenntnisschriften in der Gegenwart (um 2000). Herausgeber
Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD).

Auszug aus dem heutigen 'Kathechismus der Katholischen Kirche'. Deutsche Ausgabe der 1993 erschienenen lateinischen Fassung des Vatikans. Zur Wirkung der Sakramente 'ex opere operato (Nr. 1128)'.

Literatur, Medien und Quellen zum Thema 'Die Durchsetzung der Meinungs- und Geistesfreiheit seit der Antike. Diskursive LV im WS 2015/2016.


Bearbeitungsstand: 15. Febr. 2016.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de