Kap. 8: Der geistige Widerstand und Durchbruch gegen die 'alten Regime' im Zeitalter der 'Aufklärung'.


I. Die geistige Herausbildung eines bürgerlichen 'Dritten Standes' in philosophisch-'aufgeklärtem' Widerspruch zu kirchlich-theologischer Dogmatik und aristokratisch-monarchischen Herrschaftsmodellen.

A. Zu den verschiedenen politischen Tendenzen einer 'Aufklärungs-Philosophie'

Thomas Hobbes, Leviathan (1651). Zur 'Vertragstheorie' einer apriorisch-vertragsmäßigen Festlegung des Verhältnisses zwischen 'Herrschern' und 'Beherrschten' im Sinne eines politisch prinzipiell unabänderlichen 'Gesellschaftsvertrags'. Danach gilt 'absolutistische Souveränität' zwar nicht mehr als religiös-traditionell 'von Gottes Gnaden gegeben, gewollt und sanktioniert. Doch ändert diese 'aufgeklärt-gottlose' Begründung nichts an ihrer absoluten Macht gegenüber den 'Untertanen'..

John Locke, Two Treatises on Government (dt. Zwei Abhandlungen über die Regierung, 1690). Konzept eines politischen, bürgerlichen Liberalismus: Danach werden einer damaligen, 'absolut' auftretenden Form politischer Herrschaft grundlegende politische Forderungen des das Wirtschaftsleben bestimmenden 'Bürgertums' entgegengestellt, nämlich: das autonome 'Streben nach Glück'; das Recht auf ein staatsunzugängliches 'Privateigentum', Vorkehrungen gegen die Vereinigung aller politischen Macht bei einem Alleinherrscher durch Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und jurisdiktionäre Gewalt und das Widerstandsrecht des Volkes gegen Eingriffe des Staates die in grundlegende Rechte der Bürger auf Leben, Freiheit und Selbstbestimmung).

Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social (dt. Der Gesellschaftsvertrag, 1762) . Theoretisches Konzept einer bürgerlichen Revolution gegen Monarchie und Adel. Dazu im einzelnen unten zu B.

Immanuel Kant, Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht (1784). Zur 'vernünftigen, menschlichen Gestaltbarbarkeit' menschlicher Geschichte. Kant geht dabei von einem 'entelechetischen' Konzept der Art aus, daß die Menschheitsgeschichte auf eine Vervollkommnung menschlicher Ordnung.hin zumindest angelegt sei. Diese Ausführungen haben ihrem Konzept nach aber keinen politisch-programmatischen Charakter, sondern betonen vielmehr ihre philosophische 'Zurückhaltung' - und damit in den 1780er Jahren Europas auch ihre politische Zurückhaltung.

B. Zu Rousseaus politischer Theorie eines 'Contract Social'.

2. Zum Inhalt des thesenartig, geistvoll und deswegen - auch politisch - sehr einprägsam gefaßten und lesenswerten Text des 'Contrat Social':

Im Mittelpunkt der Theorien des Zeitalters der 'Aufklärung' steht eine generalisieserende, vergleichende unf geschichtsbezogene Untersuchung der anthropologischen und sozialen Bedingungen menschlicher Sprache, menschlichen Denkens, menschlicher Gesellschafts-, Rechts- und Staatsordnungen. Darin kommt eine auch philosophisch begründete Abkehr von einem biblischen Erklärungsmodell der Welt, insbesondere von der Annahme eines Schöpfergottes und der von ihm gewollten Übelstände in der von ihm geschaffenen Menschheit zum Ausdruck. Allerdings sind die vor allem an die aristotelische Philosophie und an die antiken Naturrechtstraditionen anknüpfenden 'rationalen' Formen, gesellschaftliche Ordnungen zu begreifen und zu bewerten, deshalb nicht schon 'revolutionär' im Sinne einer späteren Ablehnung absoluter bzw. willkürlicher Herrschaft, kriegerischer Gewalt und 'Recht des Stärkeren' zur 'Sklavenhaltung'. Hugo Grotius, John Locke oder Thomas Hobbes und andere Rechtsgelehrte seiner Zeit nehmen dies alles als 'naturrechtlich' begründete, weil 'menschlicher Natur' entsprechende, hinzunehmende, nicht abänderbare Normzustände hin.

Ihnen tritt Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) mit einer Grundsatzkritk in seinem kurz gehaltenen und thesenförmig formulierten fast programmatisch wirkenden, in den Niederlanden gedruckten Werk 'Über den Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien eines politischen Rechts' im Jahre 1762 mit aller Schärfe entgegen. Er spricht allen Formen gängiger Herrschaftsausübung seit der Antike - einschließlich damit auch seiner Gegenwart - den Charakter gerechter Regierung ab und ordnet sie in die Vielzahl der rein faktischen zwischenmenschlichen Machtverhältnisse ein, die aus sich heraus keinerlei Rechtswirkung entfalten können und nur solange bestehen, wie es sich die ihnen faktisch Unterworfenen gefallen lassen. Den Grund dafür sieht er darin, daß ihnen durchweg überzeugende Merkmale gerechter Ordnung abzusprechen sind. Nach seiner theoretisch entwickelten Überzeugung kann ein Gemeinwesen nur dann gerecht sein, wenn sich in ihm 'ein allgemeiner Wille' des in ihm organisierten Volkes verwirklichen kann. Rousseau knüpft bei dessen gedanklicher Entwicklung an einen theoretisch-hypothetisch angenommenen vorgeschichtlichen Entwicklungsstand der Menschheit an, in dem es weder 'eine Sprache' - im Sinne einer manipulierbaren und irreführenden Sprache - noch 'eine Gesellschaft' - im Sinne einer von uneinsichtigen und ungerechten Formen der Rücksichtslosigkeit und der egoistischen Sonderinteressen verformten menschlichen Gemeinschaft - gegeben habe,. In dieser von Rousseau als 'ursprünglich' hypostasierten Menschheitsepoche seien alle Menschen 'frei', 'gleich' und 'brüderlich' im Verhältnis zueinander gewesen. Es habe deshalb ein Zustand allgemeinen 'Glücks', allgemeiner 'Wohlfahrt' und allgemein waltender 'Vernunft' geherrscht. Niemand habe des Zugriffs auf die durchweg bescheidene Habe anderer bedurft, da alle einschränkungslos 'selbstgenügsam' und 'selbständig' ('autark') gewesen seien.

Unterschiede im Besitz und Reichtum und dadurch auch Differenzen in Macht und Recht seien - so Rousseaus Geschichtsheorie - erst später entstanden, als sich gesellschaftliche Lebensformen entwickelt hätten, in denen sich unterschiedliche menschliche Arbeits- und Erwerbsformen und mit ihnen verbundene Formen ungleichen Besitzes, Vermögens und Einflusses entwickelt hätten.

Immer aber habe sich deren Ungenügen mit den Maßstäben eines 'allgemeinen Willens' (volonté générale) beurteilen lassen, welche allerdings in der realen Geschichte zumeist nicht vollkommen habe durchgesetzt werden können, ähnlich wie das moralisch 'Gute' im menschlichen Handeln.

Allerdings sind die von Rousseau entwickelten Prinzipien einer gerechten Ordnung mit den 'Fundamentalgesetzen' (i. S. von 'Grundgesetzordnung' oder 'Verfassung') der Fanzösischen Revolution maßgeblich für die normative Gestalt moderner republikanisch-demokratischer Verfassungen zunächst im europäischen und amerikanischen Raum und späterhin auch in den meisten anderen Erdteilen geworden.

III. Der Kampf gegen die 'alten Regime' in und nach der 'Französischen Revolution' d. J. 1789 in Frankreich und anderen europäischen Ländern.

Die Erstürmung des königlichen Staatsgefängnisses Bastille, die Befreiung der Gefangenen und die Gefangensetzung des verhaßten Gefängnisdirektors Monsieur de Delaunay dort am 14. Juli 1789.

Zu den bürgerlichen Revolutionen des 19. Jhts.:

A. Zu den Mißständen der politischen Ordnung vor der Französischen Revolution 1789.

B. Die neue 'konstitutionelle' französische Staatsordnung d, J. 1792.

C, Die Abwehr der antirevolitionären ausländischen Intervention d. J. 1792.

D. Der Wechsel von Restauration und Revolution in Europa in der ersten Hölfte des 19. Jhts.

Literatur, Medien und Quellen zum Thema 'Die Durchsetzung der Meinungs- und Geistesfreiheit seit der Antike. Diskursive LV im WS 2015/2016.


Bearbeitungsstand: 12. März 2016.

Autor des WWW-Skripts: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@.tu-berlin.de