Kap. 2: Die Überlieferung aus der Antike über Fragen der Moral und Ethik.

INHALT

1. Zum Quellenbegriff und zur Gliederung der Quellenüberlieferung über moralische und ethische Systeme aus der Antike.

2. Zur Verbindung traditionaler mit religiöser Legitimation in religiöser Sitte und religiös begründeter Sitte (zu Kap. 3).

3. Zur Verbindung traditionaler mit politischer Legitimation in objektiven moralischen Ordnungen (Sitte als Recht, Sittenrecht, Rechtsgewohnheiten; Kap. 4).

4. Zur Verbindung rationaler mit politischer Legitimation (Gesetzesordnung, 'neuartige' Formen politischer und militärischer Moral; im Zusammenhang mit Kap 4).

5. Zur gemeinwohlbezogenen (politischen) Ethik (zu Kap. 5).

6. Zu einer auf dem sittlichen Herkommen aufbauenden (traditionalistischen) Ethik (zu Kap. 5).

7. Zur philosophischen Ethik (Ethik i. e. S.; zu Kap. 6).

8. Zur Verbindung religiöser und philosophischer Ethik (zu Kap. 7).

9. Zur Verbindung religiöser und politischer Ethik (Kap. 7).

10. Literatur, Medien, Quellen.

1. Zum Quellenbegriff und zur Gliederung der Quellenüberlieferung über moralische und ethische Systeme aus der Antike.

Nach wissenschaftssprachlicher Gewohnheit, die auf auf die begriffliche Grundüberlegungen Johann Gustav Droysens in seiner 'Historik' zurückgehen, unterscheidet man auch im Teilfachgebiet 'Alte Geschichte' im allgemeinen zwischen 'Quellen' als dem Überlieferungsbestande, der in sprachlichen Texten besteht, und 'Resten' als dem Überlieferungsbestande, der nicht sprachliche Texte enthält. Doch soll diese Unterscheidung vor allem deutlich machen, daß es unterschiedliche Methoden der Auffindung und Erschließung des Überlieferungsbestandes gibt, die, je nachdem, ob etwa Textquellen oder archäologische Hinterlassenschaften zu erschließen sind, schwerpunktmäßig Anwendung finden müssen. Ferner pflegen sprachliche Hinterlassenschaften früherer Epochen ein weitaus größeres Maß an Identifikationssicherheit und an gedanklichem und gefühlsmäßigem Nachvollzug der Textmotive zu ermöglichen als nicht-textliche Hinterlassenschaften.

Allerdings gilt das nicht generell und kann auch geradezu umgekehrt sein. Insbesondere Bildwerke und Monumente aus der Antike können Träger von Informationen sein, die sich sprachlich nicht in entsprechender Dichte ausdrücken lassen. Das gilt insbesondere auch für die Überlieferung von Tugenden und sittlichen Prinzipien, denen frühere Epochen angehangen haben, Ferner verbinden sich nicht selten an einem und demselben überlieferten Gegenstande die Qualität als Textträger und als archäologisch zu erschließender Rest i. S. der Droysenschen Definition. Das gilt etwa für die Überlieferungsgruppen, die speziell von der Numismatik oder der Epigraphik erschlossen werden. Beispiele dafür sind in der nachfolgenden Übung 2 wiedergegeben. Im Hinblick darauf, daß 'Quellen' und 'Reste' im enegeren Sinne der Droyenschen Definitionen für unser Thema gleichermaßen von Bedeutung sein können, wird im folgenden der gesamte in Frage kommende Überlieferungsbestand. wo sinnvoll, auch als 'Quellenüberlieferung' - im weiteren Sinne - bezeichnet.

Übung 2

AUFGABEN

Nicht nur literarische, sondern auch epigraphische, bildend-künstlerische und numismatische Quellen machen Aussagen über Sittlichkeits- und Tugendvorstellungen ihrer Epoche.

a) Worum geht es nach Ihrer Einschätzung bei den im folgenden wiedergegeben nicht-literarischen Quellen? Welchen Epochen sind Sie Ihres Erachtens zuzuordenen?

b) Worin liegt die jeweils hervorgehobene moralische Qualität?.


A. Rekonstruierte, wissenschaftlich edierte Grabinschriften.

Lucios Cornelios Cnaei filios Scipio... Cornelius Lucius Scipio Barbatus, Gnoivod patre prognatus, fortis vir sapiensque, quoius forma virtutei parissuma fuit, consol, censor, aidilis quei fuit apud vos. Taurasia Cisauna, Samnio cepit, subigit omne Loucanam opsidesque abdoucit. (CIL I26/7)

Lucios Cornelius Luci filios Scipio aidiles, consul, censor. Honc oino ploirume consentiont Romane duonoro optumo fuise viro Luciom Scipione. Filios Barbati consol, censor, aidilis hic fuet apud vos. Hec cepit Corsica Aleriaque urbe, detet Tempestatebus aide meretod. (CIL I28/9)

B. Bildnis eines Philosophen.

C. Allegorische Darstellung von Tugenden auf Münzen.

Eine Gliederung des Überlieferungsstoffes ist möglich:

a) nach politisch-ethnischen Zusammenhängen, Teilpopulationen oder Gemeinschaften mit spezifischen Ordnungen der Sitte oder Moralkonzepten,

b) nach Kategorien der literarischen, der sonst textlichen und der primär archäologischen Überlieferung und

c) nach dem Legitimationstypus überlieferter moralischer und ethischer Systeme.

Wegen des in Kap. 1 allgemein dargelegten Zusammenhangs zwischen sozialen Systemen unterschiedlicher Art und der in ihrem Rahmen und in ihren Sinnbeziehungen entstehenden Formen normativer Erwartungszusammenhänge ist es einleuchtend, daß eine Gliederung des Überlieferungsstoffes hier ansetzen könnte. Man kann also die Quellen nach ihrer Beziehung etwa zu Völkern im ethnologischen Sinne, zu Reichsbildungen, zu ständischen Gruppen, politischen Lagern, religiösen Gemeinschaften, philosophischen Schulen und anderen Gemeinschaften, die normative Erwartungszusammenhänge stabil generieren könen, ordnen und zu erklären.

Der nächste Gliederungsaspekt hat Bedeutung vor allem für die literarische und sonst textliche Überlieferung. Hier ist es für die Beurteilung einer moralischen oder ethischen Überlieferung durchaus von Bedeutung, ob es sich etwa um heilige Schriften, Gesetzestexte, philosophische Schriften, theologische Traktate, historische Schriften, Biographien, Briefliteratur, öffentliche Reden in schriftlicher Fixierung oder Münz- und Grabinschriften handelt. Aber auch für die nicht-textliche Überlieferung könne sich aus dem typischen Zweck von Überlieferungsträgern - etwa als Statue oder Denkmal, als Fundament eines privaten Wohngebäudes oder Bestattungsplatz - sinnvolle Gliederungskriterien ergeben.

Der dritte Gliederungsaspekt stellt darauf ob, ob eine Quellenüberlieferung sich primär etwa auf traditionale Sitte/Moral, relgiöse Gebote, ethische o. a. rationale Doktrinen über sittliche Fragen oder politisch erzeute, sittenbezogene Gesetze bezieht. Dieser Aspekt eignet sich für einen vereinfachten Überblick über ein in seiner Fülle im einzelnen kaum überschaubares Quellenmaterial besonders gut und wird daher der Übersicht dieses Kapitels und die korrespondierend Themenstellung der weiteren Kapitel dieses Skripts zugrundegelegt . Die genannten Legitimationstypen werden jedoch nur in der Weise aufgeführt bzw. erörtert, als es um historisch oft hervortretende und für das historische Verständnis antiker Moral und Ethik deshalb besonders wichtige Erscheingsformen geht. Das sind

a) weitverbreiteteVerbindungen unterschiedlicher Legitimationsformen objektiver moralischer Ordnung i. w. S. , nämlich

die Verbindung traditionaler mit religiöser Legitimation in religiöser Sitte und religiös begründeter Sitte (Kap. 3),

die Verbindung traditionaler mit politischer Legitimation (Sitte als Recht, Sittenrecht, Rechtsgewohnheiten; Kap. 4),

die Verbindung rationaler mit politischer Legitimation - 'Gesetzesordnung' und 'neuartige' Formen politischer und militärischer Moral (im Zusammenhang mit Kap 4), und

b) weitverbreitete Formen der Legitimation i. w. S. ethischer Denkansätze, nämlich

die gemeinwohlbezogene (politische) Ethik (Kap. 5),

die auf dem sittlichen Herkommen aufbauende (traditionalistische) Ethik (Kap. 5),

die philosophische Ethik (Ethik i. e. S., Kap. 6),

die Verbindung religiöser mit philosophischer Ethik (Kap. 7) und

die Verbindung religiöser mit politischer Ethik (Kap. 7).

2. Zur Verbindung traditionaler mit religiöser Legitimation in religiöser Sitte und religiös begründeter Sitte (zu Kap. 3).

a) Göttliche Gesetzgebung in Reichen des Alten Orients.

Innerhalb der verschiedenen antiken Religionstraditionen kommt regelmäßig zuumindest einer - zumeist bestimmenden - Gottheit die Eigenschaft zu, nicht nur in der Götterwelt und allgemein im All, sondern speziell auch in der Menschenwelt den Bestand von Recht und Sitte zu schützen und den Menschen ggf. auch enstprechende Anweisungen zu geben. Soweit derartige Anweisungen nicht nur als prinzipiell oder im Einzelfall ergangene, sondern als umfassende Ordnungen tradiert werden, kann man auch von einer' göttlichen Gesetzgebung' sprechen; 'Göttliche Gesetzgebung' bedeutetin der Vorstellungswelt aber etwas völlig anderes als 'politische', also 'menschliche' Gesetzgebung. Sie ergeht typischerweise an einen königlichen und zugleich wenigstens in gewissem Umfang priesterlichen Repräsentanten des von der Gottheit gemeinten Volkes wie z. B. Moses, Hammurabi oder Darius. Diese Art 'göttlicher Gesetzgebung' findet sich vor allem im Alten Orient.

Beispiel: Gottes Gesetzgebung am Sinai (2. Mos. 19 f.).

b) Prophetische Warnungen und Ermahnungen im Alten Orient.

Mit der Eigenschaft der sittenwahrenden und gesetzgebenden Gottheit verbindet sich mehr oder weniger notwendig die Konsequenz, daß sie zur Verdeutlichung ihrer Gebote und Verbote nicht nur einmal, sondern immer wieder einmal hervorstritt - und zwar in einer ähnlichen, wenn auch nicht so umfänglichen Weise wie bei einer 'Gesetzgebung'. Das ist die Übermittlung göttlichen Willens durch 'Propheten', d. h. Menschen, die von der Gottheit dazu berufen sind, andere Menschen oder einem Volk als ganzem wegen einer Abweichung von göttlichem Willen individuelle oder allgemeine göttliche Strafe anzudrohen oder Sühne abzuverlangen, für den Fall der Befolgung göttlichen Willens aber Wohlergehen oder die Erlösung aus Übeln in Aussicht zu stellen. Der Typus des 'Propheten' ist nicht nur im alten Israel der Bibel anzutreffen, sondern auch im alten Ägypten und im alten Mesopotamien vielfach belegt.

Beispiel: Israels Abfall von Gottes Gebot und die dafür drohende Strafe (Hesekiel Kap. 22).

c) Orakel und andere Zeichen der Gottheit in Griechenland und Rom.

Im westlicheren Bereich der Antike pflegen rechts- und sittenwahrende Gottheiten eher im Einzelfall über nicht-menschliche Medien und Zeichenzu agieren, und die Deutung und Sammlung ihrer Willensbekundungen, auch wenn es sich dabei anerkanntermaßen um 'heiliges Recht' (lat. 'ius sacrum') handelt, ist in der Vorstellungswelt primär priesterliche, also letztlich menschliche, wenn auch mit besonderer Autorität ausgestattete Tätigkeit.

Beispiele: Das Orakel von Delphi (Beispiel eines Orakels). Die sibyllinischen Bücher (Auskunft der sibyllinischen Bücher über die Notwendigkeit eines Menschenopfers).

d) Die Geschichten beispielhaft sittlicher und frommer oder aber sittlich fehlgehender Heroen, Vorväter und Könige im Alten Orient und im mediterranen Raum.

Das Lebensschicksal beispielhafter, oft mythologisch oder legendär beschriebener Persönlichkeitenantiker Völker pflegt in starkem Maße auch als göttlich beeinflusstes und auf den göttlichen Willen ausgerichtetes tradiert zu sein. Das gilt für Gilgamesch, die Patriarchen der biblischen Geschichten, Odysseus oder Romulus und Remus gleichermaßen. In ihrem Leben offenbart sich auf exemplarische Weise ('verba docent, exempla trahunt') für die Nachwelt damit stets auch der göttliche Wille, was menschliches Rechthandeln betrifft, und zwar selbst dann, wenn sie sich gelegentlich der Gottheit gegenüber versündigen.

Beispiel: biblische Patriarchengeschichten, hier Noahs Bewährung (1. Mos. 6 ff.).

e) Visionen von der moralischen Rechenschaftspflicht des Menschen nach seinem Tode vor einem göttlichen Gericht im Alten Orient, bei Griechen und Römern.

Daß Menschen nach ihrem Tode für das von ihnen zu Lebzeiten begangene Unrecht vor allem im sittlichen, göttlich mißbillgten Sinne, von einer dafür zuständigen Richter-Gottheit zur Verantwortung gezogen bzw. für ihre Wohltaten und Verdienste gegenüber Gott und Menschen belohnt, ja in die Gemeinschaft mit Gott oder den Göttern erhoben werden, ist ein weitverbreitete, wenn auch in ihrer Form vielfältige Vorstellung sowohl im Alten Orient als auch im westlicheren Raum der Antike. Es gibt sie in irgendeiner Form, die auch von den religiösen Vorstellungen über die Fortexistenz der Seele nach dem Tode abhängt , u. a. in Mesopotamien, Israel, Ägypten, Griechenland und Rom.

Beispiel: das altägyptische 'Totenbuch' (Textauszug aus dem ägyptischen Totenbuch).

f) Darstellung der moralischen Qualitäten der Gottheit im gesamten Bereich der Antike.

Wo in den antiken Kulturen Götter abgebildet oder beschrieben werden, haben sie - neben ihrer dem Menschen unzugänglichen und unverständlich erscheinenden Qualität als Gottheit - zumeist irgendeinen Aspekt menschlichen Verhaltens und menschlicher Gestalt an sich; werden ihre Gedanken dargestellt, so reden, denken und empfinden sie zumindest so ähnlich wie Menschen . Selbst wo die Abbildung von Göttern nach ihrem Willen unzulässig oder wegen ihres besonderen Charakters nicht üblich ist oder wo ihre Abbildung als Gestirne oder tierförmig erfolgt, sind dennoch durchweg menschliche oder menschennahe Qualitäten in der textlichen Götterbeschreibung festzustellen. Der Mensch versteht sich gegenüber der Gottheit ferner als ihr Geschöpf, partiell als ihr Abbild und von ihrer Fürsorge, ihrem Schutz und ihrer allwissenden Regierung - als personalen Handlungen - abhängig, und bittet die Gottheit ggf. auch um ihr Tätigwerden, wie man einen Menschen um etwas bittet. Aus all dem ergeben sich - teilweise recht unterschiedliche - moralische Profile der Gottheiten, die verehrt werden: so etwa das Bild von Gott als einem Hirten der Menschheit oder das von einer Göttin als Mutter des Alls.

Beispiele: die Motive vom 'guten göttlichen Hirten' (etwa bezogen auf den ägyptischen Gott Amun oder auf den der Gott Israels, Jahve) und von der 'sorgenden göttlichen Mutter' (z. B. Isis-Osiris-Mythos, Bildbeispiel).

g) Gottesfürchtige Weisheitslehren im gesamten Bereich der Antike.

Unter dem allgemeinen Sprichwortgut der verschiedenen Völker nehmen die speziell auf die Gottheit, die Gottergebenheit und die Pietät - auch unter Menschen - bezogenen Sprichworte, Fabeln, Reime oder Lieder einen besonderen Platz ein. Sie markieren im allgemeinen eine besondere Form frommer Sittlichkeit, eine besondere Qualität sittlicher Güte, die zu einer alltäglichen Form der Sittlichkeit in einer gewissen Spannung zu stehen pflegt.

Beispiele: der biblische 'Prediger Salomo' oder das 'Buch Hiob'.

h) Zusammenfassungen religiöser Kult-, Reinheits- und Pietätspflichten im gesamten Bereich der Antike.

Die in den verschiedenen antiken Religionen von göttlicher Seite an die Menschen gestellten Anforderungen pflegen auf unterschiedliche Weiseauch Opfer-, Sühne- und Reinheitspflichten aufzuerlegen, die jedoch in der Hinsicht Gemeinsamkeiten haben, daß sie die Menschen auch zu einem an sich uneinsichtigen Verzicht auf an eigentliche alltägliche Verhaltensweisen und normale Bedürfnisse, ja sogar auf an sich menschliche Denkweisen nötigen. Die Gottheit tritt in diesre Hinsicht oftmals als unkalkulierbar und fremdartig, ja als herrisch, rachsüchtig, kleinlich, gewalttätig, d. h. mit Eingenschaften hervor, die menschlich-sittlichen Maßstäben nicht entsprechen. Auch derartige Anforderungen der Gottheit haben jedoch sittenprägende Kraft insoweit, als 'menschliche' Maßstäbe sittlichen Handelns durch sie relativiert werden - und zwar im Hinblick auf eine in ihren Auswirkungen oftmals zumindest unmenschlich erscheinende , aber als sittlich letztmaßgeblich anerkannte, untadelige - eben göttliche - Instanz.

Beispiele: Römisches 'ius sacrum', hier: religiöse Sitte der Entsühnung von Land bei Cato, De agricultura'. Biblische Reinheitsvorschriften im 3. Buch Mose, Kap. 10 - 18.

i) Die Sittenordnung in religiös motvierten Prozessionen und Festspielen.

Ebenso wie in bildlichen und literarischen Darstellungen, so treten sittliche Eigenschaften und Anforderungen der Gottheit in Prozessionen und Festspielen hervor und zwar sowohl als Garanten menschlicher Maßstäbe der Sitte und des Rechts als auch in ihrer Eigenschaft als unfaßliche, dem Menschen fremde Wesen, die ihn u. a. auch in ausweglose Lagen und tragische Widersprüche verwickeln, wenn es ihnen richtig erscheint, und dennoch seine Loyalität beanspruchen.

Beispiele: Griechische und römische Tragödie und Komödie bei Aischylos, Die Perser, Aristophanes, Die Ritter, und Plautus, Amphitruo.

3. Zur Verbindung traditionaler mit politischer Legitimation in objektiven moralischen Ordnungen (Sitte als Recht, Sittenrecht, Rechtsgewohnheiten; zu Kap. 4).

a) Sitte als rechtsgültige Verfassung der staatlichen Institutionen in Griechenland und Rom.

Das politische Leben in antiken Gemeinwesen, d. h. solcher Strukturen gesellschaftlicher Organisation, die eine Sphäre des 'allgemeinen' - überprivaten und überverwandtschaftlichen - Wohls (lat. 'res publica') und besondere Einrichtungen zur Bildung von Willen in ihm durch Rechtsprechung, Gesetzgebung und Amts- und Kommandotätigkeit voraussetzen, beruht teilweise auf Entscheidungen . Die Legitimation solcher allgemeinwohlbezogener Entscheidungen - etwa herrscherliche Regierungsgewalt oder im politischen Konsens erteilte Amtskompetenz oder Einzelfallermächtigungen - oder die Begrenzungen solcher Legitimation oder die Regeln für die allgemeinwohlbezogenen Entscheidungsverfahren sind zu einem großen Teil durch Tradition festgelegt. Das läßt sich auch in denjenigen Gemeinwesen in besonderem Maße feststellen, in denen sich die politische Verfassung im Laufe der Zeit relativ stark ausprägt, also etwa in Athen oder im republikanischen Rom. In monarchischen und oligarchisch-aristokratischen Staatsgebilden ist das Element der 'Verfassungstradition' naturgemäß noch weiter verbreitet, weil die i. w. S. politische Entscheidungstätigkeit weit weniger im öffentlichen Streit ist, als in Demokratien oder Republiken. Auch im römischen Kaiserreich beruht eine Anzahl zentraler. hochpolitischer Angelegenheiten lediglich auf der Herausbildung einiger - der Faktizität der Machtverhältnisse angepaßter und deshalb ggf. changierender - Verfassungstraditionen.

Beispiele. Das Verhältnis von Tradition und Gesetz in der athenischen Verfassung. Die Tradition des Staatsnotstandsrechts und der Rechte des Senats in der römischen Republik. Die changierenden Traditionen für die Regeln der legitimen kaiserlichen Herrschaftsnachfolge im Imperium Romanum.

b) Sittenaufsicht und Sitte als Strafrecht in Griechenland und Rom.

Der heute im Strafrecht geltende, aus dem römischen Recht übernommene Grundsatz "nulla poena sine lege" ("Keine Strafe ohne ein im Zeitpunkt der Straftat gültiges Gesetz, das den Straftatbestand und den Strafrahmen eindeutig festlegt") entwickelt sich in der griechischen und in der römischen Antike erst allmählich und niemals zu umfassender Geltung. In anderen antiken Kulturen ist er noch weniger weit verbreitet. Es ist vielmehr im allgemeinen Sache der Gerichte, die strafbezogene Tradition, wo nötig, im Einzelfall in ihrer Gültigkeit festzustellen, bei wichtigen Problemen kontroverser Rechtsauslegung ggf. auch Sache der Gesetzgebung, gesetzliche Straftatbestände zu formulieren, wie wir sie etwa im römischen XII-Tafel-Gesetz d. J. 451/450 v. Chr. vir uns haben. Die Beobachtung von Sittenverstößen erfolgt in Griechenland und in Rom durch Privatleute, die ggf. die Initiative für die Erhebung einer Strafklage ergreifen und dabei u. U. zunächst einmal für sich selbst und mit einem gewissen Risiko die Frage nach der Geltung der im gegebenen Fall geltenden strafrechtlich erheblichen Tradition klären müssen, oder durch Amtspersonen, die die Aufgabe haben, Rechts- und Sittenverstöße, die eine Strafrechtssanktion oder eine andere Art staatlich verhängter Sanktion nach sich ziehen können, von Amts wegen aufzuklären. Zu solchen Beamten gehören auch die römischen Censoren, denen eine rein traditionsbasierter Sittengerichtsbarkeit anvertraut ist.

Beispiele: Asebie-Anklage gegen Sokrates in Athen; Sittenrichterliche und sittengesetzliche Aktivitäten Catos d. Ä. ; Herkömmliche Straftatbestämde des Rechts (Beispiele aus dem römischen Recht).

c) Sitte als Gewohnheitsrecht des Geschäftsverkehrs im gesamten Bereich der Antike.

Während in unserer Gegenwart das gesetzliche Recht als die Normalform des Rechts erscheint und das sog. 'Gewohnheitsrecht' als eine Ausnahme - ein Eindruck, der jedoch tatsächlich nicht ganz richtig ist -, ist das Verhältnis non gesetztem Recht zu Gewohnheitsrecht in allen antiken Gemeinwesen gerade umgekehrt. Im römischen Recht selbst der an Gesetzgebung reichen Kaiserzeit wird das 'durch dauernden und auf Übereinstimmung aller Rechtsgenossen beruhenden Gebrauch als geltend anerkannte Recht' als dem Gesetzesrecht völlig ebenbürtig behandelt.

Beispiele: 'Consuetudo' und 'mores' in der römischen Rechtsterminologie (Inst. Iust. 1, 2, 9; Dig. 1, 3, 32 ff.)

d) Antikes Völkerrecht im Alten Orient, in Griechenland und Rom.

In einem nicht ganz mit dem heutigen Völkerrechtsbegriff identischen Sinne kann man auch für bestimmte Rechtsformen antiker Kulturräume bonn 'antikem Völkerrecht ' sprechen. Dabei geht es einmal um Regeln, die im Verhältnis von Herrschaftsinhabern und Gemeinwesen untereinander al sRecht anerkannt sind (wie z. B. des Prinzip, daß man sich an Verträge halten muß), zum anderen um Rechtsregeln, nach denen Ausländer in einem antiken Gemeinwesen - etwa vor Gericht - behandelt werden. In beiden Fällen ist Grund der Rechtsgeltung in aller Regel nicht eine Rechtssetzung in Gesetzen odereine Rechtsvereinbarung unter 'staatlichen' Partnern eines 'internationalen' Verkehrs, sondern der unbestrittene, lang geübte Brauch.

Beispiele: Griechisches Völkerrechtsbewußtsein bei Herodot (Groll des Heros Taltybios wegen Völkerrechtsversetzung durch die Spartaner). Völkerrrechtsvorstellungen bei Barbaren und Römern in der Darstellung Caesars. 'Ius gentium' im römischen Recht.

4. Zur Verbindung rationaler mit politischer Legitimation (Gesetzesordnung, 'neuartige' Formen politischer und militärischer Moral; im Zusammenhang mit Kap 4).

a) Das Gesetzesrecht antiker 'Polis-Staaten' des Mittelmeerraumes i. w. S., soweit es nicht lediglich noramtive Traditionen fixiert, sondern wesentlich aufgrund politischer Zweckerwägungen normative Neuerungen gestaltet.

Beispiele: gesetzgeberische Staatsreformen im Athen des 6. und 5. Jhts. v. Chr.; die reformerische Volksgesetzgebung im republikanischen Rom.

b) Die Standards politischer und militärischer Moral, soweit sie neu eingeführten, allgemeinverbindlichen Ordnungen entsprechen.

Beispiele: die politisch und rechtlich eingeforderte, überzeugungsunabhängige staatsbürgerliche Loyalität gegenüber den verfahrensmäßig ordentlich beschlossenen Gesetzen einer verfassungsmäßig organisierten Polis im klassischen Athen ; die allgemein verbreitete, rechtlich vorgeschriebene und amtlich-propagandistisch unterstützte überzeugungsunabhängige Bürger- und Untertanenloyalität gegenüber der im 1. Jht. v. Chr. in Rom neueingeführten Prinzipatsverfassung.

5. Zur gemeinwohlbezogenen (politischen) Ethik (zu Kap. 5).

a) Der gedanklich reflektierte Patriotismus in Kriegszeiten.

Den objektiven politisch-moralischen Ordnungen antkiker Gemeinwesen entsprechen auf der subjektiven Seite des menschlichen Bewußtseins 'Bürgergesinnungen', die vor allem in Kriegszeiten eine erhebliche Bewegungskraft entwickeln können - bis hin zum militärisch erforderten Einsatz des Lebens für das allgemeine Wohl.

Beispiele: Perikles 'Totenrede' zu Beginn des peloponnesischen Krieges (Thukydides 2, 34 - 47); der militärische Widerstandsgeist der Verteidiger der Thermopylen i. J. 480 v. Chr. (Herodot, Historien 7, 219 - 228).

b) Aristokratisch-ständisches politisches Bewußtsein.

In republikanisch strukturierten Gemeinwesen der Antike wie Athen oder Rom sind Aristokratien durchweg das wesentliche, tragende Element der politischen Ordnung. Innerhalb dieser Aristokratien bilden sich Formen der Reflexion über politisches Handeln und seine Pflichten heraus, die ein hohes Maß an gedanklicher Überzeugungskraft zu entwickeln vermögen und nicht selten auch 'Märtyrer politischer Gesinnung' hervorbringen.

Beispiel: Catos d. J. Selbstmord nach der verlorenen Schlacht bei Thapsus i. J. 46 v. Chr. (Plutarch, Cato d. J. 58 - 73). Siehe auch P. 6 d) und e)

c) Die politische Ethik der 'Kaiserspiegel'-Tugenden.

Die verschiedenen monarchischen Ordnungen der Antike, insbesondere die römische Form einer republikanisch und aristokratisch unterbauten Prinzipats-Monarchie, sind gekennzeichnet auch von einem hohen Maß ideologischer Selbstdarstellung und politisch-ideeller Selbstreflexion der Herrscherpersönlichkeit. Dabei spielen die 'Herrschertugenden' eine gedanklich zentrale Rolle.

Beispiel: Überlegungen (auch) zur politischen Ethik bei Mark Aurel (Marc Aurel, Wege zu sich selbst, 1. Buch); die Vorbildlichkeit politischen und persönlichen Handelns des Kaisers Julian Apostata (Ammianus Marcellinus, Res gestae, Buch 25, Kap. 4).

6. Zu einer auf dem sittlichen Herkommen aufbauenden (traditionalistischen) Ethik (zu Kap. 5).

a) Sprichworte und Sprichwortsammlungen im gesamten Bereich der Antike.

Sprichworte haben in allen antiken Kulturen einen festen Platz in der Alltagsverständigung über sittliche Prinzipien und ihre Durchführbarkeit. Sie stellen dabei nicht nur rhetorische 'Topoi' dar, sondern haben vielfach echte argumentative Kraft; sie sind zusammengenommen gewissermaßen ein - in seinen Bestandteilen allerdings recht hetereohgenes - Sittengesetzbuch des Alltags.

Beispiel: Die biblischen 'Sprüche Salomos'.

b) Moralische Lehrdichtung, Epigrammatik in Griechenland und Rom.

Auf der Basis der volkstümlichen Sprichwort-Weisheit entwickeln sich unterschiedliche Formen moralischer Lehrdichtung, also geisteskulturell fortentwickelte Formen sittenbezogener Aussagen, die ein literarisch gebildetes oder interessiertes Publikum anzusprechen pflegen.

Beispiele: 'Aesops Fabeln', Hesiods 'Erga kai hemerai'. Martials Epigramme.

c) Vorväter-Legenden von sittlich exemplarischen Charakter in Griechenland und Rom.

In den trotz aller republikanischen und demokratischen Elemente stark aristokratisch geprägten Gemeinwesen der griechischen und römischen Antike spielen pflegen die 'großen' Persönlichkeiten, zumeist Monarchen oder Aristokraten der politisch maßgeblichen Schicht, gelegentlich auch ihnen gleichgeachtete 'große' Ärzte oder Philosophen, nicht nur in ihrer historischen Bedeutung und mit ihren politischen, wohltäterischen oder geistigen Verdiensten stark hervorgehoben zu werden, sondern auch in ihrer persönlich-sittlichen Vorbildlichkeit, letzteres in einer Weise, die uns auch aus unserer publizistisch personalisierenden Zeit vertraut ist und sachlich vielfach unangemessen erscheint. Dennoch kommt in der oft kumulativen Zusammenfassung persönlicher Tugenden längst verstorbener Menschen immer auch ein Kanon allgemeiner, die Gegenwart betreffender Tugendanforderungen zum Ausdruck. Dieser kann manchmal aber auch dadurch Ausdruck finden, daß einige Fehler und Laster berühmter Persönlichkeiten wahrheitsgemäß angesprochen werden, weil die sittliche Leistung, soweit bestehend, dadurch um so eindrucksoller und glaubhafter zu erscheinen vermag.

Beispiel: Die Darstellung beispielgebender Vorfahren und ihrer Tugenden, etwa: Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia.

d) Monumente und Ehrungen zugunsten verdienter Persönlichkeiten im gesamten Bereich der Antike.

Daß die Ehrung politischer und vergleichbarer Verdienste um das allgemeine Wohl die öffentliche Moral wesentlich zu kräftigen und rein interessenbezogenen, die allgemeine sittliche Dekadenz fördernden Egoismen entgegenzuwirken hat Polybios im Zusammenhang mit Erörterungen über die Größe Rom hervorgehoben (wo allerdings der politische Ehrgeiz auch gegenläufige Wirkungen zu entwickeln vermochte). Es gilt aber auch anderwärts in der Antike, soweit derartige Ehrungen üblich waren. Die Art der Ehrungen, ihr Ausmaß bzw. ihre Grenzen sind unterschiedlich; sie lassen jedoch im allgemeinen besonders deutlich erkennen, was sittlich als gut und verdienstvoll gilt.

Beispiel: Grabinschriften (Grabinschriften zweier Scipionen).Siehe auch P. 5 b).

e) Sittenbezogene Münzpropaganda in Griechenland und Rom.

Zu den Themenbereichen antiker Münzpropaganda gehört, seit es Münzgeld gibt, überall in der Anntike in starkem Maße auch die Hervorhebung politischer oder politisch-religiöser Tugenden, sei es an den im Münzbild hervorgehobenen konkreten Persönlichkeiten, sei es in abstrakt schlagwortartiger oder bildlich-allegorischer Form.

Beispiel: Allegorische Darstellung politischer Tugenden (Republikanischer Freiheitssinn der Cäsar-Attentäter und politisch-offizielle Pietas in der frühen römischen Prinziptszeit). Siehe auch P. 5 b).

f) Sittenkritik in Griechenland und Rom.

Im griechischen und römischen Bereich entwickeln sich im Zusammenhang mit den zahlreichen grundsätzlichen Wandlungen, die die Gemeinwesen und Lebensordnungen im Laufe der Zeit erfahren, auch unterschiedliche Formen einer literarischen Kultur- und Sittenkrik, die jeweils von einem besonderen sittlichen Wert dessen ausgehen, was als gut und sittlich tradiert ist, und in 'Neuerungen' tendenziell ein Moment des allgemneinen sittlichen Verfalls ('Dekadenz') sehen. Solche Ausführungen wenden sich an eine interessierte Öffentlichkeit, in der die Frage der Sittenveränderung auf irgendeine Weise Diskussions- oder Streitthema ist, und sind daher Hinweise auf die historische Dynamik der betroffenen sittlichen Ordnungen.

Beispiele: Sallust, Die Verschwörung Catilinas. Ammianus Marcellinus, Darstellung sittlicher Dekadenz der Stadtbevölkerung Roms ('Römischen Geschichte'. 28. Buch).

7. Zur philosophischen Ethik (Ethik i. e. S.; zu Kap. 6).

a) Sophistische Naturrechtsddoktrin als Voraussetzung systematisch-philosophischer Ethik.

In der griechischen Naturrechtsphilosophie der 'sophistischen Aufkläung' des 5. Jhts. v. Chr. stellt sich die Frage, wie sich die Geltung fundamentaler Rechtssätze, wenn sie nicht unmittelbar aus einem göttlichen Willen hergeleitet werden sollen, zu begründen sind. Im Spektrum der möglichen Antworten markieren Auffassungen wie die von dem 'überall ausschlaggebenden Recht des Starkeren' und von einem 'aus der menschlichen Natur hervorgehenden, in gewissem Umfang allen Menschen eingeborenen Recht' die Extreme. Die offenkundige Verschiedenheit der menschlichen Rechtsordnungen wird auf die Unterschiedlichkeit der sie bildenden politischen und kulturellen Faktoren zurückgeführt; für die Geltung eines Rechtssatzes wird damit nicht vorausgesetzt, daß er überall gleichermaßen in Geltung sein könne oder müsse. Da die Rechtsordnungen der Antike in starkem Maße Traditions-Rechtsordnung sind, wird damitauch anerkannt, daß die Sitte, mit welchem Geltungsimpetus sie auch aufzutreten pflegt, eine räumlich und historisch begrenzte Wirkung hat.

Beispiel: Gorgias und Protogaras zur relativen Gültigkeit moralischer Maßstäbe.

b) Empirische Erfahrungen mit unterschiedlichen Sittenordnungen als Voraussetzung systematisch-philosophischer Ethik.

Die durch die Verkehrsverbindungen der antiken Welt weiträumig eröffente Möglichkeit auch für Bildungsreisende , bei fremden Völkern eigene Erfahrung mit unterschiedlichen kulturellen Traditionen und normativen Ordnungen zu machen, macht den von der Sophistik entwickelten moralischen Relativismus von der empirischen Seite her plausibel. Reisenden wie Herodot fällt dabei immer wieder einmal auf, wie grundlegend unterschiedlich auch die Gefühle und Werte sein können, die hinter einer moralischen Ordnung stehen: was der einen selbstverständlich und gut erscheint, ist für die andere verabscheuungswürdig und unverständlich. Damit ist notwendig die Zuverlässigkeit der Introspektion, d. h. des 'unmittelbaren Werterlebens', als ausreichenden Zugangs zu den Geltungsgründen einer moralischen Ordnung in Frage gestellt, und schon der einfache Reisende wird zur Ermittlung des Richtigen ebenso wie zur Erklärung des Untolerablen ansatzweise auf intellektuelle Operationen verwiesen, die schließlich in der ethischen Philosophie ihre systematische Grundlage finden.

Beispiel: Griechische Periplus-Literatur, etwa Herodots ethnographische Exkurse in seinen 'Historien'.

c) Witz und Kritik im Hinblick auf die Differenz zwischen dem Bekenntnis zu sittlichen Normen und ihrer Nichteinhaltung als Begleitphänomen systematisch-philosophischer Ethik.

Eine milde oder sarkastische Form der Sittenkritik geht in Griechenland und Rom aus einer städtischen Form der Unterhaltung (wie dem Komödienwesen) hervor und findet literarisch in den Gattungen etwa der Satire oder des Epigramms Niederschlag. Sie beleuchtet vor allem die zwar gesinnungsdeklaratorisch nicht zugegebenen, aber heimlich oder offen von den meisten Zeitgenossen praktizierten Abweichungen von der an sich bestehenden Norm und machen so die alltäglichen Grenzen der Wirksamkeit moralischer Ordnung deutlich.

Beispiele: Horaz und Juvenals Satiren. Martials Epigramme.

d) Historisch-vergleichende Biographien in Griechenland und Rom als Begleitphänomen systematisch-philosophischer Ethik.

Während die in Griechenland und Rom entwickelte literarische Gattung der 'Biographie' im allgemeinen die 'Größe' einer Persönlichkeit, d. h. auch die moralische Dimension ihres persönlichen Lebens und ihren sittlichen Charakter (griech. 'eethos') zum Gegenstand hat, kommt in der 'vergleichenden Biographie' ein anderes Momen5hinzu, das der Verschiedenheit des äußeren Schicksals bei Relaisierung eines ähnlichen individuellen Charakters. Zugrundeliegt dem die Annahme, daß ein großer sittlicher Charakter sich aus ganz unterschiedlichen Zeitumständen zu entwickeln vermag und daß die 'Größe' trotz solcher Unterschiede aus ähnlichen indiviudellen Anlagen zu kommen und einen ähnlichen Weg der Entwicklung zu gehen scheint.

Beispiel: Vergleich griechischer und römischer Persönlichkeiten von historischer Bedeutung bei Plutarch in seinen 'Bioi paralleloi'.

e) Ethische Systementwürfe in Griechenland und Rom.

Die mit der Herausbildung einer methodisch prinzipiell nicht religiös argumentierenden Philosophie im Griechenland der klassischen Epoche sich verbindende Form prinzipiell nicht religiös argumentierender Ethik liegt nirgendwo in der Antike in einer atheistischen 'Reinform' vor, sondern trägt immer auch gewisse Elemente einer traditionellen Religiosistät in sich. Das gilt nicht nur für Sokrates und Platon, sondren auch für Aristoteles, die Epikuräer und die Kyniker. Allerdings spielt in ihren Systementwürfen, soweit sie vrorliegen oder rekonstruierbar sind, das Moment des menschlichen Nachdenkens über Prinzipien und des Begründens von Handlungsprogrammen aus ihnen eine vorrangige Rolle. Ob es um das Gute als Prinzip menschlicher Erhebung zu den götternahen Ideen Platom) , das Gute als Verwirklichung eines dem Menschen innewohnenden Ansatzes zu wirklichem geistigen (philosophischen) Glück (Aristoteles), das Gute als das akzentuiert-alltäglich konzipierte, von allen spekulativen Zielen absehende Verwirklichen naheliegender Ziele unter Beachtung der überlieferten und als sinnvoll bewährten menschlichen Lebensklugheit (Epikur), das Gute als perfektionierte Bedürfnislosigkeit (Diogenes) oder das Gute als eine prinzipiell Leidenschaftslosigkeit anstrebende Übereinstimmung des individuellen Willens mit dem All und seinen Bewegungen (Stoiker) geht, überall ist der programmatische, aus vorgängigen prinzipiellen Überlegungen abgeleitete und umfasende Geltung beanspruchende philosophisch-doktrinäre Charakter für das moralische Tun maßgeblich.

Beispiele: Sophistische 'Naturrechts'-Doktrin, Aristoteles 'Nikomachische Ethik' (Textauzug), Ciceros 'De officiis' (Textauszug) , Epiktets 'Enchriridion'.

f) Moralisch-reflexive Briefliteratur, Paränesen, Diatriben (Traktate), Apophtegmata und Tagebücher in Griechenland und Rom als Popularisierungen philosophisch-ethischer Systeme.

In Griechenland und in Rom seit Verbreitung der griechischen Philosophie gibt es eine nicht systematisch, sondern eher praxisbezogen und individuell, nicht eigentlich lehrhaft-öffentlich, sondern eher privat und persönlich auftretende Darlegung von Gedanken zu ethischen Problemen in Auseinandersetzung mit den vorhandenen philosophischen Denkansätzen verschiedenere Schulen, vor allem der Stoa. Sie tritt etwa in Briefen oder Briefsammlungen, kleineren Traktaten, scharfsinnigen schriftlichen Beobachtungen und persönlichen Tagebucheintragungen hervor. Man kann sie als persönlich-konfessorische ethische Literatur zusammenfassen. Sie zeugt vom 'moralischen Alltag' der ethisch Gebildeten und menschlich oft Leidenden mit ihrem Bedürfnis, sich mit ihren Überlegungen in kleineren Kreisen Verständiger und Vertrauter mitzuteilen und dadurch Sicherheit über das Zutreffende zu vermitteln oder zu gewinnen.

Beispiele: Seneca, Epistulae morales, Plutarch, Moralia, und Mark Aurel, Eis heauton.

g) Geschichte griechischer und römischer Philosophen in Griechenland und Rom.

Obschon die Philosophie seit der griechischen Klassik zum Kanon der höheren Ausbildung gehört und im griechischen ebenso wie im römischen Bildungsleben die Lehren und persönlichen Geschicke der großen Philosophen überall in gewissem Umfang bekannt sind, so ist der oft eher personenbezogene, die autoritativen Philosophenpersönlichkeiten ein wenig wie 'Heilige' behandelnde Charakter dieser komplexen philosophischen Bildungstradition nicht allzu häufig überliefert. Antike Philosopengeschichten, die es in größerem Umfang gegeben hat, als sie uns überliefert sind, machen die Entstehung ethischer Systeme - an sich angemessen - auch von der persönlichen Seite ihrer Schöpfer her verständlich, zeugen aber auch von einem Bedürfnis nach vereinfachter, manchmal legenden- oder anakdotenhafter Darstellung ethischer Fragestellungen, die auch im gebildeten Publikum nicht selten für eher esoterisch gehalten werden.

Beispiele: Diogenes Laertios, De vita philosophorum, etwa über die Diogenes. Antike Abbildungen von Philosophen, etwa von Diogenes (Bildbeispiel).

8. Zur Verbindung religiöser und philosophischer Ethik (zu Kap. 7).

a) Philosophische-religiöse Reinheits- und Vollkommenheitslehren im griechischen, hellenistischen und römischen Bereich.

Das religiöse Nachdenken erfolgt im griechischen Bereich - schon mehrere Jahrhunderte vor dem Auftreten einer christlichen 'Theologie'- auf eine systematische Weise, die den Namen 'Theologie' trägt und damit zu erkennen gibt, daß es sich um eine 'Wissenschaft' handelt. Sie kann Teil der 'Philosophie' sein, wie etwa bei Aristoteles und Platon, aber auch eher spekulativen Charakter haben. Soweit aus ihr moralische Konsequenzen für menschliches Handeln abgeleitet werden, begründet sie vor allem Wege zu gottgewollter oder gottnaher menschlicher Vervollkommnung (Katharsis), Lebensgestaltung (Diätetik) oder Versenkung (Mystik, Ekstasis), indem sie angenommene Prinzipien des göttlich bestimmten Kosmos in zwingender Weise mit solchen eines gottnahen menschlichen Lebens zusammensieht.

b) Pantheistisch fundierte Ethik in Griechenland und Rom.

Der Pantheismus, wie er etwa in der stoischen, aber auch in der epikuräischen Philosophie erscheint, ist eine im vorchristlich-antiken Sinne theologische, d. h. religiös-spekulative Denkweise, aus der sich auch moralische Konsequenzen ergeben. In welchem Verhältnis der Pantheismus zu traditionellen Rerligionen steht, ist nicht eindeutig. Obschon er die Göttlichkeit zu 'materialisieren' und die Materie zu 'vergöttlichen' scheint, also auch die in der Antike üblicherweise gesehenen prinzipiellen Unterschiede zwischen Gottheit und Menschheit berührt, so scheint er doch nicht notwendig ein konfessorischer Atheismus zu sein, sondern mittels allegorischer Deutungsverfahrenen mit traditionellen Religionen und ihren Kultbräuchen vereinbar; ja er ermöglicht dann unter seinen Prämissen sogar die geistige Koexsistenz oder Integration mehrerer, an sich unterschiedlicher Religionstraditionen. Die moralischen Konsequenzen aus dem Pantheismus gehen in der Stoa in die Richtung, das Leben auf eine 'Übereinstimmung mit dem All' als dem göttlichen Willen auszurichten, d. h. die Selbstbehauptung und Abgrenzung des Individuums gegen das, was als 'notwendigerweise' geschehend zu erkennen ist, aufzugeben und damit auch die irreführenden Leidenschaften des sich behauptenden Ich durch eine zu Gott hinführende 'Ataraxie' zu ersetzen. In dem religionskritischeren Epikuräismus führen sie zu einer Aufgabe unsinniger Ängste vor der Gottheit und einer zugleich selbstbewußten und bescheidenen Einrichtung des Menschen in dem, was ihm die gottgegebene Existenz als greifbaren Lebenssinn nahelegt.

Beispiele: Lukrez, De rerum natura (Buch 3); Seneca, Epistulae morales ad Lucilium; Mark Aurel, Eis heauton.

c) Henotheistisch-neuplatonische Ethik im Imperium Romanum.

Ähnlich wie der Pantheismus ist auch der an die Lehre Platons anknüfende, aber sie theologisch modfizisernde 'neuplatonische' Henotheismus der römischen Kaiserzeit ein primär religiös-spekulativer Denkansatz, der überwiegend nicht in einem kontroversen Verhältnis zu traditionellen antiken Religionen und ihren Kulten zu stehen scheint, sondern in gewissem Umfang sogar ihre Integration ermöglicht. Anders als der Pantheismus setzt er aber dezidiert eine Form-Materie-Scheidung der Welt und damit auch eine klare Abgrenzung der göttlichen als - einer letztlich unbegreiflichen und vor aller Zeit und Schöpfung stehenden - Sphäre und der Menschenwelt als Teils eines mit göttlichem Geist (Ideen) aus der Materie geschaffenen Kosmos voraus. Das hat generell moralische Konsequenzen in Richtung auf menschliche Bemühungen des Menschen, mit der Kraft des ihm gegebenen Geistes in eine gottnahe Ideen-Sphäre des Guten, Wahren ubnd Schönen aufzusteigen, aus der er als Schöpfungswesen ursprünglich hervorgeht. Im einzelnen führt es sittlich zu durchaus strikten, wenn auch wohl recht unterschiedlichen Formen 'sittenreiner' Lebensführung (von der Diätetik bis zu einer wie bei den Christen praktizierten Nächstenliebe), zu Läuterungs- und Versenkungsverfahren (Mysterien), die in die Nähe des Göttlichen und von der materiellen und triebhaften menschlichen Alltagsexistenz wegführen können, und zu einer fast religiösen Bedeutung gedanklichen Tuns, das den höheren Werten menschlichen Wissens und menschlicher Bildung zugeneigt ist.

Beispiele: Plotinos, Enneaden 1, 6, 1(Über das Schöne); 6, 9, 9 ( Über das Gute / das Eine) ; Julian Apostatas religiöse Schrift über den Attis-Kybele-Kult.

d) Christliche Moraldoktrin.

Das Christentum ist eine antike Religion neuer Art insoweit, als sich in ihm in seiner frühen Entwicklung ein Erbteil tradititioneller, wenn auch schon eschatologisch ausgerichteter jüdischer Religion verbindet mit einem immer stärker sich ausprägenden religiös-spekulativen Moment, das einer platonisch inspirierten Logos-Theologie entstammt. Jesus, die charismatische Leitgestalt der ersten Gemeindebildung, ist bzw. bleibt nicht einfach ein traditioneller Heiliger oder Prophet, sondern ein uranfänglich bei Gott befindlicher, als Logos in die Welt entäußerter und sie zum 'Reiche Gottes' erneuernder 'personal hervortretender Teil' bzw. 'kosmisch-dynamischer Aspekt' Gottes; die theologisch-begrifflichen Probleme der christologischen Dogmatik mit der 'Natur' Jesu Christi zeigen dabei die Schwierigkeit, einen traditionellen, Gott der Welt gegenüberstellenden und dazu noch montheistischen Gottesbegriff mit einem logostheologischen Bild von einem zeitweilig zum Teil der Welt werdenden und ihre Ordnung erneuernden Teil-Gott in Einklang zu bringen. Doch sind sie insoweit von wichtiger moralischer Konsequenz, als Gott menschlich ist, wenn er Gott und Menschen gleichermaßen in beispielgebender Weise 'liebt', und sein Tun in eine deshalb glaubhafte Perspektive des 'Heils' stellt, d. h. der Erlösung des Schöpfungswesens Mensch aus seinen irdischen Bedrängnissen und der Verwandlung der vom Bösen geschädigtenWelt zu einem Reiche des göttlich Guten. Man muß daher sehen, daß christlich-religiöser Moral hauptsächlich nicht durch Tradition oder 'menschenferne' Verordnung eines göttlichen Gesetzgebers legitimiert ist, sondern durch eine religiös-ethische Entwicklung, nämlich durch logostheologische Begründung des 'Liebes-Prinzips'. Allerdings betrifft das den originäre und auch späteren Kern der christlichen Moraltheologische, nicht so sehr die Praxis des Gemeindelebens, in der partiell und notwendig auch die moralischen Ordnungen der nicht-christlichen Umwelt ihre Geltung beanspruchen. Auf diese Weise kommt es immer wieder zu Abgrenzungsproblemen, die vor allem die frühchristliche Briefliteratur prägen.

Beispiel: die Paulus-Briefe (1. Brief an die Korinther).

9. Zur Verbindung religiöser und politischer Ethik (zu Kap. 7).

a) Die systematische religiöse Begründung antiker Herrschaftsideologien.

Die Vielfalt antiker Herrschaftssysteme hat dennoch eine Gemeinsamkeit, nämlich daß sich in ihnen zumindest in größerem Umfang politische und religiöse - als sittlich-religiös-traditionelle - Ordnung miteinander zu verbinden pflegt (siehe dazu oben zu 3.). Das gilt nicht nur für Monarchien, sondern auch für Republiken und Demokratien, wie wir sie etwa in Athen oder Rom vor uns haben. Auch die römische Monarchie baut darauf auf, wie man an ihrem Anfang unter Augustus ebenso wie in späteren Jahrhundertes der Prinzipatsherrschaft und des 'absoluten Kaisertums' feststellen kann. Dieser allgemeinen Ordnung entsprechen auf der subjektiven Seite mannigfache Formen künstlerischer und gebildet-literarischer Reflexion über sie

Beispiele: Vergil, Aeneis; Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia.

b) Antike sytematische Reflexion über die Durchsetzung religiöser Postulate mit politischen Mitteln.

Wo in der Antike 'gottesstaatliche' Vorstellungen das politische Denken prägen, d. h. in ihm eine priotitäre Rolle spielen, kommt es notwendig ebenfalls zu einer Verbindung religiöser und politischer Ethik. Das gilt exemplarisch etwa für die jüdischen Gemeinwesen der Nachexilsepochen und späterhin für das zur römischen Staatsreligion gewordene Christentum.

Beispiel: Codex Iustinianus, 1. Buch (Titel über das Religionsrecht).

10. Literatur, Medien, Quellen.

LITERATUR (Handbücher und Einführungen):

Johann Gustav Droysen, Historik. Rekonstruktion der ersten vollständigen Fassung der Vorlesungen (1857), Grundriß der Historik in der ersten handschriftlichen (1857/1858) und in der letzten gedruckten Fassung.Textausgabe von Peter Leyh, Stuttgart 1977.

W. Schmid, O. Stählin, Geschichte der griechischen Literatur, Handbuch der Altertumswissenschaft VII. Abt., 1. Teil (Die klassische Periode der griechischen Literatur), Bde.1 - 5, (1929 - 1934) ND München 1946 - 1959).

W. v. Christ, O. Stählin, W. Schmid, Geschichte der griechischen Literatur, Handbuch der Altertumswissenschaft VII. Abteilung, 2. Teil (Die nachklassische Periode der griechischen Literatur, (1914 - 1935) ND München 1966 - 1971.

Martin Schanz, Carl Hosius, Geschichte der römischen Literatur bis zum Gesetzgebungswerk des Kaisers Justinian, Handbuch der Altertumswissenschaft, VIII. Abt., 4 Teile, (1920 - 1927), ND München 1966 - 1971.

E. Schmalzriedt (Hg.), Hauptwerke der antiken Literaturen. Einzeldarstellungen und Interpretationen zur griechischen, lateinischen und biblisch-patristischen Literatur (Kindlers Literaturlexikon), München 1976.

R. de Vaux, Das Alte Testament und seine Lebensordnungen, 2 Bde., Freiburg 1960 2 .

Jan Assmann, Ägypten. Theologie und Frömmigkeit einer frühen Hochkultur, Berlin, Köln 1991 2 .

Karl Vorländer, Geschichte der Philosophie mit Quellentexten. Auf Grundlage der verschiedenen Bearbeitungen von E. Metzke, H. Knittermeyer, E. Grassi und E. Kessler neu herausgegeben von H. Schnädelbach u. a., Bd. 1: Altertum. Durchgesehen und mit einem Nachwort versehen von M. Forschner, Hamburg 1990.

Alasdair MacIntyre, Geschichte der Ethik im Überblick. Vom Zeitalter Homers bis zum 20. Jahrhundert. Übersetzt von Hans-Jüregn Müller, (1966) Frankfurt M. 1991.

Jan Rohls, Geschichte der Ethik, Tübingen 1991 [Von der Antike bis zur Gegenwart]

M. P. Nilsson, Geschichte der griechischen Religion, 2 Bde., (Vom Beginn des 2. Jts. v. Chr. bis in die römische Zeit), München 1955.

K. Latte, Heiliges Recht, Tübingen 1920.

H. J. Wolff, Gewohnheitsrecht und Gesetzesrecht in der griechischen Rechtsauffassung, in: E. Bernecker (Hg.), Zur griechischen Rechtsgeschichte, Darmstadt 1968.

K. Latte, Römische Religionsgeschichte, München 1960.

J. Bleicken, Lex publica. Gesetz und Recht in der römischen Republik, Berlin 1975.

Carl Schneider, Geistesgeschichte der christlichen Antike (gekürzte Sonderausgabe des erstmalig 1954 erschienenen Werks), München 1970;

Ernst Troeltsch, Die Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen, Tübingen 1912 , ND Tübingen 1994, S. 16 - 178.

MEDIEN

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1 (Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. Graphische Geslatltung der Abbildungen von Harald und Ruth Bukor, S. 54 und 74.

QUELLEN

(Die Fundstellen der vielen in diesem Kapitel gegebenen elektronischen Quellenhinweise können in der Regel an dem zitierten elektronischen Ort gefunden werden. Soweit das nicht der Fall ist, werden Quellenhinweise an dieser Stelle aufgeführt werden)

Aus einem Papyrus der XX. Dynastie (um 1100 v. Chr.). Darstellung der verstorbenen Priesterin Anhai (ganz rechts) , deren Seele (in der Waagschale links; in der rechten Waagschale befindet sich die Feder des 'Maat'. d. h. der Wahrheit) - im Totengericht in der 'Großen Halle' auf Unbelasteteheit überprüft wird, ferner des die Waage justierenden Anubis, des buchführenden Thoth und des 'Seelenfressers', der darauf wartet, belastete Seelen zu zerstören. Abb.mit Kommentar entnommen aus: Manfred Lurker, The Gods and Symbols of Ancient Egypt. An Illustrated Dictionary. London 1980, S. 129.

Denar d. J. 43 v. Chr, ausgegeben von dem Imperator M. Iunius Brutus, einem der Caesar-Attentäter, und seinem Unterfeldherrn L. Plaetorius Cestius, und Dupondius, unter dem Kaiser Tiberius um das Jahr 24 n. Chr. - im zweiten Jahr des Tribunenamtes des auf der Münze namentlich erwähnten Drusus Iulius Caesar - geprägt. Abbildung und Erläuterung in: Max Miller, Münzen des Altertums, Braunschweig 1963, S. 177 und Tafel XXIII (Nr. 267 und 274).

Statue des Diogenes. Hellenistisch. Heutiger Standort: Villa Albani Rom. Beschreibung und Fundstelle: G. Hafner, Bildlexikon antiker Personen, Zürich 1993, S. 101 - 103.

Statue der Isis, den Horus als Kind auf dem Schoß, Im 4. Jht. n. Chr. in Äbypten entstanden. Heutiger Standort: Pergamon-Museum in Berlin. Postkartenmotiv.

Schemata der solonischen und der kleisthenischen Verfassung in Athen und Schema der römischen Verfassung in der Zeit der späten Republik. Abbildungen entnommen aus: Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1 (Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. Graphische Geslatltung der Abbildungen von Harald und Ruth Bukor, S. 54 und 74.


LV Gizewski WS 2001/2002.

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)