Opferbräuche in Rom. Livius, Ab urbe condita 22, 57, 5 f. und Cato, De agricultura 141, 1 - 4.

a) Zu Livius: Lat. Text nach Ed. F. C. Walters, R. S. Conway und S. K. Johnson, 4 Bde. Oxford 1914 - 1935, ND 1960/61. Dt. Übbersetzung. C. Gizewski. b) Zu Cato: Lat. Text und dt. Übersetzung aus: Marcus Porcius Cato. Vom Landbau. Fragmente. Alle erhaltenen Schriften. Lateinisch - Deutsch. Heg. von Otto Schönberger., München 1980, S. 142 f.


a) Menschenopfer in staatlichen Notlagen. Livius, Ab urbe condita 22, 57, 5 f.

Deutsche Übersetzung.

Quintus Fabius Pictor wurde zum Orakel in Delphi geschickt, um dort in Erfahrung zu bringen, durch welche Bitt- und Sühnehandlungen man die Götter besänftigen und wie man künftig derartigen Niederlagen [scil. wie der eben, i. J. 216 v. Chr., von den Römern im Krieg gegen Hannibal erlittenen bei Cannae ] vorbeugen könne. ...

In der Zwischenzeit wurden nach Maßgabe der der sibyllinischen Bücher einige außerordentliche Opfermaßnahmen vollzogen , bei denen ein Galier und eine Gallierin, ein Grieche und eine Griechin auf dem Forum Bovarium [in Rom] lebendig in einem von einem Stein abgeschlossenen Erdloch begraben wurden, das bereits früher der Aufnahme von Menschenopfern, einem in keiner Weise römischen Kultbrauch, gedient hatte.

Lateinischer Text:

Q. Fabius Pictor Delphos ad oraculum missus est sciscitatum quibus precibus supliciisque deos possent placare et quaenam futura finis tantis cladibus foret, ...

Interim ex fatalibus libris sacrificia aliquot extraordinaria facta, inter quae Gallus et Galla, Graecus etv Graeca in foro bovario sub terram vivi demissi sunt in locum saxo consaeptum, iam ante hostiis humanis, minime Romano sacro, imbutum.

b) Opferbräuche bei wiederkehrenden Entsühnungshandlungen. Cato, De agricultura 141. 1 - 4.

Deutsche Übersetzung.

(1) Die Feldflur muß so entsühnt werden: Befiehl, daß Ferkel, Lamm und Kalb um die Flur getrieben werden: "Mit gnädigem Willen der Gottheiten - und es möge gut ausgehen - gebe ich dir, Manius, den Auftrag, daß du Sorge trägst, daß jenes Schwein- Schaf- und Stieropfer mein Landgut, meine Feldflur und mein Land entsühnt, soweit du es für gut hältst, es herumzutreiben oder herumzutragen".(2) Sprich zuvor feierlich mit einer Weinspende Ianus und Iupiter an. Dann sprich so: "Vater Mars, dich bitte ich flehentlich, daß du wohlwollend und geneigt seiest mir, meinem Hause und unserer Hausgenossenschaft, wessenthalben ich um meine Feldflur, mein Land und mein Landgut das Schwein-, Schaf- and Stieropfer habe herumtreiben lassen. auf daß du Seuchen, sichtbare und unsichtbare, Verwaisung und Verwüstung, Unheil und Unwetter fernhaltest, abwehrst und abwendest; und daß du die Feldfrüchte, Getreide, Wein- und Obstgärten groß werden and gut gedeihen lassest, (3) Hirten und Herden heil haltest und gutes Heil gebest und Gesundheit mir, meinem Hause und unserem Gesinde. Dieser Dinge halher, der Entsühnung meines Landgutes, meines Landes und meiner Ackerflur und der vorzunehmenden Weihe halber, wie ich gesagt habe, sei geehrt durch dieses Opfer von saugendem Schwein, -Schaf and Stier. Vater Mars, der gleichen Sache halber sei geehrt durch diese saugenden Tiere hier, durch Schwein, Schaf und Stier!" (4 ) Ebenso mache, daß beim Messer Opferkuchen und -fladen bereit liegen! Dann biete dar. Wenn du das Ferkel schlachtest, das Lamm und das Kälbchen, ist es so nötig: "Und dieser Sache halber sei geehrt durch das Schwein-, Schaf- and Stieropter. [Er verbietet, Mars zu nennen, auch Lamm und Kalb]. Wenn da bei allen drei Tieren weniger gute Wahrzeichen erlangst, sprich folgende Formel: Vater Mars, wenn dir bei jenen saugenden Tieren, bei Ferkel.Lamm and Kalb etwas nicht zur Genüge getan ist, so bringe ich dir mit diesem Schwein-, Schaf- und Stieropfer ein Sühnopfer. Wenn du bei einem oder zweien zweifelst, sprich folgende Formel: "Vater Mars, weil dir durch jenesSchwein nicht Genüge getan ist, bringe ich dir mit diesem Schwein em Sühnopfer."

Lateinischer Text:

(1) Agrum lustrare sic oportet: impera suovetaurilia circumagi: "Cum divis volentibus quodque bene eveniat, mando tibi, Mani, uti illace suovitaurilia fundum agrum terramque meam, quota cx parte sive circumagi sive circumferenda censeas, uti cures lustrare."( 2) Iannum Iovemque vino praefamino, sic dicito: "Mars pater, te precor quaesoque, ut sies volens propitius mihi domo familiaeque nostrae quoius rei ergo agrum terram fundumque meum suovitaurtita circumagi iussi; uti tu morbos visos invisosque, viduertatem vastitudinemque, calamitates intemperiasque prohibessis defendas averruncesque, utique to fruges, frumenta. vineta virgultaque grandire beneque evenire siris. (3) Pastores pecuaque salva servassis duisque bonam salutem valetudinemque mihi domo familiaeque nostrae. Harunce rerum ergo, fundi terrae agrique mei lustrandi lustrique faciendi ergo, sicuti dixi, macte hisce suovitaurilibus lactentibus immolandis esto. Mars pater, eiusdem rei ergo, macte hisce suovitauriIibus lactentibus esto." ( 4) Item [esto item] cultro facito struem et fertum uti adsiet; inde obmoveto. Ubi porcum immolabis, agnum vitulumque, sic oportet: "Eiusque rei ergo macte suovitauribilus immolandis esto." [Nominare vetat Martem neque agnum vitulumque.] Si minus in omnis litabit, sic verba concipito "Mars pater, si quid tibi in illisce suovitaurilibus lactentibus neque satisfactum est, te hisce suovitaurilibus piaculo." Si uno duobusve dubitabit, sic verba concipito: "Mars pater, quod tibi illoc porco neque satisfactum est, te hoc porco piaculo."


LV Gizewski WS 2001/2002

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)